Lisa saß auf Sylt am Strand. Es war ein milder Februartag und die Sonne wärmte schon ein wenig. Wieder hatte sie ihr Weg an den Steg geführt, an dem für sie, in den letzten Monaten, Schönes aber auch Schmerzhaftes geschehen war. Zwei Tage waren seit ihrem Telefonat mit Rokko vergangen. Ihr Verstand hatte akzeptiert, dass es zu Ende war, doch ihr Herz wehrte sich noch gegen die Vorstellung, sich von Rokko zu verabschieden. Noch in der Nacht hatte sie die Entscheidung getroffen, sich ein paar Tage frei zu nehmen und war am frühen Morgen nach Sylt aufgebrochen. Sie wollte den Kopf wieder frei bekommen, doch schon als sie in Niebüll auf den Autozug gefahren war, war ihr klar geworden, dass Sylt nie wieder das für sie sein würde, was es einmal gewesen war. Sie würde diese Insel für den Rest ihres Lebens mit Rokko in Verbindung bringen und dadurch mit der schmerzhaften Tatsache, dass sie ihn wieder verloren hatte. Die ganze Überfahrt drehten sich ihre Gedanken um die letzten Monate und als sie in Westerland vom Zug fuhr, wusste sie, dass die nächsten Tage auch ein Abschied von Sylt werden würden.

Jetzt saß sie hier am Strand und sah den Wellen zu, die sich sanft an den Stehlen des Stegs brachen. Ein Geräusch hinter ihr, ließ sie aufsehen. Am Anfang des Steges stand jemand. Lisa erhob sich und schirmte mit der Hand die Sonne ab, um besser sehen zu können. Die Gestalt kam langsam näher und obwohl Lisa das Gesicht immer noch nicht erkennen konnte, wusste sie wer da auf sie zukam. Rokko! Ihr Herz schlug schneller und sie kniff ein paar Mal die Augen zu, um sicher zu gehen, dass sie nicht träumte. „Hallo, Lisa!" Rokko stand jetzt direkt vor ihr und lächelte sie an. Es dauerte ein paar Sekunden, bis Lisa reagieren konnte. „Was…was machst Du hier?" sie sah ihn ungläubig an. „Du hast vorgestern so schnell aufgelegt, dass ich Dir eins nicht mehr sagen konnte." Rokko griff nach ihrer Hand. „Ich habe Fehler gemacht, aber den größten Fehler will ich nicht begehen." „Aber…." Lisa unterbrach ihn, doch Rokko stoppte sie, indem er ihr seinen Zeigefinger auf die Lippen legte. „Shhhh! Ich weiß, was Du sagen willst, Lisa. Doch, es war ein Fehler an Silvester davon zu laufen. Du hast nichts falsch gemacht. Ich war zu feige, mich bei Dir zu melden und mich zu entschuldigen. Dein Anruf hat mir eins klar gemacht. Ich bin damals aus Angst, dass Du mir noch mal mein Herz brichst, weggelaufen." Lisa, die Rokko bisher angesehen hatte, senkte verlegen den Blick. „Doch jetzt hab ich begriffen, dass mir etwas anderes noch viel mehr Angst macht." Rokko legte Lisa einen Finger unter das Kinn und zwang sie sanft, ihn wieder anzusehen. „Ich will Dich nicht verlieren. Nicht noch mal und diesmal mit dem Wissen, dass ich Schuld bin. Meine Oma hat einmal gesagt, dass uns das Schicksal eine zweite Chance geschenkt hat und ich sie nicht wegwerfen soll. Ich denke sie hat Recht. Oder, was meinst Du?" Lisa war bei Rokkos letzten Worten langsam eine Träne die Wange hinabgerollt, doch sie lächelte ihn an und nickte. Rokko blickte in Lisas blaue Augen, die ihn strahlend ansahen, zog sie langsam in seine Arme und küsste sie sanft auf die Stirn. „Ich liebe Dich!"