Disclaimer: Weder die Figuren, noch die darauf
basierende Handlung meiner Fanfiction, gehören mir - sonst
einzig und alleine nur der Plot und die Gedichtzeilen am Anfang eines
jeden Kapitels. Die Rechte an Harry Potter liegen ganz alleine bei
Joanne K. Rowling. Ich verdiene hiermit kein Geld, sondern schreibe
dies zum reinen Zeitvertreib.
A/N: Dank geht an D.V.G.M.1
und GossiP Girl16.
hegdl, eure Tanya :)
Überarbeitete Version. Keine Änderungen, die den Handlungsablauf verändern - jedoch Verbesserungen in Formatierung und Wiedergabe des Textes (Dezember 2006).
Without Existence - Suche dich, dann findest du mich - Ruptured
„Egal wie sehr Menschen meinen zu wissen was sie tun,
können
sie trotzdem nie in Frieden ruh'n.
Das ist auch gut so, denn der
Mensch ist nicht perfekt.
Es gibt immer noch mehr Schwächen,
die er in sich entdeckt."
„Morgen meine Süße", murmelte er ihr ins Ohr, dann küsste er sie heiß und innig. Potter und Weasley mussten jetzt wohl überlegen welcher der größte Schock für die beiden war. Hermione leben zu wissen, oder zu erkennen, dass sie anscheinend etwas mit ihm angefangen hatte...
Es krachte. Draco löste sich wieder von Hermiones Lippen und wandte sich zu den beiden um. Sie waren anscheinend so schnell aufgesprungen, so dass ihre Stühle lauthals umgefallen waren. In ihren Gesichtern spiegelte sich pures Entsetzten, während sie mit langsam Schritten – wohl immer noch im Glauben es sei ein Traum – auf die beiden zukamen.
„Hermione...", wisperte Ron mit einem vollkommen verblüfften Gesichtsausdruck. Man könnte wirklich meinen, er würde denken, es stünde ein Geist vor ihm.
Draco allerdings interessierte das nicht weiter, sondern musterte Potter neugierig und kam nicht umhin sich ein kleines Lächeln der Schadenfreude zu unterdrücken. Ihm hatte es vollkommen die Sprache verschlagen und er fand es verständlich, immerhin wusste er nicht genau wie er reagiert hätte, wenn er seine tot geglaubte Freundin nach einem Jahr in den Armen seines – nicht gerade besten Freundes – wiederfinden würde. Wahrscheinlich war das nicht gerade die langsame Vorbereitung gewesen, um die Dumbledore ihn gebeten hatte.
Hermione hastete auf Ron zu und umarmte ihn glücklich. Der erwiderte ihre Umarmung nicht, sondern starrte einfach auf die Stelle, an der sie eben gestanden hatte. Harrys Augenpaar allerdings ruhten auf Draco. Das Smaragdgrün darin wirkte leer und vollkommen ausdruckslos. Er schien in ein tiefes Loch aus Unglauben, Verwirrtheit und vollkommener Verzweiflung gefallen zu sein. Wahrscheinlich brach sein – ohnehin schon ziemlich angeknackstes Herz – gerade zum zweiten Mal in zwei.
„Hermione...", fand Ron wieder seine Sprache, „... du...
lebst?"
Hermione löste die Umarmung und sah ihm mit einem
strahlenden Lächeln entgegen. „Ja... ich hab dich so
vermisst... oh Ron!"
Ein zweites Mal fiel sie ihm um den Hals. Harry beobachtete die Szenen zwischen den beiden nicht, sondern fixierte immer noch Draco, hörte aber aufmerksam zu. Plötzlich löste er sich aus seiner Trance und schlürfte an den beiden und Draco vorbei – diesen jedoch rammte er noch mit voller Wucht – bevor er die Große Halle verließ.
Draco sah Harry mit hochgezogener Braune hinterher. Hermione hatte ihn vollkommen ignoriert und das schien für diesen sogar schlimmer zu sein, als die Tatsache, dass sie anscheinend mit ihm zusammen war. Wenn man das was die beiden hatten, überhaupt als „Beziehung" bezeichnen konnte. Draco war sich ziemlich sicher, für Harry brach gerade die Welt ein zweites Mal zusammen.
Kurz warf er einen Blick auf Hermione und Ron, welche sich noch immer in den Armen lagen, und rannte dann kurz entschlossen Potter hinterher. Er wusste nicht genau wieso er das tat. Vielleicht, weil er trotz seiner Schadenfreunde auch Schuld fühlte? Nicht, da er und Hermione ihn gerade aus allen Wolken geholt hatten, sondern, weil sein Plan an seinem Verrat mit jeder Sekunde immer mehr Form annahm. Bald schon würde der Tag kommen, an dem er ihm bewusst als Feind gegenüber stehen würde.
Draco lag eigentlich nichts an Potters Wohl am Herzen, aber er
hatte ihm glauben wollen... vertrauen wollen... Er war sich sogar
ziemlich sicher, dass es ihm Leid getan hatte, als er ihn gestern
beschuldigte, er würde nicht auf ihrer Seite stehen.
Bis
jetzt gab es nicht viele Menschen, die ihm vertrauen wollten, ohne
ihn davor auf die Probe gestellt zu haben und das machte ihn für
Draco widerwillig sympathisch.
„Aber... wo warst du die ganze Zeit?!", stieß Ron atemlos hervor und schüttelte den Kopf. „Ich versteh das nicht! Wie bist du nur den Todessern entkommen?"
Hermione senkte ihren Kopf und lächelte ihn matt an. Rons blaue Augen glitzerten sie über glücklich an. Wenn sie es nicht besser wüsste, würde sie sogar meinen er wäre den Tränen nahe. Es war wirklich ein wunderschönes Gefühl ihn wiederzusehen, denn sie hatte ihn wirklich vermisst. Trotzdem aber tat ihr auch leid, ihm nun diese ganze Lüge auftischen zu müssen. Doch Rache an Harry, bedeutete auch unweigerlich Verrat an Ron und das musste einfach sein...
„Ich bin den Todessern nicht entkommen", entgegnete Hermione
ihm. „Sie haben mich gefangen genommen."
Rons Augen weiteten
sich entsetzt. „Du... du wurdest gefoltert?"
Hermione nickte.
„Aber ich habe es geschafft zu entkommen. Mit Dracos
Hilfe."
Augenblicklich verfinsterte sich sein Gesicht. Er trat
einen Schritt zurück und seine Augen wurden kalt. Mit diesen
Worten schien er eine Erinnerung an Hermione zu wecken, die er gerade
durch ihre plötzliche Auferstehung überhaupt nicht richtig
wahrgenommen hatte. „Du hast ihn eben ... geküsst."
Das geküsst, hatte er fast gespuckt. Alleine die
Vorstellung schien ihm alle Haare zu Berge stehen lassen. „Bitte
sag mir, dass es nicht das ist... wo nach es ausgesehen
hat?"
Schuldbewusst senkte Hermione ihren Kopf und schüttelte
ihn leicht. „Nein... ich kann es dir nicht sagen, denn dann würde
ich lügen."
Wieder trat Ron einen weiteren Schritt zurück.
Seine Miene wirkte mit jeder Sekunde schockierter. „Aber
Hermione!", rief er aus. „Das ist ... Malfoy! Du hasst ihn doch
und ich hasse ihn und... und er tut das..."
Ron wollte eine Kopfbewegung in Richtung Harry werfen, doch dieser
war verschwunden. „Wo ist er?", fragte er irritiert und sah dann
auf die Stelle an der Draco gestanden hatte. Der jedoch, war auch
weg.
Hermione zuckte mit den Schultern und ihre Tonlage wurde
bitter. „Ich weiß es nicht, aber wenn ich ehrlich bin, ist es
mir vollkommen egal wo Harry ist."
Nachdenklich betrachtete Ron sie. „Er... er hat dich vermisst. Weißt du... nun ja, nach deinem Tod – wir dachten alle du seiest es – habe ich nicht sonderlich viele Worte mit ihm gewechselt. Ich gab ihm die Schuld und denke auch immer noch er ist Schuld daran, dass du gefangen genommen wurdest, deswegen fällt es mir besonders schwer das zu sagen... aber... Er hatte gelitten und liebt..."
Ron verstummt bei dem grimmigen Gesichtsausdruck Hermiones. Sie
wandte ihren Kopf ab. „Soll er doch leiden. Mir ist es auch
vollkommen egal ob er nun auch darunter leidet, dass ich mit Draco
zusammen bin, dann weiß er wenigstens wie das ist."
Ron
betrachtete sie kopfschüttelnd. „Aber Malfoy! Bist du denn
verrückt geworden!? Ich meine... wäre es jemand anderes,
dann würde ich es ja verstehen! Doch er?"
„Ron...",
rief Hermione eindringlich. „tut mir Leid, ich will deine Meinung
zu diesem Thema aber nicht hören... er hat mir das Leben
gerettet, verstehst du das nicht?"
„Das mag ja sein, doch... weißt du... wenn ich jetzt nicht geglaubt hätte, dass du Tod gewesen bist und dich für ein Jahr nicht gesehen hätte... dann wäre ich wirklich sauer auf dich, aber ich kann es so nicht sein. Malfoy ist ein Mistkerl und er hat dir – genauso wie mir – so lange das Leben zur Hölle gemacht. So etwas kann ich nicht einfach verzeihen... und an deiner Stelle würde ich mir überlegen, ob er es auch wirklich wert ist, dass du ihm verziehen hast..."
Draco fand Harry im Flur Richtung Ravenclaw-Gemeinschaftsraum. Er lehnte gegen die Wand und starrte finster zur die Decke. Als er Dracos Schritte wahrnahm regte er sich aber kein bisschen.
„Wenn ich es nicht besser wüsste, dann würde ich sagen, du hast auf mich gewartet", meinte Draco spöttisch. „Willst du etwa mit gezucktem Zauberstab auf mich losgehen oder vielleicht gleich mit der Faust? Ich muss sagen, aus Erfahrung weiß ich, dass ein Kampf mit der Faust immer effektiver ist, wenn man Aggressionen abbauen will."
Harry wandte seinen Blick von der Decke ab und sah ihm boshaft
entgegen. „Du hast Recht, am liebsten würde ich dir jetzt
deine ätzende Fresse einschlagen. Aber ich mache es nicht, denn
ich besitze noch einen Funken Ehre. Das Einzige was ich will, ist dir
viel Spaß zu wünschen."
Draco hob die Braune. „Spaß?
Nun, denn hatte ich mit deiner kleinen Freundin schon und ich muss
sagen, es war wirklich ein Vergnügen."
Ein kleiner Muskel regte sich in den Gesichtszügen Harrys. Aber nur für eine klitzekleine Sekunde, die es aber trotzdem geschafft hatte, all seine Enttäuschung und Wut zu verraten.
So schnell wie Harrys Maske aber gefallen war, saß sie auch wieder fest. „Muss dir anscheinend wirklich Spaß machen, abgenutzte Dinge von anderen zu übernehmen?" „Nennst du sie wirklich abgenutzt? Nun... ihr scheint euch wohl beide zu hassen was?" Draco lächelte spöttisch. „Weißt du Potter... du kannst sagen was du willst, aber du kannst mir nicht vorspielen, dass sie dir nichts bedeutet und erst Recht nicht nach unserem gestrigen Gespräch. Von ihr aber – und das meine ich wirklich ernst, weil ich um dein Wohl besorgt bin – würde ich mich fern halten."
„Wieso? Kommt dann etwa der eifersüchtige Malfoy daher, um
sein Territorium zu markieren?", höhnte Harry.
Draco
schüttelte bitter lächelnd den Kopf. „Nein, ich würde
ganz bestimmt nichts tun, denn ich weiß genau, dass keine
Gefahr besteht, aber Hermione würde wahrscheinlich anders auf
deine Nähe reagieren, als du es in Erinnerung hast. Potter...
glaub mir... es soll dir nur eine Warnung sein... Sie ist nicht mehr
der Mensch, den du mal kanntest."
Harry erwiderte nichts darauf, sondern musterte ihn kühl. Draco wandte sich ab und schritt die Treppe zum Ravenclaw-Gemeinschaftsraum empor. In seinen Augen hatte er schon genug gesagt, immerhin wollte er nicht, dass vielleicht am Ende noch Voldemort auf ihn aufmerksam werden würde. Potter war gewarnt und jetzt lag es an ihm was er daraus machte und ob er diese Warnung ernst nahm. Er würde es aber nicht tun, das wusste Draco genau, denn er würde es auch nicht machen...
„Anscheinend immer noch die Alte, was?", erklang eine grinsende Stimme.
Verwundert hob Hermione den Kopf und erkannte wie Draco hinter einem der Bücherregale hervorgenommen war und sie neckend musterte. Sie erwiderte seine Worte mit einem Lächeln und zuckte hilflos mit den Schultern.
„Da bist du nicht mal einen Tag wieder hier und man könnte meinen, dass du die Zeit mit den anderen verbringen willst, und dann sitzt du hier einsam und verlassen in der Bibliothek und liest."
„Stimmt, ich habe die anderen vermisst, doch ich will lernen",
entgegnete sie. „Hier habe ich die Möglichkeit alles über
die Gefühle zu lernen, über die ich einfach keine Ahnung
habe."
Draco hob die Braune und schwieg für ein paar
Sekunden nachdenklich. „Du hast das Wiesel wirklich vermisst, nicht
wahr? Und wahrscheinlich auch deine anderen Freunde, wieso aber
Potter nicht?", wollte er schließlich wissen.
„Der Streit zwischen Harry und mir, hat mit den anderen nichts
zu tun. Nur weil ich mich an ihm rächen will, heißt das
noch lange nicht, dass ich keine Freundschaft für die anderen
empfinde."
„Wieso versuchst du dann deine verlorenen Gefühle
aus trockenen staubigen Büchern zu lernen? Hermione..." Draco
kam näher auf sie zu und beugte sich zu ihr herab, während
sich seine Handflächen auf dem Tisch abstützten. „Voldemort
hat dir nicht deine Gefühle genommen und wahrscheinlich auch
nicht deine Erinnerungen an diese. Zumindest nicht, wenn es um deine
Freunde geht. Du hast einfach nur dieses eine Jahr damit verbracht,
Harry zu vergessen und dich in den ganzen Hass hineinzusteigern, so
dass du vollkommen vergessen hast, was in deinem Herzen wirklich
geschieht, weil du es einfach nur vergessen wolltest. Du bist vor dem
Schmerz weggerannt. Vor der Hilflosigkeit und der Angst. Harry hat
dir sehr weh getan und du hast einfach nicht mehr die Möglichkeit
gesehen glücklich zu sein, aber du musst dieses Gefühl des
Glücks wieder finden, sonst – ich weiß es einfach –
wirst du vielleicht elend zu Grunde gehen..."
Während dieser Worte waren Hermiones Augen immer ängstlicher
geworden. Es nachdem Draco verstummt war, merkte er, dass sie
zitterte.
Für einen kurzen Augenblick blickte sie ihn einfach
nur so an, dann aber schüttelte sie den Kopf und sprang auf.
„Verdammt noch mal!", schrie Hermione plötzlich.
Erschrocken
weiteten sich Dracos Augen. Mit so einer Reaktion ihrerseits hatte er
nicht gerechnet. Sie hatte ihre Arme vor ihrer Brüst verschränkt
und funkelte ihn mit ihren braunen Augen zornig an.
„Aber-?", wollte Draco verwirrt entgegen, wurde aber dabei von ihr unterbrochen. „Nichts aber! Ich will das nicht, hörst du? Die ganze Zeit muss ich mir das mitanhören, von wegen verlorene Gefühle und so, und es stimmt ja auch. Ich habe etwas verloren und will es wiederfinden, aber nicht auf diese Weise! Ich weiß was du im Schilde führst! Du willst mich einfach nur von meinem Plan abbringen und mich dem Dunklen Lord entziehen! Aber ich werde nicht wieder so wie früher, verstehst du? Dieses Leben, dass ich jetzt führe, habe ich mir ausgesucht und es macht mich glücklich! Ich bin zufrieden mit mir und will mich auch nicht ändern. Sicher habe ich die anderen vermisst, doch wirklich meine Freunde kann ich sie nicht mehr nennen, denn „Freundschaft" ist einfach nur ein Wort. Nur ein Wort für mich, ohne jegliche Bedeutung! Verstehst du? Hör verdammt noch mal auf damit, die ganze Zeit auf mich einzureden, als wäre ich dem Tod nahe. Ich atme, kann sprechen und auch fühlen und alles was geschieht, geschieht weil ich es so will. Ich mag für dich Liebe empfinden, doch ich weiß auch eins: Wenn es darauf ankäme, würde ich nicht zögern und deinem Leben ein Ende setzten und solltest du unseren Plan auf irgendeine Weise gefährden, ist dieser Zeitpunkt gekommen."
Draco stierte Hermione vollkommen entgeistert an. Noch immer
konnte er es nicht fassen, welche Reaktion sie auf seine Worte
gezeigt hatte. Widerwillig rannte ihm ein Schauer über den
Rücken. Es war komisch ein Mädchen vor sich stehen zu
sehen, das sagte, sie würde ihn zwar lieben doch wenn es darauf
ankäme ihn umbringen und noch viel komischer war, dass ihn das
so aus der Bahn werfen zu schien.
Automatisch trat er einen
Schritt zurück. „Okay wie du meinst", sprach er fast wie von
selbst. „Dann sieh doch zu wie du alleine klar kommst. Aber wenn
ich du wäre, dann würde ich mir einfach nur noch leid tun."
Mit diesen Worten wandte er sich ab. Den schweren Kloß in
seinem Hals ignorierte Draco, genauso wie den Schmerz, welcher sich
langsam in seinem Inneren ausgebreitet hatte.
Hermione machte
keine Anstalt ihn aufzuhalten, geschweige denn, ihm etwas
nachzurufen, stattdessen setzte sie sich wieder auf ihren Platz und
blätterte in dem Buch weiter, als wäre nichts gewesen. Wenn
Draco sich aber umgedreht hätte, hätte er vielleicht
gesehen, wie Tränen in ihren Augen glitzerten. Tränen, die
ihr schon lange nicht mehr über die Wange gerollt waren...
Müde starrte Ginny Weasley aus dem Fenster und betrachtete die Wasserperlen die langsam an der Scheibe herunterrannten und sich mit den anderen verbanden, um dann als eine Einheit bis zum Ende weiterzufließen. Nun wartete sie schon fast den halben Tag, doch von einer Eule am Himmel, die ihr alles erklären würde, war einfach nicht die Spur und wenn sie ehrlich war, war sie ziemlich beleidigt darüber.
Jeder würde sich in ihrem Falle hintergangen vorkommen,
immerhin passierte es nicht jeden Tag, dass plötzlich der eigene
Plan, durch eine andere Person so urplötzlich, der des anderen
werden würde.
Heute Morgen. Oh, wie war der Hass in ihrem
Herzen groß, als sie plötzlich ihr Gesicht wiedergesehen
hatte. Als sie die Große Halle betreten wollte und sah, dass
sie in Rons Armen lag, hatte sie für ein paar Sekunden inne
gehalten und mit einem entsetzten Gesicht die Situation beobachtet,
bis sie sich schließlich abgewandt hatte.
Noch nie hatte sie Harry so voller Schmerz erlebt. Nicht mal bei
ihrer „Scheinbeerdigung" und erst Recht nicht, als sie und er
sich damals voneinander getrennt hatten. Natürlich, wie konnte
es auch anders sein?
Niemals hätte Harry sie so sehr
geliebt, wie Ginny ihn.
Niemals hätte er so gelitten, wie
Ginny und niemals hätte er sich von diesem Leiden zu so einer
Tat verleiten lassen, wie Ginny.
Hermione war ihre beste Freundin gewesen. Ginny hatte sie über alles geliebt und immer bewundert. Mit Fug und Recht konnte man sogar behaupten, dass sie mehr als eine beste Freundin war. Sie war wie eine große Schwester gewesen. Ein Teil ihrer Familie und der Teil, dem sie immer alle Sorgen und Probleme anvertraut hatte.
Auch wenn Ginny wusste, dass es in Hermiones Falle nie so gewesen
war. Sie war nicht ihre beste Freundin gewesen, denn Hermione hatte
sie meist nur als die kleine Schwester Rons angesehen. Die Schwester
eines ihrer besten Freunde. Natürlich, wird man da nicht für
richtig voll genommen.
Wenn Hermione Probleme hatte, schob sie sie
meist lange vor sich her, bis sie dann endlich mit der Sprache
rausrückte. Aber dann war nicht Ginny es, denen sie es erzählte,
sondern es waren Ron oder Harry.
Geheimnisse ihrerseits wurden gleich Ginny immer erzählt, doch nur deswegen, weil es sich meist um „Mädchenkram" handelte, denn die beiden nicht verstehen würden. Ginny hatte es selbst immer als etwas traurig empfunden, so von ihr wahrgenommen zu werden, doch sie nie richtig darauf angesprochen.
Nie im Leben wäre es ihr eingefallen Hermione zu kritisieren. Nicht weil sie Angst vor ihrer Reaktion gehabt hätte, sondern einfach nur deswegen, weil Hermione immer – in jedem Bereich – so viel besser gewesen war als sie. Hermione hatte eine Ausstrahlung die verzaubern konnte, ein reines Herz, wie es kein anderer Mensch je besaß, war unheimlich hübsch und doch immer bescheiden und zurückhaltend. Sie war so stolz und mutig wie ein Löwe und hatte ein selbstbewusstes Durchsetzungsvermögen und die Intelligenz, die sie nie gehabt hatte.
Hermione war in allem perfekt...
Aber Perfektion war genauso wie auch Schönheit vergänglich.
Diese perfekte Hermione mit dem reinen Herzen und dem unheimlichen
Stolz gab es nun nicht mehr. Sie war gebrochen und würde nie
wieder diese Frau werden, welche sie einmal gewesen war.
Ginny
wusste, dass Harry versuchen würde Hermione zurückzugewinnen
und ihr war auch bewusst, er würde bei ihr auf Granit beißen.
Aber nicht, weil er sie einfach zu sehr verletzt hatte...
Schließlich war Ginny des Wartens leid. Sie stand entschlossen auf und schloss die Vorhänge. Es war nicht spät – erst zwei Uhr Nachmittags – doch sie musste alle Kräfte für heute Nacht sammeln und das bedeutet, dass sie sich auch die Müdigkeit von der Seele schlafen und den Kopf von der Vergangenheit freibekommen musste...
„Hermione!"
Noch niemals zuvor hatte Hermione so etwas erlebt. Genauso wie Ron hatte nun auch die sonst immer so beherrschte Professor McGonagall – kaum das sie in die Große Halle zum Abendessen getreten war – die Arme um sie geschlossen und fest an sich gedrückt. Hatte sie allerdings bei Ron nur angenommen Tränen in seinen Augen zu sehen, konnte sie doch nun mit Fug und Recht behaupten, dass Minerva McGonagall, ihre alte Verwandlungs-Lehrerin, wirklich weinte.
Nachdem Professor McGonagall sie wieder losgelassen hatte, versuchte sie sich die Tränen unauffällig aus dem Gesicht zu wischen, aber es gelangt nicht wirklich. „Albus hat uns natürlich schon alles erzählt", erklärte sie schniefend. „Aber wirklich glauben konnte ich es nicht. Mein Gott, wir dachten wirklich alle, Sie wären tot."
Auch ein weiterer Lehrer nahm sie nach McGonagall in den Arm, wenn
auch nicht ganz so herzzerreißend, aber liebevoll und
freundschaftlich. Remus Lupin.
Er lächelte anerkennend. „Du
bist wirklich eine fabelhafte Hexe Hermione. Gegen Voldemort ankommen
und ihm auch noch zu entkommen muss man erst mal schaffen."
Bei diesen Worten merkte Hermione wie sich eine kleine Stimme in ihrem Hinterkopf regte. Doch ihre Worte waren so leise, dass sie sie nicht verstand und das war auch gut so. Das schlechte Gefühl in ihrem Magen genügte ihr vollkommen. Es musste nicht auch noch jemanden geben, der ihr auf Schritt und Tritt einredete, ihr Handeln wäre falsch.
Severus Snape war der letzte, heute anwesende Lehrer. Er nahm sie nicht in den Arm, worüber sie natürlich keineswegs überrascht war, sondern nickte einfach nur kurz, fast unmerklich, als sich ihre Blicke trafen, und wandte sich dann wieder seinem Essen zu.
Hermione setzte sich ebenfalls in die Runde, bestehend aus den
drei Lehrern, Albus Dumbledore, Ron, Harry und Draco. Wieder machte
sich ein komisches Gefühl in ihr breit. Alles deine Feinde,
sagte sie zu sich selbst, und doch hast du sie gerne...
Den Blick
Harrys ignorierte sie geschickt. Einerseits aus dem Grunde, weil sie
befürchtete, ihm dann gleich an die Gurgel springen zu müssen
und andererseits deswegen, weil sie viel zu beschäftigt damit
war, Draco anzusehen.
Er aber erwiderte ihn nicht und Hermione wusste auch, dass er ihr ihren Ausraster ziemlich übel nahm. Trotzdem aber tat es ihr nicht leid, denn sie hatte wirklich jedes Wort ernst gemeint...
TBC
