Kapitel 8: Die Vorladung
„Mummy! Daddy!", kam es von Nymphadora und sie rannte schnell auf ihre Eltern zu. Doch so tollpatschig wie sie nun einmal war, stolperte sie über ihre eigenen Füße. Traurig blickte sie hoch und sah in die Gesichter von Ted und Andromeda, die sie nur liebevoll ansehen.
„Wie war denn der Tag bei Oma und Opa?", fragte Ted und zog die Kleine in eine feste Umarmung.
Nymphadoras Augen begannen zu strahlen. „Ferd!", erzählte sie aufgeregt. „Viele Ferde waren dort."
„Wir waren mit ihr beim Jahrmarkt", erklärte Emily, die Mutter von Ted. „Sie war so von den Pferden begeistert, dass sie nicht mehr weg wollte. Immer und immer wieder wollte sie reiten."
„Ihr verwöhnt sie schon ziemlich", warf Andromeda ein.
„Sie ist doch unser einziges Enkelkind", meinte sie. „Da dürfen wir doch so sein, nicht?"
„Versuch nie meiner Mutter zu widersprechen", fügte Ted hinzu. „Es hat keinen Sinn. Diese Lektion habe ich schon früh gelernt."
„Da gibt es nur eine Bezeichnung dafür", sagte seine Frau verschwörerisch. „Muttersöhnchen!"
„Und stolz darauf", antwortete Ted, worauf seine Eltern lachen mussten.
„Ihr zwei seid mir schon welche", meinte Tom.
„Gleich und gleich gesellt sich gern", bemerkte Emily.
„Danke fürs Babysitting", sagte Andromeda. „Aber wir gehen dann nach Hause. Dora ist sicher schon müde, nach diesem anstrengenden Tag."
Wie auf Kommando, begann die Kleine ihre Augen zu reiben und gähnte leise.
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Sie wollten gerade ihr Haus betreten, als eine Eule auf sie zu schwebte. Es streckte Andromeda das Bein hin, damit diese den Brief losbinden konnte.
Besorgt betrachtete sie das Siegel, welches sich hinten am Umschlag befand. „Vom Ministerium!"
„Das bedeutet also nichts Gutes?", fragte Ted.
„Ich befürchte nein!"
Sehr geehrte Familie Tonks!
Auf Grund einer Klage, die von der Familie Lestrange eingereicht wurde, möchten wir sine diesen Samstag, dem 13. November um elf Uhr vorladen, um die Gegebenheiten zu klären.
Ihnen wird von der Familie Lestrange vorgeworfen, deren Kind entführt zu haben und es als ihr eigenes ausgegeben haben. Auch wird Ihnen vorgeworfen das Kind entführt zu haben, nach dem Ihre Erpressungsversuche der Familie Lestrange gegenüber fehlgeschlagen sind.
Wir wünschen Ihnen noch einen schönen Samstag und erwarten Sie pünktlich am kommenden Samstag im Ministerium.
Verlassen Sie bitte nicht das Land oder tauchen unter, denn das würde nur eine unnötige Suchaktion einleiten und wir werden Sie wieder finden. Dann werden Sie zusätzlich im Sinne der Missachtung von staatlicher Gewalt und Erlassen angeklagt.
Auch wir das Kind am Montag von einem Treusorger abgeholt werden und wird bis zur Verhandlung bei diesem leben. Ihnen wird das Kind eben für diesen Moment entzogen. Wir hoffen, dass Sie unsere Maßnahmen akzeptieren!
Mit
freundlichen Grüßen
Arabella Fink
Leiterin der
Abteilung für magische Angelegenheiten
„Sie haben ihre Drohung von heute wahr gemacht", sagte Andromeda ungläubig und der Brief viel ihr aus den Händen. „Ich hätte nie gedacht, dass sie so weit gehen würden, um das zu bekommen was sie wollen."
Auch noch höchst offiziell vor Gericht? Andromeda kam es merkwürdig vor, dass sie zuerst ihr Kind hergaben und dann versuchte es zuerst auf ‚freundliche' Weise zu bekommen und dann über Gerichtswegen.
Ängstlich blickte Andromeda zu der Kleinen, die friedlich in dem Armen ihres Vaters schlummerte. „Wieso kann sie nicht hier bei uns bleiben?"
„Ich weiß es nicht."
„Sie ist doch unsere Tochter."
„Gewiss ist sie das. Ich frage mich auch, wieso die aus dem Ministerium uns diese Vorladung schicken, wo doch die Kleine die ganzen Jahre bei uns aufgewachsen ist", regte sich Ted auf. „Es kann doch nicht ihr ernst sein. Es ist einfach lächerlich, so wie die sich benehmen."
„Das brauchst du mir nicht zu sagen", giftete Andromeda zurück. „Ich werde Dora sicher nicht kampflos aufgeben. Sie ist meine Tochter, auch wenn nicht die leibliche, aber ich war da, als sie eine Mutter brauchte. Du, Ted, warst als Vater für sie da und Rodolphus und Bellatrix hatten sie einfach auf die Straße setzen wollen und jetzt wollen sie sie zurück? Nur über meine Leiche!"
Andromeda klang entschlossen, ihre Stimme fest und kräftig.
Ted konnte nicht anderes, als ihr zuzustimmen. Er selbst hätte es nicht besser ausdrücken können, wie sie es getan hatte. Wieso sollten die leiblichen Eltern ihr Kind wieder bekommen, wenn sie sich doch nie um es gekümmert haben? Wut kochte in ihm! Wut auf das Ministerium, die sie vorgeladen hatten! Wut auf die Lestranges, weil sie ihm seinen Engel wegnehmen wollten! Wut auf sich selbst, dass er nichts unternehmen konnte, um es zu verhindern!
„Ich werde mich morgen um einen Anwalt kümmern", meinte Andromeda. „Meine Schwester und ihr Mann werden mit Sicherheit auch einen haben und ich will nur ein wenig Gleichheit schaffen. Wenn sie schon zu solchen Mitteln greifen wollen, schlage ich mit selben Waffen zurück."
„Sie werden das Kind nie bekommen. Sie dürfen es nicht bekommen. Dora steht ihnen nicht zu", fuhr Ted fort und blickte dann zu seiner Frau. „Ist es wirklich so, wie du mir erzählt hast, dass Blutbande in eurer Welt mehr Wert ist, als die Liebe oder Zuneigung, die einem Kind widerfahren können?"
„Leider", antwortete Andromeda geknickt. „Bei meiner Schwester scheint dieses Gefühl zwar erst jetzt erweckt worden zu sein und ich frage mich auch weshalb, aber die Leute im Ministerium werden sicher befinden, dass unsere Kleine bei ihren leiblichen Eltern wohler aufgehoben ist und die leiblichen Eltern ein Recht dazu haben."
„Sie muss denen aber schon eine ziemlich, brutale Lügengeschichte erzählt haben, damit es zu dieser Vorladung gekommen ist", überlegte Ted. „Oder sie haben das Ministerium bestochen, dann können wir uns Dora wirklich abschminken …"
„Sag so was nie wieder", drohte Andromeda und warf ihm einen vernichtenden Blick zu.
„Tut mir leid, Schatz", meinte er ehrlich. „Ich bin nur so wütend, dass ich einfach nicht mehr gerade denken kann."
„Ist schon in Ordnung", meinte Andromeda. „Meine Gefühle spielen auch gerade verrückt. Ich male mir bereits die verschiedensten Szenarien aus, was passieren könnte und viele davon sind nicht gerade eine Traumvorstellung, eher gleich einem schlimmen Alptraum, der nie endet."
