Kapitel4

Während Obi-Wan Kenobi in Dex´ Diner noch darüber nachdachte, ob sein ehemaliger Padawan auch in diesem Schlamassel steckte, passierten Anakin viel aufregendere Dinge. Tatsächlich war auch er auf Courusant gelandet, nur hatte er nicht wie Obi-Wan das Glück gehabt, einfach so unversehrt aufzuwachen. Vielmehr war er von einer Bande von Menschenhändlern bewusstlos aufgegriffen worden und verschleppt worden. Als er dann schließlich zu sich kam, sah er sich umgeben von mehreren halb ausgehungerten Kreaturen in einem schwach erleuchteten Raum wieder, die Hände gefesselt. Verwirrt blickte er sich um. So hatte er sich den Heimflug aber nicht vorgestellt. Er versuchte sich an das zu erinnern, was geschehen war, bevor er hier erwacht war. Aber das einzige, was ihm wieder einfiel, war einzig und allein der Heimflug. Es war kurz dunkel geworden und dann war er hier. Anakin spürte große Furcht in den Kreaturen, die mit ihm in dem Raum waren.

Er tippte einer jungen Frau an die Schulter und fragte: „Entschuldige, aber wo sind wir hier?" „Ihr seid neu hier nicht wahr? Ihr seid hier in der Hölle. In den Händen von Menschenhändlern der übelsten Sorte. Fangt schon mal an zu beten und Euch von dieser Welt zu verabschieden, denn lange werdet Ihr nicht mehr leben."

„Was wird denn mit uns geschehen?"

„Was wohl? Man verkauft uns an Minenbesitzer. Dort müssen wir unter widrigsten Bedingungen was weiß ich schürfen. Das überlebt niemand lange. Von nun an seid Ihr keine Person mehr, sondern ein Mittel, um an Erze heranzukommen." Anakin traute seinen Ohren nicht. Er war in den Händen von Menschenhändlern? Er?

Er sah an sich herunter und bemerkte, dass man ihm sein Laserschwert genommen hatte. Aber was hatte er auch anderes erwartet? Er konnte froh sein, dass er noch seine eigene Kleidung anhatte. Aber das würde er sich nicht gefallen lassen. Er war schon einmal ein Sklave gewesen und er hatte sich geschworen, dass es dazu nie wieder kommen würde. Nie wieder!

Nichtsdestotrotz wäre es natürlich noch interessant zu erfahren, wie er überhaupt in diese üble Lage hatte kommen können. Schließlich war er bis eben noch mit Obi-Wan auf einem Schiff gewesen. Obi-Wan! Wo war er? Hektisch blickte sich Anakin um, konnte jedoch keine Spur von seinem ehemaligen Meister sehen. Und spüren konnte er ihn ebenso wenig. Waren sie angegriffen worden? Unmöglich, das hätte er vorher gespürt. Und wenn nicht er, dann doch sicherlich Obi-Wan. Ihm entging so etwas nie. Anakin selbst war in Gedanken schon auf Courusant bei Padmé gewesen. Da hätte es durchaus sein können, dass ihm ein feindliches Schiff entging, aber nicht Obi-Wan. Immer korrekt, immer bei der Sache.

Anakin wurde schnell klar, dass ihm nichts anderes übrig blieb, als die Situation zu akzeptieren und zu versuchen, etwas zu ändern. Aus diesem Grund schaute er sich aufmerksam im Raum um. Kaum zu glauben, wie viele Menschen in einen einzigen kleinen Raum passten. Wenn man das Wort „Raum" überhaupt benutzen durfte. „Kammer" traf es wohl eher, denn der Raum war winzig, vor allem, wenn man bedachte, dass sich ca. 20 Personen in ihm befanden. Es gab eine winzige Tür an einer der Querseiten der Kammer. Anakin versuchte sich bis zu der Tür vorzudrängen, was sich als ein sehr schwieriges Unterfangen herausstellte. Denn niemand der Eingeschlossenen machte Anstalten, ihm Platz zu machen. Vermutlich waren die meisten von ihnen sowieso zu abgewrackt, um überhaupt irgendetwas machen zu können. Anakin schaute in einige Gesichter und konnte nur Müdigkeit, Hoffnungslosigkeit und leere Blicke sehen. Also benutzte er ganz einfach die Macht, um erstens die Leute zu beruhigen und zweitens sie dazu zu bewegen, ihm aus dem Weg zu gehen.

An der Tür angekommen untersuchte er diese mit den Händen und mit der Macht. Er konzentrierte sich und versuchte mit ihrer Hilfe den Schließmechanismus zu öffnen. Aber irgendetwas schien ihn wie eine magische Kraft davon abzuhalten. Das war ihm ja noch nie passiert. Normalerweise ging es bei Anakin immer mit dem Kopf durch die Wand. Aber diesmal nütze es nichts. Die Tür war und blieb verschlossen. Frustriert sah er sich um. Vielleicht gab es einen anderen Weg. Was sagte Obi-Wan immer? Geduld haben. Nachdenken. Doch so wie es aussah, würde ihm letzteres nichts helfen, denn sosehr sich Anakin auch bemühte, ihm viel nichts mehr ein. Eine verschlossene Kammer, mit einer einzigen Tür, die nicht zu öffnen war und einer halb ausgehungerten verstörten Menge. Also versuchte er sich auf das zu konzentrieren, was sich hinter der Tür befand. Eine Welle von Dunkelheit schwappte ihm entgegen. Kein Zweifel, die dunkle Macht war hier sehr präsent. Wie, bei der Macht, war er nur in diese verdammte Kammer gekommen. Und wo zum Teufel steckte Obi-Wan.

Kaum hatte Anakin diese Gedanken zu Ende gedacht, da öffnete sich die kleine Tür und die Öffnung eines Blasters winkte die Menge aus der Kammer. Auch Anakin ging gehorsam, aber wachsamer als alle anderen hinaus. Jedoch versuchte er nicht aufzufallen, was ihm angesichts der ausgehungerten Massen recht schwer fiel. Nun schaute er sich den Wärter genauer an. Erstaunt musste er feststellen, dass es sich bei demselben um eine weiblich Twi´lek handelte. Allerdings machte sie trotzdem einen eher maskulinen Eindruck auf Grund ihrer Größe und Statur. Tja, sollte er es wagen, zu versuchen, sie zu überwältigen? Sie sah nicht so aus, als ob sie sich die Butter vom Brot nehmen lässt und er war überzeugt, sie würde nicht zögern, auf ihn zu schießen, sollte es zu einer Konfrontation kommen. Also besann er sich auf Obi-Wans Ausbildung und hielt sich in Geduld zurück.

Anakin musste auch gar nicht lange warten, da suchte die Twi´lek eine Gruppe von Leuten aus, die in einer vergleichsweise guten Verfassung befanden, heraus, schickte den Rest wieder in die Kammer und führte die Auserwählten durch einen langen Flur. Es befanden sich keine Fenster in dem Flur, sodass es Anakin auch weiterhin unmöglich war, zu sagen, wo er sich befand. Vor ihm lag einfach nur ein furchtbar kahler und langer Korridor.

Nach einer ganzen Weile erreichte die Gruppe eine Tür, durch die sie in einen etwas größeren Raum gelangten. Dort befand sich ein männlicher Mensch. Die Twi´lek bedeutete ihnen, sich in einer Reihe aufzustellen. Nachdem alle die Anweisung befolgt hatten und sich aufgestellt hatten, begutachtete sie der Mensch einen nach dem anderen. Vor Anakin blieb er stehen. „So, so, ein verirrter Jedi. Ohne eure Laserschwerter seid ihr so erbärmlich. Da bleibt nichts mehr übrig von eurer angeblichen Macht. Wie lautet dein Name, Jedi-Abschaum?" Anakin konnte sich nur mit Mühe davon zurückhalten, diesem Mann nichts anzutun. Aber das hätte die Twi´lek vermutlich nicht zugelassen. Deshalb unterließ er das und antwortete stattdessen, in der Hoffnung, durch ein Gespräch etwas herausfinden zu können: „Anakin Skywalker. Und mit wem habe ich die Ehre?" Obi-Wan wäre stolz auf mich!

„Oh, so höflich kenne ich die Jedi ja gar nicht! Anakin Skywalker. So, so. Na schön Anakin, dann verrate mir doch mal, was einen so ‚ehrenhaften' Jedi ins tiefste Courusant führt, hm?" Ok, er befand sich also auf Courusant, das war ja schon mal ein Anfang. Allerdings wusste Anakin ja selbst nicht, wie er hierher kam. Also was sagen?

„Das geht Euch ja wohl nichts an."

„Ja, das sind doch schon eher die Manieren eines Jedi. Nun, wie auch immer, es freut mich, dass ich der Gesellschaft was Gutes tun kann und sie wieder von einem Jedi befreien kann. Ich bin sicher, die Person oder ich sollte besser der Senator sagen, den ihr beseitigen wolltet, wird hoch erfreut sein, weiterleben zu dürfen. Ich frage mich immer, warum die Jedi doch tatsächlich wie Kopfgeldjäger arbeiten. Für mich ist das eine Verschwendung eures Potentials. Aber gut, lassen wir das. Was zählt ist, dass ich für dich wahrscheinlich viel Geld bekommen werde! Es war mir eine Ehre dich kennen gelernt zu haben."

Mit diesen Worten bedeutete er der Twi´lek, sie abzuführen. Wären seine Hände nicht gefesselt gewesen, Anakin hätte sich auf sie gestürzt und ihr die Waffe entrissen. Aber momentan sah er keine Möglichkeit, etwas zu tun. Offenbar wusste die Twi´lek über den Grad seiner Fähigkeiten Bescheid, denn sie ließ ihn keine Sekunde aus den Augen, scheinbar darauf wartend, dass er eine falsche Bewegung macht und ihr damit die Gelegenheit gab, ihn zu töten. Nach einem kleinen Marsch gelangte die Gruppe zu einem Ausgang, der zu einer Landeplattform führte. Dort sollten sie sich wieder nebeneinander aufstellen. Und erneut mussten sie sich einer eingehenden Musterung unterziehen. Zwar auch wieder von einem menschlichen Mann, aber ein andere als der erste. Anakin traute seinen Augen nicht. „Senator Organa!" Erstaunt blickte der Mann ihn an. „Woher kennst du meinen Namen? Und warum nennst du mich Senator?" Anakin konnte sich verfluchen. Warum war er nur immer so unbesonnen. Das war die Strafe hierfür. Senator Organa war schließlich ein Freund. Vermutlich Undercover und er riskierte, dass man ihn entlarvte. Er musste sich was einfallen lassen. „Entschuldigt, mir fiel keine bessere Beleidigung für Euch ein." Organa machte ein erstauntes Gesicht. Doch nach kurzem Erstarren holte er aus und schlug dem Jedi mitten ins Gesicht. Dank seiner ausgezeichneten Reflexe konnte Anakin wenigstens ein bisschen ausweichen, was den Schlag ein wenig abdämpfte. „Wie kannst du es wagen, Sklave? Wofür hälst du dich eigentlich? Wie ist dein Name?" Nun Bail Organa konnte wirklich gut schauspielern, aber musste er gleich so hart zuschlagen? „Anakin Skywalker. Und ich bin kein Sklave!"

„Oh, du bist wohl noch nicht so lange dabei, Skywalker. Ansonsten würdest du wohl kaum so mit mir reden. Nun, wenigstens machst du einen ganz fitten Eindruck. Sonst hätte man dir wohl nicht als einziges die Hände verbunden. Was warst du, bevor du hierher kamst?" Verwundert über diese nicht enden wollende Showeinlage antwortete Anakin: „Ich bin ein Jedi."

„Ein Jedi… Das hat mir ja gar keiner gesagt. Hmm, das könnte ja durchaus nicht schlecht sein. Die Jedi sind ja für ihre Skrupellosigkeit bekannt. Wir könnten ja einen Handel vereinbaren. Wie wärs? Ich kaufe dich und ihm Austausch dafür musst du nicht in einer meiner Minen arbeiten, sondern darfst ein paar spezielle persönlichere Dinge für mich erledigen. Selbstverständlich müsste ich dich zuerst überwachen lassen, um zu gucken, ob du mir auch wirklich loyal bist. Aber dann könntest du so ne Art Partner werden. Das würde meinem Ruf sehr gelegen kommen. Also was meinst du dazu?" Nach kurzem Nachdenken willigte Anakin natürlich ein. Schließlich war das Senator Organa.

Zumindest dachte Anakin das.