Kapitel 15

Obi-Wan war glücklich, endlich am Hotel angelangt zu sein und glücklich, dass es das Hotel überhaupt gab und noch ein Zimmer frei hatte. Es war zwar nicht das schönste, aber es erfüllte seinen Zweck. Außerdem war der Jedi sowieso am Rande der Erschöpfung, dass es für ihn kaum eine Rolle spielte.

Schnell nahm er in der angrenzenden Bar einen Happen zu sich, um seinen verzweifelten Magen zu beruhigen. Dabei machte er sich wieder kaum Gedanken darüber, was er aß, ihm ging es vielmehr darum, dass er aß.

Wieder in seinem Zimmer angekommen, probierte er noch einmal, Anakin zu kontaktieren, hatte aber keinerlei Erfolg.

Schließlich sank er auf sein Bett. Obwohl er todmüde war, konnte er auf Grund der enormen Reizüberflutung der letzten Stunden erstmal kein Auge zu tun.

Wie sollte er nun vorgehen? Sollte er doch noch einmal zum Jedi-Tempel gehen und gucken, was sich ergab? Konnte er das wagen, nach allem, was er erfahren hatte? Einerseits wusste niemand, dass er nicht der, war, für den man ihn hielt, deshalb dürfte man ihn eigentlich in Ruhe lassen. Andererseits gab es ein paar unbekannte Faktoren, die gefährlich werden konnten, wie z. B. sein „Padawan". Wer weiß, was er noch alles nicht wusste.

Auf jeden Fall würde er nichts unternehmen können, wenn er jetzt nicht wenigstens ein paar Stunden schlief. Wenigstens solang bis die Sonne wieder aufgeht und das war eh nicht so viel.

Also machte der Jedi-Meister ein paar Jedi-Atemübungen, um sich zu entspannen und zur Ruhe zu kommen.

Tatsächlich zeigten besagte Übungen die gewünschte Wirkung und er fiel in einen tiefen traumlosen Schlaf.

Am nächsten Morgen erwachte Obi-Wan erfrischt und mit neuem Mut und Tatendrang. Der Schlaf hatte ihn wieder zur alten Hochform gebracht und er machte seine allmorgendliche Meditation. Erstens, weil er es gewohnt war und zweitens, um noch einmal die gestrigen Eindrücke zu verarbeiten und auszuwerten.

Nachdem er damit fertig war, hatte er einen Plan gefasst. Zunächst würde er sich alle Informationen über Paralleluniversen besorgen, die er bekommen konnte. Vielleicht würde ihn das ja etwas weiterbringen. Danach wollte er sich zu dem Ort begeben, an den er sich zuletzt erinnern konnte, sprich das Weltall. Zu diesem Zweck würde er sich ein geeignetes Transportmittel suchen müssen, aber das war eher ein zweitrangiges Problem.

Die Aniya-Geschichte blieb ihm noch immer ein Rätsel, jedoch war dessen Lösung eher unten auf seiner Prioritätenliste. Falls er nicht aus ihr schlau werden würde, konnte er trotzdem gut weiterleben.

Blieb nur noch die Frage, wo Obi-Wans sich seine Informationen am besten besorgen konnte. Damit war er wieder beim Jedi-Tempel und dessen Archiv. Dort befanden sich einfach die umfassendsten Informationen. Er würde sich schnell dorthin begeben und ebenso schnell wieder verschwunden sein. Hoffte er.

Gedacht getan. Um nicht aufzufallen hatte er sich wieder sein Jedi-Outfit angezogen. Jedenfalls um im Tempel nicht aufzufallen. Auf der Straße versuchten alle in zu meiden und schauten schnell weg, wenn es einen Blickkontakt gab.

Es dauerte gar nicht lang und Obi-Wan hatte den Tempel erreicht.

Merkwürdig, dass ihm mehrere kleine Veränderungen bei seinem ersten Besuch nicht aufgefallen waren. Er kannte den Tempel offenbar schon so lange, dass er auf Details gar nicht mehr achtete. Dabei hätte er das auf Grund der Ereignisse besser tun sollen. Schließlich war es eher nicht normal, mitten auf Coruscant aufzuwachen. Da hätte es ihm schon in den Sinn kommen müssen, dass nicht nur das nicht stimmte.

Schnell, aber dennoch so unauffällig wie nur eben möglich, begab er sich ins Archiv und hoffte, dass ihn Jocasta Nu nur nicht ansprechen würde. Falls sie überhaupt das Archiv leitete.

Trotzdem Obi-Wan nun schon lange ein Jedi war und sogar Mitglied des Rates war, musste er immer wieder über die Größe der Archivhalle staunen.

Er setzte sich vor einen Computerschirm und begann mit seiner Recherche.

An das meiste aus dem Artikel, den er gelesen hatte, konnte er sich noch erinnern. Ein anderer Begriff für Parallelwelten war „Realitätszweig". Ein passender Begriff, sollte er sich tatsächlich in einem solchen befinden. Jedoch war alles, was er hier las, Theorie. Natürlich. Hätte es jemanden gegeben, der schon einmal von einem in ein anderes Universum gereist ist und sogar wieder zurück, hätte man vermutlich davon erfahren. Schließlich lebten die Jedi ja nicht hinter dem Mond und solche Nachrichten sprachen sich schnell herum.

Was also hatte er erwartet?

Bedauerlicherweise war so gut wie nichts darüber verzeichnet, wie man evtl. in ein anderes Universum gelangen könnte. Manche stark kritisierte Wissenschaftler hatten behauptet, durch Risse im Raum könne man evtl. eine solche Reise unternehmen bzw. hatte man auch geglaubt, dass Schwarze Löcher so eine Art Portal sein sollten.

Nachdem Obi-Wan also alle Details verinnerlicht hatte, rief er noch Informationen über die Vergangenheit der Jedi auf. Offenbar hatte ihm Aniya die Wahrheit gesagt. Tatsächlich hatte es bei dem Streit zwischen Xendor und den Jedi eine Einigung gegeben. Er las sich noch ein paar Einzelheiten durch, aber im Großen und Ganzen war er schon von Aniya ausreichend informiert worden.

Plötzlich bemerkte der Jedi, wie sich ihm jemand näherte. In der Hoffnung, die Person würde vielleicht an ihm vorbeigehen, rief er eine harmlosere Datei auf und tat so, als wäre er ins Lesen vertieft.

„Meister Kenobi."

Obi-Wan schloss kurz die Augen.

„Wie ich sehe, habt ihr Euch doch noch einmal hierher bemüht. Aber ich verstehe nicht, was Euer Problem mit"- die Person schaute Obi-Wan über die Schulter- „ ‚Twi´Lek-Bauchtanz' zu tun haben soll."

Erst jetzt fiel Obi-Wan auf, welches Thema er gewählt hatte. Er hatte einfach auf das vor ihm zuletzt aufgerufene Thema getippt. Offenbar hatte sich ein pubertierender Jedi-Padawan ein wenig die Zeit vertreiben wollen.

Der Jedi-Meister drehte sich um und blickte in das Gesicht einer Jedi, die er zwar vom Sehen her kannte, aber keinen Namen mit verband.

Anscheinend erwartete besagte Jedi jetzt eine Erklärung von ihm, so wie sie ihn anschaute.

„Ich, ähm, brauche diese Information um äh, für eine spätere Mission, bei der ich mich…"

Sie unterbrach ihn bei seiner fadenscheinigen Erklärung: „Schon gut, ich will es gar nicht wissen.

Aber wie kommt ihr denn nun mit Eurer ersten Recherche zurecht? Das Thema interessiert mich nämlich auch und ich würde gerne mehr über Eure Ergebnisse hören."

Obi-Wan schluckte. Befand er sich in einem Paralleluniversum und diese Jedi sprach von ‚ihrem' Obi-Wan, der recherchiert hatte? Oder gab es eine andere Erklärung und er hatte vor seiner Mission sich Informationen beschafft und wusste nichts mehr davon? Eher unwahrscheinlich. Doch egal, was zutraf, er hatte nicht die leiseste Ahnung, was er seiner Gegenüber antworten sollte.

Diese scheute ihn mit großen fragenden Augen an.

„Nun, ich, weiß noch nicht, ob das Material vollständig ist und bis dahin denke ich, ist es besser noch nichts darüber zu sagen."

Er schenkte ihr sein strahlenstes Lächeln. ‚Oh bitte verschwinde endlich!'

„Na schön, Ihr könnt auch einfach sagen, wenn Ihr nicht mit mir diskutieren wollt."

Ihre Augen blitzten vor Zorn.

„Und Euch habe ich vorhin beim Recherchieren geholfen. Da wäre es ja wohl ok, wenn Ihr Eure neuen Ergebnisse mit mir besprecht. Aber ich will mich dem großen Jedi natürlich nicht aufdrängen. Einen guten Tag, Meister Kenobi."

Mit diesen Worten drehte sie sich beleidigt um und stolzierte davon. ‚Autsch.'

Aber wenigstens hatte sie ihm eine brauchbare Information gegeben, die ihn aufmerken ließ. Wie sagte sie? ‚Vorhin beim Recherchieren geholfen.' Vorhin. Damit musste sie heute meinen und heute war er definitiv noch nicht im Archiv gewesen, was bedeutete, es gab hier noch den „echten" Obi-Wan. Er konnte also nur hoffen, dass er nicht in eine Situation geriet, in der er sich entweder selbst begegnete oder jemandem, der „ihm" gerade begegnet war, so wie es eben fast passiert war.

Es sprachen immer mehr Dinge für die unglaubliche Paralleluniversumtheorie.

Natürlich war es gut, dass Obi-Wan nun glaubte zu wissen, woran er war, doch blieb immer noch die Frage offen, was er nun tun sollte. Die Jedi sollte und wollte er, nach allem was er gehört hatte, wohl nicht um Hilfe bitten. Vermutlich war es wohl das Beste, erst einmal den Tempel wieder zu verlassen. Möglicherweise konnte er einen unabhängigen Wissenschaftler ausfindig machen, der ihm bei seinem Problem eine Hilfe sein konnte.

Es war immer noch unfassbar. Ein Paralleluniversum. Das erklärte natürlich auch Anakins merkwürdiges Verhalten.

Inzwischen hatte Obi-Wan das Archiv gerade verlassen und befand sich in Gedanken versunken auf einem der vielen Flure. Er wollte gerade um eine Ecke biegen, als er sich selbst am Ende des Ganges sah und wich blitzschnell wieder zurück, dicht an die Wand gepresst. Glücklicherweise befand sich sonst niemand auf dem Gang, der sein Verhalten merkwürdig hätte finden können. Was nun?