Am Weihnachtsmorgen wurde Lisa von einem frechen Sonnenstrahl geweckt, der seinen Weg, durch die Jalousie, direkt auf ihre Nase gefunden hatte. Sie blinzelte und ein Strahlen breitete sich auf ihrem Gesicht aus. Sie fühlte sich, wie sie sich als Kind immer gefühlt hatte, wenn sie am heiligen Abend morgens erwacht war. Einfach nur glücklich. Doch der Grund war diesmal nicht die Aussicht auf die Geschenke und das Christkind. Sie setzte sich langsam auf und sah hinüber zu Rokko, der friedlich schlief. Sie legte ihre Hände auf ihren Bauch, der täglich zu wachsen schien. Ihr Blick fiel auf ihren linken Ringfinger, an dem seit gestern Abend ihr Ehering steckte. Lisa musste grinsen und konnte es immer noch nicht fassen. Seit gestern war sie Frau Robert Kowalski.

Sie hatten sich ganz heimlich, still und leise getraut. Niemand war dabei gewesen, genau so wie Rokko es schon damals hatte haben wollen. Ab die Post ins Glück!
Es war Lisas Idee gewesen, dass sie heimlich heiraten könnten. Nur sie beide und ihr ganz großes Glück. Und dann später, nach der Geburt der Zwillinge, die große Hochzeit mit allen Verwandten und Freunden. Es war ein ziemliches Problem gewesen, überhaupt noch einen Termin vor Weihnachten zu bekommen. Und als Rokko dann auch noch unbedingt auf dem Fernsehturm heiraten wollte, hatte Lisa die Hoffnung, dieses Jahr noch heiraten zu können, schon fast aufgegeben. Doch auch diesmal hatte ihr Rokko mal wieder das Unmögliche möglich gemacht. Am 20. Dezember war er, freudestrahlend, in ihr Büro gestürmt und hatte ihr verkündet, dass sie am 23. um 17 Uhr einen Termin mit dem Standesbeamten hatten. Wie er das geschafft hatte, wusste Lisa nicht und es war ihr auch egal. Es zählte nur eins: Sie würden heiraten.

Sie entschieden sich dagegen den ganzen Tag frei zu nehmen. Es würde weniger auffallen, wenn sie einfach zur Mittagspause verschwanden, denn schließlich war es ja ein Tag vor Weihnachten. Und so verabschiedete sich Lisa gegen Mittag von Melanie, gab ihr für den Rest des Tages frei und wünschte ihr schöne Festtage. Dann ging sie zum Catering, wo Rokko schon auf sie wartete. „Na, ihr beiden. Heute früher Schluss?" Helga sammelte gerade einige Tassen vom Tresen. „Ja, wir haben noch was zu erledigen." Rokko grinste seine baldige Schwiegermutter an und griff nach Lisas Hand. „Na, dann! Viel Spaß! Wir sehen uns morgen!" Helga winkte ihnen hinterher. Im Fahrstuhl seufzte Lisa leise. Rokko hob ihr das Kinn an und sah ihr in die Augen. „Alles ok?" „Ach, ich hab gerade nur daran gedacht, dass meinen Eltern sicher enttäuscht sein werden, dass sie nicht dabei sind." Rokko schmunzelte. „Sicher, aber das war Deine Idee. Bekommst Du doch noch kalte Füße?" sein Blick wurde ernster. Lisa sah ihn schockiert an. „Nein!" sie griff auch noch nach seiner anderen Hand und hielt sie ganz fest. „Ich war mir noch nie bei etwas so sicher, wie bei dem Gedanken daran, Deine Frau zu werden. Ich liebe Dich!" Rokko lächelte sie an, zog sie zu sich und sie versanken in einem zärtlichen Kuss.
Sie bemerkten gar nicht, dass sich die Fahrstuhltür im Erdgeschoss öffnete. Erst als sich die Türen schon wieder schlossen, ließen sie sich los und verließen das Kerimagebäude.

Um Viertel vor fünf fuhren sie den Aufzug des Fernsehturms hinauf. Jetzt waren sie beide ganz ruhig. Vorher, zuhause, waren sie unruhig und nervös im Haus herumgelaufen. Doch je näher die Zeiger der Uhr gegen 5 Uhr wanderten, desto entspannter wurden sie. Rokko strich Lisa eine Haarsträhne aus dem Gesicht und blickte sie liebevoll an. Lisa griff nach seiner Hand und drückte sie leicht. Sie küssten sich noch schnell, bevor der Aufzug hielt.

Die Vermählung dauerte nur einige Minuten. Der Standesbeamte gratulierte Ihnen. Draußen macht eine Photograph noch, vor einem großen Panoramafenster, Bilder von Ihnen.
Danach standen sie Hand in Hand da und genossen den Ausblick auf das nächtliche Berlin. Lisa hatte ihren Kopf auf Rokkos Schulter gelegt. Plötzlich ließ Rokko Lisas Hand los. Sie hob den Kopf und sah ihn irritiert an. Er lächelte und sie merkte, wie er ihr etwas über den Ringfinger ihrer linken Hand schob. Sie sah nach unten und ihr funkelte der schönste Ring entgegen, den sie je gesehen hatte. „Damit Du diesen Tag niemals vergisst!" Rokko sah sie zärtlich aus seinen dunklen Augen an. Lisa lief die erste Träne über die Wange. Er hob die Hand und strich sie sanft mit dem Daumen weg. Lisas Augen strahlten mit dem blauen Topas, der den silbernen Ring, zusammen mit 6 kleinen Diamanten, zierte um die Wette. Sie nahm ihn kurz ab, um ihn genauer zu betrachten. Da entdeckte sie die Gravur:

Du bist der Engel in meinen Träumen 23. Dezember 2008 Rokko

Rokko war hinter sie getreten und hatte seine Arme um sie geschlungen. „Gefällt er Dir?" sie spürte sein Lächeln. Lisa drehte sich in seinen Armen und sah Rokko an. „Ja! Schöner hätte ich ihn mir nie träumen können." Sie strahlte und wieder rannen ihr Tränen das Gesicht hinab. Rokko nahm ihr den Ring ab, streifte ihn ihr wieder über den Finger und haucht ihr einen Kuss auf die Stirn. Kurze Zeit später verließ das frisch vermählte Ehepaar Kowalski den Fernsehturm.

„Träumst Du?" Rokko war aufgewacht sah sie schmunzelnd an. Lisa drehte, lächelnd, den Kopf. „Ich weiß nicht, ob es ein Traum war." Sie grinste. „Ich hab geträumt, dass wir gestern geheiratet haben." Sie rutschte näher an Rokko heran und er legte seinen Arm um sie. „Hmm…, ich hab das selbe geträumt." Er griff nach ihrer Hand und verschränkte seine Finger mit ihren. „Dann kann es ja nur wahr sein, oder?" er küsste sie hinters Ohr.Den Rest des Vormittags verbrachten sie im Bett, bevor sie sich für den heilig Abend in Göberitz, bei Lisas Eltern, fertig machten.