TITEL: Wechselbälger
ORIGINAL-FANFIC: http / canadian-haruka . livejournal . com / tag / changechildren
AUTHOR: Haruka (mailto:harukaeastlink.ca)
KATEGORIE: AU, Humor, Crack
RATING: T bis M
DISCLAIMER: Prince of Tennis gehört Konomi Takeshi.
AUTORNOTIZEN: Alternatives Universum, in dem die Autorin schamlos Ideen aus verschiedenen Medienquellen geliehen/abgewandelt hat, und sogar die eine oder andere eigene dazwischen geworfen hat. Falls hier irgend etwas Canon sein sollte, ist das wahrscheinlich ein Versehen. In späteren Kapiteln wird Prügelstrafe vorkommen. Yaoi-Warnung.
ARCHIV: ffnet
Diese fanfic steht auf Wunsch der Autorin nicht für andere Archive zur Verfügung!
Mit freundlicher Genehmigung von Haruka übersetzt von: MilenaLupin
- Teil 2 -----------------------------------------------------------------------------------------------------
Echizen Nanjiroh sah auf, als sein einziger Sohn das Haus betrat. „Hey, Junge, wie lief's heute?"
Ryoma zog sein Jackett aus. „Kawamura-sempai hat Feuer gefangen."
„Tut er das nicht immer?"
„Ich meine, er ist in Flammen aufgegangen." Ryoma strebte die Treppe hoch. „Momo-sempai kann Türgriffe zerquetschen, Fuji-sempai ist unwiderstehlich, Tezuka-sempai ist ein wandelnder Blitzableiter, und Kaidoh-sempai haben sie vermisst gemeldet." Bevor er oben auf dem Treppenabsatz um die Ecke bog, rief er noch über die Schulter, „... und Ryuzaki-sensei will, dass du sie anrufst."
Nanjiroh schüttelte den Kopf. „Sie will mir wahrscheinlich sagen, dass mein Sohn einen Psychiater braucht."
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Inui hatte alles versucht, um seine Kopfschmerzen loszuwerden, aber es schien nur schlimmer zu werden anstatt besser. Zum Teil lag das wohl an seiner Sorge über Kaidohs Verschwinden und die seltsamen Vorfälle, die seinen Teamkameraden passiert waren, aber diese Erkenntnis half ihm nicht wirklich. Noch schlimmer war, dass er auch nicht genug zur Entspannung kam, um ein Schläfchen zu machen, was vielleicht die Schmerzen verschwinden lassen würde. Er versuchte es mit Schäfchen zählen, erwischte sich selbst aber dabei, wie er eine Liste der einzigartigen Eigenschaften von Schafen im Kopf abspulte. Als er versuchte, stattdessen rückwärts von 100 zu zählen, begannen die Zahlen im Kopf Gleichungen und Formeln zu bilden, die jede sein Bewusstsein verschiedenste Pfade entlang führten, bis er sich gar nicht mehr an seine ursprüngliche Absicht erinnern konnte.
In diesem Moment begriff Inui, dass ihm, je mehr er sich selbst erlaubte, diesen Berechnungen und Analogien zu folgen, desto weniger der Kopf weh tat.
Plötzlich verschwand der Schmerz völlig, und wurde durch ein Übermaß an Informationen ersetzt. Jedes Mal, wenn er versuchte, einen einzelnen Gedanken festzuhalten, entwickelte der sich zu einer Serie anderer Gedanken, die so schnell abliefen, dass es einen normalen Vierzehnjährigen zum Wahnsinn treiben würde.
Inui war mittlerweile aber klar geworden, dass er nicht länger normal war. Er nahm einen tiefen Atemzug und begann bewusst, mit voller Kraft, in seinem rasenden Gehirn Ordnung zu schaffen.
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Die Frau, die mit der Aufsicht über das lokale Tierheim führte, hatte bereits einen sehr typischen Tag hinter sich, als ihre Assistentin aus den Räumen zurückkam, in denen die Tiere untergebracht waren. Ihre Haut war kreideweiß.
„Hari-san, was ist denn?"
„D-da hinten!", stotterte die bleiche Frau zitternd und deutete mit dem Finger. „Sie müssen es sehen, sonst glauben Sie es nicht!"
Die Direktorin runzelte die Stirn, ging aber doch mit raschen Schritten den Flur entlang. Sie wusste ja nicht einmal, wonach sie Ausschau halten sollte!
Langsam ging sie an den Käfigen vorbei, wobei sie in jede einzelne hinein schaute. Als sie bei dem letzten ankam, in den sie vorhin eine gestreifte streunende Katze gesetzt hatte, stieß sie einen leisen Schrei aus.
Die Katze war fort, aber der Käfig war noch immer belegt. Von einem Jungen im Teenageralter.
Er saß in der Hocke, die Arme eng um die Knie geschlungen und sein Gesicht darin vergraben. Er zittert am ganzen Körper, und als er den Kopf hob, waren seine grünen Augen nass.
„Bitte", wisperte er mit einer tiefen, heiseren Stimme. „Machen Sie, dass sie aufhören."
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Oishi schloss seine Handyklappe. Ihm lief ein Schauer über den Rücken. Was war bloß mit allen los?
„Oishi!", rief Eiji aus und warf dann einen Blick in sein Schlafzimmer. „Du hast mich in der Küche ganz allein gelassen. Wenn du nicht bald wiederkommst, fang ich womöglich zu essen an, und dann gibt es keine Gnade für den Inhalt eures Vorratsschranks!"
„Ich muss weg", erklärte ihm sein Doppelpartner. „Das war Tezuka. Er hat mich über Ryuzaki-sans Telefon mit Lautsprecher anrufen müssen, weil er kein normales Telefon anfassen kann. Nicht nur, dass sein Problem mit der Elektrizität nicht besser wird, aber jetzt haben sie auch noch Kaidoh gefunden –"
„Aber das sind doch GUTE Nachrichten!", rief Eiji enthusiastisch. „Ich habe mir richtig Sorgen seinetwegen gemacht, nya!"
Oishi sah den Rotschopf mit sorgenvollem Gesichtsausdruck an. „Sie haben ihn in einem Käfig im Tierheim gefunden, Eiji! Die Direktorin hat Tezuka für ihn angerufen, weil er nicht für sich selbst sprechen kann – er bricht immer wieder in Tränen aus."
Eijis blaue Augen wurden riesig. „Hoi?", fragte er leise. „Kaidoh?"
Oishi zog sein Jackett an. „Wir müssen so schnell wie möglich in, bevor sich die Direktorin entscheidet, die Polizei anzurufen oder so was."
„Glaubst du, das WÜRDE sie tun?", rief Eiji aus. Er schoss zur Tür. „Beeil dich, Oishi, komm schon, wir müssen schnell hin!"
"Das sagte ich doch gerade, oder?", gab Oishi mit uncharakteristisch genervtem Ton zurück. „Die ganze Welt dreht durch, und ich wünschte mir bloß, alt genug zum Autofahren zu sein – mit dem Bus brauchen wir ewig dahin!"
„Aber Kaidoh braucht unsere Hilfe SOFORT!" Eiji ergriff Oishis Arm, zerrte, und im selben Augenblick änderte sich ihre Umgebung.
Die beiden Jungen standen wie angewurzelte auf dem Fleck. Nur ihre Augen bewegten sich, um ihnen zu bestätigen, dass sie sich nicht nur nicht mehr in Oishis Schlafzimmer befanden, sondern draußen waren und direkt vor dem Tierheim standen.
Eijis Unterlippe bebte. „Oishiiiii ...", wimmerte er, „was ist da gerade passiert?"
„Ich – ich weiß nicht", antwortete Oishi, und hoffte im Stillen, dass ihn der Tumult, den seine Nerven gerade durchmachten, nicht zum Kotzen brachte. Er sog einen tiefen Atemzug ein, und tätschelte Eiji beruhigend den Rücken. „Wir können uns nur über eine Sache zur Zeit Sorgen machen. Lass uns jetzt erst einmal Kaidoh helfen."
Der Akrobat nickte wortlos und folgte ihm auf wackligen Beinen ins Innere des Tierheims.
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„Lasst uns raus!"
"Wir wollen nicht hier sein!"
„Wo ist mein Herrchen?"
„Ich habe Angst!"
Kaidoh Kaoru presste sich die Fäuste dicht vor seine Ohren, aber das half nichts – er konnte sie noch immer hören. Alle von ihnen, alle gleichzeitig, wie sie unaufhörlich weinten. Er konnte spüren, wie ihre Angst und Qual seine Seele durchdrangen, und konnte nicht anders, als selbst zu weinen. Er wusste, dass er hier raus musste, aber konnte es nicht über sich bringen wegzurennen, wenn doch noch so viele von ihnen zurückblieben.
„Kaidoh? Hoi, Kaidoh!"
„Wir sind's! Eiji und Oishi!"
Vertraute, MENSCHLICHE Stimme. Er kämpfte darum, sich auf sie zu konzentrieren. „Sempais?", murmelte er.
„Er ist schon so, seit wir ihn herausgeholt haben", hörte er eine Frau sagen. „Hat er ... mentale Probleme?"
„Nein, überhaupt nicht!"
Oishi-sempai! Kaidoh sah von der Couchecke im Wartebereich hoch, auf der er zusammen gekauert hockte, und entdeckte seine beiden Teamkameraden, die sich über ihn neigten. Sie sahen verängstigt aus.
Oishi berührte seine Schulter. „Wir sind es, Kaidoh – wir holen dich hier raus, okay?"
Kaidoh versuchte, sich zu bewegen, aber dann fluteten wieder Dutzende Stimme durch seinen Kopf. Angst, Hunger, Durst, Angst, müde, verspielt, wütend, ANGST!
Kaidoh gab einen lauten, wehklagenden Ton von sich, und wand sich die Arme um den Kopf. „Ich kann sie hören, Sempai!", weinte er. „Die Tiere, sie reden mit mir! Ich schwöre, ich kann sie HÖREN!"
Völlig verstört ergriff Oishi ihn an den Schultern und brüllte lauthals: „Nein, kannst du NICHT!"
Kaidoh blinzelte. Langsam schaute er zu Oishi hoch.
„E – es ist weg", sagte er mit einer Stimme, aus der Verwunderung und Erleichterung klang. „Ich kann sie nicht mehr hören."
Eiji ließ sich auf die Couch plumpsen. „Ich dachte grad, ich krieg einen Herzanfall, nya."
„Mach's dir nicht zu bequem, wir müssen hier raus." Oishi zog Kaidoh hoch, und Eiji hüpfte zurück auf die Füße.
„Wünschte fast, wir könnten auf die gleiche Weise heimkommen, wie wir hergekommen sind", sagte der Rotschopf leichthin. „War auf jeden Fall schneller!"
„Mach da bloß nicht noch Witze drüber", erklärte Oishi grimmig. „Ich würde mit Kusshand für den Rest meines Lebens den Bus nehmen, wenn das bloß bedeutet, dass keinem von uns mehr etwas Seltsames passiert."
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Inui konnte sein Telefon nicht finden.
Er war in der Bibliothek, und sein Handy klingelte, aber er hatte es auf den Tisch vor sich gelegt, und jetzt lag es begraben unter einem Dutzend Zeitungen, mindestens zwanzig Fachbüchern und zwei Sätzen verschiedener Enzyklopädien. Er tastete danach, und fand die Maus für den Computer, den er benutzt hatte, aber kein Telefon.
„Junger Mann", schalt die Bibliothekarin, „bitte gehen Sie mit Ihrem Telefon nach draußen!"
„Das werde ich, sobald ich es gefunden haben, Ma'am", versicherte ihr Inui, dem der Ausdruck blanken Horrors auf dem Gesicht der Frau entgangen war, als sie das enorme Chaos auf dem Tisch entdeckte. Schließlich berührten seine Finger das Handy, und er sprach leise hinein: „Inui hier."
„Wieso flüsterst du?", fragte Sumire harsch. „Ach, auch egal! Es wird hier immer schlimmer, Inui – ich höre gerade von Oishi und Eiji. Sie haben Kaidoh aufgesammelt, aber er behauptet, dass er nicht nur die Tiere im Tierheim reden hören konnte, sondern dass er selbst als KATZE dort eingeliefert worden ist!"
„Transformation ist eine Möglichkeit", erklärte ihr Inui. „Ebenso wie meine erweiterte Fähigkeit, Wissen anzusammeln sich mittlerweile weit über das Level reiner Genialität hinaus gesteigert hat –"
„Was?", unterbrach ihn Sumire. „Willst du mir auf diese verdrehte Weise sagen, dass du WEISST, was hier vor sich geht?"
„Ja und nein. Es ist offensichtlich, dass viele von uns übermenschliche Fähigkeiten erworben haben, deren Grenzen wir erst noch bestimmen müssen, aber ich habe noch keine exakte Ursache feststellen oder bestimmen können, ob die Veränderungen von Dauer sind."
Er hörte die Lehrerin seufzen. „Auf alle Fälle habe ich ein Teammeeting in Kawamuras Sushi-Restaurant einberufen. Kawamuras Vater schließt heute früh, so dass nur Leute, die ich benachrichtigt habe, dazu kommen können."
„Ich bin unterwegs." Inui bemerkte, wie die Bibliothekarin ungeduldig mit dem Fuß auf den Boden klopfte und den Tisch beäugte. „Gleich nachdem ich ein paar Daten bereinigt habe."
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Fuji Syuusuke ging die Treppe hinunter. „Ich gehe aus!", rief er. „Wenn mich jemand braucht, bin ich in Kawamuras Sushi-Restaurant!"
Sein jüngerer Bruder, Yuuta, trat auf den oberen Treppenabsatz. „Darf Kawamura-san denn Besucher haben?"
„Es geht ihm gut", erwiderte Syuusuke. „Es gibt keine Erklärung dafür, aber die Flammen haben ihn überhaupt nicht verbrannt – zum Glück." Er hielt inne und schaute noch einmal zum Treppenabsatz hoch. „Was ist denn mit dir? Du hattest doch vorhin Halsschmerzen, und hast dich furchtbar angehört – aber es klingt jetzt gar nicht mehr heiser."
Yuuta zuckte die Achseln. „Ich weiß nicht, es scheint sich gelegt zu haben, glaube ich. Ist auch gut so, wo St. Rudolph doch morgen ein Spiel hat." Er kratzte sich am Kopf, um dem Blick seines Bruders auszuweichen. „Ist wohl auch besser, wenn du ausgehst. Mizuki-sempai ist auf dem Weg hierher, um die Strategie mit mir durchzusprechen."
Syuusuke runzelte leicht die Stirn. „Ja, da hast du vielleicht Recht." Er öffnete die Eingangstür, hielt dann einen Moment an.
„Stimmt was nicht, Aniki?"
Syuusuke seufzte. „Ich schätze, auszugehen macht mich ein bisschen nervös", gab er zu. „Die Leute haben sich heute so komisch in meiner Gegenwart verhalten."
„Ich nicht. Ich bin immer noch der Selbe."
Syuusuke schaute lächelnd über die Schulter in Yuutas Augen. „Ja, das bist du", sagte er dankbar. „Ich seh dich dann später."
Syuusuke schloss die Tür sich, und ließ Yuuta ihm nachstarrend zurück. Falls er die Veränderung im Gesichtsausdruck seines kleinen Bruders gesehen hätte, hätte er wohl seine Dankbarkeit zurückgenommen.
„Aniki", hauchte Yuuta atemlos.
Finger schnippten vor seinem Gesicht, und er zuckte zusammen, als er Mizuki Hajime neben sich stehen fand. „Sempai!", keuchte er. „Wann bist du denn hier hochgekommen? Ich hab dich gar nicht gesehen."
„Dein Bruder hat mich gerade reingelassen", erwiderte Mizuki und warf ihm misstrauisch einen düsteren Blick zu.
„Aber ich hätte das doch gesehen, wenn er –"
„Vielleicht, wenn du nicht zu sehr damit beschäftigt wärst, ihm hinterher zu schmachten", fauchte St. Rudolphs Teammanager. „Du hattest ja richtig Sternchen in den Augen, als du ihm nachgeschaut hast. Wieso das denn, Yuuta-kun?"
Der jüngere Fuji-Bruder konnte sich das aber nicht auch besser erklären, als wie es ihm entgangen war, dass Mizuki herein kam. Was aber auch immer der Grund sein mochte, so dachte er, gefallen tat es ihm nicht.
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Ende Teil 2
