Charlys POV

Auch der schönste Urlaub hat mal ein Ende. Unserer endet ziemlich abrupt, als uns eine Nachricht erreicht.

Bilbos Geschichte ist nun erzählt. Für ihn wird es keine Reise mehr geben; außer einer...

Wir haben diese Nachricht ziemlich schockiert aufgenommen – besonders ich, da ich weiß, was das für Frodo bedeutet – aber nicht gezögert uns auf den Weg nach Beutelsend zu machen.

Jetzt reiten wir hinter der Kutsche her, in der Frodo und Bilbo sitzen. Wir sind alle ziemlich schweigsam, und ich gehe in Gedanken den letzten Abend unseres Badeurlaubs durch.

Aren, Legolas und Súnin sind den ganzen Tag seltsam schweigsam gewesen. Kurz nach dem Abendessen räuspert sich Aren dann, um die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. „Es ist Zeit eine Entscheidung zu treffen..." Ich sehe ihm in die Augen und ahne nichts Gutes. „Wahrscheinlich habt ihr eure schon getroffen und stellt uns nun vor vollendete Tatsachen." sage ich giftig und sehe den Schmerz in seinen Augen. „Ja, das haben wir. Ihr müsst Mittelerde verlassen, denn wir werden es ebenfalls tun." „WAS?!" Mein Mund hängt offen und bin vorübergehend sprachlos, und der Ausruf kam von Joey. Legolas fasst sie an den Händen. „Die Zeit der Elben ist vorbei. Das Zeitalter der Menschen ist angebrochen, und wir haben hier keinen Platz mehr." „Aber...aber..." Joey verschluckt sich fast an ihren Tränen. „Aber was sollen wir denn ohne euch tun?" „Geht zurück nach Hause. Werdet dort glücklich. Denn wenn ihr ehrlich seid, werdet ihr es hier nie werden." Legolas sieht mich an und ich nicke zögerlich. Er hat Recht. Aber es hier und so vor Augen geführt zu bekommen...

„Wir werden Frodo zu den Grauen Anfurten begleiten und mit ihm segeln. Es gibt hier nichts mehr für uns. Dort werden unsere Wege sich trennen." Das ist mehr als ich Súnin in den ganzen letzten Wochen habe reden hören. Dennoch könnte ich ihn erwürgen. Es gibt hier nichts mehr für sie? Pah, er mag Katja erst kurz kennen, aber wir haben mit unseren Elben zu viel durchgemacht, um diese emotionale Verbindung einfach kappen zu können. Aber es hilft alles nichts. Sie haben Recht. Die Zeit der Elben ist vorbei, und auch wir hätten nicht ewig bleiben können.

So kommt es also, dass wir alle zusammen die Anfurten erreichen, wo Elrond, Celeborn und Galadriel schon auf uns warten.

Joeys POV

Galadriel begrüßt uns mit den Worten: „Die Macht der Drei Ringe hat ein Ende. Die Zeit ist gekommen für die Herrschaft der Menschen." Wieso hört sich das bloß so vertraut an? Ich blicke zu Legolas, der meine Hand fest in seiner hält.

Bilbo geht mit Elrond an Bord und die Zeit der Verabschiedung ist gekommen. Legolas presst mich fest an sich und flüstert in meine Haare. „Meine wundervolle, mutige, hübsche, clevere Joey. Ich werde dich nicht vergessen. Niemals. Und ich habe nur einen Wunsch. Dass du mich ebenfalls nicht vergisst, und mir trotzdem in deiner Welt nicht nachtrauerst. Sie hat dir soviel zu bieten. Ich weiß, dass du einen netten Mann finden und eine Familie gründen und glücklich sein wirst. Ich bedauere nur, dass ich das alles nicht werde sehen können." Er löst sich leicht von mir und streicht mir zärtlich die Tränen von den Wangen. „Gerich meleth nîn, Joey." Und er küsst mich zum Abschied ein letztes Mal.

Charlys POV

Aren und ich stehen uns gegenüber, sehen uns lange einfach nur an. Dann laufen mir plötzlich Tränen über das Gesicht. „Ich habe dir nicht das Leben gerettet, um dich so schnell wieder zu verlieren!" „Charly..." Aren schließt mich in seine Arme. „Wenn es eine Möglichkeit geben würde, bei dir zu bleiben, würde ich alles dafür tun. Alles! Aber diese Möglichkeit haben wir leider nicht." „Ich weiß... Aber es gibt noch so vieles, was ich dir sagen wollte." „Das spielt jetzt keine Rolle mehr. Alles was ich wissen muss, ist, dass wir uns lieben, egal was uns trennt." Wir stehen einen Moment umschlungen dar, dann spricht Aren erneut: „Du musst mir etwas versprechen. Denke an mich. Aber vergiss auch nicht zu leben. Behalte mich in guter Erinnerung, aber mache das nicht zu deinem einzigen Lebensinhalt." Ich nicke und er streicht mir über die Haare.

„Es ist Zeit." lässt Gandalf sich vernehmen, der sich zwischenzeitlich von den Hobbits verabschiedet hat. Wir verabschieden uns auch von ihm und stellen uns dann neben unsere kleinen Freunde. Als Gandalf hinter unseren Elben fast das Schiff erreicht hat, dreht er sich noch mal um.

Joeys POV

„Es ist Zeit, Frodo." „Wie meint er das?" fragt Sam entsetzt. „Wir sind losgezogen, um das Auenland zu retten, Sam... Und es ist gerettet worden. Aber nicht für mich." „Das meinst du doch nicht ernst. Du kannst nicht fortgehen!"

Charly neben mir bricht erneut rettungslos in Tränen aus, aber sie wirkt nicht überrascht. Sie hat es gewusst. Sie hat es gewusst und nichts gesagt! Ich lege ihr eine Hand auf die Schulter, aber sie rührt sich nicht.

Dann dreht Frodo sich zu ihr um und die beiden sehen sich an. „Wir haben uns wiedergesehen, Charlott Kopplin. Und es ist ein besseres Ende, als ich mir zu erhoffen gewagt habe." Charly nickt leicht. Irgendwie ist sie immer die Einzige gewesen, die Frodos kryptische Kommentare verstanden hat.

„Unverhofft kommt oft..." Die beiden lächeln sich an und dann verlässt Frodo uns endgültig.

Als das Schiff ablegt, wenden Katja, Charly und ich uns den Hobbits zu. Es sind keine Wort mehr nötig, und wir hätten sie wohl auch nicht sagen können. So umarmen wir uns nur, und als das Schiff gerade am Horizont verschwindet, benutzt Charly das Amulett.