In
den nächsten Tagen suchten sie Tapeten, Bodenbeläge,
Gardinen und vieles weitere aus. Lisas Eltern waren über die
schnelle Entscheidung mit dem Hauskauf geteilter Meinung. Helga
freute sich sehr für die Beiden, doch Bernd fand mal wieder
etwas zu kritisieren. „Jetzt darf ick schon wieder renovieren, noch
keine 3 Monate her, dass wir Lisas Wohnung uff Vordermann gebracht
ham und jetzt auch noch'n ganzes Haus." Er stand bei Helga am
Catering und beklagte sich lautstark über die fixen Ideen seiner
Tochter und seines Quasi-Schwiegersohns.
„Das
sagt ja keiner, Bernd. Soweit ich weiß, hat Rokko heute einen
Termin mit einer Handwerkerfirma und Lisa telefoniert schon den
ganzen Morgen mit Umzugsfirmen. Es soll doch alles schnell gehen. Sie
wollen ja bis Ende September umgezogen sein." Helga schenkte ihm
Kaffee nach. „Wat? Handwerker? Umzugsfirma? Bin ick nich mehr jut
genug?" er sah seine Frau aufgebracht an. „Ach, Bernd. Dir kann
es auch keiner recht machen. Zuerst sagst Du, es ist Dir zuviel und
dann fühlst du Dich wieder übergangen. Lass die beiden doch
mal machen, die kommen schon, wenn sie Hilfe brauchen." Aber Bernd
war nicht zu bremsen. „Das war sicher dem Kowalski seine Idee. Nich
die vom Schnattchen. Wie geht das da mit den beiden jetzt eigentlich
weiter, häh? Hört ma da wat von wegen heiraten und so?"
„Nein, sie sagen beide, dass sie es nicht wieder überstürzen
wollen, so wie das letzte Mal. Ich kann den armen Rokko sogar ein
bisschen verstehen. Das war damals nicht richtig was Lisa gemacht
hat…" Bernd fiel ihr ins Wort. „Hat ja damals keener wissen
können, wie sich der Seidel junior entpuppt! Aber von wegen
Überstürzen…das mit dem Haus war ja wohl auch n'
ziemlicher Schnellschuss. Häuser kofen kanner, aber unserm
Schnattchen mal nen Antrag machen. Gerade wo da wat Kleenes unterwegs
is." Helga legte ihm beruhigend die Hand auf den Arm. „Is ja gut!
Mir wäre es ja auch lieber, wenn sie heiraten würden,
wenigstens standesamtlich. Aber der Rokko, das ist ein guter Kerl.
Der lässt unsere Lisa nicht sitzen. Da bin ich ganz sicher."
„Ich doch ooch, Helga-Mäuschen. Ich hab's ja kapiert, dat
der Boxer dat Beste für mein Schnattchen ist."
Währendessen
schlugen sich Lisa und Rokko mit ganz anderen Problemen herum.
Rokko
hatte zwar endlich Handwerkerfirmen gefunden, die sofort am nächsten
Tag mit den Renovierungsarbeiten anfangen konnten und die ihm auch
versicherten mit Böden, Wänden und den anderen anstehenden
Arbeiten in zwei Wochen fertig zu werden, aber Lisa hatte immer noch
keine Umzugsfirma gefunden, die am 18. September noch Kapazitäten
für Ihren Umzug frei hatte. Nachdem sie Rokko am Handy über
die Situation informiert hatte und er ihr versprochen hatte, sich
sobald er wieder im Büro war, darum zu kümmern, ging sie
zum Catering, um sich einen frischen Tee zu holen. Hach, ein
Kaffee wäre mir jetzt zwar lieber, aber Du bist wichtiger! Sie
fuhr sich mit einer Hand über den mittlerweile doch recht
deutlich wachsenden Bauch.
Am
Catering sah sie ihren Vater stehen. „Hallo Papa! Mama, machst Du
mir bitte noch einen Tee?" Sie stellte ihre Tasse auf den Tresen
und setzte sich neben Bernd. „Na, Schnattchen, alles in Ordnung?"
„Geht so! Wir haben zwar jetzt endlich Handwerker, die morgen
anfangen und auch bis zum Umzug fertig werden, aber immer noch
niemand der am 18. den Umzug machen kann. Alle Firmen sind total
überlastet." Helga stellte die volle Teetasse vor ihr ab. „Das
wird schon Mäuschen!" „So, Umzug am 18.September, wa?"
Bernd sah Lisa fragend an. „Ja, aber das weißt Du doch,
Papa!" „Kann ich in deinem Büro mal schnell telefonieren?"
Bernd war schon losgelaufen, bevor Lisa und Helga irgendetwas
erwidern konnten. „Was macht er denn jetzt, Mama? Er ist nicht
glücklich damit, dass wir das Haus gekauft haben, oder? Sag's
mir ruhig! Ich seh's ihm doch an." Lisa sah ihre Mutter
niedergeschlagen an. „Ach, Lisa, Du kennst doch deinen Vater. Er
hat immer an allem was zu mosern. Er hätte es wahrscheinlich
gern gesehen, wenn ihr ihn um Rat gefragt hättet und nicht
gleich gekauft hättet." Lisa nahm einen Schluck von ihrem Tee,
bevor sie antwortete. „Wir haben uns halt auf den ersten Blick in
das Haus verliebt, Mama. Und wir wollten nicht riskieren, dass uns
noch jemand zuvor kommt."
Lisas
Augen strahlten. „Ich versteh das, Lisa. Aber Dein Vater….."
„So alles geregelt! Der Heinz, der macht euch dat am 18." Bernd
kam wieder auf sie zu, diesmal mit einem freudigen Grinsen im
Gesicht. „Heinz?" kam es zeitgleich von Lisa und Helga. „Wer
ist denn Heinz?" Helga sah Bernd verdattert an. „Heinz Paschulke,
ein ehemaliger Kollege, der sich dann mit nem Umzugsunternehmen
selbständig gemacht hat, nachdem se den auch rausgeschmissen
ham. Dat läuft wohl recht jut und für mein Schnattchen hat
er am 18. September auch noch Zeit." Er lachte Lisa an. „Na,
manchmal brauchst Du Deinen alten Vater doch noch, wa?" Lisa, die
ihren Vater die ganze Zeit über ungläubig angeschaut hatte,
fiel ihm jetzt um den Hals. „Danke, Papa!" „Schon jut, Kind!
Mach ick doch gern! Kannst deinem Boxer sagen, dass er jetzt nur noch
dafür sorgen muss, dass seine Handwerker ooch ja fertig werden."
Lisa gab ihm einen Kuss auf die Wange. „Werden sie schon, Papa.
Aber wolltest Du Rokko nicht mehr weiter „Boxer" nennen?" sie
sah ihn zweifelnd an. Bernd sah etwas verlegen zur Seite. „Tut mir
leid, Schnattchen. Kommt nich wieder vor! Ick weeß doch, dat
dein Rokko dat schon alles im Griff hat!"
Rokko war mehr als froh zu hören, dass sein Schwiegervater eine Lösung für das Umzugsproblem gefunden hatte. Zur Feier des Tages, beschlossen sie zum Abendessen in ihren Lieblingsitaliener zu gehen. Lisas Übelkeit war seit Wochen glücklicherweise verschwunden, dafür hatte sie ständig Hunger. Es war nicht selten vorgekommen, dass er sie in den letzten Tagen, nachts, in der Küche vor dem offenen Kühlschrank vorgefunden hatte. Das war ihr dann immer sehr peinlich. Innerlich musste Rokko dann immer lachen, wenn er ihr dabei zusah, wie sie das Stück Schokolade, die Gewürzgurke oder auch beides vor ihm zu verstecken versuchte, dabei knallrot wurde und irgendetwas vor sich hinmurmelte. Gleichzeitig wurde es ihm aber auch warm ums Herz, weil er diese Frau von ganzem Herzen liebte und sie immer noch am niedlichsten fand, wenn ihr etwas peinlich war.
Auch heute Abend konnte er wieder nur schmunzelnd zusehen, welche Massen an Essen seine Lisa verdrückte. Aber sie isst ja auch für zwei! Zufrieden lächelnd lehnte er sich in seinem Stuhl zurück und dachte an das was sie beide noch erwarten würde. Er freute sich auf seine Zukunft mit Lisa und auch unbändig darauf Vater zu werden. Er war angekommen und diesmal hatte er die Sicherheit, dass es Lisa genauso ging.
