Vorbemerkung der Autorin:
Zu allererst ein Hinweis: Im Text findet ihr einen Begriff, von dem vielleicht einige nicht wissen, was er bedeutet. Ich erkläre ihn nicht vorneweg, weil es schon ein wenig verraten würde. Der Begriff ist unterstrichen und mit einem Sternchen versehen und die Erklärung steht ganz am Ende. Also alle, die damit nichts anfangen können, können nachlesen. Wenn ihr im Geschichtsunterricht aufgepasst habt, werdet ihr ihn kennen. Dass die Erklärung am Ende steht, ist vielleicht auch nicht so eine elegante Lösung, aber mir fiel nichts besseres ein.
Anyway. Ansonsten gibt es glaube ich vorher nichts zu sagen, außer: Viel Spaß, ich hoffe, es gefällt euch und die Bitte um Reviews! Vielen Dank!
Kapitel 22
Obi-Wan versuchte die Situation zu überschauen. Anakin und er waren nur zu zweit, während sein Zwilling noch vier seiner Kollegen dabei hatte und sie demnach zu fünft waren. Nach Anakins Meinung musste er sich nicht erkundigen, die kannte er. Doch ihm schien ein Kampf zu gewagt. Vielleicht gab es ja im Tempel eine Möglichkeit, darüber zu reden und die Sache aufzuklären. Diese Gelegenheit würde sich nicht ergeben, wenn sie sich nicht ergaben.
Er warf Anakin einen Blick zu, der sich schon in Kampfposition gestellt hatte, das Laserschwert erhoben und diagonal vor seinem Körper, sein entschlossener Blick zwischen den beiden Obi-Wans hin- und herschweifend.
„Meister?"
„Nein, wir lösen das nicht auf deine Weise. Wir gehen mit ihnen."
„Aber.."
„Kein aber, Anakin, vertrau mir."
Anakin stieß einen ärgerlichen Laut aus, deaktivierte dann aber sein Laserschwert, wohl wissend, dass sein Weg nicht funktionierte, wenn Obi-Wan nicht mitzog.
Der fremde Obi-Wan grinste diabolisch.
„Wie gesagt, eine kluge Entscheidung, die wir respektieren. Wir werden euch zwar die Waffen abnehmen, aber ihr müsst keine Handschellen anlegen."
Anakin funkelte ihn böse an. Welche Arroganz.
„Wie großzügig von Euch."
„Ich habe heute einen guten Tag. Eigentlich hast du eine andere Behandlung verdient, Kleiner. Also nutze meine gute Laune nicht zu sehr aus, verstanden!"
Und schon setzte sich die Gruppe in Bewegung und marschierte in Richtung Tempel. In der Mitte die inzwischen entwaffneten Gefangenen, umringt von der Gruppe Jedi.
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Nach einer ganzen Weile hatten sie den Jedi-Tempel erreicht und wurden sofort vor den Rat geführt, nun doch mit Handschellen.
Beide wurden einer eingehenden Musterung unterzogen. Die Ratsmitglieder begutachteten zuerst die Gefangenen und blickten dann interessiert und fasziniert zu ihrem Ratskollegen Obi-Wan, der mürrisch in seinem Sessel saß. Der andere Obi-Wan kam sich vor wie in einem Zoo, bei dem er das exotische Tier war.
„Na schön, nachdem wir alle die beiden Betrüger betrachtet haben, sollten wir uns jetzt überlegen, was wir mit ihnen machen."
Da musste er seinem Zwilling ausnahmsweise Recht geben.
Mace Windu räusperte sich.
„Ihr habt bis jetzt geschwiegen. Aber nun sagt uns, was es mit dieser Maskerade auf sich hat. Wer schickt euch und zu welchem Zweck?"
Obi-Wan holte tief Luft.
„Wir wurden von niemandem geschickt und es war auch nicht unsere Absicht, verbotenerweise in den Tempel einzudringen. Das Ganze ist ein großes Missverständnis und wir bitten um Verzeihung, wenn wir für Aufruhr gesorgt haben. Aber es gibt für unser Verhalten eine Erklärung."
Sein Ebenbild lachte verächtlich.
„Na, darauf bin ich gespannt."
Obi-Wan lächelte ihn freundlich an.
„Für uns ist diese Situation ebenso merkwürdig wie für den Rest der Anwesenden auch.
Wenn ich mich vorstellen darf und ich bitte darum, mich ausreden zu lassen. Mein Name ist Obi-Wan Kenobi und dies ist mein ehemaliger Padawan Anakin Skywalker. Wir stammen aus einem Paralleluniversum und sind offenbar aus Versehen in dieses Universum gelangt. Wir wissen, dass diese Erklärung weit hergeholt klingt und dass es keine Beweise dafür gibt. Aber allein schon unser Aussehen sollte Beweis genug sein. Aus uns unerfindlichen Gründen erwachten wir hier auf Coruscant, obwohl wir uns eigentlich auf einem Schiff befunden hatten. Mein ehemaliger Schüler hier wurde von Bail Organa aufgegriffen, während ich allein erwachte und aus Gewohnheit erstmal zum Tempel ging.
Ihr habt mein Erstaunen selbst bemerkt, als ich zum Beispiel von Meister Yodas Tod erfuhr. In unserer Welt ist Meister Yoda ein führendes Mitglied des Rates.
Ich bitte nochmals um Verzeihung für unser Eindringen, aber vielleicht könnten wir uns auf eine friedliche Lösung dieses Problems einigen."
Der fremde Obi-Wan beugte sich auf seinem Sessel vor.
„Also das ist das Lächerlichste, was ich je gehört habe. Ein Paralleluniversum! Heutzutage gibt es eine so weit fortgeschrittene plastische Chirurgie, die es selbst einem Hutten erlauben würde, so auszusehen wie ich.
Wie bitte seid ihr denn hierher gekommen? Ihr seid hier einfach aufgewacht? Es müsste doch eine Ursache für diesen „Unfall" geben. Aber die könnt ihr uns natürlich nicht nennen."
Nun schaltete sich auch Anakin in das Gespräch mit ein.
„Denkt doch mal nach. Erstens haben sowohl Obi-Wan als auch ich selbst den Tempel sofort wieder verlassen, nachdem wir ihn betreten hatten. Zweitens habt Ihr von dem hiesigen Anakin offenbar keine sehr hohe Meinung. Warum hätte ich mir also ihn aussuchen sollen, um mich als er zu verkleiden oder umoperieren zu lassen. Meint Ihr nicht, ich hätte jemand Mächtigeres genommen? Drittens stellt sich die Frage, warum wir uns hätten trennen sollen, wenn wir doch offensichtlich zusammengehören? Meint Ihr wirklich, ich wäre so dumm gewesen und hätte Kontakt mit Euch aufgenommen und um Hilfe gebeten? Und Viertens haben wir nichts getan was Euch oder dem Orden irgendwie geschadet hätte."
Mace Windu erhob nun wieder die Stimme.
„Nun, wir konnten euch ja in Gewahrsam nehmen, bevor ihr irgendetwas tun konntet. Dass ihr euch trennen musstet, könnte ein Fehler von euch gewesen sein, der euch unterlaufen ist, als ihr Bail Organa unterschätzt habt. Das sagt also gar nichts. Genauso wie das Argument, dass ihr beide den Tempel verlassen habt. Wer weiß, was ihr vorhabt. Das muss nicht unbedingt im Tempel stattfinden. Und da wir eure Pläne nicht kennen, kann es durchaus zu eurem Plan gehören, Anakin und Obi-Wan zu sein. Ein starkes und ein schwaches Mitglied des Ordens. Taktik? Eure Argumente sind wenig überzeugend.
Kommen wir also zur Wahrheit. Vielleicht wollt ihr sie uns ja doch verraten. Ich gebe euch eine letzte Chance. Ansonsten sehen wir uns gezwungen, euch einzeln und weniger sympathisch zu befragen. Das wollt ihr doch sicher nicht, nicht wahr?"
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Anakin war kurz davor, die Nerven zu verlieren. Das alles hatte er schon vermutet. Warum hatte er sich nur von Obi-Wan überzeugen lassen? Wäre es nach ihm gegangen, wären sie jetzt nicht an diesem Ort, sondern schon vermutlich mit einem Bein zu Hause. Und zu Hause bedeutete für ihn bei Padmé. Bei dem Gedanken an seine geliebte Frau riss er sich wieder zusammen. Wut half ihm jetzt nicht weiter. Im Moment kamen sie aus dieser Situation nicht heraus und das musste er wohl oder übel akzeptieren. Sie mussten sich zu einem späteren Zeitpunkt etwas einfallen lassen. Aber das konnte er erst planen, wenn er wusste, wie es weiter geht.
„Na schön, Ihr glaubt uns nicht. Und was nun? Welcher verbotenen Taten klagt Ihr uns an? Wir haben nichts getan, weswegen man uns verurteilen könnte."
Ein Ratsmitglied, das Anakin nicht kannte antwortete ihm: „Wie Meister Windu schon sagte, werden wir euch einzeln befragen und ihr werdet erst einmal hier bleiben. Alles Weitere werden wir sehen. Ihr werdet nun untergebracht werden bis wir euch zu uns rufen lassen.
Ach und noch etwas." Der Jedi-Meister beugte sich bedrohlich vor. „Wir brauchen keinen Grund, um euch zu verurteilen."
Mit diesen Worten war die Sitzung offenbar beendet und man führte die zwei Gefangenen zu ihren „Unterkünften". Ein Abschnitt des Tempels, der bei ihnen zu Hause als Lagerfläche genutzt wurde, war erweitert worden zu einem Extrazellentrakt. Selbstverständlich bekam jeder seine eigene Zelle.
Mürrisch riss Anakin seinen Arm aus dem festen Griff seines Wächters, der ihn begleitete beziehungsweise führte. Sofort bekam er einen Schlag mit einem Schockstab. Der Schmerz durchfuhr ihn, aber es kam kein Laut über seine Lippen. Er hatte schon weit Schlimmeres erlebt, da konnte ihn ein kleiner Stromschlag nicht schocken.
Bald waren beide in ihren Zellen untergebracht worden. Jedenfalls das, was man hier als Zelle bezeichnete. Anakin würde es eher Loch nennen. Es gab nur kahle Wände, eine kahle Decke und einen Hocker, auf den man sich setzen konnte, wenn man nicht gerade mehr als 20 Kilo wog. Es war kalt, nass und der Geruch war auch kaum zu ertragen. Verschlossen war die Tür mit einem Energiefeld. Anakin probierte gar nicht erst aus, dieses Feld zu berühren. Er war sich sicher, dass es ihm, wenn es nicht tötete, doch großen Schaden zufügen würde.
Seufzend setzte er sich in eine Ecke der Zelle, lehnte den Kopf an die kühle Mauer und schloss die Augen. Wie war er nur wieder in diese verdammte Situation geraten? Manchmal hatte er das Gefühl, es lag an Obi-Wan. Er geriet immer mit ihm in solche Lagen. Er schlug sich mit den Fäusten gegen die Stirn und zog die Knie an.
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Obi-Wan gingen ähnliche Gedanken durch den Kopf. Sein Geist ging Szenarien durch, in denen sie das Ganze auf Anakins Weise gelöst hätten. In der Tat hätte die, wenn auch unwahrscheinliche, Möglichkeit bestanden, dass sie gegen die Gruppe Jedi gewonnen hätten. Dann säßen sie jetzt nicht in dieser Zelle. Aber was wäre wohl passiert, wenn sie gekämpft und verloren hätten? Nach dem, was Bail Organa widerfahren ist, hätten sie nicht auf Milde und Barmherzigkeit hoffen können. Es war also besser so wie es war. Oder?
Der Jedi rief sich wieder zur Ordnung. Solche Gedanken halfen nicht wirklich weiter. Vermutlich war es besser nicht in der Vergangenheit zu denken und zu leben, sondern in der Gegenwart und Zukunft. Was er brauchte, war ein Plan. Ein Plan, wie sie hier herauskamen. Momentan fiel ihm nichts Geistreiches ein.
Aus der Zelle auszubrechen war unmöglich. Also blieb noch die Möglichkeit, den Rat auf ihre Seite zu ziehen und sie von ihrer Version der Geschichte zu überzeugen. Nicht gerade tolle Aussichten. Er musste sich gestehen, dass er sich das Ganze einfacher vorgestellt hatte. Manchmal ging er einfach zu idealistisch an die Dinge heran. Aber sein Instinkt hatte ihm gesagt, dass es besser war, freiwillig zum Tempel zu gehen. Er arbeitete immer noch daran, ein besseres Gleichgewicht zwischen Idealismus und Misstrauen zu finden.
Geduld war wohl das Stichwort in seiner jetzigen Situation.
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Währenddessen beriet sich der Rat in einer erneuten Sitzung.
Die Meinungen der Anwesenden gingen auseinander. Während die eine Hälfte eine Bedrohung durch die beiden Gefangenen sah und eine Verschwörung witterte, merkten die anderen an, dass sie so etwas in der Macht hätten spüren müssen, aber nichts dergleichen passiert war. Als ein weiteres Argument führten sie an, dass bis jetzt tatsächlich nichts vorgefallen war, was auch nur im Mindesten beunruhigend gewesen wäre.
Die andere misstrauischere Hälfte jedoch machte den Vorschlag, dass man präventiv gegen die beiden vorgehen sollte, damit auch wirklich nichts geschah. Schließlich hatten die beiden bewiesen, dass sie mit einem Laserschwert umgehen konnten und offensichtlich auch Kenntnisse der Macht besaßen. Es konnte ja nicht schaden, gegen sie vorzugehen und sie zu beseitigen.
Allerdings, so die liberalere Hälfte, wäre es doch genau deshalb interessant, mit den beiden zu reden, damit solche Vorkommnisse nicht wieder geschahen und sie dann nicht mehr so viel Glück hatten, die Täter zu fangen. Sollte man nicht herausfinden, woher die beiden ihre Fähigkeiten und ihr Wissen hatten?
Man einigte sich schließlich auf den Kompromiss, die beiden einzeln zu befragen, wenn nötig auch eine peinliche Befragung durchzuführen und dann noch einmal zu beraten, was mit ihnen geschehen sollte.
Mit dieser vorläufigen Lösung zufrieden, beendeten sie die Besprechung zunächst und beschlossen außerdem, zuerst den Jüngeren zu befragen, der sich als Anakin Skywalker ausgab, und auch den echten Anakin an der Befragung teilnehmen zu lassen.
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„Beunruhigend diese Entwicklung ist."
Meister Yoda schüttelte seinen kleinen grünen Kopf und seine Ohren wippten mit.
Alle Ratsmitglieder blickten besorgt drein und wussten nichts zu sagen.
„Das letzte Mal wurden sie während ihrer Mission gesehen. Augenzeugen zufolge haben sie ihr Schiff auch tatsächlich betreten und sind abgeflogen, wie sie es uns mitgeteilt haben. Danach fehlt jede Spur von ihnen."
Mace Windus Stimme war wie immer ruhig und gleichmäßig. Wenn er besorgt war, dann ließ er es sich nicht anmerken. Doch wer ihn kannte, wusste, dass ihm jedes Leben im Orden und auch außerhalb wichtig war und die momentane Frage, wo sich Obi-Wan und Anakin aufhielten, besorgte hin sogar sehr. Dazu kam die Tatsache, dass sie in letzter Zeit sehr viele Jedi verloren hatten und sich kaum Verluste leisten konnten. Und nun fehlte von zwei der mächtigsten und wichtigsten Jedi des gesamten Ordens jede Spur. Für ihn blieb das Ganze ein Rätsel. Ein Rätsel, das sie sich nicht leisten konnten zu lösen.
„Spüren ich sie kann, doch verschwommen meine Wahrnehmung ist. Weit weg der Ort sein muss, an dem sie sich aufhalten und sehr schwer zu erfassen."
Yoda hatte die Augen geschlossen und seine Ohrenspitzen hingen nun schlaff herab.
„Wir können es uns momentan nicht leisten, ein Team loszuschicken, um sie zu suchen, wenn wir nicht den geringsten Anhaltspunkt haben, wo sie sich aufhalten können."
Kit Fistos niemals blinzelnde Augen blickten traurig in die Runde. Es war ihm nicht leicht gefallen, das zu sagen, ging es doch um einen seiner besten Freunde Obi-Wan Kenobi. Aber die Vernunft siegte über seine persönlichen Gefühle. Er durfte ihnen nicht nachgeben und damit die Republik gefährden.
Die restlichen Ratsmitglieder nickten traurig aber zustimmend.
„Ich kenne Obi-Wan schon sehr lange. Er und Anakin können auf sich aufpassen, wo auch immer sie sind. Ich bin überzeugt, wir werden bald von ihnen hören."
Auch wenn er selbst nicht ganz von seinen Worten überzeugt war, erzielten sie doch die Wirkung, die sich Kit erhofft hatte. Sie bewirkten ein klein wenig Hoffnung.
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Man hatte Obi-Wan in einen kleinen Raum gebracht, um ihn zu verhören. Er wurde auf eine Liege gebunden, sodass er Arme und Beine nicht bewegen konnte. Die Liege wurde so ausgerichtet, dass er auf Augenhöhe mit den anderen Anwesenden war, also diagonal. Er ließ alles kommentarlos und ohne sich zu wehren über sich ergehen. Zunächst wollte er abwarten, was passieren würde und, soweit es ihm möglich war, kooperieren.
Die Befragung wurde von Mace Windu durchgeführt und ebenfalls anwesend waren noch ein Jedi, den er nicht kannte, der andere Obi-Wan und Anakin Skywalker. Für Obi-Wan war es ein merkwürdiges Gefühl Anakin im Raum dabei zu sehen, war er ihm doch so vertraut und dennoch so fremd.
Sein Blick blieb also eine Weile auf dem jungen Jedi hängen, der sich sichtlich unwohl fühlte. Sein Ebenbild würdigte er hingegen keines Blickes. Es erschauderte ihn jedes Mal, zu was er offenbar fähig gewesen wäre, wären manche Dinge anders gelaufen. Zurzeit verdrängte er solche Gedanken.
Die ersten Fragen waren harmlos und eher belanglos. Mace fragte ihn nach seinem Alter, seinem Geburtsort und anderen privaten Dingen. Er beantwortete alles ruhig und wahrheitsgemäß. Wenn jemand seiner Fragen wegen überrascht war, ließ er es sich nicht anmerken. Eher teilnahmslos verfolgten die Jedi die Befragung.
Doch schon bald wurde die Bedeutung der Fragen größer, kam Mace Windu nun zu Dingen, die sein Erscheinen hier betrafen.
„Warum seid Ihr hier in den Tempel gegangen?"
Obi-Wan wiederholte das, was er schon vor dem Rat gesagt hatte.
„Was war Eure Mission?"
Auch hier wiederholte und betonte Obi-Wan, dass es keine Mission gab, sondern dass er lediglich versucht hatte, einen Weg nach Hause zu finden. Er fügte noch hinzu, dass man seine Aussage gerne überprüfen könnte, indem sie den Leiter des Instituts befragen, in dem er war.
Seine Worte wurden mit einem Stirnrunzeln zur Kenntnis genommen und er wurde ermahnt, nur auf die Fragen zu antworten.
Obi-Wan gefiel das Ganze immer weniger, je länger er die Fragen beantwortete. Er hatte ein ungutes Gefühl.
Mace Windu lehnte sich zurück und schaute ihm in die Augen.
„Wir können nicht spüren, dass Ihr lügt, aber wenn Ihr über Wissen in der Macht verfügt, könntet Ihr Eure wahren Gefühle und Eure wahre Identität vor uns verbergen. Wir werden es mit einem Wahrheitsserum versuchen und schauen, wie es auf Euch wirkt."
Noch ehe Obi-Wan etwas einwerfen konnte, hatte man ihm das Serum auch schon injiziert. Er spürte, wie es durch seinen Körper floss. Da er nichts zu befürchten hatte und die Wahrheit sprach, ließ er es geschehen, wohl wissend, dass es schlechter für ihn aussah, wenn er sich offensichtlich wehrte. Obi-Wan vermutete, dass es sich bei dem Serum um Skirtopanol handelte, da er keine Halluzinationen hatte. Er konnte nur hoffen, dass die Jedi hier mit der Verwendung des Gegenmittels Lotiramin umgehen konnten, da eine falsche Dosierung Amnesie oder sogar den Tod bewirken konnte.
Erneut stellte Mace Windu ihm die Fragen, die er für wichtig hielt, nämlich nach seiner Mission und seinem Grund für das Auftauchen im Tempel. Und erneut beantwortete Obi-Wan die Fragen wahrheitsgemäß.
„Nun, offenbar habt Ihr eine starke Willenskraft und eine erstaunliche geistige Kontrolle, da Ihr dieser Dosis widerstehen konntet.
Vielleicht waren wir bisher einfach zu nett zu Euch. Was haltet Ihr von einer peinlichen Befragung?", fragte er lächelnd.
Obi-Wan sah ihn ruhig an.
„Folter war noch nie eine gute Methode, um an die Wahrheit heranzukommen. Man weiß nie, ob der Befragte die Wahrheit sagt oder nur antwortet, um von den Schmerzen erlöst zu werden. Es ist eine veraltete Methode und ich bin überrascht, dass sie noch praktiziert wird."
Die Antwort war eine schallende Ohrfeige. Obi-Wan öffnete wieder seine Augen und ließ sich nichts anmerken. Als Mace Windus Hand seine Wange getroffen hatte, war Anakin merklich zusammengezuckt und Obi-Wan warf ihm einen kurzen Blick zu. Schnell schaute der junge Jedi woanders hin und wurde rot.
Mace Windus Blick hatte sich verdüstert und er wandte sich an den anderen Obi-Wan.
„Das überlasse ich nun dir. Solche Befragungen sind deine Spezialität. Ich wünsche viel Spaß."
Mit diesen Worten stand er auf und überließ Obi-Wan seinen Platz vor der Liege.
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In seiner Zelle konnte Anakin die Qualen spüren, die Obi-Wan nun ertragen musste. Eine Welle des Schmerzes durchfuhr ihn und er fühlte mit seinem ehemaligen Meister mit. Je länger dieses Gefühl andauerte und je größer der Schmerz wurde, desto größer wurde auch seine Wut. Er konnte es kaum abwarten, selbst befragt zu werden. Er kannte Obi-Wan gut genug, um zu wissen, dass der eine Menge über sich ergehen ließ, wenn nur der Hauch einer Chance bestand, eine friedliche Lösung zu finden. Andererseits blieb ihm auch gar nichts anderes übrig, denn mehr als die Wahrheit sagen, konnte auch Obi-Wan nicht.
Doch Anakin wusste, dass er sich wehren würde, wenn er an der Reihe war. Sollten diese Jedi doch ruhig seinen Zorn zu spüren bekommen. Offenbar verstanden sie nur diese Sprache.
Ein wenig erschrocken über seine eigenen Gedanken probierte Anakin nun, Obi-Wans Schmerz ein wenig zu lindern, indem er ihn seine Gegenwart in seinem Geist spüren ließ und einen Teil des Schmerzes auf sich nahm. Doch er wusste selbst genau, dass das nur bedingt möglich war, vor allem, da ihre Bindung, nachdem er nicht mehr sein Padawan war, schon nachgelassen hatte und es Obi-Wan so nur ein wenig erleichterte. Aber besser als nichts.
Nach einer Weile, die Anakin wie eine Ewigkeit vorkam, war es vorbei. Offenbar hatte man aufgehört, Obi-Wan zu foltern.
Erleichtert und dennoch besorgt entspannte sich Anakin wieder ein wenig. Doch den größten Teil seiner Anspannung würde er erst wieder loswerden, wenn er wieder zu Hause war.
Gedanklich bereitete er sich nun darauf vor, selbst befragt zu werden.
Doch nichts geschah. Immer noch ließ man ihn in seiner Zelle warten.
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Erschöpft ließ sich Obi-Wan an der Zellenwand herabsinken, lehnte sich mit dem Kopf an die herrlich kühle Wand und schloss die Augen. Sein immer noch schmerzender Körper verbot ihm, sich mit dem Rücken an die Wand zu lehnen, damit der Schmerz nicht noch größer wurde.
Nach einer endlos erscheinenden Zeit hatte man schließlich aufgegeben und aufgehört, ihm Fragen zu stellen. An das meiste konnte sich der Jedi nur noch dunkel erinnern, war der Schmerz doch so groß gewesen, dass alles um ihn herum nebelig geworden war. Das einzige, an das er sich noch erinnern konnte, war Anakin in seinem Geist, der ihm ein wenig Linderung verschafft hatte.
Langsam wurde Obi-Wans Atem ruhiger und er probierte vorsichtig, sich auf die Schmerzen in seinem Körper zu konzentrieren und seine Verletzungen zu heilen. Kein leichtes Unterfangen, da es ihm Mühe bereitete, die Verletzungen zu lokalisieren und sich auf sie zu konzentrieren.
Ein kleiner Teil seines Geistes dachte auch daran, dass wohl bald Anakin an der Reihe war und hoffte, dass es ihm besser ergehen würde.
Dann kam es ihm so vor, als hätte er seinen Namen gehört. Er öffnete langsam die Augen und drehte seinen Kopf vorsichtig in Richtung Energiefeld. Besagtes Feld erlosch auf einmal und Anakin stand vor dem Eingang seiner Zelle.
„Könnt Ihr Euch bewegen?", flüsterte er Obi-Wan zu.
Dieser schüttelte einen Rest der Benommenheit weg und blickte verwirrt zu seinem ehemaligen Padawan.
„Anakin, wie…?"
„Psst. Ihr müsst leise sein. Sie dürfen uns nicht hören. Könnt Ihr einigermaßen laufen? Wir müssen noch Euren ehemaligen Schüler befreien."
Erst jetzt fiel Obi-Wan auf, dass es sich bei diesem Anakin nicht um seinen, sondern um den fremdem Anakin handelte. Er stöhnte auf.
„Was soll denn das? Was tust du da? Du dürftest überhaupt nicht hier sein. Du wirst dir eine Menge Ärger einhandeln."
„Mag sein, aber ich glaube Euch Eure Geschichte. Die anderen tun es aber nicht. Sie werden Euch nicht gehen lassen. Wir müssen uns beeilen. Im Moment besprechen sie sich. Anakin ist nur ein paar Zellen weiter. Schafft Ihr das oder soll ich ihn erst holen und wir kommen dann zurück?"
Obi-Wan schossen tausend Gedanken durch den Kopf. Selbst wenn sie es aus den Zellen schaffen sollten, blieb immer noch die Frage offen, wie sie es aus dem Tempel schaffen sollten. Auf ihn konnte man nicht großartig zählen in seinem Zustand. Dieser Anakin hatte ganz offensichtlich, nach allem, was er so gehört hatte, nicht mal annähernd die Fähigkeiten, die sein Anakin hatte, der demnach alles allein erledigen müsste.
Da ihm jedoch auch nicht besseres einfiel und dies eine vermutlich einmalige Chance war, nickte er und sagte, Anakin solle erst seinen ehemaligen Schüler befreien.
Nickend zog der sich zurück und aktivierte das Energiefeld von neuem.
Obi-Wan schloss erneut die Augen und versuchte die Zeit sinnvoll zu nutzen, indem er sich auf den bevorstehenden Marsch vorbereitete. Jedenfalls so gut es ging.
Nach einer Weile wurde das Feld erneut deaktiviert und ein grinsender und ein sich vorsichtig umblickender Anakin standen vor ihm.
Doch schnell wich dem Grinsen ein besorgter Blick und beide Anakins halfen Obi-Wan auf die Beine.
Der half mit so gut es eben ging, aber er war natürlich immer noch schwach auf den Beinen.
Da standen die drei nun im Flur des Gefängniszellentrakts und schauten sich gegenseitig an.
Erklärung:
: Der Begriff „peinliche Befragung" stammt ursprünglich aus dem Mittelalter und ist ein euphemistischer Begriff für Folter, den man damals gerne verwendet hat.
