Ich stehe auf dem Schlachtfeld, die Feinde sind besiegt. Ohne die Geisterarmee – die zweifellos mit Aragorn gekommen ist – hätten wir es nie geschafft.
Éowyn kniet neben ihrem toten Onkel und weit bitterlich. Ich sehe mich nach Merry um, kann ihn aber nirgendwo entdecken. Hoffentlich ist ihm nichts zugestoßen.
Ich weiß nicht, wie lange ich noch nach Merry suche, aber nach einiger Zeit höre ich plötzlich laute Schreie. Ich drehe mich um und sehe Éomer auf dem Boden hocken, seine leblose Schwester im Arm. Ich eile zu ihm und fasse Éowyns Hand. Sie ist eiskalt. „Oh... mein Gott. Gerade... gerade hat sie noch gelebt. Ich... ich..." Soldaten nähern sich mit einer Bahre und legen Éowyn darauf, um sie zur Stadt zu tragen. Éomer weicht nicht von ihrer Seite.
Ich sehe mich um und bemerke erst jetzt, wie still es geworden ist. Unsere Feinde sind verschwunden, zurückgeblieben sind nur Tote und Verwundete. Wo sind Charly und Joey? Ich habe Charly schon vor langem aus den Augen verloren. Wo sind sie? Ich frage jeden, der mir über den Weg läuft, aber niemand kann mir helfen. Es dämmert schon...
Und plötzlich höre ich eine vertraute Stimme irgendwo hinter mir. Ich wirble herum und sehe Pippin, der geschafft hat, was ich in meiner orientierungslosen Suche nicht konnte: Merry finden.
Ich laufe auf ihn zu und höre, wie er mit dem anderen Hobbit spricht:„Ich werde dich beschützen."
„Pippin! Hast du die anderen gesehen?" Pip sieht auf und ehrliche Freude spiegelt sich in seinen Augen. „Wenn du Charly und Joey meinst, ja. Sie sind in der Stadt. Die Überlebenden sammeln sich dort."
Ich nehme Merry auf den Arm. Er ist schwer aber nicht so schwer, dass ich ihn nicht tragen könnte. Pippin geht neben mir her und hält seine Hand.
Es dauert eine Zeit, bis wir die Stadt erreichen, und dann sehe ich auch hier die schlimmen Verwüstungen und die vielen Toten. Offenbar sind wir wirklich in letzter Sekunde gekommen...
Nachdem wir Merry in den Häusern der Heilung abgeliefert haben – in die auch Éowyn gebracht wurde – zeigt Pippin mir, wo ich die anderen finden kann, bevor er wieder zu Merry eilt.
Ich betrete die große Halle etwas zögerlich, doch plötzlich fällt mir jemand um den Hals. „Katja, Gott sei Dank, dir geht's gut!" Ich sehe in das strahlende Gesicht von Charly und dann zu Joey, die mich ebenfalls fest drückt, als Charly von mir abgelassen hat. „Ist mit euch auch alles in Ordnung?" Die beiden nicken. „Nur ein paar blaue Flecken und Schürfwunden hier und da. Nichts Ernsthaftes." Dann sehen die beiden sich kurz an und grinsen breit. „Was?" „Ich habe gewonnen!" platzt es aus Charly heraus. „Gar nicht wahr! Es ist Gleichstand." „Ich habe einen halben Ork Vorsprung vor dir. Er ist zwar wieder aufgestanden, aber immerhin hab ich ihn vorher umgehauen." Ich muss lauthals lachen, als ich die beiden streiten höre.
„Und ihr beiden?" frage ich an Gimli und Legolas gewandt, die in der Nähe stehen. „Diesmal war ich der bessere Zwerg", antwortet Legolas grinsend. „Es steht also unentschieden."
Charlys POV
Joey und ich haben zusammen mit den anderen Soldaten Minas Tirith erreicht. Auf dem Weg zu den Häusern der Heilung, um eine Schnittwunde behandeln zu lassen, treffe ich endlich Aren wieder. „Aren! Aren!" rufe ich über die Köpfe der Leute hinweg, die die Straße füllen. „Charly! Den Valar sei Dank, dir geht es gut!" Aren schließt mich in seine Arme, doch Sekunden später schiebe ich ihn von mir weg. „Ääh, du stinkst!" Aber Aren lacht nur. „Weißt du, wie du riechst? Eine Zumutung für meine feine Elbennase."
Ich sehe an mir herunter und betrachte meine schmutz- und blutverkrustete Kleidung. „Oh..." Ich grinse. „Na, da werde ich wohl erst mal ein Bad nehmen müssen. Aber zuerst muss ich zu den Häusern der Heilung." „Bist du verletzt?" „Nur eine Schnittwunde, nichts Schlimmes. Aber ich dachte, es sollte sich mal jemand ansehen." „Wenn du willst, begleite ich dich." „Gerne."
Bei den Häusern der Heilung treffen wir auf Elleanora, deren Bekanntschaft ich schon auf dem Schlachtfeld gemacht habe. Sie hat bei den Soldaten als Krankenschwester fungiert und – selbst nur ein Jahr älter als wir – auch sehr mutig gekämpft, wenn's sein musste.
Das blasse Mädchen mit den blonden Haaren kommt auf uns zu, als sie mich erblickt. „Charly!" „Ella!" Sie kommt vor uns zu stehen und beäugt Aren. „Ella, darf ich vorstellen, das ist Aren." „Sehr erfreut", erwidert dieser. Ella lässt nur ein gemurmeltes „Nicht noch so einer" von sich, bevor sie sich mir zuwendet.
„Was kann ich für dich tun?" „Ich habe mir unglücklicherweise eine Verletzung zugezogen." Ich zeige Ella meinen Arm und sie beäugt die Wunde mit ihren kristallblauen Augen kritisch. „Ach, kein Problem, das haben wir gleich." Sie führt mich in einen der Räume und setzt heißes Wasser auf. Dann säubert sie die Wunde, schmiert eine ekelhaft riechende Salbe darauf und fängt an, mir den Arm zu verbinden. Aren hat inzwischen den Raum verlassen, um draußen auf mich zu warten.
„Ich weiß gar nicht, was alle immer an diesen Elben finden." „Na ja, unter anderem sehen sie gut aus..." „Trotzdem." In dem Augenblick geht ein Soldat an der Tür vorbei und grüßt uns zwei, worauf Ellas Gesicht eine leicht rosa Färbung annimmt. Ich muss grinsen. „Wenn man schon verliebt ist, kann man das natürlich nicht verstehen; wenn man nur Augen für jemand anderes hat..." Ellas Röte vertieft sich noch und ich weiß, dass ich ins Schwarze getroffen hab.
„Fertig", sagt sie kurze Zeit später. Ich stehe auf und begebe mich zur Türe, drehe mich kurz bevor ich gehe noch mal um. „Dieser Soldat wartet übrigens im Nebenraum auf seine Behandlung." Ich habe noch nie jemanden so schnell sein Zeug einpacken gesehen...
„Na, was hast du denn so gute Laune?" begrüßt mich Aren draußen. „Ach, ich hab gerade ein wenig Kupplerin gespielt." Aren sieht mich fragend an, doch in grinse nur geheimnisvoll, während wir uns auf dem Weg zu den anderen machen.
Joeys POV
Nachdem wir Katja ausgiebig begrüßt haben, beschließen sie und ich Aragorn zu den Häusern der Heilung zu begleiten. Sie hat mir erzählt, dass Merry, Pippin und Éowyn dort sind, und ich will sie besuchen. Katja hat natürlich ihre eigenen Beweggründe...
Wir werden zuerst zu Merrys Zimmer geleitet. Galwen, eine Heilerin, sitzt mit Pippin zusammen an Merrys Bett. Der Hobbit ist offensichtlich erfreut uns zu sehen, auch wenn ihm die Sorge um seinen Freund mindestens ebenso deutlich ins Gesicht geschrieben steht.
„Aragorn! Gut, dass du kommst, wir brauchen deine Hilfe!"
Galwen – eine junge, anscheinend sehr kompetente Frau – erklärt kurz die Lage. Dann schickt Aragorn sie heißes Wasser holen und gibt Athelasblätter hinzu, als sie zurückkommt. Der ganze Raum füllt sich mit einem süßlichen Duft und mir geht's gleich viel besser. Dann badet Aragorn Merrys Arm in dem Wasser und redet beruhigend auf ihn ein. Anscheinend zufrieden mit dem, was er getan hat, steht er auf und wendet sich an Pippin. „Wenn er aufwacht, wird er Hunger haben, wie es für Hobbits üblich ist. Er soll so viel essen, wie er kann. Dann ist er wieder völlig gesund."
Danach geht's weiter zu Éowyn, bei der Aragorn die selbe Behandlung durchführt (ohne die Essensratschläge natürlich). Ich gehe noch ein bisschen zu Merry und Pippin während Katja Aragorn zum Thronsaal zurückbegleitet.
Wir hoffen, das zwei der Gewinnerinnen unserer Namensgebungsaktion für Teil drei sich wiedererkannt haben.
Wenn nicht, hier eure Namen:
Ella ist Pia (lyratheredyahoo.de
Galwen ist Tina (tina.pietzschweb.de)
