Joeys POV
Zwei Stunden später sitzen wir also auf unseren Pferden und reiten in Richtung von Isengart. Ich sitze endlich hinter Legolas, Katja darf hinter Aragorn sitzen, Gimli reitet mit Gandalf und Charly sitzt natürlich mit Aren auf einem Pferd. Sie hat ihre Wange an seinen Rücken gelehnt und die Augen geschlossen. Ihr Gesichtsausdruck ist furchtbar ernst und nachdenklich, und ich wünschte, ich wüsste, was in ihrem Kopf vorgeht.
Als wir in der ersten Nacht Rast machen, steigt Charly vom Pferd, wickelt sich fest in ihre Decke ein und setzt sich ein Stück entfernt von uns an einen Felsen. Ich sehe, wie Aren hinter ihr hergeht, dann werde ich von Katja abgelenkt.
Ich sehe, wie Aren auf mich zu kommt, dennoch hebe ich nicht den Kopf von meinen Knien.
„Du solltest hier nicht so alleine im Dunkeln sitzen." „Mir wird schon nichts passieren."Ich erschaudere, denn diese Worte hat Aren auch gesagt, bevor...
„Ich möchte aber nicht morgen früh aufwachen und meine Freundin von Orks niedergemetzelt vorfinden."„Hör auf! Elben schlafen nicht!"Er war tot...
Ich springe auf. „Charly, was ist denn los mit dir?" Ich will an Aren vorbeigehen, doch er ergreift meine Hand und sieht mich forschend an. „Das kannst du nicht verstehen."„Denn du gibst mir keine Chance dazu." Aren lässt meine Hand wieder los. Ich mache ein paar Schritte, bleibe dann wieder stehen. Ohne mich umzudrehen – und ich weiß, dass auch Aren es nicht tut – flüstere ich: „Es ist besser so."Joeys POV
Charly kommt zum Lager zurück und legt sich zwischen uns andere. Sind das Tränen in ihren Augen? Ich rolle mich auf die Seite und blinzle in die Dunkelheit. „Charly?"„Hm?"„Was ist los?"„Nicht jetzt. Nicht hier." Ich nicke, und wenn Charly es auch nicht sehen kann, weiß ich, dass sie es weiß.
Ich rolle mich auf meinen Rücken zurück. „Das hat er nicht verdient." Keine Antwort.
Ich werde am nächsten Morgen von Legolas geweckt. Nach einem kurzen Frühstück brechen wir auf. Charly rollt ihre Decke zusammen und geht auf Gimli zu. „Du kannst mit Aren reiten. Ich reite heute mit Gandalf."Was...?
Ein Klong lässt mich zusammenfahren. Aren hat seinen Köcher fallen lassen.Charlys POV
Schattenfell ist ein tolles Pferd. Man merkt kaum die Bewegung unter einem und er scheint die anderen Tiere anzuspornen, denn so schnell sind wir noch nie unterwegs gewesesen.
Gandalf ist... ein guter Reiter. Ich kann mich in seinem Umhang festhalten, muss aber aufpassen, dass mir sein Stab nicht gegen die Beine knallt. Gott sei Dank ist bei dem Tempo wenigstens keine Unterhaltung möglich; dazu bin ich echt nicht in Stimmung.
Ich wünschte, ich könnte mich anlehnen.
Aber Aren reitet hinter uns, auf einem anderen Pferd. Und es ist besser so. Ich will ihn nicht verletzen.
Kurz vor Isengart legen wir noch mal eine Pause ein, weil Gandalf erklären will, was uns erwartet.
„Charly!", ruft Aren hinter mir. Ich ignoriere ihn und krame in meiner Satteltasche. Plötzlich werde ich von hinten gepackt und herumgerissen. „Barad, Charly!! Warum ignorierst du mich? Legolas hat mal gesagt, dass man um dich kämpfen muss – weil du zu sturköpfig bist etwas zu sehen, das direkt vor deiner Nase ist. Und das werde ich verdammt noch mal auch tun! Du wirst mir nicht mehr aus dem Weg gehen!"
Ich kann ihn nicht ansehen, gucke an ihm vorbei und stelle fest, dass die anderen uns anstarren. „Sieh mich an." Ich werde an den Schultern gerüttelt. „Sieh mich an!"
Ich kann nicht! Warum tut er das? Warum macht er es mir so schwer?
Ich spüre, wie sich Tränen in meinen Augen sammeln. „Rede mit mir." Kaum mehr als ein Flüstern.
Ich hebe meinen Blick und sehe Aren in die Augen. Tränen bahnen sich ihren Weg über meine Wangen.
„Du verstehst das nicht. Du sollst mich vergessen." „Was?", fragt Aren entgeistert, lässt mich los und macht einen halben Schritt nach hinten.
„Als ich dich in Helms Klamm mit den Toten gesehen habe... Du warst ganz kalt. Du warst tot!", schreie ich und mache den halben Schritt auf Aren zu. „Und als ich dich... als ich... Ich habe mir geschworen... und dann musste ich hinter dir auf dem Pferd sitzen und du hast so gut gerochen und dich so gut angefühlt, und ich hatte Angst meinen Schwur zu brechen."
Aren legt seine Arme um mich und drück mich fest an sich. „Ich wollte dich nicht wieder verlieren..."Meine Stimme ist durch Tränen und Arens Schulter sehr gedämpft, doch ich bin mir sicher, dass er mich verstanden hat.
„Welchen unnützen Schwur auch immer du dir auferlegt hast, vergiss ihn wieder. Ich werde dich nicht gehen lassen. Egal was du tust."Joeys POV
Wir alle haben die ganze Auseinandersetzung natürlich mitbekommen, aber jetzt wenden wir uns ab, um den beiden etwas Ruhe zu gönnen. Soweit das hier möglich ist.
„Ich fange an zu verstehen. Aber mir fehlen noch ein paar Teile in dem Puzzle", sage ich zu niemandem bestimmtes, als ich meine Decke auf dem Boden ausbreite. Aber natürlich spreche ich eigentlich Legolas an, der sich in meiner Nähe aufhält. „Charly hat Angst vor dem, was du ihr gesagt hast. Dass sie Aren das Herz bricht, wenn sie Mittelerde verlässt. Und dass er stirbt. Erneut."„Das dachte ich mir schon."„Und wirst du mir auch sagen, was Galadriels Geschenk zu bedeuten hat?"
„Kurz bevor die Schlacht in Helms Klamm begonnen hat, hat Aren mir gesagt, dass er lieber sterben würde als zuzulassen, dass Charly etwas zustößt." „Er liebt sie."Legolas nickt. „Und sie liebt ihn auch. Denn sonst hätte Galadriels Trank nicht gewirkt. Sie hat etwas von ihrer Lebenskraft hineingelegt, aber nur gegenseitige Liebe kann ihn soweit verstärken., dass er Tote weckt."
Ich sehe Legolas sprachlos an. „Wow, kein Wunder, dass Aren so entgeistert war."„Ich glaube, Charly weiß es."„Vielleicht hast du Recht." Ich sehe Legolas kurz an und küsse ihn dann. Ich bin froh, ihn an meiner Seite zu haben, mit ihm diese schwierigen Zeiten durchzustehen zu können.
Wir reiten noch vor dem Morgengrauen weiter, Charly dieses Mal wieder mit Aren. Die beiden haben die Nacht aneinandergekuschelt verbracht, und Charly sieht weitaus besser aus als gestern.
Als wir Isengart erreichen, geht eine solche Veränderung durch meine Freundin, dass ich sie kaum wiedererkenne. Sie strahlt mit der Sonne um die Wette und als ich ihren Ausruf höre, weiß ich auch warum.
„Merry! Pippin!"
Die beiden sitzen oben auf einer Mauer und rauchen eine Pfeife, als ob sie kein Wässcherchen trüben könnten. „Ihr jungen Nichtsnutze!", höre ich Gimli neben mir. „Wir machen uns höllische Sorgen um euch und was tut ihr? Sitzt hier rum und raucht Pfeife!", vollendet Katja die Schimpftirade für ihn und springt vom Pferd.
Wir anderen beiden steigen ebenfalls ab und wenden uns dann dem Turm zu. Einer der Bäume scheint auf uns zuzukommen. „Ents", sagt Katja. „Baumbart", antworte ich ihr. Wir beiden grinsen uns an.
Doch meine Aufmerksamkeit wird von Baumbart und dem , was er über Saruman zu sagen hat, abgelenkt, als Pippin sich plötzlich ebenfalls vom Pferd fallen lässt und auf etwas zu geht, das im Wasser zu liegen scheint. Plötzlich bückt er sich und hebt etwas auf, das wie eine große, mamorne Kugel aussieht. Baumbart zieht erschrocken die Luft ein.
„Peregrin Tuk, gib mir das, mein Junge. Mach schon!" Gandalf streckt sein Hand nach ihm aus und als Pippin ihm die Kugel reicht, wickelt er sie schnell in seinen Umhang.
Was ist das bloß? Fragend schaue ich erst Katja, dann Charly an. „Palantir", sagt sie nur und ich kann mich dunkel erinnern, davon gelesen zu haben.Charlys POV
Wir halten uns nicht lange in Isengart auf, sondern reiten nach Edoras zurück.
Kurz vor Sonnenuntergang erreichen wir ohne Zwischenfälle die Stadt und als wir durch das Tor reiten, stellen wir fest, dass alle mit den Vorbereitungen für das Siegesfest beschäftigt sind.
Die Halle des Königs ist ebenfalls schon reichlich geschmückt und platzt bei der großen Anzahl der Leute fast aus allen Nähten. Überall sind Bänke aufgestellt worden und die Tische biegen sich unter der Last von Bier- und Weinkrügen und irgendwelchen gebratenen Tieren.
Als Joey meine gerümpfte Nase sieht, fängt sie lauthals an zu lachen, klopft mir dann auf die Schulter und verschwindet mit Legolas irgendwo in der Menge.
Ich schaue mich mit Katja und den beiden Hobbits im Schlepptau noch weiter um – wo Aren geblieben ist, weiß ich nicht. Es ist schön wieder zurück zu sein, besonders jetzt, als die Stimmung tausendmal besser ist. Irgendwie mag ich diese Halle.
Als es draußen dunkel geworden ist, werden Fackeln angezündet und das Fest kann beginnen.
Aren ist inzwischen wieder aufgetaucht. Er hat mir nicht gesagt, wo er war und ich habe auch nicht gefragt. Er stand nur einfach plötzlich neben mir, als ich Merry und Pippin dabei zugesehen habe, wie sie auf einem Tisch tanzen und singen. Wenn's wichtig ist, wird er's mir schon erzählen.
Aren legt mir etwas auf den Teller, was ich erst mal kritisch beäuge. Das, was ich da vor mir habe, ist nicht zu identifizieren. „Keine Sorge, das kannst du essen. Es ist Gemüse." Und, wie ich nach dem ersten Bissen feststelle, sogar sehr lecker.
Plötzlich sehe ich Katja auf uns zukommen, ihr Gesicht hochrot – passend zu ihrer Haarfarbe – und sie schnaubt entrüstet vor sich. „Diese Schlampe! Wie kann sie nur!"„Von wem redest du?"„Éowyn." Wer denn auch sonst... Ich seufze. „Was hat sie denn nun schon wieder getan?" Ich kann mir ein leichtes Grinsen nicht verkneifen, denn praktisch alles, was Éowyn tut oder sagt, ist in Katjas Augen etwas Schlechtes. „Sie hat Aragorn einen Kelch zum Trinken gegeben. Und dieses dumme Lächeln dabei. Am liebsten hätte ich es ihr aus dem Gesicht geschlagen! Und... Moment! Macht ihr euch etwa lustig über mich?"Offenbar hat sie bemerkt, dass ich mein Lachen kaum noch unter Kontrolle habe. „Aber nein, Katja. Wie kommst du denn darauf?", frage ich scheinheilig. „Unverschämtheit!", sagt sie nur und stapft davon.
Kaum dass sie außer Sichtweite ist, fange ich lauthals zu lachen an und muss mich an Aren festhalten um nicht umzufallen, während ich nach Luft schnappe. Die Szene war aber auch zu komisch.
Etwas später sitze ich auf einem Stuhl in einer Ecke an Aren gelehnt und beobachte mit halb geschlossenen Augen das Geschehen. Die Anstrengung und Aufregung der letzten Tage fordern ihren Tribut; und die Ausgelassenheit und der Alkohol des heutigen Abends tun das Ihrige dazu bei, sodass ich mich völlig erschöpft fühle.
„Lass uns ins Bett gehen, es ist schon spät."Ich nicke schläfrig und folge Aren zu dem Raum, der uns und den Gefährten als Schlafkammer zugewiesen worden ist.
Joey ist schon da und schläft tief und fest, von Legolas ist allerdings nichts zu sehen.
Ich lasse mich auf meine Matte fallen und merke gerade noch, wie Aren sich neben mir niederlässt, bevor ich auch schon eingeschlafen bin.Katjas POV
Stinkend sauer, dass Charly mich einfach so auslacht, begebe ich mich auf die Suche nach Aragorn. Er ist in letzter Zeit ziemlich nett zu mir gewesen, besonders, wenn ich eine meiner Visionen hatte. Einerseits könnte ich gut darauf verzichten, denn man bekommt höllische Kopfschmerzen davon; andererseits, wenn Aragorn mir dadurch mehr Aufmerksamkeit schenkt... Eine Frau nimmt, was sie bekommt.
Und apropos Aragorn. Ich sehe ihn an einem der Tische stehen und er redet auf Merry und Pippin ein, die beide lange Gesichter machen. Ich stelle mich dazu.
„Ah, Katja!"Ich grinse Aragorn an. „Das Gleiche gilt auch für dich." „Aragorn will uns ins Bett schicken. Er meint, wir würden den Schlaf brauchen", beschwert sich Pippin. „Und du auch", sagt Aragorn in meine Richtung. Man, kann der sexy aussehen, wenn er sich etwas in den Kopf gesetzt hat. „Och, meinst du nicht, dass es dafür noch zu früh ist? Immerhin bin ich schon 19 und die beiden..."Ich sehen Merry und Pip an. Wie alt sind Hobbits? „...30? Zu alt, um ins Bett geschickt zu werden wie kleine Kinder."Ich ziehe eine Schnute. Das hat bisher immer gewirkt. So auch diesmal.
„Mach, was du willst."Die Hobbits verschränken ihre Arme und grinsen erst mich und dann Aragorn triumphierend an. „Aber die beiden gehen trotzdem ins Bett", und damit dreht Aragorn sich um und geht. Ich sehe die entrüsteten Hobbits an. „Sorry Jungs, ich hab' getan, was ich konnte." Dann folge ich Aragorn.
Er steuert auf einen der Ausgänge zu. „Willst du schon gehen?"„Ich brauche frische Luft."Als wir nach draußen treten, sehen wir eine dunkle Gestalt, die nach Osten blickt. Aragorn tritt neben sie. Die Sterne sind verhüllt. „Etwas rührt sich im Osten; eine schlaflose Bosheit." Warum ist Legolas nicht bei Joey? Na ja, geht mich im Grunde ja nichts an. „Das Auge des Feindes bewegt sich."Na toll, nimmt das denn nie ein Ende? Plötzlich sieht Legolas uns an. „Er ist hier!"Was denn? Hier?! Im selben Augenblick hören wir von irgendwo einen Schrei. Legolas der hier die besten Ohren hat scheint zu wissen, woher er kam und Aragorn und ich und stürzen hinter ihm her.Charlys POV
„Aren, nicht die Augen zu machen! Wach auf!"Keine Reaktion. „Aren!"
Ich halte mein Ohr an sein Gesicht um festzustellen, ob er noch atmet. Nichts. Ich taste nach seinem Puls und spüre fast nichts.
Dann fange ich mit der Wiederbelebung an. Plötzlich steht mir mein Erste- Hilfe Lehrer deutlich vor Augen, wie er es an einem Dummy demonstriert hat. 15 mal Herzmassage, 2 mal Atemspende, 15 mal Herzmassage, 2 mal Atemspende...
Ich kann nach einiger Zeit nicht mehr sagen, wie oft ich die Prozedur schon wiederholt habe. Ich weiß ja nicht mal, ob es bei Elben überhaupt etwas bringt. Trotzdem mache ich erbittert weiter, denn ich kann förmlich spüren, wie mir die Zeit davonläuft. „Bitte wach auf!"
... 2 mal Atemspende, 15 mal Herzmassage, 2 mal Atemspende ...
Ich fühle noch mal seinen Puls. Er ist kaum noch vorhanden und sehr unregelmäßig. Immer schwächer, immer unregelmäßiger. „Geh nicht, lass mich nicht alleine! Du darfst nicht sterben!"
Bum, bum ... bum, bum, bubum, bubum, bum – bum, bum––
„Gib nicht auf!"rufe ich in Panik, als eine Pause entsteht.
–bum, bum – bum, bum, bum ... bum ... bubum ... bum
Der letzte Schlag und ich kann nur noch mein Gesicht an ihn lehnen und meinen Tränen freien Lauf lassen.Joeys POV
Ich höre Schreie und bin plötzlich hellwach. Charly neben mir fährt kerzengerade aus dem Schlaf hoch. Sie atmet heftig, ihr steht der Schweiß auf der Stirn und sie weint.
Doch was ich vor mir sehe, lässt mich Charly und die Tatsache, dass Legolas nicht hier ist, vergessen. Pippin hat das Palantir in den Händen, das Feuer zu sprühen scheint, und wimmert und kämpft gegen etwas an, was wir anderen nicht sehen können. Aber ich weiß, was es ist.
Sauron.
Im selben Augenblick, als ich aufspringe, stürmen Legolas, Aragorn und Katja herein.Katjas POV
In dem Augenblick, in dem wir durch die Tür zu unserer Schlafkammer stürmen, sehe ich, wie Joey aufspringt.
Aragorn greift sich sofort das Palantir, das Pippin in den Händen hält, und fängt an zu schreien. Ich zögere nur eine Millisekunde, dann greife ich zu und nehme ihm die Kugel ab.
Und kann mich plötzlich nicht mehr bewegen.
Er weiß von Frodo. Aber Er weiß nicht, wo er ist. Pippin hat es Ihm nicht verraten.
Er weiß, dass Isildurs Erbe zurückgekehrt ist.
Er weiß nicht– Nein, ich sage dir meinen Namen nicht! Scher dich zum Teufel!
Ich werde von hinten angestoßen und das Palantir fällt auf den Boden und rollt fort, bis Gandalf eine Decke darüber wirft.Charlys POV
„Charly, bist du in Ordnung? Du bist ganz blass."
Ich kämpfe mich aus meinen Decken, lasse mich von der Hand auf meiner Schulter nicht abhalten und krabble auf Händen und Knien zu Pip, der reglos am Boden liegt.
„Pip! Nicht du auch noch! Wach auf! Pippin!"
Merry – der neben mir kniet – und ich werden plötzlich von Gandalf beiseite gestoßen.
„Närrischer Tuk!"
Er kniet sich neben Pip nieder, ergreift seine Hand. Doch Pippin rührt sich nicht.
„Pip, bitte..."flüstert Merry neben mir und ich nehme seine Hand in meine.
Gandalf umfasst Pippins Gesicht mit seiner freien Hand und senkt nach kurzer Zeit den Kopf.
Der Druck auf meine Hand verstärkt sich. „Nein..."
Doch plötzlich holt Pippin tief Luft.
„Sie mich an."
„Gandalf! Verzeih mir!"Ich habe Pippin noch nie so entsetzt und kleinlaut gehört. Er weicht Gandalfs Blick aus.
„Sieh mich an! Was hast du gesehen?", ertönt Gandalfs gebieterische Stimme.
Pip muss sich sichtlich überwinden zu sprechen. „Einen Baum. Da war ein weißer Baum. In einem Hof aus Stein. Er war... tot."
„Minas Tirith... Hast du das gesehen?"
„Ich sah... Ich konnte IHN vor mir sehen. Ich konnte seine Stimme in meinem Kopf hören."
„Was hast du ihm gesagt?"Pippin schließt seine Augen, öffnet sie aber wieder, als Gandalf ihn anfährt. „Rede!"
„Er fragte nach meinem Namen. Ich antwortete nicht. Er hat mir weh getan..."
„Was hast du ihm über Frodo und den Ring gesagt?"
Doch Pip schweigt.
„Nichts", sagt Katja plötzlich. Wir anderen, die die ganze Zeit schweigend zugehört und gebannt den Atem angehalten haben, sehen sie an.
„Er hat ihm nichts gesagt. Aber Sauron hat dennoch einige Informationen bekommen."Sie sieht zu Pip. „Er weiß, dass zumindest ein Hobbit noch frei herumläuft, oder in Sarumans Gefangenschaft ist; auf jeden Fall nicht auf dem Weg nach Mordor."Bei diesen Worten erschaudert Pippin und Merry lässt schließlich meine Hand los, um sich neben ihn zu knien.
„Er weiß auch, dass Aragorn lebt und mit den Rohirrim kämpft." Katja lässt ihren Blick zu Aragorn schweifen, bevor er auf mir und Joey ruht.
„Er hat mich gesehen." Ihre Stimme ist nicht weit von einem Flüstern entfernt und zittert leicht. „Und er hat mir eine Heidenangst gemacht. Er weiß nicht, wer ich bin oder wo ich herkomme, aber er weiß, dass ich nicht alleine hier bin."
Was...?
Ich spüre, wie sich eine Hand in meine schiebt und als ich runtersehe und Arens entdecke, drücke ich fest zu.
„Wir müssen mir König Théoden sprechen!", lässt Gandalf sich nun vernehmen. „Sobald die Sonne aufgeht, werden wir ihn aufsuchen. Die Zeit drängt. Aber bis dahin versucht zu schlafen."
Aber an Schlaf ist natürlich nicht zu denken. Gandalf hält mit Legolas, Gimli, Aragorn und Aren Rat.
Merry hat sich neben Pip gelegt und hält den zitternden Hobbit im Arm, um ihn zu beruhigen.
Wir Mädels sitzen ebenfalls in einer Ecke, die Gedanken überall, nur nicht bei Schlaf. Wir reden nicht, wissen aber auch so, dass alle das Gleiche denken. Jetzt, da Sauron uns gesehen hat, sind wir ebenfalls in Gefahr.
„Glaubt ihr...", beginnt Joey zaghaft und schluckt schwer. „Glaubt ihr, dass wir hier sterben können?"
Gute Frage. „Ich weiß nicht", antworte ich unsicher. „Hat einer von uns sich hier schon verletzt?"Ich sehe fragend zu Katja.
„Nein, ich glaube nicht. Zumindest nicht ernsthaft. Was nicht heißt, dass das nicht nur Zufall und unverschämtes Glück war."
Mir wird furchtbar schlecht bei dem Gedanken daran, dass mich ein Ork oder ähnliches Scheusal aufspießen könnte ohne mit der Wimper zu zucken. Bisher dachte ich ja immer, wir wären in Mittelerde sicher, weil wir nicht hierher gehören. Aber jetzt...
„Wir müssen uns entscheiden. Ich hab... immer noch das Amulett", sagt Joey zögerlich. „Wir könnten gehen, bevor es richtig gefährlich wird."
Wir drei sehen uns an und die Antwort steht fest.
Wir bleiben hier.
