Hallo Halli Hallöle!
Also, ich hab es tatsächlich geschafft, nach anfänglichen Schwierigkeiten, das zweite Kapitel upzudaten. ) Ich hoffe, ich krieg Reviews, denn ich hab mir hier wirklich Mühe gegeben!
MagicMorgana: Hey Süße! Klar kenn ich dich noch! Und wie du bemerkst, leb ich noch, obwohl ich mich schon Wochen nicht mehr mit einem neuem Chap gemeldet hab! Sorry.Das kommt aber bald! Süß von dir, mir hier ein Review zu schreiben! knutscha
Alfiri: Hallöle, Lizziemaus! Danke für das Lob und die professionelle und sehr geduldigeHilfe beim Update. ) Hoffentlich hast du diesmal die Gedult, meine Kapitel diesmal alle durchzulesen! bidde
Here we go again...
Chapter 2: Kinderweinen
Stöhnend reckte ich meine schmerzenden Glieder. Verdammt, nicht nur, dass es hier so eiskalt war, man hielt es ja noch nicht mal für nötig, den Gefangenen irgendeine weiche Unterlage zum Schlafen zu geben, so dass man glaubte, irgendwann würden die Knochen in tausend Splitter zerbrechen. Mit meinen klauenartigen Händen wischte ich mir das ellenlange Haar aus den Augen. Missmutig hielt ich eine Strähne zwischen den Fingern. Schwarz, dreckig und verfilzt, stellte ich fest. Ach, was sollte es! Es musste schon sehr schlecht um meinen Verstand stehen, wenn ich mir in Askaban Sorgen um mein Aussehen machen würde.
Mich immer noch streckend setzte ich mich von meinem unbequemen Schlafplatz auf und warf den üblichen morgendlichen Blick vor die Eisenstangen meiner Zelle. Wie immer standen zwei Dementoren davor und regten sich nicht. Das war auch gut so. Am besten war es, wenn sie einen erst gar nicht bemerkten. Es ging mir schon so elend genug, ohne dass man versuchte, mir die Seele aus dem Leib zu saugen. Fröstelnd strich ich mir über die Arme – mit wenig Erfolg. Was ich auch immer tat, nie wurde mir hier warm. In Askaban war man nun mal dazu verdammt, zu frieren. Ein Blick zum Fenster. Nun ja, ein Fenster war es nicht gerade. Eher ein Spalt in der Felsmauer. Doch mit zusammengekniffenen Augen konnte man einen Fetzen Himmel erkennen. Dunkelgraue Wolken flogen über ihn. Das hieß wohl, dass es Tag sein musste, denn bei Nacht war er völlig schwarz. Bis auf das ein oder andere Sternenschimmern vielleicht.
Ein paar Schreie drangen durch die Wand aus Kälte. Das die anderen Gefangenen nicht einmal ruhig sein konnten. Warum schrieen sie überhaupt? Die Dementoren machte das glücklich; na ja, glücklich war wohl das falsche Wort, eher lüstern. Und durch das Schreien verbrauchten sie ihre ganze Kraft, um überhaupt durchzuhalten. Ich könnte tausende Beispiele nennen.
Doch ich schrie nicht. Nein, ich nicht, eben deshalb, weil mir alles Negative daran bewusst war. Mit derartigen Feststellungen hielt ich mich eben am Denken. Oh man, was hätte nur James gesagt, wenn er zu hören bekäme, dass ich mich krampfhaft dazu zwang, zu denken. Das sei nicht meine Stärke, hatte er immer behauptet. Ich konterte immer damit, dass er stets von Lily abserviert wurde. Diese Kabbeleien hatte ich immer genossen. Ein wenig Wärme.
Plötzlich hörte ich ein Rascheln. Die Dementoren wandten sich zu mir um. Bedrohlich bauten sie sich vor den Eisenstäben auf, dunkle Schatten, Teufelsknechte, die Wächter der Finsternis. Sie begannen röcheln und schienen mehr als nur Luft in sich einzusaugen zu wollen. Die Kälte verstärkte sich.
Oh verdammt, die hatte ich ja ganz vergessen! Ich war eindeutig schon zu lange hier, dass ich die Dinger vergessen konnte!
Die Flammen der Fackeln am Gang erloschen, als einer der Dementoren mit einer fließenden Handbewegung die Gittertür dazu brachte, sich langsam quietschend zu öffnen.
Oh nein, alles, bloß das nicht! Ein Schaudern überkam mich. Am ganzen Leib zitternd zog ich mich auf den Knien in die hinterste Ecke meiner Zelle. Ich wusste, was jetzt kommen würde. Wie konnte ich auch nur so dumm gewesen sein, in Erinnerungen zu schwelgen. War es denn immer noch nicht zu oft geschehen!
Der eine Dementor glitt zu mir hinein, der andere blieb an der Zellentür stehen. Ich hatte das Gefühl, als würde sich meine Haut mit Eis überziehen. Während er näher kam, begann vor meinen Augen dunstiger Nebel entlang zuziehen. Meine Ohren schienen seltsam taub geworden zu sein! Das zerstörte Haus. Der Rauch, der von den Fassaden hinaufstieg. Die Flammen, die immer noch an dem Holz leckten. James, der auf dem Boden lag, die Augen weit aufgerissen und das Gesicht vor Schmerz verzerrt. Lily, so liegend, dass ihr langes dunkelrotes Haar den Boden bedeckte. Die wunderschönen grünen, mit gold gesprenkelten, Augen leer und leblos und mit Ausdruck des Flehens in sich. Angst! Verzweifelung! Und im Hintergrund konnte ich leises Weinen vernehmen, das Weinen eines Kindes...
Verzweifelt spürte ich, wie mir die Kontrolle entglitt. Das Entsetzen war zu groß!
„Nein...", stöhnte ich. „Bitte..."
Doch das leise Weinen hörte nicht auf. Es schien jede Zelle in mir auszufüllen. Ein Sturm zog auf. Dunkle Wolken bedeckten die sternklare Nacht, der Wind heulte um die Bäume und ließ die Flammen tanzen. Eine Stimme schien in den Wind zu flüstern.
„Du bist schuld... Du hast sie umgebracht..."„Nein..." Ich rang nach Atem.
„Warum hast du das getan... Sie haben dir vertraut..."Das Kinderweinen im Hintergrund zeriss mir das Herz. Es fing an zu regnen. Dicke Tropfen prasselten auf den Asphalt und die Flammen am Haus verloschen nun ganz. Nur der dicke Rauch blieb und das Heulen des Windes...
„Du bist schuld... Du hast sie umgebracht..."Leises Kinderweinen...
„GEFANGENENINSPEKTION!", dröhnte eine Stimme durch den Gang. Das Bild verschwand so schnell, als hätte ich es nie gesehen. Ein Rascheln und weichende Kälte. Die Dementoren wichen hastig wieder an ihre Stammpositionen vor die Gitter zurück.
Ich stieß leise Luft aus und schlug die Augen wieder auf. Das war so verflucht knapp gewesen, dass ich der Gefangeneninspektion direkt dankbar sein konnte. Manchmal passierten mir eben solche „Ausrutscher". Und die endeten meistens nicht einfach nur mit einem Bad in schrecklichen Erinnerungen. Unwillkürlich schauderte ich. Es war mir, als könnte ich das Kinderweinen immer noch hören... ganz leise.
Schritte kamen den Gang entlang und mich riss es aus meiner Trance. Die Schritte machten immer in kurzen Abständen halt und ab und zu sagte eine Stimme: „Abhaken!" oder „Weiter beobachten!"
Auf meine Lippen stahl sich ein gehässiges Grinsen. Diese Bemerkungen kannte ich inn- und auswendig. „Abhaken" bedeutete, dass der Gefangene bereits nur noch auf der Erde rum lag und seinen Verstand in die Hölle geschickt hatte. Also keine Gefahr mehr für die Gesellschaft war. „Weiter beobachten" hieß allerdings, dass der Insasse anscheinend noch nicht ganz aufgegeben hatte und immer noch gegen alles um ihn herum ankämpfte. Also bekam er wohl die nächsten Wochen Sonderbehandlung, wie einen Dementor zusätzlich, versalzenes Essen, kein Wasser... Ja, in der Abteilung für Hochsicherheitsgefangene wurden solche Seiten aufgezogen und das auch noch vom Ministerium selbst.
Die Schritte gingen weiter.
„Abhaken! Hm... Abhaken! Abhaken! Abhaken! Auch abhaken!"
Ich konnte jetzt die zwei Ministeriumsbeamten erkennen. Der eine schritt von zwei Dementoren flankiert von Zelle zu Zelle und hielt in der rechten Hand eine Morgenzeitung, während ein anderer auf einem Blatt Pergament immer wieder etwas notierte. Schließlich gelangten sie zu mir. Der Mann, der mich mit skeptisch zusammengezogenen Augenbrauen beäugte, kam mir seltsam bekannt vor. Er war rundlich, hatte angegraute spärliche Haare und trug einen limonengrünen Bowler und einen Nadelstreifenumhang. Die Augen waren blassblau. Wo hatte ich ihn schon mal gesehen? Hm... Und dann fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Mich traf fast der Schlag und doch ließ ich mir nichts anmerken, als mir klar wurde, dass ich in das Gesicht, eines viel älter gewordenen Cornelius Fudge sah, dem neuen Zaubereiminister, wie ich um die Ecke erfahren hatte. Früher war er bei dem Kommando gewesen, dass sich um magische Unfälle und auch Strafverfolgung kümmerte. Zumindest so etwas in der Art. Sicher war ich mir nicht. Der andere war blond und noch ziemlich jung. Es schien ihm ziemlich unwohl zu sein, seinem Gesichtsausdruck nach zu urteilen.
Ich saß in meiner Ecke und starrte die beiden ausdruckslos an. Fudge schien das nicht zu mögen, denn er trat kurz nervös auf der Stelle und blickte mich feindselig an.
„Können Sie mich verstehen?", fragte er herrisch.
Eine Weile überlegte ich, ob es wirklich in meiner Würde lag, diesem aufgeblasenem Windbeutel zu antworten, aber ein kleiner Schock würde ihm bestimmt gut tun.
„Klar und deutlich, Minister Fudge", sagte ich klar. Ich erschrak ein wenig, wie zerkratzt und rau meine Stimme klang.
Fudge starrte mich an, als wäre ich eine Erscheinung. Der Blonde hatte erschrocken sein Pergament fallen gelassen. Rasch bückte er sich und hob es umständlich wieder auf. Fudge schien sich auch wieder einigermaßen gesammelt zu haben. Er räusperte sich.
„Sie wissen, wer ich bin?", fragte er gefasst.
Oh man, dieser arme verwuselte Kauz!
„Allerdings!" Ich sah ihn offen und mit aller Gelassenheit, die ich aufbringen konnte, an. „Man sollte doch wissen, wer der aktuelle Zaubereiminister ist, oder Mr Fudge?"
Fudges Gesicht verlor an Farbe und seine eben wieder gewonnene Fassung fiel wieder. Der Blonde ließ vor Schreck wieder seine Papiere fallen. Ich wusste genau, weshalb sie so geschockt reagierten. Es war gewiss nicht normal für einen Hochsicherheitsgefangenen, der nebenbei bestimmt schon ein paar Jährchen in dieser Zelle saß, normal zu reden oder gar zu wissen, wer der aktuelle Zaubereiminister war. Das ich das rausgekriegt hatte, war aber wirklich eine glückliche Fügung gewesen. Hagrid hatte nämlich viel im Schlaf gesprochen. Ich hatte mir zusammengereimt, dass er eines Nachts vom Minister persönlich abgeholt und Hals über Kopf hier her gebracht worden war. Der Arme. Ich fragte mich, was man ihm wohl damals angehängt hatte.
Fudge räusperte sich abermals, offenbar um Zeit zu schinden und zu überlegen, was jetzt zu tun wäre.
„Ja... also, ähm.. wir sind dazu befugt, nachzusehen, wie...äh..."
„Wie es mir so in Askaban geht?", half ich ihm freundlich auf die Sprünge.
„Äh...ja, so ungefähr. Ähm... wie geht es ...äh... Ihnen so?" Er schien sich leicht dämlich vorzukommen. Mit Recht, fand ich. Was für eine bekloppte Frage. Wie es mir geht in Askaban... pff.
„Es – geht!", antwortete ich langsam und deutlich.
„Äh... Aha! Gut!" Fudge schien nur noch weg von mir zu wollen. Gehetzt wandte er sich zu dem Blonden um. „Weiter beobachten!"
Der Beamte erwachte aus seiner Starre und hob zum zweiten Mal rasch seine Liste auf. Er warf mir einen ängstlichen Blick zu und machte dann eine Notiz in eine der schmalen Spalten.
Fudge warf mir einen letzten ebenfalls leicht ängstlichen Blick zu und wollte nun zur nächsten Zelle gehen. Mein Blick fiel auf die Zeitung in seiner Hand. Gerade hatte ich festgestellt, wie gut es war, wenn wann man wusste, was draußen vor sich ging. Und Skrupel hatte ich noch nie in meinem Leben besessen.
„Mister Fudge!", rief ich plötzlich. Meine Stimme krächzte fürchterlich. „Bitte warten Sie!" Fudge erstarrte und wandte sich verwirrt zu mir um, während er Blonde leicht quiekte.
„Könnte ich die Zeitung haben?" Ich stockte für einige Sekunden. Wenn schon, dann aber richtig. „Ich würde gern ein Kreuzworträtsel lösen!"
Fudge sah mich entsetzt an und der Blonde ließ schon wieder seine Pergamente fallen.
„Kreuz – Kreuzworträtsel?", fragte Fudge krächzend.
„Ja! Sie wissen schon, diese Rätsel zu Geschichtsdaten und so! Mit irgendwas muss ich mich doch beschäftigen, oder?"
Ich hoffte inständig, dass man mir nicht ansah, dass mir das hier alles tierischen Spaß machte.
Fudge starrte mich mit unverholenem Entsetzen an. Schließlich riss er sich zusammen.
„Natürlich!" Er näherte sich unbehaglich dem Gitter, immer noch flankiert von den Dementoren. Ich streckte die Hand aus und er reichte mir die Zeitung durch die Gitterstäbe. Als ob er gebissen worden wäre, zog er seine Hand wieder schlagartig zurück, wandte sich entschlossen mit einem Ruck ab und ging mit dem zitternden Blonden im Anhang, der sich seine Papiere nun fest an die Brust drückte, zur nächsten Zelle.
Staunend begutachtete ich meinen wertvollen Schatz. Das erste, was mich interessierte, war das Datum. So fiel mein Blick auf die obere rechte Ecke im Titelblatt:
27. Juli. 1993
1993? Ich schnappte laut nach Luft. 1993?
Ich war mehr als ein paar Jährchen hier drin und bestimmt doppelt so viel Tage, wie Striche an der Wand waren. 12 Jahre! Ich saß schon 12 Jahre in Askaban fest. Und da besaß Fudge doch tatsächlich die Frechheit, mich zu fragen, wie es mir ging? Der hatte eh so alt ausgesehen. Apropos Alter! Ich war mit 22 eingesperrt worden. Dann war ich jetzt 34 Jahre alt. Diese Erkenntnis tat weh. Ich hatte die besten Jahre meines Lebens unschuldig im Gefängnis verbracht und würde auch den Rest dort verbringen. Mein Herz hatte sich immer noch nicht wirklich mit diesem Urteil abgefunden und zog sich schmerzhaft zusammen. Es war wirklich so was von unfair! Hastig flüchtete ich mich wieder in die Zeitung, um nicht weiter über diesen grauenvollen Fakt nachzudenken. Auf der Titelseite prangte ein großes Foto und eine fette Überschrift:
Beamter des Zaubereiministeriums gewinnt Großen PreisArthur Weasley, Chef der Abteilung gegen den Missbrauch von Muggelartefakte im Zauberministerium, hat den jährlich vergebenen großen Goldpreis des Tagespropheten gewonnen.
Der entzückte Mr Weasley sagte gegenüber dem Tagespropheten:
„Wir werden das Gold für einen Sommerurlaub in Ägypten ausgeben, wo unser ältester Sohn, Bill, als Fluchbrecher für die Gringotts-Zauberbank arbeitet."
Die Familie Weasley wird einen Monat in Ägypten verbringen und zu Beginn des neuen Schuljahres in Hogwarts, das gegenwärtig fünf ihrer Kinder besuchen, zurückkehren.
Na das war doch mal eine tolle Nachricht. Die Weasleys hatten einen großen Haufen Gold gewonnen. Ich erinnerte mich an die Ordenzeiten zurück, als Voldemorts Macht am Höhepunkt gewesen war. Die Weasleys hatten sich nie unterkriegen lassen, egal wie schrecklich die Lage auch war, aber an Geld hatte es ihnen immer gefehlt. Fünf Kinder, die nach Hogwarts gingen und ein Sohn, der in Ägypten arbeitete? Mein Gott, wie viele Kinder hatten die denn! Mein Blick fiel auf das große Foto, dass über dem Artikel prangte. Darauf war eine riesige Pyramide zu sehen und eine neunköpfige Familie stand strahlend und wild winkend davor. Ich erkannte Arthur und Molly sofort, auch wenn sie erheblich älter geworden waren. Und wenn ich richtig zählte, hatten sie genau sieben Kinder. Alles nur Jungen, mit einer Ausnahme. Ein einziges lachendes Mädchen stand in der Mitte. Sie schien die Jüngste zu sein und ihr Bruder hatte locker einen Arm um sie gelegt. Ich betrachtete den Jungen genauer. Er war groß und schlaksig, ungefähr in Harrys Alter, hatte jede Menge Sommersprossen und eine Ratte auf der Schulter, die vorne eine verunstaltete Pfote hatte. Mein Blick blieb dran hängen, als wäre ich hypnotisiert. Mir lief es heiß und kalt den Rücken runter. Nichts war mehr real, nichts mehr hier. Nur dieses Foto von dieser Ratte war im Raum. Ich sah nur die Ratte. Nur die Ratte und ich spürte wie meine Muskeln erschlafften. Mit nie gekannter Kraft sprang ich auf, stürzte zum Fenster und hielt die Zeitung schräg darunter, in dem verzweifelten Versuch, mehr Licht zu haben. Und die Erkenntnis traf wie ein Sack Steine meinen Magen. An der rechten Vorderpfote der Ratte fehlte ein Finger. Der Zeigefinger... Der Zeigefinger, den Peter sich abgeschnitten hatte, bevor er mit den anderen Ratten im Kanalloch verschwunden war. Immer noch haftete mein Blick an der Ratte. Grau und fett, ein wenig alt. Es war eindeutig. Ich hatte so oft gesehen, wie er sich verwandelte. Es war eindeutig Peter. Unser Wurmschwanz. Es war zu viel. Ich glitt kraftlos an der kalten Steinmauer hinab auf die Erde. Meine Augen bohrten sich in die kleinen schwarzen Rattenaugen. Er hatte sich also bei den Weasleys verkrochen, einer reinen Zaubererfamilie, um auf dem Laufenden zu bleiben, falls die dunkle Seite wieder zu Tage kommen würde. Die dunkle Seite! Es traf mich wie ein Peitschenhieb! Der Junge, dem die Ratte gehörte. Der Junge ging nach Hogwarts. Meine Gedankengänge waren auf einmal rasenschnell. Dieser Junge ging mit Wurmschwanz zusammen nach Hogwarts, wohin Harry laut dem heutigen Datum schon zwei Jahre ging, wenn alles gut gegangen war. Peter ist in Hogwarts! Dieser Gedanke brannte sich so schmerzhaft ein, dass ich keuchen musste. Die Dementoren vor meiner Zelle hatten sich inzwischen reichlich verwirrt umgewandt, doch ich ignorierte sie. Ich dachte nur eines: Peter ist Hogwarts! Genau an der richtigen Stelle, um auch den letzten der Potters an die dunkle Seite auszuliefern, wenn diese, und das wird sie, wieder an die Macht kommt!
Nein, das durfte nicht sein. Das war alles ein ganz fürchterlicher Alptraum. Die Zeitung entglitt meinen zitternden Fingern. Und außer mir wusste niemand, dass Peter noch lebte. Er hatte freie Bahn. Ich musste etwas unternehmen! Ich war der einzige, der etwas unternehmen konnte! Aber ich war hier eingesperrt, zum Nichtstun verdammt! Die Zeitung lag auf der Erde und mir war, als würde sich die Ratte auf der Schulter des Jungen über mich tot lachen, wie ich in meiner Zelle saß. Und in mir flammte Feuer auf. Feuer, so heiß, wie ich es noch nie gespürt hatte. Brennend heißer Wille, Hass, Zorn und tiefe Liebe durchloderten meinen Körper und nahmen von ihm Besitz.
„Versteck dich, Peter!", zischte ich zu dem Foto. „Ich komme hier raus und dann fleh um dein Leben! Harry kriegst du nicht und wenn es das letzte ist, was ich tue!"
Und ich hörte wieder leises Kinderweinen. Ganz leise...
Read an review, please! )
Eure Annie
