Hallo Leutz:-)
Ich hab ein neues Kapitel für euch!
Haben zwar nicht so viele reviewt, aber ihr kriegt es trotzdem! ggg
Pemaroth: Juhu! Wieder ein Review von dir! ausflipp Danke für dein Lob! HDGDL!
black eyed april: Hi! Wow, so lange Reviews! Ich bin total platt! Vielen vielen Dank! Ich hab versucht, das mit den Absätzen besser zu machen! Hoffentlich ist es jetzt übersichtlicher! kiss
Alfiri: Danke, danke! Ooooch! Das mit deinen Augen tut mir leid! Aber da nehm ich mal bereitwillig die Schuld auf mich! gg Danke für das total liebe Review
cdt: Oh je! Ich glaub,ich hab dich beim letzten mal vergessen, ne? Tut mir leid! heeuuul. Ich freu mich, dass Sirius dir so gefällt und leiden wird er auch, keine Sorge! Bist du etwa auch sadistisch veranlagt? ggg
So ihr lieben!
Ein gaanz langes Kapitel wartet auf euch!
Viele Spaß:-)
Chapter 4: Bittersweet
Träge spürte ich, wie ich langsam aufwachte. ‚Bitte noch nicht.', dachte ich müde. Ich wollte noch nicht aus diesem schönen Traum erwachen.
Ich wollte nicht die Augen öffnen und die dunklen, kalten, feuchten Steinwände erblicken. Noch nicht. Doch ich musste leider feststellen, dass alle Versuche, wieder einzuschlafen völlig zwecklos waren. Ich war definitiv wach.
Irgendetwas kitzelte mich an den Füßen.
Nun war endgültig alle Müdigkeit verschwunden. Erschrocken erstarrte ich. Wie konnte mich in Askaban etwas an den Füßen kitzeln?
Ich blinzelte ... nur um die Augen, geblendet von strahlender Sonne, sofort wieder zu schließen. Ich war definitiv auch nicht in einer düsteren, kalten, modrigen Zelle! Langsam stieg die Erinnerung in mir hoch - und sie kam mir vor, wie ein wahnsinniger verrückter Traum.
Ich war den Dementoren durch die Hände geflutscht, hatte einen Marathonlauf durch Askaban gemacht und war zu guter letzt von einer Klippe ins schäumende Meer gesprungen. Bekloppt! Endgültig öffnete ich die Augen und erblickte prompt strahlend blauen Himmel. Sprachlos setzte ich mich leicht auf, nur um festzustellen, dass ich vier Beine hatte. Ich war noch in meiner Animagusform – glücklicherweise! Sonst hätten die Dementoren mich doch sicher gleich gefunden. Ich fühlte mich müde und nass. Alles schmeckte und roch salzig. Mein schwarzes Fell hing zottelig und verfilzt, gespickt mit allerlei Algen und Muscheln im Sand. Sand?
Ich sah mich um. Tatsächlich lag ich an einer Art Strand. Der Sand glitzerte prachtvoll in der Sonne und die Brandung schob leise rauschend jede Menge Meerespflanzen an Land.
Leicht zittrig erhob ich mich und blickte hinaus auf das hellblaue schillernde Wasser, das sich in leichten Wellen bis zum Horizont erstreckte.
Ich konnte keine Spur von Askaban entdecken. Nichts! Da war absolut nichts. Aber ich hatte doch die Küste von der Klippe aus sehen können!
Es war doch nur reine Logik, dass ich dann auch von hier aus die Klippe sehen konnte! Aber da war nur Wasser! Viel Wasser, übrigens.
Wo lag Askaban überhaupt?
Wo war ich hier?
Ratlos drehte ich mich um und erblickte einige Dünen und ein bisschen gelbes Gras, so wie ein rostiges altes Gatter, das, mit Zaun im Anhang, den Weg zum Strand freigab.
Wo war ich nur gelandet?
Ich blickte wieder zum Meer und schüttelte überfordert den Kopf.
Ich sah Askaban zwar nicht, aber ich war mir sicher, dass es da war – mit seinen Wachen, die nach mir suchen würden. Und nicht nur die ... .
Langsam wurde mir klar, was ich mit meinem Ausbruch begonnen hatte. Niemand war je aus Askaban ausgebrochen.
Niemand!
Nicht nur sämtliche Dementoren würden ausschwärmen, um den angeblichen Massenmörder und Verräter aus dem Hochsicherheitstrakt zu finden. Nein, auch das Ministerium und sämtliche Auroren Britanniens würden nach mir suchen. Und zu allem Überfluss waren spätestens morgen alle Zeitungen voll davon und ob Kinder, Zauberer, Hexen, Mütter, Väter, Omas, Opas, alle würden die Augen aufhalten.
‚Na toll! Das hast du mal wieder super hingekriegt, Sirius Ian Black', schnauzte ich mich innerlich selber an. ‚Anstatt klammheimlich zu verschwinden, damit du noch jede Menge Zeit raushauen kannst, rennst du mit einem riesen Karacho durch Askaban und statt auf der anderen Seite der Insel nach eventuellen Booten zu suchen, stürzt du dich von der Klippe! Super gemacht! Wir sind alle stolz auf dich!'
Mir entwich ein missbilligendes Knurren.
Moony hatte verdammt noch mal schon immer Recht gehabt: Ich handelte grundsätzlich ohne nachzudenken.
Erschöpft streckte ich mich leicht und es knackten einige Knochen.
Oh man, ich war ganz schön eingerostet. Askaban hatte an meiner Gesundheit gezehrt und eine Erkältung würde ich mir bei diesem nassen Fell auch noch zuziehen.
Aber diese Sonne machte das alles wett.
Wie lange hatte ich schon keine helle Sommersonne mehr gesehen?
Genießerisch ließ ich mich in den Sand gleiten und ließ die ungewohnte Wärme auf mich wirken. Jetzt wäre nur noch was zu essen gut.
Schließlich hatte ich gestern das Abendessen wegen den besonderen Umständen ausfallen lassen müssen. Obwohl man das „Abendessen" nicht wirklich als etwas Essbares bezeichnen konnte.
Ich hatte nie rausgefunden, was sie mir eigentlich immer serviert hatten. Erstens war es dafür zu dunkel gewesen und zweitens hatte das Zeug einen absolut eigenartigen, wenn nicht einzigartigen Geschmack gehabt. Einen ziemlich widerlichen, um genau zu sein.
Jedoch war mir das eh egal gewesen, da ich immer froh gewesen war, irgendetwas zu essen zu bekommen. Ich fühlte mich immer noch sehr ausgemergelt.
Die Sonne war zwar gut und schön, aber sie würde auch noch eine Weile weiter scheinen und es war jetzt wirklich wichtiger, herauszufinden, wo ich war, wie ich hier wegkam und wo ich was zu essen herbekommen konnte. Energisch erhob ich mich und schüttelte mein Fell einmal kräftig, so dass Algenfetzen, Muschelstücke und Sand zu allen Seiten wegflogen.
Ich fühlte mich trocken. Es musste ungefähr Mittagszeit sein, wenn die Sonne so heiß war, dass sie in wenigen Minuten mein Fell trocknete.
Ich warf einen letzten Blick hinaus aufs Meer und grinste innerlich. ‚Tschüss, Askaban! Auf nimmer Wiedersehen!'
Dann wandte ich mich um und trottete auf das alte verrostete Gatter zu, das hinter den Dünen lag.
Das Gras umstrich sanft meine Pfoten und bald hatte ich den Zaun erreicht. Ich hob eine Pfote und drückte gegen das Gitter des Gatters. Es knarrte und mit einem schrillen Quietschen schwang es so schnell nach hinten auf, dass ich fast auf die Nase gefallen wäre.
Neugierig tapste ich durch das Tor und sah mich um. Rechts und links von mir erstreckten sich offensichtlich Schafweiden, denn das Gras war saftig und grün, nicht so gelb wie das andere. Vor mir kam ein schmaler sandiger Pfad in Sicht, der die Erhebung hinunter führte und hinter einer Kurve verschwand.
Und neben diesem Pfad stand ein schmaler Holzpfeiler, mit einem alten modrigen Schild an der Spitze, auf dem in abblätternden Buchstaben Lyme–Bucht zu lesen war. Lyme–Bucht ... noch nie gehört! Oh verdammt, das fing ja gut an. Sirius Black – auf ewig verschollen am Strand.
In missmutiger Stimmung begann ich matt den Pfad hinunter zu traben. Es herrschte vollständige Stille, nur ab und zu schrie eine Möwe. Eine leichte Brise wehte mir ins Gesicht und wieder schmeckte ich Salz. Man sollte meinen, ich hätte inzwischen genug Wasser gehabt, aber dieser ständige Geschmack im Mund machte mich durstig.
Bald erreichte ich die Biegung und passierte sie rasch. Langsam blieb ich stehen und kniff mühevoll die Augen zusammen, da die Sonne stark blendete. In der Ferne erkannte ich Häuser. Einfache kleine Backsteinhäuser, kunterbunt zusammengewürfelt. Dieser Pfad schien sich langsam in eine abgetretene Straße zu verwandeln und führte direkt an die Tore des kleinen Dorfes. Lyme Regis, wie ein weiteres bemoostes Straßenschild verkündete. Dieses ständige LYME ging mir langsam auf die Nerven. So ein komisches Wort, das hier so viel Bedeutung zu haben schien.
Aber so bescheuert der Name auch war ... da unten waren Menschen, vielleicht eher Muggel, denn hier war nirgendwo die Spur von Magie.
Und wo es Menschen gab, gab es auch was zu essen, zu trinken und bestimmt würde sich auch irgendwo eine Landkarte auftreiben lassen. Denn ich musste schließlich rausfinden, wo ich überhaupt herumlief und wie ich hier wegkam. Nur wohin weg? Weg war ein Wort, das ziemlich viele Wege zuließ. Sehr viele Wege. Ich musste Peter finden, bevor er Schaden anrichten konnte. Doch auch er würde wohl vor Angst zittern, wenn er die neusten Nachrichten mitbekam. Ich grinste innerlich gehässig. Peter würde verstehen. Aber er würde nicht flüchten. Hogwarts war der sicherste Platz Britanniens und Peter würde sich dort sicher fühlen. Doch solange er dort war, konnte ich Harry nicht in Sicherheit wiegen. Zorn überkam mich. Peter! Er hatte alles zerstört.
Er hatte alle seine Vertrauten verraten. Lily und James an Voldemort, was ihnen den Tod eingebracht hatte. Mir hatte er die Freiheit genommen und auch das Vertrauen der Freunde, die noch übrig gewesen waren. Remus hatte er seinem Schmerz und seiner Einsamkeit überlassen. Und nun ... nun war Harry an der Reihe. Und indirekt ich auch. Mein Patenkind erschien mir irgendwie wie ein Licht am Ende eines dunklen Tunnels. Die Hoffnung, die mir Askaban nicht hatte rauben können. Die Hoffnung, schon fast das sichere Gefühl, dass ich noch nicht allein war und dass ich in dieser Welt noch nicht ausgesorgt hatte.
Und nun hatte sich diese Hoffnung bestätigt. Ich hatte noch nicht ausgesorgt.
Mit diesen anspornenden Gedanken lief ich den Weg hinab auf das kleine Dorf zu. Fünf Minuten brauchte ich, um die ersten Häuser zu erreichen. Alles sah ein bisschen altertümlich aus. Ein kleines Dorf eben. Neugierig tapste ich an einer der Hauswände entlang und sah mich gründlicher um. Das Dorf besaß weder Bürgersteig, noch eine richtige Straße. Überall war es sandig und mir wurde es in dieser Mittagshitze langsam richtig heiß! Langsam trat ich auf die Straße (obwohl es ja halt eher ein Weg war). Kein Mensch war zu sehen. Und auch nicht die Spur von Magie. Eindeutig ein Muggeldorf! Wind kam auf und zerzauste mir das Fell. Interessiert hob ich die Nase in den Wind und schnupperte. Es roch nach Mittagessen. Hier kochte jemand.
Und zwar äußerst gut!
Wie auf Kommando begann mein Magen an zu knurren.
Immer noch die Nase in der Luft, begann ich dem Geruch nach zu schleichen. Dieser führte mich die Straße entlang in eine kleine Seitengasse, an deren Seite ein großes Schild angebracht war: Johns Restaurant. Die Tür des Gebäudes stand offen. Interessiert trat ich ein und fand mich in einem angedunkeltem Raum wieder, der mit vielen Menschen gefüllt war, die schnatternd, lachend und vor allen Dingen essend an den hölzernen Tischen saßen.
An der Theke stand ein bärtiger Mann, mittleren Alters und polierte mit einem hellgrauen Lappen Gläser. Er hob die Augenbrauen, als er mich entdeckte. Langsam, mich immer noch anstarrend, ließ er das Glas und den Lappen sinken, stellte sie auf der Theke ab, wandte sich um und rief durch die hölzerne, offenstehende, Tür hinter ihm:
„Amy! Komm mal her, Schatz. Das glaubst du mir nicht!"
Eine mollige Frau mit blondbraunen lockigen Haaren und einem gutmütigem Gesicht kam daraufhin ins Sichtfeld.
Als sie mich erblickte, schnappte sie nach Luft. Nicht vor Angst, wie ich nun feststellte.
„Oh Mein Gott, bist du aber süüüüß!" Schon kam sie herüber gestürmt und streckte die Hand nach mir aus. Ich knurrte missmutig.
‚Ich bin nicht süß!'
„Fass ihn lieber nicht an, Amy, Schatz! Der beißt bestimmt!", rief der bärtige Wirt warnend und beäugte mich misstrauisch.
‚Normalerweise nicht... und wenn dann nur dumme alte Wirte, die mich nicht leiden können!', dachte ich eingeschnappt. ‚Seh ich aus wie ein Kampfhund?'
„Ach Quatsch, John, siehst du? Er ist ganz lieb!"
‚Genau!', dachte ich und ließ mich genüsslich von ihr streicheln. ‚Gaanz lieb! So lieb und so hungrig!'
„Aber schau mal, der hat bestimmt Flöhe! Schau dir doch mal sein Fell an!"
‚Blöder Wirt! Du solltest erstmal mein „Fell" sehen, wenn ich ein Mensch bin!'„Ooch, Gottchen, guck mal John, wie dünn der ist! Ich kann ja jede einzelne Rippe sehen! Wie lang hat man dich denn nicht mehr gefüttert?"
‚Lange genug, danke!'„Oh nein, Amy, du fütterst mir hier keine wildfremden Viecher durch –"
‚Viech?'
„Wir haben selbst kaum genug, Amy!"
Doch meine Liebhaberin baute sich jetzt zu voller Größe auf. „Wie kann man nur so herzlos sein, Johnathan. Ich bin enttäuscht, dass du uns einem so armen verwahrlosten Tier vorziehst! So enttäuscht! Nächstenliebe, die Bibel, mein Lieber!"
John und ich starrten sie an. Tatsächlich verstand ich ihre Worte gerade nicht wirklich. Moment ... verwahrlost?
„Grr!"
„Siehst du, Schnuffel ist auch sehr enttäuscht!"
‚SCHNUFFEL? Die Frau dreht jetzt aber voll am Rad!"
Das gleiche schien John auch zu denken, denn er zeigte ihr einen Vogel und schnappte sich mit säuerlicher Miene das nächste Glas und begann es mit dem alten grauen Scheuerlappen zu polieren. Amy schnaubte und wandte sich dann mit zuckersüßem Lächeln wieder mir zu.
„Na, hast du Hunger? Soll ich dir was Leckeres besorgen?"
Ich nickte.
Die Frau starrte mich verdutzt an.
Mental schlug ich mir mit der flachen Hand vor die Stirn. Nickende Hunde.
Doch Amy schüttelte nur verwundert den Kopf.
„Du bist mir vielleicht merkwürdig! Na, egal! Komm mit, bevor wir morgen los fahren, kann ich dir wenigstens noch was Gutes tun!"
Damit wackelte sie zurück zu der hölzernen Tür, hinter der sich offenbar die Küche versteckte. Gutmütig folgte ich ihr. Die Küche erschien mir ziemlich interessant, nicht nur, dass ich seit 12 Jahren nicht mal eine Küche gesehen hatte, nein, eine Muggelküche hatte ich überhaupt noch nie gesehen. Statt Kaminofen, einen Kasten mit einem Dutzend schwarzer Platten drauf, auf denen irgendwelche Messingtöpfe standen, in denen irgendwas vor sich hin brutzelte. Dann allerlei weiße dicke Schnüre, die an komischen kleinen Kästen mit Rührern untendran hingen und in eine Steckdose führten. Was eine Steckdose war, wusste ich.
Arthur sammelte die Dinger, die man dort rein steckte und hatte sich damals nicht davon abbringen lassen, mir seine Sammlung vorzustellen.
„Setz dich da hin!", kommandierte Amy und deutete auf einen bestimmten Platz auf den Fliesen. Gehorsam machte ich ‚Sitz!' und beobachtete mit gierigen Augen, wie sie anfing, mir von verschiedenen Platten was runterzunehmen und auf einen extra Teller zu häufen. Als sie fertig war, hatte ich schon fast einen See auf die Fliesen gesabbert.
Gütig lächelnd stellte sie die Schale vor mich hin und ich begann zu schmausen. Ich hatte das Gefühl, noch nie etwas Köstlicheres als diese Würstchen gekostet zu haben. Meine Geschmacksnerven, die sich in Askabans drittem Jahr endgültig verabschiedet hatten, kehrten nun fröhlich zurück. Nachdem ich auch den Rest aus dem Teller abgeschleckt hatte und kein Krümelchen mehr übrig war, wagte ich es nun endlich meine restliche Umwelt wieder wahr zu nehmen. Amy hatte vor mir auf einem Stuhl Platz genommen und mir grinsend zu gesehen.
„Du warst aber hungrig, was Süßer?"
‚Ich bin nicht süß!', dachte ich, aber um einiges friedlicher als vorhin.
„Aach, du bist aber auch niedlich. Weißt du, ich hab mir schon immer einen Hund gewünscht!"
‚Oh oh! Ich sehe da Probleme auf mich zufliegen!'
„Aber John würde da wohl nicht einverstanden sein..."
‚Na Gott sei Dank!'„Aber was interessiert mich, was mein Mann will!" Sie kratzte sich nachdenklich am Kinn. „Weißt du, dieses Jahr machen wir Ferien bei meiner Tante in London ... , die hat auch einen Hund."
London? Ich horchte interessiert auf. War doch eigentlich egal, wo ich war, wenn ich nur irgendwie nach London käme ... . Aber was weiter in London? Ich musste Peter erwischen, bevor er Schaden anrichten konnte. Wie war das noch mal ... ach ja, dieser Junge der Weasleys, dem die Ratte offensichtlich gehörte, würde dieses Jahr zum dritten Mal nach Hogwarts gehen. Nun gut, das war einfach, dann musste ich eben auch nach Hogwarts, so schnell wie möglich. Aber eine Sache musste ich vorher noch erledigen ... die gut von London aus zu erledigen war.
„Wie wäre es, wenn ich dich behalte, hm?" Das selige Lächeln Amys riss mich aus meinen Überlegungen. Behalten? Mich? Aber ... warum eigentlich nicht! Die würden morgen nach London fahren ... .
Ich stand auf und bellte zustimmend.
Am nächsten Morgen saß ich missmutig in einem viel zu kleinem Kofferraum eines viel zu kleinen Autos. Es war gerade mal 8 Uhr und John lud gerade Amys tonnenschwere Koffer neben mir ab.
„Pass auf, dass Schnuffel noch genug Platz hat!", dröhnte es vom Vordersitz her.
Schnuffel. Das war jetzt wohl oder übel mein neuer Name ... zumindest bis wir in London angekommen waren, mal davon abgesehen, dass ich immer noch nicht wusste, wo wir hier waren. Aber immerhin Britannien, wie es aussah.
„Alles drin!", schnaufte John, bedachte mich mit einem verächtlichen Blick und schlug die Tür des Kofferraums mit gewaltiger Anstrengung zu. Dann lief er um das Auto herum und setzte sich vor das Steuer.
Tja, John hatte keine Chance gehabt, als ihm seine Frau verkündet hatte, sie hätte ein neues Haustier. Die beiden hatten sich gut eine Stunde lang gestritten, bis beide in verschiedene Richtungen abgerauscht waren.
Aber in London würde ich Amy wohl das Herz brechen und abhauen müssen – solange sie nicht auf die Idee kam, mich an die Leine zu nehmen.
Der Wagen fuhr rumpelnd an.
Ich spürte langsam aber sicher, wie sich frische Luft, was zu essen im Bauch und Menschen in meiner Umgebung in meiner Seele bemerkbar machten. Mein Humor war zurückgekehrt, so wie meine Ausdauer und Hoffnung. Aber dieses bittersüße Gefühl in der Brust, das ich immer fühlte, wenn ich an Lily und James und auch an ihren kleinen Sohn dachte, das war noch da! Was war es bloß? Es tat weh, schmerzte richtig, aber manchmal hatte es mich in den finstersten Augenblicken gewärmt. Ich schloss erst mal auf Sehnsucht. Jahre später sollte ich feststellen, dass es nicht nur das war, sondern etwas viel Mächtigeres und Schöneres.
Der Wagen sauste um eine Kurve und mich schleuderte es gegen einen der Koffer. Missmutig kämpfte ich mich wieder auf und reckte den Hals, um aus dem schmalen Fenster rechts sehen zu können. Ich sah Wiesen und Felder. Interessant ... . Ich hatte nicht einmal mitbekommen, dass wir aus dem geheimnisvollen Lyme - Regis rausgekommen waren. Um so besser. Ich hatte das kleine Dorf nicht sonderlich gemocht. Es war mir noch zu nah an Askaban dran gewesen. Die Sonne schien und zierte mein Fell mit kleinen hellen Punkten, weil gerade nur noch ein paar Lichtschimmer durch das Gepäck hindurch funkeln konnten. Ich legte mich hin und legte den Kopf auf die Pfoten. Abermals durchströmte mich eine Welle von Traurigkeit und verzweifelter Wut. Warum ausgerechnet jetzt, wusste ich nicht. Es war nur wieder da. Dieses verdammte Photo vor meinen Augen, diese verdammte Ratte darauf. Peter hatte alles zerstört. Er hatte Lily und James umgebracht, Harry zu einer Weise gemacht, mich nach Askaban gebracht, Moony in die Einsamkeit geschickt. Und wieder spürte ich dieses bittersüße Gefühl in der Brust und am liebsten hätte ich einfach nur geweint. Doch irgendwie fehlte mir die Kraft dazu. Wie sie mir immer fehlte, wenn ich weinen wollte. Damals, in meinem Elternhaus, war es genauso gewesen. Hatte meine Mutter mir eine schallende Ohrfeige verpasst, weil ich ihr widersprochen hatte, hatte ich nie eine einzige Träne vergossen. Ja, ich war schon immer ein Rebell gewesen, jemand, der unermüdlich wieder aufstand. Aber auch ich hatte meinen wunden Punkt gehabt. Meine Freunde. Bei ihnen war ich manchmal so zerbrechlich und verletzlich wie ein kleines Kind gewesen. Schon allein damals diese Sache mit Remus, als ich Schniefelus erzählt hatte, er müsste nur den Knoten der Weide mit einem Stock berühren, dann könnte er uns folgen. Und dass der elendige schmierige Typ dabei fast ums
Leben gekommen wäre, war Moony danach ganz und gar nicht egal gewesen. Zuerst hat er mich angeschrieen, bis ich so klein mit Hut war und dann einen Monat nicht mehr mit mir gesprochen. Ich, der selbstverliebte arrogante gutaussehende Sirius Black, war ihm diesen Monat hinterhergelaufen wie ein kleines weinendes Kind, das seine Mutter verloren hat. Selbst James war ausgesprochen kühl zu mir gewesen.
Ich gähnte und kuschelte den Kopf dichter an die Pfoten. Vielleicht waren all diese Veränderungen ein bisschen viel. Auf jeden Fall war ich hundemüde. Ich grinste in mich hinein, über meine treffende Ausdrucksweise. Dann schlief ich ein.
Als ich wieder aufwachte, stand der Wagen und ich glaubte plötzlich, mein Trommelfell müsste platzen. Geräusche von überall her strömten auf mich ein. Tausende von Autos, quietschende Reifen, Kinderstimmen, das Gerede von Menschen und zu allem Überfluss schlug gerade eine Kirchturmuhr 15.00 Uhr. Ich hatte wohl sehr lange geschlafen. Überall roch es hier nach Benzin und vielerlei Geschäften. Früchte, Tabak, Rasierwasser ... .
Ich grinste mental und erinnerte mich lebhaft an die riesige Treppe, die ich in Askaban, diesem Geruch folgend, hinaufgekraxelt war. Ich konnte es immer noch nicht fassen ... ich war wirklich frei. Gut, und jetzt hoch mit mir. Ich spannte die Muskeln an und stöhnte vor Schmerz.
Ok, hoch war jetzt vielleicht ein bisschen zu optimistisch gewesen. Dann einfach auf. Meine verspannten Muskeln immer noch streckend, setzte ich mich auf und blinzelte hinaus ins Tageslicht. Mit einem Blick aus dem Fenster, das übrigens gütigerweise geöffnet war, damit ich nicht erstickte, erkannte ich, dass das Auto an einem Straßenrand geparkt war, und zwar an einem Straßenrand, der einem Straßenrand in Muggellondon ziemlich ähnlich sah.
Amy und John waren nicht im Auto, aber ich konnte mit zusammengekniffenen Augen erkennen, wie die beiden an einem Kiosk irgendetwas kauften. Da kamen sie auch schon wieder zurück. John schloss auf und warf sich wieder auf den Fahrersitz. Amy setzte sich auch wieder und hatte natürlich nichts besseres zu tun, als sich umständlich zu mir umzudrehen.
„Ohh, du bist ja wach, Schnuffel!"
„Welch ein Glück!", knurrte John leise und raschelte an irgendeiner Zeitung herum.
„Keine Sorge, mein Süßer, wir fahren jetzt noch ungefähr ein halbes Stündchen und dann kannst du aus dem doofen engen Kofferraum raus!", flötete Amy.
„Amy, Schatz. Der – Hund – versteht – dich – nicht!"
‚Wie genau du das weißt, Teiggesicht!'„Er ist sehr klug!", donnerte Amy. „Und –"
„Schatz! Hier! Schau dir mal an, was hier in der Zeitung steht. Das ist ja ungeheuerlich!" Und John begann einen Artikel auf der Titelseite seiner Zeitung vorzulesen.
„ Mörder auf freiem Fuß
Sind Sie sicher, dass sie wissen, wo ihre Kinder sind? Gehen Sie gerade zur späten Abendstunde durch einsame Gassen? Vorsicht! Denn ein Mörder ist auf freiem Fuß. Sirius Black, der berüchtigste Verbrecher, den Britannien je verhaftet hat. Black ermordete in der Nacht auf den ersten November 1981 zwölf Menschen eiskalt und völlig grundlos auf offener Straße (Der Ort wird aus Sicherheitsgründen nicht genannt!). „Am helligten Tag! Wo hat man das schon gesehen?", sagte Mr. Johnson, ein Kriminalbeamter der Londonerpolizei zu unserem Sonderkorrespondentin der London Times. Britannien rät zu Vorsicht. Black ist äußerst gefährlich und höchstwahrscheinlich bewaffnet. Falls sie diesen Mann (siehe Pfandungsbild) irgendwo sehen sollten, rufen sie bitte die unten aufgeführte Notrufnummer an. Die Polizei hofft auf Ihre Mithilfe!
Jennifer Kontentz "
Mir wurde kalt, eiskalt. Sie suchten nach mir. ‚Natürlich, was hast du denn erwartet?', seufzte seine innere Stimme. ‚Dass sie die Hände in den Schoß legen und warten, bist du von allein wieder zurückkommst?'
‚Klappe auf den billigen Plätzen!', gab ich in Gedanken patzig zurück. Fakt war, die Muggel selbst war auch schon informiert. Es musste Fudge ja gewaltig an die Nieren gegangen sein, dass ich aus seinem tollen Gefängnis ausgebrochen war, wenn er selbst die Muggel, die er ja für so dumm hielt, unterrichtete, dass ein Mörder frei herumliefe.
„Oh mein Gott, zwölf Menschen? Am helligten Tag, auf offener Straße?", flüsterte Amy geschockt.
„Ja ...", murmelte John und blätterte in der Zeitung vor. „Hier und sieh dir mal dieses Foto an. Was für ein dreckiger Vagabund."
‚Also so schlimm kann es doch gar nicht sein!'„Und diese Haare erst!"
‚Ok, das ist das erste mal, dass ich dir recht gebe, Johnnyboy!' Ich seufzte innerlich. ‚Aber ich hab andere Sorgen, als meine Haare!'
„Tu das weg!", verlangte Amy. „Vor dem kriegt man ja Angst!"
‚Welche Ironie!'„Bist du dir sicher, dass es Hausnummer 75 war?", fragte John entnervt und wendete bestimmt zum zwanzigsten Mal in dieser halben Stunde.
„Ja, eigentlich schon!", stöhnte Amy.
„Denk doch mal nach!", motzte John. „Vielleicht war es auch 57!"
„Jaah, vielleicht..."
Ich war genervt. Und zwar mehr als nur genervt. Seit bestimmt einer halben Stunde kurvten wir in dieser bescheuerten Silberstraße rum und suchten Hausnummer 75, die es irgendwie nicht zu geben schien. Es war schon wieder Abend und das nur, weil wir uns insgesamt fünf mal verfahren hatten. Ich drückte die Schnauze an das Kofferraumfenster und starrte hinaus.
61 ... 63 ... 65 ... 67 ...
Schön, wenn wir so lange brauchten, hatte ich wenigstens schon mal die Gelegenheit, darüber nachzudenken, wo Lilys Schwester eigentlich wohnte. In Surrey, das wusste ich. Und in irgendeiner Straße, die was mit Blumen zu tun hatte.
71 ...
Magnolienstraße, oder so!
73 ...
Nein, nicht Magnolien ... . Auch kein Lavendel. Aber auf jeden Fall irgendeine Pflanze. Verdammt, ich musste mich doch erinnern. Ich musste unbedingt sehen, wie es Harry ging.
Patsch! Ende der Straße! Keine Nummer 75.
„Ich krieg gleich die Krise!", regte sich John auf und wendete mal wieder.
„Vielleicht war es doch 57!", meinte Amy schüchtern. Und ab, die Straße wieder runter.
71 ... 69 ...
Liguster! Ligusterstraße! Nein, nein. Ligusterweg! Genau, das war es gewesen. Und die Hausnummer?
67 ... 65 ... 63 ... 61 ...
Nein, keine zweistellige Zahl. Irgendwas Einfaches. Ligusterweg Nummer ... Ligusterweg Nummer ...
59 ... 57!
„Na endlich! Steig aus, Schatz, und guck, ob da auch wirklich deine Tante wohnt!"
Amy nickte und öffnete schwungvoll die Autotür.
Ach, verdammt! Ich wollte gleich, sobald sie den Kofferraum öffnen würden, meinen Fluchtversuch starten und mich dann auf den Weg nach Surrey machen. Aber ich brauchte die Hausnummer. Sonst würde ich ja drei Tage im Ligusterweg herumirren. Ligusterweg Nummer ... 9? Nein. 8? Oder 7? Nee ...
Amy kam wieder ins Auto geklettert und schnaufte:
„Ja, hier sind wir richtig! Du sollst da in ihrer Ausfahrt parken! Aber pass auf, dass du nicht einen ihrer Hunde unter die Räder kriegst!"
„Hunde?", machte John. „Du meinst Hund!"
„Nein, Hunde! Sie hat jetzt vier Rottweiler!"
„WAS?"
Vier Rottweiler? Oh mein Gott! Ich erschauderte.
Denen durfte ich nicht begeg – halt, stopp! Vier Rottweiler? Vier?
Ligusterweg Nummer vier, Little Whinging, Surrey.
Der Wagen hielt an. Zwei Autotüren knallten. Ich stand langsam auf! Gleich ... gleich ...
Schritte ertönten! Eine lachende begrüßende Frauenstimme. Und dann öffnete John den Kofferraum. Kaum war er weit genug geöffnet, dass ich hindurchpasste, quetschte ich mich hinaus, sprang auf den Bürgersteig und hetzte los, die Straße entlang!
„SCHNUFFEL!"
Ich ignorierte Amys Schrei und bog mit einer Affengeschwindigkeit um die Ecke. Damit ließ ich die Silberstraße hinter mir und befand mich neben einer riesigen Hauptstraße, auf der ein Auto nach dem anderen daherraste.
Ich blieb rasch stehen und spitzte die Ohren, um eventuelle Verfolger auszuschließen. Ich hörte keine Schritte. Gut. Jetzt musste ich wohl das tun, was ich ja soo gut konnte: Nachdenken. Wie kam ich nach Surrey in den Ligusterweg?
Eine halbe Stunde später saß ich in der U-Bahn. In einer Muggel U-Bahn. Ich – Sirius Black. In einer Muggel U-Bahn. Das war nun wirklich das Unzusammenpassenste, was es gab. Also saß ich da, neben einem dieser unbequemen abgegammelten Stoffsitze, auf der eine alte Oma kauerte, die nichts Besseres zu tun hatte, als vor meinen hungrigen Augen glatt einen Hot Dog zu mampfen. Ich hatte ungefähr eine halbe Stunde in dem Bahnhof von London gestanden und mir fast den Hals ausgerenkt, um den Fahrplan lesen zu können, der leider einen Meter zu hoch für mich angebracht war. So hatte ich tatsächlich auf eine dieser Gepäckkarren klettern müssen, um die Route, auf der ich mich derzeit befand, auszuknobeln. Die Route lautete folgendermaßen: Londoner Bahnhof, U 12 (A/N: Nicht lachen, Leute! Hab keinen Schimmer, wie in London U-Bahnen heißen könnten!), umsteigen in U 4 Richtung Surrey, von da umsteigen in U 19, die mich direkt nach Little Whinging bringen sollte (A/N: Tolle Route! räusper).
Ich schüttelte nur den Kopf. Wie kompliziert die Muggel doch waren. Ich hatte mich tatsächlich bis zur U 19 durchgeschlagen und starrte immer noch missmutig die Oma an, die genüsslich ihren Hot Dog verspeiste.
Mein Magen meldete sich mal wieder. Bald würde es noch zur Gewohnheit werden, dass ich das Abendessen wegen irgendeiner Flucht ausfallen lassen musste.
Ich blickte winselnd, mit den treuesten Hundeaugen, die ich hervorbringen konnte, zu der Oma auf, die auch tatsächlich aufsah.
Zuerst glotzte sie mich nur an. Dann grinste sie diabolisch – und biss genießerisch in ihren Hot Dog.
‚Blöde, verfressene, fette ...'
„Nun geben sie doch dem armen Tier etwas!", empörte sich eine junge Frau, die gegenüber saß und mich mitleidig ansah.
Die Oma sah sie giftig an und gerade in dem Moment gab es einen Ruck und die Bahn hielt quietschend an der nächsten Haltestelle.
„Little Whinging!", verkündete ein Tonbandgerät, das wahrscheinlich schon zu lange benutzt wurde, da es fürchterlich kratzte.
Der Oma flog der Hot Dog doch glatt auf die Erde.
Ehe irgendjemand sich regen konnte, hatte ich ihn schon mit den Zähnen aufgeklaubt und war durch die, sich gerade schließende, Tür hinaus auf den Bahnsteig gehüpft.
Nachdem ich meine Beute mit einiger Genugtuung verschlungen hatte, machte ich mich gekräftigt auf die Suche des Ligusterwegs Nummer 4.
Es war schon dunkel und die Sterne glitzerten über mir. Es war eine mondlose Nacht.
Die Straßen waren finster, doch kam diese Finsternis nicht annähernd an die Askabans heran. Aus den Fenstern der Wohnhäuser leuchtete warmes Licht und ab und zu wurde eine Jalousien hinunter gelassen.
Ich irrte eine ganze Weile umher, in der es auch merklich kühler wurde und immer mehr Jalousien nach unten gingen, bis ich endlich ein Schild entdeckte:
Ligusterweg‚Na endlich!', dachte ich und bog rasch in die Straße ein. Kein Auto weit und breit. Nur die Straßenlaternen gingen jetzt an. Ich erzitterte vor Aufregung.
Ligusterweg Nummer 1, Ligusterweg Nummer 3.
Ok, andere Seite. Ich überquerte die Straße und wurde immer aufgeregter. Was ich mir von diesem Besuch versprach, wusste ich selbst nicht. Ich wollte mein Patenkind einfach nur wieder sehen! Es war so lange her ... 12 Jahre. Wie sah Harry wohl aus? War er seinen Eltern im Charakter ähnlich?
Ligusterweg Nummer 2, Ligusterweg Nummer 4.
Ich stand vor einem ganz klischeehaftem Muggelhäuschen, mit gemähtem Rasen und Garage. Das Licht war noch an und aus der Küche waren laute Stimmen zu hören. Überrascht runzelte ich die Stirn, als ich einige Wortfetzen mit meinen Hundeohren aufschnappte.
„Nein ... sprich ... Bürschchen ... stolz ... Eltern ... wahr? Gehen ... fahren ... zu Tode ... betrunken ... nehm ... an!"
Und dann eine klare deutliche und auch wütende Stimme:
„Sie sind nicht bei einem Autounfall gestorben!"
Ich schlich näher durch den Vorgarten und ans Küchenfenster heran. Jetzt konnte ich alles verstehen. Und es erfüllte mich mit Entsetzen.
„Sind sie sehr wohl, du frecher kleiner Lügner!", keifte eine angetrunkene Frauenstimme. „Und sie haben dich zurückgelassen als Last für ihre anständigen, hartarbeitenden Verwandten! Du bist ein unverschämter, undankbarer, kleiner –"
Die Frau sprach nicht zu Ende. Ich stand wie erstarrt unter dem geöffnetem Fenster. Das durfte nicht wahr sein. Nein, bitte es durfte einfach nicht wahr sein.
Ehe ich weiter denken konnte, ertönten plötzlich Schreie!
„Magda!"
„Neeeeeeeeeein!"
Hundegebell mischte sich darunter!
Überrascht wich ich vom Fenster zurück, so weit, bis ich sehen konnte, was drinnen vor sich ging. Eine sehr dicke Frau, ganz in Tweed eingepackt hing schreiend an der Decke: Aufgeblasen, wie es schien. Ein, ihr sehr ähnlicher, Mann mit Schnurrbart versuchte sie hinunter zuziehen, wobei ihn jedoch der Hund störte, der sich in seinem Bein fest gebissen hatte. Im Hintergrund sah ich nur noch einen Schatten aus dem Esszimmer verschwinden. Der bullige Mann schien das auch bemerkt zu haben, denn mit einem wütenden Schrei riss er sich von der Bulldogge los und stürmte hinaus, dem Missetäter nach.
„Komm zurück!", hörte ich ihn brüllen. „Komm rein und bring sie wieder in Ordnung!"
Und ich hörte die Antwort eines Jugendlichen. Harry, schoss es mir durch den Kopf.
„Sie hat es verdient! Sie hat es verdient – und du bleibst mir vom Hals!" Im nächsten Moment hörte ich die Wohnungstür zuschlagen. „Ich gehe! Mir reichts!"
Langsam wich ich vom Fenster zurück und hätte innerlich fast aufgelacht – James Sohn, eindeutig. Dann wandte ich mich um, huschte den Weg im Vorgarten wieder zurück und schlüpfte aus dem offen stehendem Gatter. Einige Meter vor mir lief jemand. Ich schlich vorsichtig den impulsiven Schritten und dem Schleifgeräusch eines Koffers hinterher. Eine Ecke weiter und noch mal um eine Biegung. Die Gestalt wurde langsamer und blieb schließlich stehen – im Licht einer Straßenlaterne. Ich huschte in eine nebenliegende Gasse.
Harry wandte sich um und blickte zurück.
Und mir blieb das Herz stehen.
„James!", keuchte ich, was in Hundesprache ein unterdrücktes Jaulen zu sein schien.
Die Zeit blieb stehen. Kalter Wind kam auf und strich dem schlanken Jungen, von 13 Jahren die reichlich durcheinander geratenen schwarzen Haare aus den Augen. Und das half auch nicht gerade, denn ich sah, wie sich das Licht der Laterne in Smaragdgrün spiegelte. Harry war ein haargenaues Abbild von James, ausgeschmückt mit den wunderschönen Augen Lilys. Und da war es wieder. Dieses bittersüße Gefühl in der Brust, doch diesmal schmerzte es nicht. Es wärmte. Ein riesiger Klumpen Eis schien in mir auf einmal aufzutauen.
Harry setzte sich auf eine kleine Gartenmauer und blickte lange auf den Asphalt, bis er einen Entschluss zu fassen schien und wieder auf den Bürgersteig sprang. Er kniete sich hin und öffnete seinen Koffer, den er die ganze Zeit mühevoll mit geschleppt hatte. Er begann, ungeduldig nach etwas zu suchen. Ich schlich ein wenig näher heran. Mit jedem Zentimeter, den ich näher kam, wurde die Ähnlichkeit mit James verblüffender. Und die grünen Augen schienen selbst in dieser Dunkelheit zu leuchten. Und wie ein Ausschnitt eines Films erschien vor mir die Leiche Lilys und ich sah in genau dieselben grünen, mit Gold gesprenkelten Augen, nur mit dem Unterschied, dass sie nicht mehr leuchteten, sondern tot und mit stummen Vorwurf zu mir hinaufstarrten.
Ich starrte ihren Sohn an und hätte wie immer am Liebsten geweint, was wie immer nicht ging.
Plötzlich versteifte sich Harry. Er erhob sich, wandte sich um und starrte genau zu mir hinüber, als hätte er den siebten Sinn. Ich regte mich nicht.
Nach einer halben Minute drehte er sich wieder um, kniete erneut nieder, doch fast sofort stand er schon wieder auf. Diesmal wirbelte er zu mir herum, ich erkannte einen gezückten Zauberstaub und schön ertönte ein „Lumos!", in der Nacht. Gleißendes Licht blendete mich. Ich riss die Augen auf und Harry ebenfalls, der nun anfing, vor mir zurückzuweichen.
Das war der Punkt, an dem ich herumwirbelte und rannte.
Immer noch mit diesem bittersüßem Gefühl in der Brust.
Lasst mir doch ein kleines Review da, ja? BITTE! Ich geb mir solche Mühe mit der Story!
Eure Annie
