Nach der Präsentation, die ein voller Erfolg für B-Style war, zog man fröhlich zur anschließenden Party in den daneben liegenden Club. Hanna wurde von allen gefeiert und freute sich gemeinsam mit Rokko und Lisa darüber. Sie musste für viele Fotos und Fragen der Reporter bereit stehen - aber bei einem solchen Erfolg tat man das auch gern. Als die Reporter endlich in einer anderen Ecke beschäftigt waren, stießen Lisa, Rokko und Hanna nochmals auf den großen Erfolg an.
Plötzlich strömten die Reporter und Fotografen zum Eingang und Lisas Blick folgte ihnen. Was sie dort sah, ließ ihr den Atem stocken.
"Das darf doch nicht wahr sein!" rief sie noch aus und stürmte ebenfalls zum Eingang. Dort stand David mit je einem Model im Arm, begierig fotografiert und interviewt. Lisa packte ihn an seinem Jackett und zog ihn zur Seite. "David Seidel - bisher hattest du wenigstens Anstand genug, deine Betthäschen nicht mit zu öffentlichen Auftritten zu nehmen. Und überhaupt: was machst du eigentlich hier?"
"Lisa, beruhig dich doch", begann David sanft auf sie einzureden. Er fasste sie bei den Schultern und wollte die küssen. Doch Lisa knallte ihm stattdessen eine.
"Ich werde mich nicht beruhigen!"
"Aber die Presse..."
"Die Presse ist mir jetzt auch egal!"
Die Fotografen und Reporter standen um sie herum und knipsten und schrieben alles mit.
"David: es ist aus."
"Aber unsere Liebe, die kannst du doch nicht einfach so aufgeben! Wir haben eine Beziehung, Lisa!"
"Ach ja? Nun ich finde unsere Beziehung war der Flop des Jahrhunderts! Willst du, dass hier alle erfahren, was für ein Beziehungskrüppel du bist?"
Lisa kochte vor Wut. David sagte nichts mehr, drehte sich um und verschwand. Dann wurde ihr die Schwere der Situation bewusst. Oh Gott! All die Reporter und Fotografen! Das gibt ne Schlagzeile..."
Sie hielt sich die Hände vors Gesicht. Dann rannte sie aus dem Club. Sie wollte nur noch weg, auf ihr Hotelzimmer und sich dort einschließen. Der schöne Tag mit Rokko hatte sie ihre Probleme mit David vergessen lassen. Rokko... Lisa rannte geradezu aus dem Club und lief eiligen Schrittes in Richtung Hotel.
"Lisa?"
Lisa hörte Schritte hinter sich und spürte dann eine Hand auf ihrer Schulter.
"Alles okay?"
Lisa blickte in Rokkos liebe Augen und nickte.
"Die Presse...", begann Lisa, aber Rokko unterbracht sie. "Ssshhhh, schon okay. Ich hab sie beruhigen können und auf eine Erklärung für morgen früh vertröstet. Die werden schon nicht zu viel darüber berichten. Dafür ist die Kollektion zu gut angekommen."
"Bist du sicher?"
"Hey, natürlich bin ich das", lächelte Rokko. "Vertraust du deinem PR-Chef nicht mehr?"
Lisa lächelte gequält. "Doch, natürlich."
"Gut", grinste Rokko. "Dann können wir ja vielleicht noch was trinken gehen. Der schöne Tag sollte nicht so enden."
"Okay."
Lisa lächelte und Rokko gab ihr ihre Tasche, die sie in all der Aufregung vergessen hatte. Dann bot er ihr seinen Arm an und Lisa hakte sich wieder bei ihm unter. Sie sprachen kaum etwas, während sie zum Hotel zurückgingen. Lisa legte ihren Kopf auf Rokkos Schulter. Sie war müde. Vielleicht sollte sie lieber nichts mehr trinken. Doch als sie am Hotel angekommen waren, sah er ihr so lieb in die Augen, dass sie sich zu einem Glas Wein überreden ließ. Sie saßen auf zwei Barhockern und unterhielten sich über Gott und die Welt, schwelgten ein wenig in Erinnerungen und diskutierten ein paar Modelle, die sie auf de Fashion-Week gesehen hatten. So kamen zu einem Glas Wein bald schon ein paar Tequila-Shots und ein Glas Rum. Zu behaupten, Lisa und Rokko hatten danach noch alle Sinne beieinander, wäre gelogen gewesen. Und so kam Lisa schon bald auf David zu sprechen. Sie erzählte Rokko wie sie am Anfang noch ganz verliebt gewesen war. "Aber dann - dann hat der Schuft sich ein Betthäschen nach dem anderen gesucht! Aber nie zugegeben. Beim Sex ist er mehrfach einfach eingeschlafen. Un' wir ha'm das dann vor einiger Zeit ganz sein lassen. Aber, Rokko, ich bin doch auch 'ne Frau. Ich will doch auch begehrt werden!"
Rokko nickte nur als Antwort. Er lag halb auf dem Tresen, den Kopf in seine Hand gestützt und sah sie verträumt an.
"Und jetzt will ich tanzen, komm!" rief Lisa plötzlich, sprang von ihrem Barhocker auf und zog ihn hoch. Sie konnten sich kaum mehr allein halten und fielen sich in die Arme. Rokko zog Lisa an sich und schlang seine Arme um ihre Hüfte. Lisas Arme lagen um seinen Hals und ihr Kopf auf seiner Schulter. Welches Lied gespielt wurde, konnte keiner der beiden mehr sagen. Vielmehr waren sie überwältigt von der plötzlichen Nähe des jeweils anderen. Rokko hatte seine Nase in Lisas Haaren vergraben und atmete tief ein. Er erkannte ihr Shampoo und bekam eine Gänsehaut. Lisa ihrerseits schwelgte in Erinnerungen, als sie den Duft seines Aftershaves wahrnahm. Sie tanzten eine Weile und als die Bar geschlossen wurde, warf man sie raus. Lachend liefen sie in Richtung Fahrstuhl und fielen förmlich hinein. Rokko lehnte an der Fahrstuhlwand und fing Lisa auf. Sie lachten immer noch ausgelassen.
"Du bist so sexy, Lisa...", ließ Rokko sie wissen, während beide noch lachten. Dann verstummten beide, atmeten schwer und ehe sie sich versahen, trafen ihre Lippen aufeinander und ihre Zungen begannen das Spiel, das sie so lange nicht mehr hatten spielen dürfen. Lisa schlang ihre Arme um Rokko Hals und er zog sie fester an sich. Als sich die Fahrstuhltür öffnete, stolperten sie hinaus, hörten aber nicht auf, sich leidenschaftlich zu küssen. An Lisas Zimmer angekommen löste sie sich ein wenig aus der Umarmung und holte die Karte zu ihrer Tür hervor. Während Rokko sie zärtlich an Hals und Schlüsselbein küsste, öffnete Lisa die Tür. Sie schlang ihre Arme wieder um ihn und zog Rokko mit sich in ihr Zimmer. Mit einem kurzen Kick ihres Fußes schloss sie die Tür hinter sich. Gleichzeitig begann Lisa Rokkos Hemd aufzuknöpfen und ihn in Richtung Schlafzimmer zu ziehen. Sich leidenschaftlich küssend, landeten sie auf dem Bett und gaben sich ganz der Leidenschaft und der Begierde hin, die sich in den letzten Wochen so unablässig zwischen ihnen aufgebaut hatte.
Lisa schlug die Augen auf. Sie versuchte sich aufzurichten, aber der Presslufthammer in ihrem Kopf ließ sie sofort wieder auf das Kissen zurückfallen. Langsam und vorsichtig setzte sie sich auf. Oh, Mann! Was ist eigentlich passiert? Sie sah sich im Zimmer um. Überall um das Bett herum lagen Kleider verstreut. Langsam dämmerte es Lisa. Sie blickte auf die andere Bettseite. Sie war leer. Rokko! Oh, mein Gott! Hab ich das wirklich getan? Lisa wurde das ganze Ausmaß der letzten Nacht bewusst und als sie sich auch wieder an vereinzelte Szenen erinnern konnte stieg ihr die Schamesröte ins Gesicht. Er wird mich dafür hassen und David…. Da fiel ihr ein, dass David ja an allem Schuld war. Wäre er nicht aufgetaucht, hätte dieser Tag nicht so enden müssen und sie hätte einfach nur mit den anderen weitergefeiert und wäre nicht zusammen mit Rokko in der Hotelbar und später im Bett gelandet. Je länger sie darüber nachdachte, desto peinlicher wurde ihr die ganze Situation. Wie soll ich ihm denn jetzt noch mal unter die Augen treten? Sie schwang die Beine aus dem Bett um ins Bad zu gehen. Auf dem weg dorthin stolperte sie über etwas, das auf dem Boden lag. Es war eine Socke…von Rokko! Lisa hob sie auf und schmiss sie in den Papierkorb. Ein paar Meter weiter lag auch noch Rokkos T-Shirt. Lisa wollte es der Socke in den Mülleimer folgen lassen, hielt aber in der Bewegung inne. Mit einem Seufzen warf sie es in ihren geöffneten Koffer.
Nachdem sie geduscht und 2 Aspirin genommen hatte, fühlte sie sich, zumindest äußerlich, wieder halbwegs wie ein Mensch. Sie packte ihre Sachen zusammen, am Nachmittag würde es zurück nach Berlin gehen. Zurück zu all meinen Problemen. Danach ging sie hinunter zum Frühstück. Sie suchte sich einen Tisch in der hintersten Ecke und ging zum Buffet. Sie nahm sich ein paar Kleinigkeiten und wollte wieder an ihren Tisch gehen, als plötzlich Rokko vor ihr stand. Sie sah verlegen zur Seite. Nein, Lisa, Du bringst das jetzt hinter dich wie ein erwachsener Mensch. Es war ein Fehler! Und das wirst Du ihm jetzt auch sagen! Sie straffte ihre Schultern und sah ihm direkt in die Augen. Ein eisiges Glitzern funkelte ihr daraus entgegen. „Rokko, das letzte…!" er unterbrach sie sofort. „Ein Betriebsunfall!" er drehte sich auf dem Absatz herum und verließ den Frühstücksraum. Lisa blieb geschockt zurück. Er hasst mich!
