Kapitel 20
Die Landung auf Coruscant ging recht schnell vonstatten, es gab keine weiteren Probleme. Die Korvette der Mon Calamari landete sanft im Hangar des großen und ehrwürdigen Jedi-Tempels.
Mit schnellen Schritten lief Obi-Wan Kenobi die Rampe hinunter, noch bevor sie ganz ausgefahren war, offenbar bestrebt, so schnell wie möglich aus dem Radius von Anakin Skywalker zu kommen. Er verschwand rasch im Gebäude.
Ein weitaus zögerlicherer und vorsichtigerer Anakin folgte ihm und schaute sich dabei ständig um. Zwar war die Wahrscheinlichkeit, sich selbst zu treffen, im riesigen Komplex der Jedi äußerst gering, aber er wollte auf gar keinen Fall ein Risiko eingehen. Jetzt hieß es für den jungen Jedi einfach nur, möglichst schnell und unauffällig aus dem Tempel zu kommen.
Schnell rief sich Anakin in den Sinn, dass er viel mehr auffallen würde, wenn er durch den Tempel schlich. Stattdessen war es überzeugender, wenn er sich ganz natürlich benahm. Dabei fiel ihm außerdem noch ein, dass sein ehemaliger Mentor ihn ruhig auf ein paar Dinge hätte vorbereiten können, wie z.B. Yodas Tod vor zwei Jahren. Diese Information hätte ihm eine Peinlichkeit erspart. Wer weiß, was ihn noch erwartete.
Also ging er mit gemäßigtem, aber nicht langsamem Schritt in den Tempel. Natürlich begegnete er einigen Jedi. Manche grüßten, manche nicht, aber niemand kümmerte sich besonders um ihn. Erleichtert darüber rief sich Anakin den Plan des Tempels vor das geistige Auge und hoffte, dass sich architektonisch hier nichts von seiner Welt unterschied. Allerdings war er sich recht sicher, dass Obi-Wan ihm das sicher gesagt hätte. Andererseits hatte er ihm auch nichts von Meister Yoda erzählt. Nun, er würde es ja sehen und bis jetzt fand er sich hervorragend zurecht.
Mit sich selbst sehr zufrieden und schon in Gedanken bei Obi-Wan lief Anakin um eine Ecke, sah sich selbst und passierte ganz schnell die nächste Tür, die zum Glück gleich rechts vom Gang abging.
Dummerweise lief er dabei Mace Windu in die Arme, der sichtlich verärgert stehen blieb und den jungen Jedi aufhielt.
„Was soll das denn? Kannst du nicht aufpassen?"
„Verzeiht, Meister, ich bin in Eile."
„Obi-Wan sagte uns eben, dass du noch etwas erledigen musst, bevor du mit uns sprechen kannst?"
Mace blickte ihn fragend an. Während Anakin fieberhaft nach einer Antwort suchte und sich vorkam wie ein hilfloser Padawan, konnte er über das Aussehen von Mace Windu nur staunen. Schon allein die kurz geschnittenen Haare verliehen dem ernsten Meister ein ganz anderes Aussehen. Dazu kam die überaus dunkle Kleidung, die vom Stil her aber der Tunika glich, die Anakin sonst von ihm kannte. Durch seine dunkle Hautfarbe hatte er etwas noch bedrohlicheres an sich als sowieso schon und doch wirkte es auf Anakin wie eine Verkleidung. Beinahe hätte er gelacht, erinnerte sich aber dann schnell wieder an den Ernst der Situation und stammelte etwas von „wichtigen privaten Dingen" und „erkläre ich später".
Schnell eilte er weiter und ließ einen immer noch verärgerten Mace Windu zurück.
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Mace Windu machte sich Sorgen. Erst dieser mysteriöse Notruf, obwohl Anakin eigentlich auf gar keiner Mission hätte sein dürfen und nun musste er noch etwas „erledigen". Er sollte und würde sich ausgiebig mit Anakin unterhalten müssen.
Immer noch nachdenklich ging er durch die Tür, wandte sich nach rechts und blieb verdutzt stehen. Da stand doch tatsächlich Anakin Skywalker und plauderte seelenruhig mit einem anderen Jedi. Na mit ihm würde er sofort reden.
Schnell ging Mace auf die beiden Gesprächspartner zu und unterbrach sie.
„Anakin, was hat das zu bedeuten? Eben sagtest du doch noch, du hättest etwas sehr wichtiges zu erledigen und nun gehst du außen herum und denkst, du könntest mich austricksen?"
Anakin schaute ihn verwirrt an.
„Entschuldigt, Meister Windu, ich weiß nicht, wovon Ihr sprecht. Ich stehe hier seit ungefähr fünfzehn Minuten und unterhalte mich mit Meister Chak. Ich habe heute noch gar nicht mit Euch gesprochen."
Maces Gesicht verdüsterte sich. Das jemand nicht so schnell lernte wie andere, konnte er noch ertragen, aber er hasste es, angelogen zu werden. Vor allem von einem jungen und vorwitzigen Jedi.
„Du willst mich wohl für dumm verkaufen. Wir haben vor zwei Minuten miteinander gesprochen. Ich denke, wir müssen uns ernsthaft miteinander unterhalten. Komm mit mir."
„Aber Meister Windu, Ihr könnt Meister Chak hier fragen. Wir stehen hier schon eine ganze Weile."
Nun schaltete sich auch Meister Chak in das Gespräch mit ein und bestätigte Anakins Aussage bezüglich der Unterhaltung mit ihm.
„Aber ich habe mir unsere Unterhaltung doch nicht eingebildet. Allerdings muss ich zugeben, dass du etwas anders aussiehst, als noch vor zwei Minuten", musste Mace nun zugeben, nachdem er Anakin genauer betrachtet hatte.
Während der erste Anakin eine dunkle Tunika angehabt hatte, hatte dieser Anakin eine beigefarbene Tunika an. Auch trug er die Haare ein wenig anders.
Mace runzelte die Stirn. Was hatte das zu bedeuten? Hatte er sich alles eingebildet? Hatte sich jemand als Anakin Skywalker verkleidet, um sich in den Tempel zu schleichen? Da fiel ihm etwas ein?
„Warum warst du nun eigentlich auf der Korvette? Was hattest du dort zu suchen?"
Anakin schaute ihn noch verwirrter an.
„Meister, was meint Ihr? Ich habe den Tempel seit Monaten nicht verlassen."
Nun hatte Mace den Beweis, dass er nicht verrückt war. Es sei denn, Obi-Wan Kenobi war auch verrückt. Doch das hielt er für sehr unwahrscheinlich.
„Ich möchte, dass der Tempel verriegelt wird. Niemand verlässt den Tempel."
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Die Vorsichtsmaßnahmen der Jedi machten es möglich, dass der Tempel innerhalb von ein paar Sekunden zu einem Bunker wurde. Niemand konnte heraus und niemand konnte herein.
Das merkte auch Anakin Skywalker sehr schnell, noch ohne dass er einen der Ausgänge erreicht hatte. Eine gewisse Unruhe verbreitete sich im Tempel, wenn auch in Maßen, da die Disziplin der Jedi sie vor einem Chaos bewahrte.
Anakin schloss die Augen. Das hatte definitiv mit seinem kleinen Zusammenstoß mit Mace zu tun. Ein unglaublich dummer und eigentlich sehr unwahrscheinlicher Zufall. Der junge Jedi vermutete ganz richtig, dass Mace seinem „Zwilling" begegnet war und der Schwindel aufgeflogen war. Nun musste er hoffen, dass die Kommunikation im Tempel zu wünschen übrig ließ und er sich weiterhin einigermaßen frei bewegen konnte. Das Problem an der Sache war nur, dass er nicht wissen konnte, wer von der Doppelgängergeschichte wusste und wer nicht. Das würde er erst merken, wenn es schon zu spät war.
Denn auch Anakin hatte am Rande registriert, dass er sich äußerlich vom anderen Anakin unterschied. Schon allein die helle Tunika war ein eindeutiges Indiz.
Da kam ihm eine Idee. Wenn er seine Tunika gegen eine hellere austauschte, würde er es allen schwieriger machen, ihn zu erkennen. Jetzt blieb nur noch die Frage offen, wie er an besagte Tunika herankommen konnte. Doch das sollte eigentlich kein allzu großes Problem werden.
Möglichst unauffällig ging er in Richtung der Wohnräume. Vor einer Tür blieb er stehen, schaute sich um, um zu sehen, ob ihn jemand beobachtete und konzentrierte sich, um zu fühlen, ob sich jemand in den Räumlichkeiten hinter dieser Tür befand. Aber er konnte niemanden spüren, schaute sich erneut um und öffnete mit Hilfe der Macht die Tür. Glücklicherweise waren fast alle Zimmer gleich aufgebaut, sodass Anakin sofort ins Schlafzimmer huschen und sich eine Tunika aus dem Schrank schnappen konnte. Er hatte auch ein zweites Mal Glück, denn das Zimmer gehörte einer männlichen Person, die in etwa seine Größe hatte. Das erleichterte natürlich das Umziehen. Seine eigene Tunika stopfte er in eine Tasche, die er ebenfalls mitgehen ließ. Schließlich wollte er, wenn er hier raus war, wieder seine eigene Tunika tragen.
Wieder an der Tür öffnete Anakin sie vorsichtig und lugte heraus. Aber noch immer war der Gang leer. Schnell schloss er sie hinter sich und überlegte beim Gehen, wie er den Tempel nun am besten verlassen konnte. Das würde kein einfaches Unterfangen werden, denn die Erbauer des Tempels hatten ihn so konstruiert, dass es in einem Notfall unmöglich war, den Komplex zu betreten. Das gleiche galt natürlich auch fürs Verlassen.
Doch Anakin hatte in seinem Leben immer wieder gelernt und lernen müssen, dass nichts unmöglich war. Es war nur einfach noch niemandem gelungen. Aber er hatte schon mehrere Sachen als erster vollbracht und so würde es auch hier werden.
Da der Gang immer noch leer war, beschloss Anakin, vorläufig hier zu bleiben. Er würde spüren, wenn jemand kam und dann konnte er sich immer noch einen anderen Platz zum Nachdenken suchen.
Gedankenverloren ging er auf und ab, bemüht, möglichst leise zu laufen.
Die erste Idee, die ihm kam, waren die Katakomben. Unterhalb des Tempels befanden sich Katakomben, in denen angeblich einige große Jedi-Meister begraben liegen sollten. Anakin war noch nie dort unten gewesen. Soweit er wusste, war der Zutritt auch nur Mitgliedern des Rates erlaubt, da man sich schnell verirren konnte bzw. man nicht wollte, dass die Ruhe besagter Meister gestört wurde. Vor allem wollte man nicht, dass dort einige Padawane auf die Idee kamen, ein paar Abenteuer zu erleben.
Mit etwas Glück, gab es diese Katakomben auch hier. Und mit etwas mehr Glück führten sie auch hier vom Tempel weg. Zuhause hatte er gelernt, dass ein großer Teil Coruscants diese Unterkellerung hatte. Aus früheren Zeiten. In der Stadt gab es mehrere Aus- bzw. Eingänge.
Und wenn er wirklich sehr viel Glück hatte, kam sonst keiner auf die Idee, dort zu suchen, sondern eher die gewöhnlichen Ausgänge zu bewachen. Sehr viele Variable und ein großes Erfordernis an sehr viel Glück. Eigentlich wusste Anakin ja, dass es kein Glück gab, aber er hatte dafür Hoffnungen.
Also machte er sich auf den Weg zum Eingang der Katakomben. Jedenfalls dorthin, wo sich in seiner Welt der Eingang befand. Doch vorher kam ihm noch die Idee, sich mit Obi-Wan zu verständigen. Die Katakomben erschienen ihm zwar eine gute Idee, aber es konnte ja nicht schaden, auch noch seinen alten Mentor zu befragen.
Er kramte sein Comlink hervor und nahm Kontakt mit Obi-Wan auf.
„Meister?"
‚Ja, Anakin?'
„Ich bin jetzt im Tempel."
‚Hervorragend. Dann sehen wir uns ja gleich.'
„Ja, es gibt nur ein Problem. Ich bin offenbar aufgeflogen und sie haben den Tempel verriegelt."
Anakin hörte, wie Obi-Wan am anderen Ende seufzte.
‚Hm, nun ja. Hast du schon einen Plan? Vielleicht solltest du dich einfach verstecken und abwarten. Sie können und werden den Tempel ja nicht ewig absperren.'
„Das wäre eine Möglichkeit. Aber ich halte es für eine bessere Lösung, von hier zu verschwinden. Was fällt Euch zu den Katakomben ein?"
‚Oh, Anakin. Also ich weiß nicht. Rein theoretisch wäre es natürlich eine Option, aber ich bezweifle, ob es eine so gute ist. Du warst da doch noch nie unten. Du könntest dich ganz schnell verlaufen. Dort sehen alle Gänge gleich aus. Hältst du das wirklich für eine so gute Idee?'
„Hm, Ihr meint wohl, Ihr würdet Euch da unten verlaufen. Meister, wer weiß, wie lange ich hier warten müsste und wer weiß, ob es mir gelingen würde, mich so lange zu verstecken. Schließlich sind die Jedi auch hier nicht dumm. Meister Windu würde vermutlich nicht eher ruhen bis der ganze Tempel durchkämmt worden ist. Und mir fällt kein anderer Ausgang ein oder etwa Euch?"
Obi-Wan seufzte erneut.
‚Nein, momentan nicht. Melde dich, wenn du unten bist, falls du eine Verbindung herstellen kannst. Aber mir gefällt das nicht, Anakin. Das muss ich dir dazu sagen. Ich habe kein gutes Gefühl.'
„Ach, Ihr seid immer zu vorsichtig. Das wird ein Kinderspiel. Bis dann."
Anakin beendete die Verbindung und machte sich auf den Weg zu den Katakomben. Er versuchte, sich möglichst unauffällig zu benehmen, auch wenn er nicht so recht wusste, wie er das tun sollte. Denn falls es auch hier eine Prophezeiung gab, von der alle meinten, sie träfe auf ihn zu, dann würden ihn auch hier die meisten kennen. Mithilfe der Macht versuchte er von sich abzulenken, umhüllte sich mit ihr, wie mit einem Schleier, um sich abzuschirmen. Er hatte keine Ahnung, ob ihm das helfen würde, geschweige denn, ob es funktionierte. Auf jeden Fall ging er Wege, die für gewöhnlich nicht so stark frequentiert waren und begegnete niemandem, den er kannte. Er hoffte, dass das auch so blieb.
Doch wie es schien, hatte er Erfolg, denn schon bald hatte er die Treppe über mehrere andere Treppen erreicht, die nun endgültig zu den Gängen mit den Gräbern führte. Schon am Fuß der Treppe wurde es langsam kühler und dieser Eindruck wurde durch die Tatsache verstärkt, dass er das Ende der kalten Steintreppe nicht sehen konnte.
Erstaunlicherweise hatte sich dem Jedi tatsächlich niemand in den Weg gestellt.
Ein letztes Mal blickte er sich um, bevor er die Stufen in die Dunkelheit hinab stieg. Um wenigstens etwas sehen zu können, auch wenn er sich auf die Macht verlassen konnte, aktivierte er sein Laserschwert und das Schimmern der blauen Klinge erleuchtete seine unmittelbare Umgebung.
Es kam Anakin vor, als sei eine halbe Ewigkeit vergangen, als er endlich das Ende der Treppe erreicht hatte. Als erstes führte lediglich ein Gang geradeaus, sodass er noch nicht überlegen musste, in welche Richtung er gehen sollte. Doch schon nach ein paar Metern änderte sich das und der Gang verzweigte sich in zwei Richtungen. Der Jedi blieb stehen und überlegte, welchen Gang er nehmen sollte. Erneut rief er sich den Grundriss des Tempels in Erinnerung und versuchte sich vorzustellen, wie er Coruscants Stadtkern am schnellsten erreichen konnte. Bzw. wenigstens überhaupt erreichen konnte. Außerdem versuchte er, auf die Macht zu hören. Dabei fiel ihm ein, dass er noch Obi-Wan kontaktieren wollte, doch er musste feststellen, dass er keine Verbindung aufbauen konnte. Er entschied sich für den linken Gang und hinterließ am Boden einen kleinen Peilsender. Wenn es noch mehr Verzweigungen gab und er immer etwas auf dem Boden liegen ließ, konnte er den Weg zurück finden, falls er sich verlaufen sollte. Allerdings hielt er das für sehr unwahrscheinlich, denn mit Hilfe der Macht fand er den Weg vermutlich sowieso zurück.
Zwischendurch gab es immer wieder kleinere und größere Nischen in den Wänden, die auf leere Gräber hindeuteten. Nur wusste Anakin nicht, ob sie noch oder schon leer waren. Aber er hielt sich nicht lange mit solchen Fragen auf. Das war nebensächlich. Glücklicherweise hielt sich die Feuchtigkeit aus ihm unerfindlichen Gründen in Grenzen, sodass es keine Ratten oder ähnliches gab.
So pirschte sich Anakin immer weiter vorwärts. Dann und wann musste er einen Gang zurücklaufen, da er in einer Sackgasse endete, aber nach ca. einer Stunde hatte er endlich einen Ausgang erreicht. Über eine Leiter erreichte er das Tageslicht. Er schob einen Gullydeckel beiseite und zog sich nach oben. Ein paar Passanten schauten sich verdutzt um und rümpften die Nase. Verwundert blickte Anakin an sich herab. Seine Tunika war ein wenig verstaubt, aber ansonsten noch in Ordnung. Er fuhr sich durch das Haar und sah nun die Ursache für das Naserümpfen. Seine Haare waren übersäht mit Spinnenweben in beachtlicher Größe. Sie klebten überall und Anakin hatte Mühe, sie aus seinen Haaren zu bekommen. Und selbst als ihm das gelungen war, klebte das Zeug an seinen Händen. Fluchend wischte sich Anakin die Hände an einer Hauswand ab. Doch er wurde das Kunstwerk der Achtbeiner einfach nicht los. Immer noch murmelnd und genervt gab er schließlich auf und sah sich um. Er beschloss, erst einmal drauflos zu gehen und zu schauen, wo er heraus kam. Bis jetzt kam ihm noch nichts bekannt vor.
Im Gehen aktivierte er sein Comlink und kontaktierte Obi-Wan.
‚Ein Glück geht es dir gut. Ich habe mir schon Sorgen gemacht. Wo bist du?'
„Ihr macht Euch generell zu viele Sorgen, Meister. Ich weiß nicht so genau, wo ich bin. Wo seid Ihr?"
‚Ich bin natürlich im Hotel. Es sieht hier zum größten Teil aus wie zu Hause. Denk einfach nicht daran, dass es nicht unser Zuhause ist, dann findest du dich wahrscheinlich besser zurecht.'
„Ein hervorragender Tipp, Meister. Sollte ich sonst noch etwas wissen?"
‚Spar dir deine Ironie, Anakin und komm lieber her. Schließlich warst du es, der um Hilfe gefragt hat und nicht, dass ich mich aufgedrängt hätte.'
„Ich kann mich nicht daran erinnern, gefragt zu haben. Egal. Bis gleich."
Anakin steckte sein Comlink an den Gürtel und drehte sich einmal um die eigene Achse. Obi-Wan hatte gut reden. Wäre ihm hier irgendetwas bekannt vorgekommen, hätte er nicht um Hilfe gebeten.
Es war wohl vermutlich tatsächlich am besten, einfach loszugehen bis ihm irgendetwas bekannt vorkam. Das war nach einer ganzen Weile auch der Fall. Eine Kreuzung sah definitiv so aus wie bei ihm zu Hause. Zufrieden versuchte Anakin erneut, sich zu orientieren und nun fiel ihm das viel leichter. Zielstrebig ging er nun in Richtung des Hotels, in dem Obi-Wan auf ihn wartete.
Zwischendurch schaute er sich immer wieder um, denn ihn beschlich ein merkwürdiges Gefühl. Aber ihm fiel nichts Ungewöhnliches auf.
Nach mehreren Minuten hatte er endlich das Hotel erreicht. Obi-Wan hatte Recht gehabt, es sah heruntergekommen aus. Aber Anakin kümmerte das wenig. Er hatte schon Schlimmeres gesehen.
An der Rezeption fragte er nach Obi-Wans Zimmer und eilte nach entsprechender Auskunft die Stufen herauf. Am Zimmer angekommen, klopfte er an die Tür und trat dann ein.
Ein Laserschwert an seinem Hals ließ ihn abrupt stoppen, doch nachdem Obi-Wan ihn erkannt hatte, senkte er die Klinge.
„Ach, du bist es. Du hättest dich ruhig vorher melden können."
„Ihr seid hier wirklich paranoid und übervorsichtig, Meister. Wer weiß denn schon, dass Ihr hier seid und würde das Zimmer betreten? Na also.
Es tut gut, Euch zu sehen, Meister."
„Das gleiche wollte ich auch gerade sagen. Ich dachte schon, du hast wieder einmal Glück gehabt und sitzt zu Hause im Tempel und fragst dich, wo wohl dein alter Meister ist."
Anakin grinste.
„Aber nein, ich kann Euch doch hier unmöglich alleine lassen, Meister. Und Ihr wisst doch, dass es so etwas wie Glück nicht gibt."
„Sehr schön, Anakin. Aber was machen wir nun?"
„Was habt Ihr denn die ganze Zeit gemacht? Ich dachte, wir hätten einen Plan."
Obi-Wan seufzte und sein Gesicht nahm einen frustrierten Ausdruck an.
„Ehrlich gesagt bin ich mit meiner Weisheit bald am Ende. Ich habe keine Ahnung, was wir machen können."
Auch wenn er es nicht zeigte, aber die Tatsache, dass Obi-Wan keine Ideen mehr hatte, machte Anakin doch ein wenig Sorgen. Denn auch er selbst wusste nicht weiter.
„Vielleicht solltet Ihr mir erstmal in Ruhe erzählen, wie es Euch so ergangen ist."
„Keine schlechte Idee. Vielleicht fällt uns ja beim Reden etwas ein."
Obi-Wan holte tief Luft und erzählte seine Geschichte. Dabei ließ er auch Padmé und Aniya nicht aus.
Bei der Erzählung von Padmés Traum schluckte Anakin ein paar Mal und musste sich zusammenreißen, damit er sich nichts anmerken ließ. Zwar war Padmé nicht schwanger, aber trotzdem waren sie verheiratet. Doch Obi-Wan schien glücklicherweise nichts zu bemerken, sondern war wohl eher mit anderen Dingen beschäftigt.
Auch Anakin kam Aniyas Geschichte ein wenig merkwürdig vor. Beide Jedi waren sich einig, dass da offenbar etwas ganz und gar nicht stimmte.
„Vielleicht sollten wir dort noch einmal ansetzen, Meister."
„Ja, da könntest du Recht haben. Außerdem habe ich ihr versprochen, noch einmal vorbeizuschauen."
„Gut, dann werden wir das tun."
Nachbemerkung:
Ihr fandet, Anakin hatte es ganz schön leicht? Nun, ja, ihr habt Recht! Ich hoffe, es hat euch gefallen!
