Kapitel 4: Ein Brief mit Folgen
Es hatte damit angefangen, dass Bellatrix ihren Abschluss in Hogwarts gemacht hatte. Als sie an diesem ersten Juli nach Hause fuhr, warteten ihre Eltern bereits am Bahnsteig auf sie. Ohne auch nur ein weiteres Wort zu sagen, gingen sie zielstrebig nach Hause.
Nicht einmal während des Essens wurde gesprochen und langsam fragte sich Bellatrix was passiert war, denn außer ihren Eltern, Narzissa und ihr, saß niemand am Tisch. Andromeda fehlte – aber warum?
Auf dem Tisch lagen nur zwei Briefe. Ein Pergament, das einfach nur zusammen gerollt war und eines, mit einem offiziellen Siegel.
Nach dem Essen ging sie mit Narzissa hinauf in den ersten Stock, wo sich ihre Zimmer befanden. „Zissy, darf ich dich was fragen?", begann Bellatrix, was ihr nicht ähnlich sah.
„Ich kann mir schon denken was du fragen willst", antwortete Narzissa und blieb stehen. „Komm mit in mein Zimmer und ich werde dir alles erzählen."
Gemeinsam betraten sie das in mintgrün gehaltene Zimmer von Narzissa. Sie setzten sich zum Sofa an den Kamin, wo das Feuer brutzelte.
„Wie du weißt, hätte Andromeda Rodolphus Lestrange heiraten sollen und zwar zu Ostern", sagte sie leise. „Nur das es nie zu dieser Hochzeit gekommen ist, denn Andromeda war irgendwie verschwunden. Gestern kam ein Brief von ihr, dass sie bereits geheiratet hatte und glücklich war und sie würde sich garantiert keinen Ehemann aufzwingen lassen, dessen Einstellungen sie nicht vertreten konnte und der das komplette Gegenteil von ihr war.
Du kannst dir sicher vorstellen, wie Mutter und Vater reagiert haben. Sie haben mir von diesem Brief erzählt."
Bellatrix' Gesichtszüge wurden strenger. „Sie hat die Familienehre verraten!"
„Nicht nur das!"; meinte Narzissa. „Wenn es nur das gewesen wäre, wenn sie nur einen ahnsehnlichen Zauberer reinen Blutes geheiratet hätte, aber nein, sie hat einen Muggel geheiratet."
In Bellatrix kochte es. Wie konnte ihre eigene Schwester nur so etwas tun? Wie konnte sie es nur wagen?
„Natürlich haben Mutter und Vater den Lestranges sofort Nachricht gegeben. Diese warfen unseren Eltern Eidbruch vor, was natürlich zu einem Streit eskalierte, bis Mutter und Vater sich dazu entschlossen haben, dich mit Rodolphus zu verheiraten."
„Bitte was?", fragte Bellatrix schockiert.
„Du bist die zukünftige Braut von Rodolphus Lestrange", wiederholte ihre Schwester. „Glaub mir, wenn du dich wärst, wird es für dich nur noch schlimmer, als es ohnehin schon war und ist. Tu nichts, was unseren Eltern missfallen könnte. Tu einfach nur das, was sie von dir verlangen und stell dich nicht quer."
„Ich soll mich selbst verraten?", meinte Bellatrix. „Schön und gut, er ist reinblütig, aber hatte ich nicht das Recht dazu, mir meinen zukünftigen Mann selbst auszusuchen? Du hattest es gekonnt."
Narzissa sah betrübt zu Boden. „Lucius und ich waren bereits in Hogwarts liiert, was unsere Eltern gefreut hatte und so hatten sie auch kein Problem damit, dass wir beschlossen hatten zu heiraten. Sie hatten auch akzeptiert, dass wir noch warten wollten, bis Lucius seine Ausbildung fertig hatte, da jeder wusste, dass ich auf ihn warten würde. Er hatte viel zu tun und so haben wir beschlossen, diesen Sommer zu heiraten."
„Ich muss als den heiraten, den meine Eltern für mich ausgesucht haben?"
Das blondhaarige Mädchen nickte nur leicht.
Dann klopfte es plötzlich an der Tür und der Hauself erschien. „Miss Bellatrix, Ihre Eltern wünschen Euch zu sprechen."
Narzissa warf ihr noch einen aufmunternden Blick zu, dann erhob sich das schwarzhaarige Mädchen und ging mit eleganten Schritten aus dem Zimmer.
Ihre Eltern erwarteten sie bereits im Wohnzimmer, welches in dunklen Farben gehalten war und nur ein Kaminfeuer zeigte die Umrisse dieses Raumes.
„Setz dich!", forderte ihr Vater sie barsch auf.
Bellatrix tat wie ihr geheißen und horchte gespannt, was ihre Eltern als nächstes sagen würden.
„Du wirst dieses Jahr noch Rodolphus Lestrange ehelichen", sagte er kurz und knapp.
Sie nickte nur leicht.
„Weiteres, wirst du dieser Vereinigung beitreten."
„Welche Vereinigung?", fragte Bellatrix. Sie konnte sich grob denken um welche Vereinigung es sich handelte, doch Gerüchten zu folge, waren nur Männer dort und Frauen unerwünscht, doch wenn ihre Eltern sie darauf ansprachen, konnte es nur heißen, dass sie aufgenommen wurde.
„Eine Vereinigung, die sich Todesser nennt und um die Familienehre zu retten, wirst du ihnen beitreten, hast du mich verstanden? Ich will nichts von dir hören! Du wirst genau das tun, was sie von dir verlangen. Du wirst dein Blut ehren und es schützen!
Wir haben heute einen Brief erhalten, dass du morgen zum Aufnahmetest vorgeladen bist. Wenn du versagst, dann brauchst du dieses Haus nie wieder zu betreten", fügte ihr Vater scharf hinzu.
„Natürlich Vater", antwortete Bellatrix.
Sie war das jüngste Kind ihrer Eltern, doch sie sollte ein Junge werden, wurde es aber nicht und so musste sie jetzt Dinge tun, die sonst nur der Erbe machte. Sie musste ihr Blut verteidigen, die Unwürdigen vernichten und zu einer Säuberung der magischen Welt ihre Hilfe besteuern.
„Wir geben deine Verlobung erst dann bekannt, wenn Narzissa und Lucius geehelicht haben", fuhr ihr Vater fort. „Dann wirst du dieses Jahr noch heiraten."
„Du wirst auch nie wieder Kontakt mit dieser Blutsverräterin aufnehmen", mischte sich nun ihre Mutter in das Gespräch mit ein und Bellatrix wusste, dass sie von Andromeda sprach. „Solltest du es tun, sehen wir es als Verrat an der Familie und du brauchst dieses Haus nie wieder zu betreten und am Besten die magische Welt auch nicht mehr."
Jeder in ihren Kreisen wusste, was auf Familienverrat stand – der Tod!
Andromeda könnte nie mehr ruhig leben, ohne Angst davor zu haben, eines Tages von einem ihrer Familienmitglieder umgebracht zu werden. Das Blut war dick, doch bei Verrat kannte man keine Gnade und sie würde einem grausamen, schmerzvollen Tod sterben! In diesem Moment hatte Bellatrix so einen Hass auf ihre ältere Schwester, da sie das tun musste, was ihr vorbestimmt war. Sie beschloss, sollte ihr diese Verräterin je über den Weg laufen, würde sie büßen, büßen für das, was sie ihr und ihrer Familie angetan hatte.
„Du kannst nun gehen", sagte ihr Vater. „Sieh bloß zu, dass du uns morgen keine Schande bereitest. Auch werden morgen Abend die Lestranges zum Essen kommen, also richtige dich her und zieht gefälligst deinen schönsten Umhang an."
Danach verließ sie das Zimmer. Sie wusste was sie zu tun hatte. Sie würde keine Schande für die Familie sein. Sie würde Stolz in diese Mauern bringen und wenn es das Letzte war, was sie je tat!
