Vorbemerkung der Autorin:
Eigentlich gibt es nicht allzu viel zu sagen. Das Kapitel wird wieder ein wenig mehr den Weg erhellen. Eigentlich sogar mehr als nur ein wenig.
Viel Spaß!
Kapitel 23
„So und was jetzt?"
Obi-Wan und Anakin blickten den anderen Anakin fragend an. Der erwiderte ihren Blick aber tapfer und versuchte, die Situation zu erklären.
„Ehrlich gesagt plane ich schon lange, aus dem Orden auszutreten. Allerdings birgt das mehrere Probleme, da es verboten ist, den Orden zu verlassen."
Anakin machte eine ungeduldige Geste.
„Schön und gut. Das kannst du uns alles später erzählen. Wie kommen wir hier heraus, ohne dass uns jemand bemerkt? Das hast du dir hoffentlich vorher überlegt, ansonsten haben wir ein Problem."
Am Rande bemerkte Anakin, wie ihm Obi-Wan einen beschwichtigenden Blick zuwarf. Der junge Jedi ignorierte ihn. Sie hatten einfach keine Zeit, um höflich zu sein.
„Äh, ja, ich habe einen Plan. Ich hoffe nur, dass alles funktioniert.
Also, folgendes, ich bin nicht der einzige, der gehen will. Das bedeutet, wir haben Verbündete, von denen niemand weiß und die uns helfen werden, hier herauszukommen. Einige, an deren Loyalität niemand zweifelt, werden uns den Rücken freihalten und falsche Hinweise geben, sobald man uns bemerkt hat. Sie haben schon damit angefangen, indem sie angeblich die Katakomben gesperrt haben. Das stimmt aber nicht. Da wir uns eh auf einer der tieferen Ebenen befinden und es deshalb nicht weit ist, werden wir uns dorthin begeben und so fliehen können. So sieht der Plan aus. Unsere Helfer werden dann später nachkommen."
Die beiden Anakins schauten sich an.
„Das bedeutet, wir überlassen deine Helfer sich selbst und sehen nur zu, dass wir es hier herausschaffen. Sehe ich das richtig? Sie helfen uns, aber wir tun nichts für sie?"
Anakin gefiel der Plan nicht. In seinen Augen war es immer verkehrt, Verbündete zurückzulassen, ob nun in seinem oder einem anderen Universum. Er warf einen Blick auf Obi-Wan, der die Achseln zuckte und dann stöhnte, da das offenbar eine schmerzhafte Bewegung für ihn war.
„Vielleicht ist der Plan einfach nur vernünftig, Anakin. Was könnten wir denn schon ausrichten? Ich würde gerne helfen, aber sieh mich an."
Obi-Wan blickte ihn ernst an. Anakin hasste diesen Blick, der immer auf Vernunft basierte und seinem Gegenüber nichts anderes übrig ließ als zuzustimmen.
Also nickte er wortlos und vollführte eine Geste, die so viel hieß, wie ‚nach euch'.
Der andere Anakin nickte ebenfalls und übernahm die Führung. Anakin folgte, dabei Obi-Wan ein wenig stützend. Der warf seinem Schüler einen dankbaren Blick zu.
Erneut versuchte Anakin, mit der Macht eine Art „Deckmäntelchen" über alle zu ziehen, damit man sie nicht so schnell fand. Er spürte, wie Obi-Wan ihm versuchte zu helfen und raunte ihm zu: „Ihr solltet Eure Kräfte lieber für andere Dinge aufsparen, Meister."
Doch Obi-Wan ließ sich nicht beirren. In Gedanken schüttelte Anakin den Kopf. Obi-Wan konnte extrem stur sein, wenn er wollte.
Plötzlich blieb sein Doppelgänger stehen. Anakin und Obi-Wan folgte seinem Beispiel und streckten vorsichtig ihre Machtfühler aus, um zu erkennen, weshalb ihr Helfer stehen geblieben war, aber trotzdem darauf bedacht, nicht entdeckt zu werden. Denn wie das beim Verstecken so ist, kann man sehen, kann man auch gesehen werden.
Der Anakin dieses Universums drehte sich um und raunte ihnen zu: „Gehen wir einen anderen Gang entlang."
„Glaubst du nicht, sie werden uns spüren? Wir können sie doch auch spüren."
Anakin gefiel die Sache nicht. Er hatte das Gefühl, als ob alles nicht sehr gut durchdacht war.
Auch Obi-Wan neben ihm wurde unruhig.
Anakins Antwort trug auch nicht gerade dazu bei, dass beide sich besser fühlten.
„Wäre euch keine Chance hier heraus zu kommen lieber als eine geringe Chance. Wollt ihr lieber zurück hinter euer Energiefeld und auf die nächste Folter warten?"
Obi-Wan hob beschwichtigend eine Hand.
„Schon gut, schon gut. Gehen wir weiter. Je schneller wir hier raus sind, desto besser. Also los."
Die Anakins nickten und setzen sich erneut in Bewegung.
Nachdem sie so schnell wie möglich durch ein, zwei Gänge geeilt waren, Anakin immer eine Hand auf dem Laserschwert und um eine Ecke bogen, stand wie vom Himmel gefallen plötzlich eine schwarz gekleidete Gestalt vor ihnen, das Gesicht durch eine tiefe Kapuze des weiten Mantels verdeckt.
Das Trio wich ein wenig zurück. Alle drei waren überrascht und hatten die Person weder kommen gesehen, noch gehört, noch gespürt.
Gerade war Anakin dabei, sein Laserschwert vom Gürtel zu nehmen, als die Gestalt ihnen zuraunte, dass sie ihr folgen sollten. Aber niemand setzte sich in Bewegung. Da huschte der Geheimnisvolle, ehe jemand reagieren konnte, auf Obi-Wan zu, berührte ihn kurz am Arm und glitt dann lautlos weiter.
Überrascht riss Obi-Wan die Augen auf.
„Was ist?"
„Wir können mitgehen. Kommt."
An Obi-Wans Gesicht konnte Anakin erkennen, dass jetzt nicht die Zeit für Fragen war. Er würde ihm wohl vermutlich später alles erklären, wenn es denn wo etwas wie ein Später, bei dem sich die Gelegenheit zum Erklären ergab, geben würde.
Lautlos folgten sie also der Gestalt, die sie immer weiter durch die Gänge führte, ohne sich auch nur ein einziges Mal umzublicken, um zu sehen, ob ihr immer noch alle folgten. Sie führte sie wieder hinauf, in den oberen Teil des Tempels.
Trotzdem Obi-Wans Gesicht einen etwas zuversichtlicheren Ausdruck angenommen hatte als noch vor ein paar Minuten, konnte Anakin diesen Optimismus nicht teilen. Er verließ sich nicht gern auf Leute, von denen er nicht wusste, wer sie waren. Und diese huschende Gestalt vor ihnen, wirkte auf ihn nicht gerade vertrauensselig. Doch war das vermutlich immer noch besser, als dem anderen Anakin zu folgen, der sich wie ein aufgescheuchtes Hühnchen immer wieder umblickte, um zu sehen, ob ihnen auch ja niemand folgte.
Während sie so weiterliefen, lagen auf dem Boden leblose Körper einiger Jedi-Ritter. Anakin konnte zwar nicht feststellen, ob tot oder nur bewusstlos, aber es war ihm eigentlich auch egal. Wichtig war nur, dass sie sich ihnen nun nicht in den Weg stellen konnten. Offenbar hatte sich hier jemand vorbereitet und Anakin zweifelte daran, dass es sein Ebenbild gewesen war.
Nach minutenlangem Gehen und gleichzeitigem Schweigen waren sie offenbar an dem Ziel angekommen, das die verhüllte Gestalt als Ziel bestimmt hatte, denn sie blieb plötzlich stehen, griff unter ihren Mantel, holte ein kleines Gerät und ein Laserschwert heraus, aktivierte beides und schlug mit einer grünen Klinge auf das Fenster ein, sodass es zu Bruch ging.
Alle drei Begleiter rissen die Augen und den Mund auf, als ihr Helfer, erneut ohne sich umzudrehen, aus dem Fenster sprang.
Wie auf Kommando eilten sie zum Fenster, um hinunter zu sehen und um dann festzustellen, dass direkt unter dem Fenster ein Speeder stand, auf dem die bemäntelte Person gelandet war und ihnen nun bedeutete, ebenfalls zu springen.
Anakin blickte zu Obi-Wan.
„Meint Ihr, wir sollten das tun und wenn ja, meint Ihr, Ihr schafft das?"
Obi-Wan zögerte nur einen kurzen Augenblick, dann nickte er und sagte: „Ja, wir sollten springen und ja, ich schaff das schon. Vertrau mir."
„Als Ihr das das letzte Mal zu mir gesagt habt, landeten wir hier im Gefängnis. Haltet Ihr das also wirklich für eine gute Idee?"
„Hast du eine bessere Idee?" Obi-Wan legte den Kopf schief.
„Gutes Argument. Nach Euch, mein Meister."
Obi-Wan holte tief Luft, biss die Zähne zusammen, kletterte auf das Fensterbrett und sprang.
Da der Sprung nicht allzu tief war, machte sich Anakin nur ein wenig Sorgen.
Als Obi-Wan zwar mit einem schmerzverzerrten Gesicht, aber ohne größere Verletzungen gelandet war, bedeutete Anakin, seinem ängstlichen Ebenbild, vorzugehen. Nachdem auch dieser sicher gesprungen und gelandet war, sprang auch Anakin und landete auf dem vierten Platz des Speeders, nämlich auf der Rückbank neben dem anderen Anakin. Obi-Wan saß auf dem Beifahrerplatz und die Gestalt am Steuer.
Schon ging die Fahrt los. Anakin war überrascht auf Grund des rasanten Tempos und gleichzeitig gespannt, ob Obi-Wan sich beschweren würde, wie er es bei ihm immer tat.
Des Weiteren interessierte ihn natürlich brennend die Identität ihres mysteriösen Retters und nach einem Seitenblick auf seinen Sitznachbarn war ihm klar, dass dieser ebenso ratlos war wie er selbst, was bedeutete, auch er hatte nichts von ihrer schnellen Rettung geahnt.
Leider konnte man sich während der Fahrt nur schlecht unterhalten, da man sich wegen des Lärms kaum verständlich machen konnte und da Obi-Wan sich offenbar keine Sorgen machte –jedenfalls nicht deshalb- entspannte sich Anakin ein wenig.
Schon bald senkte der Speeder seine Nase und steuerte immer tiefer in das Gewirr von Coruscant ein, bis sie schließlich in der Gegend landeten, in der Anakin damals Zam Wesell verfolgt hatte.
Die geheimnisvolle Gestalt stieg kommentarlos aus dem Speeder und huschte, wie Anakin es nun schon von ihr kannte, in eine der Nebengassen.
Doch inzwischen hatte Anakin genug und war schneller aus dem Speeder, als irgendjemand gucken konnte und der Gestalt direkt auf den Fersen. Da konnte ihn auch Obi-Wans Ruf nicht mehr aufhalten.
Sekunden später hatte er sie eingeholt und bekam sie am Arm zu fassen, sodass sie stehen bleiben und sich umdrehen musste.
„Hey, nicht so schnell. Wir wollen wissen, wer du bist."
Obwohl Anakin am Liebsten sofort die Kapuze heruntergerissen hätte, wartete er die Minute noch ab, bis auch die anderen beiden bei ihnen angelangt waren.
„Anakin, behandelt man so jemanden, der einem geholfen hat? Ich habe dir doch zu verstehen gegeben, dass wir später darüber reden."
Die Gestalt machte sich von Anakin los und strich sich nun selbst die Kapuze vom Kopf.
„Ist schon gut, Obi-Wan. Ich kann verstehen, dass er wissen will, wer ich bin. Immerhin habe ich mich wirklich merkwürdig benommen."
Nachdem man nun das Gesicht der Person sehen konnte, wichen die beiden Anakins zurück und starrten die Frau an, die nun zum Vorschein gekommen war.
Der eine Anakin, weil er zum einen nicht mit einer Frau gerechnet hatte und zum anderen, da diese Frau auch noch durch viele Narben im Gesicht gekennzeichnet war.
Der andere Anakin, weil er die Frau offenbar wieder erkannt hatte.
Obi-Wan schien nicht überrascht, was wiederum Anakin nicht überraschte, da Obi-Wan ja bereits im Tempel diese Erkennungsphase hinter sich gebracht hatte.
Anakin wollte eine Erklärung.
„Na schön, was soll das Ganze? Wer kennt hier wen und warum? Ich scheine der einzige zu sein, der die momentane Situation nicht durchschaut. Also weiht mich bitte ein!"
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Obi-Wan musste über Anakins Empörung fast schmunzeln. Er hasste es genau wie sein Schüler, wenn alle anderen Bescheid wussten, nur er nicht. Auch wenn das in diesem Fall nicht so ganz zutraf.
„Anakin Skywalker, darf ich dir Aniya vorstellen? Ich hatte ja bereits von ihr erzählt. Aniya, das ist Anakin, mein ehemaliger Schüler. Auch dir hatte ich ja bereits von ihm erzählt.
Aber trotzdem wir schon einmal das Vergnügen hatten, wusste auch ich nicht, dass du im Besitz eines Laserschwertes bist. Und woher, bei allen Sith, wusstest du, dass wir Hilfe gebrauchen könnten und dass wir im Tempel waren?"
Aniya nickte Anakin kurz zu und wandte sich dann wieder an Obi-Wan.
„Das ist eine etwas längere Geschichte. Vielleicht sollten wir zu mir gehen."
Bei dem Gedanken an Aniyas merkwürdige Behausung kam in Obi-Wan ein gewisser Ekel hoch, doch ihm fiel momentan kein besserer Ort ein, um zu reden, also nickte er.
„Außerdem brauchst du medizinische Versorgung. Das können wir auch bei mir erledigen."
„Braucht man dafür nicht einen sterilen Ort?"
Obi-Wan schaute sie zweifelnd an. Aniya erwiderte seinen Blick und kniff die Augen zusammen.
„Dir muss mein Zuhause ja nicht gefallen und wenn du es vorziehst gar nicht behandelt zu werden, dann werde ich das akzeptieren. Wenn ihr mir nun folgen würdet."
Obi-Wan blickte zu Anakin, der immer noch ein wenig verwirrt guckte, aber nichts sagte, sondern nur das Gesicht verzog und mit den Lippen ein Wort formte, das sehr verdächtig nach „Zicke" aussah. Obi-Wan grinste und nickte.
„Und nein, Anakin, ich bin keine Zicke." Aniya hatte sich noch nicht einmal umgedreht.
Der Angesprochene errötete ein wenig, ließ sich aber sonst nichts anmerken.
Obi-Wan wurde aber schnell wieder ernst und warf nun auch dem anderen Anakin einen Blick zu, der bis jetzt geschwiegen hatte.
„Wir haben uns noch gar nicht bei dir dafür bedankt, dass du uns befreit hast."
Ohne sich umzudrehen antwortete Aniya: „Schon gut."
Obi-Wan schüttelte den Kopf und sagte: „Eigentlich hatte ich Anakin gemeint, aber natürlich bin ich auch dir dankbar."
Anakins Ebenbild senkte verlegen den Kopf.
„Schon gut. Ich hatte ja Hilfe. Allein hätte ich das nicht geschafft. Wir sollten jetzt mit Aniya gehen."
Obi-Wan nickte und die kleine Gruppe setzte sich in Bewegung Richtung Aniyas Wohnung. Zwar brannten ihm noch dutzende Fragen auf der Zunge, wie zum Beispiel woher sich der andere Anakin und Aniya kannten, warum sie im Besitz eines Laserschwerts war und gewusst hatte, dass sie Hilfe gebraucht hatten und wo sie sich aufhielten, wie sie ihre Rettung hatte planen und durchführen können, wie sie Jedi-Ritter hatte kampfunfähig machen können und noch ein paar mehr Fragen. Doch die Zeit der Fragen und Antworten würde kommen, sobald sie bei Aniya waren und so geduldete sich der Jedi-Meister noch ein wenig.
Nach einem mittellangen Marsch waren sie endlich da. Obi-Wan kannte sich ja bereits aus und amüsierte sich im Stillen über die Reaktionen der beiden Anakins angesichts Aniyas Wohnung.
Während sein Anakin eine Augenbraue hob, ihn entsetzt und angeekelt ansah und sich trotz Aniyas Aufforderung nicht hinsetzte, versuchte der andere Anakin sich nichts anmerken zu lassen, was ihm aber nicht ganz gelang, und setzte sich mit geschlossenen Augen auf Aniyas Sessel, um dann die Augen ganz schnell wieder zu öffnen, als eine Staubwolke aus dem Stuhl geschossen kam auf Grund seines Gewichts. Er schluckte und hustete dann.
Natürlich war auch Aniya das ganze Szenario nicht entgangen und sie warf Obi-Wan einen drohenden Blick zu, sodass dieser sich einen Kommentar verkniff und sich auf die Lippe biss, um ernst zu bleiben.
„Na schön, Aniya, wir sind hier. Vielleicht beginnst du mit einer Erklärung?"
Doch sie schüttelte den Kopf.
„Nein, erst verarzte ich dich. Komm mit in mein Schlafzimmer."
Obi-Wan ignorierte Anakins schmutziges Grinsen, stand etwas zögerlich auf und folgte dann Aniya in das Nebenzimmer, das er beim letzten Besuch versucht hatte zu ignorieren.
Nachdem beide im Zimmer waren, schloss Aniya die Tür und knipste eine Lampe an.
Überrascht schaute sich Obi-Wan im Zimmer um. Zwar war der Raum nichts im Vergleich zu Padmés Wohnung zum Beispiel, aber er war ordentlicher und netter eingerichtet, als das Wohnzimmer. Es gab ein Doppelbett, einen Schrank, einen Schreibtisch und einen Stuhl vor demselben.
Aniya, die Obi-Wans Blicke bemerkt hatte, sagte erklärend: „Glaub mir, ich bin nicht stolz auf das Wohnzimmer, aber ich habe nicht genug Geld, um gleich alles vernünftig einzurichten. Deshalb habe ich sinnvoller Weise mit dem Raum angefangen, in dem ich schlafe. Setzt dich aufs Bett und zieh die Tunika aus. Dann kann ich dich verarzten und wir können reden."
Während Obi-Wan ihren Anweisungen immer noch zögerlich und ein wenig verlegen nachkam, schaltete Aniya ein kleines Radio an und holte eine Medizintasche aus einem Schrank.
„Durch das Radio können die beiden Jungs uns nicht hören."
Angesichts der Bezeichnung „Jungs" musste Obi-Wan lächeln. Wenn Anakin das hören könnte.
Aniya setzte sich hinter ihm auf das Bett, zog bei dem Anblick der Verletzungen ein wenig die Luft ein und begann dann, die Wunden zu desinfizieren und weiter zu versorgen.
„Ich habe dir bei deinem ersten Besuch nicht ganz die Wahrheit gesagt, Obi-Wan."
„Das habe ich mir beinahe gedacht. Wer bist du, Aniya?"
Sie seufzte.
„Wenn ich das wüsste. Auf jeden Fall war es gelogen, dass ich mal Senatorin war. Ich habe eine Freundin, die Senatorin ist und ihr ist das passiert, was ich dir erzählt habe. Nur, dass nicht sie eingegriffen hat bei diesem planetarischen Problem, sondern ich, womit wir bei dem Teil sind, der nicht gelogen war. Das mit meinem Gesicht haben mir wirklich die Jedi angetan. Und dass ich deshalb keinen Job kriege, stimmt auch.
Und meine Informationen über die Jedi hatte ich von einem selben. Von einem, der aus dem Orden austreten will. Einer von den Helfern von dem hiesigen Anakin.
Kurz bevor du das letzte Mal gegangen bist, da habe ich dich gefragt, ob du, wenn du eine Lösung für euer Problem hast, bei mir vorbei schaust, weißt du noch?
Das habe ich nicht gefragt, weil ich dich noch einmal sehen wollte, sondern, weil ich selbst das gleiche Problem wie ihr habe. Dieses Universum ist auch nicht mein Universum, aber ich stamme noch einmal aus einem anderen als ihr. In meinem Universum bin ich auch eine Jedi. Der Orden scheint mir eurem Orden ähnlich zu sein, allerdings gibt es dich nicht in meinem Universum. So, wie es mich auch nicht in deinem Universum zu geben scheint. Das ist aber nicht der einzige Unterschied zwischen unseren Universen. Dein Orden erscheint mir viel strenger als mein Orden zu sein. Aber mein Orden ist trotzdem immer noch strenger als dieser Orden hier. Sozusagen genau dazwischen. Auch bei uns gibt es die Sith, aber wir haben sie besiegt. Es ist alles sehr kompliziert. Bevor ich hierher kam, wusste ich noch nicht mal etwas von der Existenz solcher Universen.
Ich wusste nicht, ob ich dir vertrauen kann, habe ich doch schon verdammt schlechte Erfahrungen mit den Jedi aus anderen Universen gemacht. Ich hoffe, du verzeihst mir das, Obi-Wan."
Sie hatte aufgehört, Obi-Wans Rücken einzureiben und zu verbinden.
Obi-Wan drehte sich langsam zu ihr um, überwältigt von der Flut der Informationen und der Ungeheuerlichkeit derselben. Er blickte in ihre blauen Augen, die ihn ein wenig ängstlich anblickten.
„Natürlich verzeihe ich dir das, Aniya."
Sie wirkte erleichtert und lächelte ihn an.
„Ich wollte dir das alleine sagen, weil ich dich damals angelogen habe. Ich hoffe, das ist in Ordnung für dich.
Ich bin erleichtert, dass es nun so gekommen ist, wie es ist. Ich bin wirklich froh, dich wieder zu sehen, auch wenn du nicht so aussiehst, als ob du eine Lösung für unser beider Problem hast."
Obi-Wan senkte und schüttelte den Kopf.
„Bedauerlicher Weise nicht. Aber nun können wir wenigstens zusammen arbeiten. Wie lange bist du schon hier?"
„Seit ungefähr anderthalb Jahren. Ich werde von den Jedi gesucht. Trotzdem habe ich dich Hoffnung nicht aufgegeben und bin deshalb auf Coruscant geblieben, weil mir die Wahrscheinlichkeit, hier eine Lösung zu finden, größer erschien als woanders.
Allerdings bin ich deshalb sehr einsam. Ich kann kaum jemandem vertrauen."
Sie lächelte traurig.
Obi-Wan lächelte aufmunternd zurück.
„Wir werden eine Lösung finden, da bin ich mir sicher. Darf ich mich jetzt wieder anziehen, Frau Ärztin?"
„Ja, das dürfen Sie, Herr Patient."
Beide mussten Lachen.
„Komm, wir sollten die Anakins nicht so lange warten lassen. Ich hab so im Gefühl, als ob sie sich nicht besonders verstehen.
Ach und Aniya. Du bist eine hervorragende Schauspielerin. Ich habe nichts dergleichen geahnt, als wir uns damals unterhalten haben."
Nachbemerkung der Autorin:
Ich hoffe, ihr wart wenigstens ein klein wenig überrascht von Aniya. Wenigstens ein bisschen! Das würde mich schon glücklich machen.
