Kapitel 7: Nebelschleier
Nymphadora war heute bei ihren Großeltern und so konnten Ted und Andromeda einen Tag ohne die Kleine genießen. Ein Tag nur für sich war etwas ganz besonderes, auch wenn sie sich wieder darauf freuten ihre Tochter wieder in den Arm zu nehmen.
Gemütlich gingen sie durch einen Park, der sich am Rande von London befand. Sie dachten, dass heute viele Menschen hier sein würden, doch es wirkte beinahe leer, obwohl es ein strahlender Samstag war.
Ein kühler Luftzug strich Andromeda über ihr Gesicht. Doch sie blieb stehen, weil es sich nicht wie ein Wind anfühlte.
„Was ist denn?", fragte Ted sie liebevoll.
„Hier stimmt irgendetwas nicht", sagte sie und blickte sich in der Gegend um. Die Wiese war weitläufig und vereinzelt standen Bäume zu kleinen Gruppen. Ein See befand sich in der Mitte dieser Wiese und war mit einem Kiesweg umrandet und Bänke säumten die Wege. Hin und wieder konnte man einen Grill erkennen und ein Spielplatz für Kinder stand gleich am Anfang des Parks.
Dann vernahm sie ein ‚Plopp', das aus einer dieser Baumgruppen kam und ihr Griff um Ted verfestigte sich. Zwei Personen schritten auf sie zu und strahlten eine Kälte aus, die Andromeda zuvor schon einmal gespürt hatte.
„So sieht man sich also wieder", kam es gefährlich leise von Bellatrix. „Ich hätte nie gedacht, dass wir uns je wieder sehen werden … aber um alte Familienangelegenheiten zu regeln, dafür sind wir auch nicht gefolgt."
„Ihr wolltet uns nur umbringen", sagte Andromeda und ihre Stimme triefte vor Sarkasmus.
Bellatrix lachte böse. „Das hatten wir vor, aber auch das wollten wir heute nicht machen."
„Weshalb seid ihr dann hier?", fragte Andromeda misstrauisch.
„Wegen Kind, welches sich in euer Obhut befindet", begann Rodolphus mit seiner ruhigen, tiefen, gefährlichen Stimme.
„Auf einmal wollt ihr es wieder?", begann Andromeda. „Ihr habt es weggeben und habt keinen Anspruch mehr auf sie. Ihr wolltet sie nicht haben."
„Wir haben unsere Meinung geändert."
„Auf einmal?", fuhr sie fort. „Ihr werdet sie nur über meine Leiche bekommen."
„Wenn es anders nicht geht, werden wir diese Option wohl in Erwägung ziehen", fügte Bellatrix hinzu.
„Ich weiß, dass ihr mit dem Kind nichts Gutes vorhabt. Wieso wollt ihr es denn plötzlich nach vier Jahren wieder zurück?", fragte Andromeda.
„Wollt ihr sie jetzt umbringen? Wollt ihr das, was ihr damals nicht getan habt etwa nachholen?", fragte Ted.
„Du wagst es mit mir zu reden, Muggel?", fragte Bellatrix und wollte ihren Zauberstab holen, als ihr Mann sie zurück hielt.
„Er ist es nicht wert."
„Aber es würde Spaß machen, vor allem, wenn meine liebe Schwester noch dabei ist."
„Wir geben auch die Möglichkeit uns das Kind freiwillig zu geben, sonst …"
„Sonst müsst ihr bei uns einbrechen? Uns foltern und umbringen? Dann das Kind entführen? Ja, natürlich, fabelhafter Plan. Das Ministerium würde ja nie nach dem Kind suchen und unsere Freunde wundern sich bestimmt, wieso die Kleine plötzlich weg ist. Ihr werdet das Kind nicht lange in euer Obhut haben."
„Eigentlich wollten wir das nicht damit sagen", unterbrach Rodolphus. „Wir hatten damit gerechnet, dass ihr das Kind nicht freiwillig hergeben werdet. Auch wissen wir die Risiken, die sich mit der Entführung dieses Kindes verbinden. Aber trotzdem ist es unser Kind und wenn ihr euch immer noch weigert, dann bleibt uns nichts anderes übrig, als vor Gericht zu ziehen und unser Recht als Eltern geltend zu machen."
„Ihr werdet sie niemals bekommen", sagte Ted. „Dafür werde ich schon sorgen!"
Abwertend sahen in die Lestranges an. „Was will ein wertloser Muggel, so wie du es bist, gegen uns eigentlich anrichten?"
„Wagt es nicht so mit meinem Mann zu reden", zischte Andromeda ihrer Schwester zu. „Er nicht, aber ich kann dafür sorgen, dass ihr die Kleine nicht bekommt."
„Ich frage mich heute noch, wie so du so tief sinken konntest, dass du einen Muggel geheiratet hast. Du hättest die Erbin unserer Familie sein können oder du hättest zumindest einen Teil des Erbes übernehmen könne. Du warst die Älteste und hast alles von unseren Eltern bekommen. Aber nein, du musstest ja so rebellisch werden wie dein Cousin.
Beantworte mir nur eine Frage!", begann Bellatrix und sah ihr Schwester abschätzend an. „Was hat ein Muggel zu bieten, was dir ein einflussreicher, reinblütiger Zauberer nicht bieten kann?"
„Ein Herz", antwortete Andromeda ohne nachzudenken. „Und Liebe!"
„Wer braucht denn bitte so etwas?", fragte sie.
„Du ja wohl nicht, sonst hättest du das Kind niemals weggegeben, denn es wäre dir niemals gleichgültig gewesen. Außerdem hast du wahrscheinlich kein Herz und hältst dich nur aus purer Boshaftigkeit am Leben!"
„Du willst also damit sagen, dass ich nicht weiß was falsch und richtig ist? Doch, ich kann es, aber du anscheinend nicht. Ich bin den richtigen Weg gegangen und du den Falschen. Du wirst schon noch sehen, was dir und deiner Familie und diesen Muggel liebenden Narren widerfahren wird, wenn erst der richtige Mensch an der Macht steht."
„Willst du mir drohen?"
„Nein, das ist ein Versprechen und ich sage dir. Es wird mir ein vergnügen sein, dich selbst für deinen Verrat an der Familie zu bestrafen."
„Wieso tust du es nicht jetzt? Gleich hier?", forderte Andromeda auf und stellte sich Bellatrix genau gegenüber. Doch die Schwarzhaarige machte keine Anstalt auch nur in irgendeiner Weise zu reagieren. „Hast du vielleicht Angst?" Dann grinste Andromeda diabolisch. „Oder bist du nur zu feige und schwach?"
So schnell konnte man gar nicht schauen, hatte Bellatrix ihren Zauberstab gezogen und hielt ihn an die Brust ihrer Schwester. Sie atmete schwer und aus ihren Augen sprühten Funkten. „Ich bin nicht feige oder schwach! Wage es nicht so etwas zu behaupten."
Dann legte sich eine Hand auf Bellatrix' Schulter und ein Blick in Rodolphus' Augen reichte ihr, dass sie hier genug gesprochen hatten. Ohne ein weiteres Wort wandten sie sich ab und ließen Ted und Andromeda im Park zurück. Langsam zog Nebel auf und verdichte sie um sich. Ein Nebelschleier hatte sich um sie und in ihnen gebildet. Ihre Gedanken kreisten um das eben Gesagte und sie fragten sich, was es zu bedeuten hatte.
