Kapitel 3: Eine regnerische Nacht

Ein Blitz erhellte die Nacht und zeigte vier Gestalten, wie sie sich beinahe schwebend fortbewegten.

„Beeilt euch doch", zischte eine Frauenstimme. „Der dunkle Lord hat uns gerufen!" Ihre Schritte wurden immer größer. „Ich fasse nicht, dass ihr Dummköpfe seinen Ruf einfach ignoriert habt. Er wird uns dafür bestrafen! Das ist euch doch bewusst?"

„Ach, halt doch deine Klappe", kam es von einer Person, die dicht hinter ihr rannte.

„Ich wüsste nicht, Augustus, weshalb ich mir von dir was sagen lassen sollte", giftete sie. „Setzt euch gefälligst in Bewegung …" Sie spürte ein Brennen, das von ihrem Unterarm ausging. Ihr Herr war ungeduldig und sie wusste, dass sie für die Fehler der Anderen auch bestraft werden würde. Sie hatte immer alle ihre Aufträge ausgeführt. Es gab aber immer solche Idioten, die ihre Gunst beim Lord ruiniert, die es ihr nicht willig waren.

Sie zog ihren Zauberstab, schwang ihn und disapparierte mit einem lauten Knall.

Eine hoch gewachsene Gestalt mit schneidender Stimme empfing sie im Apparationsraum. „Wo wart ihr so lange? Der dunkle Lord ist sehr ungeduldig! Er wartet auf seinen Bericht! Ich hoffe nur, dass euer Auftrag erfolgreich war, sonst möchte ich nicht gerne in eurer Haut stecken."

Zwei Männer neben Bellatrix schluckten schwer. Sie und ihr Mann gingen erhobenen Hauptes in die Halle, wo der Lord bereits auf sie wartete. Die Aura des Raumes war schlecht und sie spürten, wie ungeduldig und wütend ihr Meister war. Kein einziger Fehler und kein einziges falsches Wort durfte nun über Lippen kommen, sonst würde diese Stimmung explodieren.

„Also?", zischte der dunkle Lord in ihre Richtung. Die roten Augen bohrten sich beinahe in ihre Köpfe. „Ich hoffe, dass ihr einen Grund dafür habt, dass ihr meinem Ruf so spät gefolgt seid."

„Gewiss sind wir das, mein Lord", antwortete Rodolphus und deutete eine leichte Verbeugung an.

„Ich höre!"

„Der Auftrag wurde zur Gänze erfüllt", berichtete er.

„Und was hat daran so lange gedauert?", zischte es gefährlich.

„Auroren sind aufgetaucht."

„Wer?"

„Alice und Frank Longbottom."

Um Voldemort pulsierte eine Aura, die den anwesenden Todessern eine Gänsehaut verpasste. „Die nerven schon längere Zeit. Wieso habt ihr sie nicht aus dem Weg geräumt?"

„Sie haben sich gewehrt."

„Ist das ein Grund?"

„Nein, mein Lord."

„Ihr wisst, dass ich euch dafür bestrafen muss?", fragte er gehässig, dabei zog er langsam seinen Zauberstab hervor. Dann fuhr er mit seinem Zauberstab zwischen den vier Todessern hin und her. Es wirkte beinahe, als schien er vor einer schweren Entscheidung zu stehen. Für ihn war es nicht schwer, sondern er wollte einfach nur seinen Spaß daran. „Crucio!", sagte er ruhig.

Der Todesser neben Bellatrix lag schreiend am Boden. Abwertend sah sie zum ihm und dachte, dass es ihm schon recht geschah, denn er hatte dem Befehl des dunklen Lords nicht gehorcht. Hatte sich einen Fehler erlaubt und zwar hatte er die Auroren lebend laufen lassen. Sie hatten alle die Longbottoms laufen lassen und sollten alle dafür bestraft werden, doch der Lord konnte unterscheiden, ob jemand seinen Auftrag korrekt ausgeführt hatte oder nicht.

Nott wand sich schreiend unter dem Fluch. Wie erbärmlich! Als Todesser sollte er solche Flüche kenne und gewohnt sein und nicht wie ein Baby zu schreien anfangen. Es war eine Schande! Nott war einer von jenen Todessern, die wohl unter dem Cruciatus brechen würden, aber auch unter anderen Flüchen, wenn sie nur stark genug waren. Sollten die Auroren oder sonst jemand aus dem Ministerium, ihn in die Finger kriegen und ihn foltern, dann würde Nott reden. Er würde alles ausplaudern – Namen, Aufträge, Spione! Er war eine Gefahr, weil er so leicht zu brechen war! Anscheinend konnte nur Bellatrix es sehen und sie musste ihrem Meister in diesem Punkt helfen, ihn warnen!

Aber der dunkle Lord wusste natürlich darüber bescheid, er wusste über alles und jeden bescheid!

Dann hob Voldemort den Fluch endlich auf und Nott lag schwer atmend am Boden. Sein Atem ging recht ungleichmäßig und sein Körper zuckte unkontrolliert. Seine Augen waren zum Teil nach hinten gedreht und man konnte das Weiße sehen.

Nott war eindeutig im Schockzustand. Die Gefahr war groß, dass er durch die unkontrollierten Bewegungen keine Kontrolle über sich hatte und die Zunge verschluckte und daran einen qualvollen, langsamen Tod sterben würde. Schade wäre es um ihn nicht!

„Bringt ihn sofort aus meinen Augen", orderte Voldemort an. „Ich hoffe, dass das für euch anderen eine Lehre war und ihr von nun an alles beachten werdet, was ich von euch erwarte. Ich hoffe, dass ihr mich verstanden habt und nun verschwendet meine Zeit nicht weiter."

Die restlichen drei Todesser, die das Glück hatten, nicht unter dem Cruciatus zu leiden, verbeugten sich und ließen Nott vor sich herschweben.

Man konnte eindeutig erkennen, dass den Todessern ihre Kollegen egal waren, solange sie hohes Ansehen hatten und gut dastanden, würden sie sogar Morde untereinander begehen.

„Nur weil ihr nicht gleich, nach dem der Auftrag erfüllt war, verschwinden wolltet, sind die Auroren aufmerksam geworden. Zugegeben, es war eine nette Abwechslung sich mal gegen jemanden zu duellieren, der es konnte, aber trotzdem … es war ein Fehler zu bleiben. Wenn wir nicht geblieben wären, dann würde Nott nicht so aussehen", meinte Bellatrix wütend.

„Du selbst warst ja richtig euphorisch bei der Sache", erinnerte Rookwood sie. „Erst, als er das zweite Mal rief, wurdest du nervös. Beim Dritten mal hattest du Panik, dass er dich bestrafen würde. Ist es nicht so, liebe Bella?", höhnte er.

Sie zog ihren Zauberstab so schnell sie konnte und drücke ihr an die nächste Wand, ihren Zauberstab an seine Schläfe. „Wage nicht so mit mir zu reden, hast du mich verstanden?", flüsterte sie gefährlich leise. „Ich habe es dir heute schon einmal gesagt! Solltest du mich auch nur noch ein einziges Mal ‚Bella' nennen, dann würdest du dir wünschen, dass du mich niemals kennen gelernt hast oder die Todesser dich erwischen."

„Es war doch nur ein Scherz."

„Ich fand es nicht witzig", fuhr sie fort und ließ ihn los. „Das ist meine letzte Warnung. Glaub mir, ich werde meine Versprechen einhalten. Also pass auf was du sagst."

Rodolphus stand teilnahmslos daneben und beobachtete die Situation. Er hatte früh bemerkt, dass sein Frau selbst wusste, wie sie sich zu verteidigen hatte und es als Beleidigung empfand, wenn er sie verteidigte. Zwar wurde ihm in seiner Erziehung eingetrichtert, sich vor Frauen zu stellen und sie zu verteidigen, doch Bellatrix hatte einen eigenen Willen, die richtigen Einstellungen ihres Blutes gegenüber. Einfach nur die richtige Erziehung und Person für jemanden wie ihn. Alles was ihm noch fehlte, war der perfekte Erbe!