Aber bitte mit Sahne
Titel: Aber bitte mit Sahne
Autor: LeSLenne
Fandom: House M.D.
Charaktere: Gregory House (und seine Eltern)
Word Count: 2,000
Warnings: unbeta-ed
Rating: PG-13
Sünde: Gula/Völlerei/Beelzebubs Sünde
Summary: House hat gerade die Schule beendet und möchte nun Medizin studieren. Er erinnert sich an seine Schulzeit zurück ... nicht gerade eine ruhige Zeit!
A/N: Ich wollte schon immer mal etwas über den jungen House schreiben. Ganz ohne Wilson, seine drei Hündchen, Cuddy und Stacy. Das Ergebnis seht ihr hier!
Noch ein letztes Kreuz im Kalender, noch einmal einen Tag abzuhaken. Gregory House streifte seit dreieinhalben Stunden durch sein Zimmer, starrte abwechselnd die graue – da ungestrichen – Wand, den Wecker und dann den Kalender an. In zwei Stunden musste er „aufstehen". Wenn er nicht schon längst wach gewesen wäre. In vierundzwanzig Minuten waren es nur noch vierundzwanzig Stunden, dann hätte er es hinter sich. Ungeduldig hin- und hertigern machte hungrig, und Hunger wiederum müde, notierte er sich im Hinterstübchen, während er sich auf seine leere Schultasche sinken ließ. Eins der Bücher, wohl das Mathebuch, das selbst nachts noch gefährlich grün blitzte, stach ihm ins Knie. Es war nur ein geliehenes, weswegen er es aufhob und sich die Langeweile damit vertrieb, unanständige Sachen hineinzumalen. Was ein Teufelchen einem Engelchen mit seinem Schwänzchen antun könnte war doch immer eine Überlegung wert. Er war gerade damit beschäftigt, noch ein zweites Engelchen hinzukrickeln, das für den anderen Schwanz des Teufels sorgte, als er aus dem Raum über sich ein Knarren hörte. Dann quietschte es rhythmisch. Vielleicht sollte er sich doch wieder hinlegen.
Gähnend schnappte sich Gregory den Toast, den sich sein Vater gemacht hatte, der aber unglücklicherweise während des Toastvorganges auf die Toilette geeilt war. Knurpsend las er Zeitung, während sich sein Vater pikiert über ihn äußerte: „Greg, kannst du nicht mal heute anständig sein?"
„Wer hat denn heute Nacht Teufelchen & Engelchen ausprobiert? Oder war's doch neunundsechzig? Konnte man nicht raushören."
Sein Vater lief puterrot an und war schon dabei, ihm den Toaster an den Kopf zu schmeißen, als seine Mutter ihn beruhigend am Arm packte. „Nicht! Er ist bestimmt nur nervös." Sie gab ihm einen Kuss auf die Wange und er konnte Daddy genau am Gesicht ablesen, dass er daran dachte, was dieser Mund schon alles geküsst hatte. Da konnte einem der Toast ja hochkommen.
„Geh dann mal. Chicks checken, oder wie man das neumodisch nennt."
„Wir hatten doch gestern Abend Hühnchen!", sagte seine Mutter, ihr Mund weit nach unten geklappt. Sie schien verstört zu sein, wohl deswegen, weil er normalerweise ihre Hühnchengerichte stehen ließ. Wieso auch nicht, juckte das Fleisch doch immer an den Zähnen, was sie ihm natürlich nie abkaufte. Das war gestern ein Krampf gewesen, erinnerte er sich.
„Fleisch kann nicht jucken!", hatte sein Vater ihm mitgeteilt, das Gesicht so rot wie das Herz des Huhns, dass er in der Hand hielt und abkaute.
„Wieso kratzt du dir dann die Eier, so wie abertausend andere Männer auf der ganzen Welt auch – und das im Sekundentakt?"
Greg ignorierte, wie sein Vater sich grunzend das Herz im Ganzen einverleibte. Er hatte auch zuviel damit zu tun, seiner Mutter zuzuhören. „Du kannst doch nicht sagen, dass das Huhn juckt! Huhn juckt nicht!"
„Flöhe im Stall?"
„Aber doch nicht bei einem gebratenen Huhn!"
„Vielleicht sind sie feuerresistent und bald bricht eine wahre Huhn-Juck-Epidemie an?", sagte er nonchalant und verteilte widerwillig ein Stück Hühnerfleisch in seinem Mund. Er zerpfriemelte es mit der Zunge so gut es ging, damit er es nicht kauen und den dabei entstehenden Juckreiz ertragen musste.
„Meinst du?", fragte seine Mutter und schlug sich die Hand vor den Mund, in der sie keinen Knochen hielt. „Oh Gott, hast du das gehört?"
„Er verschaukelt dich nur wieder", sagte sein Vater, der nicht willens war, sich von seiner über den Teller gebeugten Schweinehaltung zu heben. Seine Frau hatte ja auch nur fast einen Herzinfarkt erlitten. Deswegen ein armes Huhn kalt werden zu lassen kam gar nicht in Frage. „Es gibt keine Hühner-Huck-Epidemie. Außer er meint, es juckt im Mund, wenn man's ausspricht."
Grinsend hatte sich Greg in sein Zimmer verzogen. Jetzt, da er sich daran erinnerte, grinste er wieder. Allerdings verzog er sich heute Morgen Richtung Schulgebäude.
„Heeeey", rief ihm der Cracker der Schule zu. „Greggi-Boy!"
Er sah ihn kurz schief an und schüttelte den Kopf. „Versuchs nicht noch mal, Jacky-Boy." Der Kerl versuchte seit Wochen, sich mit ihm anzufreunden. Klar, als Drogenabhängiger wäre ein Arzt gar nicht so schlecht als Freund. Dass man dafür erst mal Arzt werden musste, das allerdings ein paar Jahre dauern konnte, kam dem Cracker natürlich nicht. „Such dir n Anwalt."
„Häh, n Anwalt? Wieso n Anwalt?! Hab doch nix angestellt!!", sagte er giggelnd. Selbst heute hatte der noch was intus. Wenn alle so drauf waren, konnte das ein lustiger Tag werden, beschloss Greg und ließ den zugekoksten mit sich und seinem extravaganten Feinstaub zurück.
„Das ist viel zu exorbitant!", fluchte in der Aula ein alter Bekannter. Nur kein netter Bekannter. Der Philosoph des Jahrgangs lieferte sich ein weiteres Duell mit dem Direx. Diesem gefiel die zynisch-menschenfeindliche Rede des kleinen Spinners gar nicht. Seit Wochen versuchte er, ihn davon zu überzeugen, es könne ruhig kitschiger und weniger anspruchsvoll sein. Nix da, wandte Mr. Exorbitant ein. Wenn das anspruchsvoll sei, hätte er die falsche Schule besucht. Sei ja eine Schule für Minderbemittelte hier. Was stets der Punkt war, wo der Direx wutschnaubend in sein Büro raste und mit seinem Stellvertreter korrespondierte, wie man den Vortrag am besten meutern könnte. Er hatte ihnen einmal zuhören können, da sie so schlau gewesen waren, die Tür aufzulassen.
„Dieser unglaubliche Bengel, was bildet der sich ein!"
„Ganz Ihrer Meinung."
„Diese Rede ist eine Schande für die Schule, für uns, was würde nur der verstorbene Ex-Direx sagen!"
„Möge er in Frieden ruhen."
„Amen", hatte er sich ungefragt eingemischt. „Wieso schmeißen sie ihn nicht vom Dach. Er dichtet da ja oft genug den Sonnenuntergang an."
„Ganz Ihrer Meinung", sagte der Stellvertretende, der zu spät mitbekommen hatte, dass es nicht sein Boss gewesen war, der das gesagt hatte. „Ich meine", er räusperte sich lautstark, als könne er damit das Gesagte unwirklich erscheinen lassen, „das ist illegal!"
„Aber die Idee finden Sie gut, geben sie es zu. Alle beide!" Er lutschte zuversichtlich an seinem Kirsch-Lolli, den er sich von einer der Mensamädels gemopst hatte. „Oh, und wie sie das tun!"
„Raus, House!", sagte der Direktor, und der Mund des stellvertretenden schnappte wieder zu.
„Netter Reim", flötete er, schloss die Tür und ließ den angekauten Apfel des Direx gegen selbige donnern, statt an die Front seines stylischen ACDC-Shirts.
Und heute würde das alles zu Ende gehen. Schade eigentlich, aber es warteten neue Leute, die mit angefressenen Äpfeln nach einem schmeißen konnte. Vielleicht auch mal eine Banane? Man würde sehen. Jetzt war erst mal wichtig, sich einen guten Platz zu sichern, wo man einerseits die Freaks gut beobachten konnte, die während dem Warten auf die Urkunde noch ein paar Runden Tetris zockten, andererseits aber den Bullies aus dem Weg gehen konnte, die immer gerne in der Nähe der Freaks herumlungerten. War ja nie abzusehen, ob nicht einer aufmuckte, den man dann verprügeln konnte. Glücklicherweise hatte er sich das ganze letzte Schuljahr lang so unfreakig benommen, dass er nie Schläge abgekriegt hatte. Vielleicht hatte es aber auch daran gelegen, dass er der einzige war, der immer gute Noten bekommen hatte und somit als einziger eine gute Quelle für Hausaufgaben darstellte. Woher auch immer das nette Verhalten kam, kein blauer Fleck zierte seinen Körper, außer dem des Mathebuches von letzter Nacht. Er überlegte schon, ob er es nicht rituell verbrennen sollte, als er gerufen wurde. Schon so spät?
Seufzend und mit den Armen rudernd schlurfte er auf die Bühne. Das war's.
„Jetzt bist du also endlich erwachsen!", sagte seine Mutter, während sie seinen Pulli für ihn glättete. „Wie schnell doch die Zeit vergeht."
Aus den Augenwinkeln konnte er sehen, wie sie sich ein paar Tränen fortwischte. „Soll ich dir meine Dreckwäsche mitbringen, damit du dich nicht so einsam fühlst ohne deinen kleinen Jungen?" Sie stieß ihm in die Rippengegend, woraufhin er schmerzgeplagt jaulte. „Schon klar. Dann eben nicht."
Sein Vater schien nicht besonders nostalgisch zu werden, er fluchte vor sich hin, da er sich am Treppengeländer einen Splitter geholt hatte. Eigentlich war er ja nicht wehleidig (außer er hatte eine Erkältung und simulierte eine Grippe), trotzdem behauptete er steif und fest, der Splitter sei mannshoch.
„Dann müsste man ihn ja rausstehen sehen", hatte Greg gesagt und die Augen dabei verdreht. Wie nicht anders zu erwarten gewesen, war das gar nicht gut bei seinem lieben Herrn Vater angekommen.
Sein Gesicht war rot angelaufen, sodass man die bläulichen hervorstehenden Venen besser sehen konnte. Er sah aus, als könne er jeden Moment platzen. „Dann eben mannsbreit!"
„Funktioniert aber auch nur, wenn du mit mannsbreit den typischen Amerikaner zwischen... ach, sagen wir in deinem Alter, meinst."
„Bursche, pass auf was du sagst!"
Als ob er den Satz in den vergangenen Jahren nicht schon oft genug gehört hätte. Aber jetzt war diese Zeit ja erfreulicherweise vorbei. Sein Vater nuckelte inzwischen an seinem „schwer verletzten" Daumen und brachte daher kein Wort heraus. Greg war darüber mehr als froh.
„Wollen wir dann mal wieder nach Hause?"
„Hm", antwortete der Daumenlutscher seiner Frau. Amüsiert beobachtete er seine Eltern. Seine Frau Mutter war besorgt – es könnte sich ja aus dieser „schweren Verletzung" eine Blutvergiftung ergeben – und sein Vater daher in seinem Ego wieder genug bestärkt, um zu sagen, das sei ja gar nichts. Natürlich, dachte Greg, als ob er Mutti Auto fahren lassen würde!
Die Fahrt über sah er aus dem Fenster. Er hatte sich, obwohl es ihm angeboten worden war vorn zu sitzen, für die Mitte im hinteren Teil des Vans entschieden. Seine Beine hatte er auf den Sitz geschwungen, der Kopf lehnte am Fenster. Gott, war das kühl. Genau das richtige nach einem Tag im schwarzen Umhang. Die Autos rauschten an ihm vorbei. Weiß, weiß, silber – helle Farben waren in. „Nichtssagend", murmelte er zwischen zwei Sauggeräuschen. Er hatte sich noch einen letzten Lutscher besorgt, bevor sie die Schule endgültig verlassen hatten. Na ja, er. Seine Eltern würden angesichts dessen, dass sie gut mit dem Direktor befreundet waren, sicher noch öfter dort vorbeischauen. Sie wollten seit Gregs erstem Schuljahr dafür sorgen, dass auch seine Kinder die beste Bildung würden genießen können. Ihm hatten sie da noch nie so ganz vertraut. Mit sechs hatte er ihnen den Vorschlag gemacht, sie sollten ihn in die Baumschule schicken. Dass ein Knirps dies zynisch meinen könnte, weil seine Lehrer der letzte Scheiß waren, war ihnen nicht gekommen. Deswegen hatte er ein halbes Jahr in der Sonderklasse zubringen müssen. Irgendwann im Frühjahr hatte dann der verzweifelte Sonderklassenlehrer, der auch kein Sonderklasselehrer war, bei den Houses angerufen und sich darüber beschwert, dass Gregory ja alles könne und die anderen sich wegen ihm schon ganz schlecht fühlten.
Er musste grinsen, als er daran dachte, und summte das Lied, das im Radio lief, fröhlich mit. „Aber bitte mit Sahne!"; diese Sender mit den ausländischen Nummern waren schon toll. Zwar war ihm die Medizin lieber, aber auch für Sprachen hatte er was übrig. Das hatte er erst spät erkannt. Seine erste Freundin hatte ihm während sie Sex hatten immer Wörter zugerufen, die er nicht verstand. Mit den ersten paar Französisch-Vokabeln, die er sich selbst aus den Wörterbüchern rausgepickt hatte, machte sie ihn noch viel heißer. Seitdem hatte er nicht nur für Sprachen, sondern besonders für die Mädchen, die sie sprachen eine Schwäche entwickelt. Einzig gruselig gewesen war die Russin, eine Austauschschülerin. Als er die Peitsche gesehen hatte, war er auf dem Absatz umgekehrt. Es gab ja noch Zimmer aufzuräumen.
„So, da wären wir."
Greg hob den Kopf an und sah aus dem gegenüberliegenden Fenster. Wie nicht anders zu erwarten hatte seine Mutter wieder zu früh Alarm geschlagen. Noch zehn Minuten konnte er hier lümmeln. Sie zog es allerdings vor, ihre Tasche geräuschvoll nach dem Hausschlüssel zu durchsuchen, den sie wie immer vergessen haben würde. Aber er hatte ja immer einen dabei. Gerade als sie anfangen wollte, hysterisch aufzuschreien, streckte er den Arm aus, in dem er den Ersatzschlüssel hielt.
„Oh – oh! Danke, Greg! Wenigstens einer passt auf, hm?" Er erwiderte ihren liebevollen Blick, starrte aber gleich wieder an die Decke, als sie sich umgedreht hatte. Für sie gab es jetzt eine rote Ampel, die man bedauern musste. Greg sah vor seinem inneren Auge schon die Halsschlagader seines Vaters anschwellen.
„Fuck!" Dass man sich an diesen gottverdammten Lutschern ständig den Gaumen aufschneiden musste. Und das war nun vorbei.
