Kapitel 4 If yourre Gone
Der Orden des Phönix hatte ein weiteres improvisiertes Treffen. Diesmal war es nicht am Grimmauld Platz Nr. 12, aber im Fuchsbau. Nur eine handvoll Mitglieder war beim Treffen anwesend, hauptsächlich diskutierten sie darüber, wie sie Ron, Ginny und mich sicher nach Kings Cross Station und an Bord des Hogwarts Express brachten.
Die anwesenden Mitglieder waren Arthur und Molly Weasley, Remus Lupin, Alastor Moody, Tonks und Kingsley Shacklebolt.
Ron, Ginny und ich hockten auf der Treppe und versuchten dem Treffen zu lauschen. Leider war das schwierig, weil die Mitglieder ihre Stimmen gesenkt hatten und flüsterten, vielleicht in dem Wissen, das neugierige Ohren nur Schritte entfernt waren. Da Fred und George nicht länger im Fuchsbau wohnten, konnte man sich keine Langziehohren ausleihen.
"Das ist wirklich unfair", flüsterte mir Ron zu. „Sie sollten zumindest dich zu einem Mitglied des Ordens machen, wo du doch derjenige bist hinter dem Voldmort her ist."
Ich antwortete nicht. Ich wusste ehrlich gesagt nicht, was ich sagen sollte. Ich stimmte Ron mit ganzem Herzen zu, aber ich wusste, dass ich erst 16 war, es gab keine Möglichkeit ein Mitglied zu werden. Auch hatte ich Ron meine Diskussion mit Dumbledore Ende des Schuljahre, kurz nach Sirius Tod, nicht enthüllt. Ron, oder niemand was das betrifft, wusste dass es am Ende ich oder Voldemort heißen würde. Einer hatte zu sterben, damit der andere leben konnte. Ehrlich gesagt wusste ich nicht, warum ich es ihm nicht erzählt hatte. Da er mein bester Freund war uns all das, denkt ihr ich sollte es ihm sagen, aber irgendetwas hielt mich davon zurück es ihn wissen zu lassen.
Es gab wichtigere Dinge um darüber jetzt nachzudenken, genauer gesagt Hermine. Wir hatten nicht wirklich viel über sie gesprochen. Mr. und Mrs. Weasley hatten nichts mehr sonst gesagt und wir hatten das Thema nicht weiter angeschnitten. Doch wir alle vermissten sie. Sie wurde vielleicht nicht erwähnt, aber sie war in all unseren Gedanken.
Ron schien es besonders schwer zu nehmen. Ich hatte immer vermutet, dass er Gefühle für Hermine hat die ein bisschen weiter gingen, als Freundschaft. Das ganze Fiasko um den Weihnachtsball hatte das sehr bestätigt, aber ich wusste nicht, ob ich je den Mut aufbringen würde zu fragen. Hermine hatte mir gegenüber nie etwas über die Art ihrer Gefühle für Ron erwähnt. Es war alles auf eine Art seltsam, wenn ihr mich fragt. Ich meine, die beiden kämpften die meiste Zeit wie Hund und Katze. Manchmal fragte ich mich, ob sie Freunde gewesen wären, wenn nicht wegen mir. Ich war die gemeinsame Verbindung zwischen ihnen.
Hin und wieder, fragte ich mich, wie ich mich fühlen würde, wenn sie am Ende zusammenkämen. Sie waren meine zwei besten Kumpel. Wenn sie gemeinsam Glück fanden, würde ich mich für sie freuen, oder? Ich konnte es wirklich nicht sagen.
Alles was ich jetzt wusste, war dass ich sie vermisse. Sie konnte auch keine einfache Zeit haben. Ich verstand nicht, wie ihre Eltern ihr das antun konnte, mit dem Wissen wie viel Hogwarts ihrer Tochter bedeutete. Sie mussten ihre Tochter überhaupt nicht kennen, wenn sie dachten, dass dies das Beste für sie sei.
Doch wenn ich an die Dinge so dachte, fühlte ich mich immer mit ein schuldiges Stechen. Es war mein Fehler, dass sie in diesem Durcheinander war. Sie zahlte dafür, dass sie meine Freundin war. Wenn sie an dem ersten Tag nicht in dieses Zugabteil getreten wäre, wären vier vielleicht nie Freunde geworden. Sie sollte jetzt versuchen Schulsprecherin zu werden und für die UTZ zu lernen und sich nicht Sorgen über ein anderes Leben und eine andere Schule machen.
Es war deswegen, dass ich fühlte,
ich sei es ihr schuldig einen Weg zu finden sie aus diesem
Durcheinander rauszuholen. Sie sehnte sich nach Hogwarts mit Ron und
mir. Ich war mir dessen so sicher, wie alles andere in meinem Leben.
Ich wusste, dass ich keine Chance hatte meine Klasse schaffen, keine
Chance gegen Voldemort hatte, ohne sie. Das war nicht nur weil sie
klug und clever war. Es war wegen der Art Mensch die sie war, der Art
Freund die sie war. Sie war so loyal. Als ich dachte ich hätte
niemanden auf den ich mich verlassen konnte, war sie da. Wieder und
wieder war sie für mich da. Und wie hab ich ihr das zurück
gezahlt?
Unwissend hatte ich zu der Entscheidung ihrer Eltern,
sie aus der Schule zu nehmen, beigetragen.
Ginny unterbrach meine Gedanken in dem sie Ron und mir verkündete, dass das Treffen sich auflöste. Dies wurde Sekunden später durch Rons Mum bestätigt die heraufrief aufhören zu lauschen und runter kommen um die Gäste zu begrüßen.
Schüchtern stiegen wir die Treppen runter und begrüßten die Ordensmitglieder freundlich. Lupin fragte mich, wie es mir ginge und ich sagte ich wäre in Ordnung. Ich denke nicht, dass er mir eine Sekunde geglaubt hat, aber er nickte und lief zur Mrs. Weasley rüber die ein Tablett mit Kräkern und Käse herumreichte. Ginny hatte eine Kanne Kürbrissaft von ihrer Mutter geholt und schenkte jedem seine Tasse geschäftig ein.
Ich stand da und beobachtete alle, allein mit meinen Gedanken. Ich spürte wie mir jemand auf die Schulter tippte und als ich mich umdrehte, sah ich Tonks die mich angrinste.
"Hi, Harry!", sagte sie.
„Hi, Tonks", sagte ich. „Wie geht es dir?"
"Okay", sagte sie. Sie legte eine Hand auf ihr Haar. „Magst du Rastalocken? Ich dachte sie könnten vielleicht ein bisschen übertrieben sein, doch Kingsley sagte sie sehen in gut aus, als ließ ich sie."
„Ja", sagte ich und nickte ihr zu. „Sie sehen gut aus."
"Danke", sagte sie und strahlte mich an. Ihr Gesicht wurde plötzlich ernst. „Ich hab von Hermine gehört. Es tut mir leid."
Ich nickte ernst. „Ja."
„Kannst du mich draußen in ca. 2 Minuten treffen?", fragte sie. „Komm alleine. Es ist wichtig. Ich glaube es könnte deine Laune ein bisschen aufbessern."
„Okay", sagte ich und fragte mich worüber sie mit mir sprechen wolle. „Sicher."
„Okay", sagte sie.
Ich beobachtete, wie sie zu Mr. und Mrs. Weasley hinüber lief, ihnen für die Erfrischung dankte und sagte, dass sie gehen müsse. Innerhalb von Sekunden, war sie aus dem Haus gelaufen. Als ich mir sicher war, das mich niemand beobachtete, schickte ich mich an ihr einige Minuten später zu folgen.
Ich fand Tonks direkt hinter dem Haus, auf einem Picknick-Tisch sitzend.
„Also, worum geht's?", fragte ich sie.
„Weißt du, was das ist?", fragte sie mich und holte einen schwarzen Gegenstand aus ihrer Tasche hervor.
„Natürlich", sagte ich. „Es ist ein mobil Telefon."
„Ja, ist es", sagte sie. „Weißt du, warum ich ein mobil Telefon habe?"
„Nein", sagte ich verwirrt. „Ich glaube ohnehin nicht, dass es hier funktioniert, Tonks."
„Doch, wird es", sagte sie. „Es ist ein spezielles Telefon. Ein Freund von mir im Muggel-Artefakt-Büro hat daran herumgespielt und es wird funktionierten, selbst so weit hier draußen."
„Du willst also einen Anruf machen?", fragte ich immer noch verwirrt.
„Nicht ich", sagte sie und reichte mir das Telefon. „Du."
„Ich kenne niemanden der ein Telefon hat, außer meine Tante und mein Onkel und ich versichere dir, dass ich kein Verlangen danach habe, sie anzurufen."
„Wie ist es mit Hermine?", fragte sie. „Du kannst sie anrufen."
„Nein, kann ich nicht", sagte ich. "Ich weiß nicht wo sie ist, geschweige denn was für eine Telefonnummer sie hat."
„Ich weiß es", sagte Tonks. "Ich habe einen Freund im Umzugsprogramm, der die Sache mit ihrer Familie abgewickelt hat. Sie ist in Atlanta/Georgia in den Staaten. Ich habe auch ihre Telefonnummer. Warum rufst du sie nicht an?"
"Nun, was ist mit dem Zeitunterschied? Was, wenn ich ihre Eltern aufwecke?", fragte ich.
„Das wirst du nicht", sagte sie. „Ich habe einen Flohpulver-Kontakt hergestellt und ich hab gesehen, dass ihre Eltern zum Abendessen das Haus verlassen haben. Sie ist jetzt alleine. Es ist ungefähr 23 Uhr drüben. Ruf sie an."
„Tonks!", sagte ich und strahlte sie an. „Ich könnte dich küssen!"
Tonks lachte: „Das sagen sie alle. Verschwende nicht deine Zeit mit mir. Wähl die Nummer. Ruf sie an."
Ich nickte und blickte auf das Stück Pergament, dass sie mir ausgehändigt hatte. Eine Telefonnummer war darauf gekritzelt und ich begann die Nummer zu wählen. Mein Herz fühlte sich an, als wenn es rasen würde, als ich hörte wie das Telefon zu klingeln begann. Tonks lief ein paar Schritte von mir weg, um mir etwas Privatsphäre zu geben.
„Hallo", sagte Hermines Stimme.
„Hermine!", sagte ich aufgeregt. „Ich bins Harry."
„Harry!", sagte sie fast ungläubig. „Aber wie...?"
„Tonks hat mir geholfen", sagte ich. „Wie geht es dir?"
„Ich halt durch", sagte sie. „Aber Harry, wie geht es dir?"
„Genauso wie dir", sagte ich. „Haben deine Eltern dir einen Grund genannt?"
„Sie sagten, sie wollen mich in Sicherheit haben", sagte sie. „Ich kann es schon fast auswendig, was meine Eltern sagen, wann immer ich sie frage warum sie das tun."
„Wir vermissen dich so sehr", sagte ich.
„Ich vermisse euch auch", sagte sie. Ich konnte hören, wie ihre Stimme zu zittern begann. „Irgendwelche Neuigkeiten von Voldemort?"
„Nein", sagte ich. „Nichts neues zu berichten. Er fällt nicht auf."
„Harry sei vorsichtig", sagte sie. "Bleib wachsam. Du weißt nicht, wozu er im Stande ist. Du musst stark sein."
„Es wäre leichter, wenn du hier wärst", sagte ich mit einem hohlen Lachen.
„Ich würde alles dafür geben, bei dir zu sein", sagte sie. „Und auch bei Ron."
„Ich weiß, dass würdest du", sagte ich. „Ich würde alles geben um dich zurück zu bekommen. Wir werden einen Weg finden."
"Bring dich aber nicht selbst in Schwierigkeiten, Harry", sagte sie und klang wie die Hermine die ich kannte.
„Ich bring mich nicht selbst in Schwierigkeiten", sagte ich und versuchte entrüstet zu klingen. „Es scheint immer mich zu finden."
„Nur zu gut tut es das", sagte sie mit einem leichten Lachen. „Ich meins ernst."
„Hermine", begann ich.
Das Telefon verstummt plötzlich. Sie war weg.
„Hermine?", sagte ich ins Telefon. Stille.
„Hermine? Hermine?"
Ich schaltete das Telefon aus. Tonks eilte zu mir.
„Nun?", fragte sie.
"Sie ist in Ordnung", sagte ich. „Ich meine, es geht ihr so gut, wie man es erwarten kann. Sie vermisst uns."
„Ich weiß, dass sie das tut", sagte Tonks. „Letzten Sommer hat sie über dich gesprochen, die ganze...nun, das ist wirklich nicht wichtig."
Was hatte sie damit gemeint? Es hatte so geklungen, als ob sie sagen wollte, dass Hermine die ganze Zeit über ihn gesprochen hatte, doch sie hatte sich selbst gestoppt. Was sollte das heißen?
"Tonks", sagte ich und reichte ihr das Telefon zurück. „Warum hast du das getan? Ich meine, du hättest dich selbst in eine Menge Schwierigkeiten bringen können."
"Nun, lass es uns so sagen ich hab eine leichte Schwäche, was dich und Hermine betrifft", sagte sie, nahm das Telefon und legte es in ihre Tasche. „Ihr habt eine großartige Freundschaft. Ich hasse es zu sehen, dass ihr deswegen getrennt werdet."
„Danke", sagte ich. „Das bedeutet mir wirklich viel."
Sie strahlte mich an. „Jederzeit. Lass das aber unter uns bleiben, Harry. Wenn das heraus kommte, könnte das sehr schlecht werden – nicht gerade für mich – aber für meinen Freund, der mir das Mobil Telefon gegeben hat."
Ich nickte und gab ihr mein Wort.
„Pass auf dich auf", sagte sie. „Du gehst besser rein, bevor jemand Fragen stellt."
„Okay", sagte ich.
"Ich sehe dich in wenigen Tagen am Bahnhof", sagte sie.
Ich beobachtete, wie sie wenige Sekunden später apparierte.
Als ich diese Nacht einschlief, fühlte ich mich hoffnungsvoller, als zuvor. Die waren vorher trostlos erschienen, aber der Klang von Hermines Stimme hatte dazu geführt, dass ich mich besser fühlte. Die Dinge würden letzten Endes in Ordnung kommen.
(Hermione)
Währendessen tausend Meilen weit weg, erinnerte ich mich daran, wie mein Vater mir das Telefon weggenommen und aufgelegt hatte.
„Wer war das?", fragte er zornig.
Ich antwortete nicht.
„Harry? Ron?", fragte er mich.
Wieder antwortete ich nicht.
"Ich dachte, ich könnte dir vertrauen, Hermine", sagte er. „Das funktioniert nicht, wenn du darauf behaarst, jeden Zentimeter des Weges gegen uns zu kämpfen."
„Ich würde es wirklich hassen, wenn es nicht funktioniert, Dad", sagte ich wütend.
„Hermine!", warnte mein Vater mich.
„Ich bin es so leid", sagte ich hitzig. „Kannst du es sehen? Der erste Anflug von Freude, den ich hatte seit wir hier her gekommen sind, ist ein Telefonanruf von Harry. Was sagt dir das, Dad? Bist du blind?"
„Hermine, du wirst ihn nicht noch einmal kontaktieren, hast du mich gehört?", sagte er ernst.
„Ja, ich habe dich gehört", sagte ich. Mit einem letzten Blick auf ihn, lief ich in mein Zimmer.
„Warum kannst du mich nicht hören?", sagte ich flüsternd.
