Hallo!
Danke für deine Antwort. Freut mich, dass du noch Interesse hast.
Hatte wirklich das Gefühl, dass hier niemand mehr meine FF lesen möchte.
Ich weiß schon, dass man nicht immer Feedback geben kann - das tu ich selbst auch nicht.
Aber da ich jetzt schon ein paar Mal hintereinander gar keine Rückmeldung bekam, hat mich
dann trotzdem etwas demotiviert.
Freut mich wirklich, dass du weiter lesen möchtest. Poste auch gleich den neuen Teil.
LG Latina
30. Teil
Das sanfte Aroma berührte meine Nase und drang bis zu meinem Herzen. Ich spürte, wie sich meine Glieder immer mehr entspannten. Meine Augen wanderten durch das volle Lokal, während ich den Worten meiner Töchter lauschte. Die Erinnerungen, welche zugleich auf mich einströmten schienen unaufhaltsam.
--------- Flashback ---------
„Und
das, mein Baby..." Mum öffnete die Tür des Diners
theatralisch. „...ist Lukes Diner." Sie ergriff meine Hand und
zog mich sanft in das Lokal.
Ein
Stirn runzelnder junger Mann in Flanellhemd kam uns sogleich
entgegen. „Bitte schließe die Tür, du kühlst meine
Gäste aus." Sein Blick fiel auf mich, ein kleines Mädchen
von acht Jahren. Er wirkte einen Moment nachdenklich, bevor sich sein
Gesicht schließlich erhellte. „Dir ist gewiss kalt. Wir haben
heute um die Minus zwanzig Grad. Draußen ist es wahrscheinlich
noch kälter." Er schenkte Mum einen flüchtigen Blick.
„Möchtest du heiße Schokolade? Tee?"
Meine
Augen wurden groß. Ich drehte mich Stirn runzelnd zu meiner
Mutter. „Mummy!"
„Keine
Angst, Mäuschen. Du musst das nicht trinken."
„Ich
habe auch eine gute Orangenlimonade für dich. Na, was sagst
du?"
Ich
schüttelte den Kopf. „Nein, danke. Ich möchte einen
Kaffee."
Der
Mann musterte mich irritiert. Schließlich wandte er sich an
Mum. „Du gibst einem Kind Kaffee?"
„Luke,
wir brauchen unsere Morgenration Kaffee."
Er
schüttelte den Kopf und verschwand wortlos hinter dem Tresen.
„Und
das..." Mum machte eine elegante Handbewegung. „...war unser
Duke."
---------- Flashback Ende ---------
Die junge Kellnerin, Robin, stellte uns lächelnd eine weitere Kanne Kaffee auf den kleinen Tisch. Zwei Mädchen, möglicherweise fünfzehn oder sechzehn, gingen fröhlich an uns vorbei und blieben vor dem Pult stehen, auf welchem der DJ seinen Computer aufgestellt hatte. Sie sagten etwas zu ihm und er reagierte mit einem Grinsen. Flink bewegte der junge Mann den Cursor und schon erklangen die ersten Takte eines modernen Chartsongs. Jenny mochte ihn anscheinend, denn sie klopfte den Rhythmus mit den Fingern auf den Holztisch. Ich seufzte leise. Nicht nur die Gilmores und Lukes Diner hatten sich verändert. Die Welt hatte sich geändert. Die Zeit war weitergelaufen. Unaufhaltsam. In einer weit entfernten Vergangenheit, welche leider nicht einmal ich mehr erleben durfte, legten DJs noch Platten auf. Später kamen die CDs, der Techno des einundzwanzigsten Jahrhunderts und schließlich wurden nur noch MP3s aus Listen gewählt. Letzteres war eigentlich bereits längst überholt und der junge Mann, welcher an diesem Abend in Pete's Irish Pub arbeitete, war wahrscheinlich auch noch mächtig stolz darauf, dass er diese Kunst noch beherrschte.
--------- Flashback ---------
„Das
ist die einzig wahre Disco Musik, welche es jemals gegeben hat. Es
wird Zeit, dass du ein wenig Kultur kennen lernst." Mum zwinkerte
vergnügt und legte die Videokassette ein.
Wir
starrten gebannt auf den Bildschirm, lauschten den Klängen und
versuchten schließlich die Tanzschritte zu imitieren. Später
mussten wir uns schließlich eingestehen, dass John Travolta
noch immer ein wenig besser war, als wir.
--------- Flashback Ende ---------
Ich
nippte lächelnd an meinem Kaffee. Saturday Night Fever war einer
der vielen Musikfilme gewesen, welche ich mit meiner Mutter gesehen
hatte. Wir hatten es geliebt uns über die Kleidung lustig zu
machen, und den Film interaktiv zu gestalten, indem wir mittanzten
und die Dialoge mitsprachen. Das waren einige wenige der Dinge,
welche ich meinen Töchtern an jenem Abend erzählte. Wir
redeten stundenlang. Über lustiges, ernstes und einfach
alltägliches. Doch wir überwanden nicht die Distanz, welche
noch zwischen uns bestand. Wir dachten aber auch nicht über
diese nach, sondern genossen einfach die Momente und unsere
gemeinsamen Gespräche.
„Entschuldigen
Sie..." Pete betrachtete uns lächelnd.
Ich
hielt inne und musterte ihn erwartungsvoll.
„Wir
schließen bald..." Er blickte unsicher auf seine Uhr und fuhr
sich durch sein rötliches Haar. Pete war so anders als
Luke.
Carol
runzelte die Stirn und warf einen Blick auf ihre Uhr. „Es ist ja
schon halb drei!" Meinte sie wahrscheinlich mehr zu sich
selbst.
„Ich
weiß, das ist noch nicht spät. Am Wochenende wäre es
auch kein Problem. Aber während der Woche schließen wir
normalerweise schon um eins." Pete trat unruhig von einen Fuß
auf den andren.
„Um
eins? Warum haben Sie uns das nicht eher gesagt?" Jenny musterte
ihn verwundert.
„Nun..."
Der junge Besitzer betrachtete sie verlegen. „Sie haben sich so gut
unterhalten, ich wollte Sie nicht unterbrechen..."
„Schon
gut. Geben Sie mir die Rechnung bitte." Ich schenkte ihm ein kurzes
Lächeln.
Er
nickte kurz und ging zurück zu der kleinen Bar. Nach wenigen
Minuten kam er mit einem Ausdruck zurück. „Alles zusammen?"
Er stellte ein kleines Gerät auf den Tisch, durch welches die
Karte zu ziehen war. In meiner Jugendzeit war es, besonders in
Kleinstädten, noch eher unüblich in Abendlokalen mit
Kreditkarten zu bezahlen, doch heute war dies ganz natürlich.
Man zahlte sogar ein Päckchen Taschentücher im Supermarkt
mit Karte.
„Danke,
Mum." Meine Jenny, nachdem ich gezahlt und Pete uns wieder den
Rücken gekehrt hatte.
„Das
wäre nicht nötig gewesen. Danke."
„Es
ist doch selbstverständlich, dass eine Mutter ihre Töchter
einlädt." Ein leises Seufzen entwich mir. „Schade, dass Matt
noch nicht zurück war..."
Jenny
tauschte einen Blick mit Carol. „Hattet ihr Streit?" Fragte sie
mich schließlich.
„Ich
fürchte, es war mehr als ein harmloser Streit." Ich erhob
mich. „Kommt schon." Wir zogen unsere Mäntel an und
verließen das Pub. Die Straßen waren wie ausgestorben,
als wir durch die Schneelandschaft stapften. Erst kurz vor der
Haustür schien es Jenny zu wagen weitere Fragen zu stellen.
„Mummy?" Sie hielt abrupt. „Was war denn zwischen Matt und
dir?" Jenny betrachtete mich besorgt.
Carol
und ich wechselten einen Blick. „Ich gehe schon mal voraus. Gute
Nacht." Verabschiedete sie sich mit einem aufmunternden Lächeln
und betrat das Haus meiner Kindheit.
Jenny
blickte ihrer Schwester Stirn runzelnd nach. „Was ist
passiert?"
Erst
nach einigen Schweigeminuten war ich fähig zu sprechen.
„Vielleicht sollten wir besser auch hineingehen. Es ist kalt..."
Ich ergriff ihre Hand. „Lass uns drinnen reden, okay?"
Kaum
hatten wir das Haus betreten, kam uns Jess entgegen. Er musterte uns
lächelnd. „Na, ihr habt euch anscheinend gut amüsiert."
„Ist
Matt schon zurück?"
„Vor
zwei Stunden. Er hat sich sofort hingelegt." Es wirkte einen Moment
so, als wollte er noch etwas sagen.
Ich
nickte leicht. „Bist du der einzige, der noch wach ist?"
„Ja.
Auch Carol ist vorhin sofort nach oben gegangen. Ihr solltet auch zu
Bett gehen. Es ist spät."
„Wir
werden nicht mehr lange wach bleiben."
Jess
musterte mich besorgt, nickte aber schließlich.
Ich
warf ihm einen letzten Blick zu bevor Jenny und ich mein Zimmer
betraten.
Das
Zimmer meiner Vergangenheit. Wie viele Wahrheiten würden hier
wohl noch ans Licht gelangen?
Kaum
hatte sich Jenny auf das Bett gesetzt, fragte sie mich auch schon
erneut, was zwischen Matt und mir vorgefallen wäre. Sie musterte
mich besorgt.
Ich
wich ihren Blick aus, nach den richtigen Worten suchend.
Der
Wind schlug hart gegen die Jalousien, das Geräusch hatte etwas
Bedrohendes.
„Jenny..."
Begann ich sanft und musterte sie. Sie hatte so etwas Zartes und
Zerbrechliches.
„Mum,
was ist passiert?"
„Ich
musste Matt etwas mitteilen, das ich ihm jahrelang verschwiegen
hatte."
Auf
Jennys Stirn bildete sich eine Falte. „Und was war das?"
Ich
seufzte leise. „Du weißt, dass Jess und ich uns von früher
kennen..."
„Ihr
ward einmal zusammen." Sie nickte.
Ich
musterte sie einen Moment irritiert, dann erinnerte ich mich daran,
dass sie erzählt hatte, dass sie bei ihren Besuchen bei Mum ein
paar Mal auf Jess getroffen war. „Ja, das waren wir."
Jenny
lehnte sich die Arme verschränkend zurück und musterte mich
erwartungsvoll. In diesem Moment fragte ich mich, was wohl gerade in
ihrem Kopf vorging.
„Unsere
Beziehung endete anders, als wir es wahrscheinlich beide erhofft
hatten..."
Sie
reagierte in keinster Weise, blickte mich nur schweigend an.
„Jahre
später war ich geschäftlich verreist, in New York..."
Sie
wich meinem Blick aus und fixierte die Überdecke des Bettes.
„Ihr habt euch wieder gesehen."
„Ja.
Wir hatten uns stundenlang unterhalten. Ich hatte mich zum ersten Mal
seit Jahren wieder wie das Mädchen von damals gefühlt. Dein
Vater und ich...machten zu der Zeit gerade eine sehr schwierige Phase
durch..."
„Mum,
ich bin erwachsen. Eure Ehe stand von Anfang an unter einem
schlechten Stern, weil ihr sie aus den falschen Motiven eingingt...Du
warst niemals wirklich glücklich, oder?" Sie musterte mich
traurig.
Ich
seufzte leise und antwortete wahrheitsgemäß.
„Nein."
Jennys
Augen begannen zu tränen. Sie senkte den Blick. „Jess und
du...ihr habt euch nicht nur unterhalten." Sie sah mich wieder
an.
Meine
Stimme stockte. „Nein."
Jenny
nickte leicht. „Du hast es Matt erst jetzt erzählt.
Warum...warum hast du so viele Jahre gewartet?"
Ich
seufzte leise. „Anfangs dachte ich, ich hätte keine andere
Wahl. Ich fühlte mich abhängig von Logan. Es ist so
schwierig zu erklären. Ich hatte vor allem Angst. Die Zeit
verging...du weißt, es wird immer schwieriger etwas
auszusprechen, wenn zu viel Zeit vergangen ist..."
Jenny
senkte den Blick. Sie biss auf ihre Unterlippe und atmete tief durch,
nickte schließlich.
„Matt
ist wütend und enttäuscht. Wahrscheinlich wird er mir
niemals verzeihen. Und weißt du was? Das kann ich sogar
verstehen. Ich kann mir doch genauso wenig verzeihen." Ich fixierte
die Bettdecke.
„Mum..."
Sie blickte mich Stirn runzelnd an.
Ich
hob meinen Kopf.
„Er
wird dir verzeihen. Nicht heute, nicht morgen, wahrscheinlich auch
nicht in einer Woche oder einem Monat - aber er wird dir
verzeihen..."
„Ich
würde alles dafür tun."
„Du
hast auf jeden fall das Richtige getan." Sie lächelte leicht.
„Jess...ihm hast du es auch niemals erzählt..."
Ich
seufzte leise. „Nein. Wir haben uns gestern zum ersten Mal seit
Jahren wieder gesehen, hatten gar keinen Kontakt die letzten dreißig
Jahre."
Jenny
nickte. „Ich...ich habe es mir immer wieder eingeredet..." Sie
atmete tief durch. „...dass ich mir die Ähnlichkeit nur
einbilde..."
Ich
musterte sie, brachte kein Wort über die Lippen.
„Jess
und ich...wir hatten mehr oder weniger regelmäßigen E-Mail
Kontakt. Hin und wieder trafen wir uns auch auf einen Kaffee. Über
eure genaue Beziehung zueinander haben wir nie gesprochen, er
distanzierte sich stets, fragte ich etwas. Es war ihm auch lieber,
wenn du nichts davon erfährst..." Sie atmete tief durch. „Jess
ist beinahe zu einer Vaterfigur für mich geworden. Ich konnte
mit ihm über jedes Problem sprechen...beinahe jedes..." Sie
seufzte leise. „...ganz im Gegensatz zu Dad. Er hat sich nie für
mich interessiert. Ich glaube, dass er uns alle niemals geliebt hat.
Weder Carol, noch Matt, noch mich..."
„Nein,
Jenny..." Ich ergriff ihre Hand. „Das stimmt nicht. Dinge lassen
sich meistens nicht so einfach erklären, wie man denkt. Schon
gar nicht, wenn es um Menschen geht. Euer Vater liebt euch auf seine
Weise, er kann es nur nicht zeigen. Er hat es niemals gelernt. Das
entschuldigt aber keineswegs, wie er sich oftmals euch gegenüber
verhalten hat. Jenny, vielleicht solltest du auch mit ihm sprechen.
Dein Vater und ich haben uns nichts mehr zu sagen, aber das soll
nicht für dich gelten. Sprecht euch aus. Vielleicht schafft ihr
es eines Tages eine Art Beziehung aufzubauen."
Jennys
Augen blitzten auf. „Nein. Ich habe es zu lange versucht. Er macht
mich noch krank. Er ist schuld, dass..." Sie hielt inne und senkte
den Blick.
„Woran
ist er Schuld?" Ich musterte sie prüfend. „Jenny!"
Sie
seufzte leise. „Mum, ich weiß es...ich...ich fand die
Tabletten..." Ihre Augen begannen zu tränen. Ich verspürte
einen Stich im Herzen.
„Mummy...du
bist krank...er hat dich krank gemacht!" Sie ballte die Hände
zu Fäusten. Tränen rannen über ihre blassen Wangen.
„Ich hasse ihn dafür. Er hat dein Leben zerstört. Du
warst niemals glücklich."
„Schätzchen..."
Ich zitterte am ganzen Körper, als ich sie in meine Arme
schloss. „Ganz ruhig. Du darfst ihn nicht hassen." Ich löste
mich sanft von ihr und strich ihr die letzten Tränen von den
Wangen. „Ich bin für mein eigenes Leben verantwortlich." Ich
atmete tief durch. „Ich war es, die zuließ, dass es mir immer
schlechter ging. Ich tat nichts dagegen. Ließ mich seelisch
gehen und sank immer weiter in die Tiefen eines dunklen Ozeans.
Anstatt mein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen und zu kämpfen,
ließ ich es von anderen bestimmen. Aus Angst, aus
Schuldgefühle, aus Stolz. Jenny, es waren so viele Gefühle,
welche ich nicht mehr bewältigen konnte. Die Ereignisse
überschlugen sich. Es wäre fatal einem einzigen anderen
Menschen die Schuld an meinen Depressionen zu geben. Kleines, in
erster Linie sind wir selbst es, die für unser Leben
verantwortlich sind."
Jenny
senkte den Blick. Die Tränen tropften auf die
Bettdecke.
„Jenny?"
Sie
hob den Kopf ganz langsam. „Andrew und ich hatten miteinander
geschlafen..." Ihre Stimme zitterte. Sie wich meinem Blick aus, als
sie weiter sprach. „Ich war schwanger...er wollte nichts davon
wissen, redete wütend auf mich ein..." Sie holte tief Luft.
„Ich trieb das Kind ab..." Ihre Stimme überschlug sich. „Ich
sah keinen anderen Ausweg. Er redete es mir solange ein, bis ich es
glaubte...ich hatte panische Angst, dass ich es nicht würde
schaffen können und dich tatsächlich noch kranker machen
könnte...dabei sagte er das alles nur, weil er fürchtete,
seine konservative und reiche Familie würde ihn
verstoßen...Daphnes Mutter führte die Abtreibung durch.
Ich hätte nicht so schnell handeln dürfen...hätte mit
dir, Carol oder Grandma reden sollen...doch ich schaffte es
nicht...danach erst recht nicht. Erst Monate später konnte ich
Carol, Grandma und Matt anvertrauen, was ich getan hatte...es tut mir
so leid! Wie konnte ich nur mein kleines Baby töten?" Sie
wischte sich die Tränen von den Wangen. „Ich habe mir das bis
zum heutigen Tage nicht verziehen und ich bezweifle, dass ich mir
jemals werde verzeihen können. Ich habe eine jahrelange Therapie
gemacht. Es ist leichter geworden, aber an manchen Tagen hasse ich
mich noch immer dafür." Ich zog sie in meine Arme und strich
ihr sanft über den Kopf. „Weißt du, es ist schon
seltsam..." Sie lachte gequält. „...der beste Freund aller
Gilmore Frauen scheint ein Psychotherapeut zu sein...Nur, dass
Grandma und Carol Opfer waren."
„Jenny,
du musst dir verzeihen. Genauso wie ich mir verzeihen muss."
Jenny
kuschelte sich schluchzend an meine Brust.
„Wir
werden das schaffen." Flüsterte ich sanft. „Es tut mir
leid...es tut mir so leid, dass ich nicht immer für dich da sein
konnte."
Jenny
hob ihren Kopf. Ihre Augen waren geschwollen von den vielen Tränen.
Es brach mir beinahe das Herz sie so zu sehen.
„Das
ist in Ordnung, Mum. Ich war ja auch nicht immer für dich da."
Sie drückte meine Hand. „Ich hab dich lieb, Mum."
Ich
umarmte sie. „Ich dich auch, mein Schatz.
Sie
löste sich langsam aus meinen Armen und blickte mich ernst an.
„Ich hatte mich immer für die Familie verantwortlich gefühlt
und versucht sie wieder zu vereinen. Grandma gelingt es nun.
Natürlich gibt es noch viel zu klären und viele Mauern zu
überwinden, aber durch sie haben wir die ersten Schritte
geschafft. Warum konnte dies erst so spät geschehen? Vor diesem
Hintergrund?"
„Ich
weiß es nicht, mein Schatz."
Jennys
Augen begannen zu tränen. „Ich habe Angst, so große
Angst. Was wird, wenn sie stirbt? Sie darf nicht gehen! Ich liebe sie
so sehr! Sie ist immer für uns da gewesen. Immer. Sie darf uns
nicht einfach verlassen. Wir brauchen sie doch!" Jenny schluchzte.
„Grandma...sie ist die beste Grandma, die man sich wünschen
kann. Sie ist sterbenskrank, aber trotzdem gilt ihr Hauptgedanke noch
immer dem Wohl der Familie..." Sie vergrub ihr Gesicht in ihren
Händen. „Ich schaffe es nicht mehr...ich habe lange versucht
die Starke zu spielen. Weil Grandma das möchte. Aber ich kann
das nicht mehr. Mein Herz schmerzt zu sehr. Ich möchte die Zeit
anhalten, nein ich möchte sie zurückdrehen. Wieder das
kleine Mädchen von damals sein. Grandma darf nicht einfach
gehen. Sie muss wieder gesund werden. Sie muss einfach gesund
werden..." Ihre Stimme überschlug sich. „Die Medizin ist so
weit entwickelt! Warum kann sie meine Grandma nicht heilen? Das ist
nicht fair." Jenny vergrub ihr Gesicht schluchzend im weichen Stoff
der Überdecke.
„Nein,
das ist es nicht." Ich zog sie in meine Arme und ließ auch
meinen Tränen freien Lauf.
