1.
„Die Akademie des Blutes," sagte Stoykov, „glauben sie das wirklich, Severus?" Snape und Stoykov saßen in dessen Büro und tranken Tee, Snape erläuterte seine Schlussfolgerungen. Stoykov hatte ihm zugehört, ohne ein Wort zu sagen, erst jetzt stellte er diese Frage. „Ja," antwortete Snape ihm, „ja, das glaube ich. Wohin sonst sollten sie gehen? Hierher können sie nicht zurück und sie brauchen einen Ort, der für sie eingerichtet ist. Sie brauchen fensterlose Räume zum Schlafen, eine Möglichkeit, sich zu ernähren und zu verstecken... Wenn ich doch nur wüsste, wo sich dieser Ort befindet?" „Nicht weit von hier," sagte Stoykov ruhig und zu Snapes absoluter Überraschung. „Sie wissen es?" brach es aus ihm heraus. „Jeder hier weiß von der Akademie des Blutes. Sie ist in Rumänien, genauer gesagt in Transsylvanien, auf Schloss Dracula. Professor Karkaroff hat viel Wert darauf gelegt, dass wir uns alle umfangreiches Wissen über schwarze Magie aneignen, wussten sie, dass sogar der dunkle Lord hier war?" Snape wusste es nicht, es war ihm im Moment auch egal. „Wie komme ich am besten dorthin?" fragte er. „Nun," sagte Stoykov, „am besten mit dem ‚fliegenden Holländer'." Snape sah seinen Durmstrang-Kollegen irritiert an. „Unser Schiff," erläuterte Stoykov, „sie werden sich doch noch daran erinnern. Wir sind damit nach Hogwarts zum Trimagischen Turnier ..." „Oh ja," warf Snape ein, „aber ich kann das Schiff nicht steuern." Seine seemännischen Kenntnisse beschränkten sich darauf, ein Schiff zu erkennen, wenn er eines sah. „Das müssen sie auch nicht," sagte Stoykov feierlich und erhob sich von seinem Sessel, „wir kommen natürlich mit. Wie ich schon sagte, wir Lehrer sind ausgebildet in schwarzer Magie und das gilt auch für die Schüler der höheren Klassen. Sie können das nicht alleine durchziehen, sie werden alle Hilfe brauchen, die sie kriegen können."
2.
Stoykov ging mit Feuereifer an die Organisation der Rettungsmission. Innerhalb von drei Stunden stand Snape zusammen mit Stoykov, Ninkovic und einigen anderen Lehrern, an deren Namen er sich nicht mehr erinnern konnte, am Ufer der Donau, der ‚fliegende Holländer' schaukelte auf den Wellen, bereit, in See (oder vielmehr in Fluss) zu stechen. Das große Schiff machte einen recht wackeligen Eindruck, es sah fast so aus als sei es aus Teilen verschiedener anderer Schiffe zusammengesetzt worden, nichts wollte so recht passen. Snape war bei diesem Anblick sehr froh, dass er doch einigermaßen schwimmen konnte.
Ohne weitere Verzögerungen ging man an Bord. Die Mannschaft bestand aus einigen Schülern des ältesten Jahrgangs, Snape war nicht überrascht, auch Viktor Krum und seine beiden Freunde zu sehen. Die Segel wurden gesetzt, ein Windzauber gesprochen und die Reise begann. Stoykov erklärte, dass man auf dem Wasserwege fast bis zu Schloss Dracula kommen könne, über die Donau in den Sereth, der sich mit der Bistritza vereinigt, dort in dieser Schleife läge das Ziel. Die restliche Strecke könne man bequem apparieren.
Stoykov hatte an alles gedacht, Snape war tief beeindruckt. Im Schrank seiner Kabine lagen Kleidung und feste Schuhe, im angrenzenden Bad befanden sich neben Handtüchern und Seife auch Rasierzeug und Zahnbürste, wofür er sehr dankbar war. Er hatte nicht mit einem längeren Aufenthalt gerechnet, daher war er nur mit einem Minimum an persönlichem Gepäck in Hogwarts gestartet. Da es derzeit nichts gab, was er tun konnte, legte er sich in die schmale Koje und war auch fast sofort eingeschlafen – zum ersten Mal seit langem traumlos.
Er wurde davon wach, dass Stoykov ihn am Arm schüttelte. „Stehen Sie auf, Severus! Wir sind fast da." Snape erhob sich schlaftrunken und fuhr sich mit beiden Händen über das Gesicht. Seine Bartstoppeln kratzten, er fragte Stoykov, ob ihm genug Zeit zum Rasieren bliebe. Stoykov nickte und ließ Snape alleine.
Eine viertel Stunde später kam er an Deck, wo ihm einer der Schüler eine Tasse Kaffee in die Hand drückte. Das Gebräu war so stark, dass er schon befürchtete, sein Herz würde ihm stehen bleiben, der Kaffeesatz knirschte zwischen seinen Zähnen. Aber es weckte seine Lebensgeister.
Der ‚fliegende Holländer' hatte mittlerweile fest gemacht, Snape sah auf die hohen Felswände zu beiden Seiten des Ufers. „Viel weiter können wir nicht segeln," sagte Professor Ninkovic, „sonst entdecken sie das Schiff. Ab jetzt müssen wir apparieren." Nachdem sie ihre Rucksäcke geschultert hatten, verteilte Stoykov Tarnumhänge – er hatte wirklich an alles gedacht. Die Lehrer würden sich nun – verborgen unter den Umhängen - zur Akademie des Blutes begeben, der ‚Holländer' blieb unter dem Kommando von Viktor Krum zurück, mit der Auflage, sofort zu verschwinden, wenn irgendetwas merkwürdiges geschah.
3.
Als sie auf die Felsen appariert waren, öffnete sich vor ihnen eine karge und raue Hochebene. In der Ferne sahen sie ein Schloss auf einem Berg liegen. Stoykov deutete darauf und sagte: „Unser Ziel – Schloss Dracula."
Sie apparierten weiter in einen kleinen Wald in der Nähe des Schlosses, in dem sie Unterschlupf suchten und Kriegsrat hielten. „Wäre es nicht besser, wenn wir am Tag eindringen würden?" fragte Snape. „Keine gute Idee," antwortete ein kleiner Mann mit struppigem, langem Haar und ebensolchem Bart, den hier alle nur „Doc" nannten. „Wenn die Vampire schlafen, sind sie angreifbar und verletzlich, sie haben ihr Schloss durch mächtige Zauber geschützt. Es gibt keine Möglichkeit, dort hinein zu kommen. Aber in der Nacht haben wir vielleicht eine Chance." „Welche?" fragte Snape weiter. Er hatte das unbestimmte Gefühl, dass niemand – einschließlich ihm selbst – auch nur die leiseste Ahnung hatte, wie es jetzt weitergehen sollte. Seine Gefährten wurden still und grübelten vor sich hin, und nach einiger Zeit sagte Snape: „Vermutlich erwartet Dragoman, dass ich irgendetwas tue. Er müsste mich gut genug kennen um zu wissen, dass ich nicht einfach aufgebe. Ich werde also offen und ohne Umhang zu ihm gehen und verlangen, mit Draco zu sprechen. Ihr folgt mir getarnt. Dann wären wir zumindest schon mal im Schloss." Man sah den Gesichtern seiner Gefährten an, dass sie nicht begeistert waren, aber auch keine besseren Vorschläge machen konnten. „Was, wenn sie uns doch wahrnehmen können?" fragte ein großer hagerer Lehrer. Snape war sich nicht sicher, wer er genau war, er lehrte Arithmantik, wenn ihn nicht alles täuschte. „Wir können uns schlecht Knoblauch oder wilde Rosen umhängen, dann könnten wir uns die Tarnumhänge auch gleich schenken," sprach der Lehrer weiter. „Da hätte ich vielleicht was," antwortete Snape und nahm sich das Amulett ab, das ihm Frau Huber vor vielen Jahren gegeben hatte. Er legte es auf den Boden, nahm seinen Zauberstab, deutete auf das Schmuckstück und sagte „Copia". Es erschien ein zweites Amulett, dann ein drittes und so fort bis für jeden seiner Gefährten eines da war. „Vergesst aber bitte nicht," sagte Snape, „keine Kopie ist so gut wie das Original. Es kann also sein, das Eure Amulette nicht so wirken wie sie sollten. Aber ein geringer Schutz ist immer noch besser als gar keiner."
4.
Sie beschlossen, ein bis zwei Stunden vor Sonnenaufgang zum Schloss zu gehen. Die Vampire waren noch wach, die Akademie des Blutes also zugänglich, andererseits wurden sie unter einen gewissen Zeitdruck gesetzt, da sie bei Sonnenaufgang in ihren Särgen liegen mussten.
Es ergab sich nur ein kleines Problem: sie mussten Doc zurücklassen, weil es ihm sehr schlecht ging. „Verdorbener Magen," war alles, was er zwischen seinen Krämpfen und dem Rennen in den Wald murmeln konnte. Snape und Ninkovic versuchten, aus zusammengesuchten Kräutern einen Heiltrank zu brauen, es war aber aussichtslos. Unter seinem Tarnumhang verborgen sollte Doc auf die Rückkehr seiner Kollegen warten.
Snape kam sich schutzlos vor. Obwohl seine Gefährten in ihren Umhängen dicht hinter ihm waren, fühlte er sich alleine. Er trat an das große hölzerne Tor und wollte gerade den Klopfer betätigen als es sich knarrend öffnete und er einem Mann gegenüberstand, der allgemein als tot galt: Igor Karkaroff.
„Igor!" schrie Snape, „du bist doch ...!" „Tot?", fragte Karkaroff. „Leider nicht so ganz. Der dunkle Lord hat einen sehr merkwürdigen Humor bewiesen. Er sorgte dafür, dass ich erst zum Vampir und dann zum Hausmeister der Akademie des Blutes wurde. Einen Klonux meines Körpers ließ er unter dem dunklen Mal zurück – als Warnung für alle anderen Abtrünnigen. Jetzt bin ich am Ort des größten magischen Wissens und darf nicht daran teilhaben. Ich, der Schulleiter von Durmstrang, ein treuer Todesdiener ..." „Nun, darüber kann man streiten," warf Snape ein, „aber derzeit ist dein Verrat am dunklen Lord nicht mein Problem. Ich will Draco Malfoy sprechen – und versuche gar nicht erst mir einzureden, dass er nicht hier ist." „Severus," hörte Snape eine andere aber ebenso vertraute Stimme aus dem Hintergrund, „Severus, welch' eine Überraschung. Igor, bitte unseren Gast herein." Dragoman Dragulic war in den Schlosshof getreten, hinter ihm eine große Gruppe von Vampiren, unter ihnen Draco. „Und meine ehemaligen Kollegen können ihre Tarnumhänge abnehmen, es ist doch gleich viel netter, wenn man sich gegenseitig in die Augen sehen kann, oder?" Snape fluchte innerlich, während seine Gefährten die Umhänge abnahmen. Trotz der Fackeln, mit denen der Schlosshof erleuchtet war, konnte er sehen, dass es bereits dämmerte. Er musste sich beeilen. „Draco," sagte er, „komm mit zurück nach Hogwarts." „Nein!" Dracos Stimme klang schneidend und kalt, „nein, auf gar keinen Fall. Ich bleibe, diese Chance bekomme ich nie wieder. Ich werde es meinen Eltern, ich werde es allen erklären, sie werden es verstehen." Dracos Zähne glitzerten im Schein der Fackeln, Snape sah, dass die Schneidezähne bereits länger und spitzer geworden waren. „Ich bin nicht nachtragend," warf Dragulic ein, „ihr könnt alle hier bleiben. Wir werden ein Festmahl abhalten ... Und Severus, hier gibt es jemanden, der große Sehnsucht nach dir hat." Dragulic winkte eine junge Frau heran, und Snape glaubte, ein Gespenst zu sehen – es war Roxana. Sie sah noch immer so aus, wie er sie in Erinnerung hatte: schön, jung, begehrenswert. „Nein danke," antwortete Snape, er vermied es jedoch, seine frühere Geliebte anzusehen, „ich habe keine Sehnsucht mehr nach ihr und ich habe nicht vor, bei Eurem Festmahl die Hauptspeise zu sein." Snape hörte seine Gefährten hinter sich murmeln. „Ich will und ich werde nur Draco mitnehmen und wieder gehen ..." „Die Vampire lachten, es war ein grauenhaftes Geräusch. Doch in das Lachen mischte sich etwas anderes, ein Rauschen, ein Klatschen wie von großen Flügeln ... der Schlosshof verdunkelte sich plötzlich als sich ein großer Schatten über ihn schob ... und dann brach das Inferno los: Zauberstäbe wurden gezückt, Flüche geschrien ... der Schatten wurde jedoch immer größer, es war ein Drache, der eindrucksvollste, den Snape je gesehen hatte, von einem intensiven Blau mit grünen und roten Flecken, einem dornenbewehrten Schwanz ... der Drache griff sich Draco, flog wieder in die Luft, drehte eine enge Runde über dem Hof und setzte mit seinem feurigen Atem das Schloss und einen großen Teil der Vampire in Brand. „Weg hier, weg!" schrie jemand. Snape wurde am Arm gepackt und ... Ninkovic war mit ihm appariert, sie standen an Deck des ‚fliegenden Holländers'. Die Schüler-Mannschaft hatte sofort begonnen, die Segel zu setzen und den Anker zu lichten. „Was ist mit Doc?" schrie Snape. „Keine Sorge, der ist in Sicherheit," antwortete Ninkovic, ein wissendes Lächeln auf den Lippen. „Ebenso wie dein Schüler." „Aber ..." „Machen sie sich keine Sorgen, Severus. Sie werden es schon bald verstehen. Wir müssen jetzt erst mal zurück nach Durmstrang und uns um den Schutz der Schule kümmern. Es sind sicher nicht alle Vampire tot, die Überlebenden werden ihre Toten rächen und ihre Reihen wieder füllen wollen. Wir sind in großer Gefahr."
5.
Die Befestigung Durmstrangs dauerte den ganzen Tag, Snape und Ninkovic brauten literweise Zaubertränke zur Abwehr von Vampiren während die anderen Lehrer und die fortgeschrittenen Schüler die Burganlage mit Bannsprüchen belegten und überall Knoblauch und wilde Rosen anbrachten. Es war schon später Abend als sich alle in der Halle trafen und ein ziemlich improvisiertes Mahl zu sich nahmen. Eine braune Eule flog durch die Tür und landete direkt vor Snape, einen Brief in ihren Krallen. Snape las ihn laut: „D.M. sicher in Hogwarts gelandet, schon bei den Wiccas. Schloss gegen Vampire abgesichert. Schulferien haben begonnen, Ihre Rückkehr nicht sofort erforderlich, machen Sie Urlaub. D." Und dann betrat ein kleiner Mann mit wirrem Haar und langem Vollbart die Halle. „Willkommen zurück, Doc," begrüßte ihn Stoykov, „hat alles geklappt?" „Wie am Schnürchen – ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert!" sagte Doc und grinste über das ganze Gesicht. Er nahm seinen Platz am Lehrertisch neben Snape ein und begann, zu essen.
Als Doc fertig war (Snape fragte sich, wie ein so kleines und dünnes Männchen solche immensen Portionen verdrücken konnte) sah er seinen Hogwarts-Kollegen an und sagte: „Severus, wie wäre es mit einem kleinen Verdauungsspaziergang? Ich denke, ich muss ihnen einiges erklären." „Snape nickte, er war immer noch sprachlos. Die beiden gingen aus der Halle durch den Hof in Richtung des Turnierplatzes und apparierten dann auf die Burgmauer. Die Sonne ging gerade unter, die Wälder waren in ein rot-goldenes Licht getaucht, die Donau glitzerte.
„Severus," begann Doc, „das was ich ihnen jetzt erzähle, muss unbedingt unter uns bleiben, sie dürfen mit niemandem darüber sprechen." „Ja, sicher," antwortete Snape, „aber ..." „Lassen sie mich einfach erzählen," sagte Doc mit einem Lächeln. „Ich bin ein Animagus, ein Drache. Ein osmanischer Kobaltflügler, um genau zu sein." „Ich verstehe," sagte Snape, „sie haben sich krank gestellt, sind dann als Drache im Schloss aufgetaucht, haben sich Draco gegriffen und die Akademie des Blutes vernichtet, aber ..." „Ja," sagte Doc ruhig. „Es darf hier aber niemand wissen, dass ich diese Fähigkeit habe. Einige meiner Kollegen sind eingeweiht, Vladimir hat sie einen Schweigeeid ablegen lassen. Das Zentralkomitee dieses verrückten Landes – ebenso wie die Komitees in den verbündeten Ländern wie Rumänien, Russland, Ungarn usw. fürchten die Animagi. Wir waren damals bei den Aufständen federführend, hätten nicht Lord Voldemort und seine Todesdiener den Komitees geholfen – dann gäbe es jetzt hier wohl andere Regierungen. Animagi werden in Lager gesperrt, ein Animagus ist niemals frei. Wobei – ich würde wohl eher ausgewiesen, ich bin ja Ausländer. Der Sultan meines Landes wäre sicher nicht erfreut, würde ich auf Nimmer-Wiedersehen irgendwo verschwinden. Aber was würde dann aus meinen Drachen in den Reservaten?"
Snape sah irritiert aus, er war sich nicht sicher, alles richtig verstanden zu haben. „Bei uns in England müssen sich Animagi lediglich registrieren lassen ..." „Ja, in England," seufzte Doc, „aber hier haben die Mächtigen Angst vor allem was anders ist. Ein Animagus zu sein ist ein Verbrechen, eigentlich schlimmer wie ein Verbrechen. Man wird eingesperrt ohne Gerichtsverfahren, ohne Urteil und die meisten überleben das nicht. Besser man schweigt. Und - Animagus zu sein hilft mir bei meiner Arbeit." Snape lauschte fasziniert den Schilderungen des Docs über die Drachen und die Reservate. „Müssen sie eigentlich sofort nach Hogwarts zurück?" fragte Doc als er geendet hatte, „ich könnte jemanden gebrauchen, der sich mit Zaubertränken auskennt. Mein Kollege Valeri hat ja bedauerlicherweise panische Angst vor Drachen." Nein, eigentlich nicht," antwortete Snape (der sich bezüglich seines Verhältnisses zu Drachen nicht sicher war) zögernd „es sind jetzt Sommerferien. Professor Dumbledore hat mir in seinem Brief, den ich vorhin erhalten habe gesagt, dass meine sofortige Rückkehr nach Hogwarts nicht nötig sei." „Prima." Doc strahlte über das ganze Gesicht, „dann bleiben sie doch. Ich möchte ihnen gerne die Reservate zeigen und ich könnte wirklich die Hilfe eines Fachmanns für Tränke gebrauchen."
6.
Snape unterhielt sich noch lange mit Doc, es war spät als er in sein Gästezimmer zurückkam. Als er seine Robe ablegte, hörte er etwas in einer der Taschen knistern. Er griff hinein und zog ein zusammengefaltetes Pergament heraus. „Herstellung eines Klonux," war der Zauberspruch auf dem Zettel überschrieben und er las mit großer Neugierde weiter:
„Halte den Zauberstab vor das zu kopierende Subjekt, mache drei Kreise im Uhrzeigersinn, zwei Kreise gegen den Uhrzeigersinn und wiederhole das stetig, dazu sage den folgenden Spruch:
Du bist eins
Doch bist du zwei
Vereint
Getrennt
Und doch vereint
Du bist zwei
Doch bist du eins
Getrennt
Vereint
Vereint
Getrennt
Wiederhole diesen Spruch und die Bewegungen mit dem Zauberstab solange, bis der Klonux fertig ist. Du kannst aus jedem lebenden Objekt einen Klonux herstellen, bedenke jedoch, dass dieser nur ein kurzes Leben hat (manchmal nur Stunden, manchmal auch Tage, jedoch nie mehr als drei davon). Der Klonux hat alles Wissen und alle Fähigkeiten des Originals.
Wie war das in seine Robe gekommen? Snape hatte nur eine Erklärung dafür: Igor musste ihm das Pergament in dem Getümmel in der Akademie des Blutes in die Tasche gesteckt haben. Über das Warum konnte Snape jedoch nur spekulieren: eine letzter Versuch, dem Widerstand gegen Voldemort und seiner Todesdiener zu helfen? Ein Dankeschön für Snapes Hilfe bei Igors Flucht?
7.
„Bleibe vorerst hier in Durmstrang. S." schrieb Snape am nächsten Morgen hastig auf ein Stück Pergament, das er am rechten Bein einer Durmstrang-Eule befestigte und diese auf den langen Weg nach Hogwarts schickte. Damit begann sein erster richtiger Urlaub. Seitdem er als Lehrer arbeitete, hatte er die Sommerferien immer in seinem von seinem Vater geerbten Haus in Spinner´s End, zugebracht. Da er sich nur selten dort aufhielt, war es nicht sehr gemütlich und wohnlich. Ihm war es egal, er las sich durch die angesammelten Nummern von „Zaubertränke heute" und „Schwarze Magie für Kenner" und durch die neu erschienenen Bücher, er probierte neue Tränke und Sprüche und bereitete den Unterricht des kommenden Schuljahres vor. Aber diesmal war alles anders. Zusammen mit Doc streifte er durch die Reservate, suchte nach verlassenen Drachenbabys und –eiern und braute Tränke gegen die Krankheiten, von denen manche der Tiere befallen waren. Es machte ihm Spaß, den ganzen Tag draußen zu sein und sich mit den Drachen zu beschäftigen – „vielleicht sollte ich mich auf Hagrids Job bewerben," dachte er sogar bei sich.
Es war ein braungebrannter und sehr viel gelösterer Snape, der Ende August nach Hogwarts zurückkehrte. Gleich nach seiner Ankunft ging er zu Dumbledore, nicht nur um sich zurück zu melden, sondern auch, um sich nach Draco zu erkundigen. „Oh Draco geht es hervorragend," sagte Dumbledore, „er wird wieder pünktlich bei uns sein und seine Ausbildung fortsetzen."
Die Schüler kehrten am 1. September nach Hogwarts zurück. Am nächsten Tag in der ersten Pause sah Snape Draco mit seinen Kameraden im Innenhof des Schlosses stehen, mitten in der gleißenden Herbstsonne.
Es war vorbei.
Tod, wo ist dein Stachel?
Hölle, wo ist dein Sieg?
7
