Kapitel12
Nach einer ganzen Weile -Obi-Wan hatte aufgegeben, sich zu merken, wie sie gelaufen waren- erreichten Aniya und der Jedi erneut ein Haus, das ungefähr so aussah, wie das, zu dem Padmé Obi-Wan geführt hatte. Das war kaum verwunderlich, denn in dieser Gegend sahen sich die Häuser alle sehr ähnlich und Obi-Wan vermutete, dass sie sich ganz in der Nähe des ersten Hauses befanden. Um genau zu sein, wusste er es, trotzdem er immer müder wurde. Allerdings hatte ihn sein Orientierungssinn nicht vollkommen verlassen.
Vor dem Haus blieb Aniya allerdings stehen und drehte sich zu Obi-Wan um. Auf dem ganzen Weg hatten die beiden nicht ein Wort miteinander gewechselt.
„So, wir sind da. Ich hoffe, der Herr erwarten nicht zu viel, denn immerhin arbeite ich ja nicht, obwohl das ja besser für mich wäre, nicht war?"
Obi-Wan beschloss, den ironischen Unterton in ihrer Stimme zu ignorieren.
„Ach, nur keine Sorge, ich habe schon schlimmeres gesehen. Nach dir?"
Er bedeutete ihr mit dem Blaster freundlich, vor zu gehen.
Sie schnaubte kurz, beschloss dann aber, der Geste Folge zu leisten, da sie sich bei diesem Kerl nicht sicher war, woran sie war. Irgendwie hatte er sie ja schon beeindruckt.
Ähnliche Gedanken hatte auch Obi-Wan. Das ganze Verhalten dieser Frau berührte ihn irgendwie merkwürdig. Einerseits schockierte ihn ihre Geschichte, dass ihr Gesicht angeblich von den Jedi entstellt wurde, aber andererseits machte es sie auch auf eine seltsame Weise interessant. Nicht in erotischem Sinne, dafür war Obi-Wan viel zu sehr ein Jedi, aber dennoch interessant. Dieses Gespräch würde sicherlich einige wissenswerte Details ans Tageslicht bringen.
Mit diesen Gedanken betraten die beiden eine Wohnung, die einen ähnlichen Aufbau hatte wie die Senatorenwohnung von vorhin. Mit dem Unterschied, dass Aniya tatsächlich hier wohnte und das Apartment, jedenfalls nicht nur, für Vergnügungen nutzte.
„Wirst du meinen Blaster die ganze Zeit auf mich richten oder verständigen wir uns auf eine lockerere Kommunikation? Nur damit ich mich drauf einstellen kann."
Obi-Wan senkte den Arm.
„Nun, ich denke, es geht auch ohne. Schließlich bist du dir ja, nach vorhin, meiner Fähigkeiten bewusst."
Aniya schnaubte erneut und schmiss sich auf ein Sofa, das in einer Ecke stand. Obi-Wan blieb nur noch ein Stuhl zum Sitzen oder besagtes Sofa. Er entschied sich aus mehreren Gründen für den Stuhl. Erstens war er Aniya dann nicht so nahe und zweitens machte das Sofa den Eindruck, als habe ihre Besitzerin es von einem Müllhaufen entwendet, so schmutzig war es. Die Couch war leider auch nicht das Einzige, das so aussah. Auch der Rest ihres Heims lud nicht gerade dazu ein, sich dort länger aufzuhalten: Die Tapete blätterte von den Wänden ab und legte dreckiges Mauerwerk frei, von dem der Putz abbröckelte. Eine Lampe, von der man ahnen konnte, dass sie mal blau gewesen war, hing von der Decke herab, die in einem ähnlichen Zustand war wie die Wände. Das Mobiliar war mehr als dürftig. Neben der Couch und dem Stuhl gab es noch einen Tisch, auf dem Essensreste standen, die anfingen, ein Eigenleben zu entwickeln und einen Schrank. Zumindest glaubte Obi-Wan, dass es einer war. Eine halbgeöffnete Tür konnte die Küche nicht ganz verdecken, bei deren Anblick sich Obi-Wan abwenden musste und versuchte, nicht weiter darüber nachzudenken.
In einem verzweifelten Versuch so wenig wie möglich zu berühren, nahm Obi-Wan auf der vordersten Kante des Stuhls Platz und gab sich Mühe, nicht herunterzufallen.
Er hatte ja schon viel erlebt, aber das war der Höhepunkt. Das ein lebendes und vor allem fühlendes Wesen hier länger als einen Tag bleiben konnte, blieb ihm ein Rätsel.
Aniya, die Obi-Wans herumschweifenden Blick durchaus bemerkt hatte, grinste ihren Gegenüber an.
„Ich sagte doch, dass du nicht zu viel erwarten sollst. Jetzt bist du schockiert, nicht wahr? Tja, die nicht arbeitende Bevölkerung kann sich leider nichts Besseres leisten. Aber du hast Recht. Ich finde es viel besser nicht zu arbeiten und dafür in diesem Loch hier zu wohnen. Und hätte ich die Wahl zwischen ner anständigen Arbeit und dem hier, würde ich mich natürlich hierfür entscheiden."
Obi-Wan schüttelte den Kopf.
„Na schön, ich habe vielleicht etwas zu schnell über dich geurteilt und es tut mir leid. Können wir das damit auf sich beruhen lassen? Das ist sonst sowieso nicht meine Art. Ich habe nur einen harten Tag hinter mir und bin vielleicht ein bisschen zu gereizt. Bitte verzeih mir."
Aniya zog einen Schmollmund und sagte mit hoher Stimme:
„Oh, du hattest einen schweren Tag. Das tut mir wirklich sehr leid. Vermutlich war mein Tag dagegen wie ein Erholungsurlaub."
Ihre Stimme wurde wieder normal.
„Du bist ja echt arrogant und selbstgefällig, aber was soll´s. Ich kann dich eh nicht ändern und das will ich auch nicht. Stattdessen würde ich lieber erfahren, wie du das vorhin mit dem Blaster gemacht hast."
Sie bekam wieder diesen misstrauischen Blick. Jedoch spürte Obi-Wan keine Furcht in ihr und diese Tatsache war schon erstaunlich, denn immerhin musste ihr klar sein, dass Obi-Wan offenbar über übermenschliche Fähigkeiten verfügte.
„Wie wäre das, du sagst mir, was dir die Jedi angetan haben und was du sonst noch alles über sie weißt und dann erzähle ich dir, wer ich bin. Was sagst du?"
„Hm, eigentlich geht dich meine Geschichte ja gar nichts an, aber ich vermute, du hast das eh nur aus Höflichkeit als Frage formuliert. Deshalb willige ich ein."
Sie holte tief Luft und seufzte.
„Also, ich war Senatorin. Ich hatte auch so ne tolle Bude, die vor Reichtum nur so stinkt. So weit so gut. Mir ging´s bestens. Ich konnte mir so ziemlich alles leisten, was ich haben wollte. Außerdem konnte ich für meine Überzeugungen eintreten. Jedenfalls dachte ich das. In begrenztem Umfang stimmte das ja auch. Wenn meine Überzeugungen mit denen der Jedi übereinstimmten.
Eines Tages jedoch gab es ein Problem auf einem Planeten. Ich habe verdrängt, wie er heißt und das spielt ja jetzt auch keine Rolle. Auf jeden Fall war es sogar äußerst banal, denn es verband mich nichts mit dem Volk dieses Planeten. Wie auch immer, man entdeckte dort Minen und wollte dort schürfen. Zu diesem Zweck sollte die Bevölkerung umgesiedelt werden, gegen ihren Willen. Schwachsinn, da sie eigentlich dort hätten weiterleben können Ich habe mich dafür stark gemacht, dass diese Umsiedlung nicht passiert. Zuerst innerhalb des Senats, doch nachdem die Jedi ihre Meinung geäußert hatten und befunden hatten, dass für das Wohl der Allgemeinheit eine Umsiedlung besser sei, verlor ich viele der Senatoren als Anhänger.
Alles feige Leute!
Also beschloss ich, mich selbst an den Ort des Geschehens zu begeben und mit den Einheimischen zu sprechen. Kurz und gut es entstand sozusagen eine Bewegung gegen die Umsiedlung, an der sich die meisten beteiligten und die ich ins Leben gerufen habe.
Das Ergebnis des Ganzen war ein Massaker, wobei die Bevölkerung von den Jedi fast vollständig ausgelöscht wurde. Ich für meinen Teil wurde meines Amtes enthoben und man fügte in meiner Akte einen Vermerk hinzu, woraufhin mich nie wieder irgendjemand einstellen wird. Ich werde noch nicht einmal als Putzfrau irgendwo arbeiten können. Und um alles perfekt zu machen, habe ich auch noch diese persönliche Demütigung bekommen, indem sie mich entstellt haben. Dabei sagten sie, ich solle froh sein, noch am Leben zu sein.
Dafür kann sich die Galaxie über Minen freuen, in denen geschürft wird, wodurch Jobs entstehen. Auf den ersten Blick erscheint das wunderbar, aber dass dafür Millionen gestorben sind, wird ganz schnell verdrängt."
Aniyas Stimme wurde immer leiser, je mehr sie erzählte. Eine Träne lief ihr über die Wange.
Obi-Wan war sichtlich schockiert. Was er gerade gehört hatte, war einfach unfassbar. Er konnte kaum darüber nachdenken, ohne verrückt zu werden.
Ohne an die Couch zu denken, stand er auf, setzte sich neben Aniya und legte seinen Arm um sie. Sie wirkte so verzweifelt und zerbrechlich. Vermutlich gab sie sich die Schuld an dem Geschehenen.
Doch sie stieß ihn weg und wandte sich ab.
„Ich brauche dein falsches Mitleid nicht."
Ihre Stimme hatte wieder den alten Ton angenommen.
„Weiter in unserer Abmachung. Jetzt kommen die Jedi dran.
Ich weiß nicht, wie lange es die Jedi schon gibt, aber es muss schon ne Ewigkeit sein. Die haben wohl auch schon ne Ewigkeit diesen Jedi-Rat, den es bis heute gibt. Und es gibt eine bestimmte Hierarchie. Als erstes kommen die Jünglinge, dann die Padawane, dann die Jedi-Ritter und dann die Jedi-Meister.
Am Anfang waren die Jedi wohl ziemlich streng, vor allem, was Gefühle anbelangt, aber dann kam so nen Typ, der Xendor hieß und der hat das ganze wohl ein bisschen aufgelockert. So von wegen, dass man alle seine Gefühle zulassen sollte. Tja und seit dem sind die Jedi die Hüter der Republik. So bezeichnen sie sich jedenfalls.
Ja, das war die Kurzversion. Detaillierter kann ich dir das auch nicht sagen. Im Prinzip wissen auch nur die Jedi darüber Bescheid, aber ich hatte mal so meine Quellen. Ist ja auch egal. Ich weiß nicht, ob dir das was hilft, aber auf jeden Fall habe ich meinen Teil der Abmachung erfüllt."
