Auch schon wach?
Titel: Auch schon wach?
Autor: LeSLenne
Fandom: House M.D.
Charaktere: Robert Chase, Gregory House, Stacy Warner, Lisa Cuddy
Word Count: 962
Warnings: unbeta-ed
Rating: PG
Sünde: Acedia / Trägheit / Belphegors Sünde
Summary: Stacy bittet House einen Patienten zu untersuchen, der seit drei Tagen tief und fest schläft. Bleibt die Frage, weshalb...
A/N: Ich bin wieder überfragt, ob sich die Sünde hier gut herauslesen lässt, aber da ich die Fanfic in einem Zustand äußerster Trägheit geschrieben habe, kann es ja fast nicht anders sein – oder?
„Na, spielen Sie wieder?"
Gregory schnalzte ungeduldig, fluchte und wandte sich dann an seinen jungen Kollegen. Seine PSP behielt er dabei in der Hand. Wütend gestikulierte er in Chase' Richtung. „Noch einen! Einen!" Natürlich verstand dieser kein Wort, und starrte ihn erwartungsgemäß an, als hätte er nicht mehr alle Tassen im Schrank. „Als Kind reicher Eltern müssten Sie doch wissen, wie das geht. Mit Bestleistungen, sogenannten Hi-Scores und so."
„Meine Eltern waren nicht wirklich angetan von Videospielen. Sie meinten, das mache aggressiv und asozial." Mit hochgezogenen Augenbrauen legte Chase einen dicken Aktenordner auf den Tisch.
Er sah ihn entnervt an. „Das ist von Stacy, oder?"
„Wenn Sie es sowieso schon wissen, brauchen Sie ja nicht erst zu fragen. Sie möchte, dass Sie diesen Herrn hier behandeln... ähm..."
„Was?", sagte er erwartungsvoll. „Namen vergessen? Sie sollten nicht soviel trinken, Chase." Er schnappte sich die Akte, blätterte sie von hinten auf und nickte ein paar Mal. „Gewöhnliche Grippe."
„Dachten wir zunächst auch, aber..."
„Nicht schon wieder!", sagte er und winkte ab. „Was ist dieses Mal ungewöhnliches passiert – oder hat er gar angefangen Katzen in Mikrowellen zu stecken? Das nennt man Alfiritis, eine schwere Form von TV-Sucht."
Chase schüttelte jedoch den Kopf. „Er schläft seit drei Tagen."
Damit war sein Interesse geweckt, zugegebenermaßen. Er sprang auf, schnappte sich seinen Stock und lief los. Als er an der Tür stand, drehte er sich nochmals zu Chase. „Kommen Sie dann, oder haben Sie vor, auch die nächsten drei Tage zu schlafen; ist das ein Wettbewerb, von dem ich armer Krüppel ausgeschlossen werde?"
Chase hob zwar die Hand vor den Mund und tat so, als ob er husten müsse, doch natürlich hatte er ihn durchschaut. Als ob irgendjemand ein gehässiges Lachen vor ihm verbergen könnte.
„Ich komme schon."
„Was haben wir denn hier?", flötete Gregory und verpasste seinem Patienten unter den geschockten Augen Cuddys, Stacys und dem etwas weniger emotional involvierten Chase.
„Was tun Sie da!", sagte Cuddy, packte seinen Arm und zog ihn vom Bett weg.
Stacy stimmte ihr zu: „Greg, was soll das – ich glaube nicht, dass er davon wach werden wird."
„Einen Versuch war es doch wert", entgegnete er schulterzuckend. „Hätte ja sein können, dass er nur so tut. Ich kann ihn verstehen, ich hab seine Frau auf dem Flur stehen sehen."
„Gregory!", zischte Stacy. „Es ist eine Sache, einen schlafenden Patienten zu beleidigen und tätlich anzugreifen" – er zeigte sein unschuldigstes Engelslächeln, aber sie fuhr stur fort, ohne ihm die Möglichkeit zu geben, etwas einzuwerfen – „aber die Angehörigen, die durchaus wachen Angehörigen zu beleidigen ist etwas anderes."
„Wieso? Sie hört mich genau so wenig wie der Kerl, wenn ich ihm jetzt sage, dass seine Frau eine schreckliche Person ist, die aussieht, als hätte sie ein Nest toter Ratten auf dem Kopf. Abgesehen davon, er würde mir da sicher zustimmen."
„House", ermahnte Cuddy ihn erneut. „Reißen Sie sich zusammen. Wenigstens einmal."
Er schürzte die Lippen. „Stacy wird Ihnen bestätigen können, dass ich es durchaus lange halten kann."
Als Chase leise in seiner ausgesuchten Ecke vor sich hinkicherte warf ihm Cuddy einen tödlichen Blick zu, der ihn augenblicklich verstummen und schuldbewusst zu Boden sehen ließ.
„Vielleicht sollte ich den Kerl hier dann besser nicht behandeln."
„Oh, und ob du das wirst", fuhr ihn Stacy an, inzwischen in Rage geredet. „Er ist ein wichtiger Spender."
„Also in seiner Akte stand nichts von Organspende."
„Du weißt, was ich meine", schnappte sie. „Falls du ihn nicht behandelst, dann wirst du damit nicht so glimpflich davonkommen, mein Lieber."
„Du liebst mich also doch noch!"
Mit einem laut gekreischten „Rah!" verließ Stacy den Raum, sodass er mit einer vorwurfsvoll dreinblickenden Cuddy und einem rot angelaufenen Chase zurückgelassen wurde. Stotternd verließ letzterer den Raum. Anscheinend wollte er irgendwelche Testergebnisse abholen.
„Dafür, dass Sie eindeutig noch in sie verschossen sind, behandeln Sie sie wie ein Stück Dreck."
„Oh, nicht eifersüchtig sein, Cuddy", rief er ihr noch nach. Ob sie ihn gehört hatte? Wahrscheinlich. Vielleicht. Aber sie war es ja gewöhnt. Gähnend ließ er sich in den Stuhl neben seinem neuen Patientin sinken, starrte ihn ein paar Minuten an, holte dann seine PSP aus der Jackentasche und hielt sie ihm hin. „Genial, das Teil. Echt." Als keine Reaktion kam, wie zu erwarten war, lehnte er sich zurück, legte die PSP auf den Nachttisch und starrte die Decke an. Kaum hatte er die Augen zugemacht, war er auch schon eingedöst. Er hatte wilde Träume. Das ganze Krankenhaus schlief, nur er saß da und missbrauchte alle Bildschirme, um seine Lieblingssendungen gleichzeitig laufen zu lassen. Ein ohrenbetäubender Lärm entstand dadurch, aber keiner rührte sich. Grummelnd stieg er über Camerons und Foremans Körper, blieb bei Stacys stehen, legte sich neben sie und sah sie von der Seite an. Wie hübsch sie war. Ihr weich fallendes Haar roch nach Zitrone, vielleicht noch ein paar mehr Früchten, die er aber nicht herausriechen konnte.
Er wandte sich wieder von ihr ab, starrte an die Decke und schloss die Augen. Nur die diversen Seifenopern hallten von den Wänden, und als diese zu Ende liefen, wurde es totenstill. Man hörte das „drip, drip, drip" der Tropfe, sonst nichts weiter. Die Menschen hier schienen nicht atmen zu müssen, und auch ihm selbst viel es erstaunlich leicht, die Luft anzuhalten.
„House. House! Meine Güte, Doktor Gregory House!"
Irritiert blickte er sich um. Neben ihm saß ein wacher, verdutzter Mann, vor ihm stand Chase.
„Was sind den das für neue Marotten, Chasey-Daisy?" Sein Rücken fühlte sich an, als hätte man ihm einen heißen Spieß durch die Wirbelsäule geschossen.
„Sie haben hier fast den ganzen Tag geschlafen", meinte Chase, und klang dabei mehr als nur ein bisschen uninteressiert. Statt sich weiter mit seinem Boss zu beschäftigen, fing er an, den Patienten zu untersuchen und zu befragen.
Direkt hinter Chase stand eine grinsende Stacy. „Na, auch schon wach?"
