Langsam näherte Shadow sich der Straße. Was um ihn herum
geschah machte ihm Sorgen. Diese Fremde, die unbedingt wollte, dass
er mit ihr käme… Und dieses von Menschen gemachte lange Band
in der Landschaft. Straße hatte sie es genannt. Menschen
mussten sehr sonderbare Geschöpfe sein. Ein weiterer Gedanke
blitzte in seinem Kopf auf. Und böse…
Dem Fiffyen war nicht
wohl zumute, als er seine Pfötchen auf den Asphalt setzte. Das
fühlte sich so hart an, nicht so federnd wie der Waldboden.
Langsam, wie ein Seiltänzer überquerte er die Straße.
Er war etwa bei der Hälfte angelangt, als… „Hey! Wo bleibst
du? Ich kann nicht ewig warten!" schall es von der anderen Seite.
Aber Shadow hatte jetzt andere Sorgen. Warum bewegte sich dieses
Menschending auf einmal? Ganz deutlich konnte er fühlen wie die
Oberfläche unter seinen Pfoten vibrierte. Nun hörte er auch
Velvet brüllen. „Komm sofort da runter! Die Menschen kommen!"
Doch Shadow konnte sich nicht rühren. Er hat den Kopf gehoben
und blickte wie gebannt auf zwei kleine Lichtpunkte, die ihn wie
Augen anstarrten. „Na, prima!" Velvet seufzte. „Kleiner, komm
da weg! Die Menschen werden dich finden!" Aber Shadow war von dem
immer näher kommenden Licht immer noch wie hypnotisiert. „Das
fängt ja gut an." Murmelte Velvet als sie umdrehte und noch
einmal über die Straße lief. Das musste jetzt schnell
gehen. Von hinten rammte sie Shadow und stieß ihm ihre Zähne
in die Flanke. Gerade genug, dass er vor Schreck aufwachte und
dorthin lief, wo Velvet ihn hinhaben wollte. Beide verschwanden im
Straßengraben. Shadow wäre weitergelaufen, doch Velvet
stoppte ihn mit einem Satz direkt vor seine Nase. Das Fiffyen rannte
direkt in sie hinein und beide kugelten übereinander. Als sie
sich voneinander befreit hatten konnten sie noch hören, wie das
Auto wegfuhr und seine stinkenden Abgase riechen.
„Kleiner, du machst mir Sachen" doch diesmal konterte Shadow „Du hast mich gebissen! Warum sollte ich dir vertrauen, wenn du mich beißt? Außerdem habe ich auch einen Namen. Ich bin Shadow. Wenn du mit mir redest kannst du mich ruhig Shadow nennen." Er war wütend. Warum ließ er sich das eigentlich gefallen. Sollte sie in doch alleine lassen. Ihn hatte sie nicht gefragt, ob er überhaupt mit ihr gehen wollte. Er sollte einfach weitergehen. Shadow lief los, konnte dieses Vieh doch bleiben wo der Pfeffer wächst, jetzt wo es seinen wahren Charakter gezeigt hatte „Warte Klei…, Shadow! Ich musste dich beißen. Wärst du sonst von der Straße gegangen. Ich dachte eigentlich, so etwas würde nur nachts passieren. Die Menschen hätten dich gesehen, wenn du dort stehen geblieben wärst. Weißt du, was die Menschen mit dir gemacht hätten? Ich habe dir das Leben gerettet. Sie hätten dich gefangen oder schlimmer…" Velvet brach ab. Shadow hatte ihr zugehört. Nun sah er, wie etwas in ihren Augen blitzte. Schnell drückte Velvet die Träne weg und wechselte das Thema. „Du musst mir nicht vertrauen. Ich dachte nur, der Weg ist weit und zu zweit hätten wir es einfacher. Ich bin nicht viel älter als du. Höchstens drei Monde. Das Jagen von kleinen Tieren habe ich wohl gelernt und wie ich überleben kann, doch vieles was ich dir erzählen kann, weiß ich selber nur aus Erzählungen. Wenn du mich begleitest werde ich von nun an netter zu dir sein. Denk dran, vertrauen brauchst du mir nicht. Ich kann dir zeigen, wie du jagst und wie du essbares findest. Aber ich bitte dich um eins. Stell mir keine Fragen!"
Wie gebannt hatte Shadow den letzten Worten gelauscht. Vielleicht hatte er voreilig geurteilt? Velvet hatte mit ihm in leisem Ton gesprochen und nicht wie vorher gebellt und gebrüllt. Konnte sie es ernst meinen mit dem was sie sagte? Es gab nur einen Weg das heraus zu finden. In einem Punkt hatte sie Recht. Alleine war es schwer immer weiter zu laufen. Er sah sie an. „Ich habe mich entschieden." Sagte er leise.
