Title: What's left of me – Part 2 : Liebe und Schmerz
Author: Megchen
Part: 2/4
Fandom: Pirates of the Caribbean
Pairing: Sparrington
Rating: PG-13, später R
Warning: Slash, hurt/comfort - irgendwie.
Genre: Drama/Romance
Summary: Das Schicksal hatte beschlossen, es mir auf ganz üblem Wege heimzuzahlen und mir dann die seltsamste Rettung in letzter Sekunde zu schicken, die es zu bieten hatte...
Danke an: Meine Beta Susi, die beste und schnellste Beta der Welt! huggles Huzzah!
A/N: Ich habe hier teilweise Texte aus Liedern entnommen, die mich beim Schreiben inspiriert haben, und zwar „Hounds of Winter" von Sting (Teil1) – alles weitere folgt.
Ich werde jede Woche einen neuen Teil hochladen, da ich den Vierteiler schon beendet habe.
Disclaimer: Nix is mir.
Jetzt zum Wichtigsten – euren Reviews..
mazipaan: Hey, mein liebes Betalein, vielen Dank für dein Review! Hab mich sehr gefreut:) Ich wusste ja gar nicht, dass du James nicht leiden kannst :/ Aber es kann ja nicht jeder den gleichen Geschmack haben, nicht wahr? Gut, mein James ist ein sehr ‚Sparrington-lastiger' James, das gebe ich zu. Schlimm:)
Viechle: Aww, ein Review von meinem Lieblingsviechle! freu Nee, Mr. Bennet hat nichts mit ‚Pride and Prejudice' zu tun, hab mir nur den Namen ausgeliehen…ich bin zwar immer noch der Meinung, ich könnte kein Buch schreiben, aber dieses Kompliment lief runter wie Öl – merci beaucoup! Ich hoffe, der zweite Teil gefällt dir auch :)
Hecate Triformis: Danke, dass du dir die Zeit genommen hast, ein Review zu schreiben, das bedeutet mir wirklich viel. Und in meinen FFs wird Norrington nie als gefühlloses Monster dargestellt werden, da ich James abgöttisch liebe ;o)
Das stimmt, dass er sich sehr schnell darauf einlässt, aber immerhin ist es Elizabeth die ihn da fragt und ihr kann er (zumindest meiner Meinung) nicht sehr viel abschlagen, zumindest im Moment noch nicht. Ich hoffe, du liest hier noch weiter, auch wenn es Slash ist…
Hach, Leute…45 hits und 3 Reviews? Das kann doch nicht alles sein – oder? Es müssen sie doch noch ein paar andere gelesen haben! Wenn ihr sie gelesen habt, dann sagt doch was – bitte! Konstruktive Kritik ist auch erwünscht und es müssen ja keine Romane sein, die ihr dazu schreibt – auch ein ‚Hat mir gefallen/nicht gefallen, weil…" würde mich glücklich machen. Bitte?
Da unten gibt es einen tollen, lila Knopf…
Und jetzt viel Spaß…
Teil 2: Liebe und Schmerz
„Wir nehmen ihn mit, klar soweit?!"
„Was? Hast du den Verstand verloren?! Was sollen wir denn mit ihm?"
„Das lass mal meine Sorge sein, Gibbs…"
Ich konnte dein überzeugendes Grinsen, das jeden Widerspruch im Keim erstickte, vor meinem inneren Auge sehen. Das war auch das letzte, was ich sah und hörte, ehe ich in alles verschlingende Dunkelheit hinüberglitt…
Mein Kopf dröhnte. Irgendjemand musste sich mit einem Vorschlaghammer oder etwas schlimmerem daran verlustiert haben. Die Schwärze um mich herum lichtete sich, sodass ich gezwungen war, die Augen zu öffnen.
Langsam, mühsam…doch schließlich schaffte ich es. Und vielleicht wäre es mir besser ergangen, wenn ich es nicht getan hätte. Tränen schossen mir in die Augen, als ich sie nicht schnell genug wieder schloss und das Wasser, in dem ich zu liegen schien, einige Sandkörner hineinspülte.
Moment. Wasser? Sand? Wo zum Teufel war ich? Der Schmerz konzentrierte sich im Moment auf meinen Kopf, der sich anfühlte, als würde er gleich platzen, jedoch spürte ich auch, dass ich sehr unbequem lag. Auch das Atmen fiel sehr schwer, wenn man im Wasser lag. Verdammt, was sollte das? Wollten sie mich umbringen? Sie…
Ja, wer waren ‚sie' noch einmal gewesen? Doch bevor ich diese Frage klären konnte, musste ich unbedingt etwas gegen meine Atemnot unternehmen, soviel begriff sogar mein Verstand, der sich im Moment sehr unkooperativ verhielt.
Langsam bohrten sich die Spitzen meiner Stiefel in den weichen, nachgiebigen Sand. Vorsichtig arbeitete ich mich vor, robbte Zentimeter um Zentimeter den Strand hinauf, bis ich es schließlich geschafft hatte, mein Gesicht auf trockenere Gebiete zu hieven. Ich hatte gar nicht gewusst, wie herrlich es war, ungehindert atmen zu können.
Meine Hände waren mit einem groben Strick auf meinem Rücken zusammengebunden worden. Sie hatten sie so fest zusammengeschnürt, dass ich sie innerhalb der nächsten halben Stunde wohl nicht mehr spüren würde. Schon jetzt war das Gefühl, das in ihnen vorherrschte, unangenehm. Ich hätte mich auch einfach herumdrehen können, allerdings wäre ich dann überhaupt nicht mehr in der Lage gewesen, mich zu verteidigen.
Verteidigen?
Wenn ich dazu fähig gewesen wäre, hätte ich nun verzweifelt aufgelacht. Wie sollte ich denn auch nur in der Lage sein, mich zu verteidigen, wenn ich gefesselt hier am Stand lag und mein Kopf dröhnte, als wäre er noch vor kurzem als Buschtrommel benutzt worden?
Erinnerungsfetzen kreisten durch meinen immer noch etwas wirren Verstand. Ja, ich war Elizabeth zu den Gefängniszellen gefolgt, um mich mit eigenen Augen davon zu überzeugen, dass Captain Jack Sparrow so leichtsinnig gewesen war, sich in einer der vielen Kneipen Port Royals volllaufen zu lassen und dann auch noch eine Schlägerei anzuzetteln. Wenn ich es nicht mit eigenen Augen gesehen hätte, hätte ich es niemals geglaubt. Schließlich war dieser Pirat nicht irgendein Pirat, sondern Captain Jack Sparrow – was mangelnde Intelligenz förmlich ausschloss.
Ich hatte Elizabeth versprochen, alles dafür zu geben, dass dir nichts passierte, hatte mich von dir verspotten lassen, hatte alles ergeben hingenommen – und als Lohn dafür einen harten Gegenstand über den Kopf gezogen bekommen.
Das letzte, woran ich mich erinnerte, waren flüsternde Stimmen und hastiges Fußgetrappel. Mr. Gibbs war bei dir gewesen, das hatte ich noch mitbekommen. Ihr beiden musstet mich nun also einfach mitgenommen haben. Doch wozu? Bestimmt nicht, um mich hier am Strand dem Tod durch Ertrinken auszuliefern, oder war das euer ausgeklügelter Plan gewesen?
Frustriert seufzte ich auf und schaffte es damit nur, mir auch noch etwas Sand in die Nase zu blasen. Herzlichen Glückwunsch, James. Toll gemacht.
Mühsam versuchte ich, mit meinen von Sand und Meerwasser verklebten Augen jemanden auszumachen. Doch alles, was ich sah, war Sand. Weißer, feinkörniger Sand, der sich um mich herum erstreckte, soweit das Auge reichte.
°°°°
„Hallo?! Ist hier jemand?? Irgendjemand?"
Ein erschreckend resignierter Laut folgte den Rufen, als ich meinen Kopf erschöpft wieder auf den warmen Sand sinken ließ. Vermutlich hatten sie mich auf eine einsame Insel verschleppt und hatten nun vor, mich hier verhungern und verdursten zu lassen. War meine Person wirklich so hassenswert?
Ich hatte gedacht, dass ich selbst bei schlimmen Verbrechern noch Menschlichkeit walten ließ, doch offenbar war dies ein Trugschluss.
Die Sonne, die fast direkt über mir am stahlblauen Himmel stand, begann langsam genauso unangenehm zu werden wie das Wasser und der Sand. Als die Wut über meine missliche Lage übermächtig wurde und ich wie ein Irrer begann, an meinen Stricken zu reißen, um mir die Haut an den Handgelenken noch weiter aufzuschürfen, erschien plötzlich ein wedelnder Zeigefinger in meinem Blickfeld. Ein sehr rußiger Zeigefinger, auf dem ein Ring mit einem großen, schwarzen Stein steckte.
Dies war aber auch alles, was ich erkennen konnte, da die Sonne ihre Strahlen auf den Strand schickte und die große, weiße Fläche sie unbarmherzig reflektierte.
Ich wusste trotzdem genau, wem dieser Finger und auch der Körper daran gehörte. Captain Jack Sparrow. Dem Mann, der noch vor kurzem in einer Gefängniszelle gesessen hatte. In meiner Gefängniszelle. Die Situation hatte sich wirklich grundlegend geändert. Und ich war dir im Moment voll und ganz ausgeliefert. Dieser Gedanke ließ mich schaudern.
„Nun beruhigt Euch doch einmal, Commodore. Mit eurem Geschrei erschreckt Ihr noch die armen Tierchen, die diese Insel hier ihre Heimat nennen. Das könnt Ihr doch wohl nicht verantworten."
Du fingst an zu grinsen, als mein zorniger Blick dich traf. „Ich verstehe ja, Commodore, dass es für Euch ziemlich unbequem sein muss, aber das ist noch lange kein Grund, hier so herumzuschreien. Es ist schon vielen anderen Menschen vor Euch genauso oder noch schlimmer ergangen. Also habt Ihr eher Grund, Euch zu freuen. Wenn Ihr daran denkt, könnt Ihr mich ja in Euer Nachtgebet einschließen."
°°°°
Da ist es wieder, dieses Grinsen. Goldzähne blitzen in der Sonne auf. Ich wünschte, ich könnte dir dieses höhnische Grinsen aus dem Gesicht prügeln. Elender Pirat. Ich ließ dich laufen, doch du hast niemals so etwas wie Dankbarkeit empfunden.
Diese Wut, die sich in meine Überlegungen schlich, die sonst immer so rational gewesen waren. Diese grimmige Wut, dir mir etwas Angst machte, durch die allein ich aber ganz sicher sein konnte, dass ich noch lebte. Ja, es schlug noch ein Herz in meiner Brust, es war noch Leben in diesem Körper.
Dein Lachen drang an mein Ohr. „Seid vorsichtig mit euren Blicken, Commodore. Wenn ich tot hier am Strand liege, ertrinkt ihr vielleicht doch noch jämmerlich. Und das wollen wir ja nicht riskieren, nicht wahr? Ich gebe zu, dass es nicht nett war, Euch einfach hier liegen zu lassen, aber es war notwendig."
Ein sehr verärgert klingendes Grummeln entschlüpfte meinem Mund, das du allerdings geflissentlich überhörtest und einfach weiter deine Gesten vollführtest, die die Überzeugungskraft deiner Worte unterstreichen sollten. Ich kannte jede dieser Gesten, ich hätte dir sogar sagen können, in welcher Reihenfolge und zu welchem Zweck du jede einzelne davon einsetztest, nun jedoch beobachtete ich sie so genau, als wollte ich sie einstudieren, als wäre ich gezwungen, sie im nächsten Moment nachzuahmen.
Zu meiner Verteidigung kann ich heute nur sagen, dass es sonst nicht allzu viel zu tun gibt für einen Mann, der gefesselt an einem Strand liegt und versucht, sich den letzten Rest seiner Würde zu bewahren. Jede noch so kleine Bewegung sah aus, als ob du jahrelang dafür geübt hättest, da du schon immer eine ganz eigene Eleganz besaßt, die dir wohl niemand zugetraut hätte. Doch Captain Jack Sparrow war immer für eine Überraschung gut. Nur dass es diesmal Joshamee Gibbs war, der mich überraschend und nicht gerade sanft ganz auf den Strand zerrte.
Wenn ich mich nicht in so einer ungewöhnlichen Lage befunden hatte, hätte ich über die Szene, die nun folgte, wohl schallend gelacht. Captain Jack Sparrow begann panisch um Mr. Gibbs herumzuspringen, wobei er theatralisch mit den Armen in der Luft herumfuchtelte.
„Nein! Stopp! Was machst du da?! Nicht gut!"
Der Pirat begann wie ein Irrer an meinem Arm zu zerren, was nicht gerade angenehm war, meine Gesamtsituation aber nicht unbedingt verschlechterte. Viel schlechter konnte die auch nicht mehr werden. In diesem Moment realisierte ich erst, dass Gibbs sogar versuchte, dir sein Verhalten zu erklären. Das hinderte ihn allerdings nicht daran, dein Gefuchtel und dein weibisches Gezänke weiterhin zu ignorieren und mit großen Schritten auf das andere Ende des Sandstrandes zuzustapfen. Ein paar Häuser, die von hier aus noch Miniaturgröße besaßen, tauchten in meinem ohnehin sehr beschränkten Blickfeld auf.
„Ich bringe ihn vom Strand weg – was denkst du denn, was ich tue, Jack? Oder willst du ihn etwa weiterhin hier liegen lassen…für alle sehr gut sichtbar? Denkst du, den Saufköpfen in Tortuga würde nicht irgendwann auffallen, dass da ein ranghohes Mitglied der Royal Navy gefesselt an ihrem Strand liegt?"
Tortuga! Nun wusste ich auch, wo ich war. Ich schwor mir, diesen Vorteil zu nutzen, sobald ich meine Fesseln los war. Wissen war ja bekanntlich Macht und ich hatte vor, diesen Spruch in die Praxis umzusetzen. Doch zunächst konzentrierte ich mich wieder darauf, was der Mann, der mich gerade unsanft landeinwärts trug, noch zu sagen hatte…
Du hüpftest unterdessen immer noch um den ergrauten Mann herum, der mich mit seiner Gemütlichkeit und Ruhe immer schon an einen Dachs erinnert hatte. „Aber…aber…" Gibbs ließ dich einfach nicht ausreden, sondern meinte nur: „Ich würde vorschlagen, wir bringen ihn nun erst einmal in die „Bloody Rose" und dann sehen wir weiter. Dort erregt er garantiert weniger Aufsehen als hier am Strand. Aye?!"
„Aye.", war alles, was du hierauf erwidertest, worauf ein resigniertes Schulterzucken folgte. „Dort könntest du mir zum Beispiel einmal erklären, warum wir ihn überhaupt mitschleppen mussten. Er bringt nur Ärger! Und ich schwöre dir, Jack, er wird uns noch gewaltigen Ärger einbringen! Den darfst dann aber du ausbaden, schließlich wolltest du ihn mitnehmen!"
Nun folgten einige der seltenen Augenblicke, in denen Jack Sparrow schwieg. Schweigend überquertest du den letzten Rest Strand, schweigend schlurftest du durch die engen und ungemütlich aussehenden Gassen und du schwiegst immer noch, als wir schließlich vor einer ziemlich heruntergekommenen Kneipe standen und Gibbs mich einfach auf den Boden plumpsen ließ, wo ich unsanft aufschlug. Ich unterdrückte einen Schmerzensschrei und nutzte die Gelegenheit, um mich umzusehen.
Noch nie war ich in Tortuga gewesen und ich hätte es mir auch im Leben nicht träumen lassen, einmal hier herzukommen. Die verschiedensten Gerüche umwehten mich und die meisten davon waren unangenehmer Natur.
Direkt neben uns stand ein Fass, aus dem es verdächtig nach fauligem Wasser stank und ich konnte fast wetten, dass sich direkt hinter dem Haus der Schweinestall befand. Wenn es überhaupt Schweine waren, deren Geruch mir in die Nase stieg. Vielleicht war es auch noch etwas weitaus schlimmeres.
Mit einem ohrenbetäubenden Krach flog plötzlich die Tür auf, vor der sie standen und ein Mann stürzte die zwei Treppenstufen, die zur Tür führten, hinab und blieb auf dem Boden liegen. Angeekelt rümpfte ich die Nase. Na das konnte ja heiter werden! Dieser Mensch, der ganz in meiner Nähe lag, hatte anscheinend schon lange kein Badezimmer mehr gesehen und stank nicht nur wie ein Fischkutter, sondern auch noch bestialisch nach Rum.
Ich hatte noch nie das Bedürfnis verspürt, Kontakt mit Menschen aufzunehmen, die Tortuga als ihre Heimat ansahen und spätestens jetzt wusste ich auch ganz genau, warum.
°°°°
Ich schloss die Augen, als Gibbs mich wieder vom Boden auflas und mich ein zweites Mal über seine Schulter warf, wobei du dich ducktest, um nicht einen meiner Stiefel ins Gesicht zu bekommen.
‚Jetzt nur nicht zu tief einatmen!', nahm ich mir vor, als wir in den Schankraum gelangten. Sofort umhüllte mich ohrenbetäubender Lärm und ich konnte nur hoffen, nicht von einer herumfliegenden Flasche getroffen zu werden.
Das spärliche Licht, das durch die dreckigen Fenster hereinfiel, reichte nicht aus, um den ganzen Raum zu erhellen und so waren Fackeln an den Wänden befestigt worden, die allerdings fast mehr schwarzen Ruß als Helligkeit abzusondern schienen. Die stickige Luft, die man mit einem Messer hätte durchtrennen können, machte das Atmen schwer und ich hoffte, dass wir uns nicht mehr lange hier aufhalten würden. Als ich einen sanften Druck auf meinem Bein spürte, merkte ich, dass du eine Hand darauf gelegt hattest. „Pass gut auf…", rietst du mir mit einem verschmitzten Lächeln und ich rollte mit den Augen.
Auf was sollte ich bitteschön aufpassen? Dass Gibbs mich nicht fallen ließ? Nach einer Weile, die mir wie eine Ewigkeit schien und in der wir wohl duzende Mal sich wild prügelnden Seeleuten ausgewichen waren, erreichten wir die Theke, hinter der ein sehr ungepflegt wirkender Koloss von einem Mann stand und sich die fettigen Hände an einer fleckigen Schürze abwischte, die wohl einmal weiß gewesen war. Er nickte Sparrow und Gibbs nur zu und zeigte auf einen schmalen, dunklen Gang. Gibbs drehte sich so schnell um, dass ich befürchtete, mit meinen Füßen irgendetwas umzuwerfen, doch das wäre in dem Chaos, das in dieser Spelunke herrschte, sowieso nicht aufgefallen.
Es schien als würde der Gang, das sowieso schon spärliche Licht, das im Schankraum herrschte, komplett aufsaugen. Zurück blieb nur eine diffuse Dunkelheit. Ich war dankbar dafür, wenn ich an die schmerzende Helligkeit der Sonne zurückdachte. Innerhalb weniger Minuten hatten wir ein kleines Hinterzimmer erreicht. Ich riss meinen Blick von deinen Beinen los, die die ganze Zeit über in deiner unnachahmlichen Art zu gehen, vor mir hergeschwankt waren und sah mich um. Ein kleines Fenster ließ zu, dass ein dünner Streifen des diffusen Tageslichts, das draußen noch herrschte, auf den dreckigen Boden und teilweise auch über eine alt und heruntergekommen aussehende Pritsche fiel. Auch sonst war dieses Zimmer eher spärlich möbliert. Wenn man eine kleine Kommode, auf der eine Waschschüssel stand, überhaupt als Möbelstück bezeichnen konnte…
Gibbs ließ mich nun wieder herunter und sorgte sogar dafür, dass ich mich auf die Pritsche setzen konnte. Sehr bequem war dies auch nicht, da meine Hände immer noch von groben Stricken zusammengehalten wurden, doch ich genoss es schon, auf einer halbwegs weichen Decke zu sitzen, die auf der Pritsche lag. Nachdem Gibbs verschwunden war, verließt auch du das Zimmer und verriegeltest es von außen. Ich stieß einen Seufzer aus. Was hattet ihr nur mit mir vor? Wolltet ihr etwa die Royal Navy erpressen?
Die ranghöheren Mitglieder der Royal Navy mussten natürlich ein großes Interesse haben, mich lebend wiederzubekommen, aber dieser Plan wäre sehr gefährlich für eine Handvoll Piraten. Ich glaubte nicht daran, dass ihr in der Lage wärt, es mit der gesamten Royal Navy aufzunehmen. Meine Gedanken wurden unterbrochen, als der Riegel der Tür zurückgeschoben wurde und Piratenstiefel auf dem Boden widerhallten. Mit Erstaunen stellte ich fest, dass du ein aus Holz gefertigtes Tablett trugst, auf dem eine dampfende Schüssel und ein Glas Wasser standen. Behutsam stelltest du das Tablett neben mir auf der Pritsche ab und machtest dich daran, die Tür wieder zu verriegeln.
Mein Blick folgte dir, als du wieder zu mir zurücktaumeltest und mich prüfend ansahst. Wie ich schon vermutet hatte, tauchte auch bald wieder dein mir so bekanntes Grinsen auf deinem Gesicht auf, das mir einen guten Ausblick auf deine zahlreichen Goldzähne ermöglichte. Zahnpflege war wohl auch ein Fremdwort für Piraten.
„Was ist?", schnappte ich, als mir das Grinsen zu blöd wurde und registrierte, wie rau sich meine Stimme anhörte. Kein Wunder, ich hatte mir erst vor kurzem die Lunge aus dem Leib geschrieen.
„Ich überlege gerade, ob es klug ist, dir deine Fessel abzunehmen…"
„Das müsst Ihr wohl oder übel tun, Sparrow. Wie soll ich denn sonst etwas in den Magen bekommen? Oder…ist das gar nicht für mich bestimmt?"
„Natürlich ist das für dich bestimmt, Jamie…denkst du etwa, ich sei ein Unmensch und würde dich hier bei vollem Teller verhungern lassen?!"
Deine empörte Miene sah interessant aus, doch ich unterdrückte den Drang zu lächeln, der in mir hochstieg. „Ihr seid ein Pirat, Sparrow. Das sagt alles."
„Das sagt überhaupt nichts, lieber Commodore. Ich denke, es ist an der Zeit, deine schlechte Meinung über uns Piraten etwas zu revidieren. Soll ich dich füttern?"
Mein Gesichtsausdruck sprach wohl Bände, denn als nächstes machtest du dich daran, meine Fesseln zu lösen, wobei ich zischend die Luft einsog, als die rauen Stricke an meiner geplagten Haut entlang glitten. Doch da ich mir vor einem Piraten wie dir keine Blöße geben wollte, entwich meinen Lippen kein einziger Schmerzenslaut.
„Strafe muss sein. Wie oft habe ich dich schon darauf hingewiesen, Jamie? Captain. Es heißt Captain Jack Sparrow. Klar soweit?!"
Wie kam dieser unverschämte Pirat eigentlich dazu, mich zu duzen? Doch du belächeltest meine Empörung einfach weiterhin und drücktest mir einen Holzlöffel in die Hand, der meinen Fingern augenblicklich wieder entglitt. Das erschreckte mich nun selbst etwas, aber es war klar, dass ich keinerlei Gefühl mehr darin hatte, nachdem die Blutzufuhr in meine Hände stundenlang mehr als spärlich gewesen war.
Während ich noch bedrückt auf meine Hände starrte, hattest du sie schon ergriffen. Raue, rußige Piratenhände strichen über meine weißen, feingliedrigen Finger, begannen, ohne dazu aufgefordert worden zu sein, meine Hände zu massieren.
Einen Moment lang glitt mein Blick an dir empor bis zu den kohleumrandeten Augen und ich starrte dich mit offenem Mund an. Als mir bewusst wurde, wie selten dämlich das aussehen musste, klappte ich meinen Mund wieder zu und konzentrierte mich auf das Kribbeln, das ich nun in meinen Händen spüren konnte. Es war unangenehm, aber zugleich hoffte ich, es würde noch lange dauern, bis ich den Löffel selbst würde halten können.
Das laute Knurren meines Magens unterbrach die Stille, die sich über diese fast intim wirkende Szene gelegt hatte. Um einen Kommentar von deiner Seite zu verhindern, griff ich nun energisch nach dem Löffel, tauchte ihn in den dampfenden Bohneneintopf, den die Schüssel beinhaltete, und begann zu essen. Das erste Mal führte ich den Löffel noch sehr manierlich an den Mund, doch irgendwann verlor ich die Beherrschung. Ich hatte schließlich schon seit Stunden nichts mehr gegessen und war auch dementsprechend hungrig.
Ich war so sehr auf die Nahrungsaufnahme konzentriert, dass ich dich vollkommen vergaß. Hastig schlang ich Löffel um Löffel des Eintopfes hinunter, kaute mit vollen Backen. Wenn ich einmal Pause macht, griff ich mit fahrigen, zittrigen Händen nach dem Wasserglas, wobei ich es so hastig zum Mund führte, dass meine Kleidung etwas Wasser abbekam. Da diese allerdings heute schon reichlich schlimmere Dinge mitgemacht hatte, war mir dies nun auch völlig egal.
Schnell stellte ich das Glas wieder auf das Tablett, nur um hastig wieder zu dem Holzlöffel zu greifen und gierig weitere Portionen des Eintopfs in meinen Mund zu stopfen. Das, was ich da gerade tat, hätte ein zivilisierter Mensch nicht mehr „essen" nennen können.
Endlich, endlich hörten meine Hände auf zu zittern, was daran liegen konnte, dass ich auch den letzten Rest aus der Schüssel gekratzt hatte und mir nun zumindest der betörende Duft des Eintopfs nicht mehr in die Nase stieg. Mit einem erleichterten Seufzen lehnte ich mich zurück, bis mein Hinterkopf die raue Wand berührte. Ein leises, amüsiertes Lachen drang an mein Ohr.
Richtig, du warst ja noch da. Du hocktest genau vor mir und sahst aus, als ob du dich göttlich amüsiert hättest. „Was ist so lustig daran, Sparrow?!", fauchte ich dich regelrecht an und registrierte befriedigt, dass dein überhebliches Grinsen für einen Moment aus deinem Gesicht wich. Allerdings auch nur für einen Moment. Dann kehrte es umso übermächtiger wieder zurück.
„Es macht Spaß, Euch beim Essen zuzusehen, Commdore. Es macht riesigen Spaß. Habt Ihr nicht immer die Gewohnheiten der Piraten aufs schärfste verurteilt? Und jetzt benehmt ihr Euch genau so…"
Es war kaum zu glauben, aber ich schaffte es sogar, deinen so berühmten Redefluss zu unterbrechen: „Ihr hättet mich ja nicht entführen müssen, Sparrow." Ich konnte mir ein Grinsen nicht verkneifen, als ich sah, wie deine Lippen lautlos und doch sehr energisch das Wort ‚Captain' formten. „Dann hättet Ihr nun auch keinen Ärger mit mir. Was wollt Ihr damit denn erreichen? Die Royal Navy erpressen?" Meine Mundwinkel zuckten belustigt und ich erwartete, nun irgendeinen dummen Kommentar von dir zu hören.
Ich wartete vergebens. „Das geht dich nichts an, Jamie.", murmeltest du nur. Und bevor ich überhaupt noch etwas sagen konnte, hattest du das Tablett geschnappt und warst schon wieder aus dem Zimmer verschwunden. Eine Weile wartete ich darauf, dass sich ein Schlüssel im Schloss drehte, doch als dies nicht geschah, ließ ich mich schließlich der Länge nach auf die Pritsche fallen. Vorsichtig betastete ich meine Handgelenke, strich sanft über die verletzte Haut. Genauso sanft, wie deine Finger vorhin über meine Hände gestrichen waren, mich massiert hatten.
Seltsam, dass ein Pirat, ein rauer Seemann, überhaupt zu solchen Dingen fähig war. Seit wann war Jack Sparrow so besorgt um mich? Ja, er glaubte daran, mich ‚immer unterstützt' zu haben, doch ich wusste nicht recht, ob dies nun ernst gemeint oder auch nur wieder einer der dummen Scherze des Piraten gewesen war. Während ich noch darüber nachdachte, wurden meine Augenlider schwerer und mein pochender Schädel bekam endlich etwas wohltuende Ruhe, nach der er sich so sehr gesehnt hatte.
°°°°
Der Laut einer Tür, die heftig ins Schloss geschlagen wurde, ließ mich hochschrecken. Mit hämmerndem Herzen saß ich im Dunkeln und betastete meine unmittelbare Umgebung. Wo war ich hier? Ich brauchte einige Sekunden, um zu begreifen, dass ich nicht in meinem Bett lag, sondern auf einer nach Rattenmist stinkenden Pritsche, deren Gestank ich aller Wahrscheinlichkeit auch schon angenommen hatte.
Angestrengt lauschte ich in die Dunkelheit, doch jedes Geräusch wurde vom Pochen meines Herzens übertönt. Erst mit der Zeit dämmerte mir, was mir seltsam vorkam. Die charakteristischen Geräusche einer Hafenkneipe fehlten völlig. Im ganzen Gebäude schien eine unheimliche Stille zu herrschen. Als das heisere Bellen eines Hundes an mein Ohr drang, zuckte ich zusammen.
Mein Blick fiel auf meine Hände, die nun zu meinem Erstaunen vor meinem Körper zusammengebunden waren. Also hatte selbst die Freiheit meiner Hände nicht lange gewährt. Freiheit. Noch vor ein paar Stunden war sie mir vollkommen unwichtig gewesen, ich hatte keinen einzigen Gedanken an die Freiheit verschwendet – weil sie selbstverständlich gewesen war. Man will immer das, was man nicht hat. Und ich hatte etwas gewollt, das ich nicht bekommen konnte. Dies war die schmerzhafteste Lehre, die mir das Leben erteilt hatte.
Um meine trüben Gedanken zu verscheuchen, stand ich auf unsicheren und wackeligen Beinen auf, hoffte, nicht vornüber zu kippen. Doch ich schaffte es, das Gleichgewicht zu halten und bewegte mich in kleinen, vorsichtigen und vor allem leisen Schritten zur Tür. Zögernd blieb mein Blick an der Klinke hängen. Warum sein Glück herausfordern, wenn ich doch sowieso wusste, dass ich enttäuscht werden würde? Natürlich war sie abgeschlossen – Sparrow war schließlich nicht blöd.
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Meine Hände fanden die Klinke und rutschten zunächst daran ab. Beim zweiten Mal gelang es mir jedoch, die Tür zu öffnen und die kühlere Luft, die den Gang, der sich vor mir erstreckte, durchströmte, blies mir ins Gesicht.
Zunächst konnte ich mich vor glücksseligem Erstaunen nicht regen. Dies war er. Mein Weg in die Freiheit. Er erstreckte sich dunkel und kühl vor mir. Ich musste nur einen Fuß vor den anderen setzen, diesen Weg betreten. Ich setzte eine konzentrierte Miene auf, als ich vorsichtig, fast zögernd auf den Gang hinaustrat. Von nun an gab es kein zurück mehr. Hier ging es um alles oder nichts. Eine zweite Chance würde es nicht geben, das war mir klar. Mein Herz klang in meinen Ohren wie eine Buschtrommel, als ich den leeren Schankraum durchquerte und zur Tür schwankte. Die zwei steilen Treppenstufen, die zur Tür der Spelunke führten, stellten sich allerdings als Problem heraus. Ich betrachtete meine zitternden Beine. Es gab nichts, woran ich mich festhalten konnte, stellte ich verzweifelt fest.
‚Verdammt, James! Willst du entkommen, oder willst du es nicht? Wenn du es willst, dann tu auch etwas dafür!' Im Stillen gab ich dieser inneren Stimme Recht, kniff die Augen zusammen und sprang. Hart landeten meine Stiefel auf dem festgetretenen Boden und ich verlor das Gleichgewicht, schaffte es allerdings, nicht aufs Gesicht zu fallen.
Vor meinen Augen begann sich alles zu drehen, doch ich rappelte mich auf und schaffte es nach einigen Minuten, die mir wie eine Ewigkeit erschienen sogar, bis zu dem schrecklich stinkenden Fass zu kriechen und mich daran hochzuziehen. Nach diesem Kraftakt hätte ich mich am liebsten wieder auf den Boden gelegt und geschlafen, doch das war nun ganz und gar untragbar.
Also quälte ich mich weiter, lenkte meine Schritte zum Strand. Für Bewegungsabläufe, die sonst einige Sekunden dauerten, schien ich Stunden zu brauchen und immer wieder überrollte mich Verzweiflung. Es konnte nicht so einfach sein – irgend etwas war an dieser Sache falsch und je eher ich zum Strand gelangte, vielleicht auch noch ein Boot fand, mit dem ich fliehen konnte, desto besser. Ich traute dieser Angelegenheit nicht.
Als meine Stiefel endlich Abdrücke im weichen Sand hinterließen, rannen Tränen der Erleichterung über meine Wange. Gehetzt drehte ich mich um – und entdeckte das, worauf ich schon die ganze Zeit gewartet hatte.
Sparrow hatte meine Verfolgung aufgenommen und war nur noch einige Meter von mir entfernt. Verzweifelt lachte ich auf. Ich war der Rettung so nahe gewesen – so verdammt nah! Und nun kam dieser schwankende Bastard auf mich zu und machte mit einem Schlag alles zunichte. Ich heulte vor Enttäuschung auf, als er sich auf mich warf, mich mit sich zu Boden riss. Wut loderte in mir auf. Wenn er meinen Fluchtversuch schon vereitelt hatte, sollte er wenigstens dafür bezahlen!
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Der Pirat schien überrascht, als ich mich plötzlich mit aller Härte gegen ihn zu wehren begann, ja den Spieß nun beinahe umzudrehen begann, denn eigentlich war ich es, der den Piraten, der mich einfach nur festgehalten hatte, angriff. Meine zusammengebundenen Hände zu Fäusten geballt, ging ich auf Jack los, traf dessen Seite, sodass ihm nichts anderes übrig blieb, als sich zu verteidigen.
Zusammen rollten wir über den Strand, ineinander verkeilt, wie zwei raufende Kater, die, bevor sie sich geschlagen gaben, lieber sterben würden.
Ich wusste von Anfang an, dass ich keine Chance hatte. Ich konnte meine schmerzenden Hände nicht frei bewegen und war vollkommen geschwächt. Und doch hörte ich nicht auf, Jack weiter mit Hieben meines Ellenbogens zu traktieren, bis dieser sich schließlich auf mich setzte und meine Arme festhielt.
„Das ist aber nicht die feine, englische Art, Commdore.", keuchte er, bevor er sich zu mir hinabbeugte. Weiche Lippen trafen auf meine und ich schmeckte karibischen Rum, als er mich hart und verlangend küsste.
To be continued…
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