Anfang November hatten sie ihr Häuschen im Grünen so weit, dass sie zu einer Einweihungsparty laden konnten. Als die Gäste nach und nach eintrudelten und von Rokko und Lisa fröhlich am Eingang begrüßt wurde, erwartete sie bereits ein riesiger Topf Chili und einige Kuchen. Lisa und Rokko hatten alles gemeinsam vorbereitet. Zum ersten Mal wurde die kleine Küche voll ausgelastet. Sie hatten es genossen, mehlbestäubte Kleidung und klebrige Finger zu haben. Rokko hatte einen Teigklecks von Lisas Nase geküsst und sie hatte ihre mehligen Hände in seinen Locken vergraben, als sie ihn an sich gezogen hatte, um ihn leidenschaftlich zu küssen.
Am Abend der Einweihungsparty hatten sie aber alle Spuren beseitigen können. Schnell war ihr Haus erfüllt von Musik, Lachen und aufgeregten Gesprächen. Als eigentlich schon alle da waren, klingelte es an der Tür. Rokko spurtete zur Tür, öffnete sie und begrüßte den letzten Gast mit einem Strahlen. "Schön, dass du es geschafft hast, Melanie", sagte er, als er sie zur Begrüßung umarmte. Nachdem er die Tür wieder hinter ihr geschlossen hatte, nahm er ihr den Mantel ab und geleitete sie ins Wohnzimmer. Lisa war sogleich zur Stelle. Auch sie umarmte Melanie mit einem Strahlen. Sie fühlte sich noch immer etwas schuldig, dass sie quasi für die geplatzte Hochzeit von Rokko und Melanie verantwortlich war. Aber Lisa hoffte inständig und ehrlich, dass auch Melanie mit einem anderen noch das große Glück finden würde, so wie Lisa es mit Rokko nun festhalten wollte. Ganz fest.
Lisa führte Melanie durch das Haus und zeigte ihr auch ihr kleines Arbeitszimmer, von wo aus Lisa nach der Geburt des Babys wenigstens ab und an ihre Arbeit für Kerima fortführen würde.
"Es ist wunderschön, euer Häuschen", lächelte Melanie, als sie die Treppen hinunter kamen, um sich wieder zu den anderen zu gesellen.
"Danke. Wir sind auch sehr glücklich, dass wir es gefunden haben. Es war wie ein Wink des Schicksals..."
"Schicksal, ja." Melanies Gedanken schweiften kurz ab und sie dachte mit ein wenig Wehmut daran, dass hier auch ihr Zuhause hätte sein können. Aber sie schüttelte die Gedanken weg. Es war gut so, wie es war. Rokko und Lisa gehörten zusammen.
"Melanie, da bist du ja, ich hab dich schon die ganze Zeit gesucht!" kam plötzlich Jürgen wie aus dem Nichts auf sie zugestürmt und zog sie eilig mit sich. Lisa konnte nur verwundert den Kopf schütteln und ging allein wieder zu den übrigen Gästen.
"Wo hast du denn Melanie gelassen?" empfing sie Rokko mit einem Lächeln und nahm ihre Hand, um Lisa an sich zu ziehen. Bevor Lisa antworten konnte, küsste Rokko sie aber schon sanft.
"Melanie wurde von Jürgen entführt. Wohin? Keine Ahnung. Er erschien wie aus dem Nichts und war dann auch schon wieder mit ihr verschwunden... ach, guck, da sind sie ja", zeigte Lisa in Richtung Treppe.
"Soso, Jürgen und Melanie", lächelte Rokko und zog Lisa noch ein wenig näher an sich.
"Was machen Sie denn da mit meiner Tochter, Herr Kowalski?" fragte der gerade vorbei kommende Bernd mit einem Augenzwinkern, was dennoch so bedrohlich auf Rokko wirkte, dass er gleich wieder ein wenig mehr Abstand zwischen sich und Lisa brachte.
"Papa, Rokko ist mein.."
"Ja, was ist er denn, Schnattchen? Hm?"
"Rokko - Rokko ist der Vater meines ungeborenen Kindes und der Mann, den ich über alles liebe - er kann also so ziemlich alles mit mir machen." Lisa schmunzelte ihren Vater an, der zunächst nichts darauf zu antworten musste und mit ansah, wie Lisa nun den leicht verdutzten aber glücklichen Rokko näher an sich zog.
"Na, dann lass deinen Rokko aber wenigstens mal für ein paar Minuten allein, damit der angehende Großvater mal ein Wörtchen mit ihm wechseln kann", grinste Bernd nun und hielt Rokko schon eine Flasche Bier entgegen.
Lisa seufzte theatralisch, küsste Rokko ein letztes Mal kurz auf den Mund und ließ ihn dann mit Bernd davon ziehen. Sie legte eine Hand auf ihren Bauch und sah ihnen noch nach, bevor sie sich zu Helga und Yvonne begab, die sich über Stubenwagen und Kinderstühle unterhielten. Lisa stellte sich daneben und hörte genau hin, denn in den nächsten Wochen mussten sie und Rokko sich auch mal langsam um solche Dinge kümmern.
Je länger der Abend wurde, desto mehr ließen sich die Gäste auf der Couch, den Sesseln und Stühlen und Sitzkissen nieder, desto weniger mischten sich die Grüppchen. Immer wieder erhoben sich einige, um zu tanzen. Als Rokko gerade Lisa in seinen Armen wiegte, ließ er seinen Blick über die anderen Gäste streifen. Sein Lächeln wurde breiter, als er sah, wie Melanie und Jürgen es sich auf einem großen Sitzkissen in einer Ecke gemütlich gemacht hatten und sich angeregt unterhielten. Jürgen war gerade im Begriff seinen Arm um sie zu legen, als Rokko seine Augen schloss und den Moment mit Lisa genießen wollte.
Spät verabschiedeten sich die letzten Gäste, die noch beim Aufräumen geholfen hatten und Rokko und Lisa fielen müde in ihr Bett.
Als Rokko am nächsten Morgen gerade Jürgens Kiosk mit einem Becher Kaffee in der Hand und einem Lächeln im Gesicht verließ, wäre er beinahe mit Melanie zusammengestoßen.
"Oh! Guten Morgen!" begrüßte sie ihn stürmisch und wollte sich an ihm vorbeidrängen.
"Guten Morgen, Melanie", schmunzelte Rokko. "Hast du vielleicht kurz Zeit. Ich würde da gern etwas mit dir besprechen."
"Ähm, ja, also, jetzt ist schlecht, aber vielleicht nachher? Am Nachmittag?"
"Gern. Ich hol dich ab", konnte er gerade noch sagen, bevor Melanie in Jürgens Kiosk verschwand.
Am Nachmittag ging Rokko fröhlich pfeifend auf Melanies Arbeitsplatz zu und holte sie wie versprochen ab. Sie entschieden sich für ein Eis vom Italiener um die Ecke.
"Was gibt's denn?" wollte Melanie von ihm wissen, als sie ihr Eis auf der Hand hatten.
"Och, ich wollte nur mal wieder mit dir reden. Danke noch Mal, dass du gestern gekommen bist."
Melanies Lächeln war breit, als sie antwortete. "Ich habe für die Einladung zu danken. Euer Häuschen ist ein Traum. Der kleine Garten ist schon jetzt märchenhaft und..."
"Und romantisch?" half Rokko und konnte sich das Grinsen nicht mehr verkneifen. Er sah wie Melanie leicht errötete und fuhr fort. "Im Garten konnten wir ja noch nicht viel machen. Aber die Bank war uns wichtig. Es ist ein Erbstück von Lisas Großmutter."
"Wunderschön. Wirklich."
Schweigend gingen sie eine Weile nebeneinander her. Diesmal war es Rokko, der das Wort erneut ergriff.
"Mel, ich... ich weiß, dass es schwer für dich gewesen sein muss nach unserer Trennung. Ich bin dir noch immer unendlich dankbar für dein Verständnis. An der Freundschaft müssen wir aber noch arbeiten", grinste er und blieb stehen. "Und deswegen erzählst du mir jetzt, ob ein gewisser Jürgen Decker dein reges Interesse geweckt hat."
Melanie sah ihn mit großen Augen an, konnte aber ein Lächeln nicht verkneifen. "Aber sag's keinem weiter, ja? Schon gar nicht Lisa!" drohte Melanie ihm mit einem Finger. "Es ist nämlich so... Jürgen weiß vielleicht noch gar nicht, dass... also, ich mag ihn. Und er ist wahnsinnig lieb. Und vielleicht.. vielleicht kann noch mehr daraus werden."
"Ich werde kein Sterbenswörtchen darüber verlieren", lächelte Rokko und umarmte Melanie.
Kaum dass sie wieder zurück bei Kerima waren, klingelte Melanies Telefon. Rokko konnte noch hören, wie sie erfreut "Jürgen!" ausrief, bevor er die Tür zu Lisas Büro grinsend hinter sich schloss.
"Bist du bereit, mein Engel?" begrüßte Rokko sie mit einem Kuss und half ihr in den Mantel, als Lisa nickend auf ihn zu kam.
"Die Frage sollte ich besser dir stellen, mein Robert", lächelte Lisa. "Immerhin begleitest du mich zum ersten Mal zum Ultraschall."
"Ich kann's kaum erwarten."
Rokko zog Lisa an sich und küsste sie zärtlich, bevor er ihre Tasche nahm und mit Lisa am Arm Kerima heute schon eher verließ.
