Vorbemerkung der Autorin:
Viel Vergnügen zum letzten Mal!
Kapitel 30
Obi-Wan war fasziniert. Der Bericht, den Meister Fisto im Rat gerade gab, war sehr aufschlussreich und erstaunlich.
Nachdem der Nautolaner
von seiner Rettungs- beziehungsweise nun Forschungsmission
zurückgekehrt war, hatte sich der Rat sofort versammelt, um
seine Ausführungen zu hören.
Zunächst hatte Kit
erzählt, er habe sich große Sorgen um Obi-Wan und Anakin
gemacht, aber zum Glück konnte der Rat ihn relativ schnell von
der Rettung der beiden Jedi und der neuen Situation im Hinblick auf
Parallelwelten in Kenntnis setzen.
Danach hatte Kit erneut
mehrere Tests durchgeführt, deren Ergebnisse aber die gleichen
waren wie anfangs, nämlich, dass man nichts messen konnte. Dann
jedoch, so Kit, hatte die Macht ein Schiff zu ihm geschickt, dass das
Rätsel um das Geheimnis der Parallelwelten gelüftet hatte.
Zunächst war es aus dem Hyperraum gesprungen und hatte sich
nicht gerührt. Doch nachdem Kit Kontakt aufgenommen hatte und
sich vorgestellt hatte, entpuppte sich die Crew als ein
Wissenschaftsteam, das Experimente im Raum durchführte.
„In der Tat experimentieren sie gerade am Raum-Zeit-Gefüge herum und verfolgen dabei mehrere Theorien, die Wurmlöcher und Parallelwelten betreffen. Um genau zu sein, haben sie Erfolg gehabt, wie du wahrscheinlich am besten weißt, Obi-Wan."
Kit führte weiter aus, dass es ihnen gelungen war, ein Wurmloch künstlich zu vergrößern und für eine Reise in ein anderes Universum zu nutzen. Bedauerlicherweise waren Wurmlöcher so instabil, dass es sofort, nachdem sie eine Sonde herübergeschickt hatten, zusammengebrochen war. Jegliche Hoffnungen schon aufgebend waren sie dann abgezogen. Nun folgte allerdings das Erstaunliche. Das Wurmloch hatte in sich so viel Energie, dass es seine eigene verfügbare Kraft nutzte, um selbst zu expandieren und so erneut groß genug zu sein, dass ein Raumschiff hindurch passt.
„Du und Anakin, ihr wart einfach zur falschen Zeit am falschen Ort und seid direkt hinein geflogen. Da eine solche Reise nur ein paar Augenblicke dauert, kann niemand vorhersagen, wo man auf der anderen Seite herauskommt. Bei euch war es nun Coruscant und auf dem Rückweg Gala. Niemand kann das so genau sagen."
Obi-Wan beugte sich vor. „Das alles ist wirklich hochinteressant, aber wie erklärt das das Auftauchen von Aniya in der ganzen Geschichte?"
Kit wandte sein Gesicht zu ihm. „Es wurde gepfuscht."
„Gepfuscht?" Obi-Wan zog die Augenbrauen hoch.
„In der Tat. Mit der Sonde schickten sie auch noch einen Freiwilligen aus den eigenen Reihen mit, der offenbar das Zusammenbrechen des Wurmlochs festgestellt hatte und in seiner Verzweiflung ein neues Wurmloch zu öffnen versuchte, dass jedoch in Aniyas Welt führte. Er erkannte seinen Fehler, kehrte zurück, verschloss das Wurmloch jedoch nicht und den Rest kannst du dir denken. Zu seinem Glück stellte er fest, dass das erste Wurmloch expandiert war und ihm gelang die Rückkehr. Jedoch ohne den entstandenen Schaden wieder gut zu machen. Momentan sind also zwei Wurmlöcher offen."
Obi-Wan schüttelte den Kopf. Das Ganze war nicht nur faszinierend, sondern beinahe unmöglich. „Warum haben wir das Wurmloch nicht gesehen. Beziehungsweise, warum konnten wir dich sehen, aber du uns nicht."
Der Nautolaner verschränkte die Arme. „Das
ist eine Sache, die die Wissenschaftler bei ihren verbotenen
Experimenten ebenfalls noch nicht genau erforscht haben. Man
vermutet, dass das Wurmloch so instabil ist, dass es nur durch sehr
empfindliche Messgeräte wahrgenommen werden kann. Des Weiteren
vermuten sie, dass es im Raum zu Spiegelungen kommt, sodass man
manchmal von einer Seite etwas sehen kann und von der anderen Seite
nicht und umgekehrt.
Es ist außerdem noch unklar, warum die
Wurmlöcher sich nicht von selbst schließen. Normalerweise
müssten sie das tun."
Nachdem das Gespräch fast
ausschließlich zwischen Obi-Wan und Kit stattgefunden hatte,
schaltete sich nun Mace Windu ein. „Es gibt mehrere Dinge, die
festzuhalten und zu klären sind. Zunächst muss die Frage
geklärt werden, was mit Aniya geschehen soll. Danach ist die
ganze Sache vor den Senat zu bringen, damit entschieden wird, was zum
einen mit den Wissenschaftlern passiert und zum anderen, wie die
Geschichte mit den offenen Wurmlöchern gelöst werden soll.
Das betrifft nicht mehr nur unseren Aufgabenbereich. Worüber wir
noch reden müssen, ist das Verhalten unserer Ebenbilder in
dieser einen anderen Welt. Das ist eine Sache, die äußerst
beunruhigend ist, die sich jedoch vermutlich unserer Verantwortung
entzieht. Meiner Meinung nach haben wir in unserer eigenen Welt genug
zu tun.
Aniya ist unser primäres Problem. Ich schlage vor,
dass wir eine Pause machen und Obi-Wan sie zu uns holt, um das
Problem gemeinsam zu lösen. Über die anderen Dinge machen
wir uns danach Gedanken."
Die Blicke der Anwesenden wanderten durch den Raum zu den Gesichtern der anderen und vor allem zu Meister Yoda, der bis dahin erstaunlich still gewesen war. Nachdem alle einverstanden mit dem Vorschlag waren, verließ man den Raum in kleinen Gruppen von zwei oder drei Personen. Yoda bat Obi-Wan zu sich.
„Meister Yoda?" Obi-Wan hatte sich zu ihm hingekniet.
„Hm, beunruhigend eure beiden Berichte sind. Problematisch zu lösen. Behutsam wir mit Aniya vorgehen müssen, da in schwieriger Situation sie sich befindet. Ich nicht erlauben kann, dass erneut sich jemand begibt in diese andere Welt. Es ihr offen stehen wird, zu gehen, das Risiko sie jedoch allein tragen muss." Yoda stützte sich schwer auf seinen Stock ab.
„Ihr meint, wir sollen ihr sagen, dass sie allein in das Universum gehen kann, aus dem wir gerade gekommen sind, um dort das zweite Fenster zu suchen, um in ihr eigenes Universum zu kommen?"
„Einverstanden du damit nicht bist." Yoda blinzelte.
„Ich wollte Euren Vorschlag nicht kritisieren, Meister, aber…"
„Durchschauen ich dich noch immer kann, Obi-Wan. Dein Alter und deine Erfahrung, sie nichts daran ändern. Das inzwischen wissen du solltest."
Obi-Wans Gesicht rötete sich leicht und er wandte sich schnell ab. Manchmal waren die Gespräche mit Yoda nicht so beruhigend, wie er es sich gewünscht hätte. „Ich meine nur, dass es nicht sehr wahrscheinlich ist, dass sie den Weg nach Hause findet. Und ich halte es für besser, sie bei uns zu behalten als sie wieder in das andere Universum zu schicken."
Meister Yoda seufzte leise und setzte sich langsam in Bewegung. „Das zu entscheiden nicht unsere, sondern ihre Aufgabe ist. Du sie nun wirst holen."
Damit war das Gespräch offensichtlich beendet. Jedenfalls für Meister Yoda. Obi-Wan hatte noch einiges auf dem Herzen, beschloss jedoch zu schweigen und sich auf den Weg zu Aniya zu machen.
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Es
klopfte an der Tür. Hektisch wischte sich Aniya ihre Tränen
aus den Augen und fuhr sich mit den Fingern durch das Haar. Dann ging
sie entschlossen zur Tür und öffnete. Vor ihr stand ein
ernster Obi-Wan und bat um Einlass. Sie ging einen Schritt zur Seite
und ließ ihn herein.
Ein wenig verloren blieb er im Raum
stehen, merkte das dann aber offensichtlich selbst und schritt zum
Fenster, um hinaus zusehen. Draußen herrschte der übliche
rege Verkehr von Coruscant. Hätte Aniya nicht genau gewusst,
dass sie hier eine Fremde war, sie hätte den Unterschied nicht
bemerkt.
Gespannt wartete sie bis Obi-Wan das Wort ergriff. Er
tat es, ohne sich umzudrehen und mit seiner typischen ruhigen,
sanften Stimme, die sie so anziehend gefunden hatte. Doch sie riss
sich zusammen und probierte, sich auf den Inhalt dessen, was er
sagte, zu konzentrieren.
„…verstehst du?" Obi-Wan drehte sich halb um.
Aniya schluckte und fing an zu stottern, wofür sie sich selbst hasste. „Verzeih mir bitte, aber ich… ich habe ehrlich gesagt nicht… nicht wirklich mitbekommen, was… was du gesagt hast." Sie versuchte ein kleines Lächeln, scheiterte jedoch und ließ es dann bleiben.
Obi-Wan starrte sie nur an. Sie konnte seinem Blick nicht standhalten und senkte schließlich ihren Kopf. „Warum siehst du mich so an?" Ihre Stimme war kaum mehr als ein Flüstern.
„Ich sagte, dass der Rat dich sprechen will. Ich denke, dass Procedere ist dir bekannt. Es geht darum, was mit dir passieren wird. Hast du irgendwelche Fragen dazu?"
Aniya schüttelte den Kopf. Ihr war auf einmal sehr kalt und sie hatte das Gefühl, diese Kälte kam aus der Kälte, wie sie miteinander umgingen. Fröstelnd schlug sie die Arme um ihren Körper. Obi-Wan legte den Kopf schief, zog seine Robe aus, überbrückte die Distanz zwischen ihnen, indem er ein paar Schritte auf sie zuging und legte ihr den langen braunen Mantel um die Schultern. Diese kleine Geste genügte, um sie erkennen zu lassen, dass er nicht deshalb so wortkarg und unterkühlt war, weil er sie nicht mochte, sondern weil er sich der Aussichtslosigkeit ihrer Situation bewusst war und ein schlechtes Gewissen hatte. Das, was der Rat ihr mitteilen würde, würde nicht erfreulich für sie sein und das wusste er.
Resigniert sagte sie: „Dann sollten wir den Rat nicht allzu lang warten lassen und jetzt gehen.
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Anakin
wanderte vor der Tür des Rates hin und her. Er wartete
ungeduldig auf das Ergebnis der Sitzung und auf ein Gespräch mit
seinem ehemaligen Meister. Es interessierte ihn einfach, was mit
Aniya passieren würde, wie sie sich entscheiden würde.
Dem
jungen Jedi war von vorn herein klar gewesen, dass der Rat nicht
erlauben würde, einen Jedi mit Aniya in das andere Universum zu
schicken, deshalb war er kaum überrascht, als Obi-Wan ihm nach
der Besprechung das Ergebnis mitteilte. Er persönlich war mit
der Entscheidung ganz und gar nicht einverstanden. Dazu hatte er sich
zu gut in Aniyas Lage hineinversetzen können, als er selbst in
einem fremden Universum war. Der Rat, so Obi-Wan, hatte Aniya die
Entscheidung überlassen, ob sie hier bleiben wollte oder einen
Versuch starten würde, in ihr eigenes Universum zu gelangen. Sie
hatte sich für den Versuch entschieden und wollte zu diesem
Zweck mit den Wissenschaftlern reden, um den genauen Ort des zweiten
Wurmlochs zu erfahren.
Offensichtlich sah Obi-Wan Anakin seinen
Missmut an, denn er fasste ihn am Arm und zwang ihn, ihn anzusehen.
„Was ist los, Anakin?"
„Warum stellt Ihr Fragen, deren Antwort Euch bekannt ist?"
Sie schauten sich gegenseitig in die blauen Augen und erkannten darin die Gefühle des anderen, die auch ihre eigenen waren. Obi-Wan wandte sich als erster ab. „Ich bin mit der Entscheidung auch nicht vollkommen einverstanden, aber wir können dieses Risiko nicht eingehen und einen Jedi auf eine solche Mission schicken. In diesem Punkt muss ich mich der Meinung des Rates anschließen."
„Nur in diesem Punkt? Wie hat Aniya reagiert?" Anakin ignorierte Obi-Wans Versuch einer Rechtfertigung.
„Relativ gefasst und bestimmt. Sie sagte, sie könne es hier nicht ertragen und wolle den Versuch zur Rückkehr unternehmen. Sie meinte, sie wolle lieber dort wirklich allein sein, als hier allein unter so vielen." Obi-Wan schüttelte den Kopf, doch Anakin verstand Aniya nur allzu gut. Manchmal fühlte er genau das, was sie in Worte gefasst hatte.
„Tja, dann wird es wohl so sein." Anakin nickte Obi-Wan noch einmal knapp zu und bog dann mit schnellen Schritten in einen anderen Gang ab und ließ einen gedankenverlorenen Obi-Wan zurück.
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Das Gespräch mit den Wissenschaftlern war für Aniya positiv verlaufen. Sie hatte sich alle Informationen besorgt, die sie brauchte. Vielleicht endete dieser Tag doch noch mit einem kleinen Lichtblick.
Völlig erschöpft war Aniya nach diesem
Gespräch in den Jedi-Tempel zurückgekehrt und war in ihr
Bett gefallen. Viel zu viel war passiert in letzter Zeit. Sie sehnte
sich endgültig nach Ruhe und Geborgenheit und vor allem
Sicherheit. Das alles würde sie nicht in einem fremden Universum
finden, davon war sie überzeugt. Auch wenn es anfangs ganz
interessant gewesen war, die Eigenheiten und Unterschiede zweier
Parallelwelten kennen zu lernen. Aber langsam wurde sie dessen
überdrüssig und bezweifelte, dass ihr das etwas brachte.
Gleich morgen würde sie endlich aufbrechen. Sie vermisste
ihre Heimat und hoffte inständig, dass alles gut gehen würde.
Jetzt würde sie erstmal schlafen und neue Kraft schöpfen.
Wer konnte schon wissen, was einem die Zukunft brachte.
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Es war ein kurzer Abschied gewesen. Niemand hatte viele Worte verloren, es herrschte eine düstere Stimmung. Aniya war in einen kleinen Starfighter und war davon geflogen. Der Rat hatte beschlossen, ihr ein paar Tage Zeit zu geben, um zu versuchen, in ihr eigenes Universum zu kommen. Falls dieser Versuch scheitern sollte, reichte die Zeit dann immer noch aus, um zurückzukehren. Das war das einzige, worum Aniya noch gebeten hatte, sah man von dem Jäger ab. Allerdings hatte man ihr ein veraltetes Modell gegeben, da es ja eh im Nichts verschwinden würde.
Kurz vor dem Betreten
des Schiffes war der Abschied vonstatten gegangen. Anakin hatte Aniya
kurz umarmt und ihr alles Gute gewünscht. Dann hatte er sich
zurückgezogen, um ihr und Obi-Wan die Möglichkeit zu geben,
noch mal kurz unter vier Augen zu reden.
Zunächst hatten
beide geschwiegen und ihre Füße betrachtet, doch dann
hatte Obi-Wan sich einen Ruck gegeben und Aniya umarmt.
Nachdem
sie sich dann wieder getrennt hatten und sich Aniya eine Träne
aus dem Auge gewischt hatte, beugte sie sich noch mal zu Obi-Wan vor,
hauchte ihm einen Kuss auf die Wange und flüsterte ihm ins Ohr:
„Es tut mir alles so Leid. Die ganze Sache. Schade, dass wir uns
nicht wieder sehen werden. Ich hab dich wirklich gemocht."
Dann drehte sie sich abrupt um und bestieg, ohne sich umzudrehen, das Schiff. Obi-Wan schaute ihr nicht lange nach, sondern drehte sich ebenfalls um und stellte sich neben seinen ehemaligen Padawan.
„Alles in Ordnung, Meister?" Anakin schaute Obi-Wan besorgt von der Seite an.
„Ja, jetzt ist alles wieder in Ordnung." Der Jedi-Meister lächelte sanft.
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ein paar Monate später
Obi-Wan Kenobi war unzufrieden. Er konnte nicht genau sagen, warum, aber er fühlte sich nicht gut. Wenn man vom Krieg absah, an den er sich inzwischen fast gewöhnt hatte, gab es eigentlich keinen Grund für seine Unzufriedenheit.
Anakin behauptete, dass es daran lag, dass
sie seit mehreren Monaten zurück waren von ihrem Abenteuer in
der Parallelwelt und nichts von Aniya gehört hatten. Obi-Wan
bezweifelte das.
Er hatte gehört, dass kurz nachdem Aniya
gegangen war, die Wissenschaftler wieder freigelassen worden waren.
Eigentlich kümmerte ihn das nicht und dennoch war er darüber
ein wenig beunruhigt. Innerlich fragte er sich nach dem Grund, fand
jedoch keinen.
Da er gerade von einer Mission zurückgekehrt war und bedingt durch eine seiner Meinung nach leichte Verletzung Ruhe brauchte, hatte er beschlossen, in den tieferen Ebenen von Coruscant etwas trinken zu gehen. Allein. Das hatte er schon lange nicht mehr getan und so machte er sich in seinem Speeder auf den Weg.
Er machte bei einer kleinen Bar halt und verfluchte sich im selben Augenblick dafür. Offenbar hatte ihn sein Unterbewusstsein zu der Bar geführt, in der er im Paralleluniversum mit den zwei Anakins und Aniya gewesen war. Doch er war zu müde, um noch einmal umzudrehen und so betrat er die Bar.
Im Inneren sah es vollkommen anders aus. In seinem eigenen
Universum war er noch nie hier gewesen. Im Gegensatz zur Parallelwelt
war es hier sogar recht gemütlich und die Bar fiel auf der
Straße sogar richtig positiv auf.
Obi-Wan setzte sich an
einen der freien Tische, die sogar Tischdecken hatten, rot kariert,
und bestellte ein Glas alderaanisches Bier. Hunger hatte er keinen.
Er wollte sich ein wenig erholen und dann wieder in den Tempel
zurückkehren. Es gab wahnsinnig viel zu tun und er konnte sich
eine lange Abwesenheit einfach nicht erlauben.
Als er an seinem Glas nippte, ließ er seinen Blick noch genauer durch die Bar schweifen. Hinter einem Tresen mixte ein Barkeeper exotische Getränke. An den Wänden hingen bunte Bilder von offenbar ein und demselben Künstler, was der Stil der Gemälde verriet. Mehrere Gäste verschiedenster Rassen unterhielten sich in gedämpftem Tonfall und es herrschte eine angenehme Atmosphäre. Trotzdem fühlte sich Obi-Wan nicht wohl, konnte aber nicht ausmachen, ob das an der Lokalität oder an ihm lag.
Gedankenversunken schaute der Jedi aus dem Fenster und erstarrte. Was er sah, nahm ihm den Atem. Dort draußen stand Aniya und unterhielt sich mit einer anderen Person. Sofort stand Obi-Wan auf, bezahlte hastig und verließ die Bar.
Als er auf die Straße trat, war sie gerade dabei, sich zu verabschieden und wollte schon gehen, doch Obi-Wan holte sie ein und hielt sie an, indem er sie am Arm packte und zu sich umdrehte.
„Hey, was…" Aniya beendete ihren Satz nicht, sondern starrte Obi-Wan an.
„Was machst du denn hier?" Obi-Wan hielt Aniya immer noch fest.
„Ich… weiß nicht was Ihr meint, Meister Jedi. Ich… ich habe nichts unrechtes getan. Würdet Ihr mich… bitte loslassen?" Aniya wollte sich aus Obi-Wans festem Griff lösen, doch seine Hand hatte sich wie Durastahl um ihren Arm gelegt.
„Was bei allen Sternen soll denn das? Du weißt genau, wer ich bin. Was machst du hier? Wieso bist du zurückgekommen? Und warum hast du uns nicht benachrichtigt?"
Aniya starrte ihn einfach nur an und zögerte. „Es tut mir leid. Ich kann nichts dazu sagen. Lasst mich bitte gehen. Ich bin es nicht wert." Ihre Stimme war kaum mehr als ein Flüstern.
„Aniya, bitte, rede mit mir. Ich weiß, dass du es bist."
„Ich weiß, dass du es weißt, Obi-Wan. Verstehst du denn keine Andeutungen. Lass mich in Ruhe oder ich sehe mich gezwungen, eine Szene zu machen." Funkelnd blickte sie Obi-Wan in die Augen.
„Wohl kaum. Wir regeln das woanders, du kommst jetzt mit in den Tempel. Und dort erzählst du mir in Ruhe, was bei allen Sith passiert ist. Komm!" Obi-Wan zog eine zappelnde und sich wehrende Aniya mit sich.
Doch auf einmal hörte sie auf zu zappeln und versetzte ihm einen Tritt gegen sein Schienbein. Nur seine jahrelang trainierten Reflexe verhinderten, dass er stürzte, sondern er konnte sein Bein noch rechtzeitig beiseite nehmen, sodass sie ihn nur leicht berührte. Allerdings lockerte er seinen Griff um ihren Arm, was sie sofort ausnutzte und sich von ihm losriss. In einer schnellen Drehbewegung zog sie ihr Laserschwert, aktivierte es und holte zum Schlag aus. Doch Obi-Wan hatte sich schnell wieder erholt und in einer Bewegung ergriff er seine Waffe, aktivierte sie und parierte den Schlag gekonnt. Ihre Schwerter verhakten sich ineinander und Obi-Wan schrie sie an: „Was ist nur los mit dir? Ich dachte, wir vertrauen einander. Verdammt, Aniya, rede doch mit mir."
„Es gibt nichts zu reden. Ich habe verdammt viele Fehler gemacht und ich will nicht mit dir darüber reden. Warum hast du mich nur gefunden?" Aniya holte erneut aus und schlug wie wild und blind auf Obi-Wan ein. Der machte sich ihre Wut und ihre Unbesonnenheit zunutze und konnte ihr ihr Laserschwert recht schnell aus der Hand schlagen. Mit Hilfe der Macht zog er es in seine Hand.
Ihre Blicke
trafen sich. Aniya funkelte Obi-Wan immer noch an. Doch dann wich der
Wut die Verzweiflung und sie sank auf die Knie.
Obi-Wan war zwar
immer noch misstrauisch, war aber trotzdem sofort bei ihr, nachdem er
die Waffen gesenkt und deaktiviert hatte und hob ihr Kinn an, damit
sie ihn ansehen musste. „Aniya, du kannst mir vertrauen. Was ist
passiert?"
Die junge Frau mit den vielen Narben im Gesicht begann zu weinen und war nicht in der Lage, zu antworten. Obi-Wan legte ihr tröstend den Arm um die Schulter und drückte sie zärtlich an sich. Beruhigend sprach er auf sie ein und strich ihr mit einer Hand über den Rücken. Sie drückte ihr Gesicht an seine Schulter und weinte hemmungslos. Die ganze Zeit über fragte Obi-Wan sich, was wohl passiert war, dass Aniya auf einmal so wütend und zugleich verzweifelt war. Und warum sie immer noch hier war und sich nicht gemeldet hatte.
Nach einer Weile wurde
aus dem Weinen nur noch ein Schluchzen und Aniya hatte sich wieder
einigermaßen im Griff. Sie hob ihren Kopf und schaute Obi-Wan
mit ihrem verweinten Gesicht ängstlich an. Dabei zitterte sie
leicht. Der Jedi wischte ihr mit einem Finger sanft die Tränen
weg. Immer noch zitternd begann Aniya schließlich zu erzählen
und die Worte sprudelten nur so aus ihr heraus: „Es tut mir so
Leid, Obi-Wan, ich habe dich belogen und benutzt. Das meiste, was ich
dir erzählt habe, ist nicht wahr.
Ich stamme gar nicht aus
einem dritten Universum. Ich komme aus dem Universum, in das du und
Anakin gelangt sind. Ich hatte den Auftrag, euch zu finden. Die
Wissenschaftler, auf die Meister Fisto getroffen ist, sind gar nicht
aus eurem Universum, sondern aus meinem. Ich gehöre zu ihrer
Gruppe. Wir haben ein künstliches Wurmloch in eure Welt
errichtet. Allerdings wussten wir nicht, was passieren würde,
wenn man hindurch fliegt. Wir wussten zwar, beziehungsweise
vermuteten, dass es in ein Paralleluniversum führt, wussten aber
nichts über mögliche Risiken. Also beschlossen wir, das
Wurmloch so weit zu vergrößern, dass über kurz oder
lang, ein Schiff auf eurer Seite hindurch fliegen muss. Wir wussten,
dass man es von eurer Seite aus nicht sehen kann, also war die
Wahrscheinlichkeit recht groß, dass unser Plan aufgehen würde.
Wir haben unser Wurmloch ständig überwacht und haben das
Schiff von Anakin und dir gesehen. Wir haben auch gesehen, wie ihr
hindurch geflogen seid, aber auf einmal weg wart. Wir hatten keine
Erklärung, fehlte und doch jedwede Erfahrung mit dem Wurmloch
und seinen Folgen."
„Wie habt ihr uns aber gefunden und was war der Sinn eurer Experimente?" Obi-Wan war verwirrt, konnte ihr kaum folgen.
„Nun, der Sinn unserer Experimente war oder
ist, möglichst viel über die Parallelwelt herauszufinden.
Wie du ja sicherlich gemerkt hast, war ich mal eine Jedi. Allerdings
bin ich aus Überzeugung aus dem Orden ausgetreten. Die Forschung
in der Parallelwelt sollte ursprünglich dazu dienen,
möglicherweise Technologie oder anderes gegen die Jedi zu
finden. Niemand konnte Herr über die Jedi werden, niemand war
mächtig genug. Wir haben gehofft, dass es vielleicht anderen in
anderen Welten gelungen sein könnte.
Soviel zum Sinn. Nun,
dazu, wie wir euch gefunden haben. Eigentlich haben wir das einem
Zufall zu verdanken. Wir haben alle möglichen
Kommunikationsleitungen abgehört. Bail Organa führte ein
Gespräch, das wir belauschten. So wussten wir, wo einer von euch
war. Von dir konnten wir zunächst nichts wissen, aber einer
unserer Informanten hat dich ebenfalls durch Zufall entdeckt.
Wir
überlegten schließlich, wie wir am besten in euer
Universum kommen konnten. Zwar hatten wir nun die Vermutung, dass
etwas Ähnliches wie auf dem Hinflug auch auf dem Rückflug
passieren würde, aber sicher waren wir nicht. Du musst wissen,
dass wir bei derartigen Experimenten schon viele Mitglieder verloren
hatten. Bisher hatten wir noch nie Erfolg gehabt. Außerdem
konnten wir nicht wissen, wie es in eurer Welt aussehen würde.
Deshalb hatte man beschlossen, zusammen mit euch zurückzugehen
und euch die vorläufige Führung zu überlassen. Dazu
mussten wir aber euer Vertrauen erlangen. Also ließ ich zu,
dass ihr von den Jedi gefangen genommen werdet. Im Prinzip hätte
ich dich schon vorher vor den Jedi warnen können, ich hatte dich
schon eine ganze Weile beobachtet. Aber es lief geradezu perfekt.
Nachdem du langsam erkannt hattest, in was du da geraten bist, habe
ich unseren ersten Zusammenstoß arrangiert. Um dich nicht zu
verunsichern, habe ich dich wieder gehen lassen, wohl wissend, dass
du von den Jedi erwischt werden würdest. Es war klar, dass, wenn
ich dich retten würde, du mir definitiv vertrauen würdest.
Von da an war alles relativ einfach.
Nozzi gehörte zu
unserer Gruppe, ebenso wie die Jedi, mit denen wir uns getroffen
hatten und auch Anakin, der allerdings völlig fertig war,
nachdem er entdeckt hatte, dass ausgerechnet sein Ebenbild zu unseren
Auserwählten gehörte. Wir mussten ihn aus der Mission
entfernen.
Der Zwischenfall mit den Jedi bei Nozzi war nicht
geplant gewesen. Ebenso nicht deine Folterung. Eigentlich hätten
wir dich schon früher rausholen wollen, aber Anakin wäre
sonst aufgeflogen.
Ich war nun, wie du dir denken konntest, die
Freiwillige, die sich bereit erklärt hatte, mit euch zu gehen."
Aniya konnte nur unter Schluchzen erzählen.
Obi-Wan konnte kaum glauben, was er da hörte. Fassungslos starrte er Aniya an. „Aber was ist mit den Wissenschaftlern, auf die Meister Fisto gestoßen ist?"
Aniya wandte sich ab. „Kurz
nachdem wir in eurem Universum aufgewacht sind, habe ich eine
Nachricht an meine Leute geschickt. Sie haben die ganze Zeit getarnt
vor dem Wurmloch gewartet und uns zugesehen. Nachdem sie das Wurmloch
passiert hatten, hatten sie mehr Glück als wir und landeten in
nächster Nähe zu dem Wurmloch. Sie stahlen ein Schiff und
kehrten zum Wurmloch zurück, um zu sehen, wo ich bin. Dort
trafen sie auf Meister Fisto. Meister Fisto ist in meinem Universum
einer der am meisten gefürchteten Jedi nach deinem Ebenbild. Du
hast ihn nicht kennen gelernt, weil er wohl auf irgendeiner extrem
wichtigen Mission war. Tja, meine Leute hatten also entsprechend
Angst vor ihm und haben ihm die Wahrheit erzählt. Mehr oder
weniger. Um mich nicht zu gefährden, dachten sie sich die
Geschichte aus, die du damals von Meister Fisto erzählt bekommen
hast.
Ihr habt mir die Erlaubnis erteilt, mit den
Wissenschaftlern zu reden. In diesem Gespräch ging es um das
weitere Vorgehen. Wir waren uns uneinig. Sie spekulierten darauf,
wieder freigelassen zu werden und wollten zurückkehren. Mir
befahlen sie, meinen Auftrag fortzusetzen, obwohl mir im Prinzip klar
war, dass ihr keine große Hilfe werden würdet im Kampf
gegen die Jedi. Zunächst gehorchte ich und tat nur so, als ob
ich in mein Universum zurückgehen würde. Zum Glück
seid ihr nicht auf die Idee gekommen, mich zu eskortieren. Ich kehrte
also zurück nach Coruscant, um Nachforschungen anzustellen.
Alles verlief wunderbar bis zu dem Augenblick, in dem die Pläne
in meiner Welt geändert worden waren und die Obersten in meinem
System den wahnsinnigen und wahnwitzigen Plan hatten, euer Universum
zu erobern. Sie wollten sich den Jedi doch wieder anschließen
und hofften, so wieder zu Macht zu gelangen. Den Grund für unser
einstiges Aussteigen aus dem Orden hatten sie durch ihre Machtgelüste
vollkommen vergessen. Ich kehrte wieder zurück und sagte, was
ich davon hielt, nämlich nichts. Man schenkte mir kaum Gehör,
sondern befahl mir, hier alles klar zu machen für die Eroberung.
Die einzige Möglichkeit, die mir blieb, war, das Wurmloch zu
versiegeln. Wenn einmal ein Wurmloch in eine Welt versiegelt ist,
dann kann man nicht mehr in diese Welt gelangen. Das habe ich dann
getan. Aber mir war klar, dass ich so nicht mehr vor dich treten
kann. Nicht nach allem, was ich dir angetan habe, auch wenn du es
nicht gewusst hast." Aniya senkte erneut ihren Kopf.
Unfähig etwas zu sagen, schwieg Obi-Wan und Aniya tat es ihm nun gleich. Eine ganze Weile saßen sie schweigend da. Bis Obi-Wan mit rauer Stimme das Wort ergriff: „Warum hast du nicht einfach erzählt, du seiest gescheitert bei dem Versuch durch das Wurmloch zu kommen?"
Schluchzend antwortete Aniya: „Um erneut zu lügen? Ich konnte einfach nicht mehr. Du denkst vielleicht, dass meine Zuneigung zu dir auch nur Theater war und vermutlich glaubst du mir nun kein Wort mehr, aber ich habe wirklich das für dich empfunden, was ich dir auch gezeigt habe. Umso größer ist die Schuld, die auf mir lastet. Mach mit mir, was du willst. Mein Schicksal liegt in deinen Händen. Ich wünsche mir nur, dass du mich irgendwie von dieser Schuld befreist. Töte mich, bestrafe mich, aber tu irgendetwas."
Immer noch konnte sie Obi-Wan nicht ansehen. Tränen liefen über ihre Wangen, aber sie wischte sie nicht fort.
Obi-Wan wusste nicht, was er tun sollte. Einerseits war er wahnsinnig enttäuscht, so ausgenutzt worden zu sein und entsetzt, dass den Jedi nichts aufgefallen war. Andererseits hatte er auch Mitleid mit Aniya und verspürte das Bedürfnis, sie in den Arm zu nehmen und zu trösten. Sie konnte nie wieder zurück in ihre Welt. Zu guter Letzt gesellte sich auch noch ein wenig Misstrauen in seine Gefühlswelt. Sie hatte ihn nun so belogen, konnte er ihr überhaupt jemals wieder trauen?
Der Jedi stand auf und half Aniya beim Aufstehen. „Wir gehen erstmal in den Tempel zurück. Dort wird entschieden werden, was mit dir passieren wird. Es tut mir alles Leid, was passiert ist. Ich weiß nicht, was ich sagen soll."
Ohne aufzusehen, nickte Aniya und schlurfte hinter Obi-Wan zum Speeder. Zusammen fuhren sie zum Tempel, um vor den Rat zu treten.
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Fassungslos starrte Anakin Obi-Wan an. „Es ist was passiert?"
Obi-Wan machte eine hilflose Handbewegung. Eben hatte er seinem ehemaligen Schüler die Geschichte von Aniya erzählt und wie der Rat entschieden hatte, was mit ihr passieren sollte.
Anakin schüttelte den Kopf. „Das kann nicht Euer ernst sein. Ihr habt nicht ernsthaft vor, sie einzusperren?"
„Wo soll sie denn hin, Anakin? Zurück kann sie nicht und wir können unmöglich so tun, als ob nichts gewesen wäre und sie unter uns wohnen lassen, sie gar noch eine Jedi sein lassen. Was erwartest du von uns?" Obi-Wan gestikulierte wild.
„An Eurer Reaktion merke ich, dass Ihr ebenso wenig wie ich damit einverstanden seid, dass Aniya in ein Gefängnis soll. Wie konntet Ihr das nur zulassen? Wie konntet Ihr so entscheiden?" Anakin funkelte Obi-Wan wütend an.
Der wandte sich ab und sagte leide, kaum hörbar: „Der Rat hat so entschieden."
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ein Jahr später
Die Ereignisse hatten angefangen, sich zu überschlagen. Angefangen bei zahlreichen, für die Galaxis bedeutungsvollen Missionen im Outer Rim und der Rettung des Obersten Kanzlers als letztes aufregendes Ereignis, war Obi-Wan froh, endlich wieder auf Coruscant zu sein. Zwar war die Rettung Palpatines nicht so abgelaufen, wie es für ihn am Erstrebenswertesten gewesen wäre, aber Anakin und er waren wieder heil gelandet und Dooku war tot.
Im Jedi-Tempel war der große Jedi-Meister endlich wieder zum Luftholen gekommen. Trotzdem die gesamte Situation immer noch alles andere als entspannend war, fühlte sich Obi-Wan aber immerhin schon etwas besser und auf jeden Fall frischer.
An dem ersten Morgen nach ihrer Rückkehr nach Coruscant, erwachte Obi-Wan nach langer Zeit mal wieder etwas entspannter. Nach seiner allmorgendlichen Meditation, die er in letzter Zeit etwas vernachlässigt hatte, führte er mehrere Gespräche mit einzelnen Mitgliedern des Rates und nahm an einer Sitzung des Rates teil. Zuviel musste geregelt werden, als dass er sich eine Auszeit gönnen könnte, obwohl er sich danach sehnte.
Nun hatte er vor, mit Padmé zu reden. Momentan machte er sich große Sorgen um Anakin. Seitdem sie wieder auf Coruscant waren, verhielt er sich merkwürdig, war aufgewühlt und zornig. Obi-Wan hatte zwar versucht, mit ihm zu reden, jedoch ohne Erfolg. Es schien, als ob der junge Jedi ihm nicht mehr vertrauen würde. Also musste er sich an eine Person wenden, der Anakin noch traute. Auf Anhieb fielen ihm nur zwei Leute ein, auf die das noch zutraf. Da er nicht mit Kanzler Palpatine über seine Sorgen sprechen wollte, wandte er sich nun an Padmé.
An ihrer
Senatorenwohnung angekommen, traf er auf C3PO, der ihn zu der
Senatorin führte. Obi-Wan hatte sie lange nicht mehr gesehen und
wenn der Anlass nicht so ernst gewesen wäre, hätte er sich
fast auf eine Begegnung freuen können.
Als er ihr großes
Wohnzimmer betrat, stand sie mit dem Rücken zu ihm gewandt an
einem der großen Fenster und blickte auf den Verkehr von
Coruscant hinaus. Zwar hatte 3PO seine Anwesenheit angekündigt,
doch schien es Obi-Wan so, als ob sie ihn noch gar nicht bemerkt
hatte. Vorsichtig sprach er sie an: „Senatorin Amidala? Verzeiht
mir die Störung, aber ich muss mit Euch reden."
Ohne sich umzudrehen antwortete die junge Frau: „Welch seltener Besuch, Meister Kenobi. Ich freue mich. Womit kann ich Euch helfen?"
Obi-Wan seufzte leicht. „Es geht um Anakin, ich mache mir Sorgen um ihn."
Padmé wandte den Kopf zur Seite. Ihr prächtiger Haarschmuck klimperte dabei leicht. Sie trug ein langes weites braunes Kleid, das bis zum Boden ging und sie einhüllte. Sie atmete tief ein. „Ich weiß nicht, wie ich Euch helfen kann, Obi-Wan."
„Ich weiß, dass er Euch vertraut, Padmé. Anakin steht unter enormem Druck momentan. Vielleicht hat er Euch gesagt, was ihn beunruhigt."
Die Senatorin wandte sich nun
vollends um und schritt zum Sofa rüber, um dort Platz zu nehmen.
Obi-Wan hatte nun Zeit, sie zu betrachten und als er ihren von
der Schwangerschaft schon deutlich gewölbten Bauch sah, den auch
das weite Kleid nicht wirklich kaschieren konnte, blieb ihm
kurzzeitig die Luft weg. Gedanken rasten durch seinen Kopf, Bilder
traten in sein Bewusstsein und ohne, dass Padmé ihn dazu
aufgefordert hatte, sank er auf eines ihrer Sofas, den Blick starr
auf eine Wand gerichtet, nicht in der Lage, irgendetwas zu sagen oder
zu tun. Sein Atem ging hastig und stoßweise und sein Gesicht
war zu einer bleichen Maske erstarrt.
Padmé musste seine Reaktion auf ihren Anblick bemerkt haben und fuhr hastig fort: „Nun, der Krieg beunruhigt ihn offensichtlich. Hinzu kommt der Druck, der auf ihm lastet, weil alle denken, er sei der Auserwählte. Wer würde da nicht manchmal aus der Haut fahren?"
Nervös nestelten ihre Finger an den Schnüren ihres Kleides herum. Sie hatte sich so hingesetzt, dass ihr Bauch möglichst nicht im Mittelpunkt stand, auch wenn das kaum möglich war.
Obi-Wan antwortete ihr nicht, sondern starrte immer noch auf die gegenüberliegende Wand. Das konnte unmöglich sein. Es konnte sich unmöglich bewahrheiten, was eine Padmé in einem anderen Universum geträumt hatte. Eine Padmé, die Anakin noch nicht einmal gekannt hatte, geschweige denn, die Senatorin war. Das musste ein Zufall sein. Wer sagte ihm denn schon, dass Anakin tatsächlich der Vater war. Das war beinahe unmöglich. Anakin würde nie… Oder? Eine erneute Welle des Zweifels überfiel Obi-Wan und ein kalter Schauer lief ihm über den Rücken. Sofort glitten seine Gedanken zu Aniya, die er seit ihrer letzten Begegnung nur noch ein oder zweimal gesehen hatte. Seine Aufgaben hatten ihm nicht erlaubt, die öfter im Gefängnistrakt zu besuchen. Sein Blick wanderte zu Padmé rüber, die ihn nervös anschaute.
„Obi-Wan, ist alles in Ordnung? Ihr antwortet mir gar nicht."
Obi-Wans blick wurde kurz trüb. Er atmete tief durch und zwang sich zur Ruhe, zum Atmen und zum Antworten, wobei seine Stimme sehr rau war: „Entschuldigt, Padmé, ich war gerade abwesend. Ihr meint, die Prophezeiung setzt ihn unter Druck? Das glaube ich nicht. Er weiß schon immer von dieser Prophezeiung und ist damit immer gut zu Recht gekommen. Es muss etwas sein, das ihn erst seit kurzem belastet. Es scheint, als ob er mir nicht genug vertraut, um mit mir darüber zu reden. Ich weiß nicht, wie ich ihm helfen soll."
„Tut mir Leid, ich habe keinen Rat für Euch. Er hat in meiner Gegenwart nichts erwähnt, was ihn seit kurzem belastet. Ich kann Euch nicht helfen. Aber ich habe ihn auch schon länger nicht mehr gesehen."
Obi-Wan beobachtete sie beim Sprechen ganz genau. Sie ließ sich kaum etwas anmerken. Aber sie war Politikerin, sie war das Lügen gewohnt, sie hatte Übung darin. Der Jedi-Meister war nicht in der Lage, zu unterscheiden, ob sie die Wahrheit sprach oder log. Doch im Grunde seines Herzens wusste er die Antwort auf die Frage, die eine kleine unliebsame Stimme in seinem Geist stellte. Dieselbe Stimme war es auch, die die Antwort gab. Obi-Wan atmete schwer und strich sich über seien Bart, den Blick immer noch auf Padmé gerichtet, die ihm aber standhielt und seinen ruhig Blick erwiderte.
Was sollte er nur tun? Was konnte er wissen?
Mit einem Nicken erhob sich Obi-Wan langsam. Padmé tat es ihm gleich. Immer noch trafen sich ihre Blicke. Fast hatte Obi-Wan den Eindruck, als ob das ihre Art war, ihm die Wahrheit mitzuteilen. Die Wahrheit, die so unglaublich und eigentlich unmöglich war, dass Obi-Wan sich nicht in der Lage sah, richtig darüber nachzudenken. Die Konsequenzen wären fatal. Er schluckte, verabschiedete sich von der Senatorin und verließ mit schweren Schritten ihre Wohnung.
Beim
Hinausgehen kamen ihm alle Bilder von vor einem Jahr in den Sinn.
Alle Ereignisse liefen wie ein Film vor seinem geistigen Auge ab und
seine Gedanken landeten erneut bei Aniya.
Auf der der
Landeplattform angekommen, auf der er seinen Speeder geparkt hatte,
machte er halt.
Um ihn herum begann sich alles zu drehen und er musste sich mit der Hand am Speeder abstützen.
Was hatte das alles nur zu bedeuten. Konnte es wirklich wahr sein? Oder irrte er sich? Zog er Schlüsse, die gar nicht gezogen werden mussten und konnten? Hatte Aniya etwas damit zu tun? War sie verantwortlich für seine Begegnung mit Padmé damals? Gingen seine Gedanken mit ihm durch?
Obi-Wan versuchte sich zu
beruhigen, aber er hatte eine dunkle Vorahnung.
Schnell schwang er
sich in den Speeder und startete. Der Fahrwind umwehte kühl
seinen Kopf, als er sich in den Verkehr einordnete. Langsam wurde er
wieder etwas klarer und beruhigte sich endgültig. Das alles war
einfach nur ein dummer Zufall, mehr nicht. Es war vermutlich am
besten, wenn er Aniya einen kurzen Besuchabstatten würde, um auf
Nummer sicher zu gehen.
Schnell hatte er den Gefängnistrakt erreicht und hastete zum Pförtner, erklärte ihm kurz sein Anliegen und erstarrte bei der Antwort des Pförtners, es tue ihm leid, er wusste nicht, dass man Meister Kenobi hätte benachrichtigen sollen, aber Miss Aniya war vor ein paar Monaten plötzlich verstorben. Die Todesursache konnte nicht geklärt werden.
Nachdenklich stieg Obi-Wan wieder in seinen Speeder.
Vielleicht bildete er sich ja auch zuviel ein. Vielleicht war dieser
Traum von Padmé tatsächlich nur ein Zufall und keine
Vision gewesen. Es war wohl am besten, wenn er einfach zum Tempel
zurückkehrte und weiter ein Auge auf Anakin haben würde.
Sein bester Freund würde niemals den Orden derart verraten.
Niemals.
Er war in einer völlig anderen Welt gewesen, einer
Parallelwelt, deren Kennzeichen die vielen Alternativen waren, die es
geben konnte, die es gab. Padmés Traum war einfach nur eine
der Alternativen gewesen, die es gab. Nicht mehr und nicht weniger.
Aniya konnte damit gar nichts zu tun haben. Rein gar nichts.
Ende
Nachbemerkung
der Autorin:
Badamm! Das wars dann nun wirklich.
Ich hoffe, ihr mögt ein Ende, das ein klein wenig offen ist. Ich
mag so was sehr, ich finde so was immer ein bissl unheimlich! Naja,
ein wenig!
Tja, mir bleibt nun nichts mehr übrig,
als mich zu bedanken:
Mein Dank gilt:
Allen,
die bei meiner Story reviewt haben (auf ff.de), mir so hervorragende
Tipps gegeben haben und mit denen ich so wunderbar diskutieren
konnte! Ich seid so lieb!
Allen, die die
Geschichte gelesen, aber nicht reviewt haben. Danke, dass ihr sie
immerhin gelesen habt, auch, wenn es nicht immer ein Hochgenuss
war!
Meinem lieben Bruder, meiner besseren Hälfte,
der zwar meine Geschichte nicht gelesen hat, mit dem ich mich aber so
toll darüber und über Star Wars unterhalten konnte/kann!
Vielen Dank!
Helo
