Kapitel 2 - Der Plan
Am nächsten Morgen wachte Sirius sehr früh auf. Die Sonne schien durch einen Spalt zwischen den zugezogenen Vorhängen. ‚Anscheinend hat es endlich aufgehört zu stürmen.' Dachte der junge Black.
Er stand auf und ging zu dem Fenster neben seinen Bett. Ein Blick nach draußen zeigte eine wundervolle, doch auch gleichzeitig geheimnisvolle Landschaft.
Die letzten Tropfen auf den Blättern der Bäume des Verbotenen Waldes brachen das Sonnenlicht und ließen es in vielen Farben schimmern.
Im See spiegelte sich der noch dunkelblaue Himmel, der fast keine Wolken aufwies. Die Sonne stand erst kurz über den Bergen und war auch noch leicht rötlich. Deswegen gab es viele Schattenstellen, die mit der Zeit aber auch endlich von den Sonnenstrahlen berührt wurden.
Das Gras klitzerte noch von der Nässe des Regens, der gestern den Sturm begleitet hatte. Nur selten sah man abgebrochene Äste oder herausgerissene kleine Sträucher, die der Wind mitgenommen hatte.
Einzelne Eulen kehrten von der nächtlichen Jagd wieder zum Turm zurück. Ansonsten war es still auf dem Gelände; nur kleine Windböen ließen das Wasser im See kräuseln und die Blätter der Bäume wedeln.
Leises Schnarchen drang an Sirius' Ohr. James lag noch tief schlafend im Bett. Auch Remus und Peter schliefen noch – schnarchten aber nicht. Leise entfernte sich Sirius wieder vom Fenster, ging ins Bad und zog sich an.
Als er wieder heraus kam, war James auch schon wach.
„Morgen", nuschelte er Sirius zu.
„Morgen", kam es von dem zurück, „Es hat aufgehört zu stürmen. Super Wetter draußen."
„Cool. Ich geh mich erst mal duschen. Kommst du dann auch mit runter zum Frühstück?", fragte James, der jetzt langsam hellwach wurde.
„Klar, aber dann weck ich Remus und Peter vorher noch auf, damit ich nicht allein mit dir und deinem Schatzi am Tisch sitzen muss." Ein Grinsen ging über das Gesicht von Sirius.
„Mein ‚Schatzi' schläft bestimmt noch und träumt schön. Da brauchst du dir nun wirklich keine Sorgen zu machen." Dann drehte er sich um und ging zum Bad. Doch bevor James hinein ging, fügte er an Sirius gewandt noch hinzu:
„Also lass die beiden schlafen. Keine Streiche am frühen Morgen! Zumindest nicht, wenn ich nicht dabei bin!"
Dann verschwand er endgültig im Badezimmer. Sirius setzte sich auf das Fensterbrett und sah wieder nach draußen auf die wunderbare Landschaft. Durch die Wand hörte er das Rauschen des Wassers, das aus der Dusche kam. Etwas leiser nahm er das gleichmäßige Atmen seiner beiden Freunde wahr.
Nach ein paar Minuten kam James frisch geduscht wieder in den Schlafsaal.
„Wollen wir sie noch schlafen lassen?", fragte er.
„Ja, vielleicht. Will kein Gemuffel am frühen Morgen von Moony hören."
„Ja, hast recht.", stimmte James seinem Kumpel zu, „Und Peter werden wir aus seinem Baby-Schlaf bestimmt nicht wach bekommen."
Der letzte Satz brachte Sirius zum Schmunzeln.
„Ja genau. Los, lass uns endlich runter gehen. Ich hab dermaßen von Hunger."
Und mit diesem Satz machten sie sich auf den Weg zur Großen Halle und somit auch zum Gryffindortisch. Unterwegs trafen sie niemanden. Die Korridore waren wie ausgestorben. Genauso sah es auch in der Halle aus. Kein einziger Schüler war zu sehen.
„Habe ich irgendetwas verpasst? Sonst sind doch auch schon die Frühaufsteher wach. Vorallem die Gruppe aus Ravenclaw.", durchbrach Sirius das Schweigen.
„Das wollte ich auch gerade fragen. Weiß auch nicht, was los ist. Selbst die vier aus Hufflepuff sind noch nicht hier. Und die sind ja nun schon frühs um 5 Uhr wach.", antwortete James, „Aber um so besser für uns. Da kann man sich wenigstens mal ordentlich unterhalten und muss keine Angst haben, dass jemand zuhört."
Die beiden Jungen gingen zu ihrem Stammplatz ganz am Ende ihres Haustisches und setzten sich. Das Essen war auch schon von den Hauselfen fertig gemacht worden und stand griffbereit auf dem Tisch. Sirius nahm sich einen Toast und ein Glas Kürbissaft und fing an zu essen. James tat es ihm gleich, nur, dass er lieber Kaffee wählte.
Nach einer Weile kamen dann auch Remus und Peter in die Halle. Peter sah noch sehr müde aus und sein Gesicht wirkte sehr zerknittert. Remus dagegen sah man nicht an, ob er müde war oder nicht. Sein Gesicht wirkte immer so, als würde er nur wenig schlafen.
Als sie ihre beiden Freunde erblickten, gingen sie zu ihnen und setzten sich an den Tisch.
„Guten Morgen!", sagte Remus, der von seinen Freunden auch Moony genannt wurde.
„Morgen.", nuschelte Peter vor sich hin.
„Morgen! Ein wunderbarer Tag heute!", rief Sirius schon fast..
„Was ist denn mit dir los? Sonst bist du doch auch eher der Morgenmuffel. Warum seid ihr überhaupt schon wach?", fragte Moony.
„Liegt vielleicht am Wetter. Auf jeden Fall ist das nämlich super. Freu mich schon richtig auf unseren Ausflug. Und natürlich auf heute Abend. Wie ich das liebe.", antwortete Sirius auf seine Frage.
„Ich glaub, Tatze wird süchtig nach der Heulenden Hütte.", sagte James daraufhin spaßeshalber, „Wollen wir dann schon los oder wollt ihr bis Mittags warten?"
Sirius sprang vom Tisch auf. Die anderen drei sahen sich an und hatten anscheinend denselben Gedanken.
„Sirius, hast du irgendeinen Fluch abbekommen?", fragte Moony.
„Was? Nein! Wie kommst du darauf? Macht doch mal ein bisschen schneller. Ich will endlich los."
Daraufhin konnte Remus nur noch mit dem Kopf schütteln.
„Du bist doch total verrückt."
Dennoch standen die drei Jungen nun auch auf. Sirius freute sich und hüpfte förmlich durch die Halle. Als Peter sich dann noch einen letzten Toast gegriffen hatte, gingen die Rumtreiber aus der immer noch leeren Halle auf dem Weg zum Geheimgang.
