In einer Wohnung in Friedrichshain...
Das Telefon klingelte und Rokko Kowalski sprang über die Couchlehne, um noch rechtzeitig zum Telefon zu kommen. Er wartete den ganzen Morgen schon auf einen Anruf von einem möglichen Geschäftspartner. Seit er von Kerima "geflohen" war, hatte er nur wenige Projekte angenommen und war nun mehr als erpicht auf eine neue Aufgabe. Leider gab es neben ihm noch ein paar andere Kometen am Werbehimmel. Und da sich Rokko Kowalski für zu viele Monate aus dem Geschäft gezogen hatte, hatte er es zugegebenermaßen etwas schwierig Aufträge zu bekommen. Aber das wird schon wieder. Wäre doch gelacht, wenn ich nicht bis Weihnachten wieder im Geschäft bin.
"Kowalski, hallo?"
"Ach, Melanie. Du, hör zu, ich warte auf den Anruf von-"
"Wie bitte?"
"B-Style?"
"Ja, ja, ich weiß, was B-Style ist."
"Frau Plenske hat zugestimmt?"
"Okay - ich komm gleich nachher vorbei."
"Ja, ich weiß, wie ich zu Kerima komme."
Rokko legte auf. Das erste Mal seit einigen Monaten würde er wieder Kerima betreten. Er hatte die Arbeit dort vermisst. Doch jeden Tag Lisa und David glücklich vereint zu sehen - das hätte selbst Rokko Kowalski nicht geschafft, ohne daran zu Grunde zu gehen. Wenn er jetzt aber dort auftauchte, würde es keine fünf Minuten dauern, bis der Flurfunk Melanie geflüstert hätte, in welchem Verhältnis er mal zu ihrer Chefin gestanden hatte. Er musste ihr vorher davon erzählen. Er wollte sie nicht die unangenehme Lage bringen, die ein solches Geschwätz schaffen würde. Er wählte ihre Handynummer.
"Ja, Schatz, ich bin's noch mal. Können wir uns vielleicht vorher kurz zum Mittagessen treffen?"
"Danke! Bis nachher!"
Rokko saß nervös im Wolfhards. Er starrte zur Tür und drehte ungeduldig die Vase, die zur Dekoration auf dem Tisch stand, in den Händen. Oh, Mann Kowalski! Auf was hast Du Dich da schon wieder eingelassen. Er wusste, dass Melanie die Wahrheit erfahren musste, aber er hatte keine Ahnung wie er ihr es beibringen sollte.
„Hallo, Schatz!" Melanie stand vor dem Tisch und Rokko ließ die Vase aus den Händen fallen. Er konnte es gerade noch verhindern, dass sie umkippte. Er stand auf und begrüßte Melanie mit einem Kuss. „Na, wie war der erste Vormittag?" „Genial, ich hab die volle Verantwortung für die B-Style Kampagne bekommen. Und da hab ich doch gleich an Dich gedacht!" Die Erlebnisse des Morgens sprudelten nur so aus Melanie heraus. Rokko hörte nur mit einem Ohr zu, denn er überlegte immer noch fieberhaft, wie er Melanie seine Beziehung zu Lisa erklären sollte.
„…sag mal, woher kennt Frau Plenske Dich eigentlich?" Melanie sah ihn fragend an. Rokko holte tief Luft. „Ja, genau deshalb wollte ich Dich ja treffen. Da gibt es was, dass Du wissen musst, bevor ich bei Kerima auftauche, denn wenn die da wissen, dass wir ein paar sind, dann erfährst Du es vom Flurfunk und das will ich nicht!" Melanie hörte ihm angespannt zu. „Also, ich hab schon mal für Kerima gearbeitet, als PR-Chef. Zuerst nur kurzfristig für das Parfum, aber danach dann fest." Er musste schlucken. „Ja, und was ist da so schlimm dran? Sie haben Dich ja wohl nicht mit Schimpf und Schande davongejagt, sonst hätte Frau Plenske Dich ja nicht selbst vorgeschlagen." „Nein, ich bin selbst gegangen, weil ich nicht mehr dort arbeiten konnte, weil ich nicht mehr mit Lisa arbeiten konnte." Melanie zog eine Augenbraue hoch und sah ihn zweifelnd an. „Sag jetzt aber bitte nicht, dass…..?" weiter kam sie nicht. Sie sah an Rokkos Blick, dass ihre Vermutung richtig war. „Ja, Lisa und ich waren mal zusammen. Wir waren sogar verlobt, doch dann hat sie mich am Tag vor der Hochzeit wegen David Seidel sitzen lassen." Er schloss die Augen und seufzte. „So, jetzt ist es raus." Rokko griff nach Melanies Hand. Sie ließ es geschehen, doch reagierte nicht darauf. Ihr Blick war auf einen Punkt hinter Rokko gerichtet.
Plötzlich sprang sie auf. „Ich,….ich muss da erst mal drüber nachdenken." Sie griff nach ihrer Jacke. Auf halbem Weg nach draußen, drehte sie sich noch mal um. „Du hast um 14:30 Uhr einen Termin bei Herrn Petersen, zur Vertragsunterzeichnung." Danach war sie weg. Rokko drehte wieder die Vase in seinen Händen.
