Nachdem die Tür von Lisas Büro ins Schloss gefallen war, zog sich Rokko wieder in sein Büro zurück. Dort verbrachte er die nächste Stunde mit dem Versuch etwas zu arbeiten, doch seine Gedanken waren bei Lisa. Als er ein einziges Memo zum 3. Mal gelesen hatte und wieder kein Wort aufgenommen hatte, sprang er auf und lief zum Catering. Auf dem Weg dorthin kam er an Lisas Büro vorbei. Es war leer. Er setzte sich an den Tresen und ließ sich von Helga einen Kaffee geben. Dann ging sie hinüber zu Timo, um ihm zu helfen das Blumenmeer von David zu beseitigen. Rokko nippte an seinem Kaffee und sah Timo zu, wie er die Blumen geradewegs in einen Müllsack packte. Er musste grinsen. Wenn man David doch auch so leicht entsorgen könnte! Das Grinsen wich wieder einem nachdenklichen Gesichtsausdruck. Plötzlich stand Hugo neben ihm. „Quel Verschwendung! Genauso wie Davids Antrag. Oder was meinen sie, Monsieur Kowalski?" Hugo legte den Kopf schief und sah Rokko gespannt an. „Woher soll ich das wissen. Er ist ja immerhin ihr Traummann!" kam es etwas barsch von Rokko. „Gewesen…! Wenn man mich fragt." Hugo setzte sich neben Rokko. „Woher wollen sie das denn wissen?" Rokko sah ihn überrascht an. „Ich beobachte meine Mitmenschen, Herr Kowalski. Auch sie und Frau Plenske. Und ich hatte eigentlich gedacht, dass Du verstanden hast, wer Dein gebrochenes Herz flicken kann!" Mit diesen Worten ließ Hugo den verstörten Rokko allein zurück.

Lisa hatte es, nachdem sie David gesagt hatte, dass er sie in Ruhe lassen sollte, nicht mehr im Büro ausgehalten. Aber nach hause wollte sie auch nicht. So entschloss sie sich bei einem Spaziergang ihr Gehirn durchzulüften. Sie musste über so vieles nachdenken.

Rokko hat mit Melanie Schluss gemacht. Er will für mich und das Baby da sein. Aber warum macht er deswegen mit Melanie Schluss? Das hat er doch gesagt; weil er sie nicht so lieben kann, wie er gern würde. Hat er dabei nicht eine Pause gemacht? Als ob er etwas anderes sagen wollte. Und was bitte? Glaub jetzt bloß nicht, dass er eigentlich sagen wollte, dass er sie nicht so lieben kann wie er Dich liebt. Geliebt hat! Du hast ihm so wehgetan….er kann dich nicht mehr lieben. Bekomm das endlich in Dein Hirn, Lisa! Und David? Von wem weiß er eigentlich von dem Kind?

Auch Rokko hatte es nach dem Gespräch mit Hugo nicht mehr bei Kerima ausgehalten. An allen Schreibtischen wurde nur der Antrag von David diskutiert und darüber spekuliert, was wohl in Lisas Büro passiert war. Genau das wollte er sich nicht weiter ausmalen. Er entschied sich ebenfalls für einen Spaziergang. Er hatte Angst, dass Lisa durch Davids Antrag wieder schwach geworden war und ernsthaft darüber nachdachte, es noch mal mit ihm zu versuchen. Vielleicht hat sie schon diesen hässlichen Ring am Finger! Vor seinem inneren Auge erschienen wieder Erinnerungen an Lisa. Wie er ihr damals den Ring seiner Großmutter gegeben hatte, nur leider saß in seiner Vorstellung nicht er Lisa am Tisch gegenüber, sondern David. Er schloss die Augen und holte tief Luft. Nein, sie kann das nicht wollen. Wieder ein Leben an Davids Seite, wo sie nur eine Rolle spielt, wenn sie ihm nützlich ist. Das hat sie nicht verdient.

Lisa war mittlerweile im Tiergarten angekommen und setzte sich im Schatten eines Baumes auf einen Stein. Immer noch schwirrte ihr Kopf von allen Möglichkeiten, die sie abzuwägen hatte…Rokko…David…Rokko! Sie wollte nicht länger als Vorzeigepüppchen an Davids Seite leben, das war ihr seit London klar. Aber sie durfte die Entscheidung nicht allein daran festmachen, was sie wollte. Sie musste auch und vor allem an ihr Kind denken. Rokkos Kind! David musste doch klar gewesen sein, dass er nicht der Vater ist! Warum dann dieser Aufstand? Weil er nicht verkraften kann, dass ich sein Spiel endlich durchschaut habe. Das ich auch ohne den tollen David Seidel zurechtkomme. Nein, Du wirst mein Kind nicht groß ziehen. Dann lieber allein! Sie legte ihre Hände auf ihren Bauch und flüsterte „Was denkst Du denn?"

Rokko lief zur selben Zeit, gar nicht weit von Lisa, ebenfalls durch den Tiergarten. Er war sich sicher, dass er für sein Kind und Lisa da sein wollte, doch konnte er es noch ein Mal wagen sich selbst der Gefahr auszusetzen, dass Lisa ihm ein drittes Mal das Herz brach. Überlebe ich das noch mal? Lisas Gesicht erschien vor ihm, wie sie ihm an ihrem Geburtstag gestanden hatte, dass sie einen Fehler gemacht hatte, als sie ihn vor zwei Jahren hatte sitzen lassen. Rokko, ich liebe Dich! Ich hab Dich immer geliebt, war aber zu blöd es zu merken. Er wusste, dass sie es diesmal ernst meinte. Er hatte es damals schon gespürt und das war auch der Grund für seine heftige Reaktion gewesen. Er hatte ihr wehtun wollen und das auch geschafft. Plötzlich war ihm klar, dass er keine andere Wahl hatte, keine andere Wahl haben wollte, als sein Leben mit Lisa zu verbringen. Egal, wie oft sie mir noch wehtun wird. Mein Leben ist nur mit ihr komplett!

Ein Lächeln schlich sich auf seine Lippen. Er blieb stehen und blickte in den Himmel. Als er gerade wieder weiterlaufen wollte, sah er aus den Augenwinkeln jemanden unter einem Baum sitzen. Er schaute genauer hin. Es war Lisa. Sie hatte die Beine an den Körper gezogen und die Augen geschlossen. Er blieb stehen und sah sie an.

Lisa war sich mittlerweile sicher, dass sie David für immer 'Lebe wohl' sagen musste. Sie wollte Rokko die Chance geben, die er am Morgen erbeten hatte. Aber eigentlich muss ich Dein Vertrauen wieder gewinnen, nicht umgekehrt. Ich werde um meine dritte Chance bei Dir kämpfen, Rokko! Das bin ich mir selbst und auch unserem Kind schuldig. Ich will eine richtige, kleine Familie! Im Geist sah sie sich mit einem Kinderwagen genau hier durch den Tiergarten laufen. Und Rokko kam ihr gutgelaunt entgegen und begrüßte sie mit einem zärtlichen Kuss.

Ach, Rokko!Sie schlug die Augen auf und sah in Rokkos Gesicht.

Rokko war leise zu Lias hingelaufen und wollte sie gerade ansprechen, als sie die Augen aufschlug. Sie lächelte ihn an. „Hallo, Lisa! Darf ich mich zu Dir setzen?" Rokko wurde merklich unsicherer. Lisas Lächeln wurde strahlender. Sie rutschte auf dem Stein etwas zur Seite. „Ja, klar!" „Alles ok? Ich hab da vorhin mitbekommen, dass David…" Sie unterbrach ihn. „Ja, David hat erfahren dass ich schwanger bin und mir einen Antrag gemacht. Ich hab ihm gesagt, dass es endgültig aus ist." Sie sah ihm direkt in die Augen. „Ich will, dass Du für Dein Kind da bist, Rokko. So wie Du es vorgeschlagen hast. Es soll nicht darunter leiden müssen, dass ich…." Sie schlug die Augen nieder und sprach nicht weiter. „Worunter soll es nicht leiden müssen?" Rokko hob mit dem Zeigefinger ihr Kinn an und sah ihr in die Augen. Wieder mal, wie so oft in letzter Zeit, standen Tränen darin. Lisa seufzte und sprach dann flüsternd weiter. „Es soll nicht darunter leiden, dass ich seinem Vater und der Liebe meines Lebens so sehr wehgetan habe, dass er nicht mehr daran glauben kann, dass ich ihn über alles liebe!" Sie konnte ihn nicht länger ansehen und drehte ihren Kopf weg. „Wer sagt denn, dass ich da nicht mehr dran glauben kann?" „Ich hab Dir so wehgetan. Du hast doch selbst gesagt, dass ich Dir zwei Mal das Herz gebrochen habe und du nicht noch mal wegen mir durch die Hölle gehen willst. Ich kann das verstehen, Rokko! Ich bin Dir aber unendlich dankbar, dass Du, trotz allem, für mich und das Kind da sein willst." Rokko griff Lisa sanft an die Schultern und drehte sie zu sich. Zaghaft sah sie ihn wieder an. „Ich hab in den letzten Wochen viel über gebrochene Herzen nachgedacht, Lisa. Ich bin davon überzeugt, dass man sie wieder flicken kann und jemand sehr kluges hat mir gesagt, dass sie sich am liebsten von demjenigen wieder zusammensetzten lassen, der es gebrochen hat." Er wischte Lisa zärtlich eine Träne aus dem Gesicht. „Mein Herz gehört Dir, wenn Du es wieder flicken willst. Es wartet schon sehr lange darauf." Lisa sah ihn ungläubig an. „Du..du ..meinst das wirklich ernst? Du gibst mir noch eine Chance?" Lisas blaue Augen begannen zu strahlen. Dieses Strahlen hatte Rokko in den letzten Monaten, seitdem er sie wieder regelmäßig sah, so vermisst. „Ja, wenn Du mich noch haben willst? Mir ist klar geworden, dass ich ohne Dich nicht leben kann. Ich liebe Dich!" Lisa konnte nichts mehr sagen, sie strahlte übers ganze Gesicht und gleichzeitig liefen ihr die Tränen die Wangen hinab. Rokko sah sie liebevoll an und zog sie an seine Brust. „Kannst Du das bitte noch mal sagen? Nur den letzten Teil?" Lisa sah zu ihm hoch, während er ihr wieder die Tränen aus dem Gesicht strich. Rokko lachte, wurde aber gleich wieder ernst. Er nahm ihr Gesicht in beide Hände und sah sie zärtlich an. „Ich liebe Dich, Lisa Plenske! Mehr als mein Leben!" Lisa zog ihn an sich und bevor sich ihre Lippen zu einem sanften Kuss trafen, flüsterte sie: „Ich liebe Dich!"

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Anmerkung: Hallo an alle, die von "Waterloo in Berlin" so begeistert sind und uns auch immer so liebe Kommentare schreiben! Ja, UNS, denn hinter einbisschenfrieden stecken very.loud (Anne) und Believe78 (Chrissi), die in Geheimsitzungen wie wild brainstormen, weil sich diese Idee in ihren Köpfen festgesetzt hatte, dass Lisa und Rokko zusammengehören. Wir haben uns immer riesig über eure tollen Kommentare gefreut, konnten aber nicht immer so darauf antworten, wie wir das gern getan hätten, um uns nicht selbst zu verraten. Da wir aber nun dem Ende doch sehr nah sind, dachten wir, dass es Zeit wäre, uns zu erkennen zu geben. Wir hoffen, dass ihr auch den noch folgenden Kapiteln euere freude habt wie wir sie jeden Tag beim schreiben hatten und noch haben werden!

Vielen Dank!

Chrissi und Anne :)