Kapitel3
Ohne es zu merken führte Obi-Wans Weg ihn in den Saal der tausend Quellen, der schon immer sein Lieblingsort im Tempel gewesen war. Das beruhigende Rauschen des Wassers, die angenehmen Farben dieses Raums und die Bank, auf der er so gerne saß und u. a. mit Yoda so gut reden konnte. Alles in allem ein Ort, an den man sich zurückziehen konnte, um nachzudenken und oder zu meditieren.
Doch kaum als das er saß, kam die nächste Überraschung direkt auf ihn zu und das in Gestalt einer jungen Jedi. „Meister, endlich seid Ihr zurück! Ich weiß, ich bin nicht mehr Euer Padawan und ich sollte mich besser unter Kontrolle haben, aber ich freue mich einfach so, Euch wieder zu sehen." Mit diesen Worten ließ sie sich neben Obi-Wan auf die Bank plumpsen. Dem schossen tausend Gedanken auf einmal durch den Kopf: Wer war das denn schon wieder? Nicht mehr mein Padawan? Noch nie mein Padawan! Wo bin ich hier? Vielleicht hätte ich nach den Begegnungen eben den Tempel lieber verlassen sollen?! Was soll ich jetzt tun? Soll ich auf sie eingehen?
Doch bevor er zu einem Beschluss gekommen war, stellte sie auch schon eine Frage: „Wie war Eure Mission? Konntet Ihr den Senator beseitigen?" Senator beseitigen? Er hatte sich wohl verhört. Und er hatte ja keine Ahnung, ob er diesen Senator vielleicht wirklich beseitigt hatte. Jedenfalls in diesem Leben. Verdammt, was sollte er denn jetzt sagen. Denn irgendetwas musste er ja schließlich sagen, so wie ihn die junge Jedi anschaute. „Ich freue mich auch, dich wieder zu sehen. Und du weißt doch, egal wie eine Mission ausgeht, es geschieht alles nach dem Willen der Macht."
„Alles in Ordnung mit Euch? Eure Worte klingen mir sehr komisch! Mich interessiert einfach nur, ob Ihr den Senator getötet habt und ob es ein so tolles Gefühl war, wie Ihr es Euch vorgestellt habt!" Obi-Wan wurde heißer und heißer. Was diese Jedi hier von sich gab, war einfach zu erschreckend. Ihm wurde immer klarer, dass etwas ganz und gar nicht stimmte.
Ihr einer Antwort schuldig bleibend ließ Obi-Wan erneut einen erstaunten Jedi zurück. Er musste jetzt allein sein, über alles nachdenken. Da er nicht wusste, wo sein Quartier war und es nicht wagte, jemanden danach zu fragen, verließ er den Jedi Tempel so schnell und so unauffällig wie er nur konnte und eilte zunächst ziellos und blindlings durch die Straßen. Am Rande bemerkte er, dass ihm einige Einwohner Courusants erstaunt und verängstigt hinterher starrten, aber darum konnte sich der Jedi jetzt nicht kümmern.
Völlig außer Atem kam er schließlich vor Dex´ Diner zum Stehen. Vielleicht konnte er hier allein sein. Oder wenigstens ohne irgendwelche Jedi.
Als er die Lokalität betrat, verstummte sofort jeder in dem eben noch sehr lebhaften Restaurant. Alle starrten ihn an. Ohne sich darum zu kümmern, setzte sich Obi-Wan schnell an einen freien Tisch. Wenigstens hier sah erstmal alles vertraut aus: die gleichen etwas schmierigen Tische mit den bequemen gepolsterten Bänken, die gleiche nichtmenschliche Kellnerin mit ihren flotten Sprüchen und die gleiche Durchreiche hinter der Theke hinter der man meistens Dex´ beeindruckende Gestalt sehen konnte. Doch das war diesmal nicht der Fall. Vielleicht zum Glück. Obi-Wan bestellte Kaffee.
Während er auf seine Bestellung wartete, ließ das Interesse an ihm erstaunlicherweise nach. Aber es war bekannt, dass in diese Lokalität auch des Öfteren gefährliche Gestalten kamen, aber nicht um Ärger zu machen, sondern um eben was zu trinken oder zu dealen. Von daher waren die Besucher das schon mehr oder weniger gewöhnt. Trotzdem hatte man im Allgemeinen mehr Angst vor ihm, als er es gewöhnt war. Bzw. war es sonst eher Respekt als Angst.
Auf jeden Fall konnte Obi-Wan einigermaßen ruhig in Gedanken rekapitulieren, was bis jetzt geschehen war: Als erstes war er mitten auf Courusant aufgewacht, ohne zu wissen, wie er dorthin gekommen war, da er sich eigentlich zusammen mit Anakin auf dem Rückweg nach Hause befunden hatte.
Dann musste er feststellen, dass Meister Yoda schon länger tot ist, Anakin nicht wusste, dass er sein Padawan war, eine ihm unbekannte Jedi dafür behauptete sein ehemaliger Padawan gewesen zu sein und zu guter Letzt die Jedi seit neuestem Senatoren beseitigen. Das alles kann unmöglich wahr sein.
Die einzigen Erklärungen, die ihm einfielen, waren alle drei nicht besonders berauschend. Die erste war, dass er den Verstand verloren hatte und das, was er als seine Vergangenheit angesehen hatte, gar nicht passiert war. Das wäre eine nicht besonders tolle Erklärung. Außerdem stellt sich die Frage, wie er so etwas überhaupt feststellen konnte.
Von der zweiten hatte Obi-Wan mal vor längerer Zeit gelesen, aber das, was er gelesen hatte sofort verworfen. Es gab da eine Theorie über Paralleluniversen. Man ging davon aus, dass es unendlich viele Paralleluniversen gibt, in denen an irgendeiner Stelle etwas anderes passiert ist, als im eigenen Universum, was den Verlauf der nächsten Geschehnisse natürlich gravierend verändern würde. Angeblich könne man ein solches Universum durch bestimmte Verschiebungen im Raum erreichen, auch wenn das bis jetzt niemandem passiert war, hält man es für möglich. Allerdings stand im besagten Artikel leider nicht, wie man in sein eigenes Universum zurückkommen kann. Außerdem glaubte Obi-Wan nicht an solche Dinge.
Auch die dritte und für ihn letzte Möglichkeit war nicht unbedingt wünschenswert. Es könnte sein, dass er irgendwo gefangen war -wie auch immer das passiert sein mag- und das ein Experiment oder etwas in der Art sei. Aber auch hier kommt die Frage auf, wie er das herausfinden sollte.
Ganz kurz überlegte er auch noch, ob es vielleicht eine Art Vision oder Traum sein könnte, verwarf diesen Gedanken jedoch gleich wieder. Eine Vision von den Jedi, wie sie Senatoren töten? Unvorstellbar.
Wenn es sich um ein Paralleluniversum handeln würde, müsste es theoretisch auch hier einen Obi-Wan geben. Er versuchte sich lieber nicht vorzustellen, wie es sein würde, sich selbst gegenüber zu stehen.
Bei der Paralelluniversentheorie und der Gefangennahmentheorie müsste dann jedoch eigentlich der „echte" Anakin hier irgendwo stecken. Theoretisch.
Anmerkung des Autors:
ich will kurz eine erklärung wegen der paralleluniversum-geschichte abgeben, was nicht heißen soll, dass es die erklärung für obi-wans erlebnisse ist. ich will damit nur sagen, dass ich mir den quatsch nicht ausgedacht habe und nicht verrück bin. jedenfalls nicht deshalb. es folgt ein wikipedia-auszug:
Unter einem Paralleluniversum versteht man ein Universum, das jenseits unseres Universums und in gewissem Sinne unabhängig von diesem existiert. Paralleluniversen treten vor allem im Rahmen zweier verschiedener Theorien auf:
Die eine Theorie besagt, dass unser Universum nicht aus dem Nichts entstanden ist, sondern aus einem "Quantenschaum", aus dem auch andere Universen entstanden sind und möglicherweise immer noch entstehen. In diesen Universen können unterschiedliche Naturgesetze herrschen.
Die Viele-Welten-Interpretation der Quantenmechanik besagt, dass die Welt sich bei Beobachtungen in mehrere parallele Welten aufspaltet, in denen jeweils einer der beobachteten Werte angenommen wird. Der Begriff Paralleluniversum bezeichnet hier die parallelen Welten, die Gesamtheit dieser Parallelwelten wird dann oft Multiversum genannt. Ein anderer häufig benutzter Begriff für die Parallelwelten ist "Realitätszweig". In der Viele-Welten-Interpretation haben alle Paralleluniversen notwendigerweise dieselben Naturgesetze.
Es ist zu beachten, dass die beiden Theorien unabhängig voneinander sind, sich gegenseitig also weder bedingen, noch gegenseitig ausschließen. Wenn beide zuträfen, wären die Universen der ersten Theorie die Multiversen der Viele-Welten-Interpretation.
wir ihr seht, könnte es also theoretisch die erklärung sein, aber lasst euch überraschen….
