Kapitel 2: Ein Ausflug in die Winkelgasse

„Daddy", quietschte Nymphadora, als Ted sie herumwirbelte.

Andromeda stand lachend im Türrahmen. „Kommt rein ihr Beiden! Sonst wird das Essen kalt und wir können nicht rechtzeitig in die Winkelgasse reisen."

Ted setzte das kleine Mädchen ab, doch diese protestierte sofort, als sie ihre kleinen Hände wieder zu ihm hinauf streckte und einen gekonnten Hundeblick aufsetzte. Lächelnd hob er sie wieder hoch und ging mit ihr zur Kopf schüttelnden Andromeda. „Nymphadora hat dich aber gut unter Kontrolle."

Darauf begann Ted zu lachen. „Das hast du auch gesagt, als sie zu uns kam. Nicht wortwörtlich, aber es hatte denselben Inhalt."

Ich sage es dir gleich", begann Andromeda und blickte zu Ted, der Nymphadora in seinen Händen hielt und mit ihr herumalberte. „Die Kleine hat dich jetzt schon um den kleinen Finger gewickelt und es wird, je älter sie werden wird, schlimmer werden!"

„Mir macht es eigentlich nichts aus", fügte Ted achselzuckend hinzu.

„Glaub mir, irgendwann wird es so weit kommen, da kommt ein Junge und den wirst du überhaupt nicht mögen", sagte Andromeda.

Ted sah sie misstrauisch an. „Sie ist noch so klein und hat noch nicht an einen Freund zu denken."

„Siehst du? Du bist jetzt schon irgendwie abgeneigt von dem Gedanken, dass sie mal einen Freund hat."

„Nicht abgeneigt, aber mir missfällt der Gedanke, dass jemand ... du weißt schon …", stotterte er vor sich hin und versuchte die passenden Worte zu finden. Andromeda lächelte nur vor sich hin. „Es ist nur … ach, vergiss es einfach." Ted verschränkte die Arme vor seiner Brust. „Hör auf zu lachen!"

Andromeda stellte sich neben ihre Tochter. „Dein Papa wird sicher eifersüchtig werden, denn irgendwann wirst du so hübsch sein, dass die Jungs nur so hinter dir her sein werden und er wird versuchen, sie von dir fernzuhalten." Dann lächelte sie ihren Mann liebevoll an. „Und das Schmollen ist bei euch beiden wirklich unisono. Da haben sich wirklich zwei gefunden, was Schatz?"

Sie küsste Nymphadora leicht an der Stirn und ging zum Herd, um das Essen herzurichten. Auch spürte sie, wie Ted hinter ihr mit den Augen rollte. Es wirkte beinahe so, als wollte er damit sagen, dass das, was Andromeda eben gesagt hatte, einfach nur übertrieben war. Wenn er sich aber ehrlich war, war schon ein wahrer Kern bei dieser Geschichte dabei. Insgeheim hoffte er aber, dass sich das nie bewahrheiten würde.

Verzweifelt versuchte Andromeda die Kleine zu füttern, die aber vehement den Kopf schüttelte und den Mund zusammen gepresst hatte. „Komm schon, Kleines. Mach den Mund auf!"

„Nein!"

„Nymphadora! Wenn du jetzt nicht isst, dann kannst du nicht mit in die Winkelgasse." Andromeda missfiel es, wenn sie so eine Methode anwenden musste, um ihre Tochter zu etwas zu ‚zwingen'.

„Nein!"

„Mach jetzt bitte den Mund auf!"

„NEIN!"

Dann geschah vieles Schlag auf Schlag. Plötzlich folg das Besteck, die Teller und das Essen durch die Luft und dann hoben sich auch noch die Sessel und Ted krallte sich am Tisch fest.

„Nymphadora, hör sofort auf damit", sagte Andromeda und suchte nach ihrem Zauberstab, aber ihre Tochter hörte ihr nicht zu, denn diese tobte und strampelte in ihrem Sessel umher.

„Mach was!", forderte Ted auf und langsam hob sich auch der Tisch.

„Das versuche ich ja … wo ist … verdammt … wo habe ich denn den jetzt hingelegt … nein … Moment … nein doch nicht … ach, … nein … verdammt", murmelte Andromeda vor sich hin, doch dann schlug sie sich an die Stirn und griff in ihre Tasche.

„Finite Incantatem", sagte sie und alles viel mit lautem Knall auf den Boden. Die Gläser und die Teller zerbrachen in alle ihre Einzelteile. Das Essen verteilte sich überall auf dem Boden und Ted kippte mit seinem Stuhl nach hinten über und lag plötzlich schwer atmend da.

„Hätte ruhig auch schneller gehen können", meinte er.

„Tut mir leid, dass es nicht schneller ging", meinte Andromeda und war ein wenig peinlich berührt.

Mit einem Schwenker ihres Zauberstabes war die Küche wieder blitzblank.

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Mit großen Augen ging Nymphadora durch die Winkelgasse. Wenn Ted und Andromeda sie nicht je an einer Hand festgehalten hätten, wäre sie ihnen noch davon gelaufen.

„Hallo", rief Nymphadora plötzlich einem Mann zu.

„Nicht mit Fremden reden", bläute ihr Ted ein.

Doch die Kleine wollte darauf nicht hören und zog weiter zu dem Mann hin.

„Sirius?", fragte dann Andromeda plötzlich überrascht. Der Mann mit dem längeren, schwarzen Haar wandte sich ihr zu. Als er sie erkannte, strahlte sein Gesicht, dann blickte er hinunter und konnte die Kleine sehen, die ihn mit großen Augen anstarrte.

„Wie geht es euch?", fragte er die Beiden und hob die Kleine hoch, die vergnügt quietschte.

„Bestens, danke", antwortete Ted.

„Dem kleinen Fratz hier wohl auch", fügte er schmunzelnd hinzu.

„Der kleine Fratz hat heute unsere Küche auseinander genommen", fügte Ted hinzu.

Sirius lachte bellend. „Tja, sie hat wohl einen unkontrollierten Magieschub gehabt?!", stellte er fest.

Andromeda nickte nur. „Ted und ich hatten zusätzlich noch einen Freiflug gewonnen, bis ich meinen Zauberstab finden konnte."

„Aber die Kleine ist wirklich süß", meinte Sirius und grinste sie an. Doch dann verzog er sein Gesicht, als sie mit ihrer kleinen Hand an seinen Haaren zog. „Nein, lass dass … aua … das tut weh!"

Ein wenig traurig sah Nymphadora ihn an.

Er blickte ebenfalls so zurück. „So brauchst du mich nicht ansehen. Es hat keine Wirkung bei mir, nur bei deinen Eltern, obwohl …" Er sah Ted und Nymphadora an. „… das wohl auch nur bei deinem Vater möglich ist."

„Soll heißen?", fragte Ted.

„Nichts", antwortete Sirius grinsend. „Was habt ihr heute eigentlich noch vor?"

„Wir müssen nur ein paar Sachen holen. Ist nicht viel! Wieso?"

„Wenn ihr wollt, könnt ihr euch meine Wohnung anschauen."

Andromeda sah zu Ted, dieser nickte. „In Ordnung, wir erledigen unsere Einkäufe und dann kommen wir zu dir."

„Ausgezeichnet", meinte er und warf Nymphadora in die Luft und fing sie wieder auf. Dieses Lachen, was von ihr zu hören war, war so ansteckend, dass die drei Erwachsenen mitlachen mussten.