Kapitel9
Als Anakin das Zimmer Organas wieder verlassen hatte, warteten sowohl der versprochene Droide als auch besagte Wache auf ihn. Während der Droide ihm kaum Beachtung schenkte, sondern nur den Gang vorausging, ließ die Wache ihn keine Sekunde aus den Augen.
Vermutlich wäre es ein leichtes, diesen Typ zu erledigen und auch der Droide sollte kein großes Hindernis darstellen.
Anakin befand sich in einer Zwickmühle. Einerseits wollte er unbedingt dieser Chip-Sache entgehen, aber andererseits wollte er diesen Auftrag Organas annehmen, um erstens auf seinen alten Meister zu treffen und zweitens auch Senator Organa zu retten. Allerdings könnte er auch Wache und Droide überwältigen, sich Organa schnappen und von hier verschwinden. Dann könnte er genauso Obi-Wan aufsuchen.
Anscheinend die beste Lösung.
Kaum hatte der Jedi seinen Entschluss gefasst, wirbelte er herum, nahm der Wache mit der Macht den Blaster aus der Hand, duckte sich unter einem Schuss aus dem Blaster des Droiden, der inzwischen auch reagiert hatte und versetzte dem verdutzten Mann einen Tritt ins Gesicht. Nachdem er Organas Gehilfen und dann auch den Droiden mit einem Machtstoß kampfunfähig gemacht hatte, schaute er sich in dem Gang um.
Das ganze hatte natürlich einen ziemlichen Lärm gemacht. Aber Anakin hoffte, dass es niemand gehört hatte. Nach einer kleinen Weile war er sich dessen sicher und ging mit langen Schritten in die Richtung zurück, aus der er gekommen war.
Vielleicht würde ihm Organa sogar sein Laserschwert wiedergeben. Auf keinen Fall wollte er Obi-Wan den Triumph gönnen, ihn wieder belehren zu können. Diese verdammte „diese-Waffe-bedeutet-dein-Leben-Lektion" konnte er wirklich nicht mehr hören. Zumal er nicht mehr ein Padawan war. Allerdings fühlte er sich in Obi-Wans Gegenwart manchmal so. Jedenfalls meistens dann, wenn Obi-Wan den Lehrmeister raushängen ließ. Und das geschah nicht gerade selten. Verdammt, mittlerweile kamen sogar ihm immer wieder Passagen aus dem Kodex in den Sinn. Immer dann, wenn Obi-Wan sie zitiert hätte. Allerdings hütete sich Anakin davor, dass seinem Mentor zu gestehen.
Aber genug daran gedacht. Das Hier und Jetzt zählte. Da war schon wieder der Kodex, Anakin gestattete sich ein kurzes Lächeln. Dann wurde er wieder ernst.
Mit ein bisschen mehr Konzentration konnte er seine Waffe vielleicht sowieso alleine spüren.
An der Tür zu Organas Zimmer blieb er kurz stehen, um sich zu sammeln und eine evtl. Gefahr vorher zu bemerken.
Auch Obi-Wans erstaunliche Geduld färbte langsam auf ihn ab. Vor ein paar Jahren wäre er vermutlich einfach in diesen Raum gestürmt ohne darauf zu achten, was ihn vielleicht hinter der Tür erwartet. Aber das war einmal. Jetzt konzentrierte er sich, konnte jedoch außer Organa niemanden in dem Zimmer spüren.
Nachdem er die Tür passiert hatte, richtete Anakin seinen Blaster auf Organa.
Der schaute völlig perplex und wollte schon eine Hand zum Blaster ziehen, als Anakin meinte: „Denkt nicht mal dran! Wenn Ihr Euch meiner Fähigkeiten tatsächlich so bewusst seid, wie Ihr behauptet, dann wisst Ihr, dass das keine so gute Idee wäre. Die Reflexe eines Jedi sind wohl ein bisschen schneller als Eure."
„Wie…wie?"
„Wie ich Euren Mann überwältigt habe? Es war eine Beleidigung an meine Person, dass Ihr wirklich dachtet, im Zweifelsfall könnte der mich aufhalten.
Aber genug geredet, ich hole Euch jetzt hier heraus."
„Du willst mich entführen? Vermutlich willst du mich noch Kenobi ausliefern!
Ich warne dich Skywalker! Du weißt nicht, worauf du dich da einlässt. Schon viele haben probiert, eine Persönlichkeit wie mich zu entführen, aber es sind immer alle gescheitert. Du befindest dich auf meinem Schiff. Wie bitte gedenkst du von hier zu verschwinden? Von meinem Schiff, eines der best gesicherten, die es gibt."
Organa gönnte sich ein überlegenes Grinsen.
„In weiser Voraussicht habe ich die Rettungskapseln entfernen lassen. Für genau solche Fälle. Ich hoffe, du bist nicht böse."
„Ihr müsstet wissen, dass einen Jedi so etwas nicht abhalten kann!"
Verdammt! Auf die Rettungskapseln hatte Anakin spekuliert. Jetzt würde er improvisieren müssen. Aber es gab für alles eine Lösung.
„Wo ist mein Laserschwert?"
„Meine Lippen sind versiegelt, Skywalker."
„Sagt es!"
Anakin kam gefährlich näher.
„Sagt es sofort!"
Diese Worte kamen fast geschrieen über seine Lippen. Langsam wurde ihm das ganze zuwider. Seine Geduld war lange genug auf die Probe gestellt worden und es gab immer noch zu viele unbeantwortete Fragen.
Anakins Gesicht befand sich jetzt direkt vor Organas und seine Stimme wurde wieder leiser bekam einen bedrohlichen Unterton.
„Es gibt zwei Möglichkeiten, Organa. Entweder Ihr kooperiert oder Ihr werdet es bereuen. Ich finde mein Laserschwert auch ohne Euch, das solltet Ihr wissen. Es würde Euch nur einiges ersparen, wenn Ihr mir es freiwillig zurückgebt."
Organa grinste wieder.
„Du hast mehr Temperament als es erst den Anschein hatte.
Ich schlage dir etwas vor: Ich gebe dir deine Waffe zurück und dann reden wir noch mal in Ruhe. Na, wie wäre das?"
Anakin hob leicht den Kopf und schaute seinen Gegenüber misstrauisch an. Das Dumme an seiner Situation war, dass er so gut wie kein Druckmittel in der Hand hatte. Er konnte Organa aus zwei Gründen nichts antun. Erstens war er ein Jedi und Organa unbewaffnet und zweitens war dieser ein Senator der Republik, das durfte er nicht vergessen.
Also nickte der Jedi.
„Keine Tricks, Organa."
Mit einem Lächeln öffnete Organa langsam eine Schublade an seinem Schreibtisch.
