Charlys POV

„Hey Mädels, 20 Minuten sind um!" brüllt Katja vom Kanu zu mir und Joey rüber, woraufhin wir uns vom Rücken auf den Bauch drehen.

Badeurlaub ist doch herrlich. Katja ist mit Súnin – den hat sie bei den Krönungsfeierlichkeiten kennen gelernt; und da Aragorn nun ja nicht mehr zur Verfügung steht, hat sie sich einfach den Elben aus Legolas' Gefolgschaft unter den Nagel gerissen. Womit wir jetzt alle drei mit einem Düsterwald-Elben versorgt wären – im Kanu auf dem See unterwegs, der ihr das Rudern beibringt.

Joey und ich haben heute noch nicht einen Finger gekrümmt. Und unsere einzige Tätigkeit besteht im regelmäßigen Wenden, um gleichmäßig braun zu werden. Die Bikinis, die Neniel (eine Cousine vierten Grades oder so von Legolas, ich sollte besser zuhören) uns nach anfänglicher Skepsis gemacht hat, passen wie angegossen, und ich für meinen Teil fühle mich prima. Ich muss lachen, als ich an Neniels Gesichtsausdruck bei der ersten Anprobe zurückdenke.

„Wie, ihr zieht da nichts drüber?!" Ein paar Erklärungen später war sie zufrieden gestellt. Unsere Jungs waren da nicht so einsichtig. „Das trägst du auf keinen Fall! So lasse ich dich nicht herumlaufen!" Der liebe Legolas. Als würde jemand seiner Freundin was weggucken und einen Pfeil im Hintern riskieren wollen... Aren hat sich zurückgehalten, aber er hat es sich trotzdem nicht nehmen lassen, eindringlich auf mich einzureden. Aber Joey und ich sind nicht umsonst zwei Dickköpfe.

Joeys POV

Als sich plötzlich ein Schatten über mich schiebt, öffne ich blinzelnd die Augen. Legolas und Aren stehen mit etwas über uns, das aussieht wie ein Sonnenschirm. Meine Vermutung wird bestätigt, als die beiden das Ding abstellen, und Aren auf Grund unserer Blicke sagt: „Wir wollen ja nicht, dass ihr beiden bald ausseht wie Holzkohle." Er grinst verschmitzt und lässt sich dann neben Charly fallen.

Ich drehe mich auf den Rücken zurück und beobachte Legolas in seinen abgeschnittenen Leggins, die Haare ausnahmsweise zu einem Zopf geflochten. Wer hätte gedacht, dass er in kurzen Hosen so sexy aussehen kann... Er steht vor mir und betrachtet mich in meinem Bikini, den er anfangs noch verteufelt hat. Aber jetzt sehe ich in seinen Augen, dass er knapper Bekleidung anscheinend doch einiges abgewinnen kann.

Ein lautes „Wer zuletzt im wasser ist, ist ein Ork!" schreckt uns aus unserer tonlosen Kommunikation. Ich springe auf, Legolas nimmt mich an die Hand und wir ssprinten hinter Charly und Aren her ins kühle Nass, um das Kanu mit Katja und Súnin zu kentern.

Charlys POV

Nachdem wir pudelnass wieder an den Strand zurückgekehrt sind, beobachte ich voller Genugtuung Aren, der gerade dabei ist, sich abzutrocknen.

Einzelne Tropfen glitzern auf seiner – inzwischen gebräunten – Haut und die Shorts bringen hervorragend seine muskulösen Beine zur Geltung. Wenn ich daran denke, was für ein Theater das gab, ihn dazu zu bringen, sie anzuziehen...

Joey, Katja und ich hatten uns von Neniel – einer Tochter der Cousine von Arens Mom – Bikinis schneidern lassen. Sie versteht ihr Handwerk wirklich sehr gut, brauchte aber einige Überzeugung um einzusehen, wofür wir sie brauchen. Jedenfalls hatte ich Aren meinen Bikini gezeigt und er zeigte sich wenig begeistert. „Findest du das nicht ein wenig knapp?" „Findest du ich sollte in voller Montur, am Besten noch mit Schwert, schwimmen gehen und untergehen wie ein Stein?" Darauf sagte er erst mal nichts, aber als ich mich kurz wegdrehte, erwischte ich ihn dabei, wie er mich anerkennend von Kopf bis Fuß musterte. „Ha, erwischt! Du findest es doch nicht so schlecht. Ihr Kerle seid doch alle gleich!" sagte ich mit einem Grinsen, und damit war die Sache – zumindest was den Bikini anging – erledigt.

Als Aren allerdings seine neue Bademode sah, packte er mich am Kragen und zog mich kurzerhand aus dem Zimmer, in dem Joey ebenfalls versuchte einen ähnlich aufgebrachten Legolas zu beruhigen. „Was denkst du, was das sein soll?!" „Deine neue Badehose?" „Du glaubst doch nicht im Ernst, dass ich in diesem... diesem Ding rumlaufe!" „Doch, das denke ich. Wenn du was zum Gucken hast, will ich das auch." Aren war für ein paar Sekunden zu verblüfft um zu reden. „Außerdem will ich allen zeigen, wie sexy du bist, und sie eifersüchtig machen." Ein gutes Argument, Charly, appellier an sein Ego. Aren beäugte mich, als wolle er herausfinden, ob das nicht nur eine Taktik war – was ja stimmte. „Also gut. Ich tu das nur, weil ich dich so liebe. Und weil mein werter Cousin mit mir leidet und mich außer euch fünf ja niemand sonst sieht." Wenn du wüsstest, dass ich meine Kamera quer durch Mittelerde geschleppt habe und sie immer noch funktioniert...

Jedenfalls lässt sich mein persönlicher fleischgewordener Gott gerade neben mir nieder und lächelt mich an. „Na, alles in Ordnung?" „Du in diesen Badehosen immer." Ich breche in lautes Gelächter aus, als ich Arens Gesichtsausdruck sehe, und Sekunden später fällt er mit ein.

Joeys POV

Und schon wieder werde ich unter Wasser gezogen. Wo hat dieser Elb so tauchen gelernt? Als ich wieder auftauche, verschlucke ich mich fürchterlich und huste und pruste bis ich nicht mehr kann. Ich klammere mich an Legolas, der ohne Probleme im Wasser stehen kann, was mir nicht vergönnt ist, da ich dafür ein Stück zu kurz bin. Dieser nimmt mich auf den Arm und ich verschränke die Beine hinter seinem Rücken.

Jetzt wo ich endlich wieder genug Luft habe, fange ich an mich zu beschweren. „Das war gemein. Tu das nicht immer; ich ertrinke noch mal bei so einer Aktion." „Das würde ich doch nie zulassen, Süße!" sagt er lächelnd. So dümpeln wir langsam ans Ufer. Dort angekommen laufe ich zu Charly und es tut mir wirklich sehr leid sie und Aren stören zu müssen. Sie sind wirklich ein traumhaftes Paar. „Charly, ich muss mal stören. Ich muss was mit dir besprechen." „Worum geht's denn?" fragt sie. „Aren, würdest du uns einen Augenblick alleine lassen?" frage ich entschuldigend. Dieser erhebt sich kommentarlos und geht zu Legolas.

„Charly, was hältst du von einem Sangriaabend mit den Jungs? Wir basteln lange Strohhalme und ein Eimer wird sich finden lassen." Charly findet die Idee gut und weiht direkt Katja ein. Wir waschen einen Eimer aus und basteln Strohhalme aus – hoffentlich nicht giftigem – Schilf.

stolz bauen wir alles unter dem Sonnenschirm auf und rufen die Jungs zu uns. Zu sechst postieren wir uns um den Eimer. „Und was sollen wir damit jetzt machen?" fragt Aren verwirrt und schaut Charly an. „Na was schon?! Trinken!" sagt sich lachend und schnappt sich einen der Strohhalme. Schon nach kurzer Zeit herrscht ausgelassene Stimmung an unserem Strand und allen scheint es zu gefallen. „Und so macht ihr Urlaub." fragt mich Legolas. „Ja." antworte ich knapp. Denn ihm zu erklären, dass das oft auf Mallorca so ist und man sich da sieben Tage besinnungslos säuft und danach noch ne Woche Urlaub braucht, wäre zuviel des Guten. „Aber wir machen das eigentlich nie. Wir fahren da nur hin um Sonne und Meer zu genießen." fügt Katja hinzu. Den ungläubigen Blick den Charly und ich wechseln, bemerkt Gott sei Dank keiner.

Charly beugt sich zu mir und flüstert: „Die kann echt lügen ohne rot zu werden." und schüttele nur lachend den Kopf.