Kapitel5

Währenddessen hatte Obi-Wan seine Situation überdacht und war zu dem Schluss gekommen, sich erstmal nicht zum Tempel zurück zu begeben. Das hatte offenbar keinen Zweck. Außerdem sollte er diesen Ort hier verlassen, weil die Anwesenden immer nervöser wurden. Obi-Wan hatte das Gefühl, dass es nicht nur daran lag, dass er ein Jedi war, sondern es schien, als ob sich alle vor ihm, Obi-Wan persönlich, fürchten würden. Das erschien ihm ungewöhnlich bis beunruhigend. Denn immerhin war er eigentlich ein respektierter, ja geschätzter Jedi gewesen. Und überhaupt war man den Jedi eher dankbar für die Dinge, die sie taten. Aber die Leute konnten kaum weiter essen seit er das Lokal betreten hatte.

Obi-Wan beschloss an einen anderen Ort zu gehen, um etwas mehr über seine Situation herausfinden zu können. Vielleicht gab es ja auch Dinge, die ihm bekannt waren. Also machte er sich auf den Weg zu Senatorin Amidala. Jedenfalls hoffte er, dass sie auch wirklich Senatorin war. Allerdings war ihm noch nicht so ganz klar, wie er an die Senatorin herankommen sollte, denn wenn man seinem „Padawan" glauben durfte, waren Senatoren wahrscheinlich nicht besonders gut auf Jedi zu sprechen… Aber einen Versuch war es wert, denn immerhin gab es gewisse Dinge, die zumindest ähnlich waren. Schließlich war Mace Windu immer noch ein führendes Mitglied im Rat der Jedi. Um jedoch nicht gleich aufzufallen, besorgte er sich ein unauffälligeres Outfit.

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Am Gebäude, in dem die Senatorin seiner Meinung nach leben müsste, angekommen, stieg Obi-Wan in den Fahrstuhl. Erinnerungen an seinen Auftrag mit Anakin auf Padmé aufzupassen kamen in ihm hoch. Schnell konzentrierte er sich wieder auf das vor ihm liegende. Als die Fahrstuhltür aufging, sah Obi-Wan sich einem Gungan gegenüber. Sofort hatte er ein Déjá-vu. Allerdings handelte es sich bei besagter Kreatur nicht wie im ersten Fall um Jar Jar Bings, sondern um einen ihm unbekannten Gungan. Dieser wandte sich ihm sofort zu und begrüßte ihn auf die für Gungans typische Art und Weise: „Hallolo! Michse dir helfen können?"

„Ja, äh, ich suche Padmé Amidala. Ist sie hier?" Vorsichtshalber erwähnte er nicht den Titel „Senatorin". Man konnte ja nie wissen. Und prompt war Obi-Wan froh seiner Ahnung gefolgt zu sein, denn die Senatorin, die auf ihn zukam, war offensichtlich nicht Padmé. Allerdings sah sie ihr sehr ähnlich. Obi-Wan glaubte sogar, dass es sich bei dieser Frau um eine von Padmés Dienerinnen handelte, aber er war sich nicht ganz sicher. „Darf ich fragen, wer Ihr seid und was Ihr von meiner Dienerin Padmé wollt?" Tja, was nun? Selbst wenn er sich eine passende Geschichte einfallen ließ und mit Padmé sprechen konnte, so stellte sich doch die Frage, ob es etwas nützen würde. Wie auch immer, er war jetzt hier und es kam auf einen Versuch an. „Nun mein Name ist Ben Oknebi und ich möchte Padmé in einer dringenden privaten Angelegenheit sprechen." Auf die Schnelle war ihm doch glatt nichts Besseres eingefallen. Dabei hätte er sich auf so etwas vorbereiten müssen. Was für eine primitive Idee. Die Senatorin musterte ihn auch mit abschätzenden Blicken.

„Wenn es nicht allzu lange dauert, denke ich, dass ich mal eine Ausnahme machen kann. Padmé! Hier ist ein, äh, Ben Oknebi, der dich in einer privaten Angelegenheit sprechen möchte. Du hast 15 Minuten. Ihr könnt in mein Gästezimmer gehen und reden."

„Danke Mylady."

Etwas verwirrt sah ihn Padmé an, führte ihn dann aber in besagtes Zimmer. Das Gästezimmer hatte Obi-Wan zuvor noch nicht betreten und sah sich um. Was er sah, ließ ihn erstaunen. Zwar hatte der Jedi gewusst, dass Senatoren nicht gerade arm sind, aber diese Pracht raubte ihm dann doch den Atem. Auf der linken Seite des Zimmers befand sich eine Sitzgruppe in den Farben blau und grün gehalten und, soweit Obi-Wan das beurteilen konnte, recht geschmackvoll. Rechts stand ein prächtiges Himmelbett, auf dem Gäste offenbar schlafen konnten. Auch diese Augenweide war blau und passte deshalb, aber auch vom Stil her hervorragend zu den Sofas.

Nachdem sich der Jedi genug umgeschaut hatte, wandte er sich Padmé zu. Die sah ihn äußerst überrascht an, wusste offenbar nicht, was sie von der ganzen Sache halten sollte, und schaute ihn mit großen, erwartungsvollen, aber auch etwas ängstlichen Augen an. Um sie zu beruhigen, sagte Obi-Wan: „Ich kann Euch versichern, dass nichts passiert ist. Ich suche Euch auf, um zu fragen, ob Ihr jemanden namens Anakin Skywalker kennt." Gespannt erwartete er ihre Antwort. Nach kurzem Zögern antwortete sie. „Ich kenne niemanden mit einem solchen Namen, aber…"

„Aber?", hakte Kenobi nach.

„Aber ich hatte vor kurzem einen Traum, in dem ein junger Mann vorkam, der auf diesen Namen hörte. Jedoch tat ich das als eine Phantasie meines Unterbewusstseins ab. Wer ist denn dieser Anakin? Und wer seid Ihr? Ich weiß zwar Euren Namen, aber nicht wer Ihr seid." Obi-Wan überlegte, inwieweit er ihr vertrauen konnte bzw. sich ihr anvertrauen konnte. Aber was hatte er schon zu verlieren?

„Bitte erschreckt jetzt nicht, wenn ich Euch jetzt etwas anvertraue. Ich habe nicht vor, Euch oder der Senatorin irgendetwas anzutun. Ich bin ein Jedi-Meister und mein richtiger Name lautet Obi-Wan Kenobi. Ehrlich gesagt weiß ich nicht so recht, was ich von meiner Situation halten soll."

In knappen Worten erzählte er ihr von seinen Erlebnissen und Befürchtungen.

„Nun ich weiß auch nicht, was ich davon halten soll und ich weiß nicht, warum Ihr ausgerechnet zu mir kommt. Wir kennen uns doch gar nicht." Verwirrt und immer noch verängstigt blickte sie ihn an.

„Tja, also ich kenne Euch eigentlich, so wie ich auch Anakin als meinen ehemaligen Schüler kenne, aber wie gesagt, ist auf einmal alles anders." Beim sprechen merkte Obi-Wan, wie absurd das alles klang. Er war gefangen in einer Welt, in der alles anders war und in der es niemanden gab, dem er wirklich vertrauen konnte. Padmé musste ihn für verrückt halten.

Mit den Worten: „Allerdings ist es schon ein großer Zufall, dass ich die letzten Nächte von einem Anakin Skywalker geträumt habe", riss sie ihn aus seinen Gedanken.

„Wenn ich Euch um etwas bitten dürfte? Würdet Ihr mir von diesem Traum erzählen und auch, wie sich die Jedi hier benehmen? Ich weiß, dass das alles verrückt klingt und ich beginne ja selbst an mir zu zweifeln, aber Ihr müsst mir glauben und vertrauen. In meiner Erinnerung stehen wir uns sehr freundschaftlich gegenüber."

Irgendetwas an ihm ließ Padmé ihm glauben. War es seine ruhige tiefe Stimmte oder sein ganzes besonnenes Auftreten? Fast kam es ihr so vor, als wäre sie ihm schon ganz oft begegnet.

Gerade als sie anfangen wollte zu erzählen, platzte die Senatorin herein und meinte: „Es tut mir leid, aber Padmé wird nun wieder benötigt. Ich bitte Euch, wieder zu gehen." Obi-Wan musste wohl oder übel gehen. Padmé konnte gerade noch flüstern: „Wir treffen uns beim Taxistand draußen."

Obi-Wan nickte kaum merklich und verließ eilig die Gemächer der Senatorin.

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Draußen angekommen entdeckte er sofort den Taxistand, den Padmé gemeint haben musste. Ihm blieb wohl nichts anderes übrig als zu warten. Aber immerhin schien Padmé geneigt, mit ihm zu reden. Der sonst so geduldige Jedi-Meister konnte es kaum abwarten, von Padmés Traum und ihrem Bericht zu hören. Das war immerhin ein Anfang.

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