Kapitel17
„Verflucht!"
Anakin dauerte es viel zu lange bis er sich mit den Kontrollen des Schiffes einigermaßen vertraut gemacht hatte. Nach ein paar Befehlen und Eingaben hatte er herausgefunden, dass sie sich auf dem Weg nach Tatooine befanden. Das war der letzte Ort, an den er im Moment sein wollte. Schnell gab er neue Befehle ein und setzte Kurs auf Coruscant. Als nächstes rief er einen Plan des Schiffes auf, auf dem glücklicherweise auch alle Lebenszeichen zu sehen waren. Auf der Brücke befanden sich er selbst und die kleine Brückencrew. Im Moment befand sich niemand in der Nähe der Brücke. Jedenfalls kein Lebewesen. Eine Tatsache, die sich schnell ändern konnte. Außerdem registrierte dieser Plan keine Droiden. Die musste er offenbar schon selbst spüren.
Anakin runzelte die Stirn. Vermutlich war es wohl das Beste, Coruscant schon zu benachrichtigen. Denn mittlerweile war Anakin davon überzeugt, dass mit Bail Organa etwas ganz und gar nicht stimmte. Dafür war seine Vorstellung zu gut gewesen. Undercover war er wohl nicht unterwegs. Alles war sehr ungewöhnlich. Auch die Frage, wie er selbst überhaupt hierher gelangt war und wo Obi-Wan sich momentan befand. Soweit Anakin sich erinnern konnte, hatte er sich zusammen mit seinem ehemaligen Meister auf dem Rückflug nach Coruscant befunden. Irgendetwas war verdammt schief gelaufen. Ein weiterer Punkt, den er allerdings nur ungern zugab, war, dass er gegen diese Droiden ein bisschen Hilfe vertragen konnte.
Schnell versuchte der Jedi eine sichere Verbindung nach Coruscant zu bekommen, behielt dabei allerdings die Anzeige der Lebenszeichen im Auge. Man konnte nie wissen. Des Weiteren musste er sich auf die anwesende Crew konzentrieren, damit niemand auf eine falsche Idee kam und einen Teil seiner Konzentration für eventuell sich nähernde Droiden freihalten. Das alles trug nicht dazu bei, dass er sich besonders entspannt fühlte.
„Sith, verdammt, wieso funktioniert das nicht?!"
„Können wir Euch vielleicht helfen, Meister Jedi?" Eine zaghafte weibliche Stimme meldete sich von hinten.
Anakin fuhr herum, um zu sehen, wer gesprochen hatte. Alle bis auf eine Mon Calamari schauten zu Boden.
„Was hast du gesagt?" Anakin hatte weder Zeit noch Lust, um sich mit der Crew herumzuschlagen.
„Nun, offenbar habt Ihr ein Problem mit den Kontrollen. Vielleicht kann ich Euch helfen."
Anakin schnaubte.
„Ich komm schon klar."
Er hatte den Satz kaum zu Ende gesprochen, als mehrere Lampen zu blinken begannen. Schnell wandte sich der Jedi wieder den Kontrollen zu. Einfach lächerlich. Er konnte schon fliegen, als er noch Windeln getragen hatte. Da würde er mit diesen paar Kontrollen schon fertig werden. Er konnte alles fliegen. Dazu brauchte er keine Amphibien. Lächerlich. Das einzige, was er machen musste, war, sich ein bisschen besser zu konzentrieren. Anakin atmete durch und tatsächlich sah alles viel klarer aus. Schon hatte er Coruscant erreicht und wurde zu Meister Windu durchgestellt.
‚Anakin?' Meister Windus Stimme erklang durch den Lautsprecher.
„Meister Windu, es tut gut, Eure Stimme zu hören. Ist Obi-Wan bei Euch?"
‚Er befindet sich im Tempel, aber momentan nicht im Raum, wieso? Anakin, wo bist du und was ist passiert?'
„Ich wollte nur sicher gehen, dass es ihm gut geht.
Ich befinde mich auf einem mir unbekannten Schiff zusammen mit Senator Organa. Offenbar ist er nicht Herr seiner Sinne, er verhält sich sehr merkwürdig. Er hielt mich gefangen, doch ich konnte fliehen und befinde mich jetzt auf der Brücke des Schiffes. Wir waren unterwegs Richtung Tatooine, aber ich konnte den Kurs ändern in Richtung Coruscant. Vielleicht könnte Meister Kenobi mir entgegen fliegen. Es befinden sich noch sehr viele Droiden an Bord. Im Moment ist es ruhig, doch ich weiß nicht wie lange es noch so bleiben wird."
Es entstand ein Schweigen am anderen Ende.
‚Senator Organa sagst du?'
„Das ist richtig, Meister. Wisst Ihr etwas über sein Verschwinden oder sein Verhalten?"
‚Ich bin mir nicht sicher, was du meinst. Ich weiß auch nicht, warum du auf Obi-Wan bestehst, der dir entgegen kommen soll, aber ich werde ihn schicken. Vielleicht hilft es dir ja ein bisschen, Anakin. Du weißt ja, dass wir uns Sorgen um dich machen. Es ist schön, dass du gerade aus eigener Initiative handelst. Wir werden dich selbstverständlich unterstützen. Wir vertrauen darauf, dass du dich dem Kodex entsprechend verhältst.
Ich würde vorschlagen, wir bleiben in Funkkontakt.'
„Ähm, danke, Meister."
Etwas verwirrt setzte sich Anakin erstmal. Sorgen um ihn? Endlich eigene Initiative. Normalerweise freuten sie sich doch, wenn er mal ein bisschen weniger Eigeninitiative zeigte. Und warum war es verwunderlich, dass er nach Obi-Wan fragte? Nach all den Jahren.
Na, wie auch immer. Was zählte war, dass Obi-Wan herfliegen würde. Mit ihm würde das Ganze gleich viel mehr Spaß machen.
Jetzt galt es nur noch, die Zeit zu überbrücken.
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Obi-Wan Kenobi schritt entschlossenen Schrittes durch die Gänge des Tempels. Meister Windu wollte ihn sprechen. Das war zwar nicht besonders außergewöhnlich, kam aber dennoch ein wenig überraschend für ihn. Schließlich war er in letzter Zeit ständig unterwegs gewesen. Da könnte man ihm doch wohl mal ein wenig Ruhe gönnen. Andererseits wollte er sich auch nicht langweilen oder gar aus der Übung kommen. Meditieren war sowieso nicht sein Fall, deshalb war ein wenig Abwechslung gar nicht schlecht. Er hielt es nie besonders lang im Tempel aus. Ständig hatte er das Gefühl, als ob seine Gelenke mit jedem Tag, den er hier verbrachte, mehr einrosteten.
Nach ein paar Minuten war er vor Maces Zimmer angekommen. Der Jedi klopfte kurz und trat dann, ohne ein „Herein" abzuwarten, ein.
„Meister Windu", begrüßte er den dunkelhäutigen Jedi.
„Ah, Obi-Wan, komm rein. Setz dich doch. Wir haben soeben eine Nachricht von dem jungen Anakin Skywalker erhalten. Aus noch ungeklärter Ursache befindet er sich an Bord eines noch nicht identifizierten Schiffes und ersucht Verstärkung. Dabei fragte er speziell nach dir, Obi-Wan. Er möchte, dass du ihm entgegen fliegst."
Obi-Wan stutzte und nahm Mace Windu gegenüber Platz.
„Wir sprechen von Anakin? Anakin Skywalker? Und er hat nach mir gefragt? Nannte er einen Grund, warum er ausgerechnet mich haben will?"
„Nein, aber ich denke, es wäre in seiner Situation gut, wenn wir seinem Wunsch nachkommen. Ich bitte dich darum, Obi-Wan."
Obi-Wan hob eine Augenbraue.
„Na schön. Wenn er mich haben will, dann soll er mich auch kriegen. Welch eine Ehre!"
Die Ironie war seiner Stimme deutlich anzuhören. Er nickte Mace Windu zum Abschied zu, stand auf, machte auf dem Absatz kehrt und begab sich auf den Weg zum Hangar.
Dort angekommen überprüfte er noch schnell seinen Starfighter, setzte sich hinein und flog los. Die Koordinaten hatte sein Astromech bereits erhalten und eingegeben. Obi-Wan konnte sich also zunächst zurücklehnen und den Flug genießen. Doch allzu lange würde der Flug nicht dauern, denn zum Glück hatte das Schiff, auf dem Anakin sich befand, zwar den Kurs nach Tatooine gesetzt, war aber noch nicht allzu weit gekommen. Da sie sich nun außerdem noch Richtung Coruscant bewegten, mussten sie bald aufeinander treffen.
Obi-Wan fragte sich immer noch, warum Skywalker ausgerechnet ihn haben wollte, aber es würde sich bestimmt eine Gelegenheit ergeben, ihn das zu fragen. Ihm fiel jedenfalls keine Antwort ein. Er würde sicher nicht seinen Geist damit belasten und über diese Frage nachdenken. Das war ihm zu schade. Mal davon abgesehen, dass es noch ein paar mehr ungeklärte Fragen gab, deren Antwort ihm Skywalker würde liefern können. Er musste sich einfach nur gedulden. Das war zwar nicht eine seiner Stärken, aber ihm blieb schließlich nichts anderes übrig als zu warten.
Nach ein paar Stunden machte Obi-Wans Astromech ihn darauf aufmerksam, dass sie ihr Ziel erreicht hatten. Schon konnte Obi-Wan das Schiff erkennen. Merkwürdig nur, dass Anakin es nicht hatte identifizieren können. Die Mon Calamari hatten es zwar relativ neu herausgebracht, aber trotzdem war es sehr bekannt und verbreitet in der Galaxie.
Obi-Wan schob diese Gedanken beiseite und konzentrierte sich wieder auf seine Angabe.
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Anakin hatte sich die Zeit damit vertrieben, auf sich nähernde Droiden zu achten und hatte ihnen ein paar Fallen gestellt. Zwar war er mit diesem Schiff nicht vertraut, doch er wäre nicht Anakin Skywalker, könnte er sich der Situation nicht anpassen.
Lebenszeichen gab es eh nur sehr wenige an Bord. Die meisten hatte er offenbar schon erledigt. Über die Zahl der Droiden war er sich aber nicht sicher. Während des Kampfes hatte er den Eindruck gehabt, dass es ziemlich viele waren. Schließlich hatte er sich zurückziehen müssen. Außerdem würde er nicht Obi-Wans Hilfe anfordern, würde er mit der Situation alleine klarkommen.
Immer wieder hatten es ein paar Droiden bis zu ihm gewagt und er hatte sich manchmal verteidigen müssen, jedoch waren die Angriffe eher unkoordiniert und geradezu lächerlich gewesen.
Die ganze Zeit überlegte Anakin, was Organa wohl noch vorhatte. Er würde sich sicher nicht geschlagen geben. Nicht in seinem Zustand. Doch noch war alles relativ ruhig.
Eine anzeige leuchtete auf und zeigte Anakin an, dass sich ein Starfighter näherte. Schnell öffnete er den Hangar, damit Obi-Wan hinein fliegen konnte. Offenbar war es nun an der Zeit, Kontakt mit ihm aufzunehmen.
Gerade wollte er einen entsprechenden Befehl eingeben, als auch schon Obi-Wans Stimme aus dem Lautsprecher erklang.
‚Hey, Anakin, alles klar da oben?'
„Ja, Meister, alles bestens. Ich schlage vor, dass Ihr Euch zu mir auf die Brücke begebt und dann sehen wir weiter. Aber seid vorsichtig, es befinden sich noch einige Crewmitglieder und nicht wenige Droiden an Bord, die Euch begegnen könnten."
‚Alles klar. Droiden sagst du. Meine Güte, ich habe das Gefühl, diese Mistdinger werden wir nie los. Bis gleich.'
Hatte Obi-Wan gerade „Mistdinger" gesagt? Anakin glaubte, sich verhört zu haben. Das konnte nicht sein. Obi-Wan würde so etwas nicht sagen. Der junge Jedi schüttelte den Kopf.
Wenige Minuten später ging eine Klappe in der Wand auf und Obi-Wan kam auf die Brücke gekrochen.
Anakin drehte um, als die Wandverkleidung an dieser Stelle mit einem Scheppern herunterfiel, eine Hand auf dem Griff seines Laserschwerts, doch hatte er sich bereits gedacht, dass es sein ehemaliger Meister sein würde.
„Meister, wie gut, ich…"
Anakin stockte. Wie sah Obi-Wan nur aus? So lange war er doch gar nicht weg gewesen. Wie hatten seine Haare nur so schnell wachsen können? Und seine Kleidung! Obi-Wan hatte seine normale hellbeige Tunika gegen eine dunkelbraune Tunika, ähnlich der von Anakin, eingetauscht und seine Robe war viel schnittiger und dunkler, als Anakin sie in Erinnerung hatte.
„Alles klar, Anakin?"
Obi-Wan klopfte seine Tunika glatt, musterte ihn kritisch von oben bis unten und runzelte die Stirn. Natürlich war er ein bisschen verschwitzt, aber er hatte sich auch gegen eine Schar Droiden wehren müssen, um zur Brücke zu gelangen. Dabei hatte er mehrere Umwege nehmen müssen, da die Droiden eine Art Blockade um die Brücke gebildet hatten. Dann hatte er durch einen Lüftungsschacht kriechen müssen und nun wurde er angestarrt, als ob sein Aussehen furchtbar ungewöhnlich sei.
„Ähm, Meister, was habt Ihr da an?"
Obi-Wan riss die Augen auf.
„Wie bitte? Was ich an habe. Das ist nicht dein Ernst. Ich kämpfe gegen zig Droiden, krieche durch diesen verdammten Schacht und du fragst mich, was ich anhabe? Meinst du nicht, wir haben Wichtigeres zu tun?
Ich sollte derjenige sein, der die Fragen stellt. Warum du zum Beispiel mich haben wolltest, der dir aus der Patsche hilft. Und warum du verdammt noch mal diese Corvette der Mon Calamari nicht kennst? Und was mich besonders interessiert, wie bist du überhaupt hierher gelangt?"
Anakin war verblüfft. Obi-Wan hatte selten Wutausbrüche und wenn, dann waren sie eher harmlos. Nicht unbedingt wütend, sondern eher enttäuscht. Doch dieser kurze Vortrag eben war für Obi-Wans Verhältnisse sehr außergewöhnlich.
Anakin grinste seinen alten Meister an.
„Das war wohl das Fliegen, oder? Ihr habt Recht, vielleicht hätte ich deshalb jemand anderen hierher bitten sollen. Verzeiht mir meine Nachlässigkeit, Meister.
Um Eure letzte Frage zu beantworten, ich weiß nicht, wie ich hierher gelangt bin. Das heißt, wie ich auf dieses Schiff gelangt bin schon, jedoch weiß ich nicht, wie ich in die Hände des Sklavenhändlers gelangen konnte, der mich an Organa verkauft hat."
„Da wären wir bei der nächsten Frage. Wer zum Teufel ist dieser Organa, von dem du sprichst?"
Anakins Grinsen verblasste. Jetzt war es eindeutig. Irgendetwas stimmte ganz und gar nicht. Es war ihm schon komisch vorgekommen, dass ausgerechnet er ein Schiff nicht kannte, das Obi-Wan ein Begriff war. Aber dass Obi-Wan Bail Organa nicht kannte, war nicht nur ungewöhnlich, sondern sogar unmöglich. Jedenfalls fiel ihm keine plausible Erklärung für diese Lücke in Obi-Wans Gedächtnis ein.
Nachbemerkung:
Hm, ich denke, man konnte erkennen, welcher Obi-Wan das hier war. Ich hatte zunächst überlegt, ob ich das noch mal irgendwie erwähnen sollte, aber erstens wusste ich nicht wie und zweitens sind die Unterschiede, glaube ich, deutlich zu erkennen.
Ähm, eine Corvette der Mon Calamari ist frei von mir erfunden. Ich hatte erst überlegt, ob ich ein Schiff nehmen soll, dass es schon gibt, aber da ich mich erstens nicht so damit auskenne und es zweitens ganz gut in die Story gepasst hat, dass Anakin ein Schiff mal nicht kennt, habe ich das dann so gelöst. Eine Beschreibung gibt es also mit Absicht nicht, da ich, was das betrifft, nicht besonders kreativ bin. Es bleibt eurer Phantasie überlassen!
