24. Teil
Mum
strich zärtlich mit ihrem Finger über das Foto.
„Du
hast das Kleid genäht." Erzählte ich leise.
„Wirklich
toll." Carol lächelte. Ihre Schwester nickte staunend.
Wir
hatten uns mit Mums riesigen Fotokarton zu ihrem Bett gesetzt und
schweiften in den wenigen positiven Erinnerungen, die wir
hatten.
„Irgendwo
muss ich auch ein Foto von dir in deinem ersten Ballkleid haben."
Mum runzelte die Stirn. Jenny blätterte vorsichtig in den
kleinen Alben. „Hier ist es." Sie reichte es ihrer
Großmutter.
Ein
Lächeln umspielte Mums Lippen, als sie die beiden Fotos in den
Händen hielt. „Seht euch das an. Diese unglaubliche
Ähnlichkeit." Sie drückte sanft Carols Hand als sie leise
sagte. „Und wir alle haben die Gilmore Augen."
Jenny
wechselte einen kurzen Blick mit mir. „Warst du auch mit deinem
ersten Freund am Ball?"
Carol
strich sich eine Haarsträhne hinter ihr Ohr und sah mich
neugierig an. Auch Mum hatte ihre Augen wieder auf mich
gerichtet.
„Ja.
Sein Name war Dean."
Jenny
blätterte um. „Ist er das?"
„Ja."
„Wirkt…nett."
Jenny biss sich unsicher auf die Unterlippe. Ich lachte leise. Dean
entsprach absolut nicht ihrem Geschmack.
„Mit
wem warst du auf deinem Ball?" Mum strich sanft über Jennys
Hand. „Andrew, nicht? Ich erinnere mich nicht mehr." Sie runzelte
die Stirn.
„Ja,
Andrew…" Meine Jüngste blickte nachdenklich auf ihre
Zehenspitzen.
„Er
war so ein netter Junge." Meinte ich lächelnd.
Und
sie vergaben mir den Satz, weil ich es nicht wissen konnte.
-------- Flashback Jenny --------
Andrew
führte sie langsam auf die Tanzfläche. „Sie beobachten
uns." Meinte er grinsend über Jennys Schulkolleginnen, welche
diese um den älteren Freund beneideten.
„Du
gefällst ihnen." Meinte seine Freundin grinsend.
„So
ein Pech, dass ich schon die Beste habe."
Sie
kicherte nervös. „Die Beste?"
„Und
die Schönste."
Sie
lachte. „Schleimer. Sagst du das nur um mich ins Bett zu
bekommen?"
„Mist.
Du hast mich durchschaut." Er zwinkerte.
„Es
ist schön mit dir." Flüsterte Jenny.
Andrew
zog sie langsam an sich und küsste sie. Seine Hände
streichelten ihren Rücken.
„Ich
liebe dich." Hauchte er in ihr Ohr.
Das
Glück schien perfekt. Jenny ahnte nicht, wie schnell es ihr
wieder den Rücken kehren würde.
--------- Flashback Jenny Ende --------
Ich erinnerte mich lächelnd an den Tag, als mir meine strahlende Jüngste ihren ersten Freund vorstellte, und bekam nur vage mit wie Carol tröstend über den Arm ihrer Schwester strich.
-------- Flashback Carol --------
Carol genoss ihre freie Stunde. Sie mochte ihre Studenten zwar, es war aber auch jedes Mal angenehm sich wieder für eine Weile von ihnen zu erholen. Sie nippte an ihrem Kaffe und schaltete ihren Laptop ein. Lächelnd stellte sie fest, dass sich ihre Schwester wieder gemeldet hatte. Jenny und Carol schrieben sich dreimal in der Woche. Montag, Mittwoch und Freitag. Das war ein festes Ritual.
Hallo
Schwesterherz,
Wie
geht's? Ich hoffe gut.
Lass
meine süße, kleine Nichte lieb grüßen. Und
Ramón natürlich. Sag ihm Danke für die CD. Sie ist
wirklich gut.
Süße,
ich muss dir etwas erzählen…ich weiß nicht wie ich
beginnen soll…
Carol strich sich lächelnd eine Haarsträhne hinters Ohr. Jenny liebte Dramatik.
Andrew
und ich haben es getan. Gestern.
Deine
kleine Schwester ist jetzt offiziell auch körperlich eine
Frau.
Carol schmunzelte über die Ausdrucksweise ihrer Schwester.
Es
war sehr schön. Wenn auch anders, als erwartet.
Aber
ich möchte es auf der Stelle wieder tun.
Daphne
sagt, es wird immer besser.
Sie schüttelte grinsend den Kopf und scrollte weiter hinunter.
Andrew
verreist diese Woche. Wie soll ich das nur aushalten?
Ich
habe ihn gefragt, ob er mich mitnimmt. Aber er verneinte und wurde
wütend als ich nach dem Grund fragte. Wir sind im Streit
auseinander gegangen.
Ich
habe versucht ihn anzurufen, doch er hebt nicht ab.
Daphne
meint: Abwarten.
Ich freue mich auf deine Antwort.
Jenny
---------- Flashback Carol Ende ---------
Jenny warf ihrer Schwester einen kurzen Blick zu.
-------- Flashback Jenny -------
Jenny
spielte nervös mit ihren Haaren. Er verspätete sich wie
immer.
Sie
nippte an ihrem Kaffee. Ihr Magen krampfte sich zusammen. Wie würde
er wohl reagieren? Würde er sie verlassen? Nein. Schalt
sie sich selbst. Er liebte sie doch.
„Hey."
Jenny
sah verwundert hoch. Sie hatte ihn nicht kommen gehört. „Hi."
Er
küsste sie kurz und setzte sich neben sie.
Sie
hatte das kleine Cafe mit dem gemütlichen Garten als Treffpunkt
ausgewählt. Jenny und Andrew hatten sich hier vor einem halben
Jahr kennen gelernt.
„Du
wolltest mit mir sprechen?"
Ihre
Lippen wurden trocken. Sie schleckte mit der Zungenspitze darüber
und räusperte sich leise. „Ja…"
Zwei
ältere Frauen gingen an ihrem Tisch vorbei, eine lächelte
kurz als sie Jenny erkannte.
„Guten
Morgen." Das Mädchen mühte sich um ein Lächeln. Sie
mochte die Nachbarin ihrer besten Freundin. Mrs. Green hatte Daphne
und Jenny schon öfters zum Tee eingeladen und lobte diese
‚höflichen und anständigen Mädchen'
stets.
„Jenny?"
Andrew musterte sie Stirn runzelnd.
Sie
fuhr aus ihren Gedanken. „Entschuldige."
„Hör
mal. Ich muss zu Mittag bei meiner Schwester sein…" Er seufzte
ungeduldig.
Jenny
atmete tief durch. Jetzt oder nie. Es gab kein Zurück mehr.
„Andrew, unsere Nacht damals…"
Er
stöhnte auf. „Nicht schon wieder…"
„Andrew,
es ist wichtig…was ich dir zu sagen versuche…" Sie hielt inne.
Wie oft hatte er sich seit damals gemeldet? Sie hatte gedacht, ihre
Beziehung wäre jetzt um eine Stufe weiter. Aber es schien als
wäre sie ihm langweilig geworden. Als meldete er sich nur, wenn
er nichts Besseres zu tun hatte. Immerhin hatte er auf ihren Anruf
reagiert. Diesmal.
„Diese
Nacht war nicht ohne Folgen…" Ihre Stimme überschlug sich.
Jenny bemerkte wie sie am ganzen Körper zu zittern
begann.
Andrews
Augen weiteten sich entsetzt. „Wie meinst du das?" In seiner
Stimme war ein winziger Funken Hoffnung zu hören.
Sie
blickte auf ihre Hände. „Ich bin schwanger." Vorsichtig sah
sie in seine Augen.
Er
klang einigermaßen gefasst. „Bist du dir ganz sicher?"
Sie
schluckte. „Ja. Absolut."
Er
runzelte die Stirn. „Und wie soll ich jetzt deiner Meinung nach
reagieren?" Seine Stimme hatte einen kalten Unterton bekommen.
Sie
wollte etwas sagen, aber er ließ es nicht dazu kommen.
„Erwartest du, dass ich dich heirate und dieses Kind…" Er
sprach es mit tiefster Verachtung aus. „…als meines
akzeptiere?"
„Was?
Aber…es ist unser Kind…" Sie glaubte es zu hören, als ihr
Herz zerbrach.
Andrews
Stimme hob sich. „Ich habe nichts mit diesem Kind zu tun!"
Jennys
Augen begannen zu tränen. Um sie herum war es still geworden.
Die Augen der anderen Gäste waren neugierig auf die beiden
gerichtet.
„Jetzt
heul nicht schon wieder. Verdammt Jenny, ich dachte, du würdest
die Pille nehmen? Du kannst nicht einfach unser aller Leben
zerstören!"
„Das
war doch keine Absicht…was…was kann ich denn dafür?"
Presste sie unter Tränen hervor.
Er
musterte sie verächtlich. „Wie willst du denn ein Kind groß
ziehen? Du bist doch zu unfähig auf dich selbst acht zu geben.
Kein Wunder bei so einer Mutter…"
„Warum
sagst du so etwas?" Tränen rannen über ihre
Wangen.
„Willst
du deine Mutter noch tiefer in ihre Depressionen stürzen?
Jenny
zitterte am ganzen Körper. Sie spürte die Tränen nicht
mehr.
„Sie
wird daran zerbrechen. Glaubst du denn sie kann auch noch ein
Enkelkind versorgen? Du bist ihr ganzer Stolz, das hast du mir selbst
erzählt. Sie wird daran zerbrechen."
„Aber…was
soll ich denn tun?"
„Lass
es wegmachen. Es ist die einzige Möglichkeit für uns alle."
Es war die einzige Möglichkeit für ihn selbst, doch das
begriff sie erst zu spät.
--------- Flashback Jenny Ende --------
„Und
mit wem warst du auf deinem ersten Ball?" Mum lächelte Carol
zu.
Diese
runzelte die Stirn. „Ich glaube es war Eric, mein bester Freund.
Wir hatten beide keine Begleitung."
„Wie
ist das denn möglich? Du warst doch schon immer so
hübsch."
Carol
zuckte mit den Schultern.
Ich
musterte sie nachdenklich. Sie war zwei Jahre später ein paar
Monate mit Eric zusammen gewesen, eine Verbindung, die ich sehr gut
geheißen hatte. Trotzdem hatte sie immer nur als besten Freund
von ihm gesprochen. „Ward ihr nicht später einmal
zusammen?"
Sie
seufzte leise. „Fast ein Jahr, ja…"
--------- Flashback Carol --------
„Was?"
Sie starrte ihn entsetzt an. Das konnte nicht sein. Sie musste sich
verhört haben.
Eric
nahm ihre Hand. Sie saßen auf dem kleinen Sofa in seiner
Wohnung. „Ich dachte…"
„Was?
Dass ich dich heiraten würde und für immer in dieser Stadt
bleiben würde?" Sie bereute ihre Worte sofort. Eric war immer
nett zu ihr gewesen und hatte sie mit Respekt behandelt. Er war es,
der ihr gezeigt hatte, dass Liebe auch anders sein konnte, als sie
zuvor erfahren hatte. Doch die traurige Wahrheit war, dass sie ihn
wahrscheinlich niemals wirklich geliebt hatte. Sie hatte geliebt,
dass er sie liebte. Eine Tatsache, welche sie stets verdrängt
hatte. Du bist ein widerliches Miststück. Schalt sie sich
selbst. Das hatte er nicht verdient. Sein Herz war voller
romantischer Hoffnungen gewesen, als er ihr vor wenigen Minuten einen
Antrag gemacht hatte. Und sie hatte es mit einem einzigen Wort, einem
Blick, der alles gesagt hatte, zerbrochen.
„Wir…wir
könnten nach Los Angeles ziehen…Dad hat dort eine Firma…du
könntest Mum in der Fabrik helfen und ich Dad…" Er gab nicht
auf. So sehr liebte er sie.
„Gibt
es dann auch das traditionelle Sonntagsessen? Die Ausflüge zum
Strand? Vielleicht bekomme ich unser erstes Kind ja zur selben Zeit
wie deine Schwester…" Carol war gemein. Das wusste sie. Sie lud
die ganze Wut, welche sie auf Rory und Beatrice hatte, auf Eric ab.
Anstatt sich zu wehren, verfiel er immer mehr. Als seine Augen zu
tränen begannen, wurde ihr schließlich bewusst, was sie
ihm antat. „Es…es tut mir leid…Mum, Grandma…du weißt
schon…bitte verzeih mir. Du weißt, du bist das Beste was
bisher in meinem Leben passiert ist…aber es geht nicht länger.
Wir sind zu verschieden…ich will in die Welt…du nach L.A. … es
würde nicht gut gehen…"
„Aber,
Carol…du fährst doch in zwei Wochen fort. Ich werde auf dich
warten. Wenn du zurück aus Puerto Rico bist, können wir
heiraten…"
„Eric!
Es geht nicht nur darum. Wir…wir sind nicht für einander
bestimmt." Carol glaubte nicht an Schicksalsbestimmungen. Aber Eric
tat es.
„Ich
liebe dich aber."
„Ich…ich
liebe dich nicht mehr…nur mehr wie eine Schwester ihren Bruder
liebt…du hast eine Frau verdient, die dich so liebt, wie du mich
liebst…"
Er
starrte sie an. Unfähig zu sprechen.
„Hass
mich nicht. Bitte." Sie stand auf und ging langsam zur
Tür.
„Carol?"
Sie
hielt inne und drehte sich langsam um.
„Ich
könnte dich niemals hassen. Niemals. Ich werde auf dich
warten…"
Sie
schüttelte den Kopf. „Tu das nicht." Ohne ihn noch einmal
anzusehen verließ sie seine Wohnung. Kaum war sie an der U-Bahn
Station angekommen, sank sie auf eine der verschmutzten Bänke
und weinte.
--------- Flashback Carol Ende ---------
„Luke
und ich waren zuerst auch nur befreundet. Aber wahrscheinlich waren
wir in Wirklichkeit immer mehr als das." Mum lächelte. „Er
ist der Mann, den ich mir immer gewünscht habe."
„Seht
mal!" Jenny, die weiter in den Alben geblättert hatte, zeigte
lächelnd auf ein älteres Foto von Mum und Luke.
„Eure
Hochzeitsreise." Erzählte ich leise. „Ihr habt euch damals
von dem netten Eisverkäufer auf einem Strand von Cancun
fotografieren lassen."
Carol
lächelte. „Ihr wirkt so glücklich."
Mums
Augen tränten.
„Grandma…"
Jenny ergriff besorgt ihre Hand.
„Ich
kann mich nicht mehr erinnern…ich kann mich an meine eigenen
Flitterwochen nicht mehr erinnern…so als wären sie niemals
gewesen. Mum zitterte.
Carol
wischte ihr sanft die Tränen von den Wangen und drückte
ihre Hand. „Ihr ward in einem 4-Sterne Hotel in Cancun…" Begann
sie zögernd.
„…mit
drei Pools. Direkt am Strand…" Fuhr Jenny fort. Ihre Großmutter
hatte ihnen so oft davon erzählt, dass es war, als hätten
sie es selbst erlebt.
„…ein
weißer Sandstrand. Mit genau zwanzig Palmen. Oder
einundzwanzig. Diesbezüglich warst du dir nie sicher…"
„…weil
es darauf ankam, auf welcher Seite du zum Zählen begonnen
hattest." Beendete Jenny den Satz.
Mum
lächelte leicht. „Weiter."
„Es
gab eine Pool- und zwei Strandbars. An einer Strandbar arbeitete ein
sehr gut aussehender Mexikaner, der dir öfters die Getränke
gratis oder zum halben Preis gegeben hat. Grandpa war deshalb oft ein
wenig mürrisch…" Carol lachte.
„Es
gab einen Whirlpool. In dem ward ihr öfters nach dem Abendessen.
Grandpa fand das zwar sehr ungesund, kam aber trotzdem mit. Danach
wolltest du stets Kaffee von der Poolbar. Hin und ward ihr tanzen…in
einem kleinen Lokal…wo war das nur gleich…"
„…direkt
neben dem Hard Rock Cafe in der Stadt. Ihr machtet drei Ausflüge
…ward sonst immer am Strand….einmal seid ihr mit einem älteren
Paar aus Bolivien ins Gespräch gekommen…die beiden haben euch
euer Alter nicht geglaubt. Sie schätzten euch auf mindestens
zehn Jahre jünger…zumindest dich…tags darauf zeigtest du
ihnen deinen Führerschein…"
„…und
du wolltest nie wieder weg…"
Mum
drückte sanft die Hände der beiden. „Ihr seid wunderbar.
Wisst ihr was, ich weiß es noch…dass ich nie wieder weg
wollte." Sie lächelte leicht. „Ich hatte mir vorgenommen,
eines Tages wieder dort hinzufahren…tja, der Zug ist wohl
abgefahren…" Sie lächelte matt.
Carol
und Jenny tauschten einen kurzen Blick. Sie wussten nicht, was sie
sagen sollten.
Ich
räusperte mich leise. Es gelang mir nicht länger die Tränen
zurückzuhalten. Mum war eine wunderbare Frau. Sie hatte das
nicht verdient. Warum gerade sie?
„Entschuldigt
mich…"
„Mum…"
Ich ignorierte Jenny und lief in mein altes Zimmer. Schluchzend ließ
ich mich auf mein Bett fallen und ließ den Tränen endlich
freien Lauf.
--------- Flashback ---------
Mum
wischte die Tränen von meinen Wangen und nahm mich in die Arme.
„Alles wird wieder gut, meine Süße."
„Es
tut so weh…"
Sie
nickte und strich eine Salbe über die Wunde. „So, jetzt noch
ein Pflaster." Sie tat es darüber und küsste mein Knie.
„Besser?"
„Es
tut fast nicht mehr weh."
„An
mir ist eine verdammt gute Krankenschwester verloren gegangen." Mum
strich mir die Haare aus dem Gesicht. „Lust auf Pizza? Die soll
sehr gut zur Heilung beitragen."
„Ja."
Jauchzte ich fröhlich.
--------- Flashback Ende ---------
Die
Szene war ganz klar vor meinen Augen erschienen. Ich war vier oder
fünf gewesen und hatte mich wieder einmal beim Spielen im Garten
verletzte gehabt.
Es
war erschreckend, wie schnell die Zeit doch vergangen war.
Hatte
ich sie je so geschätzt, wie sie es verdient gehabt hätte?
Oder war sie selbstverständlich für mich gewesen? Wie oft
hatte ich ihr gesagt, wie viel sie mir bedeutet?
Wie
oft hatte ich sie in späteren Jahren verletzt?
---------- Flashback --------
„Grandma
hat nach dir gefragt…" Begann Jenny leise. Sie war eine Woche bei
Mum gewesen und vor einer Stunde wieder in Seattle angekommen.
Ich
sah nur kurz von meinem Laptop hoch. „Schön. Ich schreibe noch
den Artikel, dann bestellen wir Pizza, ja?"
Jenny
trat zögernd näher. „Sie vermisst dich. Sie glaubt, du
willst nichts mehr mit ihr zu tun haben…"
„Jenny!
Ich muss mich konzentrieren. Pack derweil deinen Rucksack aus."
---------- Flashback Ende --------
Ich hatte es ignoriert. Ich hatte es einfach ignoriert.
„Lorelai?"
Riss mich plötzlich eine Stimme aus den Gedanken.
Ich
setzte mich langsam auf.
„Darf
ich?"
Ich
nickte leicht.
Ramón
drehte das Licht auf und setzte sich zu mir. „Möchtest du auch
Kaffee? Ich wollte uns allen grad einen machen. Carol hatte seit dem
Frühstück keinen mehr. Sie hat bestimmt schon
Entzugserscheinungen…"
„Ja,
bitte." Ich lächelte leicht.
„Es
geht mich zwar nichts an, aber…du solltest mit deiner Mutter
sprechen. Wenn es irgendetwas Unausgesprochenes gibt, musst du es ihr
sagen. Ich werde es immer bereuen, nicht mehr dazu gekommen zu sein
mit meinem Vater zu sprechen…"
Ich
starrte ins Leere. „Es wird ihr das Herz brechen…"
Als
ob er wüsste, was ich meinte, antwortete er: „Nein. Gib euch
beiden euren Seelenfrieden."
Ich
seufzte leise.
„Das
ist Egoismus. Was du tust, was ich getan habe, was wir alle tun…"
Ich
sah ihn Stirn runzelnd an, schließlich begriff ich. „Danke."
Er
nickte leicht und stand auf. „Ich rufe dich, wenn der Kaffee fertig
ist, Lorelai."
„Rory."
Verbesserte ich lächelnd.
