Waterloo - Promise to love you for ever more
Waterloo - Couldn't escape if I wanted to
Waterloo - Knowing my fate is to be with you
Bei Kerima hatte sich die Lage nur wenig beruhigt. Noch immer kochte die Gerüchteküche und manch einer hatte schon Wetten abgeschlossen, ob Lisa Plenske nun David Seidel heiraten würde oder nicht. Nur wenige ahnten, dass es da auch noch eine andere Option für Lisas Zukunft gab. Doch diese wenigen schwiegen lächelnd und warteten darauf, dass Lisa Plenske hoffentlich an Rokko Kowalskis Seite von ihrem Spaziergang zurückkehren würde.
"Sach mal, Helga-Mäuschen, wo ist denn das Schnattchen?"
Bernd Plenske war sofort in die Firma geeilt gekommen, nachdem Helga ihm am Telefon von Davids Blütenmeer und Antrag erzählt hatte. Er hoffte inständig, dass der junge Seidel sein Schnattchen endlich zur Frau nehmen würde.
"Bernd, wie oft soll ich dir noch sagen, dass ich nicht weiß, wo Lisa ist? Aber ich bin mir sicher, dass sie bald zurück kommt."
"Aber, Helga-"
"Nee, du machst mich nervös. Könntest du bitte am Eingang warten?"
Bernd Plenske zog ein grimmiges Gesicht und begab sich zum Empfang, wo er einen guten Blick auf die Fahrstühle haben würde. In Gedanken malte er sich schon eine große Märchenhochzeit aus: Lisa ganz in weiß an der Seite von ihrem strahlenden Prinzen, der sie in sein Königreich-
Da öffneten sich die Türen vom linken Fahrstuhl und Bernd konnte bereits erkennen, dass sein Schnattchen dahinter wartete. Als er sah, dass sie die Hand von jemandem hielt, verzog sich sein Mund schon zu einem breiten Grinsen. Bravo, Seidel! dachte er noch bei sich, als er das Gesicht von Rokko Kowalski zum Vorschein kommen sah und nicht das von David Seidel.
"Der Boxer..." stammelte Bernd und musste sich erst mal fest halten.
Lisa und Rokko traten gemeinsam strahlend aus dem Fahrstuhl. Rokko hielt Lisas Hand ganz fest und streichelte sanft mit seinem Daumen über ihren Handrücken.
"Nee, ick fass es nich!" rief Sabrina amüsiert aus. "Die Plansche und der Kowalski! Die Unendliche Geschichte Teil 2!" Schon war sie unterwegs, um die Belegschaft zu informieren, dass David Seidel ganz offensichtlich abgemeldet war.
Nach und nach versammelten sich alle Kerima-Mitarbeiter am Fahrstuhl um zu sehen, wer da für so viel Aufruhr sorgte. Rokko und Lisa sahen sich tief in die Augen und lächelten, bevor Lisa zu sprechen ansetzte. Sie erzählte mit Sternen im Gesicht (zumindest glaubten die anderen, dass sie so strahlte, als wären da Sterne in ihrem Gesicht) von ihrem großen Glück, dass sie in Rokko gefunden hatte - davon, dass sie ein Kind von diesem wundervollen Mann erwartete und dass sie der gemeinsamen Zukunft mit viel Freude und Spannung entgegen sehen würde. Unter dem Applaus der Belegschaft küssten sie sich zärtlich und wurden dann auch schon von vielen Seiten umarmt und beglückwünscht. Auch Helga war zu ihnen gekommen, um sie beide in ihre Arme zu schließen. Bernd hingegen hätte nicht wütender sein können. Und als er auch noch mit ansehen musste, wie David Seidel getroffen Kerima verließ und noch etwas von "Hätt ich mir ja denken können, dass sie gleich wieder dem Kowalski in die Arme läuft!" murmelte, da machte auch er seinem Unmut Luft - wenn auch leise.
"Wieso denn dieser Fruchtzwerg? Der polnische Boxer! Wenn sie doch den Seidel junior haben kann!" presste er zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor. "Und hat Sie, Fräulein Förster, sitzen lassen, der Schlawiner, hat er, nicht wahr? Wollten Sie nicht heiraten?" wandte er sich an Melanie, die neben ihm stand.
"Nein, das kann man so nicht sagen, Herr Plenske. Wir haben uns im gegenseitigen Einvernehmen getrennt. Wer hier aber wen mal sitzen lassen hat, das wissen Sie ja wohl ganz genau, oder Herr Plenske?" Melanie lächelte, während sie das sagte. Aber Bernd Plenske schien immer noch nicht überzeugt. "Sehen Sie mal", meinte Melanie daraufhin und deutete aus dem Fenster, "Herr Seidel hat sich schnell getröstet."
Als Bernd sah, wie David Seidel vor Kerima bereits wieder in den Armen eines langbeinigen Models lag, da erstrahlte der polnische Boxer plötzlich in einem ganz anderen Licht für ihn. Bernd ging auf sein Schnattchen und den Boxer zu und umarmte sie fest. Fast glaubte Rokko, von den Bärenkräften seines quasi Schwiegervaters erdrückt zu werden, doch freute er sich viel mehr über die plötzliche offensichtliche Anerkennung. Lisa neben ihm hatte Tränen in den Augen - doch diesmal waren es Tränen des Glücks und ein wenig waren sie auch dort, weil sie froh war, dass ihr Papa endlich Rokko akzeptierte und das Gerede über David ein Ende haben würde.
Als sich der Tumult um die beiden gelegt hatte, kam auch Hugo aus seinem Atelier. Er beglückwünschte Lisa und Rokko. Nachdem er Lisa umarmt hatte, ging er zu Rokko. „Unsere Gespräche über gebrochene Herzen werde ich vermissen, Herr Kowalski! Aber es macht mich glücklich zu sehen, dass sie Ihnen geholfen haben, die richtige Entscheidung zu treffen! Bonne chance!" er nickte Rokko noch einmal zu und ging zurück in sein Atelier.
Lisa begann zu gähnen und Rokko sah auf ihre Armbanduhr. „So, Frau Plenske, sie haben jetzt definitiv Feierabend. Ich bring Dich jetzt nach hause!" er nahm wieder Lisas Hand und sie gingen Richtung Aufzug. Winkend verabschiedeten sie sich von Helga. Sie liefen das kurze Stück zu Lisas Wohnung. Rokko, der Lisas neue Wohnung noch nicht gesehen hatte, ließ sich von ihr alle Zimmer zeigen. „Wirklich gemütlich! Passt sehr gut zu Dir." Sie standen an der Schlafzimmertür und Rokko zog Lisa in seine Arme. „So, meine süße Frau Plenske, ich werde dann mal nach hause gehen." Lisa sah ihn mit großen Augen an. „Du,..du willst gehen?" Rokko musste grinsen. „Soll ich etwa hier bleiben?" Lisa nickte heftig. „Hmmmm, aber nur wenn Du einen Schlafanzug für mich hast!" Lisa griff nach seiner Hand und zog ihn ins Schlafzimmer. „Na, einen Schlafanzug nicht direkt, aber das hier!" Sie zog das Shirt, das Rokko, nach der Nacht in London, in ihrem Hotelzimmer vergessen hatte, unter einem der Kopfkissen hervor.
„Das hast Du in London bei mir vergessen. Ich hab es mitgenommen und…." Rokko unterbrach sie. „Ich weiß, ich hab dich damit in Deinem Büro gesehen. Du hast geweint." „Das hast Du gesehen?" Lisa sah peinlich berührt zu Boden. „He, Schatz, das ist doch ok! Dadurch hab ich den Entschluss gefasst für Dich und das Baby da zu sein und Melanie die Wahrheit zu sagen. Schau mich mal an!" er hob ihr Gesicht an. „Einen schwarzen Socken hast Du damals nicht rein zufällig auch gefunden?" Rokko grinste sie an. Auch Lisa lächelte jetzt wieder. „Doch, aber den hab ich wütend in den Mülleimer geworfen." Rokko zog sie an sich und lachte. „Aber jetzt mal im ernst, soll ich wirklich hier bleiben?" er sah ihr in die Augen. Lisa blickt ernst zurück. „Ja, in den letzten Wochen hatte ich nur Dein Shirt und jetzt hab ich Dich endlich wieder und da willst Du gleich wieder gehen? Ich lass Dich nie wieder los!" Rokko lächelte und küsste sie zärtlich auf die Stirn.
Als geklärt war, dass Rokko die Nacht bei Lisa verbringen würde, machten es sich die beiden auf Lisas Balkon gemütlich. Sie sahen in die Sterne und redeten kaum. Worte waren nicht mehr notwendig. Irgendwann war Lisa in Rokkos Arm eingeschlafen. „Oh, Lisa, da ist..war eine Sternschnuppe!" Rokko rüttelte sanft an ihrer Schulter. „Was?" kam es verschlafen von Lisa. „Eine Sternschnuppe, Schatz! Schade, jetzt hast Du sie nicht gesehen. Hast Du geschlafen?" Lisa kuschelte sich wieder enger an ihn. „Ja, und hast Du Dir was gewünscht?" sie sah ihn aus müden Augen an. „Klar!" er zwinkerte ihr zu, während er zärtlich eine Haarsträhne aus ihrem Gesicht strich. „Verrätst Du mir auch was?" „Hmm, eigentlich macht man das ja nicht! Was hättest Du Dir denn gewünscht?" Lisas Antwort kam prompt, sie musste nicht überlegen. „Dich nie wieder zu verlieren!" Rokko lächelte. „Dann brauch ich es Dir ja nicht mehr verraten, Du weißt es ja schon!" Lisa strich ihm durch seine dunklen Locken und zog seinen Kopf zu sich. Sie küssten sich lange und zärtlich. Als sich ihre Lippen wieder voneinander lösten, hob Rokko sie hoch und trug sie zurück in die Wohnung. „He, was wird das?" Lisa sah ihn gespielt entrüstet an und versuchte sich aus seinen Armen zu befreien. „Ich habe beschlossen, dass mein müder Engel jetzt ins Bett muss!" er lief, unbeeindruckt von Lisas Befreiungsversuchen, mit ihr in den Flur und von dort ins Schlafzimmer. Er setzte sie auf den Bettrand. „So, ich geh jetzt noch die Balkontür zumachen und Du gehst ins Bett, ok!" er zwinkerte ihr zu. Lisa sah ihm lächelnd nach. Unter einem erneuten Gähnen zog sie ihre Weste aus und ging ins Bad. Sie ließ die Weste in den Wäschekorb fallen und streifte auch das Shirt ab. Von draußen hörte sie Rokko mit den Gläsern in der Küche hantieren. Als sie die Zähne geputzt hatte, lief sie wieder hinüber ins Schlafzimmer. Sie kramte in ihrem Kleiderschrank. Wo ist der bloß? Ich weiß genau, dass ich ihn nach dem Umzug noch hatte! „Hast Du irgendwo ne zweite Zahnbürste?" rief Rokko aus dem Bad und riss sie aus ihren Gedanken. „Ja, im rechten Schränkchen!" rief sie zurück. In dem Moment sah sie das gesuchte Objekt ganz hinten in ihrem Schrank liegen. Sie zog den Schlafanzug, den ihr Rokko, nach ihrer ersten gemeinsamen Nacht in seiner Wohnung, geschenkt hatte, triumphierend aus dem Schrank. Wusste Ichs doch! Lisa strahlte. Sie legte den Schlafanzug aufs Bett und wollte den Reißverschluss ihres Rockes öffnen, doch das Teil klemmte. „Mist!" fluchend zerrte sie an dem Reißverschluss, doch er bewegte sich kein Stück. „Alles ok?" Rokko lehnte grinsend in der Tür. „Äh, ja…nein!" Lisa wurde leicht rot im Gesicht.
Oh, Mann. Was mache ich hier?Eine leichte Panik stieg in Lisa auf, als sie sich bewusst wurde, dass sie nur noch ihren Rock und BH trug. Beruhige Dich! Er hat Dich schon wesentlich nackter gesehen. Du bekommst sein Kind und Du liebst ihn über alles! Lisa holte tief Luft. Sie sah zu Rokko hinüber, der jetzt noch mehr grinste. „Der klemmt irgendwie. Kannst…kannst Du mir mal helfen?" Rokko nickte und kam zu ihr herüber. Er kniete sich neben sie und sah sich den Reißverschluss genauer an. „Da hat sich ein Stück Stoff drin verklemmt." Lisa sah zu ihm hinunter, wie er vorsichtig versuchte den Verschluss zu öffnen. Dabei strichen seine Finger immer wieder über ihre nackte Haut. In Lisas Magen begannen ganze Schwärme von Schmetterlingen Freudentänze aufzuführen. Nach einer, wie es Lisa schien, halben Ewigkeit, hatte Rokko es geschafft den Verschluss zu öffnen. „So, geschafft!" er sah zu ihr hoch und lächelte. „Danke!" Lisa wuschelte ihm durch seine schwarzen Locken. Rokkos Gesicht war genau auf der Höhe ihres Bauches. Zärtlich zeichnete er mit den Fingerspitzen Kreise um Lisas Bauchnabel. „Hallo Baby! Ich bin Dein Papa!" er legte sein Ohr an Lisas Bauch, als hoffe er auf eine Antwort. Lisa stand ganz still und genoss einfach den Moment. Schließlich gab Rokko ihr einen sanften Kuss auf den Bauch und stand auf. Er zog sie in seine Arme und küsste sie sanft.
Einige Minuten später lagen sie eng aneinandergekuschelt im Bett und träumten von ihrer gemeinsamen Zukunft, die gerade erst begonnen hatte.
