Auf zum nächsten Kapitel! Halt, vorher noch die Antworten auf eure Reviews!
tinichan: Fiesling? Was denn, habe ich mit meiner kleinen Anspielung etwa keinen Erfolg gehabt? Die Reaktion war teilweise genau die, die ich erwartet habe. Danke für dien Review – weiter geht's!
Sandy123:
Hast wieder gut Luft? „also ganz am anfang hab ich echt gedacht das
du harry sterben lassen wirst, aba da harry ja die hauptfigur ist
glaub ich das net," Wieso nicht? Denkst du ich trau mich nicht oder
ich schaffe es nicht? Tja, das mit Fudge – die Hoffnung stirbt
zuletzt.
So,
nun erfährst du, wie es weiter geht!
hdagdl!
R.E.M.us:
Sie müssen leiden? WO? Zeig mir den Übeltäter, das
darf niemand! Ach übrigens, es gibt einen
„Ich-hasse-bepa-club" willst mit einsteigen? Sind bestimmt noch
Plätze frei. Fudge bekommt noch was er verdient, warte ab!
Mal
sehen wie dir dieses Kapitel gefällt.
Obelix72:
Noch einer! Im Club ist auch bestimmt noch ein Platz frei. Wie
wär's?
Ja, ja, mach nur, verweichliche sie nur! Hermines
Gewicht? Hmmm… was meinst du damit? Harry jedenfalls wollte Hermine
nur ärgern, damit sie von ihm runter geht und er aufstehen kann
– MEHR nicht! Auch für dich – Fudge bekommt noch was ihm
zusteht.
Ich
kann gar nicht fies und gemein sein! Ich weiß gar nicht, wer
das Gerücht in die Welt gesetzt hat. :-(
Hermine
Potter: DANKE, DANKE, DANKE! Bin gespannt, was du von diesem
hältst.
Gruß,
bepa!
Harry Black Potter: Danke fürs Spitzenklasse! Mal sehen, ob du von Kap. 21 auch so begeistert bist, auch wenn du wieder soooo lange drauf warten musstest.
HarryHermine:
„Was sollte sie denn ohne ihren Harry machen? Wenn, dann müssen
beide sterben gerade voll den Massenmord plant ;-)" Deine
Argumente sind toll, aber vielleicht liegst du da ja gar nicht soooo
falsch! Wer weiß, was mein ‚krankes' Hirn noch alles so
geplant hat? Ich habe mich schon lange nicht mehr mit ihm
unterhalten.
Teil
eins – Der Anfang vom Ende – wird etwa an die 30 Kapitel haben.
Du
siehst, Schnell hat sich totgelaufen – da hat Schnell ja was gemein
mit Harry ;-)
kurai91: Danke, weiter geht's!
korksie:
NOCH LEBT ER! Freu dich nicht zu früh! Na klar frage ich dich
das wirklich! Für Ideen bin ich immer offen. ;-)
DANKE!
Vielleicht kann ich dich auch für dieses Kapitel begeistern.
Jen1307:
Hi, Jen! Den größten Teil haben wir ja schon über
icq besprochen, hier nur noch mal was kurzes – passig zu deinem
Review.
Du
hast tatsächlich Angstzustände wenn du meine FF liest? Das
ist aber nicht meine Absicht!
„Ganz
ehrlich, ich wusste das du den Burschen nicht wegsterben lässt
(zumindest jetzt noch nicht, UND WEHE WENN. ICH WEIß WO DU
WOHNST...so ungefähr -kleinlaut-. Nich dass ich es dir nicht
zutrauen würde...deine sardistische Arder hat schon zu oft
bewiesen, dass sie keine Gnade zeigt, ja nicht einmal zu kenn
scheint...aber dann hättes es ja keinen Haupdarsteller mehr
geben, ergo keine Geschichte mehr, ne." Dazu sage ich jetzt mal
nix! Gab es da nicht noch einen Bepa-Club, den jemand gegründet
hat? Wie war das noch mal? Vielleicht kann Obelix72 da helfen.
Obelix?
Ich
möchte nicht, dass du dir deine Lippen wegen meiner FF blutig
beißt! Was kann ich da gegen tun? Ah, ich glaube, Kap. 21 wird
dir dabei helfen. Lies es einfach und du wirst sehen!
Echt
mal, jedes mal so ein kurzes Review. Nehm dir doch mal ein Beispiel
an laser-jet - er braucht fast eine DIN A 4 Seite um sich
mitzuteilen. Versuch es doch mal einfach!
Danke
für dein nettes, wenn auch äußerst kurzes Review.
alyssa03:
Ich hätte mal gern dein Gesichtsausdruck auf meinen ersten Satz
gesehen! ;-) Freut mich, dass dir das Kap. gefallen hat, ich fand es
ja nicht soooo spannend. Daher der kleine Satz am Anfang.
Na, dank
mir bloß nicht zu früh – wer weiß!
So, nun zu deinem zweiten Review! Das mit der Anspielung von Obelix72 auf Hermines Gewicht war etwas daneben – er war etwas zu voreilig. Eigentlich wollte Harry seine Hermine nur ärgern, damit sie von ihm runter geht und er endlich aufstehen kann. Ich habe Obelix nicht umgebracht – glaube ich zumindest, gestern hat er noch gelebt – aber er sollte so etwas nieeeee wieder tun, das war gemein! Aber STOP! So was denkst du von mir? Jetzt bin ich aber deprimiert. Die FF wird an die 30 Kapitel und eine Fortsetzung haben.
DKub:
Wer behauptet das? Ich! Ich fand es wirklich nicht sooo berauschend,
aber umso mehr freut es mich, dass es dir gefallen hat. Abgesehen von
einigen Fehlern. ;-)
Der
Tod hat es sich's halt noch mal anders überlegt, wer weiß
schon was in dessen Kopf vor sich geht. Außerdem ist der Tod
nicht das Ende – für mache aber eine Erlösung und
Wohltat.
Ich
versuche mein Bestes die Kap. immer voll Spannung zu halten. Ich
hoffe, es ist mir auch dieses Mal gelungen!
Joanna: Hier kommt noch ein neues, wenn auch ziemlich spät.
HexeLea: Ich wehre mich aufs Schärfste - ich lasse Harry nicht leiden! Wie kommst du nur darauf? Überzeug dich mit dem neuen Kapitel! DANKE für dein Review!
kathleen potter: Macht doch nichts! Viel länger musst du auf meine Kapitel warten. Ich hoffe, es lohnt sich diesmal auch es zu lesen! Tja, die Sache mit Harry – wird er sterben oder nicht? Es wird einen zweiten Teil geben, aber brauche ich dafür sooo dringend Harry?
Josy: Hey, nicht schmelzen! Ich enttäusche dich nie? Auch dieses Mal nicht? Du hast mir noch nicht gesagt, wie du es fandest. Bin schon gespannt auf deine Meinung.
laser-jet: So, nun zu dir! Harry tot - bepa tot? Na, das ist ja wohl nicht dein Ernst, oder etwa doch? Das kannst du doch gar nicht! Warum schiebst du Marc vor, wenn du doch ein Review schriebst. Warte auf dein Urteil.
canim: Danke! Ich hoffe, dir gefällt auch dieses.
Ron-Weasley: Tut mir unendlich leid, dass du soooo lange auf ein neues Kapitel warten musstest, aber… Na ja, vielleicht entschädigt dich dieses dafür.
chica: Danke! Jetzt! Ich finde Ron überhaupt nicht zu jung um Vater zu werden. Die beiden sind 19, werden bald 20 – in dem Alter hatten meine Eltern mich bereits. 20 ist das perfekte Alter um Eltern zu werden. Wenn dein erstes Kind dann 20 ist, bist du erst Anfang 40 – Blutjung! Was will man mehr?
HarryRiddle1984: Tut mir unendlich Leid, aber jetzt geht es weiter! Warte mit Spannung auf dein Urteil!
Ich hoffe, ich habe niemanden vergessen. Es waren soooo viele liebe und nette Reviews. DANKESCHÖN!
Nun
noch zu meinen Betalesern: Erstmal ein Dankeschön an Josy, die
trotz der Läge des Kapitels nicht die Lust daran verloren hat.
;-)
Obelix72
– DANKE! Wie kann ich das wieder gut machen? Er hat sich den
Hintern aufgerissen (uhhh, ich hoffe, es geht dir wieder gut!) um das
Kapitel für heute noch fertig zu bekommen. Meine ganzen Fehler
haben ihm bestimmt schlaflose Nächte bereitet. Ohne dich wäre
ich verloren gewesen! Ach ja, vielen Dank für die Tüte mit
Ausrufezeichen! Ich hoffe, mit dem nächsten hast du nicht sooooo
viel Arbeit!
Wie
auch sonst:
Die Story ist auf den 5 HP-Büchern aufgebaut.
Alle Figuren, die ihr aus den Büchern von J.K.Rowling kennt,
gehören ihr. Das, was ihr nicht aus ihren Büchern kennt,
ist zum größten Teil auf meinem Mist gewachsen. Ich
verdiene mit dieser Geschichte keinen einzigen Cent und möchte
mit dieser auch niemanden zu nahe treten. Eine kleine Entschuldigung
an dieser Stelle für alles, was ich den Figuren des
HP-Universums angetan habe und noch antun werde!
Also, alles
gehört ihr und mir nix.
Kapitel 21 Visionen bewahrheiten sich
„Mum? Dad?", fragte Hermine erschrocken und sah sich mit weiten Augen um. Doch da war niemand. Fragend blickte sie Harry an. „Wärst du einverstanden, wenn wir noch zwei Gedecke mehr auf den Tisch stellen?" Und mit einer leichten Bewegung seines Arms in die Richtung, aus der die Stimmen zu kommen schienen, hob Harry die Tarnung von Hermines Eltern auf. Mit Freudentränen in den Augen lief Hermine auf ihre Eltern zu und zog beide gleichzeitig in eine Umarmung. „Hey, wir freuen uns auch dich zu sehen!", drückte ihre Mutter sie fest an sich. „Ich habe euch so vermisst!", sagte Hermine leise, während sich die Tränen unaufhaltsam ihren Weg bahnten. Auch für ihre Mutter war es unmöglich, ihre Tränen zurückzuhalten. „Wenn wir gewusst hätten, dass du für Harry etwas Besonderes geplant hast, wären wir natürlich nicht mitgekommen!", lächelte ihr Vater. Hermine sowie auch Harry liefen dank dieser Anspielung rot an. Hermine sah ihren Verlobten liebevoll an, bevor sie sich wieder zu ihren Eltern umdrehte und sich nochmals in die Arme nehmen ließ.
Harry
wollte das kleine Wiedersehen zwischen Hermine und ihren Eltern nicht
stören. Mit einer Handbewegung über den Tisch ließ er
noch zwei weitere Gedecke erscheinen und entfernte sich leise von
ihnen. Auch wenn er sich für Hermine freute, tat es ihm weh –
er wollte es nur nicht zugeben. Er hatte zwar in den Weasleys, die
ihn immer wie einen Sohn behandelt haben, in den letzten Jahren eine
Familie gefunden, doch trotzdem hätte er auch gern gewusst, wie
es ist seine wirkliche Familie zu umarmen.
Harry
stand schon an der Treppe, die zum zweiten Stockwerk führte, als
er Hermine aus dem Esszimmer seinen Namen rufen hörte: „Harry?"
Der Gerufene schloss seine Augen und atmete tief durch. „Ich bin
hier!", antwortete er und drehte sich wieder um.
Hermine
folgte seinem Ruf und nur wenige Sekunden später war sie bei
ihm. Mit noch immer nassen Augen stand sie vor ihm und wusste nicht
so recht wie sie sich verhalten sollte. Er wirkte so bedrückt,
aber warum? „Harry, ist alles in Ordnung mit dir?"
Harry
blickte in ihre fragenden Augen, in denen er Sorge erkennen konnte.
Gefühlvoll nahm er ihr Gesicht in beide Hände. Ein sanfter
Kuss auf ihre weichen Lippen und „Du brauchst dir um mich keine
Sorgen machen! Ich bin nur ein wenig angeschlagen und ausgelaugt",
ließen sie wieder etwas beruhigter wirken. „Ich wollte mich
nur frisch machen und etwas…" Er sah sie von oben bis unten an
und Verlangen spiegelte sich in seinen Augen wieder. „…Passendes
anziehen. Obwohl", lächelte er verschmitzt, „neben dir jeder
verblassen würde, egal was er anhätte." „Charmeur! Ich
wette, das sagst du zu jeder Frau", erwiderte Hermine und musste
dabei ein Grinsen unterdrücken. „Zu fast jeder!", entgegnete
Harry und nahm sie in den Arm. „Das was ich nur dir sagen würde,
erfährst du heute Nacht."
„Danke,
das du das für mich getan hast!", fuhr Hermine ihm mit ihren
Fingern durchs Haar. „Ich möchte doch nur, dass du glücklich
bist. Du musst schon genug…" Hermine hatte ihre Finger auf seine
Lippen gelegt und schüttelte leicht ihren Kopf. „Wenn du bei
mir bist, bin ich immer glücklich!" Oh, dieser Satz! Wieder
kamen Schuldgefühle in ihm auf. War sie wirklich glücklich?
Immerhin hat sie ihr ‚Leben' für ihn aufgegeben.
Harry
hatte ihr bis jetzt nur wehgetan und sie belogen. Er war zu feige, um
ihr die Wahrheit zu sagen. ‚Feige' Bei dem Gedanken musste er
innerlich auflachen. Er, Harry Potter, war die letzte Hoffnung für
die Zauberwelt, das hatte man ihm oft genug gesagt. Seine Aufgabe war
es, Voldemort zu vernichten, damit jeder ‚glücklich' und in
Sicherheit leben konnte. Doch hatte er seine Aufgabe noch nicht
erfüllt. Nicht mal ansatzweise. Nicht mal einen Kratzer hatte er
ihm zugefügt. Dafür aber Voldemort ihm. All dies zeigte
Harry, wie schwach er eigentlich war – wie schwach er sich vorkam.
Harry
und Hermine hatten nicht mitbekommen, dass sie beobachtet wurden. Die
Grangers waren stolz auf ihre Tochter. Stolz darauf, wie sie mit der
ganzen Situation umging, wie sie zu Harry hielt. Aber sie tat ihnen
auch mehr als leid. Sie hatte sich so viel vorgenommen und noch
nichts davon erreicht. Was hatte sie ihnen alles erzählt? Sie
wollte Jura studieren und B.ELFE.R weiter entwickeln. Das alles hatte
sie für nur einen Mann aufgegeben, für den Mann, den sie
über alles liebte.
„Wenn
ihr beide allein sein wollt, verstehen wir das!", sagte Hermines
Mutter und ihr Vater pflichtete seiner Frau mit einem Nicken bei.
„Ihr habt schon so wenig Zeit für einander, nutzt euer
Wochenende." Sie waren beruhigt, dass es ihrer Tochter gut ging –
körperlich jedenfalls. Wie es ihr seelisch ging, vermochten sie
nicht mal zu ahnen. Zu gut hatte Hermine sich verstellt. Aber wie
lange würde sie das noch durchhalten?
„Nein,
bitte bleiben Sie! Sie haben ihre Tochter schon eine Weile nicht
gesehen. Unser Wochenende können wir immer noch nachholen",
bemerkte Harry. „Geh mit deinen Eltern ins Esszimmer, ich bin
gleich bei euch!", wandte Harry sich an Hermine und gab ihr einen
liebevollen Kuss.
Hermine kam Harrys Wunsch nach und führte ihre Eltern zurück ins Esszimmer. „Ich freue mich so, dass ihr da seid. Ich weiß gar nicht, wie ich Harry das danken soll", sagte Hermine überglücklich, als ihre Mutter sie in den Arm nahm. „Harry weiß, dass du ihm dankbar bist. Er liebt dich! Und er will dir damit auch zeigen, wie dankbar er dir dafür ist, dass du das alles für ihn tust."
„Nein,
bitte nicht jetzt!", stöhnte Harry. Schwankend stand er im
Schlafzimmer vor dem Schrank. Bilder wie Hermine tot vor ihm auf dem
Boden lag, traten ihm vor Augen, Bilder die er nicht abschütteln
konnte. Immer deutlicher wurden sie. Er drehte sich um und hielt
seinen Kopf mit beiden Händen. Langsam rutschte er am Schrank zu
Boden und blieb in der Hocke sitzen.
Was
hatte er ihr nur angetan? Womit hatte sie so etwas verdient? Sie
würde alles für ihn tun, das hatte sie bereits mehr als
bewiesen. Warum hatte er ihr nicht die Wahrheit gesagt, sie über
die Prophezeiung aufgeklärt? War es vielleicht schon zu spät?
Und wenn er ihr von der Prophezeiung erzählen würde, was
würde dann geschehen? Würde sie noch bei ihm bleiben, zu
ihm stehen, waren seine Sorgen. Wie würde sie es aufnehmen? Er
hatte es ihr schon zu lange verschwiegen, sie zu lange belogen. Den
‚richtigen' Zeitpunkt hatte er schon längst verpasst.
Egal
wann er es ihr sagen würde, er könnte nichts daran ändern.
Hermine würde seinetwegen sterben - dies hatte er oft genug
gesehen. Dumbledore hatte mal gesagt, dass Visionen verhindert werden
können. Doch wie stark müsste ein Mensch sein, um diese
Vision zu verhindern? Harry kam sich im Moment alles andere als stark
und mächtig vor. Das er die letzte Hoffnung sein soll, klang in
seinen Ohren lächerlich. Seinetwegen war die Zauberwelt
verloren, machte er sich zum Vorwurf. Voldemort würde weiter
morden, jeden vernichten, der sich ihm in den Weg stellt. Harry hatte
keine Ahnung, wie er all das verhindern sollte. Seine Versuche
Voldemort zu vernichten blieben bisher ohne Erfolg. Laut Prophezeiung
soll Harry eine Macht besitzen, die der Dunkle Lord nicht kennt. Doch
er kannte sie selbst noch nicht! Wie um Himmelswillen sollte er die
Erwartungen erfüllen, die an ihn gestellt wurden?
Das
Essen welches Hermine zubereitet hatte, schmeckte köstlich. Gern
hätte Harry mehr probiert, doch er konnte nicht mehr. Er war so
was von satt.
„Wie
war überhaupt dein Gespräch mit Fudge?", fragte Hermine
nachdem Harry den Tisch abgeräumt hatte. Harry verzog seinen
Mund. „Das willst du nicht wirklich wissen!" Da hatte er sich
aber getäuscht. Natürlich wollte Hermine wissen, was Fudge
ihm so hübsches an den Kopf gedonnert hat. Hätte sie sonst
gefragt? „Es interessiert mich, aber wenn du es nicht sagen darfst,
kann ich es durchaus verstehen." Harry lächelte sie
verschmitzt an. „Er ist sauer, aber wie!" Für diesen Satz
erntete er entsetze Blicke von Hermine. „Er dachte, mich aus der
Reserve locken zu können, doch da hatte er sich geschnitten. Ich
bin ruhig geblieben und das hat ihn nur noch wütender gemacht.
Teilweise war es doch recht amüsant." „Und was hat er dir an
den Kopf geworfen?", fragte Hermine weiter. Sie hatte das Gefühl,
dass Harry sich um eine richtige Antwort drücken wollte. „Er
meint, dass ich es nicht wert sei ein Auror zu sein und dass er seine
Entscheidung, mich eingestellt zu haben, bereits mehr als bereuen
würde. So in etwa jedenfalls." „Was heißt: ‚So in
etwa'?" „Na ja, ich meine damit, dass er noch mehr gesagt hat,
aber eigentlich alles auf dasselbe hinausläuft. Er hält
mich für unfähig, dabei hat er Angst vor mir." Harry
erzählte ihnen alles, außer das was Fudge über
Hermine gesagt hatte.
„Er
will dich ins Gefängnis bringen? Der hat sie doch nicht mehr
alle! Warum will er…" „Das fragen wir uns auch", wurde
Hermine von Harry unterbrochen. Auch die Grangers hörten
aufmerksam zu. „Wir nehmen an, dass er entweder mit Voldemort
zusammenarbeitet oder zumindest von ihm manipuliert wird. Besser wäre
für uns natürlich, wenn er freiwillig auf seine Seite
gewechselt hätte, dann wüssten wir woran wir bei ihm sind
und könnten gezielter gegen ihn vorgehen." „Kann diesen Mann
– wie heißt er gleich noch mal? Vol…" „Voldemort",
verbesserte Hermine ihre Mutter. „Genau, kann ihn denn niemand
aufhalten?" „Anscheinend nicht, wir haben jedenfalls noch nichts
gefunden, was ihn aufhalten könnte." „Harry", meldete sich
Mr Granger, „du musst vorsichtig sein! Wenn dieser Minister
tatsächlich versucht… Harry?" „Harry!" Hermine legte
ihre Hand auf seine Schulter. „Harry, hörst du mich?" Er
antwortete nicht. Er schien sie wirklich nicht zu hören, nicht
mal wahrzunehmen. Abwesend saß er am Tisch und sein Blick
wirkte glasig. „Was hast du?", begann Hermine ihn zu schütteln.
Harry verzog keine Miene. Einen Augenblick später fing Harry an
seinen Kopf zu schütteln und seine Augen zusammenzukneifen.
„Harry, komm wieder zu dir!", bat Hermine und nahm sein Gesicht
in beide Hände, so dass er sie ansehen musste. Er sah aus, als
wenn er mit seinen Gedanken in einer völlig anderen Welt wäre.
„Harry,
sieh mich an! Harry, du sollst mich ansehen!" „Was?", erwachte
Harry wieder aus seiner Trance. Er schien aufgeregt zu sein. Hastig
sah er sich im Esszimmer um. Was war nur passiert? „Harry, was war
mit dir los?" Er überlegte einen Moment und sah in das
ängstliche Gesicht seiner Hermine. „Es war nichts, Hermine,
ich habe nur über etwas nachgedacht und war dabei wohl etwas
abwesend", log Harry. Seine Ausrede für sich selbst war mal
wieder, dass er Hermine nicht noch mehr beunruhigen wollte. Doch das
er damit genau das Gegenteil hervorrief, schien er nicht zu bemerken.
Oder wollte er es nicht bemerken? Zu sehr hatte er sich in seiner
Spur festgefahren. Da Hermine ihn immer noch ängstlich ansah,
schenkte er ihr ein liebevolles Lächeln und gab ihr einen
sanften Kuss. „Mit mir ist wirklich alles in Ordnung, mir geht es
gut! Vielleicht ein wenig müde, aber sonst ist alles bestens!"
Zufrieden gab Hermine sich mit dieser Antwort nicht, aber sie wusste,
dass sie von Harry nicht mehr erfahren würde. Er hatte noch nie
freiwillig seine Schwächen gezeigt und würde es mit
Sicherheit auch niemals tun.
Es war mittlerweile schon nach 22 Uhr. Die vier hatten gar nicht bemerkt wie schnell die Zeit vergangen war. „Hermine, was hältst du davon, wenn du deinen Eltern das Zimmer zeigst in dem sie schlafen werden? Und sicherlich möchten sie auch den Rest des Hauses sehen. Du gehst mit ihnen nach oben und ich mache uns frischen Tee. Wenn du deinen Eltern alles gezeigt hast, treffen wir uns im Wohnzimmer wieder." „Gut Idee!", rief Hermine. „Kommt, es wird euch gefallen! Es gibt sogar ein Musikzimmer! Der Flügel ist wundervoll!" Hermines Augen strahlten wieder, was ihre Mutter zufrieden nicken ließ. „Aber den Tee bitte normal kochen!" „Natürlich, Mrs Granger, alles was Sie wünschen!" Lachend machte sich Hermine mit ihrer Mutter und ihrem Vater auf den Weg, ihnen ihr Zimmer und anschließend den Rest des Hauses zu zeigen. Harry hatte es geschafft, Hermine abzulenken. ‚Wann hört das endlich auf?', fragte sich Harry und dachte an die Bilder, die er noch vor wenigen Minuten ertragen musste. Es waren wieder Bilder von Tod und Elend. Wieder einmal hat er gesehen was passiert, wenn er stirbt und die Prophezeiung sich zu Gunsten des Dunklen Lords erfüllt. Wie lange würde er dies noch ertragen ohne durchzudrehen?
So
wie es der Wunsch von Hermines Mutter war, bereitete Harry den Tee
ohne Zauberei zu. Vier Tassen und eine Kanne brachte er ins
Wohnzimmer. Gerade noch rechtzeitig konnte er das Tablett auf dem
Tisch abstellen. Ohne Vorwarnung brach erneut eine Vision über
ihn ein. Es war bereits die dritte an diesen Abend. Wo sollte das
noch hinführen? Es war aber nicht irgendeine seiner bereits
zahlreichen Visionen, sondern genau DIE. Das sich diese Vision
bewahrheiten würde, davor graute ihm am meisten. Das zu
verlieren, was ihm am Wichtigsten ist. Immer stärker wurde die
Vision und immer mehr verlangte sie von ihm ab. Wie bei jeder, die er
durchleben musste, konnte Fawkes ihm auch diesmal nicht helfen.
Abermals
spürte Hermine, dass es Harry nicht gut ging. Krampfhaft hielt
sie ihre Kette fest und starrte mit weiten Augen ihre Eltern an.
„Liebes, was hast du?", fragte ihre Mutter unruhig. Die pure
Angst konnte sie in den braunen Augen ihrer Tochter erkennen. „Harry"
Ganz dünn kam dieses Wort über Hermines Lippen, doch
drückte es alles aus, was sie gerade fühlte – Entsetzen.
Auch wenn Hermine es nur ganz leise gesagt hatte, ihre Mutter ahnte,
dass etwas mit Harry nicht stimmte. Ohne weiter auf ihre Eltern zu
achten, lief sie an ihnen vorbei aus der Bibliothek, in der sie sich
gerade befanden, in Richtung Wohnzimmer, in dem sie Harry vermutete.
Fragend sah Mr Granger seine Frau an, bevor beide ihrer Tochter
folgten. Was, welches Bild würde die Grangers im Wohnzimmer wohl
erwarten?
Hermine
blieb abrupt stehen. Harry kniete auf dem Boden und schien
unvorstellbare Schmerzen zu haben. Trotzdem kamen nur wenige Laute
über seine Lippen – meist nur ein Stöhnen oder ein leises
Keuchen. Immer und immer wieder durchlitt er dieselbe Vision. Wie
oft, konnte er nicht mehr sagen. Seinen Verstand hatte er
ausgeschaltet. Er konnte eh nichts dagegen unternehmen, nur abwarten,
bis es endlich vorbei sein würde.
Mit
weiten und entsetzen Augen traten die Grangers an ihre Tochter heran.
Bestürzung, Erschrockenheit, Fassungslosigkeit – was das
richtige Wort für diesen Anblick von Harry war, vermochten sie
nicht zu sagen.
Hermines
Vater wollte auf Harry zugehen, um ihn aufzuhelfen, doch seine
Tochter hielt ihn zurück. „Nicht, Dad, wir können nichts
daran ändern!" „Aber…" „Dabei können wir ihm
nicht helfen." Kopfschüttelnd und mit Tränen in den Augen
sah sie ihren Vater an, bevor sie selbst auf ihren Verlobten zuging.
„Harry,
hörst du mich?", fragte sie leise. Nichts, keine Antwort.
„Harry, ich bin es, Hermine!" Nur noch ein oder zwei Schritte war
sie von ihm entfernt, als er plötzlich aufsah. Doch was sie dann
sah, ließ sie aufschreien, was sie wiederum versuchte mit ihrer
Hand zu unterdrücken. Wie schon einmal – an Harrys Geburtstag
– war nichts außer dem Weiß in seinen Augen zu sehen.
Hermine
wollte sich zu ihm auf den Boden setzten, doch ließ Harry es
nicht zu. Mit seiner ausgestreckten Hand hinderte er sie daran, ihm
zu helfen. Aber warum? Warum nahm er ihre Hilfe mal wieder nicht an?
Sie wollte doch nur bei ihm sein, ihm zur Seite stehen!
„Nein,
nicht schon wieder!", schrie Harry und kippte zur Seite. Sich vor
Schmerzen krümmend, blieb er liegen. Er ließ den Schild,
welchen er um sich herum aufgebaut hatte, fallen. Seine Kräfte
schienen aufgebraucht zu sein. Mit allerletzten Reserven versuchte er
sich aufzusetzen, was ihm aber nur teilweise gelang. Hermine sank
neben ihm zu Boden und nahm ihn in den Arm. „Harry, ich bin bei
dir", flüsterte sie.
Harry
verlor sein Bewusstsein und der Kopf fiel ihm nach vorn. Vorsichtig
zog Hermine diesen zurück und lehnte ihn an ihre Schulter. „Wir
schaffen das, ich helfe dir so gut ich kann!", raunte sie leise,
während sie langsam – Harry sicher in ihren Armen – vor und
zurück wippte. Sie fühlte sein Herz unter ihre Hand rasen.
Er musste Todesängste ausgestanden haben.
Mr
und Mrs Granger beobachteten, wie liebevoll sich Hermine um Harry
kümmerte. Doch konnten sie nicht sehen, was in ihrer Tochter
vorging. Sie sahen nicht ihre Ängste, die drohten die Oberhand
zu erlangen. Wie viel Selbstbeherrschung hatte Hermine?
Immer
noch wiegte sie Harry vor und zurück, während sie ihm sanft
übers Haar streichelte und liebevolle Worte in sein Ohr hauchte.
„Hermine?",
fragte ihre Mutter. „Fawkes?", rief Hermine, ohne auf ihre Mutter
zu achten. Nur Sekunden später vernahmen sie eine wundervolle
beruhigende Melodie. „Bring Harry bitte noch oben, ich komme sofort
nach!"
„Hermine,
was war das?", fragte ihr Vater entsetzt. „Was ist da eben mit
Harry passiert?" „Es tut mir leid, dass ihr das eben mit ansehen
musstet!", entgegnete Hermine ohne ihren Vater dabei anzusehen. Sie
saß noch genau an der Stelle, an der zuvor Harry in ihren Armen
gelegen hatte.
Langsam
ging ihre Mutter auf sie zu und hockte sich neben sie. „Ist mit dir
alles in Ordnung, Liebling?" „Er hat diese Visionen ständig,
und wir können ihm dabei nicht helfen. Er tut so viel für
uns, doch wir… Selbst Fawkes ist machtlos", sah Hermine mit
nassen Augen auf. „Habt ihr seine Augen gesehen?" Stumm nickten
ihre Eltern. Auch sie haben nichts mehr von dem leuchtenden
Smaragdgrün in Harrys Augen gesehen. „Ich liebe Harry so sehr,
ihm darf nichts passieren! Ich will ihn nicht verlieren!" Zitternd
stand sie auf und musste von ihrer Mutter gestützt werden. „Er
verschweigt mir etwas. Alle anderen scheinen es zu wissen, NUR ICH
NICHT!" Tröstend wurde Hermine von ihrer Mutter in den Arm
genommen. Auch wenn sie nicht wusste um was es ging, sagte sie: „Er
wird seine Gründe dafür haben, vertrau ihm!"
„Was
sind das für… Visionen, die Harry durchmachen muss und wogegen
keiner was tun kann?", kam ihr Vater auf beide zu. Unsicher, ob sie
es ihren Eltern erzählen sollte, sah sie sie an. Wie würden
die beiden es aufnehmen? „Harry hat schon seit seinem siebten
Schuljahr Visionen. Als ich am Ende des Schuljahres mit ihm allein
war, habe ich etwas gesehen, was sicherlich nicht für meine
Augen bestimmt war." „Nicht für deine Augen bestimmt? Was
meinst du damit?", wollte Mr Granger wissen. „Du hast ihm doch
nicht etwa nachspioniert!" „Nein, Dad, wir haben uns geküsst,
und da habe ich durch seine Augen gesehen, was er den Moment
durchlebt hat." „Du hast eine seiner Visionen gesehen?" Ihre
Mutter sah sie erschrocken an. Hermine nickte und überlegte, ob
sie weiter erzählen sollte oder nicht. „Sagst du uns, was du
gesehen hast?", unterbrach ihr Vater ihren Gedankengang. Zögernd
sah sie abwechselnd von ihrer Mutter auf ihren Vater. „Darfst du es
uns nicht erzählen?" Schulterzuckend wandte Hermine ihren
Blick nach oben. Für einen Moment sagte niemand etwas und die
Grangers bemerkten, dass ihre Tochter mit sich rang. „Harry lag tot
auf der Erde und Blut lief aus seiner Narbe", redete sie plötzlich
weiter. „Das ist aber nicht alles!" Hermine wollte es schnell
hinter sich bringen. „Er hat mich sterben sehen." Diese nicht
gerade erfreuliche Neuigkeit trieb Hermines Mutter die Tränen in
die Augen. „Er hat was!", versuchte sie ihre Fassung zu
behalten. Ihr Mann nahm sie tröstend in den Arm. Der Schock, den
seine Tochter ihm gerade verpasst hatte, war nicht zu übersehen.
Beide versuchten sich gegenseitig Halt zu geben. „Er hat gesehen,
wie Voldemort mich umbringt. Und nicht nur mich! Außerdem hatte
er eine Vision über seinen Tod, und auch Visionen darüber
was danach geschehen wird."
Am
liebsten hätten die Grangers ihr einziges Kind sofort mit nach
Hause genommen, doch sie wussten von Albus Dumbledore, dass sie außer
in Hogwarts nirgends wirklich sicher war. Aber auch von Harry hatten
sie noch vor wenigen Stunden gesagt bekommen, dass dieses Haus –
Phönixcastle – und der Grimmauldplatz mit die sichersten Orte
wären.
„Mum,
Dad, Harry wird nicht sterben, und ich auch nicht! Niemand wird es!
Visionen können verhindert werden, sie warnen uns. Harry wird es
schaffen! Er hat so viel Macht, das könnt ihr euch gar nicht
vorstellen." „Warum will dieser Vold... Egal! Warum will dieser
Mann Harry eigentlich umbringen?" Immer neugieriger wurde ihr
Vater.
„Hmm,
aus Rache? Das sagt Harry jedenfalls. Aber es hat irgendetwas mit
dieser Prophezeiung zu tun, das hat er Ron und mir sogar erzählt.
Aber was sie besagt, will er mir nicht sagen." „Und du glaubst
jeder kennt sie, nur du nicht?" „Ich glaube es nicht nur, ich
weiß es! Und das ist es, was mich so ärgert. Wir sind
verlobt und er hat nichts…" Hermine stoppte und sah in die weiten
Augen ihrer Eltern. „Verlobt?", kam es von beiden gleichzeitig.
Schuldbewusst sah Hermine zu Boden. „Ich hatte noch keine
Gelegenheit es euch zu sagen. Ich hätte euch wirklich noch…"
Das was sie wirklich noch…, sollten ihre Eltern nicht mehr
erfahren. Hermines Worte wurden von einer Umarmung ihrer Mutter
erstickt. „Ihr seid nicht sauer?" „Warum sollten wir? Auf was
für Ideen kommst du nur?", nahm nun auch ihr Vater sie in den
Arm. „Geh zu ihm, wir reden später weiter! Harry braucht
dich!"
Vorsichtig,
um Harry nicht zu wecken, legte Hermine sich neben ihm aufs Bett. Mit
einem Lächeln beobachtete sie Harry – es ging ihm gut, das war
das Wichtigste. Wie von allein ging ihre Hand auf Harry zu und
gefühlvoll streichelte sie ihm über die Wange. „Ich liebe
dich!"
„Ich
liebe dich auch, Hermine!" „Entschuldige bitte, ich wollte dich
nicht wecken. Ich…" „Machst du dir etwa Vorwürfe, weil du
mich so sanft aus dem Schlaf geholt hast?", lächelte Harry.
Seine Stimme klang noch sehr schwach. Selbst bei diesen wenigen
Worten musste er mehrmals stoppen. „Kann ich etwas für dich
tun?", fragte Hermine Harry und gab ihm einen zärtlichen Kuss,
den er kaum merklich erwiderte. Das Gefühl, welches Hermines
Lippen auf seinen hinterließen, wollte er nie wieder missen.
Ein dankbares Lächeln schlich sich über sein Gesicht.
„Nein, Hermine, du tust schon so viel für mich! Bleib bei mir
und halt mich fest - halt mich einfach nur fest!"
Hermine
kam Harrys Wunsch nach und nahm ihn in eine Umarmung. Ihn fest an
sich gedrückt, sagte sie: „Ich bleibe für immer bei dir!"
Sie strahlte eine unbeschreibliche Wärme und aufflammende
Hoffnung aus. Dieses Gefühl kam ihm mehr als nur bekannt vor.
Fawkes hinterließ ebenfalls dieses Gefühl in ihm, wenn er
jegliche Hoffnung verloren hatte. Doch wie konnte es möglich
sein? Es war zwar nicht so stark wie das vom Phönix, aber es war
zu spüren und äußerst angenehm.
Hermines
Nähe und Fawkes sorgten dafür, dass Harry ruhig einschlief.
Gemeinsam
mit ihren Eltern saß Hermine im Wohnzimmer und unterhielt sich
über das, was zuvor geschehen war, als Remus auf dem Flur
apparierte. „Harry?", rief er und sah sich um. „Harry, wo
steckst du? Warum meldest du dich nicht? Hermine?" Hermine trat mit
roten und müden Augen aus dem Wohnzimmer. „Hermine, wo ist
Harry? Tut mir leid, dass ich euch stören muss, aber Tonks…",
begann Remus sein plötzliches Erscheinen zu erklären. Erst
als Hermine direkt vor ihm stand, bemerkte er, dass etwas nicht
stimmen konnte. „Was ist passiert, Hermine? Wie siehst du aus?"
Hermine wischte sich die Tränen aus ihrem Gesicht. „Harry…
Er hatte wieder eine seiner Visionen. Es war grauenvoll, Remus!"
„Wo ist er jetzt?", fragte er sichtlich geschockt. Hermine wirkte
verzweifelt. „Darf ich?" Sie nickte niedergeschlagen, bevor ihr
einfiel, dass Remus etwas von Tonks gesagt hatte. „Remus, was ist
mit Tonks?", fragte sie, während beide die Treppen
hochstiegen.
„Wir
sind in einen Hinterhalt geraten und Tonks wurde dabei schwer
verletzt. Wir brauchen Harry und Fawkes, damit sie überlebt."
Entsetzen trat auf Hermines Gesicht. „Eine Falle, und Tonks wurde
verletzt?"
Harry
schlug die Augen auf und setzte sich kerzengerade ins Bett, nur um
gleich wieder nach hinten zu fallen. Immer noch hatte er nicht
genügend Kraft. Wie oft musste er diese Vision durchlebt haben,
dass es ihn so sehr geschwächt hat? Fawkes hatte es bis jetzt
immer geschafft, dass Harry bereits nach wenigen Minuten wieder bei
Kräften war. Noch nie hatte es länger als eine halbe Stunde
gedauert, doch jetzt zeigte die Uhr mittlerweile nach eins an.
Besorgt
lief Hermine zu ihm. „Ganz ruhig, Harry!", versuchte sie ihn zur
Ruhe zu bringen. „Was ist passiert?", fragte Harry und versuchte
sich mit Hermines Hilfe erneut aufzusetzen. Remus trat ans Bett: „Wir
hatten erfahren, dass Todesser erneut Muggel angegriffen haben, nur
leider war es eine Falle. Als wir ankamen, waren alle Muggel bereits
tot. Das blanke Entsetzen stand auf ihren bleichen Gesichtern. Wir
wollten gerade nachsehen ob es noch Überlebende gab, da haben
uns die Todesser angegriffen. Sie waren uns zahlenmäßig
weit überlegen und hatten uns schnell eingekreist. Ein
Antiapparationszauber hatte es unmöglich gemacht zu
disapparieren. Wir saßen fest." Remus stoppte. Der Gedanke an
das, was er den beiden gleich erzählen würde, jagte ihm
einen kalten Schauer über den Rücken. Immer wieder sah er
dieses Bild. „Mehrere Todesser – ich weiß nicht genau wie
viele es waren, vielleicht acht oder neun – haben Tonks angegriffen
und gleichzeitig mit Flüchen gefoltert. ‚Potter, komm, wo
steckst du? Rette deine armseligen Freunde!', riefen sie." „Warum
habt ihr mich nicht gerufen?", fragte Harry ärgerlich. „Ich
hätte euch helfen können! Ihr habt…" „Wir haben dich
gerufen, sogar mehrmals", verteidigte sich Remus, „doch du hast
nicht geantwortet. Nur durch den Fehler eines Todessers konnten wir
uns befreien. Wer weiß, wie es sonst ausgegangen wäre! Sie
kamen aus allen Richtungen!" „Ich habe nichts gespürt, gar
nichts", entgegnete Harry wahrheitsgetreu, doch verstand er nicht
warum. Harry hatte das Gefühl sich übergeben zu müssen.
Er fing an zu würgen und immer schneller wurde seine Atmung. Er
hatte seine Freunde im Stich gelassen, ging ihm durch den Kopf.
Einfach Voldemort und seinen Todessern überlassen. „Harry,
ganz ruhig atmen! Harry, hörst du mich? Beruhige dich doch
wieder!", flehte Hermine und strich ihm über den Rücken.
„Warum habe ich euch nicht gehört? Verdammt, warum nicht?
Während ich hier im Bett gelegen habe, habt ihr…" „Harry,
hör endlich auf und beruhige dich! Wenn du sagst, du hast uns
nicht gehört, dann glaube ich dir das auch. Mach dir bitte keine
Vorwürfe!" „Aber…", wollte Harry dagegen reden, als
Remus ihm über den Mund fuhr. „Nichts ‚aber'", sagte er
entschieden. „Sieh dich an, du siehst aus, als wenn dich jemand mit
Flüchen eingedeckt hätte!" Harry wollte nicht glauben,
was Remus ihm eben erzählt hatte. Das alles war mal wieder nur
seinetwegen passiert!
„Wo
ist Tonks, und wie geht es ihr?" Harry kratzte jegliche Kraft
zusammen und stand auf. „Sie ist im St. Mungo und ihr geht es alles
andere als gut. Wir brauchen dringend deine Hilfe. Die Heiler haben
die äußeren Wunden geheilt, aber… Sie meinten, dass sie
in einer Art Koma liegt und nicht wieder aufwachen wird. Laut den
Heilern können wir froh sein, dass sie überhaupt noch
atmet. Ihr Gehirn ist zu stark beschädigt."
Mit
einer einzigen Handbewegung hatte Harry frische Sachen an. Er wollte
nicht noch mehr Zeit verlieren. Entschlossen ging er auf Remus zu,
doch drohte er auf halber Strecke das Gleichgewicht zu verlieren.
„Harry, vorsichtig!" Schwankend stand er vor Remus. „Lass und
gehen, Tonks wartet!" „Harry?", rief Hermine, was ihn dazu
veranlasste, sich umzudrehen. Ängstlich klang ihre Stimme und
immer noch war Entsetzen auf ihrem Gesicht zu erkennen. „Pass bitte
auf dich auf!", flüsterte sie nun mit brüchiger Stimme,
als würden dies die letzten Worte sein, die sie Harry jemals
wieder sagen würde. Er ging lächelnd auf sie zu und nahm
ihre Hände in die seinen. Sanft hauchte er auf jeden Handrücken
einen Kuss und anschließend auf ihre zarten Lippen.
„Versprochen! Ich bin gleich wieder bei dir!"
„Was
ist hier los?", kamen Mr und Mrs Granger ins Schlafzimmer ihre
Tochter und ihres zukünftigen Schwiegersohnes. „Harry, was
hast du vor? Leg dich bitte wieder hin!" „Mum, lass ihn gehen!"
„Aber, Hermine, sieh ihn dir an! Harry kann doch nicht…" „Ich
muss, Mrs Granger!", war das Letzte, was sie von Harry hörten.
Ein Kopfnicken von ihm in Remus Richtung und lautlos apparierte er
gefolgt von Remus ins St. Mungo.
„Hermine,
was sollte das?", fragte ihr Vater erstaunt. „Lasst mich bitte,
ich kann nicht mehr!", rutschte sie weinend an der Wand zu Boden.
Im
St. Mungo angekommen, ging Harry sofort auf das Bett von Tonks zu.
Kingsley, Arthur, Bill und Charlie standen neben der bewusstlosen
Tonks.
„Verdammt,
Harry, wo hast du gesteckt? Wir haben dich gebraucht!", stellte
Bill sich Harry wütend in den Weg. „Sie hat dich gebraucht!",
schrie er fast und stieß Harry mit seinem Finger so hart gegen
die Brust, so dass er einen Schritt nach hinten machte. „Bill,
ich…" „Wenn sie irgendwelche Schäden zurück behält,
nicht wieder aufwacht oder stirbt, Harry – ich schwöre dir
Harry, du wirst es bereuen!", unterbrach Bill ihn. „Bill, was
soll das? Du tust ihm Unrecht! Reiß dich gefälligst
zusammen! Überlege mal bitte, wen du vor dir hast!",
maßregelte sein Vater ihn.
Noch
immer stand Bill unbeherrscht vor Harry und funkelte ihn zornig an.
„Ich werde dir alles erklären" Wie bloß, denn er hatte
ja selber keine Ahnung, weshalb er ihre Hilferufe nicht gehört
hatte. „aber lass mich erst Tonks helfen!", bat Harry ruhig.
Natürlich hätte er sich mit nur einer kleinen Handbewegung
den Weg freimachen können, jedoch konnte er Bill sehr gut
verstehen. Warum nur hatte er die Rufe des Ordens nicht gehört,
ging es ihm immer wieder durch den Kopf. Wütende Augen sahen in
schuldbewusste.
Langsam
trat Bill zur Seite und ermöglichte Harry damit auf Tonks
zuzugehen. Aber Bill hatte es nicht ganz freiwillig getan. Harry
konnte sehen, wie Charlie seinen Bruder zu sich zog. „Spinnst du?",
flüsterte er ihm leise zu.
„Harry,
geht es dir gut? Du siehst aus, als wenn du…" „Nicht jetzt,
Arthur!" Harry wollte nicht noch mehr Zeit verlieren. Er musste
sich erst einmal ein Bild über Tonks Zustand verschaffen. Er
hielt dafür seine rechte Hand, die immer noch etwas zitterte,
über ihren Kopf. Während er den Analysezauber sprach,
ballte sich seine freie Hand zur Faust. „Diese Schweine!",
presste Harry zwischen seinen Zähnen hervor. Betrübt ließ
er seinen Kopf hängen und eine vereinzelte Träne löste
sich. „Was haben dir ihr nur angetan!" Bills Kopf schreckte
hoch. Mit weiten Augen sah er Harry an. Wieder begann
unbeschreibliche Wut in Bill aufzusteigen – Wut auf Harry Potter.
„NEIN!" Hätte Charlie ihn nicht an der Schulter gepackt…
Charlie war sich sicher, dass Bill in seiner Trauer auf Harry
losgegangen wäre. Es waren noch keine zwei Wochen her, dass
Tonks und Bill zueinander gefunden hatten. Und jetzt sah alles danach
aus, dass er sie verlieren würde. Für Bill trug allein
Harry die Schuld an Tonks Situation. Wäre er bei ihnen gewesen,
wäre es gar nicht erst so weit gekommen. Doch Harry war auch nur
ein Mensch, und Menschen machen nun mal Fehler. Aber konnte man dies
als einen Fehler seitens Harrys bezeichnen? Bestimmt nicht, denn er
hatte es nicht mitbekommen, hatte ihre Hilferufe nicht gehört.
Weshalb auch immer.
Harry
begann sich wieder zu konzentrieren und ließ erneut seine Hand
über Tonks Kopf ruhen. ‚Ruhen' war wohl eher das falsche
Wort dafür, denn Harry war nicht mal am Ansatz ruhig. Immer
weiter drang er in Tonks Geist ein. Je weiter er vorstieß,
desto mehr Grauen und Entsetzen sah er. Er konnte alles sehen, was
dieser Abschaum von Todessern ihr angetan hatte. Alles Leid, ihre
Ängste und jeder noch so kleine Schmerz übertrug sich auf
Harry. ‚Fawkes, hilf ihr!', rief er in Gedanken seinen
Phönix. Nur wenige Sekunden später wurde das Krankenzimmer
im St. Mungo von wundervollen Phönixgesängen erfüllt
und kurz darauf begann Tonks zu glühen. Es schien fast so, als
wäre sie von einer Art Feuer umgeben – vielleicht etwas heller
als gewöhnliches Feuer.
Harry
begann zu zittern und auch seine Atmung - und wenn es jemand hätte
fühlen können, sicherlich auch sein Herzschlag – wurde
schneller. Die Anwesenden begannen sich Sorgen zu machen, doch wagte
es niemand die Verbindung zwischen Tonks, Harry und Fawkes zu
trennen.
Es
waren bereits mehr als 2 Stunden vergangen, als die feuerähnlichen
Umrisse, die Tonks umgaben, verschwanden und auch Harry endlich
wieder ruhiger wurde. Er öffnete langsam seine Augen und wandte
seinen Blick in Bills Richtung. „Es geht ihr bald wieder gut!
Fawkes hat…" Doch was Fawkes hat, sollte keiner von ihm erfahren.
Harry begann zu taumeln und hielt sich seinen Kopf. Mit
zusammengekniffenen Augen versuchte er das, was gerade vor seinem
inneren Auge ablief, zu verdrängen. Alles das, was er durch die
Verbindung mit Tonks gesehen und sich auf ihn übertragen hat,
versuchte nun an die Oberfläche zu gelangen. Tonks hatte er von
ihrem Leid und ihren Schmerzen befreit, doch zu welchem Preis?
Remus
stützte Harry, damit dieser nicht das Gleichgewicht verlor.
„Lass mich, Remus!", flappte er ihn an. „Harry, du..." „Lass
mich, habe ich gesagt!", stieß er ihn weg. Harrys Stimme
klang unbeherrscht. Wieder begann er zu zittern. Was war los mit ihm?
Immer wieder versuchte Harry sich zu konzentrieren, was ihm aber
nicht so recht gelingen wollte. War es doch noch alles viel zu früh?
Hatten ihn die letzten Geschehnisse so sehr geschwächt, dass er
sich nur schwer davon erholen konnte? Zu viele Rückschläge
musste er bereits einstecken.
Tonks
wurde unruhig. Abrupt schlug sie ihre Augen auf und sah sich hektisch
im Zimmer um. Zuerst fiel ihr Blick auf Bill, den sie erleichtert
anlächelte und als letztes auf Harry, den sie besorgt musterte.
„Warst du das eben?", fragte sie leise, während sie sich
versuchte aufzusetzen, was Harry aber gleich wieder unterband. „Es
war Fawkes! Es ist alles wieder gut. Leg dich hin und schlaf!" Kaum
hatte Harry diesen Satz ausgesprochen, fielen Tonks auch schon die
Augen zu. „Ruh dich aus!"
Ohne
weiter auf seine Freunde zu achten, ging Harry zur Tür. „Wo
willst du hin?", rief Kingsley ihm nach. „Weg!", war Harrys
Antwort, bevor er die Tür hinter sich schloss.
„Verdammt!",
schlug er mit der Faust gegen die Wand, als Remus gerade den Flur des
Krankenhauses betrat. „Harry, rede mit mir!" „Ich will nicht
reden!", zischte er, wobei er noch mal mit der Faust gegen die Wand
schlug. Was hatte ihm die Wand nur getan? „Harry, bitte, es war
nicht dein Fehler!" ‚Bring mich zu ihnen!', bat Harry
Fawkes, ohne weiter auf Remus' Aussage einzugehen. Nur einen
Augenblick später verschwand Harry vor seinen Augen. „Du wirst
mit mir reden müssen!", versprach Remus, bevor er zurück
ins Zimmer ging.
„Wo ist Harry?", fragte Arthur. „Verschwunden, Arthur. Ich hoffe nur, dass er zurück zu Hermine ist und nichts Dummes anstellt!" Mr Weasley warf seinem Sohn Bill, der an Tonks Bett saß, einen vorwurfsvollen Blick zu. „Gib nicht Bill die Schuld, er hat im Affekt gehandelt und Harry weiß das! Er wird ihn dafür nicht verurteilen. Harry hätte an Bills Stelle sicherlich auch nicht anders reagiert. Ich nehme eher an, dass Harry sich mal wieder die Schuld gibt. Lassen wir ihm etwas Zeit für sich! Ich werde nachher mit ihm reden, ob er will oder nicht!"
Stumm
stand Harry in einem kleinen, kühlen, nur von vier Kerzen
erhelltem Raum. Rechts von ihm stand ein Phönix in Stein
gemeißelt, der die Totenwache hielt und zu seiner linken Seite
füllte ein schlichter Altar den Platz aus. Harrys Aufmerksamkeit
galt nicht dem steinernen Phönix und auch nicht dem Altar,
sondern dem in Bronze gravierten Sätzen: ‚Das Leben endet
nicht mit dem Tod, der Tod ist ein Teil des Lebens. Die, die uns
verlassen, wohnen in unseren Herzen solange wir nicht vergessen.'
Ein zaghaftes Lächeln umspielte Harrys Lippen. Obwohl er sie nie
richtig kennen lernen durfte, wird er sie nie vergessen. Er las
weiter, und wie auch schon beim letzen Mal traten ihm Tränen in
die Augen. ‚Für Liebe und Hoffnung gestorben - James Potter
und Lily Potter'.
Harry
war erst ein Mal hier gewesen. Durch den Tod von Albus Dumbledore und
der eingegangenen Verbindung mit Fawkes war nun Harry der
Geheimniswahrer dieser Gruft – der letzten Ruhestätte von
James und Lily Potter. Niemand wusste wo sie sich befand, und auch
Harry konnte nur mit der Hilfe von Fawkes dort hingelangen. Doch war
er nicht nur der Geheimniswahrer vom Grab seiner Eltern – so wie
sein Urururgroßvater zuvor war auch er nun der Geheimniswahrer
vom Grimmauldplatz Nummer zwölf, und somit auch des
Phönixordens, der Grangers und von Phönixcastle. Mit den
Dursleys war er Träger von fünf Geheimnissen.
Harry
stand ehrfürchtig vor dem Grab seiner Eltern. „Wenn ihr sie
doch nur kennen lernen könntet... Ich liebe sie!" Mit diesen
Worten ließ er sich langsam auf den Boden sinken und blieb mit
gesenktem Kopf auf seinen Knien sitzen.
Harry
schwieg. Er dachte an Hermine, welche Gefühle sie in ihm
auslöste, was sie für ihn bedeutete, an die zwar wenigen,
aber wunderschönen gemeinsamen Stunden mit ihr. Er dachte daran,
dass er sie fast verloren hätte. Derjenige, der Schuld an diesem
ganzen Elend trug, trat ihm vor Augen. „Voldemort", knurrte Harry
leise. „Der Eine mit der Macht, den Dunklen Lord zu besiegen,
naht heran ... jenen geboren, die ihm drei Mal die Stirn geboten
haben, geboren, wenn der siebte Monat stirbt ... und der Dunkle Lord
wird Ihn als sich Ebenbürtigen kennzeichnen, aber Er wird eine
Macht besitzen, die der Dunkle Lord nicht kennt ... und der Eine muss
von der Hand des Anderen sterben, denn keiner kann leben, während
der Andere überlebt." Mit hasserfüllter Stimme
murmelte er die Prophezeiung vor sich her, bevor er in Tränen
ausbrach. Hier sah ihn niemand, hier brauchte er nicht den starken
und mächtigen Harry Potter spielen, sich nicht verstellen. „Mum,
Dad, helft mir! Ich schaffe das nicht allein!" Er stützte sich
mit seinen Händen am Boden ab und Tränen der Trauer und
Angst benetzten den kühlen Steinboden. „Ich weiß, dass
ich viele Freunde habe, die in der Lage sind mir zu helfen und auch
ohne Ausnahme bereit dazu wären, aber… Ich will das nicht, ich
kann es nicht zulassen! Ich lasse nicht zu, dass sie ihr Leben aufs
Spiel setzen! Diese Prophezeiung zerstört schon mein Leben, das
reicht. Voldemort hat es mal wieder geschafft. Frauen haben Angst um
ihre Männer, Mütter und Väter um ihre Söhne und
Töchter, Kinder verlieren ihre Eltern. Sie werden einfach so
auseinander gerissen. Sie werden sterben und ich kann es nicht
verhindern!" Harry sah zur Grabtafel seiner Eltern auf: „ES IST
ABER MEINE AUFGABE!"
Vielleicht
erwartete Harry, dass er eine Antwort bekam, doch blieb diese aus.
„Wenn Hermine stirbt, dann… Ich weiß nicht was ich dann
machen soll", flüsterte er leise. „Jeden Tag aufs Neue ihren
Tod zu sehen, ist ein Fluch. Und jedes Mal wird es schlimmer. Es wird
sicherlich bald passieren. Wie soll ich sie davor beschützen?
Helft mir doch!" Aus Harry sprach die pure Verzweiflung. Selbst
Fawkes' Gesänge vermochten nichts daran zu ändern – er
ließ sich nicht beruhigen. „Und nicht nur Hermine – Ron,
Ginny, Fred und George, Alicia und Angelina. Selbst Bill und Charlie.
Das darf nicht passieren!"
Harry
begann zu zittern. Nicht vor Kälte – irgendwas stimmte nicht
mit ihm. Fawkes, der sich auf den steinernen Phönix
niedergelassen hatte, verschwand in einer Flamme. Nur Sekunden später
schien es Harry besser zu gehen. Visionen waren es also diesmal
nicht, denn dagegen konnte selbst Fawkes nichts ausrichten.
Wieder
schwieg Harry und genoss die Stille. Minuten vergingen und flossen zu
Stunden zusammen.
„Ja,
Fawkes", stand Harry plötzlich auf, „ich weiß, dass
sie sich Sorgen machen. Nur noch einen Augenblick! Gib mir noch einen
Moment Zeit!" Er hatte noch etwas zu erledigen, etwas fehlte hier
noch.
Harry
schloss seine Augen und konzentrierte sich. Langsam hob er seine Arme
und zeitgleich erschien über dem Phönix auf der rechten
Seite eine weitere Tafel aus Bronze: ‚Für Ewig in unseren
Herzen - In Gedanken an Albus Percival Wulfric Brian Dumbledore - Es
gibt keine Sinnlosen Opfer!'
Diese
Tafel reichte bei weitem nicht, um Albus Dumbledore gerecht zu
werden, doch darum würde Harry sich später kümmern.
Wenn Voldemort erstmal besiegt und vernichtet war, würde jeder,
der für diesen Krieg sein Leben gelassen hatte, seine
Anerkennung bekommen. Das waren die Lebenden ihnen schuldig.
„Remus,
wo ist Harry?", sprang Hermine aufgeregt von der Couch. Zusammen
mit ihren Eltern hatte sie sehnsüchtig auf Harrys Rückkehr
gewartet. Es war bereits nach acht Uhr, doch noch immer hatten sie
kein Lebenszeichen von ihm. Fragend blickte Remus ins übermüdete
Gesicht von Hermine. „Ich habe angenommen, er sei bei dir, denn im
Hauptquartier ist er auch nicht! Er ist, nachdem er Tonks geholfen
hat, verschwunden. Das war vor mehr als fünf Stunden."
„Remus,
wo ist er? Seitdem du ihn geholt hast, war er nicht mehr hier. Wie
konntet ihr ihn einfach gehen lassen? Du hast doch gesehen, dass es
ihm nicht gut ging! Ich hätte mit euch gehen sollen! Wir konntet
ihr das nur zulassen?" Erneut kam Angst auf – Angst, die ihre
Eltern versucht hatten ihr zu nehmen. „Sag mir bitte, dass es nicht
wahr ist, dass du weißt wo Harry ist und dass es ihm gut
geht!", flehte Hermine ihn an. Doch Remus schüttelte nur
seinen Kopf. „Ich wollte ihm etwas Zeit für sich geben und
habe ihn gehen lassen. Ich war der festen Überzeugung, dass er
zu dir zurückkehren würde. Er weiß doch, dass du auf
ihn wartest. Und… Und er sagte: ‚Bring mich zu ihnen!'"
Instinktiv griff Hermine sich an ihre Kette und schloss ihre Augen.
„Du hättest bemerkt, wenn ihm etwas zugestoßen wäre!"
„Aber nur wenn er seine Kette bei sich trägt, anders nützt
es gar nichts", schluchzte Hermine. „Außerdem ist Fawkes
bei ihm, er passt auf ihn auf." Alle Beruhigungsversuche halfen
nichts. Mit aller Kraft versuchte Hermine ihre Fassung zu behalten.
„Wir müssen ihn suchen, Remus!" „Natürlich werden wir
ihn suchen, und mit Sicherheit auch finden, dass verspreche ich dir!
Aber du bleibst hier bei deinen Eltern!"
Aufgeplustert
stand Hermine vor Remus: „Du glaubst doch wohl nicht etwa, dass ich
hier bleibe? Das kannst du nicht verlangen! Auch ich werde Harry
suchen!" „Das wirst du nicht! Hier bist du sicher, draußen
nicht." Hermine ließ sich von ihrem Vorhaben, Harry zu
suchen, nicht abbringen. „Ich kann auf mich aufpassen! Harry ist
verschwunden, und ich werde ihn suchen! Wenn ihm irgendetwas passiert
ist, ich werde…"
„Ihr
braucht mich nicht zu suchen!" „Harry!", schreckte Hermine rum
und fiel ihm um den Hals. „Harry, wo warst du so lange? Warum hast
du dich nicht gemeldet, ich bin fast umgekommen vor Sorge! Remus hat
gesagt, dass du schon vor mehr als fünf Stunden aus dem St.
Mungo los bist. Ist mit dir alles in Ordnung, geht es dir gut?"
Harry
nahm seine Verlobte in den Arm und drückte sie fest an sich.
„Beruhige dich, ich bin ja wieder da! Mir geht es gut, wirklich."
„Harry Potter, hör auf mir was vorzumachen! Was soll das?
Warum versteckst du dich vor mir? Noch am Freitag hast du gesagt,
dass du mir vertraust. War das etwa nur so daher gesagt?" „Hermine,
was denkst du von mir? Warum sagst du das?", fragte Harry
schockiert. „Harry, versteh mich nicht falsch, ich habe Angst um
dich, ich möchte dich in Sicherheit wissen!" Er schloss seine
Augen und atmete tief durch. „Du willst also wirklich wissen wie es
mir geht? Mir geht es beschissen, ich bin fertig, kann kaum noch
aufrecht stehen! Wolltest du das hören? Willst du vielleicht
auch noch sehen, wie ich wirklich aussehe?" Ohne auf eine Antwort
zu warten, ließ er seine Maske fallen. Hermine konnte nichts
erwidern. Bestürzung und Erschrockenheit konnte Remus auf ihrem
Gesicht erkennen, aber auch ihm ging es nicht anders. Was bezweckte
Harry mit diesem Versteckspiel?
„Hör
auf, Harry, es reicht!", rief Remus ärgerlich und ging auf
beide zu. „Als du nach dem letzten Angriff von Voldemort auf dich
bewusstlos warst, hat Hermine um dich geweint. Sie war jeden Tag an
deinem Bett, selbst nachts. Sie hat kaum geschlafen, trotzdem hat sie
weiter unterrichtet. Sie hat sich nicht helfen lassen, sondern völlig
verausgabt, bis sie zusammengebrochen ist." Harry sah mit
aufgerissen Augen von Remus auf Hermine, der Tränen an ihren
Wangen hinunterliefen. Harry fühlte sich schuldig. Er liebte
Hermine wie nichts anderes auf dieser Welt, und trotzdem tat er ihr
dies alles an. „Ich… Hermine, ich…" „Harry, nicht, du
brauchst nichts sagen!", hielt sie ihn auf. „Es ist deine
Entscheidung was du machst, das habe ich schon verstanden."
„Bitte!", zog Harry Hermine wieder zu sich. „Ich wollte das
nicht, bitte glaube mir! Ich liebe dich!" „Natürlich glaube
ich dir! Ich weiß, dass du mich liebst, das habe ich auch nie
bezweifelt!" Sie legte ihre Arme um seinen Hals. Ganz langsam,
schon fast schmerzend, näherten sich ihre Lippen den seinen, um
sie mit einem Kuss zu versiegeln. „Du vergibst mir?", lächelte
Harry und erwiderte ihren Kuss mit aufkommender Leidenschaft.
„Chrm,
chrm!", machte Remus auf sich aufmerksam. „Entschuldigt bitte die
kleine Störung, aber bevor ich wieder verschwinde, hätte
ich gern noch gewusst, wo du die ganze Zeit über gewesen bist!"
Gezwungener Maßen lösten sich Harry und Hermine
voneinander, doch ihre Hände blieben fest umklammert. „Ich war
bei Mum und Dad", gestand Harry. Diesmal waren es Remus' Augen,
die weit aufgerissen waren. Nicht vor Entsetzen, eher wirkte er
verwundert, fast schon verwirrt. „Wie?", fragte er knapp. „Durch
die Verbindung mit Fawkes weiß ich wo sie ihre letzte Ruhe
gefunden haben. Ich bin zwar der Geheimniswahrer ihres Grabes, aber
auch ich kann nur mit Fawkes dort hingelangen. Sie sind perfekt
geschützt, besser geht es kaum!"
In
Remus kamen Erinnerungen hoch – schöne, aber auch traurige.
Gedankenversunken stand er vor Harry und Hermine. Wieder beobachteten
die Grangers alles was passiert und waren dabei erschüttert und
tief gerührt zugleich.
„Möchtest
du zu ihnen?", brachte Harry Remus in die Gegenwart zurück.
„Ist das denn möglich?", fragte Remus zurück, der Lily
und James Potter sehr vermisste. Und nicht nur diese beiden, auch
Sirius wird nie aus seinen Erinnerungen verschwinden. „Mit Fawkes
ja. Ich werde dir diese Chance nicht nehmen. Du und Sirius wart ihre
besten Freunde, und niemand kann dir verwehren, an ihrem Grab zu
stehen. Wenn alles vorbei ist, wird auch ihr Grab wieder für
alle Freunde zugänglich sein." „Es würde mir sehr viel
bedeuten und auch helfen, Harry."
Hermine
stellte sich vor Harry und sah ihm ins tiefe Smaragdgrün seiner
Augen. „Darf ich mit ihm gehen?" Behutsam strich er ihr durch
ihre vollen Locken. „Selbstverständlich darfst du das, aber
willst du das wirklich?" Ganz sanft, als wenn sein Gesicht das
Zerbrechlichste wäre, was es auf der Welt gibt, strich sie ihm
über die Wangen. Harry genoss diese atemberaubende Berührung.
„Harry, auch ich habe deinen Eltern viel zu verdanken. Hätte
es sie nicht gegeben, dann… dann wärst du jetzt nicht bei
mir." Das war Wahnsinn! Dieser Satz löste in Harry eine Reihe
von Gefühlen aus, die er nie wieder vergessen wollte. Tränen
drohten wie Bäche an seinen Wangen hinunterzulaufen. Hermine
nahm sein Gesicht in beide Hände. „Habe ich etwas Falsches
gesagt?", fragte sie vorsichtig. „Wenn ja, dann…" „Ganz und
gar nicht!" Mehr brachte Harry nicht hervor. Er war immer noch
gefesselt von so viel Liebe und Zuneigung. Wie gern wäre er
jetzt mit seiner Verlobten allein gewesen. Wie gern würde er sie
jetzt in den Arm nehmen und nie wieder loslassen, in ihren Armen
einschlafen. Er liebte diese Frau von Minute zu Minute mehr!
Nachdem
Fawkes Remus und Hermine zur letzten Ruhestätte von James und
Lily Potter gebracht hatte, wandte sich Harry an die Grangers. „Mr
und Mrs Granger, ich müsste kurz mal mit Ihnen sprechen! Geht
das?" „Natürlich, aber möchtest du dich nicht erstmal
hinlegen und ausruhen? Du kannst ja kaum noch deine Augen offen
halten." Da hatten sie Recht. Mit Fawkes sah Harry schon schlecht
aus, aber jetzt, wo der Feuervogel bei Remus und Hermine war, sah
Harry elendig aus. Hermines Mutter hatte Angst, dass Harry jeden
Moment zusammenbrechen könnte. „Nachher, lassen Sie uns ins
Wohnzimmer gehen!"
„Was
hast du auf dem Herzen?", fragte Hermines Vater nachdem sie es sich
auf Sofa und Sessel gemütlich gemacht hatten. „Du siehst
besorgt aus, stimmt etwas nicht?" Harry stand wieder auf und wirkte
aufgeregt und angespannt, was auch auf die Grangers abfärbte.
„Mr und Mrs Granger, ich liebe Ihre Tochter über alles! Sie
ist mir das Wichtigste, wichtiger als mein Leben. Ich würde
alles für sie tun!" Er blieb stehen und sah beide
erwartungsvoll an. Wie würden sie wohl auf das reagieren, was
Harrys ihnen gleich sagen wird? Lena Granger musste leicht
schmunzeln, sie ahnte, was jetzt kommen würde. ‚Ich kann so
was nicht! Ich kann so was einfach nicht!', spukte es Harry durch
den Kopf. Tief durchgeatmet und weiter ging es. „Ich habe Ihre
Tochter gebeten, mich zu heiraten, und sie… sie hat ja gesagt!"
Jetzt war es raus. Er hatte ja keine Ahnung, dass ihre Eltern bereits
davon wussten, woher auch. „Ich weiß, dass ich Sie hätte
vorher fragen müssen, ob Sie damit einverstanden sind, doch kam
ich noch nicht dazu. Darum bitte ich Sie für meine Unhöflichkeit
um Verzeihung und um Ihre Erlaubnis, Ihre Tochter heiraten zu
dürfen." „Erlaubnis erteilt, Mr Potter! Machen Sie unsere
Tochter glücklich!", lachte Mr Granger, stand auf und zog den
auf diese Reaktion doch etwas verdutzten Harry in eine Umarmung. Nur
kurz darauf wurde er von seiner Frau abgelöst, die Freudentränen
in den Augen hatte. „Es gibt keinen Besseren für unsere
Hermine. Willkommen in unserer Familie!" Wenn die Grangers genau
hingehört hätten, dann hätten sie den riesigen Stein,
der Harrys Herz fast erdrückt hätte, fallen hören.
„Danke!", ließ Harry sich zurück in den Sessel fallen.
„Harry,
es gibt aber noch etwas, worüber wir mit dir reden müssen",
sagte Hermines Vater ruhig und er und seine Frau nahmen ebenfalls
wieder platz. „Ich bin ganz Ohr!", entgegnete Harry und legte zur
Entspannung seinen Kopf auf die Lehne.
„Es
geht um Hermine." Der Name und der besorgte Ausdruck in der Stimme
ihrer Mutter ließ Harry wieder hellhörig werden. „Was
ist mit ihr?" „Wir machen uns große Sorgen um unsere
Tochter. Sie weiß, dass du ihr etwas verschweigst, Harry. Sie
geht daran zu Grunde." Ihr Vater klang äußerst ernst.
Harry nickte nachdenklich. Darüber wollte er eigentlich nicht
mit Hermines Eltern reden. „Harry, was verschweigst du ihr?",
fragte nun ihre Mutter. „Ihr solltet keine Geheimnisse voreinander
haben, jedenfalls nicht solche, an denen der Partner kaputt geht. Was
ist es, was du ihr nicht erzählen kannst oder nicht willst?"
Schweigend sah Harry seine zukünftigen Schwiegereltern an. Wie
sollte er anfangen? Oder sollte er es ihnen überhaupt etwas
erzählen?
„Hermine
hat vorhin etwas von einer Prophezeiung erzählt, und dass du ihr
nicht sagen willst, was sie beinhaltet", erklärte Mr Granger.
Harry nickte kaum merklich. „Aber das ist nicht alles was du ihr
verschwiegst, habe ich Recht?" „Ja, Mr Granger!" „Vor was
hast du Angst, Harry?" Harry stützte seinen Kopf und schloss
die Augen. „Davor, dass Hermine mich verlässt." „Warum
sollte sie das? Sie liebt dich!", sagte ihre Mutter, als wenn es
daran nie Zweifel geben würde. „Ich habe eine verdammte Angst
davor, dass sie mich verlässt, weil ich sie belogen und ihr
nicht alles erzählt habe, obwohl sie mich mehrmals darum gebeten
hat. Sie macht alles für mich, ohne dabei an sich zu denken.
Aber wofür? Es ist zwecklos!" „Was ist zwecklos?", stand
Mr Granger auf. „Warum sollte es zwecklos sein, das versteh ich
nicht!" „Alles ist zwecklos, alles!", schüttelte Harry
seinen Kopf. Hermines Vater kniete sich neben den Sessel, in dem
Harry saß. „Hermine hat erzählt, dass du eine Vision
über deinen Tod hattest, genauer genommen über das, was vor
einer Woche passiert war." Wieder nur ein stummes Nicken von Harry.
Er konnte ihnen nicht mehr in die Augen sehen. „Diese Vision ist
nicht eingetroffen, du lebst!" „Diese nicht, aber das war nur
eine von vielen." Mrs Granger musste schlucken. „Eine von
vielen?" Nun musste Harry weitererzählen. „Ja, ich hatte
schon mehrere Visionen über meinen Tod, doch eine kommt immer
häufiger und jedes Mal ist sie stärker. So lange habe ich
sie noch nicht, vielleicht drei oder vier Wochen, aber es ist kaum
noch auszuhalten. Ich weiß nicht wann und wo, und auch nicht
wie und wer mich umbringen wird, aber es wird passieren." „Wenn
du es verhinderst, nicht!" „Wenn, Mr Granger, wenn!"
„Du
zerbrichst an deinen Geheimnissen, merkst du das nicht?", fragte
Mrs Granger besorgt. „Doch, und es tut weh. Jeder Tag zerbricht
mich mehr!"
„Erzählst
du uns von der Prophezeiung?", stellte sich Hermines Vater wieder
hin. „Werden Sie es für sich behalten, wenn ich es Ihnen
erzähle?" Harry und Mr Granger sahen sich lange an. „Werden
Sie Hermine von der Prophezeiung erzählen?", fragte Harry
weiter. „Ich müsste lügen, wenn ich nein sagen würde."
„Dann müssen Sie mich verstehen, wenn ich auch nein sage!"
„Harry, tu' unserer Tochter nicht weh, bitte!", bat Hermines
Mutter. Das war das Letzte was er wollte, doch genau das war es, was
er ständig tat.
„Darf
ich Sie beide um etwas bitten?", fragte Harry eindringlich. Diesmal
war es an den Grangers zu nicken. „Wenn es so weit kommen sollte,
dass ich sterbe, dann gehen Sie bitte mit Hermine weit weg. Es ist
alles schon geplant. Arthur Weasley und Remus Lupin wissen was sie zu
tun haben und werden Sie und Ihre Tochter in Sicherheit bringen. Der
Dunkle Lord, wie er sich so schön nennt, wird nicht aufhören,
bis er hat was er will." Harry hob seine Hand und nur einen
Augenblick später hielt er ein Stück Pergament in dieser.
„Das hier ist mein Testament. Hiermit ist Hermine abgesichert, egal
ob wir heiraten sollten oder nicht. Sie wird keine finanziellen
Probleme haben. Ich möchte, dass Sie das wissen. Sie bekommt
nicht nur mein gesamtes Vermögen, sondern auch dieses Haus und
das Land auf dem es steht, sowie auch das Haus meines Paten. Es wird
ihr an nichts fehlen!"
„Und
wenn doch? Was soll ich mit all dem, wenn du nicht bei mir bist?",
hörte Harry eine ihm wohl bekannte Stimme. Er kniff seine Augen
zusammen und hielt die Luft an. Er hatte das Gefühl, dass sein
Herz stehen bleiben wollte. Das war nicht für Hermines Ohren
bestimmt gewesen! Als wenn sie seine Gedanken lesen könnte,
fragte sie: „Du hattest nicht vor mir davon zu erzählen, habe
ich Recht?" „Noch jedenfalls nicht", drehte sich Harry zu ihr
um. „Wann denn? Wann hätte ich es erfahren? Hätten Remus,
Arthur oder Professor McGonagall es mir irgendwann erzählt?
Vielleicht an deinem Grab? Einen von ihnen hast du doch mit
Sicherheit schon zum Nachlassverwalter bestimmt!" „Remus",
bestätigte Harry ihre Vermutung. „Harry, ich will dass du bei
mir bist und nicht dein Geld!" „Ich möchte auch mit dir
zusammen sein, aber es…" Harry stoppte sich selbst. „Was
‚aber'?" „Ich liebe dich, Hermine, das kann ich dir gar nicht
oft genug sagen! Ich möchte nur, dass du abgesichert bist, falls
mir etwas zustoßen sollte. Es beruhig mich." „Aber mich
nicht, Harry!" Zärtlich wischte er ihr die Tränen fort
und küsste sie sanft. „Hab keine Angst, ich werde dich nicht
allein lassen, du wirst mich nicht mehr los." Harry könnte
sich selbst ohrfeigen. Wieder hatte er sie belogen, sich nicht
getraut, ihr die Wahrheit zu sagen, obwohl sie es doch eigentlich
schon ahnte.
„Harry,
versprich mir bitte, dass du mich in deine Geheimnisse einweihst,
bevor es zu spät ist!" Damit hatte Harry nicht gerechnet. Eher
hatte er daran gedacht, dass sie ihn vor ihren Eltern ausquetschen
würde. Dankbar dafür, dass sie es nicht tat, lächelte
er sie an: „Versprochen!"
„Wir
werden euch beide allein lassen, verbringt den Rest des Wochenendes
zusammen!", versuchte sich Mrs Granger von ihrer Tochter und Harry
zu verabschieden. „Nein, bitte bleiben Sie! Hermine…" „Nein,
Harry, du brauchst deine Ruhe! Und auch Hermine hat noch nicht
geschlafen", unterbrach sein Fastschwiegervater ihn. „Soll das
etwa heißen, dass Sie und Hermine die ganze Zeit wach waren und
auf mich gewartet haben?" Fragend sah er Hermime an. Erst jetzt
stellte er bewusst fest, dass sie schon fast elendig aussah. „Auch
wenn ich mich hingelegt hätte, ich hätte nicht ein Auge
zugetan, Harry." Ganz sacht strich er ihr über die Wange.
Hermine hatte das Gefühl, dass ihre Haut unter dieser zarten
Berührung brennen würde. Genüsslich schmiegte sie ihre
Wange an seine Hand. „Hermine, geh mit deinen Eltern! Ich habe
ihnen ein Wochenende mit ihrer Tochter versprochen, und sie sollen es
auch bekommen." „Ich kann dich nicht…" „Bitte, tu' mir
den Gefallen! Selbst wenn ihr euch noch hinlegt, habt ihr später
noch genügend Zeit miteinander. Fawkes wird dich begleiten und
zur Sicherheit bei dir bleiben." „Willst du hier etwa allein
bleiben? Ich lasse dich nicht allein, nie wieder, Harry!" „Bitte,
Hermine! Ich werde mich auch schlafen legen, versprochen. Ich wundere
mich so oder so, dass ich noch stehen kann", grinste er. „Harry,
bitte sei doch vernünftig!", flehte Hermine. „Wenn ich gehe,
dann aber nur ohne Fawkes. Er bleibt bei dir, du brauchst ihn!"
„Ich bin vernünftig! Du kannst mich gern nach oben begleiten,
um sicher zu gehen, dass ich mich auch wirklich hinlege. Meinetwegen
leg auch einen Zauber über mich, der verhindert, dass ich wieder
aufstehe, aber dann gehst du mit deinen Eltern! Wir sehen uns heute
Abend!" „Als wenn dich ein Zauber von mir aufhalten könnte!",
schnaubte Hermine trotzig. „Kopf hoch, irgendwann ist immer das
erste Mal!" „Du bist unmöglich, Harry Potter!" „Ich
weiß!" „Los, ab nach oben, du gehörst ins Bett!"
Oben
angekommen, nahm Harry Hermine noch mal in den Arm. „Es geht auch
mal ohne Fawkes. Er wird dich begleiten" Wieder grinste er. „und
dafür sorgen, dass du ruhig schläfst!"
Seit einer Stunde war Hermine bereits bei ihren Eltern, doch noch immer hatte sie sich nicht hingelegt. Sie war nicht mal in der Lage stillzusitzen. Besorgt lief sie im Wohnzimmer ihrer Eltern auf und ab und hielt ihre Kette dabei ängstlich umklammert. „Hermine", trat ihre Mutter an sie heran und zog sie mit sich auf die Couch. „Bitte geh zurück zu Harry! Es tut mir weh dich so zu sehen - geh zu ihm und hilf ihm! Egal was er gesagt hat, es wäre Harry sicherlich auch viel lieber, wenn du bei ihm wärst." „Ihr seid wirklich nicht böse, wenn ich wieder gehe?" „Harry braucht dich jetzt!", kam ihr Vater auf sie zu, der die Unterhaltung mit angehört hatte. „Zeig ihm, dass du immer für ihn da bist, egal was passiert!" „Danke!", schluchzte Hermine, umarmte ihre Eltern stürmisch und apparierte zurück nach Phönixcastle. Sie bekam nicht mehr mit, wie ihre Mutter weinend in die Arme ihres Mannes fiel.
Harry
schlief seelenruhig, als Hermine mit einem kaum hörbaren ‚Plopp'
ins Schlafzimmer apparierte. Hermine konnte nicht anders, sie musste
lächeln. Es beruhigte sie doch etwas, dass Harry ruhig und
friedlich im Bett lag. Hatte sie doch schon fast etwas anderes
befürchtet. Eine erdrückende Müdigkeit überkam
sie. Sie zog sich bis auf ihre Unterwäsche aus und legte sich
leise neben Harry ins Bett.
Hermine
versuchte das, was sie vorhin zufällig mitbekommen hatte, aus
ihrem Kopf zu verdrängen. Er war erst neunzehn und machte schon
sein Testament! Welcher junge Mensch würde das tun, wenn er
nicht wüsste, dass er… Hermine brachte diesen Gedanken nicht
zu Ende. Sie wollte jetzt einfach nicht daran denken, dass sie Harry
verlieren könnte. Kaum hatte sie ihre Augen geschlossen, sah sie
Harry mit blutender Narbe auf dem Boden liegen. Es war genau dieses
Bild, welches sie von Harrys Vision mitbekommen hatte – ihre größte
Angst. „Nein, das wird nicht geschehen, er wird leben! Es darf
einfach nicht geschehen! Du bleibst für immer bei mir",
flüsterte sie leise vor sich her, während sie sich an Harry
kuschelte. Harry merkte nicht, dass Hermine neben ihm lag, er schlief
immer noch tief und fest. Das dachte Hermine zumindest.
Es dauerte nicht lange, Hermine war gerade in einen leichten Dämmerzustand geglitten, da fing Harry an unverständliche Worte zu murmeln. Er begann unruhig zu werden und versuchte scheinbar etwas oder jemanden abzuwehren. „Tonks… helfen… Todesser…", waren die Worte, die Hermine nun doch verstand. Immer deutlicher wurden sie. „Nein, wagt es nicht!" Hermine wurde hektisch, da sie Harry nicht wach bekam. Sie legte ihm ihre Hand auf die Narbe, doch er beruhigte sich nicht. „Ich muss… Tonks!" „Harry, komm zu dir! Es ist alles in Ordnung! Tonks geht es dank dir wieder gut!" Hermine konnte nicht mal ansatzweise ahnen was Harry gerade sah. Doch warum sah er es? Mit Voldemort konnte es nichts zu tun haben, denn es war bereits geschehen. Nur wenn der Dunkle Lord jemanden folterte oder auch ‚nur' angriff, nur dann konnte Harry es sehen. Durch seine Narbe war er mit Voldemort verbunden und über diese konnte er es sehen. Ganz im Gegensatz zu seinen Visionen, die kamen unabhängig vom Dunklen Lord.
„NEIN!",
schreckte Harry aus seinem Alptraum hoch. Scheinbar wollte er gerade
einen Fluch auf jemanden abfeuern, denn aus dem Nichts schoss ein
Strahl blauen Lichts auf die gegenüberliegende Wand zu und
zerstörte das Bild, welches an ihr hing. Schwer atmend sah Harry
sich im Zimmer um und erblickte eine ängstlich dreinschauende
Hermine. „Ich muss los, Tonks… Sie werden angegriffen, es ist
eine Falle!", rief er und wollte aufstehen. Hermine hielt ihn fest
und zog ihn zurück aufs Bett. „Nein, Harry, du brauchst nicht
zu ihnen, Tonks geht…" „Hermine, sie brauchen meine Hilfe! Ich
kann sie nicht im Stich lassen. Was verlangst du von mir? Todesser
haben Tonks umzingelt und foltern sie mit Flüchen!" Harry
begriff nicht, wie Hermine so ruhig bleiben konnte. „Harry, es ist
alles vorbei, Tonks geht es wieder gut!" „Hermine, was…"
„Harry, hör mir doch mal bitte zu! Das was du eben erzählt
hast, ist schon gestern Nacht passiert." Harry erstarrte: „Gestern
Nacht?" Er versuchte seine Gedanken zu sortieren. Mit aller Gewalt
brachen die Erinnerungen der letzten Stunden auf ihn ein. Er saß
auf seinem Bett und blickte starr geradeaus. Hermine kniete sich
hinter ihm. „Komm, leg dich bitte wieder hin, es war nur ein
Alptraum. Ich war mit Remus noch kurz bei Tonks – es geht ihr gut,
sie ist fast wieder die Alte. Sie hat nach dir gefragt, wie es dir
geht. Sie möchte gern mit dir reden."„Warum
bist du nicht bei deinen Eltern?", drehte Harry sich um. „Ich
wollte dich nicht allein lassen, und Mum und Dad haben es
verstanden." Hermine lächelte. „Sie haben mich wieder zurück
geschickt. Leg dich wieder hin und schlaf noch etwas! Nachher sieht
alles anders aus." Harry ließ seinen Kopf auf seine Knie
sinken. „Hermine, ich habe jede Einzelheit, die Tonks unter Qualen
durchleben musste, gesehen, den Schmerz gespürt, den sie
meinetwegen erleiden musste." Hermine strich ihm mit kreisenden
Bewegungen über den Rücken. „Warum hast du es gesehen?"
„Im St. Mungo habe ich ihren Schmerz und auch das Erlebte in mich
aufgenommen, so dass Fawkes sie heilen konnte. Ihr Gehirn war
dermaßen stark beschädigt – ich habe bis zuletzt nicht
daran geglaubt, dass Fawkes und ich es schaffen. Sie weiß nur
noch, dass und von wem sie angegriffen wurde, aber nicht, was dann
passiert ist. Ich konnte ihr diese Erinnerungen und die Schmerzen,
die damit verbunden waren, nicht zurückgeben. Es hätte sie
wieder umgerissen, und dann hätten wir nichts mehr für sie
tun können." „Soll das etwa heißen, dass du jetzt
ständig siehst, was die Todesser Tonks angetan haben?", fragte
Hermine entsetzt. „Für eine gewisse Zeit, ja. Aber irgendwann
wird es wieder aufhören. Es ist doch eine gerechte Strafe für
mich! Bill hat Recht, hätte ich meinen Job gemacht, wäre es
nie so weit gekommen." „Harry, bitte", flehte Hermine
inständig, „tu' dir das nicht an!"
„Was
soll ich mir nicht antun, Hermine? Ich habe sie nicht gehört.
Meinetwegen… Wenn irgendjemandem von euch meinetwegen etwas
passiert… Mir wächst die ganze Sache über den Kopf!
Auroreneinheit, Phönixorden und dann noch Voldemort, der hinter
mir her ist – ich schaffe das nicht! Ich habe Angst, dass ich
versagen werde und euch verliere. Ich möchte niemanden
enttäuschen!"
Hermine
brachte Harry dazu sich hinzulegen und hauchte ihm einen sanften Kuss
auch seine Narbe, bevor sie diese mit ihrer Hand abdeckte. Das tat
gut! Er schloss seine Augen und atmete tief durch. „Danke!"
„Harry,
du weißt, dass wir dir helfen, du musst es nur wollen und auch
zulassen!" Harry schüttelte nur seinen Kopf. Darin hatte er
schon richtig Übung bekommen. „Warum lässt du dir nicht
helfen, warum nur? Hilf mir dich zu verstehen!" „Ich liebe dich,
Hermine!", war das Einzige, was er darauf antwortete. Bedrückt
schmiegte sie sich an ihm. „Schlaf, Harry, es wird bestimmt alles
gut! Ich werde dir helfen wo ich kann und du es mir erlaubst. Das mit
Tonks war nicht deine Schuld, also mach dir bitte keine Vorwürfe!
Du warst einfach zu sehr erschöpft von der Vision, die du vorher
hattest."
Das
war es! Das war der Grund gewesen. Harry war nach seiner letzten
Vision völlig weggetreten. Daher hatte er also keinen Hilferuf
hören können.
Da
war es wieder, dieses Gefühl, welches ihm so sehr bekannt vorkam
– diese wunderbare und beruhigende Wärme. Und wieder ging es
nicht von Fawkes aus.
Kurz
nachdem Harry in einen ruhigen Schlaf versunken war, schlief auch
Hermine an seiner Seite ein. Arm in Arm lagen beide nebeneinander im
Bett und schliefen bis zum späten Nachmittag.
Hermine
hatte es geschafft, Harry davon zu überzeugen, das Abendessen in
Hogwarts einzunehmen. Gemeinsam mit den Schülern und Lehrern
aßen sie ihr Abendbrot in der Großen Halle. Doch saß
Harry nicht am Lehrertisch wie Hermine, sondern zwischen den
Gryffindors.
Kaum
hatten sie das Schloss betreten, war er umzingelt von einer riesigen
Traube von Schülern, die ihn mit Fragen bombardierten. Besonders
die Schüler, die Harry noch aus seiner Schulzeit kannte – die
dritten bis siebten Klassen – zeigten keine Scheu ihm gegenüber.
Seine Abenteuer, die er zusammen mit Ron, Hermine und seinen anderen
Freunden erlebt hatte, waren Thema Nummer eins. Aber auch Quidditch
war eins der Hauptthemen gewesen. Er war zu Schulzeiten ein
begnadeter Quidditchspieler gewesen. Wenn man es genau nahm, war er
es immer noch. Er hatte einfach nur keine Zeit zum Spielen. Auf dem
Besen fühlte er sich frei von Sorgen und ohne irgendwelche
Verpflichtungen, das war schon immer so gewesen. Der Wind wehte all
seine Sorgen fort.
Nach
dem Essen umringten ihn auch die Lehrer, ganz besonders Professor
Flitwick, der kleine Lehrer für Zauberkunst. Im Lehrerzimmer bat
er Harry, ihm einige Zauber zu zeigen. Die Augen gingen ihm fast über
– er war einfach fasziniert von Harrys Macht. Und nicht nur er! „Mr
Potter, Sie wären ein sehr…" Flitwick sah verlegen in
Hermines Richtung. „Nicht böse sein, Miss Granger! Sie wären
ein sehr guter Ersatz für Miss Granger, die uns ja leider
verlassen will", wandte er sich wieder an Harry. „Vielen Dank für
das Kompliment, das soll schon was heißen", erwiderte Harry
„aber ich befürchte, dass wird nicht gehen." „Warum
eigentlich nicht?", fragte nun Prof. McGonagall. „Das ist eine
sehr gute Idee!" Harry sah seine ehemalige Lehrerin erstaunt an.
„Professor, ich bin ein Auror und ich habe auch nicht vor in
Hogwarts zu wohnen." Schlechte Ausrede! „Ich möchte mit
Hermine zusammenleben. Und außerdem…" „Wir hatten schon
einige Auroren als Lehrer an unserer Schule, wo ist da das Problem?
Und du kannst doch trotzdem mit Hermine zusammen wohnen und hier
arbeiten", warf Minerva McGonagall als Argument ein. „Ich würde
gern nach Hogwarts kommen, liebend gern", sagte Harry ruhig „aber
Hermine gibt den Job hier auf und ich fange an? Nein, das geht
nicht!" Und noch eine miese Ausrede. Eigentlich hatte er doch schon
genug Übung im Bezug auf Ausreden gehabt, warum stellte er sich
jetzt so stümperhaft an? „Harry!", nahm Hermine seine Hand.
„Ich habe mich für B.ELFE.R und Gringotts entschieden, deshalb
verlasse ich Hogwarts, das habe ich dir bereits gesagt." Hermine
glaubte einen Anflug eines Schmollmundes bei ihrem Verlobten erkennen
zu können. Leicht grinsend, fügte sie noch hinzu: „Die
Zeit, die ich dadurch mehr mit dir verbringen kann, ist mir das
Wichtigste daran! Du brauchst also kein schlechtes Gewissen haben,
wenn du das Angebot annimmst, und ich werde auch nicht eifersüchtig
oder gekränkt sein, versprochen! Hogwarts war schon immer dein
Zuhause. Du bist der Beste, du kannst den Schülern zeigen, wie
sie sich richtig verteidigen können, wie sie überleben.
Meine Fähigkeiten und Kenntnisse sind dagegen mehr als
bescheiden." Harry wollte gerade ansetzen, etwas zu sagen, doch
Hermine hielt ihn davon ab. „Lass mich bitte erst ausreden!
Überlege doch mal! Du bist der Einzige, der überall
ungehindert hingelangt. Da wirst du es ja wohl von Daheim nach
Hogwarts schaffen, oder nicht?"
„Nein,
Hermine, es geht wirklich nicht!", sagte Harry entschieden. Es tat
weh dies zu sagen. Hermine hatte Recht, Hogwarts bedeutete ihm sehr
viel. Am liebsten hätte er sofort ‚Ja' gesagt. „Überlegen
Sie es sich noch einmal!", bat Prof. Hooch und die Professoren
Vector und Sprout nickten zustimmend.
Harry zuckte zusammen und musste sich am Tisch abstützen. Die anwesenden Lehrer beobachteten ihn erschrocken, allerdings dauerte es nicht lange, und Harry hatte sich wieder im Griff. „Es gibt noch einen Grund, weshalb ich dieses Angebot nicht annehmen kann", sagte Harry. „Voldemort!" Na endlich rückte er mal mit der Wahrheit heraus! Immer noch zuckten einige Lehrer beim Klang des Namens des Dunklen Lords zusammen. „Er wird nicht eher ruhen, bis er mich hat. Ich wäre eine viel zu große Gefahr für Hogwarts", stellte Harry sich aufrecht hin. „Voldemort wird nicht ewig leben, Harry!", erklärte die Schulleiterin, ging auf Harry zu und legte ihre Hand auf seine Schulter. „Vielleicht doch!", entgegnete Harry ohne sie anzusehen. „Sie haben gesehen, zu was er fähig ist. Ich konnte mich nicht dagegen wehren. Wie es aussieht, bin ich wohl doch nicht so toll und mächtig wie alle denken." An Voldemorts Angriff auf Harry erinnert zu werden, fand McGonagall nicht gerade prickelnd. Sie hatte furchtbare Angst um ihn gehabt. „Überlege es dir!" Harry wollte etwas erwidern. „Bitte!", kam McGonagall ihm zuvor. Harry sagte nichts mehr.
„Was
ist denn hier los?", betrat Severus Snape das Lehrerzimmer. „Gibt
es hier was umsonst?" „Nicht ganz, Severus", antwortete
McGonagall. „Wir versuchen gerade Harry davon zu überzeugen,
dass er Hermines Nachfolge antritt." „Und, macht er es?", sah
er Harry an. „Nein, Severus, er macht es nicht! Er
hat keine Zeit dafür!" „Wenn ich dir einen Vorschlag machen
dürfte, Harry – du solltest diese Stelle annehmen, denn damit
wärst du dann aus Fudges Schusslinie. Er hätte keine
Kontrolle mehr über dich." „Das hat er so oder so nicht!",
lachte Harry. „Du weißt wie ich das meine! Er würde dir
nicht mehr so viel Ärger bereiten und dir im Weg stehen!"
„Aber Fudge hat bei der Stellenvergabe ein kleines Wörtchen
mitzureden, und er würde mich niemals…"
Voldemort
schien die Verbindung zwischen sich und Harry nicht richtig getrennt
zu haben, denn Harry wirkte abermals abwesend. Er blickte starr
gerade aus – kein Lidschlag. „Wie viele Leben hat dieser
Bengel eigentlich? Immer wieder durchkreuzt er meine Pläne. Ich
will ihn tot sehen! Wenn ich erstmal seine Kräfte habe, kann
mich niemand mehr aufhalten – ich werde unsterblich sein. VERDAMMT,
ich will endlich die Ketten der beiden Gören haben! Besorgt sie
mir endlich! Ohne sie kann ich den ganzen Plan vergessen. Potter muss
ausgelöscht werden!" „Er ist in Hogwarts, My Lord, last uns
einfach angreifen! Wir wissen genau, dass er dort ist." „Nein,
Lucius, Potter wird es wieder vereiteln. Er ist wie Unkraut, das
kommt auch immer wieder durch. Er wird sterben – ich werde ihn
töten und meine Rache haben! Das er über Nacht seinen so
genannten Freunden nicht zur Hilfe gekommen ist, war nur Taktik von
ihm. Ich habe erfahren, dass es dieser Aurorin Tonks wieder besser
geht. IHR HABT VERSAGT! Crucio!" Auch Harry schrie auf. Hermine
wollte zu ihm, jedoch hielt Snape sie auf. „Nicht!" „Bevor
er aber stirbt, Lucius, wird er zusehen, wie ich sein Schlammblut
töte. Er wird vor mir knien und um Erlösung betteln. Ich
werde ihn leiden lassen, so wie er noch nie gelitten hat. Ich werde
im alles nehmen was ihm wichtig ist, alles. Er wird nichts mehr
haben, für das es sich zu leben lohnt. Bald, mein treuer Diener,
bald habe ich ihn so weit!"
Die
hohe, kalte und emotionslose Stimme Voldemorts verschwand aus Harrys
Kopf. Das war es also, was Voldemort so dringend suchte – die
Ketten von Hermine und Harry, die zuvor schon von Harrys Eltern
getragen wurden.
Harry
erwachte aus seiner Trance und sah in die besorgten und angespannten
Gesichter der Anwesenden. „Entschuldigen Sie mich bitte!" Zaghaft
lächelnd ging er auf Hermine zu: „Ich möchte nur einen
Moment allein sein!" Hermine nickte verständlich und gab ihm
einen liebevollen Kuss. „Wenn du mich brauchst, rufst du, ja?
Ansonsten findest du mich in meinem Büro." „Danke!",
flüsterte er, bevor er disapparierte.
„Severus,
pass du bitte auf Hermine auf! Ich werde jeden Abend nach ihr sehen,
aber wenn ich nicht da bin, gib du bitte aus sie acht!" Harry
überlegte hin und her, ob er Snape erzählen sollte, was er
von Voldemort und Lucius Malfoy eher unfreiwillig erfahren hatte, tat
es dann aber doch.
„Eure
Ketten? Was sollte er damit wollen?" „Wenn ich das nur wüsste.
Du darfst sie nicht aus den Augen lassen, versprich es mir! Pass
bitte auf, dass sie das Schloss nicht verlässt!"
„Es
gibt ein Problem, Remus!", rief Harry, als er im Hauptquartier
ankam. „Oh, Professor McGonagall!", stellte er verdutzt fest.
„Lasst mich raten, Arthur kommt auch gleich!" „Ich bin hier,
Harry!", hörte er dessen Stimme aus Richtung Flur. Harry war
klar, weshalb sie hier waren und seine Vermutung sollte sich gleich
bestätigen.
„Harry,
was war das heute Abend?", fragte McGonagall ohne Umschweife und
ließ sich in einen der großen Sessel des Salons nieder.
Auch Harry nahm Platz. „Nun, willst du uns nicht sagen, was da
vorgefallen ist?" Ohne auf McGonagalls Frage einzugehen, hob Harry
seine Arme und das Zimmer begann sich zu drehen. Sie befanden sich
nicht mehr im Salon vom Grimmauldplatz Nummer 12, sondern in einer
Art Unterschlupf. Na ja, vielleicht war Unterschlupf nicht gerade das
geeignete Wort dafür. Es war schon etwas mehr, doch komfortabel
konnte man es auch nicht nennen. Es sah doch recht ungepflegt aus.
Wie aus dem Nichts tauchten plötzlich Voldemort und Lucius
Malfoy auf, die sich unterhielten: „Wie viele Leben hat dieser
Bengel eigentlich? Immer wieder durchkreuzt er meine Pläne. Ich
will ihn tot sehen! Wenn ich erstmal seine Kräfte habe, kann
mich niemand mehr aufhalten – ich werde unsterblich sein. VERDAMMT,
ich will endlich die Ketten der beiden Gören haben! Besorgt sie
mir endlich! Ohne sie kann ich den ganzen Plan vergessen. Potter muss
ausgelöscht werden!" „Er ist in Hogwarts, My Lord. Last uns
einfach angreifen! Wir wissen genau dass er dort ist." „Nein,
Lucius, Potter wird es wieder vereiteln. Er ist wie Unkraut, das
kommt auch immer wieder durch. Er wird sterben – ich werde ihn
töten und meine Rache haben! Das er über Nacht seinen so
genannten Freunden nicht zur Hilfe gekommen ist, war nur Taktik von
ihm. Ich habe erfahren, dass es dieser Aurorin Tonks wieder besser
geht. IHR HABT VERSAGT! Crucio!" Lucius Malfoy wandte sich vor
Schmerz auf dem kalten steinigen Boden. Markerschütternde
Schreie kamen über seine Lippen, die einen das Blut in den Adern
gefrieren ließen. Immer lauter schrie er, und Voldemort hatte
gefallen daran. „Bevor er aber stirbt, Lucius, wird er zusehen,
wie ich sein Schlammblut töte. Er wird vor mir knien und um
Erlösung betteln. Ich werde ihn leiden lassen, so wie er noch
nie gelitten hat. Ich werde im alles nehmen was ihm wichtig ist,
alles. Er wird nichts mehr haben, für das es sich zu leben
lohnt. Bald, mein treuer Diener, bald habe ich ihn so weit!"
„Er
will die Ketten?", fragte Remus erschrocken und wurde bleich.
Arthur schwieg und Prof. McGonagall schüttelte nur ihren Kopf.
Was war hier los, was sollte das? „Ja, Remus, er will die Ketten!
Ich habe aber keine Ahnung, was er damit will. Wozu braucht er die,
was nützen sie ihm? Und vor allem: Was ist das für ein
Plan, der ohne die Ketten nicht funktioniert?" Remus fing an sich
eigenartig zu verhalten, und auch Arthur und Minerva McGonagall
wurden sichtlich nervös. Wussten die drei mehr über die
Ketten, als sie Harry gesagt hatten? Genau genommen, hat nur Remus
mit Harry über die beiden Ketten gesprochen. Er hatte ihm
erzählt, dass er und sein Vater sie zusammen als
Verlobungsgeschenk gekauft hatten und dass diese dem Träger
zeigen würde, wie es seinem Gegenstück ging. Mehr hatte er
ihm nicht erzählt. Warum war Voldemort also so scharf auf die
Ketten?
„Wir
müssen rausbekommen, was er damit will!", versuchte Remus von
sich abzulenken. „Außer dass dir deine Kette zeigt, wie es
Hermine geht, gibt es an ihr nichts Besonderes." „Weiß
du denn eine Möglichkeit, wie wir es herausbekommen könnten?",
spielte Harry mit. „Noch nicht, aber ich werde mein Bestes geben!"
Die
Woche verlief einigermaßen ruhig. Bis auf einige kleinere
Einsätze passierte nichts Außergewöhnliches.
Voldemort schien sich bedeckt zu halten, was Harry gar nicht gefiel.
Fudge kritisierte ihn jeden Tag aufs Neue und Harry frage sich
langsam, wann er endlich die Lust daran verlieren würde. Es war
äußerst nervig, jeden Tag die gleichen blöden Sprüche
zu hören, sich für nichts nieder machen zu lassen, doch er
blieb ruhig.
Wie
er es versprochen hatte, besuchte er jeden Abend Hermine in Hogwarts.
Er hatte ihr mal wieder nichts von dem erzählt, was er gesehen
und gehört hatte.
Harry
schlief jede Nacht in Hogwarts. Hermine war beruhigt zu wissen, dass
es Harry gut ging, und auch Harry konnte sich davon überzeugen,
dass seine Verlobte in Sicherheit war.
Es
war Freitagnachmittag – da Harry im Ministerium noch einiges zu
erledigen hatte, was bis in die Nacht rein dauern würde, hatte
er sich mit Hermine erst wieder für Samstagnachmittag im
Phönixcastle verabredet. Es war doch allerhand Arbeit liegen
geblieben.
Remus,
Shaklebolt und Tonks waren ebenfalls noch anwesend. Sie hatten sich
in den Kopf gesetzt, Harry so lange nicht allein zu lasen, wie Fudge
noch im Ministerium war. Die drei hatten keinen blassen Schimmer,
wann dieser Feierabend machen würde. Fast hatten sie schon den
Verdacht, dass Fudge bleiben wollte, bis Harry sich dazu entschied
nach Hause zu gehen. ‚Das wird eine lange Nacht werden', rollte
Remus innerlich mit den Augen. Zwei Sturköpfe, und keiner von
beiden würde nachgeben. Wobei es fatal für die Zauberwelt
wäre, wenn Harry nachgeben würde. Er darf es einfach nicht!
Während
Remus und Shaklebolt sich über den Zaubereiminister
unterhielten, ob dieser freiwillig auf Voldemorts Seite stand oder
nicht, beobachtete Tonks Harry, wie er in eine Akte vertieft an
seinem Schreibtisch saß. „Möchtest du mich etwas fragen,
Tonks?", fragte Harry, ohne vom Schreibtisch aufzusehen. Auf der
Suche nach etwas durchblätterte er genervt die dicke Akte. Tonks
war erst am Vormittag aus dem St. Mungo entlassen worden, doch ließ
sie sich nicht davon abhalten, ins Büro zu kommen. Sie wollte
sich nicht ausruhen oder schonen – Tonks war der Meinung sich genug
geschont zu haben. „Danke, Harry!" Der genannte sah auf. „Ohne
dich, da..." „Bitte nicht, Tonks! Ich habe deinen Dank nicht
verdient, nicht mal im Entferntesten." „Warum sagst du so was?",
fragte Tonks verwundert über seine Reaktion. „Warum, Tonks?
Wenn ich euch gleich zur Hilfe gekommen wäre, hättest du
die Woche nicht im St. Mungo verbringen müssen. Es war mein
Fehler, dass ich euch nicht gehört habe, ein Fehler, der euch
fast das Leben gekostet hätte!" Wieder wollte Tonks etwas
dagegen sagen, doch Harry hinderte sie daran. „Außerdem war
nicht ich es, der dir geholfen hat, sondern allein Fawkes!" „Hör
auf, Harry, Remus hat mir erzählt weshalb du unsere Rufe nicht
gehört hast und auch was du getan hast, damit ich wieder gesund
werde. Ohne dich hätte Fawkes es nicht geschafft. Egal was du
jetzt dagegen sagen wirst, ich bin dir unendlich dankbar. Sag mir
bitte, wie ich dir das danken kann!"
Einen
Moment trat Stille ein. „Harry?", fragte Tonks wieder vorsichtig
an. „Hm?" „Ich… Ich habe keine Erinnerungen mehr an das, was
nach dem Angriff passiert ist. Ich weiß nur noch, dass wir in
eine Falle gelockt und angegriffen wurden. Hast du damit auch etwas
zu tun? Remus wollte mir darüber nichts sagen." Harry sah
wieder auf und blickte in die fragenden Augen seiner Kollegin und
guten Freundin. Nickend und mit einem matten Lächeln gab er ihr
Antwort. „Was hast du getan und warum?"
„Ich
habe dir die Erinnerung und den damit verbundenen Schmerz genommen,
da Fawkes dich sonst nicht hätte heilen können. Dein Gehirn
war zu sehr beschädigt, du konntest nur noch diese Erinnerungen
und den Schmerz wahrnehmen. Auch wenn du im Koma gelegen hast, du
hattest unvorstellbare Schmerzen. Wenn ich dir diese zurückgegeben
hätte, würdest du jetzt nicht hier vor mir stehen. Gib dir
noch eins, zwei Wochen Zeit und dann erzähle ich dir was
passiert ist – einverstanden?" „Wo sind sie jetzt?" Darauf
gab Harry keine Antwort, aber Tonks ahnte es. Kopfschüttelnd
stand sie vor ihm. „Wer hat das von dir verlangt?" „Niemand,
Tonks! Das brauchte auch niemand von mir verlangen, es gab keine
andere Möglichkeit. Lass uns bitte über etwas anderes
reden!"
Tonks
erklärte sich einverstanden, da sie aus Harry nichts mehr
herausbekommen würde. „Wann triffst du Hermine?", lenkte sie
in ein anderes Thema ein. Betrübt schloss Harry die Akte vor
sich: „Morgen Nachmittag erst. Ich muss erst noch das hier
erledigen, bevor Fudge mich auseinander nimmt. Mir klingeln jetzt
noch die Ohren von seinem dummen Gelaber. Vielleicht sollte ich den
ganzen Müll hier hinwerfen!" „Und uns mit ihm allein lassen?
Vergiss es, Harry Potter!"
Harry
war nicht in der Lage gegen anzureden. Er verzog sein Gesicht und
hielt seinen Kopf mit beiden Händen. „Was ist jetzt schon
wieder?", presste er zwischen seinen Zähnen hervor. Doch
plötzlich nahm er Schreie und Hilferufe wahr. Bilder traten ihm
vor Augen - Bilder die von Sekunde zu Sekunde klarer wurden.
Er
sah den Fuchsbau, Schreie halten durch die Luft: „Lasst meine
Kinder! NEIN!" Ein kaltes und gefühlloses Lachen übertönte
die Schreie von Molly Weasley – Voldemorts Lachen. Harry sah Arthur
bewusstlos neben seiner Frau liegen, die verzweifelt versuchte ins
Haus zu gelangen. Immer mehr Todesser apparierten zum Fuchsbau.
Fawkes erschien kreischend über Harry. Es musste wahr sein, es
war so real. Selbst wenn es eine Falle seine sollte, Harry musste es
riskieren. Er durfte keine Zeit mehr verlieren.
„Remus,
Kingsley, wir werden gebraucht!", rief er den beiden entgegen, die
sich immer noch über Fudge unterhielten. „Der Fuchsbau wird
angegriffen!" Tonks schreckte rum und hielt Harry am Arm fest.
„Bist du dir sicher, Harry?" „Ich bin mir nicht
hundertprozentig sicher – es könnte auch wieder eine Falle
sein. Aber Fawkes ist sich sicher. Wenn es nicht der Wahrheit
entsprechen würde, würde Fawkes sich nicht so aufführen.
Kingsley, geh du bitte den Orden alarmieren und du, Tonks, gehst ins
Hauptquartier und bleibst dort!" „Das kannst du nicht von mir
verlangen!", protestierte sie. Harry kannte Tonks bereits so gut,
dass er wusste, dass sie nicht untätig rumsitzen würde.
„Doch, du wirst dich da schön raushalten!" „Harry, nein,
ich werde…" Jedoch was sie würde, sollten die drei Auroren
nicht mehr erfahren, denn Tonks lag bereits schlafend in Harrys
Armen.
Doch
der Fuchsbau war nicht das einzige Problem. Wenn es doch eine Falle
sein sollte, dann war das Hauptangriffsziel mit Sicherheit Hogwarts.
Voldemort würde alles daran setzen, Hermine in seine Finger zu
bekommen. Prof. McGonagall und Snape wies er telepatisch an, für
den Fall, dass Voldemort versuchen sollte die Schule anzugreifen, sie
zusammen mit den anderen Lehrern zu sichern. Harry war sich fast
sicher, dass der Dunkle Lord noch irgendetwas in dieser Richtung
geplant hatte. Er würde so schnell wie möglich zu ihnen
stoßen. Auch durfte Hermine nichts von dem Angriff auf den
Fuchsbau erfahren. Wenn sie doch Wind davon bekäme, würde
sie nicht zögern, Harry zu helfen. Und genau das versuchte er zu
verhindern. „Sperrt alle Kamine, niemand darf oder raus. Passt
bitte auf, das Hermine im Schloss bleibt, meinetwegen schließt
sie irgendwo ein. Egal was, nur Voldemort darf sie nicht kriegen!"
„Lasst
uns los! Kingsley, nimm Tonks bitte mit zum Grimmauldplatz, dort ist
sie sicher!"
Ein
schreckliches Bild tat sich vor ihren Augen auf, als Remus und Harry
am Fuchsbau ankamen. Das Dunkle Mal schwebte über dem Haus der
Weasleys, welches von einer Art Kraftfeld umgeben war. Nach und nach
kamen auch die gerufenen Ordensmitglieder an und stellten sich
gemeinsam mit Kingsley Shaklebolt den Todessern entgegen.
Molly
hatte kaum noch Kraft, vergeblich hatte sie versucht die Barriere zu
durchbrechen, und ihr Mann lag immer noch bewusstlos auf dem Boden.
„Molly,
wie geht es dir?", fragte Harry sie. „Harry, sie sind alle da
drin! ALLE!" Harry drückte sie zum Trost fest an sich. „Ich
hole sie dort raus, versprochen! Ihnen wird nichts geschehen, ihr
werdet sie gesund wieder sehen." „Fawkes, kümmere dich
bitte um Arthur und Molly! Bring beide ins St. Mungo und komm
schnellstmöglich wieder! Ich brauche dich!"
Kaum
war Fawkes mit den Weasleys verschwunden, erschienen vor ihnen einige
Todesser. Harry erkannte die Augen von Lucius Malfoy. „Du bist zäh,
Potter, zu zäh!", höhnte Malfoy Senior. „Kämpf,
Malfoy", schrie Remus und stürzte mit erhobenem Zauberstab auf
sie zu. Harry wich einigen Flüchen aus und feuerte eigene ab. Er
streckte einen Todesser nach dem anderen nieder. Macht flammte in ihm
auf, Macht die nicht zu übersehen war.
Harry
stand kampfbereit vorm Haus der Weasley. Die Flüche, die nun die
immer mehr werdenden Todesser auf ihn losließen, prallten
einfach so an ihm ab. Das eigenartige daran war, das keiner der
Todesser den Avada Kedavra benutzte. Hatte Voldemort es ihnen etwa
untersagt? Und wo war Voldemort überhaupt? Vorhin hatte Harry
dessen kaltes und grausames Lachen noch gehört.
„Harry,
was hast du vor?", lief Remus, den Malfoy gerade entwischt war, auf
ihn zu und wehrte noch einige Flüche ab. „Willst du da etwa
rein? Das Kraftfeld ist viel zu stark, es bringt dich um!" „Ich
muss da rein! Ich kann sie nicht im Stich lassen, Remus. Ich warte
nur noch auf Fawkes." Kaum hatte er diesen Satz ausgesprochen,
erschien Fawkes auch schon über ihm und verschwand in einer
Flamme. Harry konzentrierte sich und auf einmal konnte man mehrere
Aufschreie hören. Einige der anwesenden Todesser lagen
regungslos am Boden. Die übrigen Todesser versuchten zu fliehen.
„Haltet sie auf, sie dürfen uns nicht entkommen!", rief
Harry dem Orden zu. Remus erschrak, als er in Harrys Augen sah. Da
war nichts mehr von dem sonst so leuchtenden Smaragdgrün,
sondern nur Macht, Hass und Wut. „Harry, bitte tut das nicht!
Jedenfalls nicht allein!", flehte Remus ihn an. „Ich bin nicht
allein, Fawkes ist bei mir. Haltet hier die Stellung und sorgt dafür,
dass niemand mehr auf dieses Gelände apparieren kann!
Hoffentlich bis gleich!", entgegnete Harry und verschwand, wie
zuvor der Feuervogel, in einer Flamme. „Harry, du bist wahnsinnig!"
Harry
erschien in der Küche der Weasleys, doch war diese leer – kein
Laut war zu hören, kein Lebenszeichen der Weasley-Kinder. Harry
gingen die schrecklichsten Gedanken durch den Kopf. War er etwa schon
zu spät? Er versuchte sich auszumalen, was Voldemorts Todesser
mit seinen Freunden gemacht haben könnten.
‚Was
war das?' Aufmerksam sah Harry sich in der Küche um, doch
konnte er immer noch nichts erkennen. Aber er spürte, dass
jemand anwesend war, jemand der furchtbare Angst hatte. Da war es
wieder. Hatte er sich also doch nicht verhört. Ein immer
wiederkehrendes Schluchzen drang an seine Ohren, ein Schluchzen,
welches immer lauter wurde. Er ging in die Richtung, aus der das
Schluchzen zu kommen schien. Auf einmal sprang jemand mit erhobenem
Zauberstab aus seinem Versteck hervor und rief: „Stupor!" Ein
roter Lichtstrahl raste auf Harry zu, allerdings verebbte dieser,
bevor er sein Ziel überhaupt erreichte. Für Harry war es
ein Leichtes, solche Flüche aufzuhalten.
„Harry?",
fragte Ginny, wobei sie ihren Zauberstab immer noch kampfbereit in
der Hand hielt. „Harry!", rief sie, als sie realisierte, wer
wirklich vor ihr stand. „Bist du verrückt? Die wollen dich!
Verschwinde wieder, bevor sie merken…" „Zu spät Rotschopf,
haben wir dich! Expelliarmus!" Nichts geschah. Ginny hatte ihren
Zauberstab noch immer in der Hand. Verwunderung stand auf den
Gesichtern der beiden Todesser, die sich an Harry und Ginny
rangeschlichen hatten. „Das war wohl nichts, was?", grinste
Harry. „Was… Potter ist…" „Oh nein, ist er nicht!"
Mit einer leichten Drehung seiner rechten Hand sackten die beiden
Todesser in sich zusammen.
„Harry,
du musst hier wieder raus! Die wollen dich umbringen!", fiel Ginny
weinend zu Boden. Sie wusste, dass sie Harry niemals dazu bringen
würde. „Niemals, Ginny, ich lasse euch hier nicht allein! Wenn
sie mich haben wollen, müssen sie auch damit fertig werden",
versuchte er sie ‚aufzuheitern'. „HARRY, du wirst mit ihnen
nicht allein fertig!", versuchte sie noch einmal ihr Glück.
„Wie
geht es dir, bist du verletzt?", kniete Harry sich neben Ginny,
ohne weiter auf ihren Kommentar einzugehen. „Nein, ich bin nicht
verletzt, ich habe mich gleich versteckt. Sie wissen nicht, dass ich
auch im Haus bin. Glaube ich zumindest", fügte Ginny noch
leise hinzu. „Das ist gut!" Ginny ließ ihren Kopf hängen.
„Ginny, dir ist das doch hoffentlich nicht peinlich? Was du getan
hast, war das einzig Richtige. Weißt du wo deine Brüder
sind?" Ginny zuckte mit den Schultern: „Nein, ich weiß
nicht wo sie sind, aber Angelina und Alicia sind auch hier irgendwo."
„Mach dir keine Sorgen, ich werde sie finden und euch dann hier
raus bringen. Bleib solange hier und versteck dich weiter!" „Wie
geht es Mum und Dad?", hielt sie Harry davon ab aufzustehen, um
damit das eigentlich Unvermeidliche zu verhindern. Sie hatte Angst,
wenn er sich den Todessern stellen würde, dass sie ihn nicht
mehr lebend wieder sehen würde. „Ihnen geht es gut",
versuchte er sie zu beruhigen. „ihr werdet euch bald wieder sehen!"
Harry konnte sich gut vorstellen, wie es wohl in Ginny aussehen
musste. „Harry, bitte, du kannst sie nicht allein aufhalten, es
sind zu viele! Sie bringen dich um!", bettelte sie und hatte dabei
seine Hand fest umklammert. „Ich habe sie gehört, sie haben
irgendetwas geplant." „Ganz ruhig, bitte versteck dich wieder!"
Harry hielt seine freie Hand über Ginnys Kopf: „Ein kleiner
Desillusionierungszauber zur Sicherheit." Zeitgleich spürte
Ginny, wie ihr etwas Kaltes vom Kopf aus über den gesamten
Körper lief. „Bitte tu' mir den Gefallen, höre ein Mal
auf jemand anderes, als auf dich selbst!", versuchte er die
Situation für Ginny etwas einfacher zu gestalten. Ein kurzes
Nicken gefolgt von einem ermutigenden Lächeln und Harry sprang
auf, um die anderen zu suchen.
So
weit Harry wusste, waren neben Ginny und Ron auch die Zwillinge,
Charlie und Bill im Haus. Aber nicht nur diese sechs, sondern laut
Ginny auch noch die Freundinnen von Fred und George. Harry keuchte
leise auf. Alle Weasley-Kinder, außer Percy, waren hier
gefangen. ‚Nein, nein, nein!' Erst jetzt wurde ihm bewusst, dass
dies eine seiner Visionen war. Es war verdächtig ruhig, niemand
war zu hören. Er musste sie schnellstens finden. Das Haus hatte
zu viele Zimmer, es würde einfach zu lange dauern, sie alle zu
durchsuchen, und rufen war ja auch schlecht möglich, denn damit
hätte er sich dann verraten. Also musste er versuchen sie zu
orten. Wie schon auf der Suche nach Snape schloss Harry seine Augen
und versuchte sich auf seine Freunde zu konzentrieren. „Fred,
George, wo seid ihr?", rief er sie telepatisch. Harry konnte
bereits die Furcht der Zwillinge spüren, was hieß, dass
sie am Leben sein mussten. „Ich bin es – Harry!", gab er
sich ihnen zu erkennen. „Harry, bist du wahnsinnig? Verschwinde
wieder!" „Wo steckt ihr?", fragte Harry noch einmal. „Wir
haben uns in unserem Zimmer verbarrikadiert." Kaum hatte Fred
gesagt wo sie waren, erschien Harry in dem Zimmer der Zwillinge. Doch
es war leer, wie ausgestorben. „Verdammt, Fred, was soll das?
Das ist kein Spiel! Jetzt sagt mir endlich wo ihr seid!" „ Ich
dachte, du wärst einer der Todesser, hätte ja sein können."
„Wir sind im Wohnzimmer, aber ich glaube nicht, dass die
Schutzzauber noch lange halten", antwortete George. Auch dieses
Mal waren es nur Sekunden und Harry erschien am genannten Ort.
„Spinnst du Fred?", begrüßte Harry sie. „Das müssen
wir wohl eher dich fragen! Was machst du hier? Hast du sie nicht mehr
alle oder bist du etwa lebensmüde? Die wollen dich, Harry, einen
anderen Grund gibt es für diese Aktion nicht! Und dann kommst du
uns servierst dich ihnen auf dem silbernen Tablett. Anscheinend…"
„Es reicht, George, ich habe dich schon verstanden! Aber glaubst du
wirklich, ich überlasse euch Voldemort und seinen Todessern?"
„Damit rechnen sie doch nur", erwiderte Fred. „Nein, natürlich
nicht!", trat Alicia an George und Harry heran. „George meint es
nicht so. Natürlich lässt du uns nicht im Stich, aber wir
hätten nicht gedacht, dass du hier rein kommst." „Irgendwie
müsst ihr hier doch raus." „Ja, aber sie wollen dich töten!"
Alicia zitterte am ganzen Leib. Liebevoll nahm George seine Freundin
in den Arm. „Keine Angst, Alicia, so schnell stirbt sich das nicht.
Voldemort und seine Stiefellecker haben es schon so oft versucht und
nicht geschafft. Und auch diesmal werden sie damit keinen Erfolg
haben!" Wenn es sich da mal nicht täuschte. Aber sie schienen
seinen Worten nicht zu glauben, doch andererseits wussten sie, welche
Macht Harry hatte, zu was er fähig war.
Angelina
stellte sich neben Fred und nahm seine Hand. „Harry, wie bist du…"
„Stupor!", unterbrach Fred sie. Hinter ihnen standen plötzlich
mehrere Todesser. Unbemerkt war ihr Schutzzauber zusammengebrochen,
was die Todesser natürlich ausnutzten. Einen von ihnen hatte
Fred erwischt, doch die anderen drei feuerten ihre Flüche
gleichzeitig auf Harry ab. Schon fast wie ein Reflex baute sich um
Harry, Fred, George, Alicia und Angelina ein starker Schutzschild
auf, an dem die Flüche abprallten. Einer – es schien ein sehr
starker Schockzauber zu sein – fiel auf einen der drei Todesser
zurück. „Da waren es nur noch zwei", grinste Harry intrigant
und drehte sich zu den letzten beiden Todessern um. „Du hast Mut,
Potter, hier ganz allein aufzutauchen!" „Mut? Um mit euch
Flaschen fertig zu werden, brauche ich keinen Mut. Und wer sagt
überhaupt, dass ich allein gekommen bin?" „Daran gibt es
eigentlich keinen Zweifel, Potterchen", lachte der rechte der
beiden Todesser. „Du würdest niemals jemanden deiner
‚Freunde'" - dieses Wort brachte er so was von abfällig
hervor, dass man hätte glauben können, es wäre pures
Gift es auszusprechen - „hier mit reinziehen und sie wohlmöglich
noch opfern. Wir kennen dich einfach zu gut." „Sicher dass ihr
mich kennt? Wenn ja, dann wärt ihr nicht so leichtsinnig, mir
gegenüber zu treten." Hätte jemand genau hingesehen, dann
hätte derjenige ein Augenzwinkern erkennen können, als
gleichzeitig die Zauberstäbe der beiden Todesser in Harrys Hand
erschienen. Aber es war bestimmt nur ein einfacher Lidschlag, ein
Schutzreflex der Augen. Die Todesser staunten nicht schlecht, ebenso
wie die Zwillinge und ihre Freundinnen. „Was nun?", frage Harry
und winkte mit ihren Zauberstäben. Er sah in die entsetzten
Augen seiner Gegner. „Ihr kennt mich wohl doch nicht so gut, was?"
Harry trat aus dem Schutzschild und stellte sich direkt vor die
Todesser. Beide trauten sich nicht auch nur einen Schritt zu machen.
Harry bemerkte, was die beiden stattdessen vorhatten. Da der
Antiapparationszauber nicht für die Todesser galt, machen sie
Anstalten zu disapparieren, jedoch hinderte Harry sie daran - sie
konnten sich nicht mehr bewegen. Er sah wie ängstlich ihre Augen
durchs Wohnzimmer der Weasleys huschten. „Kämpfe wie ein Mann,
Potter!", zischte einer der Todesser unter seiner Kapuze. Harry
lachte: „Ich habe keinen Zuberstab, seht ihr? Ich habe hier nur
eure." Ohne große Kraftanstrengung zerbrach er die beiden
Zauberstäbe. „Ups, war ich das etwa? Entschuldigt bitte, nun
habt ihr auch keinen mehr. Na dann los, lasst uns wie Männer
kämpfen!", verlangte Harry spielerisch. Fred, George, Alicia
und Angelina verfolgten besorgt das Schauspiel.
Wieder
versuchten sich die Todesser aus dem Staub zu machen, doch auch
dieses Mal ohne Erfolg. Harry hob beide Arme und führte sie
rasch zusammen. Im gleichen Moment schlugen die Köpfe der
Todesser begleitet von einem unschönen Geräusch zusammen.
Wie Mehlsäcke sackten sie in sich zusammen. „Genug gespielt!
Habt ihr eine Ahnung wo die anderen sind?", wandte Harry sich an
die vier, die ihn mit offenen Mündern anstarrten. „Stimmt
etwas nicht?" „Harry, erinnere uns bitte daran, immer auf deiner
Seite zu stehen, auch falls du sie wechseln solltest!" „In
Ordnung, Fred, aber wisst ihr nun wo sie sind?", fragte er wieder.
„Wir müssen hier endlich raus!"
Bedrückt
schüttelten die vie ihren Kopf und Harry fing erneut an sich zu
konzentrieren.
„Bill,
Charlie und Ron geht es gut. Ich weiß zwar im Moment nicht
genau wo sie sind, aber es geht ihnen wirklich gut. Das liegt am
Schild der Todesser, oder besser gesagt an Voldemorts Schild, denn
die Todesser würden niemals ein Kraftfeld dieser stärke
aufbauen können", beantwortete er Freds unausgesprochene
Frage. „Ich konnte auch nur durch Fawkes hier her gelangen. Ich war
mich nicht mal sicher, dass es funktionieren würde. Hätte
auch schief gehen können."
„Wir
sind hier!", rief Charlie und kam gefolgt von Bill ins Wohnzimmer.
„Aber wir können Ron und Ginny nicht finden. Die Todesser sind
immer noch hier." Dabei fiel sein Blick auf die am Boden liegenden
Todesser. „Ich sehe, du hast schon angefangen aufzuräumen."
„Ginny hat sich versteckt, ihr geht es gut. Sie ist auch nicht
verletzt. Ron werde ich noch finden!" Die sechs atmeten erleichtert
auf. Wenigstens das jüngste Familiemitglied konnte sich
verstecken. „Hast du eine Ahnung wie es Mum und Dad geht?",
fragte Charlie. „Auch sie sind in Sicherheit. Euer Vater war zwar
bewusstlos, aber Fawkes hat ihn ins St. Mungo gebracht. Ich denke,
nein ich bin mir sicher, dass es ihm bereits wieder gut geht und
beide auf euch warten. Also sollten wir zusehen, dass wir euch hier
raus bringen! Wie viele Todesser sind im Haus?" „Insgesamt?",
überlegte Charlie, während Bill stumm neben ihm stand.
„Etwa zehn, aber genau weiß ich es nicht." Harry entgegnete
nichts darauf. Wie versteinert stand er zwischen ihnen und fixierte
die gegenüberliegende Wand. „Harry?", fragte Fred. Harry hob
die Hand und wies ihn an, still zu sein. „Es kommen noch mehr",
sagte Harry leise. „Ich muss etwas unternehmen, damit sie hier
nicht rein können. Falls doch, dann… Na ja, daran mag ich
lieber nicht denken."
Er
fiel auf seine Knie und ließ den Kopf sinken. Einige Male
atmete er tief ein und aus. Immer tiefer wurden seine Atemzüge
und seine Haare begannen zu fliegen. Um ihn herum baute sich ein
immer deutlicher werdender silbriger Schleier auf, bis er ganz von
ihm umgeben war. Eine unvorstellbare Macht, die selbst die vier
Weasley, Angelina und Alicia spüren konnten, ging von Harry aus.
Er breitete seine Arme aus und ein durchsichtiger Phönix stieg
empor und verschwand durch die Decke. Ein ohrenbetäubender Knall
war zu hören, welcher Harry verriet, dass er es tatsächlich
geschafft hatte.
Erschöpft
stützte er sich mit seinen Händen auf dem Boden ab.
„Geschafft!" „Was hast du geschafft?", fragte Alicia
verblüfft und half ihm auf. „Danke! Es kann jetzt niemand mehr
hier rein. Auch das Antiapparationsfeld der Todesser ist zerstört
und mein eigenes steht. Sie sitzen in der Falle. Stellt euch dicht
zusammen und fast euch an den Händen! Fawkes bringt euch hier
raus und dann ist alles vorbei." „Und du?", fragte Charlie.
„Ich kümmere mich um die Todesser!" „Aber nicht allein!",
warf Bill ein. Das war das erste Mal, dass er seit dem Vorfall im St.
Mungo etwas zu Harry gesagt hatte. „Und ob, Bill!" „Nein,
Harry, ich bleibe und werde dir helfen!" „Das wirst du nicht! Du
gehst mit Fawkes und ich werde Ron suchen und anschließend den
Todessern Manieren beibringen!" „Harry, du…" „Bill, es
langt, ich habe nein gesagt!"
Die
sechs taten was Harry ihnen sagte und stellten sich im Kreis auf.
Alle nahmen die Hand ihres Nachbarn, nur Bill drehte sich noch einmal
zu Harry um. „Harry, das im St. Mungo…" „Nicht jetzt, darüber
reden wir später!" „Ich hatte solche Angst um sie!",
versucht Bill sich zu rechfertigen. „Die war auch mehr als
berechtigt, Bill. Nun los, bevor es zu spät ist!"
„Das
ist es jetzt wohl!", rief jemand, dessen Stimme Harry nur zu gut
kannte – es war die Stimme von Draco Malfoy. „Ich habe auch
nichts anderes erwartet!", erwiderte Harry und erschuf gleichzeitig
ein starkes Schutzschild um seine Freunde. „Haltet euch bereit! Und
egal was passiert, ihr bleibt ruhig!", flüsterte er ihnen zu,
bevor er sich umdrehte.
Ihm
blieb fast die Luft weg, als er sah wer bei Draco Malfoy und vier
weiteren Todesser stand oder besser kniete. „Ron!", keuchte
Harry. Ron kniete mit blutverschmiertem Gesicht zu Malfoys Füßen.
Dieser zog den Kopf des verletzten Weasleys nach hinten und hielt ihm
seinen Zauberstab an die Kehle. „Hau ab!", zischte Ron Harry
entgegen. „Ich glaube nicht, dass du in der Lage bist etwas zu
sagen, Wiesel!", ranzte Malfoy ihn an und zog noch heftiger an
seinen Haaren, so dass dessen Blick zur Decke ging. Von oben herab
sagte Malfoy: „Ich habe dir doch versprochen, dass ich dich fertig
machen werde, schon vergessen?" Bill, Charlie und die Zwillinge
machten Anstalten Ron zu helfen, doch kamen sie nicht durch Harrys
Schutzschild. Abermals deutete Harry an, dass sie sich ruhig
verhallten sollten. „Nein, habe ich gesagt!"
„Was
ist das für ein Gefühl, Potter, hier zu stehen und nicht zu
wissen, was man machen soll? Du willst ihn doch nicht verletzen,
oder?", grinste Malfoy Junior hinterlistig und die restlichen
Todesser lachten wie auf Bestellung. Harry überlegte hin und her
was er tun sollte. Natürlich wäre es ein leichtes für
ihn, die Todesser auszuschalten, doch wäre da noch die Gefahr,
dass er Ron dabei verletzen würde. Er musste zugeben, Malfoy
hatte alles gut geplant. Aber war es tatsächlich Draco Malfoy
gewesen, dem dies alles eingefallen war? Vor so einer Situation hatte
er immer Angst gehabt – seine Freunde waren seinetwegen in Gefahr.
„Was, Potter ist sprachlos? Ein Wunder!", lachte Malfoy abfällig.
„Davon habe ich lange geträumt – Harry Potter weiß
nicht was er tun und sagen soll."
„Was
hast du davon, was hat dir Voldemort versprochen?", fragte Harry
und machte ein Schritt auf ihn zu. „Der Dunkle Lord brauchte mir
nichts versprechen." ‚Der Dunkle Lord' betonte Draco so stark,
als wenn es die einzig wahre Bezeichnung für seinen Meister wäre
und jeder andere Name eine Beleidigung ihm gegenüber, ein
Frevel, ein Verstoß der geahndet werden muss. Und genau das
hatte er auch vor. Er wollte Harry zeigen, wie schwach und hilflos
dieser in Wirklichkeit war, ganz im Gegensatz zu ihm selbst. Doch
hatte Draco Malfoy sich nicht immer schon ein wenig überschätzt?
„Dich leiden zu sehen, am Boden zerstört, das ist Lohn genug!"
Harrys Augen verengten sich bei der grinsenden Visage seines
ehemaligen Schulkameraden. „Der Lord ist gleich hier und dann bist
du fällig!" Wieder lachten die Todesser diabolisch, was Harrys
Wut noch höher spielte. „Wo ist er denn, was hält ihn
auf?", fragte Harry ungehalten. „Ich denke, er will mich
unbedingt haben, dann soll er auch kommen, denn so viel Zeit habe ich
leider nicht. Auf mich wartet noch genug Arbeit, die ich wegen eurer
kleinen Show hier unterbrechen musste." Malfoys Grinsen wurde noch
breiter, sofern dies überhaupt möglich war. „Nicht was,
Potter, sondern wer hält ihn auf? Er ist noch sehr beschäftig."
Er sah auf Ron und dann wieder zu Harry. „Aber sag mal, Potter, wie
würdest du dich entscheiden? Wen würdest du retten wollen?
Das Wiesel hier oder deine Schlammblutschlampe beim Dunklen Lord?"
Harry wurde blass vor Entsetzen. Er griff an seine Halskette und sah
in Rons ebenfalls geweiteten Augen. Auch dieser begriff, was Malfoy
meinte. „Na, Potter, er oder sie?"
Harry
begann zu zittern – vor Wut oder aus Angst um Hermine, konnte man
nicht genau sagen, wohl eher beides. „Das glaube ich nicht!"
„Nein? Schade! Aber vielleicht ist sie ja auch schon tot",
entgegnete Malfoy kühl. Ihm war Hermines Schicksal völlig
egal. Es interessierte ihn nicht, wie es ihr ging, wie sie durch
Voldemort leiden musste. Er mochte sie noch nie und würde sie
auch nie mögen. Seiner Meinung nach war sie es nicht wert, einen
Zauberstab zu besitzen. „Ich hätte gemerkt wenn ihr etwas
passiert wäre!", erwiderte Harry nun nicht mehr so sicher. Er
hatte Angst. Malfoys selbstgefälliges Grinsen beunruhigte ihn
sehr, obwohl er wusste, dass dieser ein sehr guter Schauspieler war.
Aber schon einmal hatte Harry nicht gespürt, dass jemand seine
Hilfe benötigte. „Nich doch, nich doch! Nicht wenn wir dieses
Spektakel gleichzeitig inszeniert hätten. Oh ja, diese Schreie
übertreffen alles!"
Harry stand am Abgrund, er musste nur
noch springen. „Ihr habt das alles veranstaltet, nur um Hermine in
die Finger zu kriegen?", fragte er schon fast verzweifelt. Beim
Klang von Harrys verzweifelter Stimme schien Draco noch mehr Ehrgeiz
zu entwickeln. „Na irgendwie mussten wir dich und deine ach so
tapferen Gefährten doch ablenken! Und auch die Wieselbande wäre
ansonsten mit Sicherheit nicht mehr am Leben. Das ihre verräterischen
Herzen noch schlagen, hast du eigentlich nur der Granger zu
verdanken!"
Malfoy
zog seinen Zauberstab ein Stückchen weg von Ron, doch zeigte die
Spitze immer noch auf sein auserwähltes Opfer. Harry war unfähig
irgendetwas zu tun oder auch nur einen klaren Gedanken zu fassen.
Genugtuung konnte er auf dem Gesicht des Malfoyerben erkennen,
Genugtuung ihn, Harry Potter, am Boden zerstört zu sehen. „Du
kannst hier nicht mehr raus, Potter!", redete er weiter. „Du
kannst ihr nicht mehr helfen! Erst wirst du leiden, leiden und
nochmals leiden – immer und immer wieder, bis alle deine Freunde
tot sind. Und dann bist du an der Reihe zu sterben, und zwar ganz
langsam! Ich werde dir dabei in die Augen sehen, bis du sie für
immer geschlossen hast!" Malfoy schien gefallen an seiner kleinen
Rede zu haben. „Erst stirbt deine Seele mit jedem deiner so
genannten Freunde Stück für Stück. Einen tollen Freund
hast du da Wiesel! Lohnt es sich tatsächlich, für ihn zu
sterben?" Draco wandte sich wieder an Harry. „Und dann, Potter,
stirbt dein Körper und all deine Macht bekommt der Lord!" Erst
jetzt schien Ron zu begreifen, was Harry damit gemeint hatte, als er
sagte: ‚Falls Voldemort mich tötet, wird es schlimmer und
grausamer als je zuvor!' „Noch ist es nicht zu spät,
Malfoy, gib auf!", rief Harry und funkelte sein Gegenüber
wütend an. Langsam schien sein Kampfwille wieder zu ihm
zurückzukehren. „Warte, warte, es wird noch besser!", rief
Malfoy lachend, bevor er tief Luft holte und die Worte „Avada
Kedavra", formte. Ohne groß darüber nachzudenken, hob
Harry seine Arme und lief auf Ron und die Todesser zu. Malfoys Augen
weiteten sich. Er konnte nicht glauben, was Harry vorhatte. War
dieser Kerl denn völlig übergeschnappt? „NEIN!", schrie
er. Aber wieso? Wieso wollte Draco Malfoy nicht, dass Harry vom Avada
Kedavra getroffen wurde? Er wäre ihn dann los. Aber schon vor
dem Fuchsbau hatte keiner der Todesser den Todesfluch auf Harry
losgelassen.
Die
Todesser flogen allesamt auseinander und Malfoy schlug unsanft an der
Wand an. Den Fluch hatte er unwiderruflich ausgesprochen, doch kam
dieser nie bei Ron an. Harry hatte sich noch gerade rechtzeitig vor
Ron geworfen und ein dicker silbern-rötlich schimmernder
Schleier umgab beide. Der Avada Kedavra war einfach so an ihnen
abgeprallt und hatte stattdessen einen der anwesenden Todesser
getroffen, der lautlos zu Boden sackte. Es ging alles so schnell, er
hatte nicht mal Zeit aufzuschreien. „Was?", keuchte Malfoy, der
immer noch an der Wand stand. Nun ja, stehen konnte man nicht direkt
dazu sagen, er klebte förmlich daran. „Das war der
Todesfluch!" Harry rappelte sich auf und half Ron auf die Beine.
„Wie geht es dir, Kumpel?" „Danke! Geht schon, Harry, aber was
ist mit Hermine?" Harry wandte sich von Ron ab und ging auf Malfoy
zu. „Wo ist er?" Der angesprochene schüttelte seinen Kopf.
„Wo habe ich gefragt?", schnaubte Harry ihn an hielt mit seiner
rechten Hand dessen Kehle fest umklammert. Wieder schüttelte
Malfoy seinen Kopf und fing an zu lachen: „Es ist zu spät,
Potter, sie ist längst tot!" „Sie ist nicht tot! Er will sie
vor meinen Augen töten, Malfoy. Ich denke, du weißt, was
dein ‚Meister' alles geplant hat?" Harry versuchte die
Kontrolle über sich zu behalten, er brauchte jetzt einen klaren
Kopf. Immer noch der Meinung, dass er gewinnen würde, sagte
Malfoy: „Potter, du stehst eindeutig auf der falschen Seite, auf
der Verliererseite! Dein Schlammblut wird sterben und du kannst
nichts daran ändern - sie ist verloren. Ich kann ihre Schreie in
meinen Ohren hören, das muss Musik gewesen sein!" Das war zu
viel für Harry. Eine Handbewegung in Malfoys Richtung und dessen
Kopf schlug geräuschvoll gegen die Wand. Blut lief ihm
unaufhaltsam aus der Nase, was Harry wenig störte.
Aber
nun wurde Malfoy so richtig wütend! Seine blutende Nase
ignorierend, stürzte er sich fauchend auf Harry. Dieser hatte
nicht damit gerechnet und musste so einen harten Faustschlag in den
Magen hinnehmen. Dies hatte Malfoy nicht umsonst getan! Harry
explodierte förmlich und deckte seinen Widersacher mit einer
Reihe von harten Schlägen ein. Immer weiter prügelte er auf
den Malfoy-Sprössling ein, prügelte seine ganze Wut, seinen
Frust und auch seine Angst um Hermine auf Malfoy nieder. Vergessen
war die Magie - jetzt regierte in Harry nur noch der lang angestaute
Hass auf Draco Malfoy! Anfangs wehrte sich dieser noch, aber gegen
einen wütenden Harry hatte er keine Chance - nicht die
Geringste! Wie von Sinnen schlug Harry auf Malfoy ein, und nicht nur
einmal konnte man einen Knochen mit einem trockenen Knacken brechen
hören und Blutspritzer davon fliegen sehen. Schließlich
lag Malfoy als blutendes Bündel auf dem Boden und rührte
sich nicht mehr. „Lass gut sein, Harry!", versuchte Ron ihn zu
stoppen, bevor er den Blonden noch umbrachte. Rons Geschwister
befreiten sich nun auch von dem Schutzschild und gemeinsam schafften
sie es, Harry von Malfoy zurück zu ziehen. Schnell suchte Bill
nach Malfoys Puls. 'Zum Glück, er lebt noch!' Keiner wollte dass
Harry zum Mörder wurde, auch wenn es Malfoy noch so sehr
verdient hätte! Zum Mörder wurde? War genau dies nicht sein
Schicksal? Entweder er würde zum Mörder werden oder
Voldemort würde ihn umbringen. Entweder oder - es gab nur diese
beiden Möglichkeiten…
Langsam
beruhigte sich Harry wieder etwas. Immer noch schwer atmend starrte
er auf das blutige Etwas, dass einmal der Prinz der Slytherins
gewesen sein sollte. Wieder zu Sinnen gekommen, sah er in die
schockierten Gesichter seiner Freunde. Nein, er schämte sich
nicht Malfoy so vermöbelt zu haben, aber es war ihm peinlich,
dass gerade seine Freunde sehen mussten, wie er ausgerastet war.
Wortlos trat der Rotschopf an seinen besten Freund heran und legte
ihm eine Hand auf die Schulter. „Komm, Harry, lass ihn, wir müssen
uns jetzt um Hermine kümmern", sagte er mit ungewohnt ruhiger
Stimme. „Ich spüre nichts, Ron!", sagte Harry wieder etwas
ruhiger, doch seine Augen verrieten ihn. Aus irgendeinem Grund
glaubte er Malfoy. Er hatte Angst – Angst Hermine zu verlieren.
Bill,
Charlie und die Zwillinge verschnürten unterdessen die noch
lebenden Todesser. „Ich gehe sie suchen!", bemerkte Harry
entschlossen. „Ihr seid hier sicher, es kann kein Todesser mehr ins
Haus, nur ausgewählte Ordensmitglieder und natürlich eure
Eltern." „Harry, bleib!", flehte Ron ihn an. „Geh nicht ohne
Hilfe!" „Ron, ich kann sie nicht Voldemort überlassen!"
„Das sollst du auch nicht, aber bitte, geh wenigstens nicht
allein!", bat Ron inständig. Doch Harry ließ sich nicht
umstimmen. „Ich hoffe bis nachher!", verabschiedete er sich und
war nur Sekunden später verschwunden. „Harry, nicht!",
brüllte Ron ihm sinnloser Weise nach. „Wir müssen den
anderen bescheid geben, damit sie Harry suchen! Wenn Remus erfährt
was er vorhat – er rastet aus!", rief Charlie. „Er schafft das
nicht allein! Wer weiß, was dort auf ihn wartet", warf Bill
ein und apparierte vor den Fuchsbau, was dank Harrys Hilfe für
die Weasleys nun kein Problem mehr war.
Dass
Harry nicht spürte, wie es seiner Hermine ging, machte ihn noch
nervöser. Was wäre, wenn Malfoy gelogen hatte und ihn damit
nur in eine Falle locken wollte? Immerhin wusste er, wie alle anderen
auch, dass Harry alles für seine Freunde, insbesondere für
Hermine, tun würde. Egal, er durfte es nicht riskieren, ihr
Leben aufs Spiel zu setzen.
Harry
versuchte sich trotz seiner Sorgen und Ängste zu konzentrieren –
er musste sie schnellstens finden. „Severus!", versuchte
Harry in dessen Geist zu gelangen. „Harry, es war alles nur
Ablenkung!", antwortete ihm Snape, doch schien es auch ihm
nicht besonders gut zu gehen. „Er hat Hermine, ich konnte sie
nicht beschützen!" Selbst in seinen Gedanken wurde Snape
immer schwächer. Harry hatte zu kämpfen, dass die
Verbindung zwischen ihm und Snape nicht abriss. „Sag mir wo du
bist und ich komme und helfe dir!" „Nein, Harry, bleib wo du
bist! Es ist eine Falle, sie warten hier irgendwo auf dich. Ich kann
sie zwar nicht sehen, aber sie sind hier, da bin ich mir sicher."
„Wo ist hier, wo steckst du? Verdammt, hör auf deinen Geist
vor mir zu verschließen zu wollen, das funktioniert so oder so
nicht, es hält nur auf und kostet dich Kraft! Das Spielchen
hatten wir doch schon mal. Fawkes, such bitte diesen Sturkopf!"
„Auf dem Hügel in Little Hangleton", gab Snape endlich
auf. Auch wenn es etwas länger dauern würde, Harry hätte
ihn so oder so gefunden. „Komm bitte nicht allein, du brauchst
Hilfe!"
Die
Verbindung zwischen den beiden brach ab. Augenblicklich apparierte
Harry nach Little Hangleton und fand seinen früheren
Zaubertränkelehrer verletzt am Boden vor dem ehemaligen Anwesen
der Familie Riddle liegen.
„Severus!
Severus, wach auf! Was haben die mit dir gemacht?", flüsterte
Harry fast. Auch er war sich sicher, dass die Todesser hier auf ihn
warten würden. Alle seine Sinne waren aufs Äußerste
geschärft, damit er einen Angriff auf sich nicht zu spät
bemerkte.
Er
sprach einen Analysezauber über seinen ehemaligen Professor und
atmete erleichtert auf. „Fawkes, weck ihn bitte auf!" Ganz
langsam und mit größter Kraftanstrengung hob Snape seinen
Kopf. „Ich war nicht in der Lage sie zu beschützen, Harry, ich
habe versagt." Stöhnend ließ er seinen Kopf wieder
zurück ins feuchte Gras fallen. Er sah schlimm zugerichtet aus.
„Ganz ruhig Severus, niemand macht dir Vorwürfe!" „Die
haben sie…" „Überanstreng dich nicht! Weißt du wo
sie Hermine hingebracht haben?" „Nein", antwortete Snape. „Es
ging alles so schnell, wir hatten kaum eine Chance. Sie hat nach dir
gerufen, hat gesagt, du stirbst. Ich habe sogar die Bilder gesehen,
die der Dunkle Lord ihr in den Kopf gesetzt hat. Die beste
Okklumentik hätte dagegen nichts genützt. Ich habe versucht
sie davon zu überzeugen, dass die Bilder nicht wahr sind, aber
sie hat mir nicht geglaubt. Harry, sie hat auf einmal Kräfte,
die ich bei ihr noch nie gesehen habe. Sie konnte in Hogwarts
apparieren. Und nach dem letzten Angriff auf dich…" Snape war
völlig fertig, er konnte nicht mehr. Jedes Wort brachte ihn der
Ohnmacht ein Stückchen näher. Harry ließ sein Blick
über das Anwesen gleiten und dann hinunter ins Dorf. „Natürlich,
der Friedhof!" Er konzentrierte sich auf Hermine und tatsächlich,
sie war auf dem kleinen Friedhof von Little Hangleton. „Nicht
allein!", brachte Snape brüchig hervor. „Ich muss, Severus!
Fawkes, bring ihn zurück nach Hagwarts, Madame Pomfrey wird sich
um ihn kümmern. Beeil dich bitte, ich brauche dich dann auf dem
Friedhof!" Auch Fawkes schien dies nicht für eine all zu gute
Idee zu halten, er wollte Harry nicht allein lassen. „Bitte",
streichelte er den Phönix „er braucht Hilfe!" Fawkes
schmiegte seinen Kopf an Harrys Hand und ließ eine Träne
in diese fallen. „Danke, ich weiß, dass ich auf dich zählen
kann! Wir treffen uns auf dem Friedhof." Doch wie heißt es so
schön? Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt!
Entschlossen stand Harry auf – er würde sie niemals allein
lassen. „Ich hole sie da raus, wie sehen uns gleich wieder!",
verabschiedete er sich von Snape und disapparierte.
Harry
stand auf dem Friedhof von Little Hangleton, auf dem Voldemort vor
etwas über vier Jahren mit Harrys Hilfe seinen Körper
zurückbekommen hatte. Hätte er zu dem Zeitpunkt doch nur
das gekonnt, was er jetzt beherrschte – Cedric würde noch
leben und Voldemort wäre nicht wieder auferstanden! Und wieder
einmal wurde ihm schmerzlich bewusst, dass auch sein Pate sich seines
Lebens erfreuen würde.
Der
Friedhof war verlassen, keine Menschenseele war zu sehen oder zu
hören, selbst der Wind schien zu schweigen. Aber wieso? Er war
nicht mal zu spüren. Vorhin noch war es schon fast stürmisch
gewesen!
Hinter
Harry befand sich das Grab von Tom Riddle, Voldemorts Vater, an
dessen Grabstein er Harry gefesselt hatte. Harry drehte sich um, um
seine Erinnerungen zu vervollständigen. Nie wieder würde er
diesen Tag vergessen können. Auch wenn er es wollte, würde
ihm die fies grinsende Visage des Dunklen Lords nicht in Frieden
lassen. Sie würde ihn verfolgen, bis zum Ende.
„Hermine!",
keuchte er erschrocken auf. Sie war genau wie Harry damals an den
Grabstein gefesselt, jedoch schien sie ohnmächtig zu sein. Er
kniete sich neben seine Verlobte und beugte sich vor: „Hermine",
strich er ihr vorsichtig über die Wange. „Wach auf!",
flüsterte er ihr zu und löste mit einer einzelnen
Handbewegung ihre Fesseln. Langsam wurde sie wach und sah Harry mit
weiten Augen an, in denen er Furcht und Entsetzen erkennen konnte.
„Harry, was machst du hier? Es ist eine Falle, du musst hier sofort
verschwinden! Sie kommen bestimmt gleich wieder!", sagte Hermine,
während sie versuchte aufzustehen. Es gelang ihr nicht ganz. Ihr
Bein schien verletzt zu sein. „Ich werde nicht ohne dich gehen,
Hermine!" „Es tut mit Leid!", rief sie aufgeregt. „Ich
dachte, du wärst verletzt und wollte dir helfen. Voldemort hat…
Es kam mir so real vor! Severus hat versucht mich aufzuhalten. Er ist
mir sogar bis nach Little Hangleton gefolgt. Er hat gesagt, dass es
dir gut geht, das Voldemort mich versucht zu manipulieren, aber ich
habe ihm nicht geglaubt! Ich konnte auf einmal… Ich weiß
nicht, wie Severus mich gefunden hat. Als er mich mit zurücknehmen
wollte, wurden wir angegriffen." Ihre Stimme zitterte, sie war
völlig erschöpft. „Harry, verzeih mir, ich wollte dicht
nicht…" „Sccchhh!", strich Harry ihr zur Beruhigung sanft
über die Wange. „Ich bin bei dir!" „Wie geht es Severus,
lebt er?" „Später, Hermine, wir müssen erstmal hier
weg! Ich bin froh, dass dir nichts passiert ist", küsste Harry
sie. „Ich dachte schon sie hätten dich…" Harry konnte
diesen Satz nicht beenden, stattdessen suchte er erneut ihre Lippen.
„Komm,
wir müssen, bevor sie wiederkommen!" Er nahm Hermine auf seine
Arme, welche sich ängstlich an ihm festhielt. „Wir sind gleich
zu Hause!" Einen letzten Kuss und Harry apparierte zusammen mit
Hermine. Zumindest hatte er es vor.
Verwundert
sah er Hermine an und probierte es gleich noch einmal. Doch wieder
ohne Erfolg. „Was ist los? Harry, warum kannst du nicht
apparieren?" Ängstlich sah Hermine sich um, doch konnte sie
niemanden sehen. Auch sie hatte vorhin mehrmals versucht zu
apparieren, was nicht geklappt hatte, aber Harry? Warum funktionierte
es bei ihm nicht? „Ich kann nicht, Hermine, irgendetwas hindert
mich daran!" Vorsichtig setzte er sie wieder auf dem Boden ab.
„Fawkes!" Doch auch hier geschah nichts. „Fawkes!",
rief er wieder in Gedanken. „Verdammt, ich kann Fawkes nicht
erreichen! Was ist das für ein Kraftfeld?" „Harry, pass
auf, hinter dir!", warnte Hermine ihn. Harry begriff und nickte ihr
zu. Er konnte sich schon denken, wer hinter ihm stand. Harry lächelte
Hermine und gab ihr einen Kuss, der ihr Mut zusprechen sollte. „Ich
liebe dich!", flüsterte er ihr leise zu.
„Wie
rührend!", rief Voldemort, der mit auserwählten Todessern
hinter Harry und Hermine stand. Harry stand auf und drehte sich zu
ihm um. „Na, Potter, wie gefällt dir mein kleines Kraftfeld?
Ist mir gut gelungen, oder nicht? Da du ja so tapfer und heldenhaft
mein Kraftfeld von dieser schäbigen Bruchbude überwunden
hast, hast du mir mehr als geholfen. Daher habe ich genau gewusst,
was dich aufhält!"
Harry
staunte nicht schlecht, damit hatte er nicht gerechnet. Er könnte
Fawkes jetzt sehr gut gebrauchen, aber anscheinend musste er auf ihn
verzichten. „Ich habe genau gewusst, dass du kommen und deine
kleine Freundin retten würdest, Potter", lachte Voldemort kalt
und ging ein Schritt auf Harry zu.
„Schön
für dich!", zischte Harry ihm genau so kalt entgegen und
stellte sich schützend vor Hermine. „Und was hat dich da so
sicher gemacht?", wollte Harry weiter wissen. Er musste Voldemort
unbedingt ablenken. „Hermine, versuch zu apparieren, versuch es
immer und immer wieder! Und wenn es geklappt hat, komm ja nicht
zurück!" „Ach, Harry", seufzte Voldemort theatralisch
und ging noch weiter auf beide zu. „Versuch es weiter, bitte!"
„Der größte Fehler den man begehen kann, ist zu lieben.
Du siehst wo das hinführt. Du liebst" Bei diesem Wort
schüttelte sich Voldemort, was seine Todesser zum Lachen
veranlasste. „dein Schlammblut viel zu sehr, um sie mir zu
überlassen!" „Ich bin aber nicht allein gekommen!",
fauchte Harry. „Nur eine kleine Handbewegung und der gesamte Orden
steht an meiner Seite, um dir kräftig in den Arsch zu treten!"
Voldemort lachte auf: „Das denke ich nicht! Hier kommt niemand
außer meinen treuen Todesser rein oder raus. Nicht mal dein
lästiger Phönix, wie du schon bemerkt hast. Und außerdem
würdest du mir niemanden freiwillig ausliefern. Du würdest
niemanden in den Tod schicken, lieber versuchst du es allein. So bist
du, Potter – berechnend, und das schätze ich an dir!"
In
Harry stieg wieder unbeschreibliche Wut auf. „Für was hältst
du ich eigentlich?", warf er dem Dunklen Lord an den Kopf.
Voldemort sah seine Todesser grinsend an. „Für den größten?
Für den Herrscher der Welt?" Diese Worte klangen in Harrys
Ohren mehr als lächerlich. „Wohl eher größenwahnsinnig!
Was sollte das mit den Weasleys?", fragte Harry, und auch er ging
einen weiteren Schritt auf seinen Widersacher zu. Nur noch wenige
Meter waren die beiden von einander entfernt. „Es war nur ein Test,
Harry, den du mit Bravur bestanden hast, wenn ich dir das sagen darf.
Ich habe alles beobachtet – tolle Leistung muss ich zugeben!",
sagte Voldemort anerkennend. „Eigentlich hätte es niemand
schaffen können mein Kraftfeld zu durchbrechen, aber du… Und
wie du den Bengel vor dem Avada Kedavra gerettet hast – ich dachte
erst, du willst dich selbst umbringen und mir die Freude nehmen",
lachte der Lord. „Ach so, und dann war da ja noch dein eigener
Schutz fürs Haus. Ich hätte es nicht besser machen können
– Glückwunsch!"
Harry
glaubte seinen Ohren nicht zu trauen. „Das war alles nur ein
Spiel?", fragte er fassungslos. „Ja, warum nicht? Ich wollte
wissen, welche Macht du noch so hast, welche Kräfte noch alles
in dir stecken. Harry, ich mache dir ein Angebot." Er sah fies
grinsend zu Hermine und dann wieder zu Harry. „Schließ dich
mir an und du wirst erfahren, was wirkliche Macht bedeutet! Wenn du
einwilligst, rettest du ihr damit das Leben."
Harry
sah Voldemorts Augen aufblitzen. Er drehte sich zu Hermine um und sah
ihr fest in die Augen. Harry schien wirklich über Voldemorts
Angebot nachzudenken. Hermine wusste, dass Harry alles tun würde,
um sie zu retten. Sie schüttelte ihren Kopf und versuchte erneut
aufzustehen, was ihr jedoch wieder nicht gelang. „Nein, niemals!",
rief sie dem Dunklen Lord entgegen. „Halt dich da raus,
Schlammblut!", bellte er und richtete seinen Zauberstab auf sie. Er
konnte sich gut vorstellen, welchen Einfluss Hermine auf Harry hat.
„Misch dich nicht in Dinge ein, von denen du keine Ahnung hast!"
Harry stellte sich ihm in den Weg. „Mut, Potter, den hast du! Wie
entscheidest du dich?" „Sie hat dir die Frage bereits
beantwortet", entgegnete Harry bereit zum Kampf. „Du lässt
dich von so was beeinflussen?", höhnte Voldemort belustigt.
„Mit dir einem Mörder? Das soll wohl hoffentlich ein Scherz
sein!", rief Hermine dazwischen. „Mörder? Wie leicht sich
das doch sagen lässt. Aber lehn dich bloß nicht zu weit
aus dem Fenster, Mäuschen! Hast du schon mal durchgezählt,
wie viele meiner Todesser dein Harry getötet hat? Nein? Dann
nenn mich nicht einen Mörder! Aber eigentlich, Harry", grinste
er ihn wieder fies an „müsste ich dir dankbar sein. Auf deine
Kräfte freue ich mich schon! Du hast keine Chance gegen mich,
die Prophezeiung wird sich zu meinen Gunsten entscheiden und ich
werde endlich unsterblich sein!" Mit Genuss kamen diese Worte über
Voldemorts Lippen. Lange genug musste er ja auch auf diesen Moment
warten.
Der
Dunkle Lord erblickte Hermines erschrockenes Gesicht. „Was, Harry,
hast du ihr etwa nichts von unserer gemeinsamen Prophezeiung erzählt,
davon wie du enden wirst?", lachte er. „Halt deinen Mund!",
brachte Harry ihm mit eisiger Stimme entgegen. „Ich fass es nicht!
Ich dachte, du hast es ihr erzählt. Du tust doch sonst alles, um
im Mittelpunkt zu stehen!" „Da hast du dich dann wohl geirrt!"
„Ach, Harrylein, das hätte ich nicht erwartet. Also weiß
sie gar nicht, weshalb ich dich töten werde?" „Ich warne
dich, Voldemort!"
„Wenn
wir schon sterben sollen, will ich wenigstens wissen wieso!", rief
Hermine, die ihre Chance witterte, endlich von der Prophezeiung zu
erfahren, auch wenn es nicht gerade der perfekte Moment war. „Dann
werde ich sie mal aufklären!" Voldemort setzte an zu erzählen.
„NEIN!", schrie Harry und Voldemort flog durch die Luft und
landete auf einen der Gräber. Die Todesser, die sich bisher im
Hintergrund ruhig verhalten hatten, machten Anstalten ihrem Meiser zu
helfen. „STOP!", streckte Harry ihnen seine rechte Hand entgegen.
Sie waren unfähig sich zu bewegen, auch nur einen Schritt zu
machen. Nicht mal den kleinen Finger konnten sie anheben. „Du!",
schrie der Lord wütend, doch trotzdem grinste er etwas
überlegen, als er aufstand. Er schnippte mit seinen Fingern und
noch mehr Todesser tauchten auf und kreisten sie ein. „Sag ich
doch, feige!", schnaubte Harry und versuchte sich unbeeindruckt zu
zeigen. „Nicht feige, nur vorbereitet. Ich will nicht noch eine
böse Überraschung erleben. Heute Abend bringen wir es zu
Ende!", erwiderte Voldemort darauf. „Oh, und ich dachte, du
liebst Überraschungen. Aber vielleicht sollte ich aufhören
zu denken und lieber handeln."
Wieder
wollte Harry einen Fluch loslassen. Einer der Todesser, die geraden
angekommen waren, bemerkte dies und schickte ihm einen Fluch. Dieser
traf Harry unvorbereitet und er wurde durch die Luft geschleudert.
Unsanft kam er neben Hermine am Boden auf, die in seine wütenden
Augen blickte. Etwas Flehendes lag in ihrem Blick. Harry deutete ihr
an, ruhig zu bleiben und ihm zu vertrauen. „Ich bring dich gleich
hier weg!"
Voldemort
und seine Todesser lachten. „Na, nicht aufgepasst, Potter?",
feixte Tom Vorlost Riddle. „Bringt Granger um, ich will den Schmerz
in seinen Augen sehen!" Mehrere Todesser richteten gleichzeitig
ihren Zauberstab auf Hermine, die schon fast panisch rückwärts
kroch. „Nun macht schon!", ranzte der Lord seinen Handlangern
entgegen. „Nun, Potter, wirst du sehen, was es heißt, sich
mit Lord Voldemort, dem größten Zauberer anzulegen! Du
wirst jede Minute deines wertlosen Lebens bereuen!" Harry hob
seinen linken Arm leicht an und gleichzeitig baute sich um Hermine
ein Schutzschild auf. Die Todesser blickten nervös auf den
Schutzschild. Das lag wohl daran, dass bereits einige von ihnen
Bekanntschaft mit Harrys Kräften gemacht hatten, auch wenn sie
keine Ahnung hatten, zu was er noch alles im Stande war. Nicht mal
Harry selbst kannte seine ganze Macht. Keiner von ihnen traute sich
Hermine anzugreifen. Sie wussten nicht, wie stark der Schutzschild
war. „Schwächlinge!", donnerte Voldemort wütend und
feuerte selbst einen Fluch auf Hermine ab, der allerdings nur
abprallte. Auch dieses Mal war es kein Avada Kedavra. Nun war es
Harry der grinste: „Na, du größter Zauberer, ich warte!
Du wolltest mir doch was zeigen!" „Deine Arroganz werde ich dir
noch austreiben, bevor du stirbst, Potter!", fauchte er und hob
abermals seinen Zauberstab. Eine unsichtbare Hand schloss sich um
Harrys Hals und würgte ihn. „Was ist das denn? Nur ein kleiner
jämmerlicher Würgefluch? Ich hätte mehr erwartet, aber
du hast ja schon immer leere Versprechungen gemacht", würgte
Harry hervor. Wenn Harry versucht hatte Voldemort zu provozieren,
hatte er es tatsächlich geschafft.
Plötzlich
fiel Harry auf seine Knie. Voldemort hatte zusätzlich noch einen
Cruciatus-Fluch eingesetzt. „Warum schreist du nicht, Potter?"
Trotz der Schmerzen, die Harry in dem Moment erlitt, kam kein Laut
über seine Lippen, auch den Schutzschild, welches Hermine umgab,
hielt er immer noch aufrecht. „Weil mir deine kleinen lächerlichen
Flüche nichts anhaben können!", erwiderte Harry nicht
ganz wahrheitsgetreu und stand wieder auf. Voldemort konnte nicht
sehen, wie viel Kraft es seinem Gegner gekostet hatte unter seinem
Fluch aufzustehen.
Er
hatte seine Augen weit aufgerissen, denn Harry stand mit erhobenen
Armen vor ihm und schickte ihm seine eigenen Flüche mit
doppelter Kraft zurück. Ein markerschütternder Aufschrei
war zu hören - damit hatte er nicht gerechnet. Wäre der
Friedhof nicht durch ein starkes Kraftfeld von der Umgebung
abgeschnitten, hätte man die Schreie sicherlich bis in die
Mauern Hogwarts gehört. Die Todesser schreckten herum und
versuchten Harry mit Flüchen zu belegen, doch nur mit seinen
Gedanken erschuf er vor sich ebenfalls ein starkes Schutzschild aus
silbrigem Nebel, an dem alle Flüche abprallten. „Du kannst mir
nichts anhaben, Voldemort, und deine kleinen Todesser schon lange
nicht!", rief Harry und ließ von ihm ab. Völlig außer
Atem kniete Voldemort auf dem Boden und funkelte Harry wütend
an. Überdimensionalen Hass hatte er auf den neunzehnjährigen
Potterjungen. „Bringt sie endlich um, ich kümmere mich um
unseren Wunderknaben!", dröhnte er mit immer noch leicht
schmerzverzerrter Stimme, während er auf Hermine deutete.
Angetrieben
durch ihren Meister schleuderten die Todesser einen Fluch nach dem
anderen auf Hermine, um den Schutzschild zum Einsturz zu bringen. Es
hielt, nur wie lange noch? Solange dieses noch aufrecht stand, traute
sich niemand den Avada Kedavra zu sprechen, auch wenn dieser Fluch
alles beenden würde. Die Angst, dass dieser Fluch auf sie
zurückkommen könnte, war einfach zu groß. Niemand
wusste, dass Harry ihn im Fuchsbau nur abblocken konnte, da Fawkes
bei ihm war.
Auch
Voldemort kämpfte verbissen mit Harry, doch konnte er ihn nicht
wirklich schwächen. Das glaubte er zumindest.
Nach
einer Weile schien Voldemort die Lust an diesem Hin und Her zu
verlieren und rief nun doch: „Avada Kedavra!" Da Fawkes nicht bei
Harry war, wollte er es nicht riskieren Todesfluch getroffen zu
werden. Reflexartig wich er dem Fluch aus. „Fawkes, hörst
du mich? Ich brauche dich hier dringend!", versuchte er noch
einmal mit seinem Phönix Kontakt aufzunehmen. Doch wieder keine
Antwort. Immer weiter versuchte er ihn zu erreichen. „Was, Potter,
wirst du etwa ängstlich? Hast du Schiss, oder warum bist du
meinem Fluch ausgewichen?" In Voldemorts Kopf schien jede einzelne
Gehirnwindung auf Hochtouren zu arbeiten. „Sag bloß, dass du
nur dank deines Phönixes den Todesfluch bei den Verrätern
der Zauberwelt aufgehalten hast! Sollte das wirklich wahr sein?"
Kaum dass Harry sich wieder hingestellt hatte, feuerte Voldemort
erneut den Avada Kedavra auf ihn ab. Nun hatte er die Gewissheit,
dass er siegen würde. Gleichzeitig, da er nicht mehr ausweichen
konnte, ließ Harry einen gewaltigen Schockzauber los. Beide
trafen sich und die Luft schien förmlich zu brennen. Voldemort
und Harry waren von einem rot-grünen Licht umgeben.
„Wir
haben sie gleich!", rief einer der Todesser und Harry schreckte
rum. Jedoch hielt er die Verbindung zu Voldemort. Hermines Schutz
hatte er vernachlässigt. Er war zu sehr abgelenkt gewesen, hatte
sich zu sehr auf den Dunklen Lord konzentriert, hatte gehofft, ihr
Schutzschild würde halten. Erneut nahm er seinen linken Arm hoch
und ein dicker silberner Nebel schoss hervor, welcher Hermine
anschließend blitzartig umgab. Indem er die Verbindung zu
Hermine aufrecht hielt, blieb der Schild stabil, denn immer und immer
wieder trafen mehrere Flüche gleichzeitig auf Hermines Schutz.
„Überanstreng
dich nicht, Potter!", rief Lucius Malfoy, der neben Voldemort
apparierte. „Ah, Lucius, gerade rechtzeitig, um dem Ende von Harry
Potter beizuwohnen!" Malfoy entfernte sich einige Meter von seinem
Meister und ging langsam und mit engen Augen auf Harry zu, dem die
Anstrengung nun doch im Gesicht stand. Zwei Schutzschilde und dann
noch Voldemort waren doch etwas zu viel. Es brachte ihn an den Rand
der Erschöpfung. „Was du meinem Sohn angetan hast, war gar
nicht nett, Potter, so was macht ein anständiger Zauberer
nicht!" „Er wollte Ron umbringen!", presste Harry zwischen
seinen Zähnen hervor. „Ich war noch viel zu sanft mit ihm!"
Fast hätte er Hermines Schutzschild fallen lassen. „Na, machst
du etwa schlapp, Kleiner? Du wirst dafür bezahlen! Ich werde
dich…" „LUCIUS!", rief Voldemort aufgebracht und Malfoy
wandte sich von Harry ab. Auch Harry sah zu Voldemort, der kaum noch
Kraft hatte. „Na, wirst wohl langsam zu alt, was?", versuchte
Harry belustig zu klingen. Immer mehr gewann er die Oberhand.
Voldemort begann zu zittern und ging etwas in die Knie. „Ja, My
Lord!" „Los!", schnauzte Voldemort. Malfoy Senior nickte und
richtete seinen Zauberstab auf Harry. Mit einem gehässigen
Grinsen auf dem Gesicht, rief er: „Avada Kedavra!"
Harry
mobilisierte seine letzten Reserven und versuchte auch Fawkes'
Kräfte einzusetzen, obwohl dieser nicht bei ihm war und sie
steuerte. Noch nie hatte er es ausprobiert, es war zu gefährlich
– gefährlich für ihn. Doch jetzt hatte er keine Wahl, er
musste dieses Risiko eingehen, wenn er und Hermine dies überleben
wollten. Er verstärkte sein Schild, welches jetzt die Farbe des
Phönix' annahm. Ungeheuere Macht überflutete ihn in
diesem Moment - Macht, die er kaum unter Kontrolle hatte. Doch würde
auch diese Macht irgendwann erschöpft sein.
Da
Voldemorts und seine Magie immer noch durch einen Zauber mit einander
verbunden waren, hielt das Kraftfeld, welches beide umgab. Harry
zuckte zusammen, er hatte alle Mühe ohne Fawkes mit dieser Kraft
umzugehen. Da Harry so sehr mit sich zu tun hatte, wurde Hermines
Schutz erneut schwächer. „Na, Potter, ist alles ein bisschen
viel für dich, was? Ohne deinen Phönix bist du ein
Nichts!", lacht Malfoy, doch konnte Harry auch Furcht in dessen
Augen sehen. Furcht, dass er diese Macht doch noch beherrschen könnte
und sie ihm zu spüren geben würde.
Harry
musste sich konzentrieren, und schaffte es schließlich ihr
Schild zu halten und sogar wieder zu verstärken. Aber zu welchem
Preis? Seines wurde dadurch schwächer und er konnte es nicht mal
verhindern.
Immer
mehr Flüche trafen auf Harrys Schild, diesmal nicht nur die von
Lucius Malfoy, der seinem Lord tapfer zur Seite stand. Hermine und er
standen jetzt völlig unter Beschuss. Er hatte kaum noch kraft
und fiel auf seine Knie ins nasse Gras des Friedhofs. Um Voldemort
endgültig zu besiegen und Hermine zu beschützen, brauchte
er alle Kraft, die er aufbringen konnte, allerdings verebbte diese
von Sekunde zu Sekunde schneller. Sein eigener Schutz war kaum noch
vorhanden, nur noch ein leichter Hauch von Nebel umgab ihn. Auch
Fawkes' Kräfte hatten ihn verlassen, so schien es jedenfalls.
Die Flüche der Todesser durchbrachen teilweise sein Schutzschild
und er war ihnen fast ausgeliefert. Schmerzflüche, wie Harry sie
noch nicht erlebt hatte, musste er erleiden. Er konnte seine Schreie
nicht mehr unterdrücken. Wie Musik klang es in Voldemorts Ohren
und mit seiner linken Hand dirigierte er die Schreie.
Hermine
standen die Tränen in den Augen. Ihretwegen musste Harry so
leiden. Warum hatte sie nicht auf Severus Snape gehört.
„HARRY!", rief sie, während ihre Tränen, die an ihren
Wangen hinunter liefen, auf ihrer Hose versiegten. „Harry, lass es
gut sein, rette dich!", rief sie ihm flehend entgegen. Nur ein
Kopfschütteln erntete sie von ihm, denn das ‚Nein' ging in
einem erneuten Aufschrei unter.
„Du
verbrauchst deine Kraft, nur um sie zu retten? Sei nicht dumm, Harry,
das nützt nichts, sie wird sterben!", rief Voldemort. Auch ihm
blieb natürlich nicht verborgen, dass Harry immer schwächer
wurde. Mit Genugtuung stellte der Lord fest, dass das Kraftfeld, was
bis zu dem Zeitpunkt beide noch umgab, zusammenbrach und er frei war.
Gerade wollte er den alles entscheidenden Avada Kedavra sprechen, als
er es sich anders überlegte. Zu sehr hatte er sich in seine
Euphorie hineingesteigert und fast vergessen, dass er Harry ja etwas
versprochen hatte. Aber ob das so klug war?
„Du
solltest doch miterleben wie deine kleine Freundin stirbt, das habe
ich dir ja versprochen! Und was ich verspreche, halte ich auch!"
Doch bevor er sich an Hermine wandte, rief er noch einmal: „Crucio!"
Harry keuchte und stöhnte vor Schmerz auf und seine Narbe riss
auf. Er brauchte dringend mehr Kraft, wenn er verhindern wollte, dass
Voldemort Hermine tötet. Er ließ den Rest vom eigenen
Schutzschild fallen, der so oder so nur noch kleine harmlose Flüche
blockte, und leitete ein Teil der noch übrigen Kraft in Hermines
Schutzschild, welches sich dadurch nochmals etwas verstärkte und
den anderen Teil gegen Voldemort. Es schien trotzdem aussichtslos zu
sein. Er würde Voldemort nicht besiegen können und Hermine
würde nur so lange am Leben bleiben, wie er sie mit seinem
Schutzschild beschützen konnte. Wenn er aufgeben würde,
wäre sie verloren. Das was er hier auf dem Friedhof erlebte, war
die Vision, die ihn Tag für Tag heimsuchte.
„Bevor
ich es vergesse, grüß bitte deine Eltern von mir! Erst das
Schlammblut und dann erledige ICH Potter!", rief Voldemort seinen
Todessern entgegen.
Alle Zauberstäbe waren auf Hermine
gerichtet, nur der von Voldemort zeigte auf Harrys Brust. „Alle
gleichzeitig!" Harry schloss seine Augen: ‚Nein… Nein… NEIN!'
„Sieh dem Tod ruhig in die Augen, Harry!", lachte Voldemort kalt.
„Fawkes, bitte hilf mir!", flehte Harry. Jegliche Hoffnung
war verschwunden. Gerade wollte er aufgeben und damit auch den Rest
seiner kläglichen noch verbliebenen Energie an Hermine weiter
leiten, da hörte er Phönixgesänge. Aber woher kamen
sie? Fawkes war nirgendwo zu sehen und auch nur er schien es zu
hören. Ein kleiner Funken Hoffnung flammte wieder auf, Hoffnung,
dass Fawkes ihn doch noch erreichen würde.
Er
konnte wenigstens wieder einen Teil von Fawkes' Macht spüren.
Er konzentrierte sich noch stärker mit der wenigen Kraft, die
ihn noch zur Verfügung stand.
Plötzlich
war Harry von blauem Licht umgeben. „Was machst du da?", schrie
Voldemort entsetzt. Harry konnte Angst in dessen Stimme erkennen.
„Avada Keda…", wollte Voldemort ansetzen, bevor es zu spät
war und Harry wieder genügend Kraft hatte - darauf schien es
nämlich hinauszulaufen – als Harry die Augen öffnete und
eine Art Druckwelle von ihm ausging. Die Todesser und Voldemort
schrieen auf. Sie wurden von ihren Füßen gerissen und
blieben regungslos am Boden liegen.
Erst
sah es so aus, als wenn auch Voldemort außer Gefecht gesetzt
wurde, doch leider hatte es auch nur den Anschein. Er war nur
geschwächt und sein Zauber, den er auf den Friedhof gelegt
hatte, gebrochen. Augenblicklich erschienen Fawkes und die
Ordensmitglieder. Voldemort verschwand mit seinen bewusstlosen
Todessern. Nur die, die ihr Leben bereits ausgehaucht hatten, ließ
er zurück, als wären sie nichts wert.
Harry
hingegen war zu nichts mehr in der Lage. Wie in Zeitlupe sackte er
zusammen. Sein letzter Zauber hatte alles von ihm abverlangt. Nur
Hermines Schutzschild hielt noch. Niemand wusste, woher Harry die
Kraft dazu noch hatte. Es flackerte zwar schon, aber er hatte seinen
Arm noch immer zu ihr ausgestreckt und hielt es damit aufrecht. Er
musste sie um jeden Preis beschützen, dass war seine Aufgabe.
„Er ist verschwunden, es ist vorbei!", kniete sich ein besorgt
aussehender Remus Lupin neben Harry. Ohne seine Augen zu öffnen,
antwortete Harry: „Nichts ist vorbei, es hat noch gar nicht richtig
angefangen!" Ganz leise kamen diese Worte über Harrys Lippen.
Er schien bewusstlos zu werden, doch fing er sich immer wieder.
Fawkes ließ sich auf Harry nieder und wollte gerade in einer
Flamme verschwinden. „Nein, Hermine! Hilf ihr, sie braucht deine
Hilfe!" Fawkes schien nicht im Entferntesten daran zu denken.
„Hermine habe ich gesagt!" Diese Aussage ließ kein
Ungehorsam zu.
„Harry,
lass los", flüsterte Kingsley ihm beruhigend zu „es passiert
ihr nichts mehr! Du brauchst deine Kraft!" Harry begann sein
Gesicht zu verziehen, er musste sehr starke Schmerzen haben. Wieder
versuchte Fawkes zu ihm zu gelangen, jedoch ließ Harry es auch
dieses Mal nicht zu. Er drehte seinen Kopf in Hermines Richtung und
lächelte sie an. Hermine lächelte liebevoll und dankbar
zurück und ihre Hand bewegte sich auf seine zu, die immer noch
den Schutzschild aufrecht hielt. Aber sie konnte seine Hand nicht
erreichen. „Harry, bitte, wir bringen euch nach Hause!", sagte
Remus und versuchte ihn dazu zu bewegen, das Kraftfeld, welches
Hermine immer noch umgab, fallen zu lassen. „Bitte, Harry, lass es
fallen! Du bringst dich damit um!", weinte Hermine.
Harrys letzte Lebensenergie war aufgebraucht. Ganz langsam verschwand der silbrige Schleier um Hermine, während gleichzeitig seine Augen zufielen. Sie ergriff seine Hand und schmiegte sie an ihre Wange. Harry spürte ihre Wärme und ihre Tränen ‚Sie lebt!' „Danke, Harry!", wisperte Hermine leise. Ein kaum vernehmbares „Immer" entfloh seiner Kehle, bevor er bewusstlos wurde. Ein plötzliches Aufbäumen von Harry begleitet von einem kläglichen Schrei ließ die Anwesenden erstarren. Bevor Harrys Oberkörper wieder den Boden berührte, löste Remus sich aus seiner Erstarrung und fing ihn auf. Fawkes stürzte auf Harry zu. Das Blut seiner Narbe lief ihm übers Gesicht.
So, ich sage jetzt mal lieber nichts, bevor ich mir wieder den Mund verbrenne und euch verspreche, dass es bis zum nächsten Kapitel nicht so lange dauern wird.
Warte sehnsüchtig auf eure Reviews!
Bis dann, bepa!
