Vorbemerkung der Autorin

Also ich sage gleich zu Beginn, dass mir das Kapitel nicht so doll gefällt. Es dient inhaltlich nur dazu, die Zeit nach Coruscant zu überbrücken und weitere Ereignisse einzuleiten. Es ist daher zwar notwendig, aber es passiert jetzt nicht sooo viel. Ich habe halt versucht, dass ganze ein wenig durch Dialoge zu überbrücken. Vielleicht hätte ich das auch durch Beschreibungen der Umgebung machen, aber das wäre beim Innern des Schiffs vermutlich sehr langweilig!

Also, was soll ich noch sagen. Ich hoffe, ihr habt trotzdem Spaß.

Kapitel 19

Nein!"

Anakin konnte nur zusehen, wie Obi-Wan zum Schlag ausholte und Organas kopfloser Körper langsam zur Seite kippte. Alles geschah wie in Zeitlupe und doch war er nicht in der Lage, sich zu bewegen, geschweige denn einzugreifen. Er konnte nur hilflos zusehen.

Als es vorbei war, zitterte der junge Jedi und konnte seine vor Entsetzen geweiteten Augen nicht von dem grausigen Anblick abwenden.

Obi-Wan hingegen deaktivierte seelenruhig sein Laserschwert und steckte es zurück an seinen Gürtel.

„Endlich. Ein Angebot! Was könntest du mir schon für ein Angebot machen? Du wirst mir nicht noch einmal entkommen."

Nachdem er diese letzten Worte zu Organas Leiche gesagt hatte, wandte er sich abrupt ab und rief über seine Schulter hinweg: „Komm schon, Anakin. Nehmen wir uns den Rest vor. Ich kann spüren, dass es noch einige Überlebende gibt."

Diese Worte rissen Anakin aus seiner Starre.

„Wie konntet Ihr das nur tun? Ihr habt einen wehrlosen Mann getötet! Waren all die Jahre Eurer Predigten umsonst? Haltet Ihr Euch jetzt nicht mal mehr an Eure eigenen Worte? Es war doch Bail Organa!"

Obi-Wan blieb stehen und drehte sich langsam um.

„Sag mal, was ist denn in dich gefahren? Erstens weiß ich, dass das Bail Organa war. Das alleine wäre schon Grund genug, ihn zu töten. Zweitens habe ich niemals gesagt, man dürfe keinen wehrlosen Mann töten. Drittens kann ich mich nicht daran erinnern, dir jemals irgendetwas gepredigt zu haben und viertens bin ich dir keinerlei Rechenschaft schuldig. Habe ich mich klar ausgedrückt?

Meine Güte, Anakin. Jetzt komm mal wieder zu dir! Er war nur ein mieser Kopfgeldjäger, ohne Ehre. Machst du bei allen solch einen Aufstand. Dein armer Meister!

Es wird wohl das Beste sein, wenn du einfach zur Brücke zurückkehrst. Dein Gejammer ist ja kaum zu ertragen. Wenn ich hier fertig bin, komme ich auch dorthin."

Erneut drehte sich der Jedi um und ging Richtung Ausgang.

„Ach, ja, das war im Übrigen keine Bitte. Also denk nicht mal dran, mir zu folgen."

Mit diesen Worten war er nun endgültig durch die Tür und ließ einen völlig irritierten und entsetzten Anakin zurück. Dieser starrte ihm nur hinterher.

Das konnte alles nicht wahr sein. Das war ein böser Traum. Gleich würde er neben Padmé aufwachen und alles wäre wieder in Ordnung. Obi-Wan tötet nicht Bail Organa. Nein, das tut er nicht.

Anakin schloss die Augen, befeuchtete sich die Lippen und schluckte. Was sollte er jetzt tun. Obi-Wan aufhalten? Wie?

Mit einemmal hörte er ein Piepsen hinter sich. Es schien von Organas Leiche zu kommen und hörte sich an wie ein Comlink. Anakin drehte sich um, kniete sich hin und kramte in Organas Tasche. Dabei verspürte er seltsames Gefühl.

Schnell hatte er das Comlink gefunden, festgestellt, dass es sein eigenes war und aktiviert.

‚Anakin?'

Es war Obi-Wans Stimme, die er hörte. Was wollte er denn nun schon wieder?

„Ja?"

Seine Stimme hörte sich etwas zittrig an. Nie hätte er gedacht, dass ihn ein solches Ereignis so sehr mitnehmen würde. Schließlich hatte er schon viele Freunde sterben sehen. Allerdings nicht durch die Hand seines Mentors.

‚Oh, Anakin. Es tut so gut, deine Stimme zu hören! Wo bist du? Geht es dir gut?'

Was, bei allen Sith, sollte das denn?

„Ob es mir gut geht? Wohl kaum, nach dem, was Ihr getan habt. Wollt Ihr mich wieder verspotten? Und nein, ich bin noch nicht auf der Brücke. Was macht Ihr denn so? Habt Ihr schon alle unschuldigen Crewmitglieder beseitigt? Fühlt Ihr Euch stark, wenn Ihr sie tötet?"

Endlich war Anakins Zorn durchgebrochen und durchdrang ihn in einer großen Welle.

„Ok, Anakin, hör mir bitte genau zu. Kannst du dich noch daran erinnern, dass wir auf dem Flug nach Coruscant waren? Aber bestimmt kannst du dich nicht daran erinnern, wie wir dort angekommen sind, nicht wahr? Ich auch nicht. Ich bin mitten auf Coruscant aufgewacht. Bestimmt ist dir aufgefallen, dass sich alle ganz merkwürdig verhalten, oder?"

Anakin runzelte verwirrt die Stirn.

„Ihr könnt Euch jetzt also doch wieder an unsere gemeinsame Zeit erinnern? Aber wovon redet Ihr da?"

‚Was meinst du mit „doch wieder"?'

„Na eben wusstet Ihr doch nichts mehr davon."

‚Eben? Oh, verdammt. Willst du damit sagen, dass ich gerade bei dir bin oder war?'

„Ihr wisst das nicht mehr?"

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Am anderen Ende auf Coruscant seufzte Obi-Wan. Das konnte kompliziert werden. Schnell hatte er erkannt, dass Anakin offenbar seinem Ebenbild begegnet war. Hervorragend.

In knappen Worten versuchte er Anakin von seiner Paralleluniversum-Theorie zu erzählen, davon, dass er selbst sich auch schon begegnet war und dass er sich im Moment auf Coruscant befand.

Für eine Weile hörte Obi-Wan nichts mehr von Anakin.

„Anakin?"

‚Ja. Ich bin noch da. Ihr wollt damit sagen, dass Ihr auf Coruscant seid und ein anderer Obi-Wan, nämlich der aus diesem Universum, hier ist? Diese Theorie würde einiges erklären. '

„Wieso, was ist denn passiert?"

Nun war es an Obi-Wan, Anakin entsetzt zuzuhören. Dieser erzählte ihm von seinem Erwachen, seiner ersten Begegnung mit Organa, den darauf folgenden Ereignissen und wie es dazu kam, dass sich nun Obi-Wan an Bord des Schiffes befand und was er getan hatte. Wie eben Anakin, schwieg Obi-Wan jetzt.

‚Meister?'

„Ja. Ich habe alles verstanden. Das ist ja grauenhaft. Ich scheine eine Bestie zu sein.

Na schön, wo befindet sich der andere Obi-Wan jetzt? Und wo genau bist du?"

‚Ich befinde mich immer noch bei Bail Organa und Obi-Wan ist auf dem Weg, die restliche Crew zu beseitigen. Wir wollen uns auf der Brücke treffen.'

„Ich denke, du kannst ihn momentan nicht aufhalten, deshalb halte ich es für das Beste, den Schein zu wahren. Vielleicht könntest du dich noch ein wenig unauffälliger verhalten und ihn möglichst nicht kritisieren. Er scheint nicht viel von dir zu halten.

Auf alle Fälle solltest du es vermeiden, zum Tempel zu gehen. Das halte ich für keine gute Idee. Dort würde man vermutlich schnell herausfinden, dass du nicht der bist, für den man dich hält. Ich befinde mich momentan auf dem Weg zu einem Hotel, in dem ich übernachtet habe. Es ist das ‚Flying Dutch'. Am besten wird wohl sein, wenn wir uns dort treffen. Dann können wir alles besprechen. Wirst du das schaffen oder brauchst du vorher noch meine Hilfe?"

‚Jetzt fangt Ihr auch schon damit an. Ja, ich werde das schaffen. Ich habe schon schlimmeres überstanden, Meister.'

„In der Tat. Melde dich, wenn du sicher auf Coruscant gelandet bist."

‚Alles klar. Und im Übrigen wäre ich mir an Eurer Stelle nicht so sicher, dass ich diesen Obi-Wan hier nicht aufhalten könnte. Schließlich gibt es trotzdem viele Ähnlichkeiten mit Euch.'

Obi-Wan deaktivierte sein Comlink. Ein Glück war Anakin in Ordnung. Ein Glück hatte er endlich bald einen Partner, mit dem er reden und zusammenarbeiten konnte. Bald würde es soweit sein.

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Anakin deaktivierte grinsend sein Comlink. Nun alles nahm eine sehr merkwürdige Wendung. Zweimal Obi-Wan, so unterschiedlich wie nur möglich. Wäre die Situation nicht so ernst, würde er das sehr amüsant finden. Er war sich noch nicht ganz sicher, was er davon halten sollte. Hatte „sein" Obi-Wan tatsächlich Recht? Ein Paralleluniversum? Gab es so etwas tatsächlich. Er kannte das nur aus Geschichten. Vermutlich würde er die Dinge auf Coruscant klarer sehen. Doch vorläufig würde er sich an Obi-Wans Empfehlung halten und versuchen, nicht aufzufallen. So weit es ging. Wenn er es geschickt anstellte, könnte er evtl. noch etwas herausfinden, was nützlich sein könnte.

Der junge Jedi warf noch einen letzten Blick auf Organas Leiche, nun einigermaßen beruhigt, dass „sein" Bail Organa offensichtlich noch am Leben war.

Mit langen energischen Schritten ging er in Richtung Brücke.

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Obi-Wan hatte die Brücke erreicht. Und er war sehr zufrieden mit sich. Alle an Bord waren entweder tot, gefesselt oder ein Schrotthaufen. Alles verlief nach Plan. Na ja, fast alles. Der kleine Möchtegern-Jedi bereitete ihm ein bisschen Ärger. Offenbar hatte sein Meister ihm gar nichts beibringen können. Er hatte es noch nicht einmal auf die Brücke geschafft, dabei war das seine einzige Aufgabe gewesen.

Gerade wollte er zur internen Kommunikationskonsole gehen, als sich die Tür öffnete und Anakin eintrat.

„Verzeiht, dass ich so spät erscheine, Meister, aber mir sind auf dem Weg hierher noch ein paar Droiden begegnet, die ich erledigen musste."

„Schon gut, schon gut. Ich hoffe, du bist klar gekommen?"

„Ja."

Eine Weile schauten sie sich gegenseitig an, doch dann hatte Obi-Wan es satt und wandte sich wieder ab. Schließlich war dem Kleinen nichts mehr von seinem Entsetzen anzumerken. Offenbar hatte er sich wieder erholt. Gut. Dann musste er sich wenigstens nicht mehr sein Gejammer anhören. Zum Glück dauerte der Flug nicht mehr allzu lang. Er empfand es als Belastung, mit diesem Jungen hier tatenlos herumzusitzen. Dafür hatte man ihn nun hergeholt. Zum Babysitten. Das war das erste und letzte Mal, dass er sich auf so etwas einließ.

„Meister?"

Genervt drehte sich Obi-Wan um.

„Ja?"

Wenn wir auf Coruscant gelandet sind, möchte ich gerne noch etwas erledigen, bevor wir zum Rat gehen. Ihr habt doch sicherlich nichts dagegen, nicht wahr."

Obi-Wan zuckte mit den Achseln.

„Ist mir ehrlich gesagt vollkommen egal. Mach doch, was du willst. Geh zum Rat, geh nicht zum Rat. Früher oder später wirst du eh hin müssen."

„Danke."

„Bedankst du dich immer für alles? Ach und hast du dich wieder ein wenig beruhigt? Der Rat wird sonst nicht von dir begeistert sein. Glaub einem Mitglied desselben."

„Ja, es geht mir wieder gut, danke. Aber vielleicht sollte ich Meister Yoda um eine Unterhaltung bitten, damit es mir wieder vollständig gut geht."

Yoda? Der Kleine drehte jetzt völlig durch.

„Fühlst du dich nicht gut, Junge? Yoda ist seit zwei Jahren tot, das solltest du doch mitbekommen haben."

Obi-Wan sah, wie sich Anakin auf die Lippen biss und sich abwandte.

„Ich, äh, wollte damit sagen, es wäre schön, wenn ich mit Yoda reden könnte, wenn er noch leben würde."

Obi-Wan hatte genug von dieser Unterhaltung. Zum Glück würden sie jeden Moment aus dem Hyperraum springen und Coruscant erreichen. Das war ja nicht auszuhalten. Der Junge wirkte ziemlich depressiv. Vermutlich musste sich der Rat tatsächlich damit beschäftigen, wie man ihm helfen konnte. Mit seiner Art und Einstellung konnte er höchstens den bürokratischen Schreibkram erledigen, aber nach draußen durfte man ihn nicht lassen. Vielleicht sollte er mit Mace darüber reden.

Andererseits machte er sich vielleicht viel zu viele Gedanken. Das hier war schließlich nicht sein Schüler und wenn Anakin bei einem Auftrag sterben sollte, war es für ihn weder ein persönlicher Verlust noch ein allzu großer Verlust für den Orden. Anakin hatte sich den Kodex wohl zu selten angeschaut und ihn nicht verinnerlicht. Denn Stärke besaß er wohl kaum. Jedenfalls auf gar keinen Fall innere Stärke. Kämpfen hatte er ihn ja kaum gesehen. Das konnte er nicht beurteilen.

„Wie ist Eure Schülerin so?"

Obi-Wan drehte sich nicht mal um. Er war schließlich nicht zum Plaudern hier.

„Sie ist nicht mehr meine Schülerin. Außerdem solltest du sie doch kennen. Ihr seid euch doch mit Sicherheit schon über den Weg gelaufen."

„Ja, schon, aber ich kenne sie nicht wirklich persönlich. Wie ist sie so?"

Nun drehte sich Obi-Wan doch um.

„Was soll das? Findest du sie gut? Dann musst du sie selbst ansprechen."

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Anakin schaute Obi-Wan mit großen Augen an. War hier vielleicht erlaubt, eine Partnerin zu haben. Das war ja mal interessant.

„Glaubt Ihr denn, dass sie mich mögen würde?"

Obi-Wan lachte laut los.

„Also alles, was Recht ist, aber hast du dich schon mal beobachtet? Sheila braucht jemanden, der energisch vorgeht. Jemanden, der die Führung übernimmt, der ihr gewachsen ist. Dem sie sich nicht überlegen fühlt. Ist deine Frage damit beantwortet?

Ja, das ist sie. Sogar besser, als er gehofft hatte. Vielleicht konnte er Obi-Wan noch mehr in ein Gespräch verwickeln.

Aber als er diesen Gedanken zu Ende gedacht und Luft geholt hatte, hatten sie Coruscant erreicht und setzten zur Landung an. Da fiel Anakin ein, dass er in Kontakt mit Coruscant hätte bleiben sollen. Nun, das war jetzt vermutlich auch egal.