Disclaimer: Weder die Figuren, noch die darauf
basierende Handlung meiner Fanfiction, gehören mir - sonst
einzig und alleine nur der Plot und die Gedichtzeilen am Anfang eines
jeden Kapitels. Die Rechte an Harry Potter liegen ganz alleine bei
Joanne K. Rowling. Ich verdiene hiermit kein Geld, sondern schreibe
dies zum reinen Zeitvertreib.
A/N: Dank geht an
aleksandramalfoy.
hegdl, eure Tanya :)
Überarbeitete Version. Keine Änderungen, die den Handlungsablauf verändern - jedoch Verbesserungen in Formatierung und Wiedergabe des Textes (Dezember 2006).
Without Existence - Suche dich, dann findest du mich - Longing
„Für den Menschen den man wirklich liebt,
wäre
man sogar ein Dieb.
Doch nicht einer der Unglück
bringt,
sondern einer, der Tränen nimmt..."
Es war zum Verrückt werden. Seit einer Woche war seine tot geglaubte, große Liebe, Hermione nun wieder in Hogwarts und Harry hatte es bis jetzt nicht ein einzige Mal geschafft mit ihr zu sprechen. Sie zu finden war nicht schwierig, doch so schnell wie sie da war, war sie auch wieder verschwunden.
Er wusste, dass Hermione nicht mit ihm reden wollte, trotzdem aber konnte er es nicht verstehen. Letztendlich konnte er an seinem Tun vor einem Jahr nichts mehr ändern und sicher war es auch immer noch bitter für sie, dennoch hätte er ihr so viel zu sagen gehabt.
Harry hätte ihr versuchen wollen zu erklären – auch
wenn er es selbst nicht genau wusste - warum es zu diesem Ausrutscher
mit Ginny kam, wollte ihr erzählen wie sehr er sie vermisst hat
und schließlich wie viel sie ihm immer noch bedeutet.
Letztlich gab es aber auch noch einen ganz großen schwarzen
Fleck zwischen ihnen beiden, der seine Schatten warf. Draco Malfoy.
Noch immer nicht ging es nicht in Harrys Verstand, wie Hermione nur jetzt zu ihm gehören konnte. Er war aber fest davon überzeugt, dass sich die beiden nicht wirklich liebten. Ja, vielleicht empfand Malfoy etwas für sie – so schwer es doch vorzustellen war, was man allerdings seinen Blicken immer wieder entnehmen konnte – doch seitdem die beiden zusammen waren, gab es – bis auf Hermiones Ankunft – keinerlei öffentliche Wortwechsel, geschweige auch nur den Austausch von Zuneigung. Harry musste es wissen, denn sobald er mit ihnen im selben Raum war, schaffte er es einfach nicht seine Augen von ihnen zu lösen.
Inzwischen war ihm aber klar, dass der Grund, wieso Hermione ihm
aus dem Weg ging, Malfoy sein musste und genau das ließ ihn
wieder Hoffnung schöpfen. Sie war schon immer ein guter Mensch
gewesen und versuche sich in allen Lagen erkenntlich zu zeigen,
während sie immer darauf bedacht war, die Menschen so gerecht
wie möglich zu behandeln. Vielleicht war sie nur aus diesem
Grund mit Malfoy zusammen, um ihm Dankbarkeit für seine Rettung
an ihr entgegenzubringen?
Wenn das der Fall war, dann musste sie
Harry ja noch lieben, denn würde sie wirklich aus vollem Herzen
bei Malfoy sein, würde ihr seine Nähe nichts ausmachen...
Müde legte Harry das Buch beiseite und stützte die Arme
auf den Tisch, während er seine Schläfen massierte. Wie oft
er diese Theorie nun schon durchgekaut hatte, war im Schleierhaft,
aber sie hatte für ihn die Form eines kleinen Strohhalms, der
ihn wieder glücklich machen konnte.
Das war auch der Grund,
wieso er hier in der Bibliothek saß. Schon immer war es
Hermiones Lieblingsort gewesen – ihre Zufluchtsstätte und der
Platz im Schloss, an dem sie wirklich zu Hause war. Im ganzen letzten
Jahr hatte er hier nicht einen Fuß reingesetzt, denn die
Erinnerungen an sie waren hier deutlich stärker als in
irgendeinem anderen Teil der dunklen Gemäuer. Jetzt aber war sie
zurück und er wartete nur darauf, dass sie endlich in die
Bibliothek kam und dieses Mal würde er mit ihr reden können,
koste es was es wolle!
„Was soll das?", fragte Hermione kalt und stieß sich von dem Bücherregal des Ravenclaw-Gemeinschaftsraumes ab. „Dieser Plan ist Schwachsinn, Malfoy."
Draco ließ sich aber von ihren Gegenwert nicht im geringsten beeindrucken. Er hatte damit gerechnet, wenn er sie auch ein wenig aggressiver darauf eingeschätzt hat.
„Was soll was? Er wollte das wir einen Plan entwickeln und jetzt haben wir ihn. Du weißt genau so gut, dass wir einen besseren nicht haben und außerdem bist du doch genau deswegen hier. Oder hast du jetzt vielleicht Angst bekommen?"
Er grinste mit einem selbstsicheren Lächeln Hermione entgegen, welches zugleich auch voller Kälte war. In Wahrheit war er genau so wenig scharf auf diesen Plan wie sie, doch es sollte ein Test werden. Ein Test für sie, damit er endlich sehen konnte, woran er bei ihr war.
„Ich werde nicht mit Potter in die Kiste steigen", entgegnete
sie.
Langsam erhob sich Draco aus seinem Sessel, schritt auf
Hermione zu und stützte sich, an der Wand über ihr ab, so
damit er ihr direkt in die Augen sehen konnte. „Weißt du was,
Granger? Ich habe es satt", erwiderte er ihr bitter. „Deine
ewigen Spielchen gehen mir so langsam auf die Nerven und ich glaube
inzwischen solltest du dich mal entschieden haben, was du willst.
Entweder Potter töten oder ihn am Leben lassen, denn ich will
endlich meine Ruhe vor Voldemort und dir haben."
Für ein paar Sekunden entgegnete Hermione nichts, sondern sah
ihn einfach nur finster an, dann aber meinte sie spöttisch: „Ich
dachte du liebst mich?"
Draco lachte kalt auf und wandte sich
von ihr ab. „Liebe? Das habe ich nie gesagt, Granger. Kann sein das
ich etwas für dich fühle, doch ich lass mich nicht
verarschen und erst recht nicht von so einem kleinen Schlammblut wie
dir. Wir töten Potter dann hat sich die Sache für mich
erledigt."
„Wie kommst du darauf, dass ich dich verarschen soll?"
Bei
jeder anderen hätte eine solche Frage etwas verzweifelt
geklungen, wenn sie unbedingt mit dem Menschen zusammen sein wollte,
den sie liebte. Hermione jedoch brachte das genauso eisig über
die Lippen, wie jedes ihrer Worte.
„Granger, ich habe keine
Lust mit dir weiter über irgendwelche albernen Dinge zu
diskutieren. Kannst du dich etwa nicht an unser Gespräch vor ein
paar Tagen erinnern? Du sagtest, dass du mich ohne zu zögern
opfern würdest, wenn man jemanden aber wirklich liebt, dann tut
man das nicht, oder? Wieso sollte ich dir denn so ein Gefühl
entgegenbringen, wenn du es auch nicht tust?"
Mit jedem weiteren Wort spürte Draco, wie die Wut in ihm immer größer zu werden schien. Wenn sie ihm nicht so viel bedeuten würde – und da war er sich sicher – hätte er schon längst zugeschlagen. In seinen Augen wollte sie zwar Rache an Potter, doch letztendlich fehlte ihr der Mut um diese Sache durchzuziehen und genau das würde ihn wiederum vielleicht in Schwierigkeiten bringen. Er konnte immer noch nicht verstehen, wie so jemand wie dieses Mädchen vor ihm – zwar hart in Worten, doch schwach in der Tat – zu einem mordenden Todesser der gefährlichsten Sorte werden konnte.
„Ich werde aber trotzdem nicht mit Potter...", wollte Hermione
wieder protestieren, doch dieses Mal wurde sie von ihm
unterbrochen.
Draco hatte sich umgedreht, sie an den Schultern
gepackt und funkelte nun wütend in ihr Augen. „Ich will aber
nicht hören, was du nicht willst oder tust! Diese ganze Sache
geht nicht nur dich was an, verstanden? Vielleicht hast du es noch
nicht kapiert, aber mein Leben hängt davon ab und ich werde es
ganz bestimmt nicht wegwerfen, nur weil du zu feige bist um
irgendetwas zu tun!"
„Ich bin nicht feige!", schrie Hermione
und stieß Draco von sich. „Ich kann das und weiß das du
dabei sterben könntest, aber so etwas muss man eben in Kauf
nehmen. Es ist für einen guten Zweck. Für den Dunklen
Lord!"
Draco gelang es nicht irgendetwas dagegen zu sprechen, stattdessen starrte er ihr einfach nur ungläubig ins Gesicht. Ihre Augen blitzen wütend und es hatte sich ein leichter Rotschimmer über ihre Haut gezogen, was man als Zeichen nehmen konnte, dass sie ziemlich aufgewühlt war. Sie war wirklich vollkommen überzeugt von all ihren Worten. Vollkommen... Er würde es nicht schaffen sie jemals wieder von Voldemort zu lösen.
„Okay...", murmelte Draco dann langsam. „Dann will ich nicht mehr. Du kannst mich mal und dein heißgeliebter Lord auch!"
Zornig griff er nach dem schwarzen Lederband, welches Voldemort an seinem rechten Handgelenk befestigt hatte und versuchte es abzunehmen. Es war allerdings von so festem Bestand das es sich nicht einmal von seinem Handgelenk etwas lockerte.
„Ist das dein letztes Wort, Malfoy?", wollte Hermione kühl
wissen.
Draco entgegnete nicht, sondern sah sie einfach nur
finster an.
„Denk dran, er wird dich umbringen...", fuhr sie
fort.
„Ach?", meinte Draco spitz. „Sieht ja so aus, als
würde es dir plötzlich etwas ausmachen."
„Nicht
wirklich. Allerdings wäre es schade, du würdest dem Lord
noch gute Dienste leisten können."
Wieder erschien ein bitteres Lächeln über seinem
Gesicht. „Ich werde nicht mehr für Voldemort tun, als ich
schon tue. Weitere Arbeit kann es sich abschminken."
„So?
Glaubst du?" Zum ersten Mal in diesem Gespräch gewann Hermione
etwas Selbstsicherheit und Ruhe zurück. Gemächlich schritt
sie auf Draco zu und machte ein paar Zentimeter vor ihm halt. Wenn
Draco ehrlich wahr, fühlte er sich unwohl. Ihre Nähe und
der Ausdruck ihrem Gesicht – trotz der süffisanten Art –
ließ ihn fast schwach werden.
„Malfoy... du lebst nur, weil ich dafür gesorgt habe."
Sie ließ langsam ihre Hand an Dracos Rechter hoch wandern
und machte schließlich an seinem Lederband halt.
„Mit
diesem Band hast du einen Vertrag zwischen dir und dem Dunklen Lord
abgeschlossen. Einen lebenslänglichen, welchen nur der Tod
brechen kann."
„Man hat mich aber nicht gefragt!"
„Deine
Augen haben um Hilfe gefleht – ich habe es gesehen und sogar
gespürt wie verzweifelt du warst. Das hat vollkommen gereicht."
Zum wiederholten Male musste er sich mühen nicht einfach auf Hermione loszugehen. Aber dieses Mal war dieser Drang, über sie herzufallen, stärker, denn er verspürte auch den sehnlichen Wunsch ihre Lippen leidenschaftlich meinem seinen zu umschließen und ihrer frechen Zunge ein für alle Mal Einhalt zu gebieten.
„Was ist Malfoy? Wieso bist du denn plötzlich so still? Sind dir die Worte ausgegangen?"
Draco atmete tief durch. Ein offensichtliches Zeichen an Schwäche gegenüber Hermione, das wusste er, konnte aber nicht anders. Es nervte ihn einfach alles hier. Der Gemeinschaftsraum; die vielen Bücherregale; die tickende Uhr, welche verkünden ließ, dass eine weitere Sekunde vergangen war; dieses Thema über das sie ständig diskutierten und auch Hermione. Noch niemals hatte er jemanden getroffen, den er so sehr hasste und doch so sehr brauchte wie diese Frau vor ihm.
„Ich will nicht mehr über diesen ganzen Quatsch reden,", fand er dann seine Stimme wieder, „sondern diese Sache ein für alle Mal hinter mich bringen und je schneller desto besser, hast du gehört? Du wirst jetzt deinem hübschen Arsch dazu benutzen, um Potter schwach zu machen und dann bringen wir ihn zu Voldemort. Es ist mir egal ob du es willst oder nicht, denn das steht hier überhaupt nicht zur Debatte. Wie heißt es nicht so schön? Richtige Todesser sind nur diejenigen, die alles für ihren Meister geben – den Rest kann man vergessen."
Hermione trat einen Schritt zurück. Der süffisante
Ausdruck aus ihrem Gesicht war verschwunden, genauso wie das
gefährliche Glitzern in ihren Augen. Zurück blieb einfach
nur Kälte und die bekannte Unsicherheit, welche sie in letzter
Zeit auf das Thema „Harry Potter" immer an den Tag legte.
„Wieso
glaubst du, dass wir ihn nicht so ausliefern können. Ein
Schlückchen Gift in seinen Trank und die Sache wäre
erledigt."
Draco lachte amüsiert auf. „Sag mal hat dieses dumme Mal an deinem Oberarm dir vielleicht deinen Verstand ausgebrannt? Potter wird von Dumbledore und all den anderen noch besser bewacht als je zuvor. Auch wenn er in diesen Gemäuern fast nur alleine anzutreffen ist, Hunderte von Zauber und Schutzbanne bewachen ihn. Außerdem wir er selbst in dem letzten Jahr nicht gerade sein ganzes Können verloren haben. Eine dämliche Giftmischung würde nur alle alarmieren und ab dann ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis der Verdacht schließlich auf uns fällt. Selbst bei mir würde Snape nicht eine Sekunde zögern und Veritaserum benutzen, wenn Dumbledore ihn bittet. Dann sind wir schneller aufgeflogen als wir es wollten."
Hermione schluckte und Draco triumphierte innerlich. Er fühlte
sich besser wenn er selbst am längeren Hebel saß, was in
der letzten Zeit nicht all zu oft der Fall war. Sie musste jetzt
einfach aufgeben.
„Gut", brachte sie stockend hervor, konnte
aber nicht umhin ihn dabei eisig und hasserfüllt anzustarren.
„Aber du wirst es bald bereuen, das verspreche ich dir."
Mit
diesen Worten ließ sie Draco alleine im
Ravenclaw-Gemeinschaftsraum stehen. Im war es nur recht endlich seine
Ruhe zu haben, trotzdem war ihm nicht ganz wohl, wenn er daran
dachte, zu was er Hermione überredet hatte. Er wusste, dass ihn
die Eifersucht sicherlicht zerfressen würde...
Düstere Dunkelheit herrschte im muffig riechenden Raum, aber das störte sie nicht im geringsten. Mit großen anmutigen Schritten ging sie durch den großen Saal, während die Klänge ihrer Absätze in der Leere wiederhallten. Seine kalten Augen starrten sie angespannt an; keineswegs beunruhigt. Schon immer waren seine Augen vollkommen kalt gewesen.
Sie war ziemlich erleichtert und froh darüber, dass er sie zu sich gerufen hatte. In letzter Zeit waren ihr schon Zweifel darüber gekommen, ob sie überhaupt noch gebraucht, wenn nicht sogar erwünscht, wäre. Alleine schon bei diesem abermaligen Gedanken spürte sie, wie sich langsam in ihrem Inneren wieder Neid bildete, auf die beiden, die nun das vollbringen würden, woran sie gescheitert ist.
Vor ihrem Lord machte sie eine tiefe Verbeugung und hob erst
wieder ihren Kopf um ihn anzusehen, als er ihren Namen
sprach.
„Mylord, Sie wünschen?"
„Ich habe einen
Auftrag für dich", erklärte der Lord geschäftlich
und erhob sich. Sie erwiderte nichts, sondern sah ihn einfach nur
erwartungsvoll an. Er hatte es nicht so gerne, wenn man ihn
unterbrach.
„Wie du ja weißt sind zwei deiner Geschwister in Hogwarts
um mir Harry Potter auszuliefern."
Sie nickte.
„Allerdings
habe ich die Befürchtung, dass sie es nicht schaffen werden.
Unser Zauber ist stark wie du ja weißt, doch in ihrem alten
Umfeld ist Hermione viel zu sehr dem schlechten Einfluss ausgesetzt.
Wir können es uns nicht leisten ihre Unsicherheit größer
werden zu lassen und sie sich wohlmöglich gegen uns
abwendet."
„Potter und Granger hatten noch keinen Kontakt",
erzählte sie dann. „Allerdings ist es nur noch eine Frage der
Zeit bis es soweit kommt, denn Potter selbst empfindet noch immer
Liebe für sie."
Eine leichte Sorgenfalte zog sich über das, ohnehin schon
ziemlich entstellte, Gesicht des Lords. „Das habe ich schon
befürchtet und ehrlich gesagt weiß ich nicht, wie sie
darauf reagieren wird, deswegen musst du dich bereit halten. Auf
Malfoy kann man kaum zählen. Ich habe zwar das Lederband in
seinen Besitz gebracht, allerdings hat er nicht wirklich Ahnung was
genau hinter Hermiones Zustand steckt und das soll auch so bleiben.
Er versucht schon jetzt die ganze Zeit sie meinem Einfluss zu
entziehen. Ich hätte von Anfang nicht zustimmen dürfen, den
beiden diesen Auftrag zu geben, allerdings ist das wirklich die beste
Chance um Potter in die Finger zu bekommen."
„Ich verspreche
Ihnen, ich werde ein Auge auf Granger und Potter werfen. Auch was
Malfoy betrifft werde ich versuchen ihn nicht aus den Augen zu
lassen."
In ihren Augen war es schon von Anfang an eine vollkommen
unverständliche Entscheidung Hermione und Malfoy einen Auftrag
zu geben und noch dazu in Sachen Potter. Sie konnte es wohl die
größte Fehlentscheidung des Dunklen Lords nennen,
natürlich nur in Gedanken.
Mit einer tiefen Verbeugung,
wandte sie sich von ihrem Meister ab und ging wieder aus dem Saal.
Harry zuckte etwas zusammen, als er vernahm, wie die Tür geöffnet wurde und schließlich ins Schloss fiel. Sanfte Schritte hallten sogleich in der Bibliothek wieder und kamen zwischen den Bücherregalen gemächlich immer näher und näher. Sein Herz klopfte vor Aufregung. In Gedanken schickte er Stoßgebete zum Himmel, dass es Hermione sein mochte, doch irgendwie hoffte er auch, sie wäre es nicht, denn alles was er ihr hat sagen wollen, war auf einmal aus seinem Kopf verschwunden und hatte stattdessen eine düstere Leere hinterlassen.
Es musste Hermione sein. Er spürte es nicht nur, sondern erkannte auch den Klang ihres Ganges. Wenn sie durch Bücherregale schritt hörten sie sich immer ein wenig schleppend an und hie und da entkam ihr auch ein kleiner Seufzer. Dieses Seufzer war dieses Mal nicht zu hören, doch er war sich auch ohne ihn bewusst, dass es sich um sich handelte, denn auf einmal trafen sich ihre Blicke.
Als sie Harry erkannte hatte schien sich ihr Körper zu
versteifen und ihre Augen entsetzt zu weiten. Automatisch hatte sie
an das Bücherregal gegriffen, so als würde sie jeden
Augenblick ohnmächtig werden, und hastete auch schon nicht mal
eine Sekunde später in die andere Richtung davon.
Harry
allerdings war fest davon entschlossen sie dieses Mal nicht entkommen
zu lassen. So schnell er konnte sprang er von seinem Stuhl und eilte
Hermione hinterher. Bei weitem war sie nicht so schnell wie er und so
dauerte es auch nicht lange, bis er den Griff um ihr Handgelenk
schließen konnte.
„Lass mich los!", zischte Hermione wütend und wandte sich
um loszukommen. Schaffte es jedoch nicht im geringsten.
„Ich
kann dich nicht loslassen", erklärte Harry. „Du würdest
nur wieder davonlaufen."
„Ja und? Das ist auch mein gutes
Recht, ich habe eben keine Lust mit dir zu reden."
„Ach? Nach
einem Jahr indem ich dich nicht gesehen habe, wir es wohl nicht
zuviel verlangt sein, wenn wir kurz miteinander sprechen könnten!"
Automatisch verstärkte er aus Wut den Griff und schaffte es,
dass Hermione erschrocken zusammenzuckte. „Au! Lass mich los, du
tust mir weh!", rief sie schmerzhaft aus.
Augenblicklich ließ
Harry wieder etwas lockerer. „Entschuldigung...", murmelte er.
„Ich lass los, wenn du mir versprichst nicht wegzulaufen."
Hermione
sah ihn kurz zögernd an, nickte aber dann schließlich –
wenn auch etwas widerwillig und Harry ließ sie los.
„Also...
du wolltest mit mir reden?"
Wieder war sie da, die Leere in seinem Kopfe. Jetzt allerdings ausgelöst von dieser Frau die vor ihm stand. Schon so lange nicht mehr hatte er sie gesehen und schon so lange nicht mehr hatte er ihre Nähe gespürte. Tag für Tag und Minute für Minute trug er ihr er Gesicht vor Augen. Gesehen wie sie ihn anlächelte und ihre Stimme vernommen, doch dies waren letztendlich alles Erinnerungen gewesen. Jetzt jedoch stand sie hier vor ihm und sie war schöner als je zuvor.
„Ich... ich liebe dich", war das einzige, was seiner Kehle schließlich entkam.
Hermione sah ihn ein paar Sekunden an. Er wusste nicht was sie dachte und konnte ihren Blick auch nicht definieren. Vielleicht hätte er es gekonnt wenn er nicht viel zu benebelt gewesen wäre. Dann hätte er möglicherweise die Kälte in ihren Augen sehen können und sie hätte ihn dann nicht wie ein Schlag getroffen.
„Ach ja? Hast du mich da auch geliebt als du mich mit Ginny
betrogen hast? Hast du dir in diesem Augenblick etwa die ganze Zeit
in einer kranken Fantasie ausgemalt ich würde unter dir
liegen?"
„Nein!", war das einzige was Harry schaffte zu
erwidern. „Nein!"
Harry wusste nicht was er sagen sollte und auch nicht wie er auf ihre Fragen antworten konnte. In seinem Kopf wirbelten die Gedanken hin und her. Es spielte sich die Szene von der Nacht mit Ginny vor seinen Augen ab und wieder einmal kamen in ihm diese eine Frage auf, welche er sich selbst so viele Male gestellt hatte. Wieso denn nur?
„Was? Nein, du liebst mich nicht oder nein, du hast nicht an
mich gedacht? Vielleicht aber auch beides?" Jede dieser Möglichkeit
wurden von Hermione mit purer Bitterkeit ausgesprochen. „Ich glaube
du solltest dich langsam entscheiden."
„Nein, ich liebe dich
schon und", er stockte, senkte den Blick und meinte geknickt,
„nein... ich habe nicht an dich gedacht..."
Langsam sah er Hermione wieder an. Ihre Gesichtszüge waren etwas weicher geworden und er konnte sehen, dass sie nun bereit war, ihm zuzuhören. Jedoch sah er auch, wie verletzt sie aussah.
„Ich habe nicht daran gedacht wie sehr ich dich damit verletzen würde", fuhr Harry schließlich fort und plötzlich sprudelten die Worte nur so aus ihm heraus. „Ich dachte mit keiner Sekunde daran, allerdings weiß ich auch überhaupt nicht mehr wie es dazu gekommen ist. Du warst in meinen Gedanken auf einmal ganz weit weg und nur noch Ginny war hier. Aber nicht Verlangen oder Lust nach ihr, sondern einfach nur Wille. Ich wollte es tun. Es war auch wie ein Drang, als ob ich es tun musste, weil sonst vielleicht irgendetwas mit mir passieren würde. Irgendeine Strafe..."
Harry hielt inne und sah sie einen Augenblick mit nachdenklicher
Miene an. Es überraschte ihn selbst, was so eben aus seinem
Munde kam, denn erst jetzt fiel ihm auf, dass er diesen Drang gar
nicht so richtig wahr genommen hatte, als er das letzte Jahr immer
wieder darüber nachgedacht hatte. Es war seltsam.
Aber so
schnell wie der Gedanke an seinen seltsamen One-Night-Stand mit Ginny
aufgekommen war, war er auch wieder verschwunden.
„Ich weiß das es verletzend klingt, was ich dir hier
erzähle, aber es tut mir auch selber weh."
„Wieso denn?",
fragte Hermione. „Immerhin hast du nicht das durchgemacht, was ich
durchmachen musste."
„Vielleicht nicht in dieser Form. Aber
ich musste immer wieder daran denken, dass ich dich durch diesen
kleinen Fehler verloren habe. Ich war Schuld an allem. Wegen mir bist
du mitgekommen und wegen mir warst du schließlich ... tot. Ja,
du warst nicht wirklich tot, aber ich hielt dich dafür und
machte mir deswegen Vorwürfe."
„Wieso erzählst du mir das eigentlich? Willst du dein
schlechtes Gewissen beruhigen und soll ich dir verzeihen? Ist es das
was du willst?" Hermiones Stimme wurde mit jedem Wort lauter und
lauter, wirkte schon fast hysterisch. „Dann verzeihe ich dir, alles
vergeben und vergessen. Wieder Friede im Paradies."
„Ich weiß
es geht nicht so einfach, aber – obwohl es ziemlich viel verlangt
ist – will ich mehr als eine Verzeihung. Ich will dich zurück,
Hermione. Komm wieder zu mir."
TBC
