Title: What's left of me – Part 3 : Pech im Spiel…

Author: Megchen

Part: 3/4

Fandom: Pirates of the Caribbean

Pairing: Sparrington

Rating: PG-13, später im Kapitel R

Warning: Slash, hurt/comfort - irgendwie.

Genre: Drama/Romance

Summary: Das Schicksal hatte beschlossen, es mir auf ganz üblem Wege heimzuzahlen und mir dann die seltsamste Rettung in letzter Sekunde zu schicken, die es zu bieten hatte...

Danke an: Meine Beta Susi, die beste und schnellste Beta der Welt! huggles Huzzah!

A/N: Ich habe hier teilweise Texte aus Liedern entnommen, die mich beim Schreiben inspiriert haben, und zwar „Hounds of Winter" von Sting (Teil1), „What's left of me" von Nick Lachey und „No Bravery" von James Blunt (Teil3) – alles weitere folgt.

Ich werde jede Woche einen neuen Teil hochladen, da ich den Vierteiler schon beendet habe.

Disclaimer: Nix is mir.

Vielen Dank für eure lieben Reviews (wenigstens zwei liebe Leute lesen noch mit, wobei mazipaan es ja schon kennt )…

Viechle: Nee, das war schon Absicht mit dem Namen :) Der hörte sich toll an, deshalb hab ich ihn eben genommen. Stimmt, da fehlte ein o und ich hab es nicht mal bemerkt…Schande über mein Haupt…
Ähm… Ja, die ham da dramaturgisch nicht hingepasst…und die Spelunken da können ja auch nicht 24 Stunden am Tag offen haben, oder? ;) Dann werde ich euch mal auf meine Sexszene loslassen…oh my god…

mazi: Jaa, das war ja auch beabsichtigt :) Hier erfahrt ihr jetzt ja mal, was so in Jacks Köpfchen vorgeht…und ich find es sehr schön, dass du James zu mögen beginnst…der Kommentar war so klar lach

Und jetzt viel Spaß…

Teil3: Pech im Spiel…

Für einen Moment blieb die Zeit stehen. Ich fühlte die Lippen des Piraten auf meinen. Seine Fingerknöchel, die sich in meine Schultern bohrten. Seinen Atem, der meine Wange streifte und mir einen Schauer um den anderen über den Rücken gejagt hätte, wäre ich nicht so überrascht gewesen. Alles hatte ich erwartet, alles. Nur nicht das. Dabei hatte ich doch gelernt, dass man im Umgang mit Captain Jack Sparrow mit allem rechnen musste.

Selbst mit dem Schlimmsten. Wobei das, was er gerade mit mir tat, alles andere als schlimm war. Im Gegenteil…

Diese Zunge, die vorwitzig über meine Lippen fuhr und in meinen Mund zu gelangen wünschte. Die Barthaare, die an meiner Oberlippe kratzten. Sein Gewicht, das ich nun unangenehm zu spüren bekam, da er vollkommen auf mir lag. Diese fordernden Bewegungen, die er ganz unbewusst ausführte, die aber trotz allem klarmachten, wer hier das Sagen hatte. Sein Mund, der auf meinem lag und einen betörenden Geruch von Rum verströmte.

Jack war nun der Meinung, er habe gewonnen, er habe mir gezeigt, dass ich gegen seine ganz eigene

Art der Argumentation nicht ankam. Doch da hatte er sich getäuscht. Besitzergreifend hatte er seine Hände mittlerweile um meinen Nacken geschlungen, doch ich packte seine Handgelenke und ehe er es sich versah, hatte ich uns herumgerollt, sodass ich nun auf ihm saß, ihm mit einem triumphierenden Grinsen in die Augen sah.

Eine ganze Weile sah ich ihn einfach nur an. Studierte jede seiner Regungen, jeden Zentimeter seines Gesichts. War es tatsächlich so etwas wie Unsicherheit, das in seinen Augen aufflackerte? Doch das hätte er mir sicher niemals gegönnt. Ich merkte, wie er Luft holte und handelte instinktiv.

Schnell beugte ich mich zu ihm herunter und ein weiteres Mal trafen meine Lippen auf seine. Fordernd, verlangend. Doch diesmal war ich es, der Sparrow bezwang, der nicht um Zärtlichkeiten bettelte, sondern sie sich einfach nahm. Ich kannte mich selbst nicht mehr.

Commodore James Norrington, ein Mann, der niemals die Fassung verlor, der niemals irgend etwas Unkorrektes tat, dessen höchstes Ziel es war, seine Pflicht zu erfüllen, lag hier am Strand von Tortuga und küsste Captain Jack Sparrow, als ob es das letzte sei, was er tun würde.

Natürlich wollte ich dem Piraten zurückgeben, was er mir verpasst hatte. Ich wollte ihm zeigen, dass ich durchaus in der Lage war, ihn mit seinen eigenen Waffen zu schlagen. Ich wollte, dass Captain Jack Sparrow wenigstens ein einziges Mal in seinem Leben zu ungläubigem Schweigen verurteilt war.

Dies hätte mein Verstand auch noch billigend in Kauf genommen. Doch was er nicht begreifen konnte, was ich nicht begreifen konnte, war, dass ich mich danach gesehnt hatte.

Dass ich nun endlich das bekam, was mir schon so lange zustand. Ich bekam, was ich wollte. Und ich fühlte. Endlich, endlich fühlte ich wieder etwas. Neugierde, Zärtlichkeit, aber auch Lust und Verlangen. Ich war nicht tot, ich war keine leblose Hülle mehr, denn ich fühlte. Dabei war es vollkommen egal, was ich fühlte.

Erst als mir langsam die Luft ausging, ließ ich wieder von ihm ab. Mit zitternden Knien kroch ich von ihm weg und versuchte aufzustehen, was allerdings nur dazu führte, dass ich mit einem Plumpsen wieder in den Sand fiel und mein Mund, auf den ich gefallen war, zu schmerzen begann. Leise fluchte ich vor mich hin, als ich auf zwei Stiefel aufmerksam wurde, die neben mir auf dem Sand standen.

Offenbar hatte Sparrow sich recht schnell von seinem Schock erholt.

„Aufstehen."

Ich war mir nicht sicher, in welcher Stimmung er sich gerade befand, aber ich war ganz und gar nicht zu Scherzen aufgelegt. Als ich etwas erwidern wollte, wurde ich auch schon unsanft in die Höhe gezogen. Energisch schleifte der Pirat mich nun hinter sich her. Er brachte mich wieder dahin zurück, wo wir hergekommen waren. Doch selbst um zu protestieren, fühlte ich mich zu schwach. Von einem Moment zum anderen war all die Anspannung von mir abgefallen. Das Adrenalin, das mir während meines Fluchtversuches so geholfen hatte, war wohl aufgebraucht.

Zurück blieb bleierne Müdigkeit. Ich hatte versagt. Der Fluchtversuch war gescheitert. Nachdem er mich wieder auf die Pritsche gehievt hatte, sah ich Sparrow unentwegt an, versuchte herauszufinden, was mich dazu getrieben haben könnte, auch nur daran zu denken, ihn zu küssen. Hatte ich gedacht, so freizukommen?

Dass dieser Plan nicht funktioniert hatte, wurde mir spätestens klar, als der Pirat sich umdrehte, aus dem Raum ging und wenig später der Schlüssel im Schloss knirschend umgedreht wurde. Als er mich allein ließ, mich einschloss. Seufzend machte ich mich daran, eine halbwegs bequeme Schlafposition zu finden. Wieder war ich alleine mit meinen Gedanken. Dass mich Dunkelheit einhüllte, machte es diesmal auch nicht leichter.

Ich schloss die Augen und versuchte zu schlafen, doch das, was mein geschundener Körper so dringend brauchte, wollte mein Geist ihm nicht geben. Sparrow. War das wirklich ein Fluchtversuch gewesen? Anfangs schon. Doch was war in mich gefahren, als er sich auf mich geworfen hatte, um mich aufzuhalten? Warum hatte er die Tür offen gelassen? All diese Fragen, die auf mich einstürmten und die ich doch nicht beantworten konnte.

Vorsichtig fuhr meine Zunge über meine Lippen, die sich jetzt wieder rau und ausgetrocknet anfühlten. Es war eine Weile her, dass Wasser sie benetzt hatte. Haftete Sparrows ganz eigener Geschmack noch an ihnen? Diese Mischung aus Rum und dem Geruch nach Meerwasser, nach Abenteuer, der ihm anhaftete. Ja, ich war wütend gewesen, dass dieser Mann, dem ich Gnade gewährt hatte, es mir nun damit dankte, dass er mich entführte und einsperrte. Doch dann war dieser verzweifelte Wunsch in mir aufgekommen, ihm zu danken.

Hier, in diesem nicht gerade wohlriechenden Hinterzimmer, auf der nach Rattenmist stinkenden Pritsche, deren Geruch ich langsam anzunehmen begann, lag ich nun und grübelte. Mir wurde klar, dass nicht Sparrow mich zu einem Gefangenen gemacht hatte – ich hatte mich selbst schon vor einiger Zeit dazu gemacht. Ich allein hatte es zu verantworten, dass ich schon lange nicht mehr lebte. Ich hatte mich zu einem Geist meiner selbst gemacht.

Warum war es ausgerechnet Captain Jack Sparrow gelungen, mich aus meiner selbst gewählten Lethargie zu reißen; mich wieder in die Realität zurückzuholen?

Weil er so anders war, als all die Menschen, die ich bisher getroffen hatte? Weil er vollkommen verrückt war und das auch nicht versteckte? Weil er etwas Verruchtes und Geheimnisvolles an sich hatte? Weil er einfach nur faszinierend war? Ich wusste es nicht.

Was Elizabeth wohl gerade tat? Es war seltsam – seit meiner Entführung hatte ich keinen einzigen Gedanken an sie verschwendet. Endlich erging es mir einmal genauso wie ihr. Während der sarkastisch werdende Teil meiner Gedanken beschloss, dass Will Turner einfach zu interessant war, sodass man an nichts anderes mehr denken konnte, beschwichtigte der Teil von mir, der Elizabeth immer noch auf eine gewisse Art liebte ihn mit der Wahrheit. Schließlich hatte sie mich nicht vergessen, sie sah mich immer noch als den guten Freund, zu dem sie vollstes Vertrauen hatte, als den Freund, den sie seit ihrer frühesten Kindheit in mir gesehen hatte.

Und so begann ich wieder, etwas Gutes in meiner Entführung zu sehen: Sparrow hatte mir die perfekte Entschuldigung für meine Abwesenheit am Hochzeitstag der Turners geliefert. Ich erstickte ein Lachen, indem ich mein Gesicht in den Stoff der Decke presste, die die Pritsche bedeckte.

Dies sorgte allerdings für einen Niesanfall, da mich die Halme an der Nase kitzelten. Nachdem ich mich wieder beruhigt hatte, versuchte ich eine Position zu finden, in der ich vielleicht würde schlafen können. Und schon während ich das dachte, driftete ich in den tiefen Schlaf eines vollkommen erschöpften Mannes hinüber.

°°°°

Was war nur in mich gefahren? Ich wusste nicht mehr, wie oft mir meine Mannschaft genau diese Frage gestellt hatte. Definitiv zu oft. Ich hatte sie kein einziges Mal beantwortet und es war doch kein Streit deshalb ausgebrochen. Was war ich doch für ein Teufelskerl!

Grinsend lehnte ich auf einer Bank im Schankraum der billigen Taverne in Tortuga, in der ich mich gerade befand. Gut, ich musste zugeben, dass Gibbs' Einfluss auf die Mannschaft wohl auch seinen Teil dazu beigetragen hatte, sonst wäre ich wohl bald erneut das Opfer einer Meuterei geworden. Und all das nur wegen ihm. Was hatte ich selbst noch vor einigen Wochen dem Welpen gesagt? „Nicht jeder Schatz ist aus Silber und Gold…"

Mir war von Anfang an klar gewesen, dass ich diesen aufgeblasenen Commodore der Royal Navy haben musste. Diesen Mann, der immer so verkrampft wirkte, als habe er einen Stock verschluckt. Der immer alles richtig machen musste. Der ganz offensichtlich keinen Spaß an seinem Leben hatte, aber trotzdem nichts daran änderte. Ich hatte ihm etwas Spaß verschaffen wollen, ich hatte ihn schockieren wollen, um selbst Spaß zu haben. Ich liebte es, Leute, die der Meinung waren, zu jeder Zeit alles unter Kontrolle zu haben, aus der Fassung zu bringen. Bei der Erinnerung an meine bereits verübten Schandtaten erschien wieder ein fast selbstgefälliges Grinsen auf meinem Gesicht.

Allerdings hatte sich die Situation nun in jeder Hinsicht zugespitzt. Je länger ich darüber nachdachte, wie ich ihn bekommen konnte, desto schwieriger erschien es mir, das in die Tat umzusetzen. Doch ich wäre nicht Captain Jack Sparrow, wenn mir nicht der perfekte Plan in den Sinn gekommen wäre. Meine gesamte Crew hatte mich für verrückt erklärt; nur Gibbs hatte mir vertraut. Nur zu zweit hatten wir uns unerkannt in Port Royal eingeschlichen und die Schlägerei, die ich in der Spelunke angezettelt hatte, diente einzig und allein dem Zweck, mich dem Objekt meiner Begierde näher zu bringen. Wenn ich darüber nachdachte, machte es mich etwas stutzig, dass Gibbs dem allem zugestimmt hatte und mich auch weiterhin verteidigte. Was versprach er sich davon?

Denn dass kein Mensch irgendetwas vollkommen selbstlos tat, war jedem klar. Solche Individuen existierten nur in den verqueren Vorstellungen einiger Staatsmänner, wie zum Beispiel in denen Governor Swanns.

Was Gibbs nun genau dazu bewegte, mir zu helfen, war letzten Endes auch vollkommen egal – er hatte mir geholfen, meinem Ziel näher zu kommen. Und im Moment steuerte ich direkt darauf zu. Ich musste nur den Kurs beibehalten und würde vermutlich schon in wenigen Tagen, vielleicht auch schon in ein paar Stunden zugreifen können. Genau genommen war er mir ja sogar schon entgegengekommen. Er hatte den Köder geschluckt und würde nun nicht mehr von mir loskommen.

Norrington hatte es doch tatsächlich geschafft, mich zu überraschen. Nie hätte ich gedacht, dass er bereits nach einem Kuss die Kontrolle verlieren würde. Aber dann hatte er mich geküsst, hatte mich bezwingen wollen und wusste dabei gar nicht, dass er genau damit kapituliert hatte.

Abwesend betastete ich meine Lippen. Verzweifelte, zornige Commodores, die lange im Wasser gelegen hatten, schmeckten interessant. Zu was ich ihn wohl noch alles bringen konnte?

Oh, wie sehr ich mich auf die nächsten Tage freute…

°°°°

Ich wachte auf, als mir die Sonne unangenehm ins Gesicht schien. Ich blinzelte und wusste einen Moment lang nicht, wo ich mich befand. Das Stroh, das sogar durch den Stoff meines Hemdes hindurch spürbar war, erinnerte mich jedoch sehr schnell daran, dass ich schon wieder in dem kleinen Hinterzimmer der Bloody Rose lag, wohin Sparrow mich zurückgebracht hatte.

Sparrow. Jack, den ich vor wenigen Stunden einfach geküsst hatte. Jemanden, den ich geküsst hatte, konnte ich doch nicht mehr nur mit seinem Nachnamen betiteln! Über mich selbst schmunzelnd, schwang ich meine Beine von der Pritsche und zuckte zusammen, als sich jemand an der Tür zu schaffen machte. Wütend über mich selbst – seit wann war ich so schreckhaft?! – streckte ich meine Beine etwas aus und wartete, bis die Person die Tür öffnete und hereinkam.

Zu meinem Erstaunen lächelte Gibbs mich an. „Guten Morgen, Mister Norrington. Ich hoffe, Sie haben nicht allzu schlecht geschlafen." Mein Blick folgte ihm, als er die Tür wieder verriegelte und dann zu mir trat, um einen Teller, auf dem ein paar Scheiben Brot und einige Stücke Käse lagen, auf der Pritsche abzustellen. „Nun essen Sie schon!", forderte er mich ungeduldig klingend auf. „Sie haben heute Nacht immerhin viel durchgemacht."

Ich hatte mir von dem Brot und auch etwas Käse genommen und biss nun zögerlich ab, behielt Gibbs im Auge. Was wollte dieser mit seiner Bemerkung bezwecken? Wollte er überhaupt etwas bezwecken oder war er einfach nur freundlich zu mir? Ich wollte ihn so vieles fragen : Wie aus ihm ein verachtenswerter Pirat hatte werden können und wie er dann ausgerechnet an Captain Jack Sparrow geraten war; den Mann, den ich um alles in der Welt hinter Gitter hatte bringen wollen. Doch zunächst einmal begnügte ich mich damit, zu essen und auch etliche Schlucke aus dem bis zum Rand gefüllten Wasserkrug, den er mitgebracht hatte, zu nehmen.

Nachdem ich ihm meinen leeren Teller in die Hand gedrückt hatte, räusperte ich mich. „Also…", begann ich, doch eine wirsche Geste seitens Gibbs unterbrach mich. „Jetzt ist nicht die Zeit für Fragen, deren Antworten Sie noch früh genug herausfinden werden, Mister Norrington." Damit verschwand er mitsamt meinem Teller, ließ mich mit den Fragen, die mir doch so dringend auf der Seele brannten, alleine. Nach einer Ewigkeit, wie es mir schien, kam er wieder und als ich sah, dass er ein dunkel gefärbtes Tuch und ein paar grobe Stricke dabeihatte, seufzte ich leise und fügte mich in mein Schicksal.

Ich fühlte mich seltsam hilflos, als er mich ein weiteres Mal über seine breite Schulter warf und mich, ohne etwas zu sagen, aus dem Raum trug. Ich wusste nicht, wohin es diesmal gehen sollte, ich konnte nichts sehen, ich musste mich allein auf mein Gehör verlassen. Beinahe hatte ich mich schon an dieses an sich schreckliche Gefühl der Hilflosigkeit gewöhnt.

Diesmal war es eine weitere Strecke, die er hinter sich bringen musste. Ich hörte Wasser rauschen – wir mussten abermals am Strand angekommen sein. Doch hier endete diese seltsame Reise nicht etwa – sie begann gerade erst. Ich hörte ihn rudern, während ich am Boden des Bootes lag, raues Holz an meinem Gesicht spürte. Und als das Boot stoppte, dabei auf den Wellen schaukelte und viele Stimmen begannen, durcheinander zu rufen, wusste ich, wohin er mich gebracht hatte.

Zur Black Pearl.

Was hatte ich denn anderes erwartet? Schließlich war ich immer noch Captain Jack Sparrows Gefangener. Meine Stiefel schleiften plötzlich über den Holzboden des Decks, als Gibbs mich nicht länger mit sich herumtragen wollte.

So sehr ich mich auch anstrengte, ich konnte nirgends das vertraute Genuschel des Captains der Pearl hören. Dafür vernahm ich deutlich, wie die Tür einer Kajüte zugeschlagen wurde, bevor er mich diesmal auf einem weichen Bett absetzte. Ich wartete darauf, dass mir Fesseln und Augenbinde abgenommen werden würden, doch nichts passierte. Kurz darauf hörte ich die Tür wieder ins Schloss schlagen. Mit einem resignierten Seufzen ließ ich mich diesmal auf das Bett zurücksinken. Anscheinend wollten sie es mir doch nicht ganz so bequem machen.

°°°°

Als jemand sich an meiner Augenbinde zu schaffen machte, schreckte ich aus tiefem Schlaf hoch. Was ich während der letzten Nacht nicht an Schlaf hatte bekommen können, hatte ich nun ganz sicher nachgeholt. Auch die Kopfschmerzen, die mich seit den ersten Stunden meiner Entführung begleitet und gepeinigt hatten, waren verschwunden. Ich fühlte mich fast schon gut, als ich in Jack Sparrows Gesicht sah. Der Pirat hatte sich über mich gebeugt und sah mich nun ungewohnt ernst an.

„Willkommen an Bord der Black Pearl, Commodore. Es tut mir leid, wenn ich Ihnen die Augenbinde jetzt erst abnehme, aber das waren reine Sicherheitsmaßnahmen. Immerhin sind Sie immer noch mein Gefangener und sollen somit nicht noch eine Möglichkeit zur Flucht bekommen."

Das war zuviel für mich. „Tu doch nicht so, als ob mein Fluchtversuch ein Versehen gewesen sei! Ich weiß zwar immer noch nicht, was du damit bezwecken wolltest, aber das war keinesfalls ein Zufall!"

Doch Jack grinste nur und schien meinen entrüsteten Tonfall vollkommen zu ignorieren. „Ich mache dir einen Vorschlag, Jamie. Du bekommst nun erst einmal etwas zu Essen und ich erkläre dir dabei deine Chance, diesem Alptraum hier zu entkommen. Klar soweit?!"

Ich nickte nur und während er mich schließlich auch von den Stricken, die immer noch um meine Hände geschlungen waren, befreite, fragte ich mich, was das nun wieder sollte. Ich sah die Zeit, die ich bis jetzt mit dem Piraten verbracht hatte, ganz sicher nicht als „Alptraum" an, aber das würde ich ihm ganz sicher nicht sagen. Um gar nicht erst in Versuchung zu kommen, ihm meine Gedanken deutlich auf meinem Gesicht zu präsentieren, wollte ich nach dem Löffel greifen, um den Eintopf zu essen, den er mir mitgebracht hatte. Doch auf halbem Weg ergriffen seine Finger die meinen und begannen, langsam, fast zärtlich darüber zu streicheln.

Unsere Blicke trafen sich. So schnell wie möglich riss ich mich vom Anblick seiner braunen Hundeaugen los. Denn was ich darin sah, behagte mir ganz und gar nicht. Ich hatte Angst, er könne in meinen Augen dasselbe sehen. Also richtete ich meinen Blick konzentriert auf den Eintopf und hörte mir an, was er mir vorzuschlagen hatte.

„Also Jamie…da wir uns bereits wieder auf hoher See befinden und nicht sonderlich viel zu tun ist, sitzt der Rest der Mannschaft gerade bei einem äußerst amüsanten Spiel beisammen. Die feinen Herrschaften bei der Royal Navy denken sicher, wir kippen den guten Rum einfach so in uns hinein – da habt ihr aber falsch gedacht. Wir wollen ja auch noch etwas zusätzlichen Spaß dabei haben…"

Er grinste mich an und fuhr dann fort: „Also, Jamie, folgendes: Ich biete dir hiermit, die Chance, diese Entführung frühzeitig selbst zu beenden."

Ein äußerst ungläubiger Blick meinerseits traf ihn, was ihn, wie von mir vorausgesehen, nicht im Geringsten störte. „Es geht darum, Fragen zu beantworten, die von jedem aus der Crew gestellt werden können. Wer eine Frage falsch beantwortet oder sie nicht beantworten kann, kommt in den Genuss von etwas…manchmal auch mehr als nur etwas karibischem Rum. Und genau da liegt deine Chance, Jamie. Wenn du es schaffst, von diesen sieben Fragen, die dir gestellt werden, nur eine falsch zu beantworten, schenke ich dir die Freiheit. Was sagst du dazu?"

Für einen Moment war ich sprachlos. „Wo liegt daran der Haken?", fragte ich dann wie aus der Pistole geschossen, worauf ein noch breiteres Grinsen auf seinem Gesicht erschien. „Das werdet Ihr dann schon merken, Commdore." Eine rußverschmierte Hand streckte sich mir entgegen.

„Einverstanden?"

Ich schlug ein – was blieb mir anderes übrig? Und doch wusste ich damals noch nicht, dass diese simple Geste eine Reihe von sehr ungewöhnlichen Ereignissen mit sich ziehen würde.

°°°°

Das Dutzend Menschen, das um mehrere Rumflaschen im Kreis auf Deck saß, sah in erster Linie ungewaschen und skrupellos aus. Genau so, wie Piraten eben auszusehen hatten.

Jetzt fragte ich mich, zum ersten Mal in meinem Leben, was diese Menschen wohl dazu getrieben hatte, sich auf die Piraterie einzulassen. Ich hatte immer gedacht, es sei eine einfache Art, Geld zu verdienen, aber nachdem ich gesehen hatte, welchen Widrigkeiten diese Menschen tagtäglich ausgesetzt waren, konnte das ganz sicher keine Erklärung sein.

Ich bemerkte, dass Jack mich betrachtete und sah von der geöffneten Tür seiner Kabine wieder zu ihm. "Jetzt...gleich?", fragte ich unsicher.

"Natürlich jetzt gleich...was dachtest du denn?"

°°°°

Noch vor einigen Minuten hatte ich mich in Sicherheit gewiegt, hatte gedacht, dass Jack Sparrow doch kein so übler Kerl war. Doch ich hatte wohl vergessen, was ich in meinem Leben über Piraten gelernt hatte. Man durfte keinem von ihnen trauen. Und nun zahlte ich den Preis für meine Unvorsichtigkeit.

Die Männer, die um die Rumflaschen im Kreis saßen, johlten auf, als sie mich sahen. Dieses Schauspiel war ganz nach ihrem Geschmack und sie wussten, was ihr Captain vorhatte. Genau wie ich. Ich wusste es; hätte es schon wissen müssen, bevor ich mich bereiterklärt hatte, dieses Spiel mitzuspielen.

Wie einfach ich es mir vorgestellt hatte: Auch wenn dies ganz und gar nicht meine Welt war, würde ich doch die Fragen, die jeder aus der Crew, mir stellen würde, beantworten können – in der Seefahrt kannte ich mich schließlich mindestens genauso gut aus wie ihr Captain. Mit der Schläue und der Gerissenheit desselben hatte ich allerdings wieder einmal nicht gerechnet.

Natürlich würde er mich nicht so einfach gehen lassen. Deshalb hatte er mir ja auch diesen stinkenden Stofflappen in den Mund gestopft. Wenn ich die Möglichkeit gehabt hätte, hätte ich ihn in diesem Moment mit eigenen Händen erwürgt, aber nicht einmal das konnte ich, da meine Hände erneut mit grobem Strick zusammengebunden waren. So würde ich keine einzige Frage richtig beantworten können, da ich nicht antworten konnte. Genau das war sein Plan gewesen. Jack hatte niemals vorgehabt, mich gehen zu lassen.

Die dreckigen Gestalten rund um die Rumflaschen lachten, als Jack mich mit einer übertrieben höflichen Geste aufforderte, Platz zu nehmen und mich dann daran hinderte, gleich wieder die Flucht zu ergreifen.

„Versprechen muss man halten. Ich dachte, das bringt man euch bei der Royal Navy auch bei, aber da habe ich mich wohl getäuscht." Ich hatte diesen Piraten noch nie so gehasst, wie in diesem Augenblick. Alle hatten gewusst, dass er seine miesen Spielchen mit mir spielen würde, alle. Und ich war auch noch darauf hereingefallen. Ich war wütend auf ihn, weil er mich so bloßstellte, doch noch wütender war ich auf mich selbst, weil mich, was er tat, so schmerzte.

Ohne irgendeinen Kommentar begannen sie mit dem Spiel und schnell wurde mir klar, dass es sie unglaublich erheitern würde, einen Commodore der Royal Navy so betrunken zu machen, dass er sich nicht mehr auf den Beinen halten konnte.

So viel Rum hatte ich in meinem ganzen Leben noch nicht getrunken. Nach jeder Frage, die sie mir stellten, vergingen einige Minuten, in denen sie mir den Knebel entfernten und mir fast eine ganze Flasche dieses Teufelszeugs in den Rachen schütteten. Danach wurde der Lappen wieder nicht gerade sanft in meinen Mund gestopft. Mit der Zeit schien der Rum immer besser zu schmecken; auch die Mitspieler sahen nicht mehr so unsympathisch aus, besonders nicht Jack, der die ganze Zeit über neben mir saß. Wann hatte er eigentlich seinen Arm um meine Schulter gelegt?

Dieser Arm fühlte sich nach noch einer Flasche Rum so vertraut an, dass ich mich ohne diese Geste schutzlos und allein gefühlt hätte. Warum hatte ich nicht bei diesem Spiel mitmachen wollen? Ich konnte mich nicht mehr erinnern. Ich konnte mich auch nicht erinnern, mich in letzter Zeit so geborgen gefühlt zu haben. Mein Kopf glühte unter dem Einfluss des Rums, aber das machte mir nichts aus. Jack war da, das war alles, was zählte. Seine Schulter und seine Arme hinderten mich daran, umzufallen, was sehr tröstlich war. Auch als er mir nach einiger Zeit den Knebel ganz aus dem Mund genommen hatte, brachte ich keinen vollständigen Satz mehr über die Lippen.

Nicht einmal das wissende Grinsen der anderen bemerkte ich, als mein Kopf zu schwer wurde und ich ihn in Jacks Schoß sinken ließ, während ich die Augen schloss. Schwarze Haare kitzelten mein Gesicht, als die raue Stimme des Piraten in mein Ohr drang und sein rumgetränkter Atem mein Gesicht streifte: „Was hältst du davon, dich in meiner Kabine etwas hinzulegen, Jamie?"

Mein zustimmendes Gemurmel brachte ihn dazu, mir beim Aufstehen zu helfen. Einer seiner Arme schlang sich um meine Hüfte, stützte mich, sodass wir nicht beide umkippten, während wir zu Jacks Kabine torkelten. Ja, nun hatte ich genau den torkelnden Gang, an dem man Jack schon von weitem erkennen konnte. Nicht einmal das Zuschlagen der Kabinentür erschien mir so laut wie sonst, aber immerhin hinderte es mich daran, sofort einzuschlafen, als Jack mir half, es mir auf seinem Bett bequem zu machen.

Energisch streifte er mir die Stiefel von den Füßen, die wenig später zu Boden polterten. Als seine Hand an meinem Bein entlang fuhr, sah ich ihm erstaunt in die Augen. Er lächelte mich an.

„Mir ist unglaublich heiß…", lallte ich mit schwerer Zunge.

„Das ist doch kein Problem, Jamie…"

Ungläubig und leicht verwirrt sah ich ihn an. Hatte er jemals mit so sanfter Stimme gesprochen? Hatte er mich jemals mit diesem seltsamen Glitzern in den Augen angesehen, das gleichzeitig amüsiert und gefährlich wirkte? Was hatte er vor?

Eigentlich konnte ich mir diese Frage nach einigen Minuten selbst beantworten; kämpfte mit der Frage, warum sich seine Finger an meinem Kinn, auf der Haut meines Halses so unsagbar gut anfühlten…

Meine beachtliche Rumfahne hätte jeden anderen Menschen davon abgehalten, auch nur in die Nähe meines Mundes zu kommen, doch wieder spürte ich seine Lippen, die sich auf meine legten, seine Zunge, die zärtlich, einfühlsam über meine Unterlippe strich und um Einlass bettelte.

Den ich ihr nur zu gern gewährte. Ich öffnete den Mund und war Sekunden später so verzückt, dass ich nichts um mich herum mehr wahrnahm. Nichts, außer Jack. Keuchend löste ich mich wieder von ihm, allerdings nur, um meine Hand in seinen Haaren zu vergraben und ihn wieder zu mir nach unten zu ziehen. Während ich ihn noch fast verzweifelt küsste, machten sich seine Finger daran, die Knöpfe meines Hemdes zu öffnen, wobei er rußige Flecken auf dem Stoff hinterließ.

Keuchend wand ich mich unter ihm, als er mein Hemd ganz geöffnet hatte und es mir von den Schultern strich. Es fiel nicht ganz zu Boden, da meine Hände immer noch gefesselt waren und er keinerlei Anstalten machte, das zu ändern.

Ich war ihm vollkommen ausgeliefert. Dieser Gedanke schickte eine Welle der Erregung durch meinen Körper und ich stöhnte leise, als ich seine Lippen an meinem Hals spürte. Sanft saugte er an meiner Haut, knabberte hier und da neckisch an mir. Er wusste ganz genau, an welchen Fäden er ziehen musste, welche Stellen meines Körpers er reizen musste, um mich ganz und gar willenlos zu machen.

Langsam eroberte er jeden Zentimeter meines Körpers mit seinen Händen und setzte auch seine Zunge sehr geschickt ein. Es dauerte nicht mehr lange, bis ich mich unruhig unter ihm wand, mir wünschte, er würde mich endlich aus meiner Hose befreien, er würde endlich etwas zu meiner Erlösung beitragen, statt mich zu quälen.

Doch das Grinsen, das auf seinem Gesicht zu sehen war, als ich schließlich vollkommen entblößt vor ihm lag, verhieß nichts Gutes. Nicht nur mein Körper, auch meine Seele lagen nun durch nichts mehr verdeckt vor ihm. Er hätte mich in diesem Moment zerstören; hätte mich der Lächerlichkeit preisgeben können. Jack hätte einfach aufstehen und gehen können, während ich in seinem Bett lag und mich nach ihm verzehrte – doch er tat es nicht.

So unglaublich es mir erschien, aber genauso, wie ich ihn wollte, wollte er mich. Ich wusste nicht, was genau dies ausgelöst hatte und es war mir im Moment auch vollkommen egal, was für Folgen das nach sich ziehen würde. Ich brauchte seine Berührungen, seine Zärtlichkeiten so sehr, dass es schmerzte. Nachdem er mich eine Weile einfach nur angesehen hatte, begann er nun, sich seiner Kleider zu entledigen.

Ich ließ meinen Blick bewundernd über seinen nackten Oberköper schweifen, registrierte beiläufig die zahlreichen Tätowierungen und die ebenso zahlreichen Narben. Zum zweiten Mal konnte ich einen Blick auf das eingebrannte ‚P' auf seinem Arm werfen, das ihn bis ans Ende seines Lebens als Pirat brandmarken würde. Welches Mitglied der East India Trading Company ihm das wohl angetan hatte? Es musste äußerst schmerzhaft gewesen sein…

Doch bevor meine Gedanken vollkommen abdriften konnten, hatte er sich seiner restlichen Kleidung entledigt und meine Aufmerksamkeit wurde auf andere Dinge gelenkt. Als er wieder zum Bett kam und sich vor mich kniete, überschüttete ich ihn mit leidenschaftlichen Küssen, die er mit einer Wildheit erwiderte, die mich aufstöhnen ließ. Warum wusste ich erst, als ich es bekam, was ich die ganze Zeit über vermisst hatte? Ich begann jetzt ebenfalls, seinen Körper mit heißen Küssen zu liebkosen, sah entzückt auf die roten Male, die meine Lippen hinterließen, wenn ich an seiner gebräunten Haut saugte; die all die Schritte aufzeichneten, die ich zu weit ging. Was mich nicht daran hinderte, immer weiter und weiter zu gehen.

Bestimmend drehte er mich um, half mir, mich zumindest so weit aufzurichten, dass ich auf allen Vieren auf dem Bett kniete.

„Willst…willst du mir nicht die Fesseln abnehmen…?", brachte ich mühsam hervor.

„Nein, das werde ich nicht tun.", meinte er nur und tauchte plötzlich wieder in meinem Gesichtsfeld auf, nahm meine Hände in seine. Ein unangenehmes Kribbeln fuhr durch meine Finger, als er begann sie, zu massieren. An seinem Gesichtsausdruck konnte ich erkennen, dass er genau wusste, dass mir das unangenehm war. Warum löste er nicht einfach meine Fesseln? Was sollte das?

„Sei doch nicht so ungeduldig…", flüsterte er mir ins Ohr und glitt jetzt auf das Bett, saß neben mir und begann, seine wohltuende Massage auf meinen Nacken und schließlich meine Schultern auszudehnen. Meine Finger krallten sich in die Bettdecke, als seine Hand zwischen meinen Beinen ankam; als er seine Massage dort fortsetzte. Ein lauteres Stöhnen entwich mir.

Ich wusste nicht einmal mehr, wo ich mich befand. Seine Finger auf meiner Haut, sein Atem, der meinen Rücken entlang strich, sein schwarzes langes Haar, das mich kitzelte, seine Erregung, die ich deutlich spürte, als er sich hinter mich kniete – all das ließ mich nicht nur vergessen, wo ich war, sondern auch, wer ich war. All meine Pläne, meine Wut, ja, mein ganzes Selbst waren nicht mehr wichtig.

Cause I want you,
And I feel you,
Crawling underneath my skin
Like a hunger,
Like a burning,
To find a place I've never been
Now I'm broken,
And I'm faded,
I'm half the man I thought I would be:
But you can have what's left of me

Ein enttäuschter Seufzer entwich mir, als er sich plötzlich von mir entfernte, doch dann hörte ich Glas klirren und sah, wie er eine Glasphiole, in der Öl im Schein der Kerzen glitzerte, wieder auf ein Tischchen zurückstellte. Ich fragte mich, wo er es herhatte. Jack musste einen reichen Kaufmann ausgeraubt haben, denn Glas war sehr teuer.

Auch wenn ich zusammenzuckte, als einer seiner Finger in mich glitt, jauchzte etwas in mir zur gleichen Zeit entzückt auf. Ja, genau das war es, was ich mir so sehr gewünscht hatte, nach dem ich mich gesehnt hatte. Endlich, endlich bekam ich es. Dem Finger folgten ein zweiter und ein dritter und ich keuchte, ließ es über mich ergehen, hoffte, er würde endlich weitermachen und fürchtete es zur selben Zeit.

Seine Hände umschlossen meine Erregung und gleichzeitig begann er nun in mich einzudringen. Da alles, was ich jemals zusammen mit Jack erlebt hatte, ungewöhnlich war, durfte ich natürlich auch diesen Moment mit ihm erleben. Ich zitterte am ganzen Körper, doch er beugte sich über mich, küsste mich sanft auf die Schläfe, seine Lippen, die hauchzart über meine Haut glitten, machten mir klar, dass ich keine Angst zu haben brauchte. Der Schmerz würde vergehen.

Und er verging. Er wurde abgelöst von unglaublich schönen, elektrisierenden Empfindungen, die mich bald vollkommen einhüllten, mich in ihre eigene Sphäre zu ziehen schienen. Und ich folgte nur zu gern. Eine köstliche Mischung aus Lust und Schmerz erfüllte mich und ließ mich aufstöhnen. Während die Stricke, die um meine Hände geschlungen waren, meine Haut aufzuschürfen begannen, schlossen Jacks Hände sich um meine Erregung, reizten mich, schienen mich zu foppen, mir die Erlösung vorenthalten zu wollen. Doch gleichzeitig traf er mit jedem Stoß einen Punkt in mir, der mich glauben ließ, ich würde verbrennen.

Sollte ich jetzt sterben, würde es mir nichts ausmachen.', schoss es mir durch den Kopf.

It's falling faster,
Barely breathing,
Give me something,
To believe in
Tell me: It's not all in my head

Take what's left
Of this man
Make me whole
Once again

°°°°

Die Stille, die in der Kapitänskajüte herrschte, war vollkommen. Alles, was ich hörte, war sein sich langsam wieder beruhigender Herzschlag und sein Atem, der mir in gleichmäßigen Abständen sanft ins Gesicht blies. Ich hatte die Augen geschlossen, genoss es, in dieser zufriedenen Stimmung zu verharren, mir nur ein paar Minuten lang keine Sorgen machen zu müssen. Es tat gut, hier in Jacks Armen zu liegen, den Kopf auf seine Brust gebettet. Er hatte einen Arm locker um meine Hüfte geschlungen und als ich nun die Augen öffnete und meinen Kopf leicht drehte, sah ich, dass er mich nachdenklich ansah.

„Warum hast du das getan, Jamie?" Er hatte selten so ernst geklungen.

„Weil ich meine Fesseln loswerden wollte." Ich lachte leise, als er mich skeptisch ansah. „Weil es richtig war. Weil ich es wollte."

„Sagst du das, weil du denkst, dass es das ist, was ich hören möchte? Sagst du es, um mich milde zu stimmen? Sagst du es, damit ich dich freilasse?"

„Nein."

Schweigen. Doch es war ein sehr angenehmes Schweigen, das zwischen uns herrschte. Das erste Mal nach unseren zahlreichen Begegnungen sagte niemand etwas, das die Stimmung zerstört hätte. Zärtlich fuhren meine Fingerspitzen über seinen rechten Arm, tasteten sich voran, bis sie auf eine leichte Vertiefung stießen. Das eingebrannte P. Pirat.

„Wer hat dir das angetan?", fragte ich leise und erwartete, keine Antwort zu bekommen. Jack sprach nur, worüber er sprechen wollte. Nie zu viel preisgeben, hieß die Parole.

Aus diesem Grund blieb mir auch fast der Mund offen stehen, als Jack plötzlich mit leiser Stimme zu erzählen begann. So erschüttert hatte ich den Piraten nie zuvor gesehen.

Houses burnt beyond repair.
The smell of death is in the air.
A woman weeping in despair says
He has been here.

And I see no bravery
No bravery in your eyes anymore.
Only sadness.

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„Der Mann, der mich so hat brandmarken lassen, war Cutler Beckett. Jetzt müsste man wohl Lord Cutler Beckett sagen, um der Richtigkeit genüge zu tun. Weißt du…", er sah mich an.

„Weißt du…ich war früher einmal ein ehrenwerter Mann…ja, vielleicht erscheint dir das jetzt nicht glaubhaft, aber auch ich habe eine Vergangenheit und diese war deiner Vergangenheit gar nicht so unähnlich, James."

Es war das erste Mal, dass er mich James nannte und ein Lächeln erschien auf meinem Gesicht, wobei ich dann sogleich wieder ernst wurde.

„Ich weiß nicht, ob du genauso fallen wirst, wie ich damals fiel…ich wünsche es niemandem, nicht einmal meinen ärgsten Feinden – zu denen du ja jetzt auf keinen Fall mehr zählen kannst."

Ich war froh, als sein mir so bekanntes Grinsen wieder erstrahlte und strich sanft mit den Fingern über seine Brust.

„Ich würde dir jedenfalls raten, dich vor diesem Mann in Acht zu nehmen. Du warst einmal der Meinung, Piraten seien üble Kreaturen. Lass dir gesagt sein – dieser Mann ist berechnender und hinterhältiger als sie alle zusammen. Und jetzt lass uns nicht mehr darüber reden, klar soweit?"

Sanft hauchte ich ihm einen Kuss auf die Lippen. Meinen feingliedrigen Finger strichen weiterhin über die gebräunte Haut seiner Brust, während ich ihn ansah und nickte.

To be continued…

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