Hi Leute!

Wow, ihr seid echt klasse! Als Belohnung für die tollen Reviews gibts auch sofort das nächste Kapitel!

Xtin2000: Danke, für die das große Lob! freuuu. Jaja, die ganzen Dinge, die wir nicht wissen, wie sie verlaufen sind, was! Ich bin ebenfalls gespannt, wie ich anstellen soll, diegut zu beschreiben... grins. Hdl!

Alfiri: Hey Süße! Na da freu ich mich ja, dass du so viel gelacht hast! Ich hab an der Fudge Szene aber auch ziemlich lang geknabbert. Super, dass es sich gelohnt hat! juhuu Read ya:-)

Pemaroth: OMG, du schreibst mir ein Review, du als absoluter Fachmann! Ich bin ein riesiger Fan von deinen Fanfictions, insbesondere Das sechste/siebte Schuljahr mit Sirius! schwärm
Danke, danke, danke für das liebe Review! strahl

Here we go ...


Chapter 3: Frei!

Peter stand vor mir und lachte mich an. Ich wollte los laufen, ihn festhalten, ihn schlagen, ihn verletzen, doch desto schneller ich rannte, desto weiter entfernte er sich. Keuchend blieb ich stehen und sah mich um. Die Gegend war düster und es war Nacht. Die Häuser waren nur als schattige Umrisse zu erkennen. Die Sterne funkelten über mir und schienen mir warnend zuzublinken. Ein Rascheln. Ich wirbelte herum. Da war er wieder. Er stand vor mir und grinste mich an, seine Augen bösartig verengt. Dann wandte er sich um und schritt die Straße entlang. Ich rannte ihm hinter her, doch ich kam ihm nicht näher. Nur in mindestens zwei Meter Abstand konnte ich hinter ihm hergehen. Kalter Nebel zog auf, doch es blieb sternenklar. Peter wandte sich nicht mehr um und ich lief zitternd hinter ihm her. Erst jetzt bemerkte ich, wo wir waren. Ein altes rostiges Straßenschild quietschte in seinen Angeln: Godric's Hollow. Peter bog rechts ab. Ich folgte ihm. Der Nebel verschwand, es herrschte nur noch völlige Finsternis. Nur die Schritte vor mir überbrückten die Stille. Lange ging ich so und je länger ich ging, um so kälter wurde es. Und aufeinmal blieben die Schritte vor mir stehen. Auch ich blieb stehen. Ein eisiger Windhauch wehte mir ein paar Strähnen aus dem Gesicht. In der Finsternis vor mir, begannen sich Umrisse abzuzeichnen. Ein Haus. Ein altes abgebranntes Haus, das seltsam düster wirkte. Ich zuckte zusammen. Godric's Home. Das Haus von James und Lily. Und plötzlich hörte ich ein Geräusch. Kinderweinen... . Es schien aus dem oberen Stockwerk zu kommen. Wie von selbst liefen meine Füße darauf zu, stiegen die nun morsche und schwarze Treppe hinauf und blieben vor dem Kinderzimmer stehen. Im Zimmer stand Peter. Er hielt ein Kind, fast noch ein Baby fest an sich gepresst. Es weinte. „Harry", fuhr es mir durch den Kopf und ich rannte auf ihn zu. Doch wieder schien ich keinen Schritt näher zu kommen.

„Nein, Wurmschwanz. Lass ihn in Ruhe!", schrie ich. Meine Stimme schien laut wiederzuhallen, wie in einem riesigen hohlen Raum. Peter begann jedoch nur zu lachen. Laut und widerlich hallte sein Lachen in meinen Ohren. Verzweifelt versuchte ich an ihn heranzukommen, jedoch ohne Erfolg. Peter wandte die kleinen schwarzen Rattenaugen belustigt mir zu.

„Gib auf, Sirius! Ich werde das Kind zum dunklen Lord bringen und dort wird es sterben, wie seine Eltern. Danke, dass du mir dabei geholfen hast, sie zu verraten. Sie hätten mich nie als Geheimniswahrer genommen!" Und er lachte wieder. Er warf den Kopf in den Nacken und lachte, lachte und lachte.

Und gegen alle meine Vorsätze schrie ich in dieser Nacht, so wie alle anderen Gefangenen es auch immer getan hatten.

Am nächsten Morgen saß ich unter dem schmalen Spalt in der Felsmauer und starrte regungslos in den Himmel auf die dunklen Wolken, die wie immer über ihn flogen. Jede von ihnen schien die Form einer Ratte zu haben. Es war wie ein Fieber, dass ich nicht abschütteln konnte. Ich konnte an nichts anderes mehr denken. Alle halbe Stunde kramte ich den Artikel, den ich mir aus dem Tagesprophet ausgerissen hatte, aus der Innentasche des grauen Umhangs, den ich nun schon knapp 12 Jahre trug und der auch dementsprechend aussah.

Die schwarzen kleinen Rattenaugen schienen mich zu verfolgen, immer und überall.

Die letzte Nacht war schrecklich gewesen, Alpträume hatten mich verfolgt, von denen ich schon gar nicht mehr wusste, wie sie abgelaufen waren. Und ich hatte den Rest der Nacht wach gelegen und vor mich hingegübelt. Mein Selbstschwur, irgendwie hier rauszukommen, erwies sich als mehr als nur schwierig. Doch so schwierig es auch war, ich musste einfach hier rauskommen. Ich musste! Keiner sonst wusste von Peter und der damit zusammenhängenden Gefahr für Harry. Und der Versuch, jemandem, beispielsweise einem Beamten vom Ministerium, die Geschichte zu erklären, fiel auch weg. Niemand würde mir glauben. Also blieb nur noch der Ausbruch. Aber wie sollte ich hier rauskommen? Wie? Ohne Zauberstab hätte ich niemals irgendeine Möglichkeit, mir die Dementoren vom Hals zu halten. Oder?

Ich erstarrte. Dann ließ ich die Hand fahrig in die Umhangtasche gleiten und zerrte den Zeitungsausschnitt hervor. Mit glasigen Augen starrte ich die Ratte des jüngsten Sohnes an.

Die Ratte! Wie konnte ich das nur vergessen? Ich konnte doch zaubern, auch ohne Zauberstab. Wozu war ich denn bitteschön Animagus! Dementoren ernährten sich von den Ängsten, den Gefühlen des Menschen. Sie spürten ihnen nach, konnten fühlen, wo man sich gerade befand. Aber Tiere... .Die Gefühle eines Hundes waren anders, sehr viel anders, als die eines Menschen. Natürlich war man als Animagus immer im Besitz seiner gesamten Intelligenz und doch machte es Unterschied. Dementoren konnten Tieren nicht nachspüren, es verwirrte sie zu sehr. Alles würde ihnen schwächer vorkommen, als ob ich langsam meinen Verstand verlieren würde. In meine Augen trat ein glasiger Schimmer.

Das war meine Chance. Meine einzige Chance.

Der Nachmittag kam und ging. Ich befand mich in hibbeliger Anspannung. Unermüdlich und mit nie gekannter Kraft schritt ich meine Zelle immer wieder ab. Meine Hände zitterten leicht. Mein Plan war verrückt, nahezu wahnsinnig. Ich hatte lange hin und her überlegt, doch mir war partout nichts Besseres eingefallen. Und außerdem war zwischendurch noch die Gefangeneninspektion vorbeigekommen und hatte mich wie üblich unter „Weiter beobachten!" gestellt. Tja, lange würden sie mich nicht mehr beobachten können... wenn alles glatt ging, was ja nun mehr als fraglich war. Allerdings hatte mich das lange Gespräch zwischen den Dementoren und dem Ministeriumsbeamten misstrauisch gemacht. Wie immer war es mehr als gruselig gewesen, einen Dementor sprechen zu hören. Es hörte sich dunkel, kalt, feucht, freudlos und einfach tot an. Und dem Ministeriumsbeamten schien das auch nicht gerade angenehm zu sein. Doch nach einer Weile hatte er dem Wächter der Finsternis fast schon interessiert zugehört und ab und zu zu mir hinüber geblickt. In seinen Blicken eine Mischung aus Faszination und Angst. Rätselhaft!

Mist noch mal, es musste doch jetzt Essenszeit sein, oder? Ich knurrte missmutig. Diese Warterei machte mich noch wahnsinnig, besonders weil ich mein Zeitgefühl erst wiederfinden musste. Also fuhr ich damit fort, zwischen den Felswänden umher zu tigern.

Zweifel nagten an mir. Hatte ich genug Kraft, um mich zu verwandeln? Läge ich als Hund bewusstlos in meiner Zelle, dann würde auch mein letztes Geheimnis dem Ministerium offenbart werden. Nein, nein, nein! Ich musste einfach stark genug sein! Und wenn nicht?

Ein Scheppern unterbrach mich in meiner innerlichen Diskussion. Ich schritt rasch zum Gitter und lugte hinaus, den Gang entlang. Die schwere Eisentür am Kopf des Ganges hatte sich geöffnet und ungefähr sechs Dementoren traten herein, jeder ein paar Teller tragend. Essenszeit, endlich! Ich erzitterte vor Aufregung – und rügte mich sofort dafür. Jetzt durfte ich keine Panik bekommen. „Konzentrier dich, Sirius Black!", zischte ich mir zu, während die Dementoren jetzt begannen, die einzelnen Zellen zu öffnen, um das „Essen" hineinzustellen.

Ich legte mir die Fingerspitzen an die Schläfen. Es war so lange her... . Wie fühlte es sich an, ein Hund zu sein! Ich musste die Erinnerung wieder finden. Denn dies war das ganze Geheimnis. Kannte man einmal das Gefühl, ein Tier zu sein, musste man es sich als Mensch nur immer wieder in Erinnerung rufen und schon war es kinderleicht, sich wieder zu verwandeln. Doch nach 12 Jahren Askaban, wo ich meine Erinnerungen so lange unterdrückt hatte, war es schon schwer auf Anhieb die richtige zu finden.

Wie fühlte es sich an! Und dann spürte ich ein seltsames Kribbeln in der Magengegend. Es breitete sich langsam über meinen ganzen Körper aus. Brust, Schultern, Arme.

Ich hatte es.

Meine Sinne verschärften sich augenblicklich. Alles um mich herum schien leicht zu zerschmelzen, dann festigte sich die Umgebung wieder. Doch diese Umgebung schien irgendwie um die Hälfte größer, als noch vor zwei Minuten. Außerdem strömten allerlei Gerüche und Geräusche auf mich ein, die ich vorhin noch nicht wahrgenommen hatte.

Gerade noch konnte ich mich davon abhalten, vor Freude aufzujaulen. Es hatte geklappt.

Der erste Schritt war getan. Doch das Schwierigste stand mir noch bevor. Zitternd tapste ich näher ans Gitter und platzierte mich links neben die Gittertür. Die Dementoren vor meiner Zelle bewegten sich leicht unruhig. Sie schienen verwirrt zu sein. Unorientiert neigten sie ihren Kopf von links nach rechts, als ob sie versuchten, meinen Standpunkt zu erschließen. Es gelang ihnen offenbar nicht. Meine Theorie war richtig gewesen.

Nun spürte ich aufkommende Kälte den Gang entlang wandern. Der Dementor kam. Ich zwang mich innerlich zur Ruhe, als das finstere gespenstische Wesen vor meiner Zelle schwebte, eine Schüssel in der Hand haltend. Nun zog es langsam eine der vermoderten toten Hände aus den Falten des Umhangs und zeichnete eine fließende Bewegung in die Luft. Es knirschte. Meine Zellentür begann sich langsam zu öffnen.

Jetzt oder nie!

Ehe die Tür sich ganz geöffnet hatte, ehe der Dementor auch nur einen Schritt zu mir hineinschweben konnte – stürmte ich los. Noch nie war mir Schmerz, Kälte und Müdigkeit so egal gewesen. Mit ungeahnter Schnelligkeit, schlängelte ich mich am Gitter vorbei vor die Zellentür, bog nach links ab und stürzte halsbrecherisch den Gang der Hochsicherheitsgefangenen runter. Ich hörte das Scheppern, als der Dementor vor Überraschung die Schüssel fallen ließ und ich hörte ungläubiges Aufschreien aus den Zellen der Gefangenen, die anscheinend noch unter „Weiter beobachten!" standen. Ohne mich um meine Umwelt zu kümmern, raste ich auf die schmiedeiserne Tür am Ende des Ganges zu und stürmte hindurch. Ich spürte die Kälte der Dementoren, die auf der anderen Seite Wache standen, sofort, aber ich ließ sie unbeachtet und hastete weiter. Nur das Wirbeln einiger Umhangfetzen sagte mir, dass ich sie passiert hatte. Ohne nachzudenken rannte ich weiter, weiter und weiter! Ich bog nach rechts ab, dann wieder nach links, wieder einen Gang entlang und wieder an einer Menge Zellen vorbei. Ich passierte ein weiteres Paar Dementoren und mit einem Scheppern brachte ich einen Schüsselstapel zum Umfall, der auf der Erde gestanden hatte. Eine weitere Tür durch die hindurch sauste und wieder ein Gang. Wie von Teufeln gejagt, machte ich wieder eine scharfe Linkskurve und rannte weiter. Halt! Stop! Wo wollte ich überhaupt hin? Askaban war ein wahres Labyrinth aus Gängen und Kammern, ich würde doch niemals den richtigen Ausgang finden, wenn ich nur einfach so vor mich hin stürmte. Keuchend erlaubte ich es mir stehen zu bleiben und meine überraschenderweise Dementor freie Gegend zu erkunden. Ich war in einem steinernen niedrigen Gang ohne Zellen angekommen, an dessen Wänden Fackeln flackerten. Ein paar Meter vor mir erstreckte sich eine steinerne Treppe, die nach oben führte. Misstrauisch betrachtete ich sie. Nach oben war gut! Man hatte mich nach unten geführt, als ich zu meiner Zelle geschleift wurde. Aber was war, wenn dies eine Falle für Flüchtlinge war? Vielleicht führte mich diese Treppe direkt zurück zu meiner Zelle?

‚Schwachsinn!', schalt ich mich selbst. ‚Askaban braucht keine Fallen für Gefangene, solange es die Dementoren hat!' Natürlich dachte keiner im Traum daran, dass jemand an den Dementoren vorbei kommen konnte. Und sie hatten bestimmt auch Recht. Es kam keiner an ihnen vorbei – wenn er nicht Animagus war und seinen Verstand lange genug behalten hatte.

Und dann war da noch etwas, was meine Zweifel entgültig schwinden ließen. Ich schnüffelte. Hier roch es nach Menschen, nicht nach dem fauligen Gestank der Dementoren. Aber auch nicht nach den hier gefangenen Menschen, die einen ziemlich unhygienen Geruch entwickelt hatten, wie ich selber, wo ich mir sicher war. Diese Menschen, die hier entlang gegangen waren, rochen nach der Welt draußen. Nach Meeressalz, nach Früchten oder Kaffee, ja sogar nach Rasierwasser. Das hier musste der Weg nach draußen sein, der Weg, den die Gefangeneninspektion immer ging. Den ich auch gehen würde!

Mit pochendem Herzen lief ich auf die Treppe zu und begann damit, die Stufen zu erklimmen. Es schienen mir ewige Jahre zu vergehen, während ich Stufe um Stufe mit meinen vier Hundepfoten hinaufkraxelte. 50 Stufen. 70 Stufen. Bei 100 hörte ich auf zu zählen. Keuchend schleppte ich mich höher. Der Gedanke, dass dort oben vielleicht die Freiheit auf mich warten könnte, verlieh mir Flügel und besiegte meine Müdigkeit und Erschöpfung. Doch diese Treppe war wirklich verflucht hoch! Wenn die mich nicht in die Freiheit führte, wusste ich auch nicht weiter. Doch auch die längste Treppe hat einmal ihr Ende. Nach der letzten Stufe stand ich vor einer für mich riesigen eisernen Tür, die genau der Tür in dem Gang der Hochsicherheitsgefangenen glich. Nun doch misstrauisch starrte ich sie an. Vielleicht doch eine Falle? Naja, ob Falle oder nicht, jetzt war ich nun mal hier oben und der einzige andere Weg wäre wieder der nach unten zu den Dementoren. Nein, dann doch lieber Risiko! Machte das Leben denn Spaß, ohne ein bisschen Risiko? Innerlich schnaubte ich. Was war schon Risiko in Askaban.

Vorsichtig erhob ich mich auf die Hinterläufe, legte eine Pfote auf die Klinke und drückte sie nach unten.

‚Bitte lass sie nicht verschlossen sein!', dachte ich verzweifelt.

Es klickte. Die Tür öffnete sich einen Spalt breit, jedoch nicht weit genug. Mit meinem gesamten Gewicht lehnte ich mich gegen das Eisen und endlich schwang die Tür auf. Eisige Kälte strömte mir entgegen – und der Geruch von Salzwasser, genauso wie ein donnerndes Rauschen. Meeresrauschen! Zitternd trat ich durch die Tür in den eisigen Wind, der mein schwarzes zotteliges Fell heftig umherwirbelte. Ich stand auf scharfem Fels, der sich weit und flach zu allen Seiten erstreckte und dessen Klippen sich schließlich ins Meer erstreckten. Ich konnte die Wellen stark gegen die Felswand klatschen hören. Der Grund war mir klar. Ein heftiges Gewitter tobte über der Insel. Schwarze und dunkelgraue Wolken fegten über den Himmel hinweg, Donner grollte und ab und zu erhellte ein gellender Blitz die schwarzen Schatten, die an den Klippenrändern umherhuschten. Moment, schwarze Schatten?

Dort hinten, zwischen den Klippen konnte ich mit zusammen gekniffenen Augen, einige Boote erkennen, die bedrohlich in den Wellen hin her schwankten. Das mussten die Boote sein, mit denen die Gefangenen hergebracht wurden. Und vor diesem kleinen Hafen standen, nein, schwebten, eine ganze Reihe von Dementoren. Ich seufzte stumm. Das Boot konnte ich mir wohl abschminken. Gut und schön, meine Animagusform mochte sie verwirren, aber völlig unerspürbar machte sie mich nicht. Doch die Dementoren vor den Booten bewegten sich auch nicht. Offenbar hielten sie dort Wache. Gerade wollte ich, mich zu freuen, dass nicht mehr hier zu sein schienen, als ich auch schon eine kriechende Kälte hinter mir spürte. Ich war einige Schritte auf den Fels hinaus getreten und musste mich anstrengen, um von dem Wind nicht einfach weggepustet zu werden. Ganz langsam wandte ich mich um. Ein heller Blitz durchzuckte die Nacht und erhellte die Gegend gerade genug, damit ich etwas sehen konnte. Hinter mir, noch gut zehn Meter entfernt, näherte sich gut 30 Dementoren. Ihre Umhänge flatterten wild im Wind und sie kamen mir vor, wie der Henker und seine Gefährten persönlich. Nein, ich würde nicht zulassen, dass sie mich kurz vor dem Ziel wieder in meine Zelle schleppten. Niemals! Hektisch sah ich mich um. Zu den Booten konnte ich nicht, die bewachten die Dementoren. Doch wie sollte ich denn sonst von dieser bescheuerten Insel runterkommen? Ich wandte mich wieder um und blickte in pechschwarze Finsternis hinter mir und unter den steinernen Mauern von Askaban. Doch ich musste nicht sehen, um zu wissen, dass die Dementoren näher gekommen waren. Ich hatte wieder das altbekannte Gefühl, als ob sich meine Haut mit Eis überziehen würde. Leise Panik schlich sich nun doch ein. Ich war so kurz vor dem Ziel, na ja, mehr oder weniger. Aber ich war aus der Festung entkommen, etwas, was noch nie ein Mensch zuvor geschafft hatte. Das konnte doch alles nicht umsonst gewesen sein! Nein, es durfte nicht umsonst gewesen sein. Mit dem Entschluss, lieber zu sterben, als wieder in die Zelle zu wandern, drehte ich mich um und stürmte auf die Klippen zu. Ich hatte keine Ahnung, wie viel mein Körper aushalten konnte oder auch würde, aber wenn die Boote blockiert waren und ich mich auf einer Insel in stürmischer See befand, eine Horde Dementoren im Nacken, dann blieb mir nun mal keine Wahl...

Hinter mir konnte ich die Kälte immer näher kriechen spüren, doch auch das Toben der Wellen vor mir wurde deutlicher und lauter. Durch meine Animagusform schienen die Dementoren nicht zu wissen, wo genau ich mich befand, doch spürten sie mich trotzdem und folgten der Fährte. Ich hetzte weiter auf die Klippen zu, übersprang Risse im Fels und kleine Steine. In mir flammte Angst hoch. Ja, ich hatte Angst vor dem, was jetzt kommen würde. Schreckliche Angst. Und genau deshalb blieb ich schlitternd auf dem Hohen Fels, der steil über der rauen See hinausragte, stehen. Meine Beine zitterten. Mit unruhigen Augen blickte ich hinaus auf das Meer. Wellenberge türmten sich auf und polterten schäumend und spritzend gegen harten Fels. Das Wasser schien fast schwarz zu sein, so dunkel war es. Und ganz hinten, am Horizont, konnte ich einen schmalen Streifen erkennen. Die Küste. Land. Freiheit...!

Die Kälte hinter mir wurde stärker. Und vor meinen Augen erschien das Foto aus dem Tagespropheten, wie magisch in meine Augen gebrannt. Die Ratte stach scharf hervor, die lachenden Gesichter der Menschen. Sie wussten ja gar nicht, in welcher Gefahr sie schwebten. Doch diese Gefahr würde grundlos sein. Ich würde es nicht zu lassen, nicht so lange ich noch Kraft hatte. Entschlossen trat ich ein paar Schritte zurück, atmete noch einmal tief ein, nahm den Anlauf, so schnell ich konnte und sprang ab.

Dieses Gefühl würde ich nie vergessen. Für eine Millisekunde schien ich reglos in der Luft zu schweben, in mir drehte sich alles, das Blut rauschte in meinen Ohren. Und dann setzte die Schwerkraft ein. Die Luft zischte an mir vorbei, als ich in die Tiefe stürzte. Dann spürte ich nur noch einen schneidenden Schmerz. Eiskaltes Wasser schlug spritzend und schäumend über mir zusammen. Mein Herz schien einen Schlag auszusetzen und eine Schockwelle überströmte meinen Körper, als die reißende Strömung mich unter Wasser drückte. Einen Moment wirbelte ich widerstandslos im Wasser, doch dann setzte der Überlebensinstinkt wieder ein. Wild begann ich mit meinen vier Hundepfoten zu paddeln – und stellte gleich fest, dass diese weitaus widerstandfähiger waren, als Menschenhände und Füße. Mit aller Kraft stieß ich mich durch die Strömung, die über mir hinweg schoss und durchbrach, nach Luft schnappend, die Oberfläche. Sofort brach eine weitere Woge aus Wasser über mir zusammen und drückte mich erneut unter Wasser. Abermals schwamm ich hoch, und versuchte verzweifelt oben zu bleiben. Eine weitere schwarze Welle näherte sich gefährlich, doch ich hatte sie früh genug gesehen, um über sie hinweg zu schwimmen. Ich hatte keine Zeit zu denken, und erst gar nicht logisch; alles, was ich wusste, war, dass ich an Land musste, welches noch ca. 50 Meter weit entfernt lag. Und den reinen Hundereflexen folgend, begann ich zu in die Richtung zu schwimmen, in der, wie ich wusste, die Küste lag. Es war langwierig und kräftezehrend, wie ich bald feststellte. Dauernd musste ich aufpassen, nicht in irgendeine Strömung zu geraten und von den Wellen begraben zu werden. Außerdem stieß ich mit den Pfoten dauernd gegen scharfe Felsspitzen, die anscheinend unter Wasser lagen, und mir die Haut ausritzten. Doch am unerträglichsten war die Kälte. Es war betäubender Schmerz. Mir war, als ob tausende von silbernen eiskalten Dolchspitzen meine Haut durchbohrten. Jede Bewegung ließ sich ohne Weiteres mit dem Cruciatusfluch vergleichen. Meine Muskeln begannen förmlich zu schreien, protestierten gegen die unmenschlichen Anforderungen. Meine Lunge schmerzte und jeder Atemzug brannte und stach. Mein Atem ballte sich zu unförmigen Nebelschleiern vor mir in der Luft. Das Meer rauschte, doch auch das leise Geräusch von Brandung schlich sich in mein feines Hundegehör. Ich war der Küste schon sehr nah. Schwer zog mich mein dichtes Fell hinunter, doch, mich zusammenreißend, schwamm ich weiter. Die scharfen Felsen schienen sich in Luft aufgelöst zu haben, denn ich stieß nirgendwo mehr an. Mein Herz begann weh zu tun. Die Kälte lähmte es regelrecht. Ein weiterer Blitz erhellte den Nachthimmel, zwei Minuten später ließen die dunklen Gewitterwolken ein donnerndes Grollen hören. Doch jetzt spürte ich Grund unter meinen wunden Pfoten. Kein Fels, es war weich. Sand! Wie in Trance schleppte ich mich weiter ans Ufer, die Brandung riss mir das Fell gegen den Strich. Ich stürzte vorn über, spürte wie ich flach auf dem kalten Sand aufschlug. Mein Körper erzitterte. Dann ließ der Himmel ein weiteres Donnern los und die Barriere, die die Flut die ganze Zeit in die Schranken gewiesen hatte, stürzte zusammen. Es begann zu regnen. Dicke schwere Tropfen prasselten auf mein Fell und platschten neben mir im Sand auf, was ihn hochwirbeln ließ. Ich hörte, wie das Wasser auf der See aufschlug und hörte die schäumende Brandung. Und in diesem Moment wurde mir ein einziger Fakt deutlich klar: ‚Ich bin frei!' Das war das letzte, was ich dachte, bevor ich langsam in diese endlose Schwärze hinabfiel. ‚Frei...'


Wow, bis unten durchgehalten? Respect! grins

Read ya!

Annie