Ok, hier gleich mal kapitel zwei Smile vielen lieben dank für die ganzen riwus knuddelt saby, kasseopeia, sjerda, soulsister und kitsune und damit mogli nicht denkt, ich hätte sie vergessen ;) auch an dich einen dicken knuddler, ich bin wortwörtlich auf und ab gesprungen bei deiner riwu ;)

Und an alle schwarzleser, eine riwu tut nicht weh ;)

Ich wünsch allen viel Spaß beim Lesen :)


Ich wollte, ich hätte nicht gesehen,
was ich gesehen habe.
Ich wollte, ich könnte vergessen,
was ich mit eigenen Ohren hörte.
Ich wollte, ich könnte euch sagen,
was ich erlebt habe.
Doch am sehnlichsten wünsche ich mir ein Leben,
das nicht das meine ist.

Viele Tage vergingen und bevor ich es wirklich wahrnahm begannen auch die Wochen zu verstreichen ohne dass ich mich der Konfrontation mit Potter stellte. Es würde mit Sicherheit nicht leicht werden sich dem zu stellen, dass auf ihn und auch auf mich zukam. Und so schwer es auch mir selbst fiel, mir dieses Geständnis zu offenbaren, ich hatte Angst davor.

Die Energie jeden Tag aufzustehen und meinem stupiden Beruf nachzugehen, zehrte an meinem Körper und ohne es zu merken wurde mein Gewand lockerer und ich dünner. Es war keine Absicht, es geschah einfach. Wie so vieles einfach passierte.

Doch nicht nur mein Äußeres veränderte sich auf radikale Weise. Ohne das es mir selbst bewusst war, beobachtete ich Potter jeden Tag eingehender. Die Veränderungen in seinem Auftreten, in seinem Gebaren war schleichend, und nichts desto trotz immer vorhanden.

Seine ohnehin schmalen Züge verstärkten sich auf erschreckende Weise, seine Haut wurde blasser, nahm schon fast eine besorgniserregende Fahlheit an. Seine zerzausten Haare hatten ihr einstiges wildes Stadium schon lange überschritten und waren zu einem Bollwerk aus Filz und Unordentlichkeit geworden.

Wie oft hatte ich die mich umgebenden Schüler und Lehrer beobachtet, habe ihre Gesichter betrachtete, wie sie lächelten. Ein Lächeln, das geprägt war von Falschheit und Verlorenheit. Mir könnt ihr nichts vormachen, ich habe gesehen was geschehen ist, ich habe erlebt wozu Menschen fähig waren. Und ich sehe in euch wie der Sieg, den ihr errungen habt zu eurem Untergang geworden ist. Die Unschuld, die einst diesen Ort prägte, ist verschwunden. Etwas anderes ist an ihrer statt getreten, etwas gegen das auch nicht die stärksten Zauber etwas auszurichten im Stande sind. Resignation.

Auch über Potters Gesicht vollzog sich von Zeit zu Zeit dieses Lächeln, das mir kalten Schauer über den Rücken jagt. Und dennoch ist es gänzlich anders als das jener anderen Schafe, die dem Großen Ganzen gefolgt waren. Es verbirgt sich selbst nicht hinter dieser Scharade aus Fröhlichkeit. Wenn ich seine schmalen Lippen sehe, wie sie sich nach oben ziehen, versuchen etwas von der damaligen Fröhlichkeit wieder einzufangen und dennoch kläglich scheitern, dann wird mir klar, dass auch er spüren kann, was mein Herz zerfrisst.

Erst wenn es blutet, wird einem bewusst, dass selbst ein verdorrtes Herz immer noch Leben in sich birgt.


Rastlos wanderte der schwarzhaarige Professor durch die Gänge, die am nächsten einem Zuhause gleichkamen. Und doch wagte er es niemals diese Stätte, in der er arbeitete, in der er lebt, als solche zu bezeichnen. Fast sein gesamtes Leben hatte er hier in diesen Gemäuern verbracht, hatte hier ein wenig von der Geborgenheit gefunden, die andere für selbstverständlich hielten, und hatte sie auch wieder verloren.

Auch jetzt wäre ihm niemals in den Sinn gekommen von hier wegzugehen. Wohin auch? Es gab nichts wohin es seinen ruhelosen Geist zog, keine Familie nach der er sich sehnen konnte.

Seine nächtlichen Wanderschaften waren in den vergangenen Monaten immer ausgedehnter geworden, und heute verbrachte er kaum noch Zeit in seinen Privatgemächern. Sein Geist, immer schon ruhelos, hatte neue Dimensionen erreicht ihn zu quälen. So sehr er es auch Anfangs versucht hatte, Schlaf war zu einer Rarität in seinem Alltag geworden. Oft vergingen zwei oder drei Tage, bevor er erschöpft und traumlos über seinem Schreibtisch zusammenbrach und so wenigstens einige wenige Stunden seinen Geist ruhen lassen konnte. Nicht, dass er nicht schlafen wollte, das mit Sicherheit nicht, er konnte einfach nicht schlafen. Irgendetwas weigerte sich stetig gegen den Versuch sich an einen normalen Schlafrhythmus zu gewöhnen. Irgendwann hatte er aufgeben sich dagegen zu wehren und sich sinnlos stundenlang in seinem Bett von einer Seite zur anderen zu wälzen. Er hatte es einfach hingenommen und hatte sich den Umständen angepasst.

Wenn er nächtens durch die dunklen verschlungenen Gänge der Schule wanderte, verschaffte ihn diese Tätigkeit eine seltsame Beruhigung. Er war nicht wie früher auf der Suche nach verbotenen Aktivitäten der Schüler, sinnte nicht darauf einige von ihnen in den Korridoren zu erwischen um seinen Ärger an ihnen abzureagieren. Die Stille, die sich in dem weitläufigen Netz aus Gängen und Wegen ergab, ließ ihn einfach vergessen, dass ihn nichts mehr zu halten schien, gab ihm wenigstens zu einem geringen Teil die Geborgenheit, die er so verzweifelt suchte.

Während er einen Fuß vor den anderen setzte und dabei seinen Blick starr auf den vor ihm liegenden Gang richtete, nahm er kaum die niedergesunkene Gestalt in einer der dunklen Nischen wahr, die direkt vor ihm lag. Der Zaubertränkemeister wäre wohl an der anderen Person vorbeigelaufen, hätte ihn nicht ein kaum wahrnehmbares Stöhnen aus seiner Lethargie gerissen. Mit eisiger Miene versuchte er zu erkennen woher dieses Geräusch gekommen war, und als sich sein Blick auf die zusammengekauerte Gestalt richtete, umfasste ein kaltes Band seinen Geist und ließ ihn frösteln.

Auch wenn er das Gesicht des Jungen in der Dunkelheit nicht eindeutig bestimmen konnte, so wusste er dennoch, dass es sich nur um Potter handeln konnte. Vielleicht war es die Art wie der Junge atmete, oder wie er dort auf dem kalten Boden saß, dass ihm diese Gewissheit verschaffte, vielleicht war es einfach auch nur seine Intuition, die ihm manchmal einfach gewisse Dinge wissen ließ.

In einem Anflug alter Gewohnheit stützte er seine Hände an seine Hüften und wollte dadurch noch bedrohlicher aussehen als seine Gestalt es ohnehin schon war. ‚Potter... Was machen Sie...' doch dieser Satz sollte niemals beendet werden. Der süßliche Gestank von Whiskey und altem Zigarettenrauch stieg ihm in die Nase und ließ ihn stocken. Ungläubig betrachtete er das Bündel Mensch vor sich, dass sich nun nur noch weiter in die Dunkelheit flüchtete.

Langsam beugte er sich nach vorne und umschloss mit festem Griff den vermuteten Oberarm des Jungen um ihn daran hochzuziehen. Als die dunklen Schatten von dem Gesicht des Jungen glitten, stockte Snape zum ersten Mal seit langer Zeit der Atem. Die Augen des einstigen Helden waren verklärt und gerötete. Der Blick eisig und dennoch seltsam entrückt. In dem matten Schein weit entfernter Kerzen wirkte das Gesicht des Jungen wie die Maske des Todes. Dunkle Augenringe zeichneten sich über den hohen Wangenknochen ab, und seine Lippen waren fest aufeinander gepresst, sodass sämtliches Blut aus ihnen gepresst worden war. Nur die dunkle Narbe auf seiner Stirn hob sich fast schon obszön von seiner bleichen Haut ab. Und wäre dieses eindeutige Mal nicht gewesen, hätte der Zaubertränkemeister zweifeln können, dass es sich bei diesem menschlichen Wrack wirklich um den Retter der gesamten Zauberwelt handelte.

Der Gestank nach billigem Fusel wurde stärker und fast war der Zaubertränkemeister versucht zu würgen. Doch er unterdrückte dieses Verlangen und versuchte seine Züge genauso starr zu halten wie sein Gegenüber. ‚Sie sind betrunken, Potter!' hörte er sich schwach feststellen.

Ein grausam anmutendes Lächeln zog sich über dieses entstellte Gesicht. Bewirkte nur noch mehr, dass es wie die grässliche Maske eines Dämons aussah. ‚Und?' erwiderte der Junge mit unverhohlenem Amüsement. Und der Gestank nach Alkohol verstärkte sich nur noch mehr.

Snape erwiderte den trotzig, herausfordernden Blick seines Schülers. ‚Das könnte Ihren Rauswurf bedeuten, Mister Potter! Wenn ich Professor Dumbledore...'

‚Der alte Narr wird mich nicht hinauswerfen...' unterbrach ihn Potter in übermäßig lautem Ton. Er versuchte seinen Arm von dem eisernen Griff des Professors zu lösen, doch Snape hatte nicht die Absicht den Jungen einfach loszulassen. Nach einigen erfolglosen Versuchen gab er schließlich auf und blickte den Zaubertränkemeister hasserfüllt an. ‚...Er schuldet mir einfach zu viel!' ergänzte der Junge seinen Satz mit leiser Stimme.

Die Kälte, die als kaum fassbarer Unterton in der Stimme des Jungen mithallte, war erschreckend. Nicht die Tatsache, dass sie überhaupt vorhanden war, sondern vielmehr, dass sie aus dem Mund eines Jungen kam, eines Jungen, der noch nicht einmal wissen sollte, dass es diese Gefühlsleere überhaupt gab.

Snape haderte mit sich, wog die verschiedenen Optionen, die für ihn bestanden ab, nur um zu merken, dass er kaum eine Wahl hatte. Er konnte den Jungen nicht dem Direktor übergeben, schließlich machte der Junge gerade ihn dafür verantwortlich, was geschehen war, und auch in dem Zaubertränkemeister selbst weigerte sich etwas Potter Dumbledore zu übergeben.

Stattdessen zog er den Jungen mit sich und ging nicht auf das wilde Gefluche und die Beschimpfungen ein, die Potter ihm in regelmäßigen Abständen an den Kopf warf. Erst als er an dem Eingang zu seinen privaten Gemächern angekommen war, wandte er sich Potter zu und sah ihn mit funkelnden Augen an. ‚Hör mir jetzt genau zu, Potter. Das ist wahrscheinlich deine einzige Chance, die ich dir gewähren werde. Entweder du kommst mit mir und ich gebe dir etwas zum Ausnüchtern oder ich werfe dich hier und jetzt auch ohne Dumbledores Genehmigung von der Schule!' Mit einem entschlossenen Schnauben unterstrich er seine Aussage und hoffte, dass auch der Junge verstehen würde, dass es sein vollkommener Ernst war.

‚Was interessiert es Sie, was mit mir geschieht? Ist das nicht DIE Gelegenheit mich endlich loszuwerden, Sie degenerierter Giftmischer!' spie ihm Potter wütend entgegen.

Die Wut, die sich in dem Zaubertränkemeister aufstaute, hätte nicht verheerender sein können. Dennoch hielt er sich zurück und beugte sich näher an das Gesicht seines Schülers. ‚Willst du dich besinnungslos trinken, bis die Bilder verschwunden sind? Oder bis du selbst nicht mehr weißt, wer du einst warst? Ich hätte nicht gedacht, dass du es dir so einfach machst. Nur lass dir gesagt sein Bürschchen, du kannst dich so besinnungslos trinken wie du willst, wenn du aufwachst, wirst du immer noch du sein. Und all jenes, dass du vergessen willst, wird nur noch stärker auf dich hereinbrechen!' Snape richtete sich wieder zu seiner vollen Größe auf und sah den Jungen abschätzig an.

Er hatte getan was von ihm verlang worden war, er hatte versucht mit Potter zu sprechen, doch wenn der Junge es selbst vermasselte, konnte er dagegen nichts machen. Doch so sehr er auch versuchte sich dieser Meinung anzuschließen, es gelang ihm nicht. Er würde den Jungen nicht gehen lassen, er würde ihn nicht seinem Schicksal überlassen können. Bei Merlins Bart, er fühlte sich in gewisser Weise schuldig an dem, was der Junge durchmachte.

Doch wider Erwarten weigerte sich Potter nicht weiter und ließ mit einem leichten Nicken erkennen, dass er einverstanden war. Auch Snape erwiderte diese Geste mit einem leichten Nicken seines Kopfes, bevor er mit einem knappen Wink seiner rechten Hand die Tür zu seinen Gemächern öffnete und zur Seite trat um seinen Schüler einzulassen.

Als Potter langsam an ihm vorbei schritt, wusste Snape, dass dieses Gespräch weit über seine verbliebenen Ressourcen gehen würde, und in gewisser Weise fürchte er sich davor sich dieser Begegnung zu stellen. Doch noch mehr fürchtete er sich davor, feststellen zu müssen, dass er zu lange gewartet hatte.

TBC...