Bernd Plenske hätte an diesem sonnigen Sommermorgen nicht glücklicher sein können. Er war dabei den Rasen auf dem Anwesen der Familie Seidel zu mähen und hatte unendlich viel Zeit dazu, sich auf sein zukünftiges Enkelkind zu freuen. Sicher, er hätte es gern selbst von seinem Schnattchen erfahren, dass sie ihn bald zum Opa machen würde, aber unter den Umständen konnte er sie gut verstehen. Sie hatte sich ja gerade erst vom jungen Seidel getrennt. Und wie er schon vermutet hatte, würde diese Trennung ja sicher nur vorübergehend bleiben, jetzt, wo sie ein Kind von ihrem David erwartete. Bernd Plenske hatte es schon immer gewusst: sein Schnattchen und David, die waren für einander bestimmt! Und auch wenn sie eigentlich nicht sagen wollte, wer der Vater war, so konnte es in Bernd Plenskes Augen ja nur einen Kandidaten geben. Fröhlich pfiff er ein Liedchen, als er den Rasenmäher entleerte.

"Na, Herr Plenske, so fröhlich heute?" begrüßte ihn jemand hinter ihm.

Bernd drehte sich um. "Ach, der junge Herr Seidel, Guten Morgen! Ja, fröhlich bin ich", grinste er und wollte den Rasenmäherkorb weiter entleeren, drehte sich dann aber wieder zu David um. Bernd hatte eine Idee, um dem Glück von Schnattchen ein wenig auf die Sprünge zu helfen. "Ja, und du hast ja auch allen Grund, fröhlich gestimmt zu sein."

"Hab ich?"

"Und wie! Ick sach' nur: Vaterfreuden, wa?" Bernd drehte sich zufrieden grinsend um und sprach dann weiter. "Das Schnattchen hat's uns gerade erst gesagt. In sieben Monaten ist es soweit."

"Lisa - Lisa ist schwanger?" fragte David verwirrt.

"Ja, mein Junge und du wirst Vater!"

"Ich muss sofort zu ihr", rief David noch, als er sich schnellen Schrittes vom immer fröhlicher werdenden Bernd entfernte.

David Seidel war nicht blöd. Er wusste, dass er unmöglich der Vater von Lisas Kind sein konnte. Aber er sah eine Chance darin, sie wieder für sich zu gewinnen, denn wenn er sich nicht total irrte, so war Lisa momentan mit niemandem zusammen. Brat mir doch einer ein Huhn, wenn das Kind nicht Kowalskis ist. Und der heiratet eine andere. Du wirst wieder mein sein, Lisa. Er dachte über sein weiteres Vorgehen nach und tätigte einige Anrufe, bevor er sich in sein Auto setzte und in die Stadt fuhr.

Unterdessen saß Lisa über den Kalkulationen für die nächste Kerima-Kollektion in ihrem Büro. Sie konnte mehr als zufrieden sein: Hugos Kollektion versprach viel und ihre Vermarktungsstrategie hatte Rokko sich quasi nebenbei in einer genialen Stunde gemeinsam mit Hugo überlegt. Auch wenn Lisa Rokkos Anwesenheit nur schwer ertragen konnte, so wusste sie, dass sein Marketingtalent Kerima unglaublich viele Vorteile auf dem Markt verschaffte. Im Sinne der Firma würde sie sich schon irgendwann mit der Situation arrangieren können. Vielleicht würde sie sich nach der Geburt des Kindes erst mal für ein paar Jahre aus dem aktiven Geschäft zurückziehen und die Leitung jemand anderem übertragen. Lisa legte ihre rechte Hand auf ihren Bauch und lächelte. Und dann, wenn du ein bisschen größer bist, gehen wir auf Weltreise, mein Kleines.

Sie wurde vom Klopfen an ihrer Tür aus den Träumen gerissen und rief "Herein!" bevor sie gesehen hatte, wer da angeklopft hatte. Und so sah sie eher überrascht und sprachlos in Rokkos dunkle Augen, als sie aufblickte. Rokko hob beschwichtigend seine Hände, als er sah, dass Lisa etwas sagen wollte. "Bitte, sag jetzt nichts und lass mich erst ausreden", flehte er sie fast schon an. Lisa nickte. Langsam kam Rokko näher und setzte sich auf den Stuhl auf der anderen Seite ihres Schreibtisches. Rokko räuperte sich ein letztes mal, bevor er mit ruhiger Stimme zu sprechen begann. "Lisa, beim letzten Mal war ich nicht sehr feinfühlig - das weiß ich." Rokko blickte auf seine Hände, die er in seinem Schoß gefaltet hatte. "Ich möchte mich bei dir entschuldigen. Das in London - das war kein Betriebsunfall. Das war schön. Und ich bin daran ja nicht ganz unschuldig." Er sah ihr direkt in die Augen. Lisa wartete darauf, was er als nächstes sagen würde. "Und.. und ich freue mich darauf Vater zu werden. Aber ich will vor allem für dich da sein. Für dich genau so wie für unser Kind, Lisa. Ich - ich will dich nicht überrumpeln und auch zu nichts drängen. Ich möchte dein Vertrauen wiedergewinnen. Glaubst du, dass das noch geht?"

Lisa atmete ruhig. "Und was sagt Melanie dazu?"

"Melanie versteht es. Wir haben uns getrennt, weil wir beide wissen, dass ich sie nie so lieben werde können wie.. wie ich es gern würde. Nicht genug, um sie zu heiraten, um eine Zukunft mit ihr zu haben. Ich werde in Zukunft nur für dich und unser Kind da sein, wenn du es zulässt."

Lisa nickte ruhig, hatte aber Tränen in den Augen. "Gibst du mir Zeit, darüber nachzudenken?"

"Natürlich", beeilte sich Rokko zu sagen. "Alle Zeit der Welt." Dann lächelte er sie an und verließ das Büro. Lisa sah ihm nach und wischte sich die Tränen aus den Augen. Vielleicht würde doch noch alles gut werden.

Gegen Mittag begab sich Lisa zum Catering, um etwas zu essen. Als sie jedoch dort ankam, wurde sie von einem riesigen Blütenmeer empfangen. "Was ist denn hier los?" sagte sie mehr zu sich selbst und dachte noch, dass das doch gar nicht Rokkos Stil war. Und nach "alle Zeit der Welt lassen" sieht das auch nicht aus. Lisa runzelte die Stirn. Doch dann sah sie, wer sich da aus der Hocke aus dem Blumenmeer erhob.

"David, was-"

"Lisa, mein Liebling", begann David pathetisch. "Ich liebe dich schon so lange!"

Aus dem Fahrstuhl traten so eben Jürgen und Melanie und guckten nicht schlecht, als sie sahen, was da am Catering vor sich ging: David und Lisa in einem Blütenmeer und rund herum so ziemlich alle Kerimamitarbeiter. Melanie sah, dass Rokko, der gerade aus seinem Büro gekommen sein musste, traurig und stumm auf die Szene blickte. Es tat ihr weh, ihn so leiden zu sehen. Und gern hätte sie ihm geholfen. Aber sie wollte erst mal wissen, was hier noch geschehen würde.

"Lisa, für dich würde ich die tiefsten Meere durchschwimmen und die höchsten Berge erklimmen! Ich würde dir die schönste Blume aus den am weitesten entfernten Ländern holen!"

Melanie sah, wie Rokko schluckte, sich aber nicht von der Szene lösen konnte. Dann spürte sie, wie Jürgen ihre Hand ergriff und sie drückte. Sie sah zu ihm und er lächelte sie an, bevor er wieder ihre Hand losließ.

"Lisa - Liebe meines Lebens - wenn du mir nun bald ein Kind schenkst, dann möchte ich unser Kind in unserem Heim empfangen und dich zu meiner Frau machen, damit unserem Familienglück rein gar nichts mehr im Weg steht."

David kniete nun vor Lisa und hielt ihr eine kleine Schatulle entgegen, in der ein goldener Ring besetzt mit einer großen Perle glitzerte.

"Du würdest mich zum glücklichsten Mann der Welt machen, wenn du meinen Antrag annimmst. Lisa Plenske - bitte heirate mich!"

Lisa, die sich das alles stumm angesehen hatte, nahm Davids Hand, zog ihn vom Boden auf und verschwand dann mit ihm in ihrem Büro. Die Tür schloss sich hinter ihnen und so sehr sich die Kerima-Mitarbeiter auch bemühten - sie konnten nicht hören, was dort gesagt oder getan wurde.