Es war ein Sonntag Mitte Dezember, an dem Lisa Plenske friedlich auf der Couch im Wohnzimmer schlummerte. Das war nichts ungewöhnliches, denn seit sie schwanger war, machte Lisa gern einen Mittagsschlaf. Sie hatte dafür extra eine Liege in ihr Büro stellen lassen. Ungewöhnlich war an diesem Tag nur, dass Rokko sie nicht wie gewöhnlich nach einer Stunde weckte, um mit ihr Kaffee zu trinken. Statt dessen schlummerte Lisa bis in die späten Nachmittagsstunden. Als sanfte Klaviermusik aus der Anlage im Wohnzimmer an ihr Ohr drangen, öffnete sie langsam ihre Augen. Das Zimmer war nur mit ein paar Kerzen erleuchtet.
"Rokko?" fragte Lisa schläfrig und rieb sich die Augen. Aber sie konnte Rokko nirgends entdecken. Langsam richtete sie sich auf. Ihr Bauch wurde immer runder und machte ihr immer mehr Probleme. Sie brauchte zwei Anläufe, um endlich von der Couch aufzustehen. Als sie die Decke zusammenlegen wollte, fiel ihr die Karte auf, die an der Couchlehne festgepinnt war. Lisa löste vorsichtig die Nadel und nahm die Karte in die Hand.
Folge den Sternen.
stand da in Rokkos unverkennbarer Handschrift. Lisa musste Lächeln. Den Sternen gefolgt waren sie schon einmal und knutschend im Planetarium gelandet. Es war der süße Beginn ihrer ersten Beziehung gewesen. Lisa würde immer wieder den Sternen folgen, wenn Rokko sie dazu aufforderte. Nun bemerkte sie auch die vielen Kerzen die auf dem Boden standen - und die Sterne aus silberner Folie, die daneben lagen. Alles glitzerte und funkelte wie im Märchen. Lisa biss sich entzückt auf ihre Unterlippe und machte sachte die ersten Schritte: vorbei an den ersten Kerzen, raus in den Flur. Hier sah sie nun, dass sich die Kerzen einen Weg nach oben bahnten. Sie schlängelten sich die Treppe hinauf in den ersten Stock. Lisa folgte ihrer Spur und erkannte einige Sternbilder auf dem Boden. Rokko hatte die Wintersternbilder Orion und Zwillinge gelegt, auch den großen Wagen und Stier. Lisa wurde ganz warm ums Herz. Rokko hatte auf jedes noch so kleine Detail geachtet, so wie er auf sie und die beiden Babies in ihr achtete. Lisa folgte den Kerzen nach oben und sah, dass sie ins Kinderzimmer abbogen. Sie hatten es noch gar nicht eingerichtet, wollten es erst in den Tagen nach Weihnachten angehen, wenn die Geschäfte leerer wurden und die Menschen weniger hektisch. Lisa bog um die Ecke und ging weiter den Pfad der Kerzen entlang zum Fenster, wo er endete. Ein einzelnes Teelicht stand dort und eine zweite Karte.
Lösche das Licht, mein Engel.
Lisa wusste nicht, was passieren würde. Sie befeuchtete ihren Daumen und Zeigefinger und löschte damit die Kerze. Als sie ihren Kopf wieder erhob, wurde sie von einem Lichtermeer im Garten empfangen: überall winzige Teelichter, die den Schnee glitzern ließen. Lisa war überwältigt von der Schönheit, die ihr entgegenstrahlte und sie wie eine warme Welle überrollte. Ihr standen bereits die Tränen in den Augen, als sie erkannte, was die Teelichter ihr sagen sollten. Willst du? stand da im Schnee. Groß. Und leuchtend. Und voller Liebe. Willst du? Und ob sie wollte! "Ja!" flüsterte sie und dann lauter "Ja! Ja, ich will!" Lisa spürte, dass Rokko den Raum betreten hatte und drehte sich langsam um. Sie streckte ihre Hände nach ihm aus und ergriff die seinen. Lisa zog Rokko an sich und küsste ihn zärtlich.
"Ja, ich will", flüsterte Lisa noch einmal. Rokko wischte mit seinem Daumen sanft die Tränen aus ihrem Gesicht und küsste die Tränen von ihren Augen. "Du machst mich unendlich glücklich", flüsterte er und schloss Lisa fest in seine Arme. Gemeinsam sahen sie durch das Fenster in den Garten, in dem noch immer die vorsichtige Frage im Schnee glitzerte, während sie sich der Antwort gewiss in den Armen lagen.
"Ich werde alles in meiner Macht stehende tun, um dich glücklich zu machen, Lisa."
"Das hast du doch längst", lächelte sie und küsste seine Hände, die sie wieder in ihren hielt.
Als Rokko später am Abend alle Kerzen gelöscht und sich zu Lisa gesetzt hatte, die ihn von der Couch aus beobachtet hatte, zog er sie an seine Brust und ließ seine Hände sanft über ihren Bauch streicheln. Eine Spur aus winzigen Küssen legte er von ihrer Schulter bis hinauf zu ihrem linken Ohr. Lisa drehte ihren Kopf leicht, um Rokko auf den Mund zu küssen - langsam, genussvoll und mit all der Liebe, die sie für ihn empfand.
"Rokko?"
"Hm?"
"Wärst du.. also, glaubst du, es würde dir gefallen, nochmal eine große Hochzeit zu planen? Ich kann mir vorstellen, dass du nach der letzten Pleite, nicht wirklich Lust darauf hast, aber-"
"Du träumst noch immer von einer Märchenhochzeit?" lächelte Rokko und strich mit seiner rechten Hand sanft über Lisas Wange, beließ die linke aber auf ihrem Bauch.
"Ja", flüsterte Lisa.
"Dann sollst du sie auch bekommen."
"Wirklich?" Lisa wandte sich noch etwas weiter zu ihm um. Ihre Augen glitzerten
"Wirklich wirklich."
"Aber kirchlich erst, wenn die Zwillinge da sind, ja?"
"Okay", lachte Rokko.
In diesem Moment zuckte Lisa kurz zusammen und auch Rokko hatte gespürt, dass eins der Babies getreten hatte. Sie sahen sich an und Lisa fasste einen Plan. Als sie Rokko davon erzählte, funkelten seine Augen noch mehr.
