Hallo!

Vielen, vielen Dank für die lieben FBs!

Freut mich, dass euch meine FF so gut gefällt 

lifeofagony: Bist du auch bei gilmoregirls.de und und stars line Forum registriert? Bin dort unter Selene bzw. Latina registriert 

alle: Habe weiter geschrieben. Hoffe, euch gefallen die neuen Teile.

Freu mich über FBs!

21. Teil

Die Sonnenstrahlen drangen sanft durch die Jalousien. Meine Augen glitten über meine Mutter. Sie lag auf dem Rücken, ihr silbernes Haar auf dem Kissen aufgebreitet.

Ich stellte das Tablett auf dem Nachttisch ab und ging leise zu dem Fenster. Mum blinzelte leicht, als ich die Jalousien öffnete.

„Rory?" Ihre Stimme war heiser.

Ich ging zu ihr und strich über ihre Hand. „Guten Morgen, Mum."

Sie seufzte schwer. „Wieder ein Morgen. Ein Morgen an dem ich nicht selbstständig aufstehen und durch den Schnee laufen kann."

Ich runzelte die Stirn und reichte ihr die Tasse Tee. Ihre Finger zitterten, als sie diese ergriff. Zögernd führte sie die Tasse an ihre Lippen. „Wieder ein Morgen, an dem ich nicht selbst entscheiden kann, was ich zu mir nehme."

„Mum...der Tee und die Tabletten helfen dir wieder gesund zu werden…"

„Rory, ob ich nun Tee oder Martini trinken würde – das Resultat wäre das gleiche."

Ich versuchte die aufkeimenden Tränen zurück zu halten. Dieses Verhalten war mir neu. Ich wusste nicht, wie ich reagieren sollte.

„Das wäre es nicht. Du musst kämpfen, Mum."

„Jeder Kampf muss eines Tages sein Ende finden…" Sie wich meinem Blick aus.

„Mum! So darfst du nicht sprechen."

„Meine Glieder schmerzen. Ich fühle mich schwach und ich schwitze… ich schwitze so sehr. Doch kaum habe ich mich abgedeckt, friere ich. Ich kann mich an den gestrigen Tag nicht mehr erinnern. Ich weiß weder welches Jahr, noch welchen Wochentag wir haben." Ihre Augen tränten. „Du kennst dieses Gefühl nicht! Also sage mir nicht, was ich sprechen darf!"

Plötzlich vernahm ich ein leises Klopfen. Carol betrat Mums Zimmer. „Guten Morgen."

„Meine Kleine." Mum streckte ihr die Arme entgegen.

Carol lächelte leicht als sie die Hände ihrer Großmutter ergriff. „Hast du gut geschlafen?"

„Nein."

„Das tut mir leid."

„Mir auch." Mum betrachtete Carol. „So jung. Wie viel würde ich dafür geben noch einen einzigen Tag so jung und gesund zu sein…"

Meine Tochter und ich wechselten einen kurzen Blick. „Grandma, Jenny ist gestern angekommen. Meine Schwester…"

„Ich weiß, wer Jenny ist!" Fuhr Mum Carol ins Wort.

„Entschuldige…" Sie blickte auf ihre Zehenspitzen.

Mum wandte sich an mich. „Würdest du mir einen nassen Waschlappen bringen? Meine Stirn verglüht beinahe."

Ich nickte und eilte ins Badezimmer. Als ich zurückkam, saß Carol auf dem Stuhl neben dem Bett und unterhielt sich mit Mum über den Geschmack des Tees.

„Würdest du so etwas trinken? Sei ehrlich!"

„Nun…wenn es mir helfen würde…" antwortete Carol zaghaft.

Mum räusperte sich und schüttelte den Kopf. „Du bist schlimmer als deine Mutter."

„Wir wollen dir nur helfen." Erklärte ich leise, während ich den Waschlappen auf ihre Stirn legte.

„Setz dich, mein Schatz." Sie deutete auf den Sessel auf der anderen Seite des Bettes. Ich folgte ihrer Anweisung. „Rory, Carol. Eure Anwesenheit hilft mir mehr als jeder Tee und jede Tablette." Sie lächelte.

Wir tauschten einen verwunderten Blick aufgrund dieses plötzlichen Stimmungswechsels.

Mum strich über Carols Handrücken. „Du hast die Märchen geliebt. Ich habe dir immer vorgelesen…"

Carol erwiderte ihr Lächeln. „Das waren die schönsten Stunden meiner Kindheit."

---------- Flashback Lorelai ---------

„So stimmt das nicht." Die vierjährige Carol runzelte skeptisch die Stirn.

Ihre Großmutter strich ihr liebevoll über die rosige Wange. „Doch, genauso ist es wirklich passiert."

Carol schüttelte energisch den Kopf. „Nein. Im Buch steht, dass der Prinz das Mädchen rettet und nicht das Mädchen den Prinzen."

Lorelai grinste. „Dieses Buch hat eindeutig ein Mann verfasst. Deine Grandma weiß, wie es wirklich passiert ist."

„Das Mädchen hat es wirklich gegeben?"

Sie küsste die Stirn ihrer Enkeltochter und erwiderte lächelnd: „Das Mädchen gibt es noch. Es lebt mit seinem Prinzen in einem Schloss im verschneiten Zauberwald."

Carols Augen leuchteten. „Besuchen wir die beiden?"

„Natürlich. Aber erst musst du deinen Mittagsschlaf halten. Sowie du es deiner Mum versprochen hast."

„Ich bin gar nicht müde."

„Ich weiß, mein Schätzchen."

„Wir müssen es Mum doch nicht sagen…" Carol grinste verschwörerisch.

„Schätzchen…"

„Bitte! Nur noch eine Geschichte!" Sie blickte ihre Großmutter flehend an.

Diese ließ sich schließlich erweichen. „Na gut. Das ist aber wirklich die letzte."

--------- Flashback Lorelai Ende ---------

Mum lächelte. „Du warst ein goldiges Kind und so offen für mein Erzähltalent."

Carol schmunzelte. „Deine Märchen waren die Besten."

„An mir ist eine fantastische Kinderbuchautorin verloren gegangen. Kann du dich noch an meine Geschichte vom Paradies erinnern?"

„Die hast du Matt und Jenny erzählt. Ich musste mich noch mit deinen veränderten Märchenversionen zufrieden geben." Carol zwinkerte grinsend.

Mum überlegte kurz. „Richtig. Jenny war verrückt nach den Engeln und Eden."

--------- Flashback Lorelai ---------

Lorelai goss den heißen Kaffee in eine große Kanne und stellte diese am Wohnzimmertisch ab. Sie beobachtete ihren Enkelsohn, welcher sich hinter der Couch auf Lauer legte, amüsiert. „Wieder auf Verbrecherjagd?"

„Wir haben ihn beinahe. Sie müssen sich nicht fürchten, Madam."

Lore betrachtete den elfjährigen lächelnd und verließ den Raum um nach ihrem jüngsten Enkelkind zu sehen. Als sie am Telefon vorbei ging, überlegte sie kurz, ihre Tochter anzurufen, entschied sich jedoch dagegen. Rory war es schließlich, die sich nicht mehr gemeldet hatte. Sie musste es nun auch sein, die sich wieder meldete.

Lorelai fand Jenny in einem Meer von Blüten sitzend im Vorgarten vor.

„Was machst du denn da, mein Baby?"

Das Mädchen reichte seiner Großmutter ein Veilchen. „Für dich."

Lore setzte sich lächelnd zu ihr. „Vielen Dank." Sie strich ihr sanft durch ihr glänzendes Haar.

„Ich hab dich lieb, Grandma." Jennys Augen strahlten.

Ihre Großmutter versuchte die aufkeimenden Tränen zu unterdrücken. Sie sieht aus wie ihre Mutter.

Lorelai nahm ein anderes Veilchen und steckte es in Jennys Haar. „Nun, siehst du aus wie eine Prinzessin, mein kleiner Engel."

Jenny lächelte vergnügt. Plötzlich hielt sie inne. „Gibt es denn Engeln?"

„Natürlich. Sie wachen täglich über dich."

Jenny runzelte die Stirn. „Auch über dich und Grandpa?"

„Natürlich. Genau wie über deine Mum, deinen Dad, Carol und Matt."

„Aber nicht über Linda?" Linda war Jennys ehemaliges, verhasstes Kindermädchen.

Lorelai schmunzelte. „Doch, auch über Linda. Über alle Menschen."

„Und was ist mit den Tieren?" Jenny blickte besorgt auf Babettes neue kleine Katze, welche gerade aus dem Nachbarshaus gelaufen war.

„Auch die Tiere haben ihre Engel." Erklärte ihre Großmutter ruhig.

„Wo wohnen die Engel?"

„Im Paradies. Dem Garten Eden."

„Wo ist der? Gehen wir hin? Ich möchte so gerne einen Engel sehen!"

„Ihr Zuhause ist geheim. Du musst erst versprechen, es keinem zu verraten…" Lorelai blickte sie verschwörerisch an.

Jenny hob die Hand. „Gilmore Ehrenwort!"

„Okay, dann werde ich dir zeigen, wo sie leben." Lore deutete auf den Rest der Wiese und den Bäumen vor ihnen. „Wir sind bereits hier." Sie lächelte. „Kannst du sie spüren?"

---------- Flashback Lorelai Ende ----------

„Auch deine Mum mochte meine Geschichten, musst du wissen." Erklärte Mum.

Carol wandte sich lächelnd an mich. „Du hast mir nie davon erzählt."

--------- Flashback ---------

Ich kuschelte am Schoß meiner Mutter. Diese strich mir liebevoll durch mein Haar, bevor sie weiter erzählte. „Und sie lebten glücklich…bis ans Ende ihrer Tage."

Ein Lächeln huschte über meine Lippen. „Erzähle es mir noch einmal."

Mum schmunzelte. „Du kannst es nicht oft genug hören."

„Noch einmal." Jauchzte ich vergnügt.

Mum küsste sanft meine Wange. „Es war einmal, vor langer Zeit…"

--------- Flashback Ende ---------

„Doch die Jahre vergingen. Wir wurden älter und unser Leben veränderte sich..." Mums Augen blickten ins Leere.

--------- Flashback Lorelai ---------

Rory ließ die Tür krachend ins Schloss fallen.

Lorelai starrte ihr ungläubig nach. Das konnte nicht sein. Das konnte nicht wirklich passiert sein. Ihr Baby würde nicht einfach gehen. Nicht auf diese weise.

Sie spürte die heißen Tränen nicht. Ihr Körper war erstarrt. Sie wollte rennen. Den Wagen aufhalten. Doch sie konnte sich nicht bewegen.

Als der Motor gestartet wurde, löste sich die Starre. Sie rannte aus dem Haus „Rory!"

Das Auto fuhr mit Vollgas am Haus vorbei.

Ihr Körper zitterte. Sie bemerkte es kaum, als sie langsam das Gleichgewicht verlor und auf die Knie sank.

Das Gras war immer noch feucht vom Regen. Doch auch das spürte sie nicht.

Luke legte seine Arme um sie. „Sie wird anrufen." Er versuchte überzeugend zu klingen.

Diesmal würde sie es nicht tun. Lorelai wusste es. Sie presste ihr Gesicht an Lukes Brust und schluchzte.

--------- Flashback Lorelai Ende ---------

Meine Finger zitterten. Ich versuchte die aufkeimenden Tränen zu unterdrücken.

--------- Flashback ---------

Logan beobachtete mich aus dem Augenwinkel. „Du hast das Richtige getan."

Ich strich mir eine Träne von der Wange und blickte auf die vorbei ziehende Landschaft.

Er beschleunigte das Tempo. „Es wird Zeit, dass wir von hier weg kommen. Wir waren zu lange hier." Er überprüfte mit einem kurzen Blick auf den Rücksitz ob die Kinder noch schliefen. „ Ihre Gesellschaft ist weder gut für unsere Kinder noch für dich."

Logan hatte keinerlei Ahnung worum es in dem Streit gegangen war. Hätte er es gewusst, hätte er mich wahrscheinlich an der nächsten Ecke aus dem Auto geworfen.

--------- Flashback Ende ---------

Ich wischte mir die Tränen von der Wange.

Carol schien ebenso in Gedanken versunken wie Mum. Ich studierte ihre Gesichtszüge. Ihre blauen Augen waren starr auf die Kante des Bettes gerichtet. Ihre Lippen zitterten.

--------- Flashback Carol ---------

Carol fuhr sich durch die schulterlangen Haare. „Ich sollte gehen." Sie blickte ihn zögernd an.

Er lächelte verständnisvoll. „Ich kann dich nicht daran hindern. Du weißt, wo die Tür ist. Wird denn jemand zuhause sein, wenn du kommst?"

Sie schüttelte den Kopf. „Mum und Dad arbeiten und Matt ist bei seinem Kindermädchen."

„Sie haben dich wieder alleine gelassen."

„Sie lieben mich nicht." Carols Augen tränten. „Ich interessiere sie nicht. Würde ich nie wieder kommen, es fiele ihnen nicht auf."

Er strich ihr sanft über den Arm. „Ich liebe dich, mein kleiner Engel."

Sie lächelte leicht.

„Du weißt, ich würde alles für dich tun."

Sie nickte langsam.

„Komm zu mir, Kleines. Es wird alles gut."

---------- Flashback Carol Ende ---------

Carol nickte leicht. „Wie Recht du hast." Presste sie beinahe tonlos hervor.

Mum ergriff plötzlich ihre Hand und drückte sie leicht.

Der Druck auf meinem Herzen verstärkte sich. Mich beschlich ein beunruhigendes Gefühl, dessen Ursprung ich mir noch nicht erklären konnte.

Vielleicht war nun der richtige Zeitpunkt gekommen um jahrelanges Schweigen zu brechen.

Meine Blicke wanderten zum Fenster. Der Schneefall war stärker geworden. Ich stand auf und trat näher um zu beobachten wie der Garten Eden eingeschneit wurde.

22. Teil

--------- Flashback ---------

Die Schneeflocken glitzerten in ihrem schwarzen Haar. Sie warf den Kopf lachend zurück und richtete ihre rote Haube.

Ich ließ mich fröhlich zu ihr in den Schnee fallen. Mum zog mich darauf lächelnd in ihre Arme. „Gibt es etwas Schöneres als das? Über Nacht muss es mindestens fünf Meter hoch geschneit haben."

„Fünf?" Meine Augen weiteten sich.

„Mindestens." Sie grinste. „Komm, lass uns an deinem Schneemann weiterbauen."

Ich runzelte die Stirn. „Aber ich muss doch in die Schule…" Vor wenigen Monaten hatte mein erstes Schuljahr begonnen. So schnell konnten doch die Weihnachtsferien noch nicht begonnen haben. Schließlich hatte Mrs. Sheldon erst letzten Freitag zum ersten Mal mit uns Weihnachtslieder gesungen.

„Wir könnten uns beide krank melden." Schlug Mum vor.

„Aber wir lesen heute wieder…"

„Du kannst doch schon längst lesen."

„Mummy…"

Mum seufzte. „Na gut. Ich bringe dich zur Schule. Aber am Nachmittag bauen wir deinen Schneemann fertig."

Ich nickte eifrig.

Sie richtete meine Wollmütze und küsste mich auf die Wange bevor sie aufstand und mich sanft hochzog. Ich umarmte sie. „Ich hab dich lieb, Mummy."

--------- Flashback Ende ---------

Die Tränen tropften auf meinen Handrücken. Es war so real gewesen. 54 Jahre.

Mehr als ein halbes Jahrhundert waren vergangen. Und nichts war mehr wie es einmal gewesen war.

„Mum?" Ich spürte eine zarte Hand auf meiner Schulter.

Sie blickte mich besorgt an.

Meine Augen wanderten erneut zu dem verschneiten Garten. „Ich habe mich nur an früher erinnert. Deine Grandma und ich haben sehr viele Schneeskulpturen gebaut." Es gelang mir zu lächeln.

Carol musterte mich kurz bevor sie näher ans Fenster trat. „Das hat sie mit mir auch."

Unsere kurze Unterhaltung wurde durch ein leises Knarren der Tür unterbrochen.

Jenny betrat mit einem Tablett, auf welchem drei Tassen und eine Kanne standen, den Raum. „Guten Morgen, Grandma." Sie lächelte.

Mum betrachtete sie nachdenklich. „Du siehst aus wie deine Mutter. Komm zu deiner Granny, mein Schätzchen." Sie breitete die Arme aus.

Jenny stellte das Tablett ab und umarmte sie. „Hast du gut geschlafen?"

„Wunderbar!" Mum strich ihr sanft durchs Haar.

Carol und ich tauschten einen überraschten Blick.

„Ich hoffe, das ist Kaffee." Mum deutete auf die Kanne.

Jenny runzelte die Stirn. „Nein. Ich habe uns allen noch Tee gemacht."

„Du verschwendest mein Wasser, Schätzchen."

„Mir schmeckt der Tee sehr gut. Koste ihn doch einmal." Ohne eine Antwort abzuwarten, goss Jenny etwas Tee in Mums Tasse.

„Jenny, wenn er keinen Kaffeegeschmack hat…"

„Granny…" Sie sah ihre Großmutter flehend an.

Mum seufzte. „Gut. Ich werde ihn kosten."

Jenny reichte ihr lächelnd die Tasse.

Mum trank zögernd einen Schluck.

„Und? So furchtbar?"

Sie verzog den Mund. „Er schmeckt fürchterlich. Aber besser als das Gebräu deiner Mutter." Sie zwinkerte mir kurz zu.

Jenny setzte sich lächelnd zu ihr.

„Wie geht es dir auf dem College?"

Jenny strich sich eine braune Haarsträhne aus der Stirn und begann zu erzählen.

Ich bewunderte sie für ihre Stärke. Sie saß neben Mum und unterhielt sich mit ihr, wie sie es immer getan hatte. Als wäre es nur einer von vielen Besuchen. Als hätte sich niemals etwas geändert.

Mum hielt ihre Hand und betrachtete sie lächelnd, so wie sie es immer getan hatte.

„Entschuldige mich bitte kurz. Ich muss Susana anrufen und fragen wie es Juan geht." Flüsterte Carol.

Ich nickte leicht. Die Frage, die ich ihr schon seit ihrer Ankunft stellen wollte, begann mich zunehmender zu belasten. „Ich würde gerne kurz mit dir sprechen."

Sie nickte leicht.

„Setzen wir uns." Carol deute mir auf ihrem Gästebett Platz zu nehmen.

Ich betrachtete sie Stirn runzelnd. „Du musst es gewusst haben. Genau wie Jenny und Matt."

Carol blickte mich einen Moment irritiert an, bevor sie antwortete. „Ich war die letzten beiden Jahre nur sehr selten hier. Grandma und Grandpa – sie haben alles sehr verharmlost dargestellt. Sie wollten nicht, dass wir uns sorgen. Die letzten beiden Male hat Grandma sogar so getan als wäre sie wieder vollkommen fit…" Carol blickte auf ihre Zehenspitzen. „Wir haben lange Spaziergänge gemacht, sind bummeln gegangen. Es muss eine Qual für sie gewesen sein. Sie wollte die Schwächung ihres Körpers selbst nicht akzeptieren." Carols Augen tränten. Ich griff nach ihrer Hand.

--------- Flashback Carol ---------

„Denkst du, Carmen wird das Kleid gefallen?" Lorelai blickte Carol fragend an, als sie das Geschäft verließen.

„Sie wird es lieben." Ihre Enkeltochter lächelte.

Sie gingen die steilere Straße Richtung dem kleinen Cafe, welches Lorelai vor wenigen Wochen entdeckt hatte, hinauf. Der Kaffee ist fast so gut wie Lukes. Hatte sie erzählt und damit Carols Neugierde geweckt.

„Also für diesen Marathonbummel haben wir uns wirklich eine große Tasse Kaffee verdient." Carol drehte sich lächelnd zu ihrer Großmutter. Als sie bemerkte, dass diese einige Meter hinter ihr stand und sich an einer Hausmauer stützte, lief sie besorgt zu ihr. „Grandma? Alles in Ordnung?" Carol musterte Lorelai Stirn runzelnd. Ihre Großmutter strich sich den Schweiß von der Stirn. „Alles bestens. Ich war nur etwas schwindelig. Die Luft in dem Geschäft war schlecht…" Sie mühte sich um ein Lächeln.

„Dort drüben ist eine Bank. Setzen wir uns ein wenig." Schlug Carol vor.

„Es geht schon wieder."

„Aber Grandma…"

„Mir geht es gut, Carol. Hört endlich auf mich wie einen halben Invaliden zu behandeln nur weil ich älter werde!"

--------- Flashback Carol Ende ---------

„Ich wünschte, ich wäre öfters bei ihr gewesen…" Flüsterte Carol.

Meine Augen begannen zu tränen. „Warum habt ihr mir nichts erzählt?"

„Sie wollte es nicht…Ich war die letzten Monate tatsächlich so naiv zu glauben, dass es ihr wirklich wieder besser ginge. Bis zu Grandpas Anruf…" Sie atmete tief durch. „Ich dachte, man würde mir den Boden unter den Füßen wegziehen…und als ich sie dann am Tag nach unserer Ankunft gesehen habe…" Sie schluchzte. „So blass, so schwach…es war doch erst gestern…erst gestern als sie lächelnd die Kaffeetorte auf den Tisch gestellt hatte…es war mein achter Geburtstag…" Carol strich sich die Träne von den Wangen. „Grandma ist immer für mich da gewesen. Immer. Ich hätte sie nie alleine lassen dürfen. Ich hatte bei meinem letzten Besuch eine böse Vorahnung, bin aber auf ihre Aufforderung hin trotzdem nachhause geflogen…"

Ich strich ihr sanft über den Rücken. Tränen tropften auf meinen Schoß. „Du hättest nichts tun können. Gar nichts."

„Wahrscheinlich nicht. Aber ich wäre da gewesen." Sie vergrub ihren Kopf schluchzend an meiner Brust.

Ich legte meine Arme um sie. „Ich verstehe, was du meinst…" Der Druck auf meinem Herzen drohte mir die Luft zu nehmen. Ich ließ den Tränen ihren Lauf.